{"id":60726,"date":"2002-09-09T00:01:41","date_gmt":"2002-09-08T22:01:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=60726"},"modified":"2021-01-09T13:05:28","modified_gmt":"2021-01-09T12:05:28","slug":"rautenmuster","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/09\/09\/rautenmuster\/","title":{"rendered":"Rautenmuster"},"content":{"rendered":"\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In der K\u00fcche liegt ein ganzer Stapel an nicht mehr ganz frisch gebackenen Waffeln. Der derzeitige, offiziell so benannte Dauergast, der l\u00e4ngst zum partiellen echten Mitbewohner geworden ist, hatte einfach Lust darauf zu backen. Er hatte sich das alte klassische Rezept der Gro\u00dfmutter hervorgekramt, lediglich die Speckschwarte weggelassen, mit der vor Jahrzehnten noch das Eisen gefettet werden musste. Mehl, Butter, Eier, Mandelmehl, Backpulver und Vanille. Klar, zum Abschmecken musste auch noch etwas Salz verwendet werden. Berechnet f\u00fcr sechs Eier. Das allerdings muss man sich mal vorstellen, auf der Zunge zergehen lassen. Sechs Eier f\u00fcr zwei Esser. Der rote R\u00fchrtopf, jene Plastiksch\u00fcssel, die von irgendeinem gemeinsamen Kochen mit Freunden liegen geblieben war, war schwer bef\u00fcllt. Ein leckerer Teig mit der richtigen Konsistenz. Drei Essl\u00f6ffel f\u00fcr eine F\u00fcllung. Doch mit dieser Menge Teig hatten sie den halben Nachmittag backen m\u00fcssen. Fr\u00fcher reichte die Portion normalerweise f\u00fcr vier bis sechs Besucher, dann mit Schlagsahne und hei\u00dfen Kirschen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt sind die Waffeln schon zwei Tage alt, nicht mehr gerade ganz frisch eben. Der Duft, der in der Wohnung hing, ist lange verflogen. Zum Fr\u00fchst\u00fcck, zum Abendessen wird nun Waffel gegessen. Mit Frischk\u00e4se zu empfehlen oder mit Kornelkirschenmarmelade. Im Grund egal mit was, aber die Waffeln m\u00fcssen dringend weg.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend Herr Nipp so vor sich hin m\u00fcmmelt, eine Tasse Kaffee in der Hand, er hat noch einige Stunden Zeit, bis seine Schicht beginnt, betrachtet er die Rauten. Schon als Kind, wenn er ohne Probleme zehn oder elf dieser Geb\u00e4ckst\u00fccke in sich schieben konnte, durfte, hatte er sich immer wieder \u00fcber verschiedene Dinge gewundert, die Cloer-Waffeleisen betreffend. Warum haben die Waffeln f\u00fcnf Herzen und nicht vier, das w\u00e4re doch viel praktischer? Man k\u00f6nnte sie viel besser in der Mitte falten, zweimal, damit man sie effektiv in den Mund schieben kann. Warum sind Waffeln so gro\u00df? Kleine Waffeln k\u00f6nnte man weghapsen, mit einem Mal quasi einatmen. Warum sind die Rauten so gleichm\u00e4\u00dfig auf das einzelne Herz bezogen auf die Mitte ausgerichtet? Das ist so verwirrend, wenn man st\u00e4ndig das gesamte Rad drehen muss, um die Rauten in die richtige Position zu bringen. Immerhin wechseln dabei die Schattenspiele fast malerisch. Immer wieder gehen ihm diese Gedanken durch den Kopf. Rechte Winkel, und spitze, Quadrate und Rauten, Farbe und Form, immer wieder werden die Waffeln auf dem wei\u00dfen Teller gedreht. Zerlegt, gekostet und schlie\u00dflich verspeist. Vielleicht ging es den Erfindern ja auch einfach darum, immer wieder Menschen dazu zu bringen, abzuschalten, \u00fcber einen Weltzustand zu sinnieren, der eigentlich gar keine Bedeutung hat.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Moment kommt der derzeitige WG-Genosse herein. Mit dickem Grinsen. Er hat bei Ebay ein belgisches Waffeleisen geschossen. Das macht zwei quadratische Geb\u00e4ckteile nebeneinander, verbunden mit einem d\u00fcnnen Steg.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\r\n\r\n<\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\r\n\r\n<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Mittelma\u00df der Welt<\/strong>, unerh\u00f6rte Geschichten von Herrn Nipp, dokumentiert auf KUNO 1994 &#8211; 2019<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-71748\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg\" alt=\"\" width=\"217\" height=\"229\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg 217w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild-160x169.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 217px) 100vw, 217px\" \/><\/a><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong>Zu einem begehrten Sammlerst\u00fcck hat sich die\u00a0Totholzausgabe von Herrn Nipps <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12766\"><em>Die Angst perfekter Schwiegers\u00f6hne<\/em><\/a> entwickelt.\u00a0Au\u00dferdem belegt sein Taschenbuch <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=9294\"><em>Unerh\u00f6rte M\u00f6glichkeiten<\/em><\/a>, da\u00df man keinen Falken mehr verzehren muss, um novellistisch t\u00e4tig zu sein. Herr Nipp dampft die Gattung der Novelle konsequent zu <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=899\"><em>Twitteratur<\/em><\/a> ein. Und au\u00dferdem pr\u00e4sentiert Haimo Hieronymus die bibliophile Kostbarkeit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=41385\"><em>\u00dcber Heblichkeiten, Floskeln und andere Ausrutscher<\/em><\/a> aus den Notizb\u00fcchern des Herrn Nipp. <span data-offset-key=\"bv319-0-0\">Begleitendes zur Ver\u00f6ffentlichung des Buches <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/12\/04\/fatale-wirkungen\/\"><em>Fatale Wirkungen<\/em><\/a>, von Herrn Nipp (Mit Fotos von Stephanie Neuhaus). \u00dcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=70620\">historische Aufgabe<\/a> von Herrn Nipp aus M\u00f6ppelheim.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Thema K\u00fcnstlerbucher lesen finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Vertiefend auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese bibliophile Kostbarkeiten sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>\r\n\r\n\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; In der K\u00fcche liegt ein ganzer Stapel an nicht mehr ganz frisch gebackenen Waffeln. Der derzeitige, offiziell so benannte Dauergast, der l\u00e4ngst zum partiellen echten Mitbewohner geworden ist, hatte einfach Lust darauf zu backen. 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