{"id":60976,"date":"2005-03-04T00:01:00","date_gmt":"2005-03-03T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=60976"},"modified":"2021-01-10T17:09:38","modified_gmt":"2021-01-10T16:09:38","slug":"vertrauen-3","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/03\/04\/vertrauen-3\/","title":{"rendered":"Vertrauen"},"content":{"rendered":"\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bevor er gegangen war, hatten Herr Nipp und sein Freund noch \u00fcber unbedingtes Vertrauen gesprochen. Die Frage, wem man alles anvertrauen w\u00fcrde, wenn einmal das Jahr k\u00e4me, in welchem er weggehen w\u00fcrde. Beiden waren nicht viele eingefallen, auf jeden Fall die Geschwister. Einige Freunde vielleicht noch, vielleicht ein oder zwei. Sie hatten ihren Gedanken freien Lauf gelassen, waren zu der ber\u00fchmten Liste gekommen, die vierzig verschiedene Berufe aufz\u00e4hlt. Dort hatten die meisten Menschen bei f\u00fcnf Wahlm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Vertrauensberufe am seltensten f\u00fcr den des Bankers gestimmt. Wieso eigentlich? Nur weil es Bankern ganz ehrlich nur um eines geht, was alle anderen irgendwie mit oberfl\u00e4chlichen Makeups zu verschleiern versuchen. Um Geld.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Offensichtlich geht es weder Apothekern noch \u00c4rzten, weder Lehrern noch Architekten darum. Wieso denn auch, sie leben ja von Gespr\u00e4chen, Untersuchungen, Entw\u00fcrfen und Luft allein. Und den vielen Dankesch\u00f6ns. Von den freundlich aufgesetzten Mienen, den Rollenmasken. So leben Polizisten und Soldaten einzig vom Tragen einer Uniform, Politessen und Politessern k\u00f6nnen sich von den vielen b\u00f6sen Blicken ern\u00e4hren, die ihnen entgegenschlagen, wenn sie mal wieder ein Zettelchen hinter die Scheibenwischer der Windschutzscheibe heften. Priester ern\u00e4hren sich dagegen von Messwein und Hostien, von den vielen W\u00f6rtern, die sie von der Kanzel auf das Volk herab rieseln lassen, so auch die Politiker. Schmieden reicht die Kohlenschlacke, die nach getaner Arbeit in der Esse bleibt, von den schmutzigen H\u00e4nden. Musiker, K\u00fcnstler und Schauspieler macht der Applaus fett. Die Flie\u00dfbandarbeiter dieser Republik haben schlie\u00dflich ihren ausgehandelten Tarif. All das hat nichts mit Geld zu tun. Wovon leben die M\u00e4nner der M\u00fcllabfuhr? Herr Nipp und sein Freund hatten erst nur grinsen m\u00fcssen, mit der Zeit, als die Beispiele immer abwegiger wurden, dann herzlich laut gelacht. Man denke an die Betreiber von Kl\u00e4ranlagen, an Stahlarbeiter, Pornodarsteller, Softwareentwickler. Irgendwann kam es zur Idee des Freundes, dass man das gr\u00f6\u00dfte Vertrauen doch eigentlich den Vertretern entgegenbringen m\u00fcsste, die h\u00e4tten schlie\u00dflich immer Geschenke dabei und wollten nur etwas loswerden. Ja, Menschen, um das Wohlergehen der anderen besorgt. Herr Nipp hatte daraufhin gemeint, auch er vertraue bestimmten Personen genauso. Seine Gedanken begannen zu kreisen und er konnte sich Zeit um Zeit ein gekr\u00e4useltes Schmunzeln nicht verkneifen. Der Nachhauseweg war zu Fu\u00df geschehen. Im Vertrauen darauf, dass er nicht zu lang werden w\u00fcrde. Bestimmte Wege m\u00fcssen allein gegangen werden.\u00a0<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Mittelma\u00df der Welt<\/strong>, unerh\u00f6rte Geschichten von Herrn Nipp, dokumentiert auf KUNO 1994 &#8211; 2019<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-71748 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg\" alt=\"\" width=\"217\" height=\"229\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg 217w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild-160x169.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 217px) 100vw, 217px\" \/><\/a>Weiterf\u00fchrend<\/strong>\u00a0\u2192 Zu einem begehrten Sammlerst\u00fcck hat sich die Totholzausgabe von Herrn Nipps <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12766\"><em>Die Angst perfekter Schwiegers\u00f6hne<\/em><\/a> entwickelt. Zudem belegt sein Taschenbuch <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=9294\"><em>Unerh\u00f6rte M\u00f6glichkeiten<\/em><\/a>, da\u00df man keinen Falken mehr verzehren muss, um novellistisch t\u00e4tig zu sein. Herr Nipp dampft die Gattung der Novelle konsequent zu <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=899\"><em>Twitteratur<\/em><\/a> ein. Und au\u00dferdem pr\u00e4sentiert Haimo Hieronymus ab 2017 <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=41385\"><em>\u00dcber Heblichkeiten, Floskeln und andere Ausrutscher<\/em><\/a> aus den Notizb\u00fcchern des Herrn Nipp.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Bevor er gegangen war, hatten Herr Nipp und sein Freund noch \u00fcber unbedingtes Vertrauen gesprochen. Die Frage, wem man alles anvertrauen w\u00fcrde, wenn einmal das Jahr k\u00e4me, in welchem er weggehen w\u00fcrde. 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