{"id":59130,"date":"2020-11-03T00:01:48","date_gmt":"2020-11-02T23:01:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=59130"},"modified":"2022-02-23T11:38:30","modified_gmt":"2022-02-23T10:38:30","slug":"was-lange-wahrt-wird-endlich-ein-buch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/11\/03\/was-lange-wahrt-wird-endlich-ein-buch\/","title":{"rendered":"Was lange w\u00e4hrt, wird endlich ein Buch"},"content":{"rendered":"\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der opulente Band <em>flurg\u00e4nger<\/em>, anl\u00e4sslich des 85. Geburtstags von Wulf Kirsten erschienen, darf auch als das Resultat verlegerischer Leidenschaft bezeichnet werden \u2013 in der Ligaturen-Reihe des Thomas Reche Verlags besitzt es das \u00fcppigste Format und stand, wie der Herausgeber im Nachsatz vermerkt, sage und schreibe drei Jahrzehnte im Traumbuch des Neumarkter B\u00fcchermachers:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDieses Buch, das seitdem auf dem Wunschzettel des Verlegers stand, erscheint nach jahrzehntelanger Korrespondenz und zwischenzeitlicher Publikation einiger Gedichte von Kirsten in Festschriften und als Einblattdruck.\u00ab<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun ist es also da: Gebunden in edel changierendes, graues Leinen, hat <em>flurg\u00e4nger<\/em> eher den Charakter eines Text-Bild- denn eines Lyrikbands \u2013 die Reihe der den Gedichten beigegebenen Kaltnadelradierungen Susanne Theumers n\u00e4hert sich nicht nur kongenial, sondern eben auch zahlenm\u00e4\u00dfig der lyrischen Auswahl; ja, sie er\u00f6ffnen via Frontispiz und einer Strecke von vier Grafiken de facto die Folge, verweisen auf die intensive Besch\u00e4ftigung der K\u00fcnstlerin mit dem Werk Kirstens. Und im Schlusstext <em>Unber\u00fchmter Ort<\/em> antwortet ihr der Dichter in einem kleinen Essay, ihre Arbeit betreffend und w\u00fcrdigt so den Strich der Grafikerin, der in seiner Vehemenz und sicheren F\u00fchrung \u00fcber das sich gegenw\u00f6lbende Kupfer selbst etwas Leuchtendes, Dichterisches hat.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Kirsten geh\u00f6rt, als Vertreter der S\u00e4chsischen Dichterschule, zu den bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikern der Gegenwart, sein Werk ist vielfach geehrt geworden und erscheint bis 2010 regul\u00e4r im Ammann-Verlag, seit 2011 bei S. Fischer. Auch von daher ist das schon in der Normalausgabe bibliophil zu nennende Jubil\u00e4ums-Buch als doppelter Gl\u00fccksfall zu bezeichnen: dass es und in dieser Ausstattung in der Oberpfalz erscheinen konnte. Doppelt auch darum, weil Reche sich mit der Zusammenstellung der Autoren und Grafiker in seinen Editionen seit jeher ein beherztes H\u00e4ndchen bewies und die Reihen eine Vielzahl gro\u00dfer Schriftsteller und K\u00fcnstler aufweisen; Wulf Kirsten und Susanne Theumer somit gleichsam eine angemessene Umgebung zugewiesen ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcberhaupt ist die Verbindung eine gl\u00fcckliche \u2013 seit 2006 arbeitet die H\u00f6hnstedterin zum Werk des Wahl-Weimarers, dessen Ausdrucksweise von einer \u00e4hnlichen Ernsthaftigkeit und Tiefe ist. Beide sind sie \u203aLandschafter\u2039 \u2013 aus der Wahrnehmung \u00e4u\u00dferer Gestaltung und Pr\u00e4gung entspringt das Gespr\u00e4ch mit dem Selbst und innere F\u00fclle. Entstanden sind so mit den Jahren vier gemeinsame K\u00fcnstlerb\u00fccher in exklusiven Auflagen: <em>Wettersturz<\/em> (2007), <em>Winterfreuden<\/em> (2008), <em>Zeitfra\u00df<\/em> (2009) und<em> Unber\u00fchmter Ort<\/em> (2011). Und schlie\u00dflich gibt Susanne Theumer dem schmalen B\u00e4ndchen neuer Texte <em>was ich noch sagen wollte<\/em> (Bucha b. Jena: quartus-Verlag, 2014) drei weitere Bl\u00e4tter bei \u2013 auch dort ein faszinierender Dialog, der diese um die spr\u00f6de, \u00bbaufleuchtende\u00ab Sch\u00f6nheit der Worte, Grate und Augenblicke, des zu Sichtenden und Festzuhaltenden sich erg\u00e4nzenden \u203aStimmen\u2039 verbindet.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In gewisser Hinsicht darf man das Ensemble dieses <em>flurg\u00e4ngers<\/em> als eine Quintessenz dieser jahrelangen Zusammenarbeit ansehen, eine geschmeidige F\u00fcgung der Anordnung, die Thomas Reche aus diesem Fundus sch\u00f6pft. Die Gedichte Kirstens, die in der Entstehung einen Zeitraum von \u00fcber f\u00fcnf Jahrzehnten fassen, werden in ein Gespr\u00e4ch mit den klaren, in ihrer Tiefe unbestechlichen Grafiken gesetzt, den teils l\u00e4ngst vergriffenen K\u00fcnstlerb\u00fcchern entnommen, teils eigens f\u00fcr diese Publikation entstanden. Es entsteht so ein Lese- und Bilderbuch im besten Sinne, als Symbiose quasi und W\u00fcrdigung des Dichters Wulf Kirsten, ber\u00fchrende Schau der Kunst Susanne Theumers und \u2013 last, but not least \u2013 zur Freude des Liebhabers solch sorgsam edierter und sch\u00f6ner B\u00fccher zugleich.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das auf wunderbarem Papier gedruckte und mit einem herrlichen dunkelroten Vorsatz versehene Gedicht- und Radier-Werk ist in drei Formaten erh\u00e4ltlich: neben der Normalausgabe wird die Vorzugsausgabe in drei Varianten angeboten, Ausgabe A mit vier Originalen, die Ausgaben B und C mit je einer Originalradierung der Grafikerin. Die Gesamtauflage ist auf 300 Exemplare limitiert und in einem eingebundenen Beiblatt von beiden K\u00fcnstlern signiert.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>flurg\u00e4nger<\/strong>, Gedichte und ein Essay von Wulf Kirsten. Mit Radierungen von Susanne Theumer. Verlag Thomas Reche 2019<\/p>\r\n<div id=\"attachment_99806\" style=\"width: 224px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-99806\" class=\"wp-image-99806 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Andre\u0301-Schinkel.jpg\" alt=\"\" width=\"214\" height=\"272\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Andre\u0301-Schinkel.jpg 214w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Andre\u0301-Schinkel-160x203.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 214px) 100vw, 214px\" \/><p id=\"caption-attachment-99806\" class=\"wp-caption-text\">Andr\u00e9 Schinkel, portr\u00e4tiert von J\u00fcrgen Bauer<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong> Lesen Sie auch das KUNO-Portr\u00e4t des Lyrikers\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15175\">Andr\u00e9 Schinkel.<\/a><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der opulente Band flurg\u00e4nger, anl\u00e4sslich des 85. 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