{"id":61433,"date":"2001-08-28T00:01:25","date_gmt":"2001-08-27T22:01:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=61433"},"modified":"2021-10-27T22:10:56","modified_gmt":"2021-10-27T20:10:56","slug":"waldgaenger","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/08\/28\/waldgaenger\/","title":{"rendered":"Waldg\u00e4nger"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Zur Eigenart unserer Zeit<\/em><\/span><br \/><span style=\"color: #999999;\"><em> geh\u00f6rt die Verkn\u00fcpfung bedeutender Auftritte mit unbedeutenden Darstellern.<\/em><\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Waldgang ist ein 1951 erschienener Essay von Ernst J\u00fcnger. Darin geht es um die Frage:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Wie verh\u00e4lt sich der Mensch angesichts und innerhalb der Katastrophe?<\/em><\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Als <em>Waldg\u00e4nger<\/em> beschreibt J\u00fcnger einen Menschen, der sich gedanklich unabh\u00e4ngig h\u00e4lt von der umgebenden Gesellschaft und zum Widerstand f\u00e4hig ist, falls der jeweilige Staat ein verbrecherischer ist oder wird.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Thea Dorn verwies darauf, dass J\u00fcngers Bild vom <em>Waldg\u00e4nger<\/em> seine Wurzeln im Mythos vom Deutschen Wald habe; das Buch enthalte die \u201eradikalste Verkn\u00fcpfung von Wald und Freiheit\u201c in der deutschen Literatur. Der Waldg\u00e4nger sei ein \u201eebenso elit\u00e4rer wie solit\u00e4rer Partisan, der sich gegen die Befehle der verwalteten Welt auflehnt\u201c. Ebenfalls aus dem Mythischen und M\u00e4rchenhaften heraus entwickle J\u00fcnger einen zentralen Gedanken, \u201eder allemal wert ist, nicht vergessen zu werden &#8211; der Gedanke, dass der Wald der Ort ist, an dem jeder mit seinen Ur\u00e4ngsten konfrontiert wird.\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Golo Mann, der J\u00fcngers <em>Arbeiter<\/em> von Grund auf abgelehnt hatte, schrieb kurz nach Erscheinen des <em>Waldgangs<\/em> an den Autor:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Es ist ein sch\u00f6nes Buch voll tiefer, wahrer Einblicke und sehr sch\u00f6ner Formulierungen [&#8230;] Dabei zeigen gewisse Seiten des Waldganges, dass der Autor politisch recht wohl und zutiefst Bescheid wei\u00df. Mein Einwand ist dieser: Es gibt einen E. J., der helfen will. Es gibt einen anderen, \u00e4lteren E. J., der schauen will, der \u00e4sthetisiert: Und von diesem, dem Autor des Arbeiters, ist noch etwas im Waldgang: [&#8230;] Und es scheint mir, dass ihr neueres Werk ohne diese Kategorien ausk\u00e4me.<\/span> <\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch als Ausdruck von J\u00fcngers Distanzierung von der Politik \u00fcberhaupt wurde das Buch verstanden: \u201eWie sich in den <em>Marmorklippen<\/em> angedeutet hat, besteht eine entscheidende Lehre, die J\u00fcnger aus dem Nationalsozialismus meint ziehen zu k\u00f6nnen, dass allem konventionell verstandenen und praktizierten Politischen der R\u00fccken zu kehren sei. [&#8230;] Sein Gegenmodell zu einer politischen Landschaft, in der \u201ealle Positionen gleich nichtig\u201c und Wahlen entsprechend zur blo\u00dfen Farce geworden geraten seien, nimmt die Form eines Appells zur Elitenbildung an.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Ursprung des im <em>Waldgang<\/em> geschichtsphilosophisch ausgearbeiteten Konzepts einer Verhaltenslehre in der nihilistischen Moderne verortet Niels Penke in der gleichnamigen Form der Verbannung, wie sie im altnordischen Rechtssystem beschrieben wird. Hier zeigt sich besonders deutlich, wie J\u00fcngers Rollenkonzepte die verschiedenen Genres &#8211; Tagebuch, Essay, Prosa &#8211; leitmotivisch durchziehen. KUNO sch\u00e4tzt den Essay <em>Der Waldgang, <\/em>als eine Art Widerstandsfibel gegen Totalitarismus und Anpassung. Die Demokratie ist ein Versprechen, das sich seiner Unerf\u00fcllbarkeit bewu\u00dft ist. Der Impuls zu einem Prozess, der nie an ein Ende kommt. Wer, wie Ernst J\u00fcnger, die perfekte Staatsform sucht, den entt\u00e4uscht die Demokratie zwangsl\u00e4ufig. Sie bietet keine fertigen L\u00f6sungen, die f\u00fcr immer g\u00fcltig w\u00e4ren, sondern muss jeden Tag neu errungen werden. Demokratie ist das, was wir aus ihr machen. Darin liegt ihre Verletzlichkeit. Aber auch ihre St\u00e4rke.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"171\" height=\"250\" class=\"wp-image-61434\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Waldgang.jpg\" alt=\"\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Waldgang.jpg 171w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Waldgang-160x234.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 171px) 100vw, 171px\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Waldgang<\/strong><em>.<\/em> Essay von Ernst J\u00fcnger, Klostermann, Frankfurt am Main 1951.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchend\u00a0\u2192<\/strong>\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir begreifen den Essay auf KUNO als eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Versuchsanordnung<\/a>, undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Eigenart unserer Zeit geh\u00f6rt die Verkn\u00fcpfung bedeutender Auftritte mit unbedeutenden Darstellern. 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