{"id":61698,"date":"2020-09-13T00:01:55","date_gmt":"2020-09-12T22:01:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=61698"},"modified":"2022-02-17T14:26:11","modified_gmt":"2022-02-17T13:26:11","slug":"tristan","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/09\/13\/tristan\/","title":{"rendered":"TRISTAN"},"content":{"rendered":"\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine Sehnsucht nach ihr ist sauerkirschkerngro\u00df, gr\u00f6\u00dfer als der Ort, an dem wir unsere Herzen mit den Schaufeln unserer V\u00e4ter unter schwerem Bl\u00fctenschnee begraben haben. Nicht aus jedem Kirschkern w\u00e4chst ein Baum. Wir haben unsere in die Welt gespuckt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der letzte Kern ist taub, treibt mit den dunkelroten Fleischresten vergangener Fruchtk\u00f6rper ziellos unter ihrer Sp\u00e4tsommerhaut umher, und die Baumkronen sch\u00e4umen wei\u00df. Meine geheuchelte Unschuld ist ihr ein verloren gegangenes Hochzeitkleid, das an den Wogen ihrer Br\u00fcste unseren Niedergang tanzte. Allein. Ich spucke, und die Welt bespr\u00fcht mich staunend- mit gef\u00fchlskalter Gischt.Es ist lange her, seit wir die Tiefen ihres Bauchnabels mit gefundenem Strandglas abgeschlossen haben. Der Schl\u00fcssel ist geschluckt und l\u00e4sst nichts keimen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich lege eine Scherbe zwischen jeden gestohlenen Kuss unter Sauerkirschb\u00e4umen, auch jetzt noch, und schwimme mit der Hoffnung auf einen Unterwasserbaum, an dem ich atmen kann, was nicht mehr ist.Wir bestatten uns auf hoher See. Sie schenkt uns ein Nimmermeer, damit sie mit den M\u00f6wen kreischen kann.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich schmecke das Salz meiner Schnittwunden auf einer anderen Zunge und m\u00f6chte ihr Seeglas suchen, damit meine Salzb\u00e4rte ihre Schenkel hinabwachsen k\u00f6nnen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-large-font-size\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Jenseits BlassBlau<\/strong>, von Julia Kulewatz. Edition Roter Drache 2020<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-61702\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Blass_blau_Cover-681x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"170\" height=\"256\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bernhard Hennen nennt Julia Kulewatz in seinem Vorwort &#8222;die Poetin der deutschen Phantastik&#8220;. So sprechen die hier versammelten Kurzgeschichten mit der Weisheit siebenj\u00e4hriger Kinder, lassen die Liebe durchsichtig werden und erwecken zartgr\u00fcne Jungfrauen aus den Leibern uralter Drachen, die \u00fcber die Menschen wachen. Wir werden auf abenteuerliche Entdeckungs- reisen geschickt, bei denen es nicht weniger zu verlieren und zu gewinnen gibt als eine neue Perspektive auf uns selbst und die uns umgebende, fantastische Wirklichkeit. Dabei ver- fl\u00fcssigen sich Raum und Zeit in den Schritten barf\u00fc\u00dfiger Nixen. Mit der Virtuosit\u00e4t ihrer bild- gewaltigen Sprache entf\u00fchrt uns die Autorin in die allumfassenden Tiefen des Ozeans, der zugleich Rettung und Vernichtung ist. Dabei verfl\u00fcssigen sich Raum und Zeit in den Schritten gefl\u00fcgelter Nixen, die erzwungene Wolkenformationen zu entr\u00e4tseln suchen.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Meine Sehnsucht nach ihr ist sauerkirschkerngro\u00df, gr\u00f6\u00dfer als der Ort, an dem wir unsere Herzen mit den Schaufeln unserer V\u00e4ter unter schwerem Bl\u00fctenschnee begraben haben. Nicht aus jedem Kirschkern w\u00e4chst ein Baum. 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