{"id":59210,"date":"2020-06-02T00:01:54","date_gmt":"2020-06-01T22:01:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=59210"},"modified":"2021-12-19T05:13:07","modified_gmt":"2021-12-19T04:13:07","slug":"der-rolls-royce-der-literaturkritik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/06\/02\/der-rolls-royce-der-literaturkritik\/","title":{"rendered":"Der Rolls-Royce der Literaturkritik"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-align-right\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>&#8222;&#8218;Ich bin ein halber Pole, ein halber Deutscher und ein ganzer Jude.&#8216; [&#8230;] diese arithmetische Formel war so effektvoll wie unaufrichtig: Hier stimmte kein einziges Wort. Nie war ich ein halber Pole, nie ein halber Deutscher &#8211; und ich hatte keinen Zweifel, da\u00df ich es nie werden w\u00fcrde. Ich war auch nie in meinem Leben ein ganzer Jude, ich bin es auch heute nicht.&#8220;<\/em><\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-right\" style=\"text-align: right;\">Aus: <strong>Mein Leben<\/strong>, Stuttgart Deutsche Verlagsanstalt 1999<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft is-resized\">\r\n<div id=\"attachment_59211\" style=\"width: 181px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-59211\" class=\"wp-image-59211\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Portra\u0308tplastik_Marcel_Reich_Ranicki-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"171\" height=\"256\" \/><p id=\"caption-attachment-59211\" class=\"wp-caption-text\">Photo: Figurator<\/p><\/div>\r\n<\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute w\u00e4re der Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki 100 Jahre alt geworden. Die <em>FAZ<\/em> widmet diverse Seiten dem neben Alfred Kerr wohl prominentesten Literaturchef der Blattgeschichte. Sein Vorg\u00e4nger im Amt im Haus war Karl Heinz Bohrer, von Reich-Ranicki gern als akademisch und publikumsfern berzeichnet, was dieser im R\u00fcckblick gespiegelt offenbar sehr gern zur\u00fcckgibt: &#8222;Reich-Ranicki stand nicht unter dem Kommando einer Theorie, sondern der Anweisung des Lebens. Das pr\u00e4gte seine Sprache. Sie war nicht die eines Intellektuellen, sondern eines Volksp\u00e4dagogen. &#8230; Sein lebenspraktischer Impuls, oft in die Irre f\u00fchrend, demonstriert aber eine imponierende Qualit\u00e4t: Courage. Er hatte keine Hemmungen, sich mit den einflussreichen Verteidigern Handkes anzulegen. Sich Feinde machen &#8211; wenn es dem literarischen Urteil galt &#8211; war ihm Herzenssache. Kein ihm lieberer Satz als Goethes &#8218;Schlagt ihn tot, den Hund! Es ist ein Rezensent&#8216;.&#8220; Ein Satz, in dem Marcel Reich-Ranicki im \u00fcbrgen, wie der online nachgelieferten Frankfurter Anthologie zu <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/buecher\/frankfurter-anthologie\/frankfurter-anthologie-rezensent-von-johann-wolfgang-von-goethe-16791886.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">entnehmen<\/a> ist, den &#8222;Tatbestand der Volksverhetzung erf\u00fcllt&#8220; sieht.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Marcel Reich-Ranickis Literaturgeschichte kann man auch als eine Liebesgeschichte lesen, die Geschichte eines enthusiastischen und zornigen Liebhabers der deutschen Literatur. Zeit seines Lebens setzte sich der gro\u00dfe Literaturkritiker leidenschaftlich f\u00fcr sie ein und scheute sich dabei nie, eine ganz eigenwillige Auswahl der bedeutendsten Autoren und ihrer Werke zu treffen. Denn \u201eder Verzicht auf einen Kanon\u201c, so seine \u00dcberzeugung, \u201ew\u00fcrde den R\u00fcckfall in die Barbarei bedeuten\u201c. Nun erscheint die bisher umfassendste Sammlung der wichtigsten und besten Essays dieses passionierten Streiters. Sie vermittelt ein so begeisterndes wie provozierendes Bild jener deutschen Literaturgeschichte, in der Reich-Ranicki seine Heimat fand, von den Minneliedern im Mittelalter \u00fcber Lessing, Goethe, H\u00f6lderlin, Heine, Fontane, Thomas Mann, Kafka, Brecht und Arnold Zweig bis hin zu den gro\u00dfen Schriftstellern der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts wie G\u00fcnter Grass, Martin Walser, Max Frisch, Ingeborg Bachmann, Thomas Bernhard oder Elfriede Jelinek. Der Band, herausgegeben von Thomas Anz, einem langj\u00e4hrigen Begleiter Marcel Reich-Ranickis und versierten Kenner seines Werkes, weist neue, immer wieder \u00fcberraschende Wege auf der Suche nach einer Literatur, die so intelligent, fesselnd und sch\u00f6n ist, dass man sie ein Leben lang lieben kann.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">2005 modellierte der Bildhauer Wolfgang Eckert den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki in dessen Wohnung. Bei der abgebildeten Portr\u00e4tplastik handelt es sich um eine in Gips gegossene und farblich gestaltete Plastik. Die Aufnahme entstand im Atelier des K\u00fcnstlers, in dessen Besitz sich die Plastik befindet. Eine weitere Version, die der K\u00fcnstler Marcel-Reich-Ranicki als Leihgabe \u00fcberlie\u00df, befindet sich in Schottland, bei den Nachkommen Ranickis. Einen Bronzeguss hiervon erwarb die Stadt Frankfurt am Main 2018.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;&#8218;Ich bin ein halber Pole, ein halber Deutscher und ein ganzer Jude.&#8216; [&#8230;] diese arithmetische Formel war so effektvoll wie unaufrichtig: Hier stimmte kein einziges Wort. 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