{"id":59464,"date":"2020-10-17T00:01:09","date_gmt":"2020-10-16T22:01:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=59464"},"modified":"2022-02-18T14:37:08","modified_gmt":"2022-02-18T13:37:08","slug":"entschluesselungen-zum-werk-georg-buechners","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/10\/17\/entschluesselungen-zum-werk-georg-buechners\/","title":{"rendered":"Entschl\u00fcsselungen zum Werk Georg B\u00fcchners"},"content":{"rendered":"\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Es scheint ein Ph\u00e4nomen zu sein, dass diejenigen, die sich \u00fcberhaupt mit Georg B\u00fcchner besch\u00e4ftigen, von ihm so in den Bann gezogen werden, dass bei der Rezeption die eigenen weltanschaulichen Standpunkte sowohl in den Vordergrund dr\u00e4ngen als auch \u00fcberaus empfindlich auf jegliche Konkurrenz aus dem anderen Lager reagieren. Reinhold Grimm (\u201eWoyzecks Hundele und Wetzels alter Hut\u201c, Georg B\u00fcchner Jahrbuch 4\/1984) und Heinz Wetzel (\u201eVom Filzfetischismus kleiner Hunde\u201c, Euphorion 2\/1983) lagen sich seinerzeit \u00fcber \u201eHut\u201c oder \u201eHund\u201c im \u201eWoyzeck\u201c-Fragment heftig in den Haaren: Der (jeweils in den Augen des anderen) \u201eAnwalt des Abgestandenen und B\u00fcttel eines ungesunden forscherlichen Volksempfindens\u201c keilte gegen den im \u201eBrackwasser der sexuellen Emanzipation sich Wiederfindenden\u201c, und noch Jahrzehnte sp\u00e4ter versuchte\u00a0Wolfgang Wittkowski (\u201eGeorg B\u00fcchner. R\u00fcckblick und Einblick\u201c, Frankfurt 2009) aus der Position eines religi\u00f6sen Deutungsansatzes im Namen der Marburger \u201eH\u00fcter der Handschrift\u201c quasi durch ein Machtwort den \u201eHut\u201c zum Dogma zu erkl\u00e4ren. Der (gro\u00dfe) \u201eHut\u201c wird in B\u00fcchners 2. Handschriftenentwurf durch Woyzecks kleinen Hund besprungen, Woyzeck muss dabei helfen, drum herum stehen die Buben und M\u00e4del.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Absurde bei diesem Streit (und Grimms starkes Argument) war, dass das gleiche Motiv bereits in \u201eDantons Tod\u201c auftaucht. Nur sind es dort eine Dogge und ein Bologneser Scho\u00dfh\u00fcndlein, die sich qu\u00e4len. Die \u201eH\u00fcter der Handschrift\u201c beriefen indes sich auf B\u00fcchners Orthografie und tun das bis heute. Wer sich die Faksimiles des \u201eWoyzeck\u201cbetrachtet, kann dar\u00fcber nur staunen. Entweder war B\u00fcchner n\u00e4mlich ein Legastheniker oder extrem erregt oder beides oder, wie der Onkel meinte, \u00fcberhaupt ein \u201eSchu\u00dfel\u201c. In der gleichen Passage findet sich das Wort \u201egrotesk\u201c in drei verschiedenen Schreibweisen. \u00dcbrigens schauen auch im Revolutionsdrama Kinder bei der abartigen viehischen Vermischung von Gro\u00df und Klein zu. Eine <a href=\"http:\/\/archiv.ub.uni-marburg.de\/ubfind\/Author\/Home?author=Choi%2C+Go-Sung\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Dissertation <\/a>des Fachbereichs Germanistik aus dem Jahr 2011 \u00fcber\u00a0\u201eDas Komische in Georg B\u00fcchners Drama \u201aDantons Tod\u2018\u201c (Go-Sung Choi, Marburg 2011) reproduziert die Entschl\u00fcsselung der Dogge als Danton (Georg Danton, nebenbei bemerkt, was Grimm 1979 (\u201eText und Kritik Sonderband Georg B\u00fcchner I\/II\u201c) durchaus entging, er machte B\u00fcchners Figur zu einem historisch korrekten, aber poetisch falschen \u201eGeorges\u201c), alle diese hermeneutischen Zugriffe aber scheren sich keinen Deut um die einbezogenen Kinder. Man las und liest also selektiv. Und das mit Methode. Vielleicht meinte B\u00fcchner mit der Dogge tats\u00e4chlich seinen Danton. Aber er wollte eben auch noch auf etwas anderes hinaus. Denn da w\u00e4re ja noch der h\u00fcndisch besprungene und von Kindern umstandene gro\u00dfe \u201eHut\u201c.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das genannte Motiv m\u00fcndet in \u201eDantons Tod\u201c in die Warnung, man solle die zuguckenden M\u00e4del nicht in der Sonne sitzen lassen, die M\u00fccken trieben es ihnen sonst auf den H\u00e4nden, das mache Gedanken. Erstaunlicherweise macht sich die B\u00fcchner-Rezeption, egal welcher Provenienz, diese Gedanken bislang nicht. Denn zweifelsfrei ergibt sich aus diesem Motiv eine sexuelle Konnotation sowohl der \u201eSonne\u201c als auch der \u201eM\u00fccken\u201c. W\u00e4re B\u00fcchners Publikum weniger auf den Sozialrevolution\u00e4r und Sozialdramatiker (oder religi\u00f6sen oder existentialistischen Dramatiker) B\u00fcchner fixiert, dann w\u00fcrde es diese Pr\u00e4gung von Chiffren sorgsam als spezielle Ausdrucksweise von B\u00fcchner, das hei\u00dft eine f\u00fcr ihn spezifische Metaphorik verbuchen\u00a0und gegebenenfalls in der Lekt\u00fcre ber\u00fccksichtigen. Im Falle der \u201eSonne\u201c geht diese Pr\u00e4gung \u00fcbrigens bis auf Shakespeares \u201eHamlet\u201c zur\u00fcck. \u201eH\u00e4ngen stets noch Wolken \u00fcber Euch?\u201c, fragt der K\u00f6nig den aus guten Gr\u00fcnden verstimmten Neffen. \u2013 \u201eNicht doch, mein F\u00fcrst\u201c, antwortet dieser, \u201eich habe zu viel Sonne\u201c.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese spezifische, an das Symbol \u201eSonne\u201c in Kinderbildern anschlie\u00dfende motivische Verwendung findet sich auch bei Novalis in Klingsohrs M\u00e4rchen. Zuviel Sonne hat auch B\u00fcchners Danton. \u201eIch wittre was in der Atmosph\u00e4re, es ist als br\u00fcte die Sonne Unzucht aus\u201c, klagt er auf der Promenade im 2. Akt. Sein Autor geht mit ihm d\u2019accord. Simons, des Souffleurs Weib, bekennt, auf der Gasse auf einem Stein in der Sonne gesessen und sich gew\u00e4rmt zu haben, w\u00e4hrend um die Ecke herum die jungen Herren bei ihrer Tochter die Hosen herunterlassen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIhr Hunger hurt und bettelt\u201c, l\u00e4sst B\u00fcchner den ersten B\u00fcrger abwiegeln; das ist der Standpunkt des Sozialdramas. Es gibt aber eben auch diese andere, chiffrierte Perspektive, die B\u00fcchner zudem umgehend in Klartext \u00fcbersetzt. Die Mutter nimmt sich das Anrecht auf das Glied der Tochter heraus. Der sexuelle Missbrauch wird doppelt begr\u00fcndet: durch materielle Not und durch die lustvolle Inbesitznahme der Tochter durch die Mutter. Dem eloquenten Souffleur, Vater des M\u00e4dchens und Ehemann der die Intimit\u00e4t der Tochter vergesellschaftenden Mutter fehlen in Anbetracht eines solchen Zynismus auf beredte Weise die Worte: Er verlangt nach einem Messer. Das ist die Fortsetzung der Rede mit anderen \u2013 Woyzecks \u2013 Mitteln.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das motivisch-metaphorische Netz im \u201eWoyzeck\u201c\u00a0ist bereits 1960 von Volker Klotz (\u201eGeschlossene und offene Form im Drama\u201c, M\u00fcnchen 1960) als metaphorische Verklammerung beschrieben worden, wenngleich noch nicht vollst\u00e4ndig. Allerdings begn\u00fcgte sich Klotz damit, die motivische Vernetzung als Funktion der \u201eoffenen Form\u201c des Dramas zu verorten. Auf den Gedanken, dass ein Autor des 19. Jahrhunderts nicht unbedingt das Anliegen hat, eine expressionistische Collage formal zu vereinheitlichen, ist man bislang nicht gekommen, sonst h\u00e4tte die B\u00fcchner-Rezeption auch nach der <em>inhaltlichen <\/em>Bedeutung des motivisch-metaphorischen Netzes gefragt. Stattdessen fokussieren die B\u00fcchner-Forschung, teilweise die B\u00fchnen und vor allem die Unterrichtswerke f\u00fcr die Schulen, Lekt\u00fcrehilfen und so weiter die \u201eWoyzeck\u201c<em>&#8211;<\/em>Interpretation auf den historischen Fall (aktuelles Beispiel ist Marion Schmaus: \u201ePsychosomatik. Literarische, philosophische und medizinische Geschichten zur Entstehung eines Diskurses\u201c, T\u00fcbingen 2012), ohne die \u00dcberlegung anzustellen, dass eine solche Vorgehensweise die Selbstst\u00e4ndigkeit eines Dramentextes negiert, die im 19. Jahrhundert noch zur Selbstverst\u00e4ndlichkeit von Dichtung geh\u00f6rte.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Dar\u00fcber hinaus ger\u00e4t der nirgends <em>\u00e4sthetisch <\/em>begr\u00fcndeten Hinzuziehung des historischen Materials stets aus dem Auge, dass B\u00fcchners Dramaturgie und die historische Woyzeck-Erz\u00e4hlung weitestgehend divergieren. Anders ausgedr\u00fcckt ist die moderne Vermischung von Quellenforschung und Zitatforschung im Hinblick auf B\u00fcchner zu problematisieren. Der Woyzeck-Fall und andere historische Vorlagen sind unstreitig f\u00fcr B\u00fcchner Quellen. Ob sie als Zitate gemeint sind, w\u00e4re aus B\u00fcchners Dichtung nachzuweisen, der einfache Nachweis des <em>copy <\/em>reicht dazu nicht. Andererseits zitiert B\u00fcchner erwiesenerma\u00dfen. Ganz ausdr\u00fccklich beispielsweise die Bibel. Desgleichen Goethes Faust I. Bislang bestritten werden seitens der Forschung die \u201eHamlet\u201c-Zitate, die M\u00fche der Begr\u00fcndung macht man sich dabei nicht.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Tats\u00e4chlich scheint sich B\u00fcchners \u201eWoyzeck\u201c<em>&#8211;<\/em>Dramaturgie aber stark an den \u201eHamlet\u201c anzulehnen. Das beginnt mit den Halluzinationen, die an die Erscheinung des v\u00e4terlichen Geistes erinnern und geht \u00fcber die Gebetsszene mit dem vergeblichen Flehen um Vergebung bis zu den Binnentexten, bei Shakespeare das Theater im Theater (das es im \u201eWoyzeck\u201c zudem in mehrfacher Hinsicht auch gibt), bei B\u00fcchner die M\u00e4rchenparabel. Offensichtliche Anspielungen sind der Igel, der rollende Kopf und der hohle Boden (in der Eingangsszene der Hauptfassung) mit dem Stacheltier, von dem der Geist spricht, und den mit den Sch\u00e4deln kegelnden Totengr\u00e4bern in der Friedhofsszene des \u201eHamlet\u201c. Warum aber diese Anspielungsebene? Sie bildet mit den Bibelzitaten, den allegorischen Liedinhalten (Allegorie des Sexuellen, m\u00f6glicherweise auch P\u00e4dosexuellen durch das Motiv der Jagd) und dem motivisch-metaphorischen Netz eine verdeckte Redeebene, zu der auch besagte \u201eSonne\u201c und die \u201eM\u00fccken\u201c geh\u00f6ren.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">L\u00e4sst man sich auf die Komplexit\u00e4t des \u201eWoyzeck\u201c<em>&#8211;<\/em>Dramas, sofern man erst einmal Zugang zu ihr gefunden hat, ein (mit Interpretation in dieser oder jener Richtung kann gegen\u00fcber der rhetorischen Ebene, der sprachlichen Form, nicht argumentiert werden), dann entstehen spektakul\u00e4re Inhalte, Sinnzusammenh\u00e4nge und tragische Konstellationen. Sie sind tiefgehend, ergreifend und unglaublich einfach. Ein erstes Indiz in diese Richtung liefert bereits die Benennung der Figuren auf den verschiedenen Entwurfsstufen. Franz Xaver Kroetz (\u201eGeorg B\u00fcchner: \u201aWoyzeck\u2018. Die Kroetz\u2019sche Fassung\u201c, Hamburg 1996), der seiner Fassung anders als allgemein \u00fcblich die fr\u00fchen Handschriftenentw\u00fcrfe zugrunde legt, ist meines Erachtens der einzige, der daraus hermeneutische Konsequenzen zieht. Ihm f\u00e4llt auf, dass B\u00fcchner seine m\u00e4nnliche Hauptfigur zun\u00e4chst nur Louis nennt und ihr keinen Nachnamen zuteilt. Stattdessen hei\u00dft die weibliche Figur urspr\u00fcnglich Margreth Woyzeck.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Kroetz macht beide zu Mann und Frau, schlie\u00dflich sei es ja sch\u00f6ner, seine Ehefrau umzubringen als einen One-Night-Stand. Das kann man so sehen. Warum B\u00fcchner den Familiennamen seiner Figur Louis unterschl\u00e4gt, wird dadurch nicht beantwortet. Offensichtlich wollte B\u00fcchner sowohl gleiche als auch unterschiedliche Familiennamen vermeiden. Das ist jedenfalls die einzige <em>logische <\/em>Erkl\u00e4rung f\u00fcr diese Auff\u00e4lligkeit. Die zweite Entwurfsstufe zeigt das gleiche Ph\u00e4nomen in der Umkehrung. Jetzt hei\u00dft die m\u00e4nnliche Figur Franz Woyzeck, die weibliche nur Louise, kein Familienname. Interessanterweise zeitigt diese \u00fcberarbeitete Benennung eine bemerkenswerte dramaturgische Konsequenz. Die Stimme aus dem Boden, die den Tod des weiblichen Opfers fordert und es damit auch (im Sinne einer Anagnorisis) namentlich identifiziert, muss hier schweigen. Als Kompensation f\u00fcr die entfallene starke Szene entsteht die neue Exposition mit Woyzecks eindrucksvollen optischen Halluzinationen. Im Hintergrund dieser Beobachtungen steht freilich die Frage, warum die Dramaturgie zun\u00e4chst verlangt, \u201edie Woyzecke\u201c totzustechen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Allgemein (beispielsweise Gerhard P. Knapp, \u201eGeorg B\u00fcchner\u201c, Stuttgart 2000) wird diese Entwurfsstufe als Eifersuchtsgeschichte bezeichnet, das \u201ework in progress\u201c strebe in seiner weiteren Entwicklung dann aber zum Sozialdrama. Letzteres habe B\u00fcchner nach dieser Vorstellung von Anfang an im Hinterkopf gehabt. Davon abgesehen, dass dabei das (allseitig unter den Teppich gekehrte) hermeneutische Problem entsteht, das sp\u00e4tere Sozialdrama mit der fr\u00fchen Mordballade konzeptionell auf eine Linie zu bringen, geben die Handschriftenentw\u00fcrfe, sofern man sie tats\u00e4chlich genau liest, diese Sichtweise nicht her. Neben dem dramaturgisch schwergewichtigen Komplex um die Mordszene spielt n\u00e4mlich der Wahnsinn bereits im ersten Handschriftenentwurf eine tragende Rolle, ganz im Gegensatz zu der dort noch fehlenden Pr\u00e4senz der f\u00fcr die Eifersuchtsgeschichte unabdingbaren weiblichen Figur: Sie wird auf der ersten Entwurfsstufe erst unmittelbar vor der Mordgeschichte wirklich sichtbar.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Tat handelt es sich also bei dem fr\u00fchen \u201eWoyzeck\u201c um eine Mordballade mit einem starken Wahnsinnsaspekt und einem ungef\u00e4hr ein Drittel des Textes beanspruchenden satirischen Teil. Was neben der nur gerade eben angedeuteten Eifersuchtsgeschichte auf der ersten Entwurfsstufe \u00fcberhaupt nicht vorhanden ist, ist das Sozialdrama. Es gibt keinen Hauptmann, den Woyzeck zu rasieren hat, es gibt keinen Doktor, es gibt kein Ern\u00e4hrungsexperiment. Es gibt \u00fcbrigens auch kein gemeinsames Kind der beiden Hauptfiguren, diese Beziehung hat ja kaum Konturen. Der unvoreingenommene Blick auf die Entfaltung des \u201eWoyzeck\u201c widerlegt bem\u00fchte Versuche,\u00a0wie beispielsweise den von Harald Neumeyer (Roland Borgards, Harald Neumeyer [Hrsg.]: \u201eB\u00fcchner-Handbuch\u201c, Stuttgart 2009), Woyzecks Wahnsinn ganz oder partiell auf das Ern\u00e4hrungsexperiment beziehungsweise die sozialen Umst\u00e4nde zur\u00fcckzuf\u00fchren. Das Motiv ist von Anfang an vertreten und h\u00e4ngt aufs Engste mit der Mordballade zusammen, w\u00e4hrend Eifersuchtsgeschichte und Sozialdrama erst im Laufe des work in progress ausgestaltet werden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Dagegen hat bereits Wolfgang Martens\u00a0(\u201eZeitschrift f\u00fcr deutsche Philologie\u201c 4\/1960) festgestellt,\u00a0dass der Keim zu den von den m\u00e4nnlichen Figuren verk\u00f6rperten neuen Motiven in der Hauptfassung in der Figur des Barbiers zu finden ist, die ersichtlich nichts mit der Mordhandlung zu tun hat. Dieser von der B\u00fchnenhandlung (nicht aber von der <em>embedded story<\/em>) abgekoppelte Charakter des satirischen Parts erkl\u00e4rt auch hinreichend, warum B\u00fcchner beim Abfassen des \u201eWoyzeck\u201c zwei Mal von vorne ansetzt, w\u00e4hrend er das Ende des Dramas nur durch eine einzige kleine Szene erg\u00e4nzt. Er musste die Entwicklung der Handlung zum Mord hin sozusagen motivisch unterf\u00fcttern. Die Mordballade war das, was als Erstes dramaturgisch vor seinen Augen stand. Die Frage dr\u00e4ngt sich daher auf, was B\u00fcchner an der szenischen Umsetzung eines Mordes reizte, zu dem ihm die dramaturgische Vorgeschichte fehlte.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Antwort auf diese Frage liefert das motivisch-metaphorische Netz, das mit der Chiffre \u201eSonne\u201c und den \u00fcber alle Szenen ausgestreuten Metaphern und Bildketten Woyzecks Geliebte und Mutter ineinander verstrickt.\u00a0Teil dessen ist auch der Konnex der beiden Namen Woyzeck und Zickwolf in der Hauptfassung, womit der Autor das Problem l\u00f6st, weder gleiche noch verschiedene Familiennamen verwenden zu m\u00fcssen. Die Georg B\u00fcchner Gesellschaft versteift sich auf das Argument, der Name Zickwolf sei auch heute noch ein v\u00f6llig g\u00e4ngiger Name. Als ob das etwas zu besagen h\u00e4tte. B\u00fcchner k\u00f6nnte sich an Tieck orientiert haben. Der Romantiker k\u00fcndigt in seinem<em> \u201e<\/em>Blonden Eckbert\u201c mit der teilweisen Homonymie von Eck-bert und Bert-ha den Geschwisterinzest onomastisch an, weit bevor ihn die Geschichte schlussendlich enth\u00fcllt. In dem von Georg B\u00fcchner \u00fcbersetzten Victor-Hugo-Drama \u201eLucretia Borgia\u201centfernt Gennaro an dem Palast der \u201eOrgie\u201c symboltr\u00e4chtig das \u201eB\u201c des titelgebenden Namens mit dem Messer. Gennaro ersticht die Lucretia am Ende. Sie ist seine Mutter. Victor Hugo spielt in seinem Drama mit dem m\u00fctterlichen Inzestbegehren, das Erstechen durch den Sohn bildet den melodramatischen Schluss.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Hinblick auf den r\u00e4tselhaften Binnentext des Gro\u00dfmutterm\u00e4rchens im \u201eWoyzeck\u201c kann man bei Novalis nachschlagen. Sein \u201eHeinrich von Ofterdingen\u201c enth\u00e4lt eine bereits erw\u00e4hnte M\u00e4rchenparabel, in deren Mittelpunkt ein zweifacher Inzest steht. Novalis verwendet in diesem Zusammenhang das Symbol \u201eSonne\u201c in exakt der gleichen Konnotation wie B\u00fcchner: Anders als das B\u00fcchner-Handbuch meint, spielt im \u201eWoyzeck\u201c nicht der Lichtaspekt der Sonne die Hauptrolle, sondern der der Hitze. Das Weib ist hei\u00df, Marie hat hei\u00dfe H\u00e4nde. Einen geradezu sensationellen Effekt (und keinen sentimentalen) machen dann, hat man B\u00fcchners Metaphorik parat, die beiden letzten Szenen der Hauptfassung. Marie bezeichnet sich im Abgrund der Verzweiflung als \u201eSonne\u201c, w\u00e4hrend Woyzeck unmittelbar danach feststellt, seine Mutter f\u00fchle nur noch, wenn ihr die Sonne auf die H\u00e4nd scheint. Kurz zuvor hat Woyzeck das Messer bei dem Juden erstanden. In der darauffolgenden Szene f\u00e4llt aus Maries Mund dieser Satz: \u201eDas Kind gibt mir einen Stich ins Herz\u201c. Er antizipiert die bevorstehende Tat und macht dem Opfer die Unausweichlichkeit seines Schicksals bewusst. Nun tritt der Narr auf, der in der ihm eigenen M\u00e4rchensprache gleichfalls auf das Ende des Dramas verweist. Der B\u00fcchner-Forschung ist seine Rede nach wie vor schleierhaft. Der Narr deklamiert,\u00a0dass er morgen das Kind der Frau K\u00f6nigin holen werde und erg\u00e4nzt die kryptische Bemerkung: \u201eBlutwurst sagt: \u201aKomm Leberwurst.\u2018\u201c In der zweiten Szene des Erg\u00e4nzungsentwurfs, sie spielt offensichtlich nach dem Mord an der weiblichen Figur, hat der Idiot das Kind auf dem Scho\u00df. Woyzeck kommt und will es haben. Es weigert sich und springt schlie\u00dflich mit dem Idioten weg. Selbstverst\u00e4ndlich ist Woyzeck die \u201eBlutwurst\u201c. Bei \u201eLeberwurst\u201c handelt es sich infolgedessen um eine Chiffre f\u00fcr das Kind. Der Narr sagt Woyzecks vergebliches Bem\u00fchen um seinen kleinen Sohn voraus. Und weil er dies in unmittelbarem Zusammenhang mit Maries Figurenrede antizipiert, ist ihr Ausruf vom Kind, das ihr einen Stich ins Herz gibt, zwangsl\u00e4ufig (auch) als Antizipation zu lesen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bedeutet das m\u00e4rchenhafte Ende der kleinen Szene mit Woyzeck, dem Idioten und dem Kind den Untergang des Letzteren? Die Rettung? Vermutlich eher Letzteres. Warum sonst lie\u00dfe B\u00fcchner das Kind \u2013 zum dritten Mal in der Hauptfassung \u2013 in die Handlung eingreifen? Diese eigentlich auf der Hand liegende Entschl\u00fcsselung, so schwer ist sie nun wirklich nicht zu haben, erkl\u00e4rt auch auf befriedigende Weise Maries Verzweiflung. Sie st\u00f6\u00dft das Kind auf dem Arm von sich, in diesem Zusammenhang f\u00e4llt der besagte Satz vom Stich ins Herz. Metaphorisch gelesen, und diese Lesart fordert die B\u00fchnenhandlung zun\u00e4chst, ist es das <em>kleine <\/em>Kind, das ihr den Stich ins Herz gibt. Warum aber diese Verzweiflung \u00fcber das Kind? <em>Ohne <\/em>hier irgendetwas hineinzuinterpretieren, was \u00fcber eine br\u00fcchige hermeneutische Hilfskonstruktion indes nicht hinausk\u00e4me, gibt es nur eine M\u00f6glichkeit f\u00fcr die Erkl\u00e4rung der Tods\u00fcnde, die die \u201eEngelchen zum Himmel hinaus r\u00e4uchert\u201c: den Inzest. Kurz gesagt, hinter der Eifersuchtsgeschichte und der Mordballade steht eine Inzestverstrickung von Mutter und Sohn, die komplement\u00e4re von Vater und Tochter wird \u00fcbrigens im zweiten Handschriftenentwurf relativ offen benannt; ein zus\u00e4tzliches Argument f\u00fcr die psychologische Plausibilit\u00e4t des Dramas, denn es gibt diesen Wiederholungszwang.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Analyse des sprachlichen Materials und die Interpretation sollte man so gut es eben geht auseinanderhalten, auch wenn beide zwangsl\u00e4ufig interferieren. Analyse hei\u00dft im Falle des \u201eWoyzeck\u201c: Es besteht ein breiter Konsens \u00fcber ein alle Entwurfsstufen durchziehendes motivisch-metaphorisches Netz, das sich \u2013 das ist die neue Erkenntnis \u2013 nicht nur in dem Komplex um die Mordszene, was bereits Klotz feststellte, und das Thema \u201eSexualit\u00e4t und Gewalt\u201c zusammenzieht, sondern in jeder Entwurfsstufe zentrale Knotenpunkte aufweist. Hier laufen jeweils verschiedene Str\u00e4nge zusammen, die nicht nur ein zentrales Stichwort, sondern immer mehrere Signale beinhalten. Mindestens eins davon verweist regelm\u00e4\u00dfig auf einen p\u00e4dosexuellen oder inzestu\u00f6sen Inhalt, den man mit dem Hinweis auf einen von B\u00fcchner sp\u00e4ter integrierten anderen Aspekt aus dem Motivkreis des Sozialdramas \u00fcberspielen kann, der jedoch in der strukturellen Verklammerung sowohl der Bilder und Zeichen als auch mit der Handlung in allen Handschriftenentw\u00fcrfen, insbesondere aber der f\u00f6rmlichen und \u201egleichsam rituellen Weise\u201c der Mordhandlung (Grimm 1979), die einer Hinrichtung gleichkommt, nicht aus der Welt zu schaffen ist. Zu diesen Elementen der Bildketten geh\u00f6rt der Gegensatz von klein und gro\u00df, wie er beispielsweise in der genannten Szene mit Hut\/Hund und Hund erscheint, das Viehische, Sexuelle und die Kinder sind hier offen einbezogen, dazu das Signalwort \u201egrotesk\u201c.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch das \u201eastronomische Pferd\u201c in der Budenszene ist kein Irrtum, sondern es erkl\u00e4rt sich aus der Teilhabe an besagter Kette, sein Pendant sind die \u201ekleine Kanaillev\u00f6gele\u201c, Favoi beziehungsweise Liebling von allen gekr\u00f6nten H\u00e4uptern; hier ist das Viehische also wieder mit dem motivischen Gegensatz von klein und gro\u00df verkn\u00fcpft, die \u201eFavoriten\u201c sind m\u00e4nnliche M\u00e4tressen, \u201eKanaillen\u201c kleine Schurken, den Zusammenhang von V\u00f6geln und \u201ev\u00f6geln\u201c braucht man nicht zu erkl\u00e4ren. Es ist nicht zuletzt diese sprachliche Virtuosit\u00e4t und \u2013 bei allem dramatischen Ernst \u2013 verbale Spielerei, die sich hermeneutisch verfl\u00fcchtigt, wenn man den \u201eWoyzeck\u201c auf das Sozialdrama reduziert.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In der M\u00e4rchenparabel ist dann der Vogel wieder zur Stelle, jetzt geh\u00f6rt er zu der Seite des Gro\u00dfen, das Kleine wird durch die bei B\u00fcchner einschl\u00e4gig gepr\u00e4gten kleinen goldenen M\u00fccken repr\u00e4sentiert\u00a0\u2013 \u201egolden\u201c, das ist die Farbe der \u201eSonne\u201c. Der Vogel, ein Neunt\u00f6ter, verf\u00fchrt nach zeitgen\u00f6ssischer Ansicht seine Opfer durch vorget\u00e4uschte Vogelrufe, das Kind, dessen Chiffre die M\u00fccken darstellen, ist im Gro\u00dfmutterm\u00e4rchen im Klartext mit von der Partie, es sitzt am Ende auf einer Erde, die zum umgest\u00fcrzten Nachttopf (Hafen) wird. Letzterer ist als \u201epotchambre\u201c in einer anderen Szene zugegen, die einen eindeutig obsz\u00f6nen Unterton aufweist. Auge und Fenster geh\u00f6ren zu diesen Str\u00e4ngen, es gibt kaum eine Szene, in der nicht wenigstens einer dieser beiden Begriffe vorkommt. Das Auge ist das Fenster der Seele und das Einfallstor f\u00fcr das Pornografische. Das Fenster ist wiederum das, was die Trennung zwischen Privatem und \u00d6ffentlichem aufhebt. W\u00e4re das Diktum von B\u00fcchners Modernit\u00e4t nicht so abgegriffen \u2013 und in literaturtheoretischer Hinsicht zumindest partiell irref\u00fchrend \u2013, dann k\u00f6nnte man auch den Motivkomplex um \u201eAuge\u201c und \u201eFenster\u201c im Woyzeck-Fragment einer sozusagen prophetischen Thematisierung unserer zunehmenden Sexualisierung des \u00d6ffentlichen zuschreiben.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">So schaut der Doktor seinem Probanden Woyzeck beim Pissen zu, was motivisch absolut unplausibel ist, wenn er sich danach \u00fcber den vertragsbr\u00fcchigen Probanden beklagt \u2013 h\u00e4tte selbiger es doch entweder dann auch bis hinein ins \u201esecret\u201c schaffen k\u00f6nnen oder der Doktor mit einem Gef\u00e4\u00df hinaus. Aber der Doktor schaut eben durchs Fenster: in der fr\u00fcheren Fassung mit dem Kopf zwischen zwei kopulierenden Blattl\u00e4usen, in der sp\u00e4teren mit der \u201eSonne\u201c auf der \u201eNase\u201c, um das \u201eNiesen\u201c zu beobachten. Die Anf\u00fchrungszeichen muss man sich unbedingt hinzudenken, erst dann erfasst man die Metaphorik. W\u00e4hrend die B\u00fcchner-Forschung hier an ein wissenschaftliches Experiment denkt, kommt bei B\u00fcchner, vorausgesetzt die Chiffren sind entschl\u00fcsselt, bei der Figur des Doktors nur \u201eSexualforschung\u201c in Betracht. Was \u201eNase\u201c, \u201eNiesen\u201c und so weiter bedeuten, erz\u00e4hlt die Wirtshausszene mit den Handwerksburschen, die laut Hauptfassung vom Tisch herunter in den Gastraum pissen m\u00fcssten, weil B\u00fcchner die fr\u00fchere Fassung entsch\u00e4rft und gestrafft hat, aber das antisemitische, schwarzmagische Schlussmotiv beibehielt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eAlter Mann und junges Kind\u201c, stellt Woyzeck in der \u00fcberarbeiteten Budenszene fest, das sich daran anschlie\u00dfende \u201eRegen und Fass\u201c will kein Herausgeber, mit Ausnahme von Enrico De Angelis (\u201e\u00dcber die Handschriften des \u201aWoyzeck\u2018\u201c, in: Sabine Doering et al. [Hrsg.]: \u201eResonanzen, Festschrift f\u00fcr Hans Joachim Kreutzer\u201c, W\u00fcrzburg 2000), entziffern k\u00f6nnen, obwohl es lesbar ist und ausgerechnet die darauffolgende Szene mit dem \u201eRegenfass\u201c beginnt. Fast hat es den Anschein, als ob die Herausgeber wissen, was sie unterschlagen. Der \u201eRegen\u201c ist schon in \u201eDantons Tod\u201csexuell konnotiert, das \u201eFa\u00df\u201c in der pornografischen Literatur der Renaissance (Aretino) ein einschl\u00e4giges Symbol. Genauso wie die \u201eSch\u00fcssel\u201c, die als \u201eWoyzecks Sch\u00fcssel\u201c f\u00fcr Louise steht. Das \u201eFass\u201c ist in der genannten Budenszene ein Kind. \u201eArmer Mann, alter Mann! Armes Kind, Junges Kind\u201c, sagt Woyzeck und f\u00fcgt quasi paradigmatisch eine dieser Bildketten des motivisch-metaphorischen Netzes durch die Glieder \u201eMann\u201c, \u201eKind\u201c, \u201eGef\u00e4\u00dfmetapher\u201c und \u201earm\u201c eigenh\u00e4ndig zusammen. B\u00fcchner will sein Publikum nicht \u00fcberfordern, manches kommt deswegen fast unverschl\u00fcsselt daher. Woyzeck und der Hauptmann unterhalten sich \u00fcber das Kindermachen, aus Woyzecks anspielungstr\u00e4chtigem Bibelzitat \u201elasset die Kindlein zu mir kommen\u201c h\u00f6rt Letzterer einen Sarkasmus heraus. Ihm kommt folgerichtig \u201edie Liebe\u201c, wenn er am Fenster liegt, es geregnet hat und er den wei\u00dfen Str\u00fcmpfen so nachsieht, wie sie \u00fcber die Gassen springen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Den genannten Beispielen kann man aus der Perspektive eines der bisherigen Deutungsans\u00e4tze nicht einfach das Argument entgegenhalten, dass sie selektiv zusammengesucht worden seien. Solche Widerlegungsversuche w\u00fcrden die Tatsache \u00fcbersehen, dass die Motive und Chiffren im Zusammenhang der Bildketten strukturell verankert sind, also keine Details darstellen, sondern Teil eines Musters sind. Maries Kind schwitzt im Schlaf, Woyzeck meint dazu: \u201eAlles Arbeit unter der Sonn\u201c. Wer dabei an die zuvor genannte Szene aus \u201eDantons Tod\u201c denkt, an die sich in der \u201eSonne\u201c w\u00e4rmende Mutter, die ihre Tochter anschaffen schickt, dann f\u00e4hrt einem in Anbetracht des S\u00e4uglings der Schreck in die Glieder. Es handelt sich hier eben nicht um ein isoliertes Motiv (das in einem derart komprimierten und knappen Text ohnedies keinen Platz h\u00e4tte), sondern um den chiffrierten Kern eines Vorwurfs gegen die weibliche Hauptfigur, deren urspr\u00fcnglicher Name Margreth nicht ohne Grund an die Kindsm\u00f6rderin in Goethes Faust I erinnert und die von einem Louis exekutiert wird, der zuvor weder herumschikaniert noch experimenthalber einseitig ern\u00e4hrt wurde.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die B\u00fcchner-Rezeption stellt immer wieder gerne heraus, dass B\u00fcchners Figur Woyzeck sich nicht gegen seine Unterdr\u00fccker wehrt, sondern sich an einem unschuldigen Opfer abreagiert. Das ist nicht die n\u00e4chstliegende Schlussfolgerung. Die n\u00e4chstliegende ist \u2013 und das ist es, was B\u00fcchners Text bei sorgf\u00e4ltiger Lekt\u00fcre mitunter auch unverschl\u00fcsselt zu erkennen gibt \u2013, dass Woyzeck einen schicksalhaften Auftrag bekommt, an dem er, wie Hamlet, durchaus zweifelt, ob er ihn ausf\u00fchren muss, aber schlie\u00dflich nicht darum herum kommt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSoll ich? Mu\u00df ich? H\u00f6r ich\u2019s da auch, sagt\u2019s der Wind auch? H\u00f6r ich\u2019s immer, immer zu, stich todt, todt\u201c, steht da w\u00f6rtlich geschrieben: Wie kann man das \u00fcbersehen? Indem man die Figur f\u00fcr wahnsinnig erkl\u00e4rt. Damit wird die ohnehin schmale Textbasis noch schmaler. Man k\u00f6nnte es doch wissen, wen die Erinnyen mit Wahnsinn schlagen. Auch Tiecks blonder Eckbert stirbt im Wahnsinn. Und dann ist da noch einer, der sich am Wahnsinn entlanghangelt, halb gespielt, halb damit geschlagen und in B\u00fcchners Texten best\u00e4ndig pr\u00e4sent ist, in Bezug auf den \u201eWoyzeck\u201c will man wenig bis nichts von ihm wissen: Shakespeares \u201eHamlet\u201c. Er ersticht seine Mutter indes nur mit den Augen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleichsam inszeniert wird die metaphorische Figur des Abgrunds in der Szene der <em>Hof des Professors. <\/em>In dem Fallexperiment f\u00e4llt symbolisch auch Woyzeck, damit dementiert B\u00fcchner h\u00f6chstpers\u00f6nlich die g\u00e4ngige Meinung, der Figurmangele es an Fallh\u00f6he. Zwar steht sie unten, w\u00e4hrend der Professor aus seinem Dachfenster nach einer p\u00e4dosexuellen Anspielung eine Katze defenestriert, aber Woyzeck muss die Katze auffangen\u00a0und die Katze steht f\u00fcr Marie. Inwiefern implizit auch Woyzeck f\u00e4llt, erweist das Experiment. Das Ergebnis kommt aus dem Munde des Doktors, zu dem der Professor mutiert, weil die verdeckte Rede durch eine offene Rede kaschiert werden muss. Das Fallexperiment wird deswegen mit dem Ern\u00e4hrungsexperiment verkoppelt, f\u00fcr Letzteres ist aber\u00a0eben der Doktor zust\u00e4ndig. Die Differenz zwischen beiden ist auf der Interpretationsebene festzumachen: Woyzeck hat d\u00fcnne Haare. Einerseits ist daf\u00fcr die Erbsendi\u00e4t verantwortlich. Andererseits die Mutter. Sie hat sie ihm ausgerissen, aus Z\u00e4rtlichkeit. So steht es w\u00f6rtlich im Text. Im Kontext des Viehischen zielt das auf den animalischen Geschlechtsakt ab. Motherfucker Woyzeck.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Identifizierung eines inzestu\u00f6sen\/p\u00e4dosexuellen Komplexes im \u201eWoyzeck\u201c-Fragment wirkt sich zwangsl\u00e4ufig auf die Wahrnehmung von B\u00fcchners Gesamtwerk aus. Ohnehin sind bei B\u00fcchner viele Passagen zu finden, die entweder, wie besagtes Motiv der Hunde und Kinder, Selbstzitate beziehungsweise eine mehrfache Verwendung gleicher Motive darstellen oder aber wie Anspielungen auf das eigene Werk, sozusagen intratextuelle Verweise, erscheinen m\u00fcssen. Danton wagt sich an seine Mutter, Laflotte ist Vater und Sohn zugleich, die woll\u00fcstigen Fantasien eines Lenz sind mit der Mutter verwoben und alle drei Figuren leiden unter schweren, geradezu austauschbaren \u00c4ngsten. Unter Lenz geht etwas, wie es hinter Woyzeck hergeht, zu Georg Danton sprechen die W\u00e4nde und die Enge in Leonces Palast beziehungsweise im Reiche Popo ist kaum von der zu unterscheiden, die den Dichter Lenz qu\u00e4lt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Lena f\u00fchlt sich als Opferlamm, \u00fcber das der Priester schon das Messer hebt, dass aber nicht in der Kom\u00f6die, sondern in dem Parallelprojekt \u201eWoyzeck\u201czugestochen wird, ist durchaus aus Hartmut Nonnenmachers Untersuchung des \u201eInzests als Motiv und Thema in der franz\u00f6sischen und deutschen Literatur des 18. Jahrhunderts\u201c (Frankfurt am Main 2002) erkl\u00e4rbar<em>. Natur<\/em>, das ist der (wissentliche) Geschwisterinzest, <em>Fatum<\/em> der (unwissentliche) von Mutter und Sohn beziehungsweise Vater und Tochter. Leonce Popo und Lena Pipi sind auf andere Weise verwandt als Franz Woyzeck und Marie Zickwolf und auf harmlosere Weise inzestu\u00f6s verstrickt: Das macht den Unterschied. Erst wer das versteht,\u00a0versteht Georg B\u00fcchners destruktives, an Verzweiflung grenzendes Lachen, wie es in den Worten Georg Dantons zum Ausdruck kommt: \u201eMute mir nur nichts Ernsthaftes zu. Ich begreife nicht warum die Leute nicht auf der Gasse stehen bleiben und einander in\u2019s Gesicht lachen. Ich meine sie m\u00fc\u00dften zu den Fenstern und zu den Gr\u00e4bern heraus lachen und der Himmel m\u00fcsse bersten und die Erde m\u00fcsse sich w\u00e4lzen vor Lachen\u201c.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht sind wir B\u00fcchner noch zu nah. Er ist ja erst vor kaum 200 Jahren auf die Welt gekommen. Nach unserer unseligen ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts steht uns ein Freiheitsk\u00e4mpfer und Sozialrevolution\u00e4r, der zudem noch poetisch und wissenschaftlich kreativ ist, gut an. \u201eFriede den H\u00fctten! Krieg den Pal\u00e4sten!\u201c passt zwar nicht auf B\u00fcchners Dichtung, gleichwohl stellt man ihr dieses Motto unbek\u00fcmmert voran. Ein unvoreingenommener, weniger politisch enthusiasmierter Blick auf B\u00fcchners Leben kann da nur st\u00f6ren. Denn auch hier, im Hinblick auf das Biografische, w\u00e4re besagte Parole mit ihrer agitatorischen Polemik nicht unbedingt in ihrem Nominalwert zu nehmen. Da schreibt ein gerade einmal 20-J\u00e4hriger mit enormem dichterischem Potenzial eine wilde Hasspredigt, erkl\u00e4rt der verhassten Obrigkeit den Krieg und der hessischen Landbev\u00f6lkerung mittels statistischer Angaben, wie sie ausgebeutet wird. Dass auch hier bereits der <em>Dichter <\/em>am Werk gewesen sein k\u00f6nnte, das auch nur einmal anzudenken f\u00e4llt niemandem ein.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Revolution\u00e4r B\u00fcchner hat einen Umsturz herbeischreiben wollen. Sicherlich wollte er das, aber was wollte der <em>Dichter<\/em>? Der Revolution\u00e4r scheiterte, er sah das \u00fcbrigens voraus und hat solche Aktionen am Beispiel des Frankfurter Wachensturms scharf kritisiert. Wir aber feiern den Gescheiterten, ohne denjenigen in Rechnung zu stellen, der im Hinblick auf sein literarisches Werk ma\u00dfgeblicher ist. Der hatteseine dichterische Berufungim Kopf und eine geliebte Verlobte in Stra\u00dfburg, einer Metropole, in der sowohl der historische Lenz als auch Goethe sich den Wind der gro\u00dfen weiten Welt um die Nase haben wehen und sich davon inspirieren lassen. Der Revolution\u00e4r provozierte einen ohnehin bereits bis aufs Blut gereizten Gegner ohne jede Aussicht auf politischen Erfolg. Der Dichter (und der Student, der Sohn sowieso) freute sich, in die \u201efreiwillige Verbannung\u201c ins benachbarte Frankreich gehen zu m\u00fcssen. B\u00fcchners Briefe sind diesbez\u00fcglich eindeutig. In Gie\u00dfen \u00fcberkam ihn die Depression, kaum hatte er die Grenze nach Wei\u00dfenburg \u00fcberschritten, konnte er wieder frei atmen. Und ein anderes Studienfach w\u00e4hlen. War B\u00fcchner nicht \u2013 anstatt Revolution\u00e4r, Dichter und Wissenschaftler \u2013 vielleicht vielmehr Schriftsteller, Dichter und wieder Schriftsteller? Ein \u2013 revolution\u00e4r gesinnter \u2013 Schriftsteller, der es in Hessen-Darmstadt aus verschiedenen Gr\u00fcnden nicht aushielt, ein dramatischer Dichter mit wenig Aussicht auf die baldige Auff\u00fchrung seiner Werke und ein romantisch naturphilosophierender Schriftsteller mit Hoffnung, aber wenig Aussicht auf ein geregeltes Einkommen? Wir stricken uns einen Mythos Georg B\u00fcchner zurecht, der mit dem literarischen Werk kollidiert. Der Mythos in B\u00fcchners Werk dagegen, die Kr\u00e4fte aus unbewusster und mythischer Tiefe warten auf Rezeption und Beschreibung.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu diesem um Georg B\u00fcchner errichteten (unechten) Mythos geh\u00f6rt auch das Trimmen der biografischen Daten. Die seinerzeit aufkommende Ideologie der b\u00fcrgerlichen Familie strickt hier flei\u00dfig mit. Da ist der Arzt, urspr\u00fcnglich aus kleinen Verh\u00e4ltnissen, der sich vom Hilfschirurgen zum Medizinalrat hochgearbeitet hat, Napoleon-Schw\u00e4rmer und autorit\u00e4re Vaterfigur. Auf der anderen Seite die feinf\u00fchlige, kunstsinnige Mutter. Kaum genannt wird dagegen die \u2013 von dem j\u00fcngsten Bruder Alexander in seinen Erinnerungen\u00a0(\u201eDas \u201atolle\u2018 Jahr\u201c, Gie\u00dfen 1900) ausf\u00fchrlich gew\u00fcrdigte \u2013 \u201eweibliche\u201c Gro\u00dfmutter, kokett bis ins hohe Alter, die f\u00fcr den \u00c4ltesten der B\u00fcchners noch viel weiblicher gewesen sein muss als f\u00fcr den J\u00fcngsten.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie residierte in der Beletage des Hauses B\u00fcchner und inszenierte dort mit den Damen vom Hofe \u201eRokoko\u201c. Sie hatte Geld und sie hatte ein glanzvolles Leben am Pirmasenser Hof hinter sich, dem die Franz\u00f6sische Revolution ein j\u00e4hes Ende gesetzt hatte. Auf der Flucht kam ihrem Mann, dem Hofrat Reu\u00df, eine Ladung mit Besitz des Gro\u00dfherzogs abhanden, woraufhin er in Ungnade fiel und erst nach einigen Jahren als Verwalter eines Irrenhauses in der Umgebung von Darmstadt einen neuen Posten bekam. Kein Werk \u00fcber Georg B\u00fcchner arbeitet heraus, wie das Leben der Verwandten m\u00fctterlicherseits dadurch gepr\u00e4gt wurde, man erf\u00e4hrt nichts \u00fcber die Zust\u00e4nde in dem Hospital, aber man k\u00f6nnte es sich ausmalen, nicht zuletzt anhand von B\u00fcchners Werk.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn wer glaubt im Ernst, dass es in den p\u00e4dagogischen und sonstigen Anstalten und \u201eum die Ecke\u201c auf den zeitgen\u00f6ssischen Gassen und hinter den Fenstern h\u00e4tte anders zugehen k\u00f6nnen als bei uns heute, wo der Skandal im besten Fall erst nach jahrzehntelanger Verdr\u00e4ngung das \u00f6ffentliche Bewusstsein erreicht. Selbst wenn es dann in diesem oder jenem Fall zu emp\u00f6rungsheischenden Schlagzeilen kommt: Die Opfer umgibt eine Mauer des Schweigens. Ausdr\u00fccklich verweist Georg B\u00fcchner in seinen Briefen an die Eltern im Zusammenhang mit den Unanst\u00e4ndigkeiten in seinem Revolutionsdrama auf die heimischen Gassen. Alexander B\u00fcchner spricht offen \u00fcbrigens auch nur \u00fcber das, was die Familie billigt oder billigen w\u00fcrde. Aber bereits das reicht aus, die g\u00e4ngigen Legenden zu unterminieren. Die Kinder waren \u00fcber das Treiben in der Beletage im Bilde, nahmen partiell daran teil, dazu kamen die Erz\u00e4hlungen der Untermieter und der Bedienten. Georg B\u00fcchner muss das, was er dramatisierte, nicht selbst erlebt haben. Auszuschlie\u00dfen ist andererseits auch nichts. B\u00fcchners \u201eWoyzeck\u201cschildert in seinem Kern inhaltlich nicht unbedingt etwas Neues. Das \u201aWie\u2018 sprengt die klassische Dramenform in St\u00fccke. In der Ergriffenheit und dem Zynismus tritt eine neue existentielle Intensit\u00e4t des Tragischen zutage. \u201eIch kenne mich zwar nicht selbst genug, um zu wissen ob ich eine wahre Trag\u00f6die schreiben k\u00f6nnte\u201c, lie\u00df Goethe seinen Dichterkollegen Schiller einmal wissen, \u201eich erschrecke aber blo\u00df vor dem Unternehmen und bin beinahe \u00fcberzeugt, da\u00df ich mich durch den blo\u00dfen Versuch zerst\u00f6ren k\u00f6nnte.\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Mann kannte sich aus. Dichten kann gef\u00e4hrlich sein \u2013 B\u00fcchner weder selektiv noch reduktiv zu lesen, das aber sollte doch drin sein.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div id=\"attachment_98090\" style=\"width: 182px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-98090\" class=\"wp-image-98090 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Georg_Bu\u0308chner.png\" alt=\"\" width=\"172\" height=\"246\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Georg_Bu\u0308chner.png 172w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Georg_Bu\u0308chner-160x229.png 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 172px) 100vw, 172px\" \/><p id=\"caption-attachment-98090\" class=\"wp-caption-text\">Alexis Muston aus Stra\u00dfburg fertigte diese Skizze seines Freundes Georg B\u00fcchner etwa 1835 an<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Georg B\u00fcchner. Dichter, Sp\u00f6tter, R\u00e4tselsteller<\/strong>. Entschl\u00fcsselungen, von Christian Milz, Passagen Verlag, Wien 2012.<\/p>\r\n<p><strong>Weiterf\u00fchend\u00a0\u2192<\/strong>\u00a0<\/p>\r\n<p>Die Gattung des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Essays<\/a> h\u00e4lt das freie Denken aufrecht, ohne, da\u00df der literarische Anspruch verlorengeht<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Es scheint ein Ph\u00e4nomen zu sein, dass diejenigen, die sich \u00fcberhaupt mit Georg B\u00fcchner besch\u00e4ftigen, von ihm so in den Bann gezogen werden, dass bei der Rezeption die eigenen weltanschaulichen Standpunkte sowohl in den Vordergrund dr\u00e4ngen als auch \u00fcberaus&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/10\/17\/entschluesselungen-zum-werk-georg-buechners\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":42,"featured_media":98090,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[892],"class_list":["post-59464","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-georg-buchner"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59464","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/42"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=59464"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59464\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":98308,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59464\/revisions\/98308"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98090"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=59464"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=59464"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=59464"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}