{"id":60230,"date":"2020-05-19T00:01:15","date_gmt":"2020-05-18T22:01:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=60230"},"modified":"2020-05-18T16:19:14","modified_gmt":"2020-05-18T14:19:14","slug":"europa-von-oben-und-unten-betrachtet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/05\/19\/europa-von-oben-und-unten-betrachtet\/","title":{"rendered":"europa von oben und unten betrachtet"},"content":{"rendered":"\n<p>ihrem zweiten band von \u00bbWirklich\nreisen\u00ab stellte die autorin ein zitat von theodor fontane voran, dem wanderer\ndurch die mark brandenburg, der aus einer hugenottenfamilie stammte: \u00bbPersonen,\ndie nicht da waren, wissen immer alles am besten.\u00ab das ist ja logisch. wer\netwas nicht erreichen kann, besch\u00e4ftigt sich vielfach umso intensiver damit. es\ngibt auch kosmopoliten, die ihr dorf kaum verlassen. schlie\u00dflich sind menschen\nkompensationswesen. das\nfehlende sch\u00e4tzt man oft umso mehr. wenns das leben nicht g\u00e4be, w\u00e4r das leben\ngut. der mensch hingegen, der etwas hat, meint h\u00e4ufig, er m\u00fcsse es nicht\nweiter ergr\u00fcnden und verstehen, denn er besitzt und sieht es ja. der\nschottische philologe, sozialanthropologe und religionsethnologe james george\nfrazer, der tausende seiten \u00fcber verschiedenste weltkulturen schrieb und\nver\u00f6ffentlichte, deren motive er miteinander verglich und verband und dessen\ndetailkenntnis bis heute fasziniert, obwohl manche seiner theorien sp\u00e4ter\nkorrigiert wurden, antwortete einmal auf die frage, ob er jemals selber ins\ngel\u00e4nde gegangen sei: \u00bbGott beh\u00fcte!\u00ab es haben also durchaus verschiedene\nweisen, andere kulturen zu erkunden, ihre berechtigung.<\/p>\n\n\n\n<p>auch in ihrem zweiten reisebuch\nbeschreibt sabine raczkowski in einem skizzenhaften tagebuchstil ein\nselbstbestimmtes reisen mit entdeckergeist. man merkt darin die gewonnene schreiberfahrung.\nder unterschied zu den reisen des ersten bandes besteht darin, da\u00df die\naufenthalte diesmal jeweils eine woche dauerten und dadurch mehr zeit blieb f\u00fcr\ndie erkundung der orte und landschaften und vielf\u00e4ltigere reiseeindr\u00fccke, die\nes erlaubten, die kulturgeschichte intensiver wahrzunehmen. zugleich wird das\nwahrgenommene hier mehr reflektiert. literarische texte sollten wirklichkeit\ngestalten, vertiefen, sublimieren, nuancieren, poetisieren, verfremden,\nkritisieren, und so wesentlich machen. wenn sie ihr erleben der natur beschreibt,\ngelingt ihr das am besten. sie weist jedoch auch darauf hin, welcher\nalltagshektik sie zuvor in den urlaub entflieht. <\/p>\n\n\n\n<p>viele passagen lassen einen\ngro\u00dfen respekt vor der natur erkennen. \u00fcber die schottischen highlands schreibt\nsie: \u00bb<em>Die Natur braucht die Menschen\nnicht, das ist hier, wie in einem tropischen Urwald, deutlich zu sp\u00fcren. Die\nsaftige Vegetation \u00fcberwuchert die Stra\u00dfen, die Felsen, die Mauern; saugt den\nRegen auf, dem Morgentau ist sie ein Schwamm und winzige blaue, lila und wei\u00dfe\nBl\u00fcten wie f\u00fcr Puppenstubenvasen bl\u00fchen zum Dank in der kleinsten Ritze, an den\nabwegigsten Orten.<\/em>\u00ab vielleicht sinds ja blumen f\u00fcr zwerge, die gern im\nsteinigen gel\u00e4nde wohnen, wo sie sich gut verbergen k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p>die reiseausr\u00fcstung f\u00fcr einen\nausflug in norwegen 2013 schildert sie so: \u00bbIch habe einen Rucksack mit Wasser,\nRegensachen, Pullovern, einer kleinen Thermoskanne mit Proviant auf dem R\u00fccken,\nnat\u00fcrlich auch mit Verbandszeug und den \u00fcblichen Sturmstreichh\u00f6lzern. Rainer\ntr\u00e4gt einen gro\u00dfen Fotorucksack. Beide wiegen bestimmt zehn Kilo. Es geht nur\nbergauf, die Felsh\u00fcrden sind steil, doch zu bezwingen.\u00ab \u00fcber die berge in norwegen\nhei\u00dft es: \u00bbWie winzig ist der kletternde Mensch, der keuchend den Rand des\nschmelzenden Eises als Ziel der Eroberung vor Augen hat.\u00ab im weltraum\nexistieren noch ganz andere gebirge. <\/p>\n\n\n\n<p>heinrich heine schrieb \u00fcber eine\nwanderung an der nordsee: \u00bbwunderbar wird mir zumute, wenn ich allein in der\nD\u00e4mmerung am Strande wandle \u2012 hinter mir flache D\u00fcnen, vor mir das wogende,\nunermessliche Meer, \u00fcber mir der Himmel wie eine riesige Kristallkuppel \u2012 ich\nerscheine mir dann selbst sehr ameisenklein, und dennoch dehnt sich meine Seele\nso weltenweit. Die hohe Einfachheit der Natur, wie sie mich umgibt, z\u00e4hmt und\nerhebt mich zu gleicher Zeit.\u00ab in einer sage aus dem wallis ruft die totenseele\neines mannes, der \u00fcber hundert jahre alt wurde und sein leben lang die gleiche\nbergh\u00fctte bewohnte, w\u00e4hrend sie auf dem weg ins jenseits an der fr\u00fcheren\nbehausung vorbeifliegt: \u00bbDa war ich auch einmal \u00fcber Nacht!\u00ab die ewigkeit\nrelativiert die anwesenheit eines menschen auf der erde schon sehr. wenn sabine\nraczkowski schreibt: \u00bbDie Felsen tragen jede halbe Stunde eine andere Wolkenfrisur,\nvon senkrechter Rokokoper\u00fccke bis Beatles-Schnitt, ab und zu sind sie so\neingebildet, sich einen Heiligenschein umzulegen.\u00ab, so erinnert mich das an das\nwort \u00bbFlaumwolkengletscher\u00ab bei albert ehrenstein, der freilich auch einen \u00bbHimmelh\u00f6llentausendschlitz\u00ab\nkannte.<\/p>\n\n\n\n<p>in norwegen und bei einem\nabstecher nach schweden begegnete sie elchen, die erstmals im pleistoz\u00e4n auftauchten, \u00fcber zwei meter gro\u00df\nwerden und ihr schaufelartiges geweih erst im alter bekommen, was auf eine\nnaturgeschichtlich noch junge und unabgeschlossene entwicklung hindeutet. der\nelch ist also ein sp\u00e4tes wesen, wie der mensch. der europ\u00e4ische elch war, wie arch\u00e4ologische\nfunde belegen, einst bis nach norditalien verbreitet. antike autoren erw\u00e4hnten ihn.\nfriedrich r\u00fcckert berichtete im 19. jahrhundert, da\u00df elche auch in deutschen\nw\u00e4ldern lebten, wohin sie allm\u00e4hlich wieder zur\u00fcckkehren k\u00f6nnten. in ru\u00dfland\nwurde der elch noch nach 1900 unweit vom schwarzen meer gesehen. die russische\nund die schwedische regierung verboten die nutzung der elche als transporttier\nzeitweilig, weil die polizei kriminelle, die elche besa\u00dfen, nicht mehr\nverfolgen konnte. <\/p>\n\n\n\n<p>in norwegen sehen die reisenden zudem rentiere in freier natur.\ndie samen, die man fr\u00fcher lappen nannte, z\u00e4hmten rentiere, die auch gemolken\nwerden, schon vor tausend jahren und opferten einzelne tiere ihren g\u00f6ttern. heute\nhalten sie \u00fcber 200000 rentiere in herden. in lappland war das ren, das zwei\nmeter lang wird, lange das wichtigste transportmittel, als das man es immer noch\nnutzt. einige samen besa\u00dfen mehrere tausend tiere. ein rentierzug konnte 300\ntiere umfassen. mit dem schlitten und einer last von hundert kilogramm kann das\nren zehn kilometer pro stunde zur\u00fccklegen. seine witterung reicht 600 meter\nweit. die fellhaare sind im winter sechs zentimeter lang, was sie f\u00fcr\nfellm\u00e4ntel geeignet macht. inzwischen werden die meisten der zahmen rentiere\ngeschlachtet, verkauft und gegessen.<\/p>\n\n\n\n<p>gleichfalls in norwegen wird die einst\ngr\u00f6\u00dfte kobaltmine der welt besucht. kobolden, berggeistern, die mitunter eine\ntarnkappe wie zwerge trugen, wahrsagen konnten und teils narrenhafte\nverhaltensweisen annahmen, wurde nachgesagt, da\u00df sie silber raubten und daf\u00fcr\nkobalt unterschoben, das lange als wertlos galt. \u00bbIch will Kobolde um mich\nhaben, denn ich bin mutig. Mut, der Gespenster verscheucht, schafft sich selber\nKobolde \u2013 der Mut will lachen.\u00ab, erkl\u00e4rte friedrich nietzsche. und dieser mut\nist dann beim durchqueren der kobaltmine durch enge g\u00e4nge und auf schmalen\nleitern auch n\u00f6tig. <\/p>\n\n\n\n<p>in norwegen ahnt sie abermals\ntrolle: \u00bbIch habe einen Troll geweckt. An einer Biegung klackert es laut im\nUnterholz und auf dem R\u00fcckweg an eben der gleichen Stelle quiekt es und\nflattert, dass ich schleunigst das Weite suche.\u00ab trolle sind naturd\u00e4monen. das\nerahnen von geistern ist gesteigerte naturwahrnehmungen. wer die natur wach\nerlebt, kann geister h\u00f6ren, die man meist nicht sieht, w\u00e4hrend sie die menschen\nbeobachten. geister treten auch in mengen auf, wo sie dann tats\u00e4chlich im\nschwarm flattern k\u00f6nnen. heinrich heine schrieb: \u00bbWie haben mich lieblich die\nElfen umflattert! \/ Ein luftiges V\u00f6lkchen! das plaudert und schnattert! \/ Ein\nbisschen stechend ist der Blick, \/ Verhei\u00dfend ein s\u00fc\u00dfes, doch t\u00f6dliches Gl\u00fcck.\u00ab\n<\/p>\n\n\n\n<p>die nordische \u00fcberlieferung\nunterscheidet lichtelfen und schwarzelfen. letztere sind erdelfen. die norweger\nstellten sich elfen klein und nackt vor. norwegische erdelfen k\u00f6nnen vom\nsonnenlicht in stein verwandelt werden, w\u00e4hrend lichtelfen sich sonnen und aber\nsofort verschwinden m\u00fcssen, sobald sich die sonne zur nachtruhe legt. schwedisch\nhei\u00dft der nebel \u00bbElfenrauch\u00ab. elfen verbergen sich gern. vielleicht rauchen sie\njedoch auch rauschmittel, die etwa hanfsamen enthalten. die schottische elfen,\ndie in h\u00f6hlen und abgr\u00fcnden leben und, wie alle elfen, tanz und musik lieben,\nnennt man gute leute.<\/p>\n\n\n\n<p>elias canetti verwies in \u00bbMasse\nund Macht\u00ab darauf, da\u00df das wort slogan auf die schlachtrufe schottischer\ntotengeister zur\u00fcckgeht: \u00bbBei den <em>Kelten<\/em>\ndes schottischen Hochlandes wird das Heer der Toten mit einem besonderen Worte\nbezeichnet: sluagh. Dieses Wort wird englisch mit &gt;spirit-multitude&lt; oder\n&gt;Geister-Vielzahl&lt; wiedergegeben. Das Geisterheer fliegt in gro\u00dfen Wolken\n\u2012 wie die Stare \u00fcber das Antlitz der Erde \u2012 auf und ab.\u00ab und \u00bbSie schlagen\nSchlachten in der Luft wie die Menschen auf der Erde. In klaren, frostigen\nN\u00e4chten kann man sie h\u00f6ren und sehen, wie ihre Heere gegeneinander vorr\u00fccken\nund sich zur\u00fcckziehen, sich zur\u00fcckziehen und wieder vorr\u00fccken. Nach einer\nSchlacht f\u00e4rbt ihr Blut Felsen und Steine rot. Das Wort &gt;gairm&lt; bedeutet\n&gt;Schrei, Ruf&lt;, und &gt;sluagh-ghairm&lt; war der Schlachtruf der Toten.\nDaraus ist sp\u00e4ter das Wort &gt;slogan&lt; geworden: Die Bezeichnung f\u00fcr die\nKampfrufe unserer modernen Massen stammt von den Totenheeren des Hochlands.\u00ab <\/p>\n\n\n\n<p>besonders innig\nsind naturbeschreibungen an schottischen str\u00e4nden: \u00bbMineralien! Das ist jede\nMenge Orangencalcit, rund geschmirgelter Granit \u2012 und hier! Ein aufgeschlagener\nStein, au\u00dfen ganz unscheinbar und innen dunkelrot! Da! Ein Brocken, der Haifischz\u00e4hne\nhat aus kristallinem Quarz. Pyrit glitzert au\u00dfen herum. Glimmer. Meiner?\nMeiner! Die gro\u00dfen grauen Steine, die wohl antransportiert wurden, um die\nBrandung zu bremsen, sind inzwischen abgeschliffen, sauber gewaschen und tragen\njeder ein anderes graues Muster: geriffelt, ordentlich gestreift, gefiedert.\nEin Seehund kommt uns entgegengeschwommen. Was f\u00fcr ein Wunder, ihm in das\nfreundliche Gesicht zu blicken: Bitte l\u00e4cheln! Danke!\u00ab und \u00bbDie Seehunde\nbildeten Familien, die sich farblich voneinander unterscheiden. Sie sind\ngefleckt oder fast schwarz oder tragen einen erdigen Ton im Fell \u2012 und sie\nlie\u00dfen sich untereinander auf keine Gespr\u00e4che ein. Die Sippen blieben unter\nsich. Ab und an rutschte einer ins Wasser und schwamm umher oder tauchte\nminutenlang. Die kleinen K\u00f6pfe kamen irgendwann wieder zum Vorschein, die\nbraunen Augen blickten immer freundlich, wenn die Tiere auf sie zu schwammen,\nals sei sie ihr Ziel.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>die selkies, weibliche oder\nm\u00e4nnliche seegeister nordschottlands, die elfenhaft wirken und oft in h\u00f6hlen\nunter wasser leben, haben die gestalt von robben, k\u00f6nnen sich aber zu\nverf\u00fchrerisch sch\u00f6nen menschen verwandeln, die sie als totengeister einmal\nwaren, wenn sie ihr fell ablegen, \u00e4hnlich wie schwanjungfrauen ihr\nschwanenhemd. m\u00e4rchen und sagen berichten, da\u00df selkies, denen ihr abgelegtes\nfell entwendet wurde, notgedrungen menschen heirateten und mit ihnen kinder\nhatten, doch die erste sich bietende gelegenheit nutzten, um wieder in ihre\nunterwasserwelt zur\u00fcckzukehren. der wassermann, der notfalls robbenj\u00e4ger in\nseehunde verwandelt, ist schottisch ein m\u00e4nnlicher selkie. der nordische\ntrickster loki konnte ebenfalls die gestalt eines seehundes annehmen, was an\nschamanische techniken erinnert. auch norwegische magier verf\u00fcgten \u00fcber diese\nf\u00e4higkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>ebenso in schottland sieht sie\nkelpies, pferdegestaltige wassergeister, meist in gestalt junger pferde, manchmal\nmit fischschwanz. sagen von kelpies, die an seen und flie\u00dfenden gew\u00e4ssern leben,\nwanderern, die fl\u00fcsse \u00fcberqueren wollen, versprechen, sie hin\u00fcberzutragen, oder\nsie extra anlocken, um sie dann ins tiefe wasser hinabzuziehen oder gar zu\nverspeisen, gehen m\u00f6glicherweise auf fr\u00fchere menschenopfer an fl\u00fcssen zur\u00fcck. au\u00dferdem\nkennt man an schottischen meeresk\u00fcsten und in seen im binnenland each uisge, das\nd\u00e4monische wasserpferd, ein pferd mit menschenkopf, das gleichfalls menschen\nanlockt, ertr\u00e4nkt und fri\u00dft. das pferd war keltisch h\u00e4ufig begleiter der\ntotenseelen auf der reise ins jenseits. pferdek\u00f6pfe an schottischen h\u00e4usern\ndienten dem abwehrzauber. bodenfunde belegen, da\u00df keltische v\u00f6lker fr\u00fch eine\nentwickelte pferdezucht hatten. die keltische pferdeg\u00f6ttin epona wurde vor 2000\njahren in gro\u00dfen teilen europas verehrt. auf keltischen m\u00fcnzen wurden pferde vielfach\nund variantenreich &nbsp;dargestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>man \u00fcbertreibt nicht, wenn man sagt,\nda\u00df sabine raczkowski geistern auf der spur war. bei reisen in die schottischen\nhighlands, die man lange f\u00fcr unterentwickelte gegenden hielt, bis walter scott\nsie rehabilitiert und aufgewertet hat, sind solche begegnungen nahezu\nunvermeidlich. nicht zuf\u00e4llig liegt der r\u00f6mische hadrianwall, errichtet von 122\nbis 128, s\u00fcdlich davon. in abgelegenen regionen f\u00fchlen sich geister besonders\nwohl. und die bewohner nordschottlands galten bereits in der antike als eigenwillig\nund widerstandsf\u00e4hig. die schotten insgesamt, urspr\u00fcnglich scoten, die sich im\n5. jahrhundert in schottland ansiedelten, sind aus irland ausgewandert, nachdem\nschon knapp 1000 jahre zuvor kelten aus irland eingewandert waren. vor allem in\nihren vorstellungen von der anderswelt, dem keltischen jenseits, das in die\nirdische welt hineinwirkt, zeigt sich der unverkennbar irische einflu\u00df. schottland\nals staat entstand gegen ende des 8. jahrhunderts im kampf gegen die wikinger,\n\u00e4hnlich wie das antike griechenland durch die perserkriege. sp\u00e4ter waren die\nengl\u00e4nder die gr\u00f6\u00dften gegner der schotten. england verbot zeitweilig sogar den\nschottischen dudelsack. schottische elfen entf\u00fchrten auch engl\u00e4nder. und pfeile\nder elfen k\u00f6nnen t\u00f6ten, ohne wunden zu hinterlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>beim samain-fest, dem beginn des\nkeltischen jahres am 1. november, der heute durch halloween \u00fcberdeckt ist, an\neinem tag, wo die ordnung ausgesetzt wurde, die ansonsten herrschte, konnten\nsich lebende und tote, menschen und g\u00f6tter, wesen der oberen und unteren,\nwirklichen und \u00fcberwirklichen welt vereinen und vermischen, um die ganzheit\nihres ursprungs zu erneuern. an solchen tagen, wobei man bei samain schon den\nabend des 31. oktober und insbesondere die nachfolgende nacht einbezog, versuchten\nauch menschen, die in die anderswelt entf\u00fchrt worden waren, ins irdische leben\nzur\u00fcckzukehren, wo sie aber meist schnell alterten und bald starben, etwa indem\nsie zu staub zerfielen. der surrealistische dichter philippe soupault schrieb:\n\u00bbGeister sind Vertriebene, die lange von ihrer Wiederkehr getr\u00e4umt haben.\u00ab man\nkann die kelten, neben den assyrern, die besonders viele und variantenreiche\nmischwesen schufen, die surrealisten des altertums nennen. ohne geister gibt es\nkeine magie und ohne magie keine k\u00fcnstlerische literatur und kunst.<\/p>\n\n\n\n<p>die autorin berichtet, da\u00df sie in\nschottland einen walnu\u00dfkuchen a\u00df, der \u00bbBrownie\u00ab hei\u00dft. in der schottischen\nvolks\u00fcberlieferung ist der brownie, der den deutschen kobolden und\nheinzelm\u00e4nnchen \u00e4hnelt, ein meist unsichtbarer arbeitsamer und bescheidener etwa\ndrei fu\u00df gro\u00dfer hausgeist mit runzliger brauner haut, zerfurchtem gesicht,\nstruppigen braunen haaren und zerschlissenen oder zerfetzten kleidern, der\ns\u00fc\u00dfigkeiten und milch mag, gut behandelt jahrhundertelang bei einer einzigen\nfamilie bleibt, ansonsten jedoch auch in zerfallenen burgen oder baumst\u00fcmpfen\nlebt. im einst keltischen cornwall, wo man kornisch sprach, h\u00fctete er die\nbienen. <\/p>\n\n\n\n<p>die schottischen trolle, die\ndurch die wikinger nach schottland kamen, sind kleiner als die skandinavischen,\ndas hei\u00dft elfenhafter, da die schotten diese nordischen figuren zwar \u00fcbernahmen,\naber ihrer keltischen geisterwelt anpa\u00dften. die orkney-inseln und die\nshetland-inseln haben aufgrund ihrer wikingischen einfl\u00fcsse nochmal eine eigene\nvolksmythologie. so wird dort zu weihnachten das nordische julfest begangen,\ndas man auch in teilen des schottischen hochlands feiert.<\/p>\n\n\n\n<p>wenn sabine raczkowski berichtet,\nda\u00df sie in schottland einen kuckuck h\u00f6rte, den ich hier in st\u00e4dten lange nicht\nmehr geh\u00f6rt habe, so erinnert mich das daran, da\u00df der sauerklee oder\nsauerampfer, zu dem der gl\u00fccksklee als topfpflanze geh\u00f6rt, schottisch\nkuckucksk\u00e4se hei\u00dft, deutsch kuckucksklee, kuckuckssalat, kuckuckskohl, kuckucklauch,\nkuckucksampfer oder kuckucksbrot. schottisch war es g\u00fcnstig, den ersten\nkuckucksruf im fr\u00fchjahr stehend zu h\u00f6ren, so blieb man r\u00fcstig. die schotten\nsteckten sich fr\u00fcher ein st\u00fcck brot unters kopfkissen, um es sofort nach dem\naufwachen zu essen, damit sie den kuckuck nicht n\u00fcchtern h\u00f6ren mu\u00dften, was\nungl\u00fcck bringen konnte. dies entspricht nordeurop\u00e4ischen aberglaubensbr\u00e4uchen.<\/p>\n\n\n\n<p>im schottischen port appin sieht\nsie h\u00e4nge von rhododendron, dem rosenbaum, bewachsen, einem heidekrautgew\u00e4chs,\ndas dort im milden klima seit dem 18. jahrhundert wild w\u00e4chst. das wort\nrhododendron ist mit deutsch rose verwandt, das \u00fcbers lateinische rosa =\nrosenstock, rose, rosenkranz, rosenrot aufs griechische rh\u00f3don = rose\nzur\u00fcckgeht. heute gibt es in schottland ganze rhododendronw\u00e4lder, die\nallerdings einheimische pflanzen, und damit auch tiere, die diese pflanzen\nfressen, verdr\u00e4ngen. eine sch\u00f6ne pflanze wird so zur plage. man darf eben nie\nblo\u00df dem schein trauen. <\/p>\n\n\n\n<p>eine reise nach andalusien f\u00fchrt\nin die zeit der mauren, die aus marokko kamen, aber auch des klimawandels.\ns\u00fcdspanien hat gewaltige probleme, weil die b\u00f6den austrocknen und erodieren, waldbr\u00e4nde\nzunehmen, fl\u00fcsse und b\u00e4che versiegen, wasserknappheit droht und zunehmend mehr\nbauern ihr land verlassen und jahrhundertealte bew\u00e4sserungssysteme ungenutzt\nzur\u00fccklassen, weshalb teile andalusiens im laufe des jahrhunderts versteppen\nund verw\u00fcsten k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>ebenfalls in schottland bemerkt\nsie staunend frei lebende fasane, die dort bis heute gejagt werden. \u00bbSchon auf\ndem Weg hierher sahen wir Fasane, immer wieder und nun auch auf der Wiese\nhinter unserem Haus, das gibts doch nicht. Wie gew\u00f6hnliche H\u00fchner laufen sie\nhier herum, wie Tauben, Enten.\u00ab wie kam der fasan nach schottland?\nm\u00f6glicherweise durch die r\u00f6mer, vielleicht aber auch erst im mittelalter. es\nkann durchaus sein, da\u00df fasane schon im altertum den weg von einem ende der\nantiken welt am kaukasus, woher sie urspr\u00fcnglich stammen, bis zum anderen ende,\nam hadrianwall, zur\u00fcckgelegt haben. <\/p>\n\n\n\n<p>der sage nach brachten die\nargonauten den fasan von ihrer reise aus kolchis, dem land der medea, vom flu\u00df\nphasis mit, nach dem er benannt wurde. in seinem griechischen namensursprung,\nph\u0101si\u0101n\u00f3s, ist der fasan der vogel vom oder am flu\u00df phasis, heute fachs, rion\noder rioni, der, bereits von herodot und apollonios von rhodos beschrieben, in\narmenien entspringt und dann, vom s\u00fcdhang des kaukasus kommend, durch georgien flie\u00dft\nund ins schwarze meer m\u00fcndet. f\u00fcr die griechen der antike bezeichnete dieser\nflu\u00df, wie sp\u00e4ter f\u00fcr die r\u00f6mer der hadrianwall, eine grenze ihres\nherrschaftsundkulturraumes. \u00bbNach Phasis, wo der Schiffe fernste Fahrt sich\nschlie\u00dft.\u00ab, das sich bei euripides findet, wurde zum griechischen sprichwort. <\/p>\n\n\n\n<p>die r\u00f6mer, die auch pfauenfleisch\na\u00dfen, hielten gro\u00dfe mengen von fasanen in gehegen und m\u00e4steten sie mit gerste,\nweizen, nudeln, mehl, heuschrecken und ameiseneiern, um sie dann zu essen. vor\netwa 2000 jahren brachten sie den fasan nach mittelundwesteuropa, wo er jedoch\nzun\u00e4chst eher als ziervogel von vornehmen familien gehalten wurde. althochdeutsch\nfesihuon, phasis-huhn, im 6. jahrhundert belegt, wurde lateinisch ph\u0101si\u0101nus\nnachgebildet. f\u00fcr england nachgewiesen sind fasane erst 1059. schlie\u00dflich wurde\nfesihuon mittelhochdeutsch im 12. jahrhundert verdr\u00e4ngt durch fas\u0101n, fasant,\ndie aus altfranz\u00f6sisch faisan, faisant entstanden. die stammform unseres haushuhns\nist das s\u00fcdostasiatische bankivahuhn, eine fasanenart, aus der weltweit zahlreiche\nh\u00fchnerarten gez\u00fcchtet wurden. au\u00dferdem geh\u00f6ren der pfau, der indische vogel der\nantike, sowie auerhuhn, rebhuhn, birkhuhn, haselhuhn, steinhuhn, schneehuhn und\ndie wachtel zu den fasanenartigen.<\/p>\n\n\n\n<p>begegnungen mit touristen bei den\nreisen waren nicht immer angenehm. \u00fcber einen hotelaufenthalt in norwegen\nschreibt sabine raczkowski: \u00bbToilette auf dem Gang und Elchk\u00f6pfe im knarzenden\nTreppenhaus. Es war eine laute, helle Nacht. Unten wurde gefeiert und sp\u00e4ter\nauch gepr\u00fcgelt. Aber es war <em>hyggelig<\/em>,\nwie es hier hei\u00dft.\u00ab norwegisch hyggelig bedeutet gem\u00fctlich, angenehm, nett, h\u00fcbsch\nund sympathisch. da fehlen nur noch schick, lecker und niedlich. f\u00fcr manche\ngeh\u00f6rt auch eine schl\u00e4gerei zum wohlbefinden. gewalt und sentimentalit\u00e4t liegen\nh\u00e4ufig dicht beieinander. in einer schottischen rastst\u00e4tte beklagt sie \u00bbdie\nBierb\u00fcchsen und Plastikt\u00fcten der Vandalen, die hier gehaust hatten.\u00ab das\numgangssprachliche wort \u00bbVandalen\u00ab findet sich sogar in artikeln von\nlokalzeitungen sowie verlautbarungen von polizei, stadtverwaltungen oder\nsparkassen, etwa bei sachbesch\u00e4digungen, so eingeschlagenen\nschaufensterscheiben. die historischen vandalen zogen bei ihrer v\u00f6lkerwanderung\nquer durch europa und vor knapp 1600 jahren bis nach tunesien, das sie\nzeitweilig eroberten.<\/p>\n\n\n\n<p>am \u00bbLoch Ness\u00ab kritisiert sie die\nvermarktung der legende vom ungeheuer: \u00bbDurch Inverness, am Loch Ness entlang,\nan dem Touristenmagneten Nessie-Museum vorbei. Was f\u00fcr eine wirkungsvolle Idee!\nEs ist: Nichts! Nichts! Nur ein Ger\u00fccht! Kein Vieh, kein Ungeheuer, nicht mal\nder See ist atemberaubend, f\u00fcr uns jedenfalls nicht, aber die Leute kommen her!\nSie kaufen Nippes, gehen ins Museum, beobachten die Wasseroberfl\u00e4che mit dem\nFernglas, essen und trinken, halten sich hier auf. Wegen NICHTS!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>einige besucher fotografieren den\nsee wom\u00f6glich in der hoffnung, da\u00df sie hinterher beim betrachten der bilder das\nungeheuer entdecken. noch um 1900 glaubten manche, man k\u00f6nne gespenster\nablichten und damit deren existenz nachweisen. fast zeitgleich hielt man es f\u00fcr\nm\u00f6glich, auf der retina eines opfers von jack the ripper ein bild des m\u00f6rders\nvorzufinden, das als fahndungsfoto brauchbar w\u00e4re. unbewu\u00dft verbreitet ist auch\ndie annahme, man k\u00f6nne etwas bannen, also gefahren und \u00e4ngste abwehren, indem\nman es fotografiert. franz kafka wird mit dem satz zitiert: \u00bbMan photographiert\nDinge, um sie aus dem Sinn zu verscheuchen.\u00ab jean baudrillard erkl\u00e4rte: \u00bbDie\nFotografie ist unser Exorzismus. Die primitive Gesellschaft hatte ihre Masken,\ndie b\u00fcrgerliche ihre Spiegel. Wir haben unsere Bilder.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>ein besonderes kapitel, das man\nauch als erz\u00e4hlung auskoppeln k\u00f6nnte, ist das der beschreibung einer fiebererkrankung\nin schottland, worin die autorin sich selbst zur figur macht, in der dritten\nperson von sich spricht und ihre krankheit, die zwei wochen lang andauerte, mit\neiner furie, also der rasenden, vergleicht. in situationen existentieller\nbelastungen und bedrohungen, die hier bis zur todesangst reichten, hilft es,\nwenn man sich von au\u00dfen betrachten kann, weil dies das erlebte leichter objektiv\neinordnen l\u00e4\u00dft. \u00bbDie Schmerzen waren sogar auf der Kopfhaut wahrzunehmen.\u00ab,\n\u00bbBeim Schlie\u00dfen der Augen war immer etwas zu sehen \u2012 eine Fl\u00e4che, ein\ngelbgr\u00fcnes Aquarell, mit einem Insekt, einem Gesicht in einer W\u00f6lbung, das sich\nst\u00e4ndig bewegte, verformte. Manchmal auch ein Licht im Schwarzen, das immer\nn\u00e4her kam und sie erkennen lie\u00df, welche mundaufrei\u00dfende Schreckgestalt, die\nsich nur manchmal in ein liebes Schaf verwandelte, in der Ferne auf sie\ngewartet hatte. \u00dcberhaupt sah sie \u00fcberall Gesichter: im Teppich, in den Wolken\nsowieso, in der Anordnung der B\u00fccher, den Falten des Bettzeugs.\u00ab, \u00bbsie\nsch\u00fcttelte ihren K\u00f6rper, als w\u00e4re sie vom Teufel besessen, dass sie\nBauchschmerzen davon bekam und sich das Sonnengeflecht in eines aus Draht\nverwandelte\u00ab. <\/p>\n\n\n\n<p>das erinnert an schilderungen von\nrauscherfahrungen nach der einnahme von drogen. offenbar waren die beschwerden,\nneben fieber und kopfschmerzen, mit entsprechenden visionen verbunden, die auch\ndurch schmerzmittel verursacht wurden. die furie war eine r\u00f6mische racheg\u00f6ttin,\nlateinisch furia bedeutet wut, raserei, brunst, verz\u00fcckung, rasender d\u00e4mon, und\nentsprach den griechischen erinnyen, unterirdischen racheg\u00f6ttinnen, die t\u00f6chter\nder nacht hie\u00dfen. am ende des furien-kapitels deutet die autorin an, da\u00df durch\ndie erkrankung vielleicht etwas in ihr verbrannt sei. so gesehen k\u00f6nnte die\nkrankheit eine seelische initiation mit jenseitsreise und h\u00f6llenaufenthalt gewesen\nsein, die in ein neues leben auferstehen lie\u00df. dann h\u00e4tte sie in schottland\neine geistererfahrung an sich selber gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>ebenfalls in schottland\nbeschreibt sie das entz\u00fcnden eines kaminfeuers: \u00bbso ein Feuer fesselt in\nvielfacher Hinsicht \u2012 beim Hinsehen beruhigt es, das Knistern ist angenehm, es\nmuss st\u00e4ndig angestupst, umgedreht und neu gef\u00fcttert werden. Es gibt keine\nRuhe, dauernd geht der Blick in den holzfressenden Schlund. Man steht immer wieder\nauf.\u00ab das feuer, das geborgenheit gab und das \u00fcberleben sicherte, war einst der\nmittelpunkt einer &nbsp;menschengemeinschaft\nund der feuermeister, oder die feuermeisterin, von magischer bedeutung. in\nnorwegen sagte man beim prasseln des feuers, loki, der trickster, der auch als\nfeuergott gedeutet wurde, schlage seine kinder.<\/p>\n\n\n\n<p>reiseberichte vom urlaub auf\neinem hausboot, der schwimmenden alternative zum baumhaus, an der havel beschlie\u00dfen\ndas buch. \u00fcber das boot schreibt sie: \u00bbEs ist fast zehn Meter lang, viereinhalb\nMeter breit und wiegt ungef\u00e4hr sechs Tonnen. Zwei Ankerpf\u00e4hle halten es, wie\nein Haus auf zwei Stelzen. Der eine befindet sich am Bug Steuerbord, der andere\nam Heck Backbord. Es hat auch einen richtigen Anker, der zwischen zwei und\nf\u00fcnfzehn Meter Wassertiefe zum Einsatz kommen kann und dessen Benutzung ein\ngewisses Ma\u00df an Routine erfordert. Er w\u00fcrde das Boot nicht stabilisieren, was\nunschwer einzusehen ist.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbEs ist anders, vom Wasser aus\nauf Land zu sehen, als vom Ufer aufs Wasser. Mit einem Hausboot liegt man still.\nDie Tiere kommen hervor, be\u00e4ugen einen, tauchen ab, ignorieren irgendwann die\nGartenlaube vor ihrer Haust\u00fcr und gehen ihren gewohnten Gesch\u00e4ften nach.\u00ab \u00bbDer\nBlick aus dem Fenster am Morgen: Ein Graureiher steht zwei Meter entfernt. Dann\nder Aufbruch \u2012 volle Fahrt voraus.\u00ab neben graureihern, die an hiesigen fl\u00fcssen\nwieder zunehmen, finden sich enten und kr\u00e4hen am hausboot ein. selbst ein\nbussard jagt am wasser, eventuell weil beutetiere wie m\u00e4use und hamster\nseltener geworden sind. fr\u00f6sche und andere amphibien geh\u00f6ren aber seit jeher\nzum speiseplan der bussarde. deutsch hei\u00dft der m\u00e4usebussard auch unkenfresser.<\/p>\n\n\n\n<p>eine fahrt \u00fcber einen kanal\nbeschreibt die autorin so: \u00bbWeiden ragen vom Ufer ins Wasser. Reiher sitzen im\nkahlen Ge\u00e4st, Ruhe, die durch das Ger\u00e4usch unseres Motors gest\u00f6rt wird. Hier\nliegen viele Hausboote, gro\u00dfe K\u00e4hne, kleine gemietete. Wie im Urwald ist es\nhier. Abgebrochene \u00c4ste, umgest\u00fcrzte B\u00e4ume. Die Bruchstellen sind frisch.\nSeerosen zu beiden Seiten. Eine Idylle, gr\u00fcn, \u00fcppig, geheimnisvoll. Beruhigend,\ndass keine Schlangen in den B\u00e4umen h\u00e4ngen, keine Krokodile ins Wasser gleiten.\u00ab\nbei manchen naturv\u00f6lkern wurden krokodilen menschenopfer gebracht. fliegende\nschlangen, die man auch drachen nannte, waren eine der vielen legenden der antike.\nvermutlich hatte man berichte \u00fcber flugechsen und flugfr\u00f6sche, die auf b\u00e4umen\nleben und gr\u00f6\u00dfere spr\u00fcnge, auch von baum zu baum, durch die luft machen k\u00f6nnen,\nirrt\u00fcmlich auf schlangen bezogen. der archaeopteryx, also urvogel, eine\n\u00fcbergangsform vom saurier zum vogel, der wahrscheinlich einen befiederten\nsaurierschwanz hatte, den er beim gleitflug benutzte, k\u00f6nnte so \u00e4hnlich geflogen\noder gesprungen sein. <\/p>\n\n\n\n<p>sabine raczkowski nennt und\nreflektiert auch autoren und b\u00fccher, die sie w\u00e4hrend der reisen las oder als\nh\u00f6rbuch h\u00f6rte, so seneca, fjodor dostojewski, ernest hemingway, george orwell, jerome\nsalinger, truman capote, john updike, philip roth, t.c. boyle, amos oz, wenedikt\njerofejew, max frisch, friedrich d\u00fcrrenmatt, martin walser, daniel kehlmann\noder walter moers. teilweise bezieht sie details aus den gelesenen und geh\u00f6rten\nb\u00fcchern in ihren reisebericht ein. allzu sehr wollten die reisenden die b\u00fccher jedoch\nnicht mit dem realen leben verbinden. beim h\u00f6ren der \u00bbReise nach Petuschki\u00ab von\njerofejew tranken sie keinen wodka. heinrich heine gab in seiner \u00bbHarzreise\u00ab\neine ironische lekt\u00fcreempfehlung f\u00fcr reisen: \u00bbAuch erregen\nGespenstererz\u00e4hlungen ein noch schauerlicheres Gef\u00fchl, wenn man sie auf der\nReise liest, in einem Hause, in einem Zimmer, wo man noch nie gewesen.\u00ab am\nintensivsten wirken gespenstergeschichten freilich, wenn man sie bei den\ngespenstern selber liest.<\/p>\n\n\n\n<p>zum buch geh\u00f6ren wieder fotografien und fotomontagen von sabine und rainer raczkowski. fotos aus schottland etwa zeigen grauwei\u00dfe wolken \u00fcber gr\u00fcngelber landschaft. urlaubsreisen sind wie bewegte bilder, also filme, mit realen orten und personen. die musik, die man w\u00e4hrend der reisen h\u00f6rte, wird ebenfalls erneut erw\u00e4hnt: tom waits, der eine rauhe sensibilit\u00e4t zur kunstform macht, janis joplin, die ihre innere freiheit auch aus ihrer illusionslosigkeit gewann, patty smith, die zugleich zur hochkultur, subkultur und popkultur geh\u00f6rt, alles auch nachfahren des urvaters der amerikanischen poesie, walt whitman, jethro tull, die traditionen der schottischen musik und motive aus schottischen \u00fcberlieferungen aufgriffen, und den verwandlungsf\u00e4higen david bowie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wirklich reisen<\/strong> 2009 \u2013 2018 von sabine raczkowski \/ Andalusien, Norwegen, Schottland, Plaue an der Havel\u00ab. \u00bbTelescope Verlag\u00ab, mildenau, 2019<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Reisen2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-60234\" width=\"177\" height=\"250\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Reisen2.jpg 354w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Reisen2-213x300.jpg 213w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Reisen2-260x366.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Reisen2-160x226.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 177px) 100vw, 177px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong><\/strong><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> \u2192\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Lesen Sie auch Holger Benkels <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/05\/17\/unerwarteter-mehrwert\/\">Rezensionsessay<\/a> \u00fcber den ersten Band von &#8222;Wirklich reisen&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ihrem zweiten band von \u00bbWirklich reisen\u00ab stellte die autorin ein zitat von theodor fontane voran, dem wanderer durch die mark brandenburg, der aus einer hugenottenfamilie stammte: \u00bbPersonen, die nicht da waren, wissen immer alles am besten.\u00ab das ist ja logisch.&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/05\/19\/europa-von-oben-und-unten-betrachtet\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":36,"featured_media":60234,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[94,2420],"class_list":["post-60230","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-holger-benkel","tag-sabine-raczkowski"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/60230","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/36"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=60230"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/60230\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=60230"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=60230"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=60230"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}