{"id":59883,"date":"2009-12-06T00:01:19","date_gmt":"2009-12-05T23:01:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=59883"},"modified":"2024-09-14T09:12:22","modified_gmt":"2024-09-14T07:12:22","slug":"preis-des-forums-literatur-ludwigsburg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/12\/06\/preis-des-forums-literatur-ludwigsburg\/","title":{"rendered":"Preis des Forums Literatur Ludwigsburg"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-color has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Gute Kunst macht einen sensibler, schlechte stumpft einen ab. <\/em><\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #999999;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Daniel Richter<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/01\/18\/2-verweisungszeichen-zur-literatur-2\/\"><span style=\"color: #ff0000;\">Verweisungszeichen zur Poesie<\/span><\/a> haben Peter Valentin so zugesagt, da\u00df er ihn \u2013 wie auch die beiden anderen Essays, in seiner Literaturzeitschrift Eremitage ver\u00f6ffentlicht hat. Wir leben, wenn man den g\u00e4ngigen Theorien glauben darf, in einer Wissensgesellschaft, einer Gesellschaftsformation in hochentwickelten L\u00e4ndern, in der individuelles und kollektives Wissen und seine Organisation vermehrt zur Grundlage des sozialen und \u00f6konomischen sowie des medialen Zusammenlebens werden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Was ist eigentlich Wissen?<\/em><\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter dem Titel \u201e\u00dcber die Schulmeisterei\u201c kann man bei Michel de Montaigne folgendes lesen: \u201eIch kenne einen, der, so oft ich ihn frage, ob er dies oder jenes wei\u00df, ein Buch von mir verlangt, um es mir darin zu zeigen, und sich nicht getrauen w\u00fcrde, mir zu sagen, er habe die Kr\u00e4tze am Hintern, ohne auf der Stelle im Lexikon nachzuschlagen, was Kr\u00e4tze ist und was Hintern.\u201c Um zu verdeutlichen, was er sagen will, f\u00fcgt Montaigne erl\u00e4uternd hinzu:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Wir nehmen die Gedanken und das Wissen anderer in Obhut, und das ist alles. \u2013 Wir m\u00fcssen sie uns aber zu eigen machen.<\/em><\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Montaignesche Unterscheidung erscheint wegweisend: der Gegensatz zwischen totem Buchwissen und einer lebendigen, neue Informationen, Methoden und Perspektiven ins eigene Selbst\u2013 und Weltverstehen integrierenden Intelligenz. Was Wissen erst wirklich vital macht ist die F\u00e4higkeit, selbst\u00e4ndig mit ihm umzugehen. Vertiefendes findet sich in Weigonis Essay <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1998\/09\/18\/produktorientiertes-medienpaedagogisches-arbeiten-mit-jugendlichen\/\">Produktorientiertes medienp\u00e4dagogisches Arbeiten mit Jugendlichen<\/a><\/span>, in dem er seine <em>literaturp\u00e4dagogische Arbeit<\/em> beschreibt.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Poesie ist das Bekenntnis zum freien, selbstbestimmten Menschen.<\/em><\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div id=\"attachment_105233\" style=\"width: 293px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-105233\" class=\"wp-image-105233 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/A_J_Weigoni.jpg\" alt=\"\" width=\"283\" height=\"213\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/A_J_Weigoni.jpg 283w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/A_J_Weigoni-160x120.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 283px) 100vw, 283px\" \/><p id=\"caption-attachment-105233\" class=\"wp-caption-text\">A.J. Weigoni und Frank Michaelis bei einer poetischen Performance<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Welche labyrinthischen Gedankeng\u00e4nge bei diesem Auswahl\u2013 und Transformationsprozess durchlaufen werden, wie schnell ein brauchbarer Gedanke zu Abfall und Nebens\u00e4chliches fruchttragend werden kann, beschrieb Weigoni in seinen Reflexionen \u00fcber das Gedichte-Schreiben: <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/01\/18\/verdichtung-ueber-das-verfertigen-von-poesie\/\"><span style=\"color: #ff0000;\">VerDichtung &#8211; \u00dcber das Verfertigen von Poesie<\/span><\/a><\/em>. Die Schriftzeichen f\u00fchren ein Eigenleben, das nicht erlischt, wenn sie \u00fcberformt werden; Schreiben bleibt palimpsistisch. Der Begriff \u00b4Poesie` leitet sich vom griechischen Wort <em>poiesis<\/em> ab, das so viel wie <em>Dichtkunst<\/em> oder das Dichten hei\u00dft, die urspr\u00fcngliche Bedeutung lautet genau genommen das Verfertigen. Im Deutschen spricht man statt von der Poesie meistens von der Dichtung, gemeint ist damit insbesondere die Versdichtung. Philosophie und Poesie treten bei Weigoni in eine fruchtbare Konstellation, wenn die eine nicht versucht auszusprechen, was die andere ohnehin sagt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-color has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Schreiben ist ein vom K\u00f6rper nicht abl\u00f6sbarer Akt, in dem der Schreibende mit der wei\u00dfen Fl\u00e4che des Papiers und den darauf gesetzten Zeichen eins wird.<\/span><\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Schrift: nicht eigentlich Ausfluss, sondern selbst Glied, nicht eigentlich nur Spur, sondern sp\u00fcrbar Teil des K\u00f6rpers, nicht eigentlich niedergelegt, sondern immer noch in Beziehung zum K\u00f6rper als stets wachsender generativer Faden, den der Schreibende sein Leben lang hervor spinnt. Sein eigenes offenes Ende.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Herbst 2009 wurde A.J. Weigoni der Preis des Forums Literatur Ludwigsburg zugesprochen. Zur Verleihung kam es wegen einer schweren Erkrankung des Herausgebers Peter Valentin nicht mehr. Ulrich Bergmann <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/02\/21\/monsieur-le-gourmet-de-la-litterature-aux-serpents\/\"><span style=\"color: #ff0000;\">erinnert<\/span><\/a> an diesen verdienstvollen Herausgeber und Verleger.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft\">\r\n<div id=\"attachment_11715\" style=\"width: 193px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Eremitage.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-11715\" class=\"wp-image-11715\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Eremitage-183x300.jpg\" alt=\"\" width=\"183\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Eremitage-183x300.jpg 183w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Eremitage-626x1024.jpg 626w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Eremitage.jpg 1010w\" sizes=\"auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11715\" class=\"wp-caption-text\">Die Literaturzeitschrift &#8222;Eremitage&#8220;, herausgegeben von Peter Valentin<\/p><\/div>\r\n<\/figure>\r\n<\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192 <\/strong>Manche Betrachtungen erinnern vor der Ferne besehen an die \u201eFlaneurstexte\u201c der 1920-er Jahre, die als \u201eReproduktion von Gro\u00dfstadterfahrung\u201c gelesen werden k\u00f6nnen, z.B. wenn der Autor eine Fahrt zum Flinger Broich beschreibt. Auch die \u201ekurzessayistische Feuilletonprosa\u201c kommt in einer Auseinandersitzung mit den Beach Boys nicht zu kurz. Diese Passagen wirken beinahe wie eine Hommage Max Horkheimers und Theodor W. Adornos Kritik der Konsumkultur. Als \u201ekulturkritische Kurzessayistik\u201c \u00a0kann man daher eine Polemik von A.J. Weigoni \u00fcber den Sinn einer <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/02\/07\/bartleby\/\">Lesung<\/a><\/span> lesen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192 <\/strong>In seinem <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/10\/17\/randstaendige-texte\/\"><em>Vorlass<\/em><\/a><\/span> b\u00fcndelt Weigoni die Motive seines Schreibens in einem vielstimmigen Buch. In diesem Band findet sich die dekonstruktive Aufl\u00f6sung der mehr oder weniger strikt gezogenen Grenzen zwischen Elite- und Massenkultur, zwischen Literatur und Wissenschaft, Kunst und Publizistik. Simultanit\u00e4t ist ein gef\u00e4hrlicher Reichtum, die \u00dcberf\u00fclle von Gelerntem und fl\u00fcchtig Aneigbarem, f\u00fchrt zur Abstraktionen. Jeder Essay von Weigoni f\u00fcr sich genommen schl\u00e4gt mit einer beinahe unertr\u00e4glichen Leichtigkeit einen Bogen von einem winzigen, eigentlich belanglosen Ph\u00e4nomen zu einer fundamentalen Frage des Menschseins.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Nachtrag<\/span>: Im engeren Wortsinne versteht man Revision als Sichtung und Pr\u00fcfung. A.J. Weigoni geriet nie in die N\u00e4he des Verdachts, eine Autobiographie zu schreiben. Daher versteht die Redaktion diese <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/01\/18\/die-glueckskatastrophe-des-kuenstlerdaseins\/\"><span style=\"color: #ff0000;\">essayistische Hinterlassenschaft<\/span><\/a> des Ohryeurs als Liebeserkl\u00e4rung an den H\u00f6rsinn.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gute Kunst macht einen sensibler, schlechte stumpft einen ab. Daniel Richter Die Verweisungszeichen zur Poesie haben Peter Valentin so zugesagt, da\u00df er ihn \u2013 wie auch die beiden anderen Essays, in seiner Literaturzeitschrift Eremitage ver\u00f6ffentlicht hat. 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