{"id":58480,"date":"2020-02-16T00:01:00","date_gmt":"2020-02-15T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=58480"},"modified":"2021-02-22T15:05:38","modified_gmt":"2021-02-22T14:05:38","slug":"entwurf-einer-grundsaetzlichen-eroerterung-des-begriffs-kunst","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/02\/16\/entwurf-einer-grundsaetzlichen-eroerterung-des-begriffs-kunst\/","title":{"rendered":"Entwurf einer grunds\u00e4tzlichen Er\u00f6rterung des Begriffs \u201aKunst\u2018"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-color has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Vorbemerkung<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der nachfolgende Text stellt den Versuch einer komprimierten Darstellung der wesentlichen Thesen der Publikation <em>Wor\u00fcber reden wir, wenn wir \u00fcber Kunst reden?<\/em> dar, die im September diesen Jahres in dem renommierten Wissenschaftsverlag K\u00f6nigshausen &amp; Neumann erschienen ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">1.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch wenn viel dar\u00fcber gestritten wird, ob nun das eine oder andere Werk aus welchem k\u00fcnstlerischen Bereich auch immer wahre Kunst ist oder doch eher ziemlicher Kappes \u2013 man bekommt trotz aller unterschiedlicher Meinungen erstens den Eindruck vermittelt, dass alle Teilnehmer des Diskurses, vom Stammtisch bis zur Alma Mater, wissen, wor\u00fcber sie reden, wenn sie \u00fcber Kunst reden. Und zweitens, dass alle, wenn sie \u00fcber Kunst reden, \u00fcber das gleiche reden. Mich beschleicht allerdings in beiden F\u00e4llen das ungute Gef\u00fchl, dass dem nicht so ist und auch noch nie so war. Ziel dieser kunstphilosophischen Skizze ist der Versuch, eben diesem Eindruck Ausdruck zu verleihen. Ein Versuch, der auf folgende These hinausl\u00e4uft:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Sowohl die Etablierung der Gebrauchsweise des sprachlichen Ausdrucks Kunst und die Zuschreibung innerhalb einer Gemeinschaft, welches Werk als Kunstwerk gilt, als auch die Etablierung des Verst\u00e4ndnisses von Kunst in einer Epoche und einer Kultur sind Resultate des Prozesses der unsichtbaren Hand<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a>, Ph\u00e4nomene der dritten Art, weder nat\u00fcrlich gegeben noch k\u00fcnstlich erschaffen. Tertium datur. All dies ist, wie alle soziokulturellen Ph\u00e4nomene, eine stets fluide kollektive, weder intendierte noch geplante \u201ekausale Konsequenz einer Vielzahl individueller intentionaler Handlungen, die mindestens partiell \u00e4hnlichen Intentionen dienen\u201c (Keller 2014: 93).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Modell ist kein sonderlich neues. Bernard de Mandeville hatte es bereits vor \u00fcber 300 Jahren in seiner bitterb\u00f6sen Schrift<em> Die Bienenfabel<\/em> formuliert; es ging hernach als Mandevilles Paradox in die Geschichte ein: Untaugliche Handlungen Einzelner k\u00f6nnen vorteilhafte Auswirkungen f\u00fcr die Gemeinschaft zeitigen. Die schottische Schule der Moralphilosophie \u2013 allen voran der Begr\u00fcnder der klassischen National\u00f6konomie, Adam Smith, sowie Adam Ferguson und Dugald Stewart \u2013 hat es im Laufe des 18. Jahrhunderts aufgegriffen und zu einer zentralen S\u00e4ule ihres Konzepts gemacht. Bei dem \u00d6konomen Carl Menger ist es ebenso zu finden wie bei Friedrich August von Hayek und Robert Nozick, aber auch bei Karl Marx und Norbert Elias.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die unser abendl\u00e4ndisches Denken pr\u00e4gende Dichotomie von \u201aphysei\u2018 und \u201athesei\u2018, von nat\u00fcrlich und k\u00fcnstlich wurde uns, so von Hayek, \u201ezu einer so festen Tradition [\u2026], dass sie sich wie ein Gef\u00e4ngnis auswirkte, aus dem heraus erst Mandeville einen Ausweg zeigte\u201c (von Hayek 1969: 131). Ein Gef\u00e4ngnis, aus dem wir ausbrechen m\u00fcssen, wenn wir den Prozess \u201eder kulturellen Evolution, der die moralischen Traditionen hervorbringt\u201c (von Hayek 1983: 170), angemessen verstehen wollen. Der Sprachwissenschaftler Rudi Keller, der sich von Hayeks Diktum zu Herzen nahm und seine Theorie des Sprachwandels ausgehend von Mandevilles Paradox sowie der sich daran anschlie\u00dfenden Tradition konzipierte, verweist auf die generelle G\u00fcltigkeit der Grundstruktur dieses Modells f\u00fcr soziokulturelle Ph\u00e4nomene: \u201eMan kann, was Kultur ist, was soziokulturelle Ph\u00e4nomene sind, in entscheidenden Aspekten nicht begreifen, wenn man sie nicht als Ph\u00e4nomene der dritten Art sieht. [\u2026] Sprachwandel ist ein Spezialfall soziokulturellen Wandels\u201c (Keller 2014: 208).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">2.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir uns fragen, wor\u00fcber wir reden, wenn wir \u00fcber Kunst reden, m\u00fcssen wir uns nat\u00fcrlich zun\u00e4chst einmal das banale Faktum vor Augen halten, dass, auch wenn Kunst f\u00fcr uns etwas ganz Besonderes ist, das Wort <em>Kunst<\/em> nichts besonderes ist. Das hei\u00dft: Es unterliegt, mit Ausnahme vielleicht einiger weniger, autoritativ festgelegter Worte (z.B. durch DIN-Normierung), den gleichen Prinzipien wie alle anderen Worte einer nat\u00fcrlichen Sprache. Und diese Sprachen besitzen keinen unab\u00e4nderlichen Korpus, sondern wandeln sich. Permanent. Obgleich nicht ersichtlich ist, warum sie das eigentlich tun. Aber sie tun es. Und sie tun es zumeist von den Sprechern der Sprache unbemerkt. Genauer gesagt: Wenn die Sprecher einmal Ver\u00e4nderungen wahrnehmen, nehmen sie sie \u201enicht als permanente Wandlungsprozesse wahr\u201c (Keller 2014: 22). Prozesse angemessen wahrzunehmen und sie ebenso angemessen zu beschreiben, bereitet uns offensichtlich gewisse Schwierigkeiten. Wie hat man sich nun diese Prozesse vorzustellen? Wie wandelt sich eine Sprache? Ist es \u00fcberhaupt die Sprache, die sich wandelt? Wenn nicht: Wer oder was wandelt sie? Und warum?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir greifen bei dem Versuch, diese und \u00e4hnliche Fragen zu beantworten, schnell zu altbekannten Mustern. Zu Denkmodellen, die sowohl unsere Alltagssprache als auch die Wissenschaftssprache pr\u00e4gen: Termini technici, h\u00f6chst sinnvolle Abk\u00fcrzungen komplexer Sachverhalte, werden jedoch in ihrem Gebrauch nur selten und noch seltener grunds\u00e4tzlich in Frage gestellt: Der unreflektierte Gebrauch der Worte wird schlicht perpetuiert, seine Verwender werden weiter \u201ein ihrem \u201aSprachpanzer\u2018 hausen und durch Wortdunst ihre handwerklichen Fehler verschleiern\u201c, so der Germanist Steffen Martus in einem Beitrag der FAZ. Ein Ph\u00e4nomen, das, wie Martus betont, vor keiner Branche haltmacht: \u201eDas ist bei \u00c4rzten, Heizungsbauern oder Juristen nicht anders.\u201c Und auch, m\u00f6chte man hinzuf\u00fcgen, bei Kunstphilosophen oder Kunst- und Kulturwissenschaftlern. Bevor wir also \u00fcber Kunst reden, sollten wir dar\u00fcber nachdenken, wie wir eigentlich reden, wenn wir \u00fcber so etwas wie Kunst reden. Um dann, derart gewappnet, in einem n\u00e4chsten Schritt \u00fcber ein Modell nachzudenken, das aufzeigt, wie sich ein Sprachgebrauch (und damit einhergehend auch ein Verst\u00e4ndnis von \u201aKunst\u2018) gesellschaftlich etablieren kann und welche kollektiven Konsequenzen, die von niemandem intendiert waren, dies haben kann: Sie sind das Ergebnis menschlichen Handelns, nicht aber Resultat eines menschlichen Plans.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem anderen Sprachgebrauch lauert ein animistisches Denken: Unsere Sprache wimmelt vor Hypostasierungen, Vitalisierungen und Anthropomorphisierungen (Keller 2014: 24). Da klettert der Dax schon mal und Hochs und Tiefs wandern \u00fcbers Land, als w\u00e4ren sie allesamt Mitglieder im Alpenverein. Die Elektrizit\u00e4t flie\u00dft. Der Staat greift ein. Der Markt reguliert sich selbst. Das Geld muss arbeiten und regiert ganz nebenbei noch die Welt. Da wird von der Kunst erwartet, dass sie Br\u00fccken in die Gesellschaft baut, unsere Wahrnehmung sch\u00e4rft und Ver\u00e4nderungen aufzeigt. Und die Sprache? Sie wandelt sich. Das alles klingt ganz so, als g\u00e4be es belebte Dinge namens Dax, Hoch, Tief, Elektrizit\u00e4t, Staat, Markt, Geld, Kunst oder Sprache. Diese Vitalisierung und Anthropomorphisierung, die der Verdinglichung auf dem Fu\u00df folgt, ist, so Keller, gerade bei der Sprache evident. Sie wird zum Subjekt des Handelns: \u201eDie Sprache lebt. In ihr \u201awirken\u2018 Kr\u00e4fte, sie \u201aw\u00e4chst\u2018, \u201aaltert\u2018 und \u201astirbt\u2018.\u201c (Ebd.: 24) Kein Wunder, dass wir ganz selbstverst\u00e4ndlich davon sprechen, dass die Sprache sich wandelt. So als sei sie ein \u201eanimal rationale mit allerhand wundersamen F\u00e4higkeiten\u201c (Keller 2014: 24; cf. auch Wiesing 2013: 73 ff.).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">3.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Steckt hinter der ontogenetischen Redeweise ein Denkmodell von der Sprache als selbstt\u00e4tig agierendem Handlungssubjekt, so steckt hinter dem Denkmodell vom eigeninitiativ Bedeutungen setzenden und Sprache ver\u00e4ndernden Sprecher ein mechanistisches. Hier wird unterstellt, der Sprecher w\u00fcrde absichtsvoll, geplant und willentlich die Sprache, die er spricht, wandeln. Ganz so, \u201eals sei die Sprache ein von Menschen gemachtes Artefakt.\u201c (Keller 2014: 25) Und ganz so, als w\u00e4re es ihm jederzeit m\u00f6glich, nach eigenem Gutd\u00fcnken \u00e4ndernd einzugreifen. Beiden sprach-theoretischen Modellen des Werdens sind nach Keller drei Wesensz\u00fcge gemeinsam:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">1. Sie sind zielgerichtet.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">2. Sie haben ein Ende.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">3. Sie sind individuelle Prozesse.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die nat\u00fcrlichen Sprachen unterliegen einem permanenten Wandel. Von diesem anzunehmen, er sei zielgerichtet, ist eine These, die aus heutiger Sicht recht befremdlich anmutet. Was sollte Ziel der Sprache sein? Wer sollte das Ziel als Keim angelegt, wer es formuliert haben? Und warum sollte es ein Ziel geben? Ein Ende des Wandels kann es, solange es Sprecher gibt, die die Sprache aktiv sprechen, nicht geben: Ihr Werden und Wandel ist \u201eeine potentiell unendliche Geschichte\u201c\u00a0 (Keller 2014: 25). Und da Sprache der kommunikative, interaktive und interdependente Prozess eines Kollektivs ist, l\u00e4sst sich auch Punkt 3. negieren.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Sprach- und mit ihm Bedeutungswandel (und auch die Etablierung von Bedeutung als logische Voraussetzung daf\u00fcr, dass sich Bedeutung wandeln kann) nun aber weder durch ein ontogenetisches noch durch ein mechanistisches Modell erkl\u00e4rt werden kann \u2013 wie dann? Sprachentwicklung ist nicht zielgerichtet, sie ist potentiell unendlich und ein kollektives Ph\u00e4nomen. Sie ist ein permanenter Prozess, an dem t\u00e4glich Millionen Menschen teilhaben (in der synchronen Zeitachse). Und das \u00fcber Generationen hinweg (in der diachronen Zeitachse). Die Sprache, so formuliert es Humboldt pr\u00e4gnant, \u201ein ihrem Wesen aufgefa\u00dft, ist etwas best\u00e4ndig und in jedem Augenblicke Vor\u00fcbergehendes [\u2026]. Sie selbst ist kein Werk (Ergon), sondern eine T\u00e4tigkeit (Energeia)\u201c (Humboldt 2008: 324). Darum liegt auch \u201edie eigentliche Sprache in dem Acte ihres wirklichen Hervorbringens\u201c (ebd.: 325).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Sprache ist also Sprache im Moment des Gebrauchs. Die Vorstellung von der Sprache als langue und als Abstraktum (\u201adie Sprache\u2018) sind f\u00fcr die Analyse \u00e4u\u00dferst n\u00fctzliche Arbeitshypothesen, es handelt aber bei ihnen nicht um real existierende Entit\u00e4ten. Das hei\u00dft: Die Sprache existiert nicht an einem geheimen Ort au\u00dferhalb der Menschen oder der Menschheit, sondern nur in und durch uns, die Sprecher der nat\u00fcrlichen Sprachen. Dass uns die Sprache zur Verst\u00e4ndigung dient, sagt uns der gesunde Menschenverstand. Und schl\u00e4gt uns auch damit ein Schnippchen. Denn um Verst\u00e4ndigung geht es, betrachtet man den Sachverhalt etwas genauer, nur recht selten (cf. Wittgenstein 1977: 17, PU \u00a73). Zumeist geht es um etwas anderes: um Beeinflussung. Ich l\u00fcge und betr\u00fcge. Flirte. F\u00fchre hinters Licht. Halte Small-Talk, schwinge Reden, treibe Werbung, feuere meine Mannschaft leidenschaftlich an oder frage als Standesbeamter, ob er oder sie sie oder ihn zum Mann oder zur Frau nehmen will. In all diesen F\u00e4llen kann man schwerlich davon sprechen, dass es vorrangig um Verst\u00e4ndigung geht: Stets will ich im weitesten Sinne Einfluss auf andere nehmen. Und es ist gerade diese Beeinflussung, die das durchgehende Merkmal der Sprachverwendung zu sein scheint. Ja, vielleicht ist es sogar der eigentliche Zweck der Sprachhandlung respektive die Absicht des Sprechers:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">X will Y dazu bringen, z zu tun.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Intention der Handlung und des Handelnden ist es, den anderen zu etwas Bestimmtem zu bewegen. Dieser Vorsatz ist ein Plan, eine \u201eAbsicht, etwas zu tun\u201c (Keller 2014: 27). Die Schritte hingegen, die ich unternehme, um diesen Vorsatz in die Tat umzusetzen, sind zwar ebenfalls absichtsvoll bzw. intentional, aber in einer anderen Hinsicht: Es ist dies die \u201eAbsicht, in der etwas getan wird\u201c (Keller 2014: 27).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Sprache wandelt also nicht die Sprache, das tun die Sprecher. Aber weder mit der Vorsatz- noch der Zweckabsicht, sie zu wandeln oder Bedeutungen zu etablieren. Und weder nach Art der Handwerker, also sch\u00f6pferisch-mechanistisch, noch in einem ontogenetischen Prozess: Sprachwandel, ebenso wie die Etablierung von Bedeutung, ist ein kollektiver Prozess, der individuelle Handlungen involviert, zudem nicht zielgerichtet und potentiell endlos ist. Es stellt sich also die Frage: Wie ver\u00e4ndern wir dann die Sprache, wenn die g\u00e4ngigen Modelle nicht greifen? Wenn wir, bis auf einige wenige Ausnahmef\u00e4lle, nicht dazu imstande sind, vors\u00e4tzlich, bewusst und planvoll den Sprachwandel und die Etablierung von Bedeutung voranzutreiben \u2013 wie geschieht es dann? Nicht durch Setzung, nicht durch Ontogenese \u2013 wir erzeugen durch das \u201et\u00e4gliche millionenfache Benutzen unserer Sprache [\u2026] eine permanente Ver\u00e4nderung unserer Sprache\u201c (Keller 2014: 29).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">4.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Sprache ist ein soziokulturelles Ph\u00e4nomen. Solchen Ph\u00e4nomenen ist zu eigen, dass sie \u201espontane Ordnungen\u201c (Keller 2014: 32) bilden. Also Ordnungen, in denen zwar bestimmte Zweckabsichten der Akteure walten, die aber im Kollektiv ohne Ziel, ohne Plan, ohne Vorsatzabsicht, ohne Verabredung und unbewusst entstehen. Und die bisweilen recht \u201eparadoxe Z\u00fcge\u201c (ebd.: 51) annehmen. Verallgemeinert man das Paradoxon f\u00fcr soziokulturelle Ph\u00e4nomene, so bedeutet das in der Konsequenz, hier zitiert Rudi Keller den deutschen Soziologen und \u00d6konomen Viktor Vanberg, \u201edass die Frage nach den Motiven individuellen Handelns ausdr\u00fccklich getrennt (werden muss) von der Frage nach den sozialen Auswirkungen dieses Handelns\u201c (ebd.: 57). Oder wie es der schottische Moralphilosoph Adam Ferguson bereits im 18. Jahrhundert pr\u00e4gnant formulierte: Soziokulturelle Ph\u00e4nomene sind \u201eEinrichtungen, die in der Tat das Ergebnis menschlichen Handelns sind, nicht die Durchf\u00fchrung eines menschlichen Plans\u201c (ebd.: 58) \u2013 sie sind von eben jener invisible hand, der unsichtbaren Hand geleitet, von der Adam Smith in Anlehnung an Mandevilles bitterb\u00f6se Fabel in seinem Werk <em>Der Wohlstand der Nationen<\/em> sprach.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein solch kollektiv etabliertes Ph\u00e4nomen sind soziale Regeln, denen ich folge. Und \u201ewenn ich der Regel folge, w\u00e4hle ich nicht. Ich folge der Regel blind\u201c (Wittgenstein 1977: 134 [PU 219]), weil sie Teil der Lebenswelt ist, in die ich hineingeboren wurde und sie durch mein Verhalten sowohl mit konstituiere und tradiere als auch zu ihrer Wandlung beitrage. \u201eSoziale Regeln werden gleichsam zu unserer zweiten Natur. Sie sind ein Teil meines Ich\u201c (Keller 2014: 65). Sie sind weder nat\u00fcrlich gegeben noch k\u00fcnstlich geschaffen. Eine Sprache zu sprechen hei\u00dft also, gewissen nicht verabredeten, nicht durch \u00dcbereinkunft erzielten oder gesetzten sozialen Regeln zu folgen. Ihre Befolgungdient, wie gesagt, in erster Linie nicht der Verst\u00e4ndigung, sondern der Beeinflussung: Ich will jemanden dazu bringen, \u201eetwas Bestimmtes zu tun bzw. zu glauben\u201c (ebd.: 65).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Sprecher nun derart die Sprache wandeln, Sprach- und Bedeutungswandel also \u201eErgebnisse menschlicher Handlungen, nicht aber Ziel ihrer Intentionen\u201c (ebd.: 84) sind, passt das Erkl\u00e4rungsmuster nicht mehr in die klassische Dichotomie. Resultate dieser Art sind Ph\u00e4nomene, \u201ewhich are indeed the results of human action, but not the execution of any human design\u201c (ebd.: 85; zitiert nach: Adam Ferguson 1767: 187). Keller nennt sie darum \u201ePh\u00e4nomene der dritten Art\u201c (Keller 2014: 85): Sie sind nicht intendierte, kollektive Folgen zum Teil millionenfacher gleichgerichteter intentionaler individueller Handlungen. Folgen eben jenes Wirkens der unsichtbaren Hand, das Adam Smith beschrieb. Wie bei dem Trampelpfad<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a>, der es durch Keller zu einiger Bekanntheit brachte:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">A ist in Eile, er hat mit B einen Termin. Er stellt seinen Wagen auf dem Parkplatz ab und will auf dem k\u00fcrzesten Weg zu B. Der f\u00fchrt ihn \u00fcber die Rasenfl\u00e4che. Schafft es A, zu B zu kommen, so ist die Handlung \u201agelungen\u2018, das \u201aErgebnis\u2018 eingetreten (\u201eprim\u00e4re Intention\u201c, ebd.: 91). Das angestrebte Ziel dieser prim\u00e4ren Intention ist, dass ich p\u00fcnktlich zu meiner Verabredung komme \u2013 dies ist die \u201aFolge\u2018 meiner Handlung (\u201esekund\u00e4re Intention\u201c, ebd.: 92). Tritt sie ein, ist die Handlung nicht nur \u201agelungen\u2018, sondern auch \u201aerfolgreich\u2018. Tritt sie nicht ein, weil A trotz aller Bem\u00fchungen zu sp\u00e4t kommt, w\u00e4re die Handlung zwar \u201agelungen\u2018, aber nicht \u201aerfolgreich\u2018. \u00c4hnlich wie A geht es tausenden A<sub>n<\/sub>, die zu B<sub>n<\/sub> wollen. Geht A \u00fcber den Rasen, werden bestenfalls ein paar Grashalme geknickt. Gehen A<sub>n<\/sub> \u00fcber den Rasen, so entsteht ein Trampelpfad. Was ist aber nun der Trampelpfad \u2013 Ergebnis oder Folge der Handlungen von A? Nichts von beidem. Denn zum einen beabsichtigt A ja nicht, einen Trampelpfad anzulegen \u2013 A will nur p\u00fcnktlich sein, weshalb er den k\u00fcrzesten Weg w\u00e4hlt. Zum anderen w\u00fcrde es A, selbst wenn er es wollte, beim besten Willen nicht schaffen, einen Trampelpfad durch seinen Gang \u00fcber den Rasen anzulegen. Das klappt nur im Verbund mit anderen: A<sub>n<\/sub>. Der Trampelpfad geh\u00f6rt also nicht \u201ezu den Intentionen der einzelnen Handelnden\u201c (ebd.: 90), ist aber das kollektive, nicht intendierte Resultat intentional zumindest partiell gleichgerichteter individueller Handlungen. Er ist als Epiph\u00e4nomen eine \u201ekausale Konsequenz [\u2026] der Ergebnisse der sie erzeugenden Handlungen\u201c (ebd.: 92), weder Artefakt noch Naturph\u00e4nomen, sondern ein \u201aPh\u00e4nomen der dritten Art\u2018. Wie der Sprach- und Bedeutungswandel \u2013 auch der des Wortes <em>Kunst.<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">5.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Um eine angemessene Erkl\u00e4rung soziokultureller Ph\u00e4nomene wie des Sprachwandels oder, ihm logisch vorausgehend, der Etablierung von Bedeutung liefern zu k\u00f6nnen, kann man nicht bei bestehenden Strukturen beginnen, sondern muss methodologisch eine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr liefern, wie diese Strukturen entstehen: \u201eAusgangspunkt der Erkl\u00e4rung sind handelnde Individuen\u201c (Keller 2014: 164). Diese \u201enominalistische Strategie\u201c, wie sie der Linguist Frank Liedtke im Rekurs auf den britischen Sprachphilosophen Jonathan Bennett nennt, ist alternativlos: \u201eJede andere Strategie w\u00e4re hoffnungslos zirkul\u00e4r\u201c (Liedtke 2016: 43).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage, wie sich Bedeutung systematisch etablieren kann, geht mit der Frage einher, wie sich das Verst\u00e4ndnis eben dieser Bedeutung systematisch etablieren kann. Denn auf der Handlungsebene, auf der sich der Mensch Zeit seines Lebens de facto bewegt, ist er immer in soziale Kontexte eingebunden (es sei denn, wir reden hier \u00fcber einen Robinson Crusoe ohne Chance auf einen Freitag). Das hei\u00dft, es muss gezeigt werden, was es bedeutet, wenn ein singul\u00e4res Sprachverhalten von einem anderen \u201averstanden\u2018 wird. Und wie im Zuge der \u201esozialen Kristallisation\u201c (de Saussure 1967: 16), die als soziokulturelles Ph\u00e4nomen auch ein Prozess der unsichtbaren Hand ist, eine singul\u00e4re \u201eSprecher-Bedeutung\u201c (H. Paul Grice) \u00fcber den Weg der etablierten Bedeutung zur konventionellen Bedeutung eines \u00c4u\u00dferungstyps, eines Satzes oder Wortes werden kann.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bedeutungskonstitution ist nie eine einseitige Angelegenheit. Wenn ich etwas sage und niemand ist da, dem ich es sage, dann gibt es auch niemanden, dem das, was ich sage, etwas sagt. Mithin l\u00e4uft in dieser Konstellation meine Intention ins Leere, ist das, was ich sage, im radikalen Sinne bedeutungslos. Es bedarf also immer eines Gegen\u00fcber, der die Grundbedingungen daf\u00fcr erf\u00fcllt, dass er das, was ich ihm sage, zu erfassen in der Lage ist. Wenn ich diesem Gegen\u00fcber etwas sage, was nicht durch schn\u00f6den R\u00fcckgriff auf den konventionellen Sprachgebrauch verst\u00e4ndlich ist, so muss mein Gegen\u00fcber, damit er wei\u00df, was ich mit dieser \u00c4u\u00dferung meine, meine Intention erkennen, mit der ich meine \u00c4u\u00dferung gemacht habe. Zu wissen, \u201ewas jemand mit einer \u00c4u\u00dferung meint\u201c (Liedtke 2016: 35), bedeutet, die Intention des Sprechers zu erkennen. Diese kommunikative Intention oder \u201eSprecher-Intention\u201c (H. Paul Grice) ist die Bedeutung der \u00c4u\u00dferung: die \u201eSprecher-Bedeutung\u201c (H. Paul Grice) \u2013 damit stehen wir strukturell gesehen am Anfang der Bedeutungsetablierung. Bedeutung konstituiert sich nur in Ausnahmef\u00e4llen als ein Akt der Setzung. In der Regel resultiert sie aus einer dialogisch strukturierten Situation, in der der Angesprochene die \u201ereflexive Intention\u201c (Liedtke 2016: 37) erkennen muss, um zu wissen, was der Sprecher meint (das hei\u00dft, er muss die \u201eSprecher-Intention\u201c resp. \u201eSprecher-Bedeutung\u201c erkennen).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der britische Sprachphilosoph H. Paul Grice hat f\u00fcr den Fall des Meinens (und damit des Verstehens des Gemeinten) ein handlungstheoretisches Grundmodell entwickelt:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<ol class=\"wp-block-list\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<li>Ich intendiere, dass du erkennst, dass ich mit meiner \u00c4u\u00dferung a beabsichtige.<\/li>\r\n<li>Ich intendiere, dass du meine Intention (i.) erkennst.<\/li>\r\n<li>Ich intendiere, dass du erkennst, was ich mit meiner \u00c4u\u00dferung a beabsichtige, indem du meine Intention (ii.) erkennst.<\/li>\r\n<\/ol>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Angesprochene muss also eine reflexive, interpretative Leistung erbringen, um den Gehalt der kommunikativen Intention (die Sprecher-Intention), das mit der \u00c4u\u00dferung Gemeinte, und die intendierte Wirkung (die Sprecher-Bedeutung) verstehen zu k\u00f6nnen. Um eine realistische Chance zu haben, diese Leistung erbringen zu k\u00f6nnen, muss er \u00fcber relevantes Kontextwissen verf\u00fcgen. Diese Informationen \u201eumfassen allgemeines Weltwissen, also physikalische Gesetze oder kulturelle Praktiken, au\u00dferdem Einsch\u00e4tzungen der aktuellen Situation und schlie\u00dflich das, was im Diskurs vorher gesagt oder im Text vorher geschrieben wurde\u201c (Liedtke 2016: 38). Dazu geh\u00f6rt auch das von Karl Mannheim beschriebene konjunktive Denken, das mit einem konjunktiven Wissen korrespondiert. Dabei handelt es sich um akkumulierte geteilte, ausgetauschte Erfahrungen, intersubjektiv konstituiert durch die Gemeinschaft (und so Gemeinschaften bildend). Und doch ist dieses nie zur G\u00e4nze explizierbar, obwohl es doch zur \u201eOrientierung in und Gestaltung und Interpretation von einer Welt beitr\u00e4gt, in der wir zuhause sind\u201c (Kettler, Meja, Stehr in: Mannheim 1980: 22).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob die Interpretation des Gemeinten durch den Angesprochenen mit der von mir intendierten Interpretation \u00fcbereinstimmt, kann, so Liedtke, \u201enur wechselseitig unterstellt werden\u201c (Liedtke 2016: 40). Im Gespr\u00e4ch kann ich dies vielleicht noch durch eine simple Nachfrage in Erfahrung zu bringen versuchen. Bei der Lekt\u00fcre eines Artikels wird das schon schwieriger. Angenommen, den darin gebrauchten Worten, z.B. dem Begriff \u201aKunst\u2018, kommt eine singul\u00e4re Sprecher-Bedeutung zu: Wie soll ich, wenn es aus dem Kontext nicht eindeutig ersichtlich ist, herausfinden, ob meine Hypothese \u00fcber die Sprecher-Bedeutung richtig ist, ob also der Autor und ich \u201e\u00fcbereinstimmende Interpretationen der Situation haben oder nicht\u201c (ebd.: 40)? Um gerade in F\u00e4llen wie diesem eine halbwegs realistische Chance auf Verst\u00e4ndigung und damit auf eine fl\u00fcssige Kommunikation zu haben, m\u00fcssen wir \u201eauf eine g\u00e4ngige Bedeutung der ge\u00e4u\u00dferten Ausdr\u00fccke zur\u00fcckgreifen\u201c (ebd.: 41) k\u00f6nnen. Noch schwieriger, wenn nicht gar unm\u00f6glich wird es, wenn es sich dabei um Texte handelt, die au\u00dferhalb der \u201ediachronischen Identit\u00e4t\u201c (Keller 2014: 132) liegen. Also um solche Texte, die \u00e4lter als drei bis vier Generationen sind, bei denen wir nicht auf eine unmittelbare Verifizierung unserer Bedeutungshypothese hoffen k\u00f6nnen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">6.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die etablierte Bedeutung eines Ausdrucks ist, wie gesehen, weder etwas, was \u201aphysei\u2018 ist, also nat\u00fcrlich gegeben, noch \u201athesei\u2018 ist, also durch Gewohnheit und \u00dcbereinkunft erzielt. Sie ergibt sich in der Regel als Resultat menschlicher Handlungen, nicht aber als Ergebnis eines menschlichen Plans \u2013 \u201esie entsteht letztlich aus singul\u00e4ren sprachlichen \u00c4u\u00dferungen und ihrer Intentions-zuschreibung\u201c (Liedtke 2016: 41). Es sind daran immer Sprechende beteiligt, die bestimmte Intentionen haben, sowie Mitsprechende, die diesen Ausdr\u00fccken und \u00c4u\u00dferungen in aktuellen Situationen bestimmte Intentionen zuschreiben. Aus dem millionenfachen Vollzug solcher Handlungen entstehen ungeplante, nicht vors\u00e4tzliche, kollektive kausale Resultate \u2013 idealiter die etablierten resp. konventionellen Bedeutungen. Und, strukturell in letzter Konsequenz, \u201eallm\u00e4hlich eine Einzelsprache als Durchschnitt der Verwendungen vieler Sprecher\u201c (ebd.: 41).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">H. Paul Grice hat ein idealtypisches Modell entwickelt, wie wir uns eine solche systematische prozessuale Genese innerhalb einer Sprachgemeinschaft von der singul\u00e4ren Situationsbedeutung hin zur konventionellen Bedeutung vorzustellen haben:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<ol class=\"wp-block-list\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<li>Situationsbedeutung: \u201esie gilt nur in der spezifischen Verwendungssituation\u201c (ebd.: 42). Die ge\u00e4u\u00dferten S\u00e4tze und Worte ergeben sich in diesem Fall ausschlie\u00dflich aus dem konkreten Kontext der \u00c4u\u00dferung.<\/li>\r\n<\/ol>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Bedeutung differenziert Grice in die<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">a.1 Situationsbedeutung eines Ausdrucks sowie<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">a.2 Situationsbedeutung eines Sprechers<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Letztere (a.2) ist hier von vorrangigem Interesse. Anhand des beschriebenen Grice\u2019schen Grundmodells erschlie\u00dft sich die jeweilige Intention des Sprechers. Aus dieser Sprecher-Intention ist die singul\u00e4re Bedeutung des Sprechers, seine Situationsbedeutung, zu ersehen. Sie ist, sprachlogisch gesehen, die erste, urspr\u00fcngliche Form der Sprecher-Bedeutung. Und damit der Anfang des Prozesses der Bedeutungsetablierung, an dessen Ende zun\u00e4chst die etablierte, dann die konventionelle Bedeutung steht \u2013 hier handelt es sich um \u201edie Ableitung der Bedeutung sprachlicher Ausdr\u00fccke aus dem Begriff der (reflexiven) Sprecher-Intention\u201c (ebd.: 43).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die zweite hier relevante Art der Bedeutung ist die<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<ul class=\"wp-block-list\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<li>zeitunabh\u00e4ngige Bedeutung: \u201edie etablierte Bedeutung, die einem Ausdruck (sei es ein Wort oder ein Satz) unabh\u00e4ngig von einer bestimmten Verwendungssituation, also zeitunabh\u00e4ngig, zukommt\u201c (ebd.: 42).<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Da nun viele Ausdr\u00fccke, so auch <em>Kunst<\/em>, mehrdeutig sind, es also verschiedene Gebrauchsweisen des Wortes <em>Kunst<\/em> gibt, \u201egeht aus dem Verwendungskontext hervor, welche von den M\u00f6glichkeiten im Bedeutungsspektrum realisiert wird\u201c\u00a0(ebd.: 43). Diese im Kontext verwendete Variation der etablierten Bedeutung nennt Grice die \u201eangewandte zeitunabh\u00e4ngige Bedeutung\u201c. Um die vorliegende Bedeutung zu erkennen, muss erstens herausgefunden werden, ob es sich um eine angewandte zeitunabh\u00e4ngige Bedeutung (b.) oder aber um eine Situationsbedeutung (a.) handelt und zweitens, wenn es sich um b. handelt, welche der M\u00f6glichkeiten im Bedeutungsspektrum, das hei\u00dft seiner verschiedenen Gebrauchsweisen (seiner Bedeutungen) hier Anwendung findet.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie l\u00e4sst sich nun \u201edie zeitunabh\u00e4ngige Bedeutung aus der Situationsbedeutung ableiten\u201c (Liedtke 2016: 43)? Dazu muss man in dem Erkl\u00e4rungsmodell den erstmaligen Gebrauch einer Bedeutung durch einen Sprecher annehmen \u2013 die erw\u00e4hnte Sprecher-Intention als singul\u00e4re Bedeutung des Sprechers. Erkennt der Angesprochene die reflexive Intention, so versteht er sie als die Situationsbedeutung des Sprechers. L\u00e4sst nun der Sprecher diese offensichtlich recht verst\u00e4ndliche Verwendungsweise zur Gewohnheit werden, die von weiteren Angesprochenen erkannt wird, so unterstellen diese ihm, dass er mit dem Gesagten auch in der neuen Situation meint, was er zuvor erstmalig gemeint hat: Es wird angenommen, dass er \u201eein bestimmtes Verfahren in seinem Repertoire\u201c hat (ebd.: 44).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn nun andere zuk\u00fcnftig \u201emit dieser Verwendung in dieser Art von Situation\u201c (ebd.: 44) rechnen, ist aus der Sprecher-Bedeutung die etablierte Ideolekt-Bedeutung eines Ausdruckstyps geworden. Erweitert sich dieser nun so etablierte Sprachgebrauch einer Person in einem Prozess der unsichtbaren Hand, indem verschiedene Sprecher einer Gruppe ihre Verwendungsweise \u00fcbernehmen und erweitert sich die Gruppe dann sukzessive um immer weitere Gruppen, wird sie \u201ezur zeitunabh\u00e4ngigen Bedeutung des \u00c4u\u00dferungstyps\u201c (ebd.: 44).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das kollektive Resultat dieses Prozesses ist die etablierte und schlie\u00dflich konventionelle Bedeutung eines Ausdruckstyps. Es ist jene \u201esoziale Kristallisation\u201c, von der der Schweizer Sprachwissenschaftler Ferdinand de Saussure gesprochen hat: \u201eZwischen allen Individuen, die so durch die menschliche Rede verkn\u00fcpft sind, bildet sich eine Art Durchschnitt heraus: alle reproduzieren \u2013 allerdings nicht genau, aber ann\u00e4hernd \u2013 dieselben Zeichen, an die dieselben Vorstellungen gekn\u00fcpft sind\u201c (de Saussure 1967: 15). Hier muss ich nicht mehr, wie beim singul\u00e4ren Sprachgebrauch, die reflexive Intention erkennen, um zu verstehen, was gemeint ist, hier \u201eergibt sich aus der Verwendung eines etablierten Sprachmittels\u201c (Liedtke 2016: 44). Damit ist systematisch der Prozess beschrieben, der \u201evon der individuellen Gewohnheit eines Ausdrucksgebrauchs hin zu einer kollektiven Praxis\u201c f\u00fchrt (ebd: 44). In diesem intersubjektiv konstituierten Sprachspiel korreliert die etablierte Verwendungsweise mit einer entsprechenden Verst\u00e4ndnisweise, die eine fl\u00fcssige und gelungene Kommunikation sicherstellt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">7.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Weg von der singul\u00e4ren hin zur etablierten resp. konventionellen Bedeutung beschreibt den Weg von der Mikroebene zur Makroebene, von der parole zur langue. Die Betrachtung der Makroebene ist dabei zwar \u201eprinzipiell unabh\u00e4ngig von der Mikroebene der sie erzeugenden individuellen Handlungsweisen\u201c (Keller 2014: 97). Aber wenn die Makroebene nicht systematisch aus der Mikroebene hergeleitet wird, so beschreibt man sie bestenfalls, aber man erkl\u00e4rt sie nicht. So, wie es bei dem Ph\u00e4nomen des Trampelpfads der Fall ist, so ist es auch bei der Sprache, dem Sprach- und Bedeutungswandel und der Kultur im Allgemeinen: Sie alle sind Resultate \u201edes sozialen Handelns der Individuen\u201c (ebd.: 98). Allerdings sind sie keine Resultate in dem Sinne, dass sie finale Stadien des Prozesses ihrer Genese bezeichnen, sondern \u201eEpisoden in Prozessen kultureller Evolution, die weder einen benennbaren Beginn noch ein benennbares Ende haben\u201c (ebd: 99). So sind denn auch die Ver\u00e4nderungen von morgen als \u201edie kollektiven Konsequenzen unseres kommunikativen Handelns von heute\u201c (ebd: 105) zu verstehen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Sprache ist also als kollektives, kausales, nicht intendiertes, nicht zielgerichtetes und potentiell endloses Ergebnis millionenfacher individueller intentionaler Handlungen kein Ergebnis im Sinne eines tempor\u00e4r fixierten Endproduktes: Ihr Seinszustand ist der einer fl\u00fcchtigen Episode (auf der synchronen Zeitachse) in einem zeitlichen Kontinuum (der diachronen Zeitachse). Was aber nicht bedeutet, dass sie von einem Tag auf den anderen derart radikal gewandelt werden kann, dass es zwischen einzelnen Personen oder Gruppen einer Sprachgemeinschaft kaum noch eine Schnittmenge gibt. Es bedarf jedoch zur Verst\u00e4ndnissicherung einer solchen Schnittmenge, eines kommunikativen Mindestma\u00dfes an Kontinuit\u00e4t im Gebrauch bestimmter \u00c4u\u00dferungstypen, also einer Stabilit\u00e4t in der \u201eArt der diachronischen Identit\u00e4t\u201c (Keller 2014: 132).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Es leben in der Regel drei, maximal vier Generationen zur gleichen Zeit. Somit besteht die Notwendigkeit einer Verst\u00e4ndnissicherung, zum Beispiel des Begriffs \u201aKunst\u2018, erst einmal nur f\u00fcr eben jene parallel lebenden und miteinander kommunizierenden Generationen. Von der ersten zur f\u00fcnften besteht sie aus verst\u00e4ndlichen Gr\u00fcnden jedoch kaum noch. Bleiben vielleicht die Signifikanten gleich, so modifizieren sich doch die Bedeutungen in einem generationen-\u00fcbergreifenden Invisible-hand-Prozess, ohne dass es die daran Beteiligten bemerken. Das hei\u00dft: Von Generation zu Generation wird sich in einem Prozess stetiger Erneuerung und Wandlung durch die einzelnen Mitglieder der jeweils nachfolgenden Generation der Anteil des urspr\u00fcnglichen Verst\u00e4ndnisses so weit reduzieren, dass die erste Generation, w\u00fcrde sie in die f\u00fcnfte Generation katapultiert werden, gro\u00dfe Schwierigkeiten haben d\u00fcrfte, das nun bestehende Verst\u00e4ndnis von Kunst als das ihre zu identifizieren. Und das, obwohl so mancher aus dieser f\u00fcnften Generation steif und fest behaupten wird, dass es sich bei dem gegenw\u00e4rtigen Verst\u00e4ndnis von Kunst um nichts anderes handelt als um das tradierte Verst\u00e4ndnis von Kunst.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">8.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Handelt es sich bei dem generationen\u00fcbergreifenden Verst\u00e4ndnis um ein Ph\u00e4nomen der diachronischen Identit\u00e4t, so l\u00e4sst sich ein \u00e4hnliches Ph\u00e4nomen als das einer synchronischen Identit\u00e4t beschreiben. Es zeigt sich immer da, wo zwei Gruppen aufeinandertreffen, deren Mitglieder einen gemeinsamen Prozess sozialer Kristallisation durchlaufen haben: Wird ein gemeinsames konjunktives Denken und Wissen etabliert, so besteht die berechtigte Hoffnung, dass die an dem Prozess Beteiligten \u00fcber eine Schnittmenge der Bedeutungen verf\u00fcgen, dass also auch ohne reflexiven Rekurs auf die singul\u00e4ren Intentionen ein halbwegs problemloses intersubjektives Verst\u00e4ndnis m\u00f6glich ist. Jedoch sind alle, die an diesem Prozess der Etablierung nicht teilgenommen haben, nicht Teil dessen. Und verf\u00fcgen deshalb auch nicht \u00fcber die entsprechenden Vorbedingungen, die ihnen ein intuitives, problemloses Verst\u00e4ndnis erm\u00f6glichen w\u00fcrden. In diesem Fall ist kein gemeinsamer Verst\u00e4ndnishorizont gegeben.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Beispiel zum Verst\u00e4ndnis: Wir haben den Prozess der kausalen kollektiven, nicht intendierten und nicht geplanten Konstitution der Kultur der Aborigines, ihres Kunstverst\u00e4ndnisses und der Etablierung ihrer Gebrauchsweise des Wortes <em>Kunst<\/em>, also der Bedeutung, sowie den durch diese Gebrauchsweise erzeugten Begriff \u201aKunst\u2018 nicht durch unsere Teilhabe mitgetragen und mitverantwortet. Wie wollen wir, die \u00fcber kein entsprechendes implizites Erfahrungswissen verf\u00fcgen, dann vollumf\u00e4nglich verstehen, was sie gegebenfalls unter \u201aKunst\u2018 verstehen? Mehr noch: Down under ist auch nearby. Ein solches Mismatching liegt prinzipiell dort vor, wo keine gemeinsame Sozialisation gegeben ist. Es betrifft also nicht nur die Aborigines und uns, es betrifft auch, in etwas eingeschr\u00e4nkter Weise, den Niederbayer aus Deggendorf und mich. Oder den Sch\u00fcler aus einem sozialen Brennpunkt Berlins und den aus Dahlem.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">9.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie wir bereits festgestellt haben, ist Sprache immer Sprache auf zwei verschiedenen Ebenen. Dabei handelt es sich um:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">A<sup>S<\/sup>\u00a0 : die Mikroebene der individuellen Handlungsweisen (Ebene der \u201aparole\u2018)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">B<sup>S<\/sup>\u00a0 : die \u201eMakroebene der sozialen Institutionen\u201c (Keller 2014: 97).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Sprechen wir von der Sprache auf der Makroebene, sollten wir ebenfalls zwischen zwei verschiedenen Ebenen differenzieren:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">B<sup>Sa<\/sup> : die Einzelsprache als spezifisches \u00fcberindividuelles soziales Sprachsystem (Ebene der \u201alangue\u2018)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">B<sup>Sb<\/sup>\u00a0 : die Sprache als allgemeines \u00fcberindividuelles soziales Sprachsystem (\u201adie Sprache\u2018).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der Mikroebene der individuellen Handlungsweisen werden die Gebrauchsregularien der Worte konstituiert und als Gebrauchsregeln der Worte etabliert. Als kollektives Resultat der individuellen Handlungen sind sie die Bedeutung der Worte und \u201eerzeugen die Kategorien, nach denen wir unsere Welt klassifizieren\u201c (ebd.: 127). Es sind dies die von den Gebrauchsregeln erzeugten Begriffe. Im Zuge unseres Spracherwerbs und unserer aktiven Teilnahme an den Sprachspielen einer Sprachgemeinschaft werden wir als die, die durch unsere individuellen Handlungsweisen auf der Mikroebene (A<sup>S<\/sup>) die Einzelsprache nicht intendiert wandeln, in die jeweilige Einzelsprache, die Makroebene sozialer Institution (B<sup>Sa<\/sup>), eingebunden. Dabei \u00fcbernehmen wir mit den sprachlich etablierten Klassifizierungen (die wir unsererseits durch unsere fortgesetzte Teilnahme an eben diesem kulturellen Prozess best\u00e4ndig weiter mit wandeln) ein \u201akollektives Wissen\u2018. So auch das ,kollektive Wissen\u2018 um das jeweilige episodale Ergebnis soziokultureller Evolution namens \u201aKunst\u2018.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">10.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">So, wie es bei der Sprache eine Mikroebene und eine Makroebene gibt, so gibt es sie auch bei der Kunst: die Mikroebene des individuellen Kunstschaffens (A<sup>K<\/sup>) und die Makroebene der sozialen Institutionen (B<sup>K<\/sup>). Dabei lassen sich, unter dem Vorbehalt der Vorl\u00e4ufigkeit, mindestens die folgenden vier Gebrauchsweisen des Wortes <em>Kunst <\/em>identifizieren und differenzieren, die auf Ph\u00e4nomene der Mikroebene (A<sup>K<\/sup>) referieren:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>A<sup>K.1<\/sup><\/strong>\u00a0 : bezogen auf die subjektive Befindlichkeit (\u201aEr lebt seine Kunst.\u2018)\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>A<sup>K.2<\/sup><\/strong>\u00a0 : auf den eigentlichen Prozess des Kunstschaffens (\u201aMalen ist Kunst.\u2018)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>A<sup>K.3<\/sup><\/strong>\u00a0 : auf das konkrete Werk resp. <em>Kunstwerk<\/em> (\u201aDas ist Kunst!\u2018)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>A<sup>K.4<\/sup><\/strong>\u00a0 : das gesamte \u0152uvre (\u201aSeine Kunst ist in vielen Genres zu Hause.\u2018)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zudem lassen sich mindestens drei verschiedene Gebrauchsweisen des Wortes <em>Kunst<\/em> identifizieren und differenzieren, die auf Ph\u00e4nomene der Makroebene (B<sup>K<\/sup>) referieren:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>B<sup>K.1<\/sup><\/strong> : Kunst als episodales Ereignis einer spezifischen \u00fcberindividuellen sozialen Institution (so z.B. Stile in der Musik: Jazz, Rap, Klassik \u2026; Medien in der bildenden Kunst: Performance, Malerei, Fotografie \u2026 [\u201aFotografie ist die Kunst, die mich am meisten anspricht.\u2018])<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>B<sup>K.2<\/sup><\/strong>\u00a0 : Kunst als spezifische \u00fcberindividuelle soziale Institution (Kunstgattungen, z.B. die Musik, die bildende Kunst, das Theater \u2026; auf dieser Ebene des Gebrauchs wird, selbst im fachspezifischen und wissenschaftlichen Diskurs, oftmals der Kunstbegriff auf die bildende Kunst beschr\u00e4nkt [\u201aIm Museum wird die Kunst des 19. Jahrhunderts gezeigt.\u2018])<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>B<sup>K.3<\/sup><\/strong>\u00a0 : Kunst als allgemeine \u00fcberindividuelle soziale Institution (\u201adie Kunst\u2018 \u2013 gibt es auch auf dieser Ebene nur als nicht z\u00e4hlbares Substantiv, mass noun [\u201aDie Kunst ist etwas zutiefst Menschliches.\u2018])<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die verschiedenen Gebrauchsweisen des Wortes <em>Kunst<\/em> erzeugen ihrerseits jeweils einen je spezifischen Begriff \u201aKunst\u2018, der wiederum mutma\u00dflich einem spezifischen Begriffstypus entspricht (ein Beispiel ist Wittgensteins \u201aBegriff mit verschwommenen R\u00e4ndern\u2018 bzw. mit Familien\u00e4hnlichkeitsstruktur). Von diesen etablierten Gebrauchsweisen des Wortes <em>Kunst<\/em> logisch zu unterscheiden ist der Prozess der Zuschreibung, also der aktuale Akt der Attribution von etwas als Kunst in der Synchronie wie auch in der r\u00fcckblickenden Diachronie. Der wohl am h\u00e4ufigsten anzutreffende Fall der Zuschreibung ist der der Benennung eines einzelnen Werkes als Kunst (A<sup>K.3<\/sup>) und damit seine Attribuierung als Kunstwerk. Aber ebenso kann eine solche Zuschreibung das \u0152uvre eines K\u00fcnstlers betreffen (A<sup>K.4<\/sup>), einen Stil oder ein Medium (B<sup>K.1<\/sup>) oder auch eine Gattung (B<sup>K.2<\/sup>).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Strukturell kann auch eine Zuschreibung die Etablierung einer neuen resp. gewandelten Gebrauchsweise des Wortes <em>Kunst<\/em> initiieren: ausgehend vom singul\u00e4ren Gebrauch handelnder Individuen. Bei konstanter Zuschreibung von etwas als Kunst durch das handelnde Individuum kann sich eine gewisse Regelhaftigkeit ergeben, der sich unter Umst\u00e4nden nach und nach andere Personen zustimmend anschlie\u00dfen. Das kollektive, nicht intendierte und nicht geplante Resultat dieser individuellen Zuschreibungen und Zustimmungen kann sein, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt eine bestimmte Gruppe ein bestimmtes Werk (oder auch: ein \u0152uvre, einen Stil, ein Medium oder eine Gattung) in gleicher Weise als <em>Kunst<\/em> bezeichnet. Diese Gruppe kann sich stetig erweitern, so dass zu einem weiteren Zeitpunkt eine ganze Gesellschaft (Kultur; Epoche) ein bestimmtes Werk (oder eben auch: ein \u0152uvre, ein Stil, Medium oder Gattung) \u00fcbereinstimmend als <em>Kunst<\/em> bezeichnet. Was aber noch lange nicht bedeutet, dass die Mitglieder dieser Gesellschaft auch hinsichtlich ihrer Gebrauchsweise des Wortes <em>Kunst <\/em>\u00fcbereinstimmen (wer kann schon ermessen, welchen bedeutungsdifferenzierenden Beitrag Konnotationen, konversationelle und konventionelle Implikaturen, individuelle Assoziationen oder die spezifische Auspr\u00e4gung der Lebenswelt mitsamt des nicht zu explizierenden impliziten Erfahrungswissens bei dem Einzelnen leisten?).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Prozess der Zuschreibung erfolgt nicht nur bei singul\u00e4ren Ergebnissen individuellen Kunstschaffens innerhalb der gleichen Gesellschaft oder Kultur, also bei konkreten Artefakten wie einem klassischen Musikst\u00fcck, einer Videoinstallation, einem Gem\u00e4lde oder einem Roman, er erfolgt in gleicher Weise auch hinsichtlich analoger Ergebnisse anderer Gesellschaften und Kulturen. Gleiches geschieht aus unserer Perspektive bei vergangenen singul\u00e4ren Ergebnissen individuellen Kunstschaffens innerhalb der gleichen wie auch innerhalb anderer Gesellschaften oder Kulturen. Ebenso bei episodalen Ereignissen spezifischer \u00fcberindividueller sozialer Institutionen sei es eigener, anderer oder vergangener Kulturen \u2013 so werden von uns in der Musik Jazz, Rock, Klassik, der gregorianische Choral oder auch der Kh\u00f6\u00f6mej, der tuwinische und mongolische Kehlgesang als Kunst attribuiert. Wie auch das klassische japanische Theater (deren episodale Formen das buddhistisch gepr\u00e4gte No oder das aus Gesang, Pantomime und Tanz bestehende Kabuki darstellen) auf der Ebene der spezifischen \u00fcberindividuellen sozialen Institutionen. Oder unsere Attribution sozialer Institutionen als Kunst, deren Zweck wir nur noch mit Hilfe anthropologischer Spekulation erahnen k\u00f6nnen wie zum Beispiel die H\u00f6hlenmalerei aus Altamira oder die unvergleichliche Venus von Willendorf.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Es l\u00e4sst sich also sagen, dass es nicht exponierten Vertretern der sozialen Gruppe \u201aKunstexperten\u2018 obliegt, verbindlich festzustellen, welches Werk zur Kategorie der \u201aKunstwerke\u2018 zu z\u00e4hlen ist und welches nicht (das hei\u00dft: was als Kunstwerk zu bezeichnen ist oder nicht). Ebenso wenig obliegt es dieser heterogenen Gruppe, den Anspruch zu erheben, dass ein gegebenenfalls innerhalb dieser Gruppe diskursiv erzieltes kollektives Resultat, also eine in ihren Reihen allgemein akzeptierte Zuschreibung eines Werks als Kunstwerk, von nun an f\u00fcr alle oder f\u00fcr eine bestimmte Sprachgemeinschaft mehr oder weniger verbindlich ist. Und noch viel weniger obliegt es allen anderen Sprechern einer nat\u00fcrlichen Sprache, eine solche Feststellung mit dem Anspruch zu treffen, sie sei in irgendeiner Form oder f\u00fcr irgendjemanden verbindlich: Die Feststellung, welches Werk zu einem Zeitpunkt x in einer Kultur\/Gesellschaft\/Sprachgemeinschaft y verbindlich als Kunstwerk bezeichnet wird, obliegt einzig und allein der unsichtbaren Hand.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">11.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenden wir uns zum besseren Verst\u00e4ndnis f\u00fcr einen Moment einem durch Wittgenstein klassisch gewordenen Beispiel zu: Der Begriff \u201aSpiel\u2018 wird durch die Gebrauchsregeln des Wortes <em>Spiel <\/em>erzeugt. \u201e(D)ie Komprehension des Begriffs \u201aSpiel\u2018 (verm\u00f6gen wir) nicht \u201avorab\u2018 zu klassifizieren, denn die Klassifikation ist zum Teil ad hoc\u201c (Keller 2018: 123), wobei die Komprehension \u201edie Menge aller m\u00f6glichen (der vergangenen, gegenw\u00e4rtigen und zuk\u00fcnftigen) Gegenst\u00e4nde, die unter einen Begriff fallen\u201c (ebd.: 119), bezeichnet: \u201eZur Menge der Spiele geh\u00f6rt, was die Sprachgemeinschaft \u201aSpiel\u2018 nennt\u201c (ebd.: 123). \u00c4hnliches scheint mir auch f\u00fcr die Gebrauchsregeln des Wortes <em>Kunst<\/em>, das bei der Attribution von Werken Anwendung findet, und den durch sie erzeugten Begriff \u201aKunst\u2018 zu gelten: Die Komprehension des Begriffs \u201aKunst\u2018 ist nicht \u201avorab\u2018 zu klassifizieren, denn die Klassifikation ist zum Teil ad hoc. Das hei\u00dft in der Konsequenz: Zur Menge der Kunstwerke geh\u00f6rt das, was die Sprachgemeinschaft, als Resultat eines Prozesses der unsichtbaren Hand, <em>Kunst<\/em> nennt (hier befinden wir uns auf der Ebene A<sup>K.3<\/sup> der Gebrauchsweisen des Wortes <em>Kunst<\/em>).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Begriffe dieser Art nennt Wittgenstein \u201aBegriffe mit verschwommenen R\u00e4ndern\u2018. Bei ihnen gibt es \u201eweder scharfe Grenzen daf\u00fcr [\u2026], was unter die Kategorie f\u00e4llt und was nicht, noch einheitliche Kriterien\u201c (Keller 2018: 110). Oftmals ziehen wir im Gebrauch ad hoc Grenzen. Das hei\u00dft Grenzen, die noch nicht gezogen wurden und die ich bei anderer Gelegenheit vielleicht woanders ziehen w\u00fcrde. Und ein anderer bei dieser Gelegenheit auch. So ist in der Alltagssprache ein Gro\u00dfteil der Worte konzipiert. Ihre Vagheit und Unsch\u00e4rfe sind aber durchaus kein Manko, sie geben mir in bestimmten Situationen vielmehr einen Ermessensspielraum im Gebrauch und erm\u00f6glichen so eine reibungslose Kommunikation. Vagheit w\u00e4re dann nicht Ausdruck eines Defizits, sondern l\u00e4ge in der \u201eLogik solcher Begriffe\u201c (ebd.: 121). Diese Vagheit zeitigt noch ein weiteres Ph\u00e4nomen: eine Paradoxie. Ich bin aufgrund meiner kulturell erworbenen Sprachkompetenz in der Lage zu entscheiden, ob der Satz \u201ax ist ein Spiel\u2018 wahr oder falsch ist: Ich ordne ihm den Wahrheitswert zu, den ihm eine Sprachgemeinschaft gemeinhin zuordnet. Nun habe ich aber einen gewissen Ermessensspielraum, sowohl bei diesen Begriffen als auch bei solchen mit Familien\u00e4hnlich-keitsstruktur: \u201eWas \u201aHaus\u2018 von \u201aPrimzahl\u2018 unterscheidet, ist die Tatsache, dass ich in einigen F\u00e4llen selbst entscheiden darf, ob ein Geb\u00e4ude zu den H\u00e4usern zu z\u00e4hlen ist oder nicht, aber nicht entscheiden darf, ob etwa die Zahl 0 zu den Primzahlen zu z\u00e4hlen ist oder nicht\u201c (ebd.: 137). Das kann zu paradoxen Konstellationen f\u00fchren. So, wenn Person A dem Satz im Einklang mit der gemeinhin akzeptierten Zuschreibung \u201ax ist ein Spiel\/ein Haus\/ein Kunstwerk\u2018 den Wahrheitswert \u201awahr\u2018 und die Person B diesem Satz jedoch den Wahrheitswert \u201afalsch\u2018 zuschreibt. Das hei\u00dft, die Aussage \u201ax ist ein Spiel\/ein Haus\/ein Kunstwerk\u2018 k\u00f6nnte, ohne dass es ein Widerspruch w\u00e4re, zur gleichen Zeit zugleich wahr und falsch sein. Doch damit nicht genug: Nicht auszudenken, wenn sich herausstellen sollte, dass der Gebrauch des Wortes <em>Kunst <\/em>bei der Zuschreibung eines Werkes als Kunst wom\u00f6glich keinen Begriff mit verschwommenen\/unscharfen R\u00e4ndern und\/oder mit Familien\u00e4hnlichkeitsstruktur generiert, sondern einen Begriffstypus, den Keller \u201aKollektivbegriff\u2018 nennt \u2013 die W\u00f6rter <em>Spielzeug<\/em>, <em>M\u00f6bel<\/em> oder <em>Geschenk<\/em> sind typische Beispiele daf\u00fcr. Dieser Begriffstypus l\u00e4sst keine Zuordnung von Wahrheitswerten zu, denn \u201e(a)lles, womit Menschen spielen k\u00f6nnen, kann gegebenenfalls Spielzeug sein\u201c (ebd.: 126; kann nicht heute auch alles Kunst sein?).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbstverst\u00e4ndlich kann jeder jederzeit f\u00fcr sich in Anspruch nehmen, sagen zu k\u00f6nnen, was Kunst ist und wann ein Werk ein Kunstwerk ist (also ad hoc Grenzen ziehen). Aber selbst mit den stichhaltigsten Argumenten, die die Kunstwelt je geh\u00f6rt hat, l\u00e4sst sich der Aussage \u201aDieses Werk ist ein Kunstwerk\u2018 kein Wahrheitsanspruch zuschreiben, der f\u00fcr alle verbindlich ist. Wom\u00f6glich noch \u201aper se\u2018, weil man insgeheim den wie auch immer gearteten Bestand eines Wesens namens \u201aWesen\u2018 imaginiert, das jedem fr\u00fcheren, heutigen oder kommenden Werk innewohnt. Eine Eigenschaft, die, w\u00fcrden wir sie je klar definieren k\u00f6nnen, uns dazu bef\u00e4higen w\u00fcrde, nicht nur Werke vergangener Zeiten, sondern auch aktuelle und selbst k\u00fcnftige eindeutig, f\u00fcr alle Zeit und \u00fcber alle Kulturen hinweg als Kunstwerke zu identifizieren und die die f\u00fcr uns alle verbindliche, ewig g\u00fcltige Antwort auf die essentialistische Frage \u201aWas ist Kunst?\u2018 g\u00e4be.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00e4lt man nun demgegen\u00fcber die Annahme eines solchen \u00fcberzeitlichen, \u00fcberkulturellen, \u00fcberindividuellen und \u00fcber alle K\u00fcnste hinweg bestehenden Wesens namens \u201aWesen\u2018 f\u00fcr fragw\u00fcrdig, das \u2013 erstens \u2013 als gemeinsame Eigenschaft jedem fr\u00fcheren, heutigen oder kommenden Werk in irgendeiner Weise inh\u00e4rent ist und quasi naturgegeben ein Werk als Kunstwerk qualifiziert, unabh\u00e4ngig von jeder menschlichen Beurteilung und Zuschreibung (erst als etwa um 1800 die Konstitution des nicht z\u00e4hlbaren Substantivs <em>Kunst<\/em> als alle K\u00fcnste umfassender Oberbegriff [die Komprehension: alle m\u00f6glichen, also alle vergangenen, gegenw\u00e4rtigen und zuk\u00fcnftigen K\u00fcnste] die Konzeption einer \u201aKunst als solchen\u2018 m\u00f6glich machte, konnte die Frage nach dem Wesen \u201ader Kunst\u2018 (B<sup>K.3<\/sup>) ,Was ist Kunst?\u2018 \u00fcberhaupt erst gestellt werden) und das \u2013 zweitens \u2013 ganz unabh\u00e4ngig von den unz\u00e4hligen spezifischen, sich stets wandelnden und damit relativen Sichtweisen \u201apr\u00e4existiert\u2018, die sich auf Basis verschiedenster lebensweltlicher Faktoren in den Kulturen und Gesellschaften als episodale Ereignisse in einem kollektiven Prozess ergeben, dann l\u00e4sst sich die Frage \u201aWas ist Kunst?\u2018 nicht mehr verbindlich beantworten. Ja, sie l\u00e4sst sich nicht einmal mehr in dieser Form sinnvoll stellen. Wer also an dieser Frage festhalten will, muss zun\u00e4chst einmal die Frage nach jener mysteri\u00f6sen gemeinsamen Eigenschaft der Kunstwerke stellen. Wer nicht imstande ist, diese verbindlich zu beantworten, wird auch bei jener scheitern. Dies f\u00fchrt uns zur\u00fcck zu den Menschen und ihren relativen Sichtweisen resp. zur relativen G\u00fcltigkeit evaluativer Aspekte, in deren Konsequenz die Frage \u201aWas ist Kunst?\u2018 neu formuliert werden muss: \u201aWas ist wann f\u00fcr wen Kunst?\u2018<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">12.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wird ein Werk nicht einem der etablierten Elemente der Kategorie \u201aKunst B<sup>K.1<\/sup> : Stile und Medien\u2018 zugerechnet, das von einer Sprachgemeinschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt \u00fcbereinstimmend als Kunst bezeichnet wird, so stellt sich die Frage, ob ein Werk Kunst und damit ein Kunstwerk ist (hier befinden wir uns auf der Ebene A<sup>K.3<\/sup> der Gebrauchsweisen des Wortes Kunst), gar nicht. So wird \u201aKugelsto\u00dfen\u2018 in unserem Sprachspiel derzeit nicht zur Kategorie \u201aKunst B<sup>K.1<\/sup> : Stile und Medien\u2018 gez\u00e4hlt. Ergo kann auch der formsch\u00f6nste Kugelsto\u00df eines Kugelsto\u00dfers, der sich \u00fcberhaupt nur denken l\u00e4sst, derzeit kein Kunstwerk sein. Gleichwohl kann ich aber durchaus die abweichende Ansicht vertreten, dass dem doch so ist. Und, wer wei\u00df, vielleicht wird ja meine etwas schrullige Minderheitenmeinung, meine singul\u00e4re ad-hoc-Grenzziehung, eines sch\u00f6nen Tages im Zuge eines Prozesses der unsichtbaren Hand mehrheitsf\u00e4hig, der Kugelsto\u00df also zum Kunstwerk avancieren: \u201eNichts spr\u00e4che dagegen, Jagd oder Wettangeln zu den Spielen zu z\u00e4hlen. Aber wir tun es nun mal nicht\u201c (Keller 2018a: 108, auch 123).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Was aber, wenn dereinst dieser aus heutiger Sicht befremdlich erscheinende Fall eintritt und Kugelsto\u00dfen zur Kunst wird? Dann m\u00fcsste die Antwort auf die essentialistische Frage \u201aWas ist Kunst?\u2018 diesen Fall, wie auch jeden weiteren, und sei er noch so abwegig, vorausschauend einbeziehen. Anders gesagt: Es d\u00fcrfte nie einen Fall geben, der die ausstehende Antwort auf diese Frage falsifiziert. Die wesentliche Eigenschaft, die Kunst als Kunst qualifiziert, m\u00fcsste, wie f\u00fcr jede andere Kunst, dann auch f\u00fcrs Kugelsto\u00dfen gelten. In westlichen Diskursen d\u00fcrfte Konsens dar\u00fcber bestehen, dass, solange ein Werk nicht einem etablierten Element der Kategorie \u201aKunst B<sup>K.1<\/sup> : Stile und Medien\u2018 zugerechnet wird, in unserem Sprachspiel auch nicht die M\u00f6glichkeit besteht, dieses Werk auf Basis allgemeiner Akzeptanz als Kunst resp. Kunstwerk zu adeln (Ebene A<sup>K.3<\/sup> der Gebrauchsweisen des Wortes <em>Kunst<\/em>). Nun stellt aber allein die M\u00f6glichkeit, dass das gleiche Werk vielleicht morgen schon ganz selbstverst\u00e4ndlich einem Element dieser Kategorie zugerechnet wird und ihm damit die Option er\u00f6ffnet wird, als \u201aKunstwerk\u2018 geadelt zu werden, die Annahme eines allen Kunstwerken gemeinsamen immerw\u00e4hrenden \u201aWesens\u2018 grunds\u00e4tzlich in Frage (und damit eben auch die Frage nach ihm): Die Bezeichnung <em>Kunst<\/em> ist kontingent \u2013 Kunst ist jeweils das, was in allgemeiner \u00dcbereinstimmung innerhalb einer Sprachgemeinschaft Kunst genannt wird.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage nach vorfindlichen Kriterien, wie wir verbindlich Kunst als Kunst, das hei\u00dft: ein Werk als Kunstwerk erkennen k\u00f6nnen, stellt sich also nicht. Nicht nur, weil es keine gibt. Sondern auch, weil der Umstand, dass etwas als ein Kunstwerk gilt, Resultat eines nachtr\u00e4glichen Vorgangs ist: einer Zuschreibung. Genauer gesagt: Wir sind als Rezipienten im kollektiven Verbund systematisch an dem Sprachspiel der Bestimmung eines Werks als Kunstwerk beteiligt: \u201eDer Mitspieler geh\u00f6rt zum Spiel\u201c (cf. Gadamer 2012: 42). Nun m\u00fcssen wir sehen, dass dieses Sprachspiel kein isoliertes linguistisches Ph\u00e4nomen ist. Es ist vielmehr eingebettet in das Gesamtkonstrukt unserer anthropologisch konstituierten Lebenswelt. In ihm n\u00f6tigt uns das Spiel der Kunst zur \u201eparticipatio\u201c, zur \u201einnere(n) Teilnahme an dieser sich wiederholenden Bewegung\u201c (ebd.: 39). Es vereinnahmt mich, fordert mich zum Mitspielen auf. Mit-Spielen bedeutet \u201eein st\u00e4ndiges Mit-t\u00e4tig-Sein\u201c (ebd.: 44). Es ist damit konstitutiver Teil des Spiels der Kunst. Beide, Spieler wie Mitspieler, sind teilnehmende Zuschauer, nicht teilhabende Beobachter. Teilhabe bedeutet passives Sich-berieseln-lassen, Teilnahms-losigkeit. Teilnahme hingegen bedeutet aktives Teil-Sein: Ich bin Teil des Spiels.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Im kommunikativen Tun wird der Abstand \u201ezwischen dem, der da spielt, und dem, der sich dem Spiel gegen\u00fcbersieht\u201c (ebd.: 39), durchbrochen, wird \u201eder Abstand des Beschauers in das Betroffensein als Mitspieler\u201c (ebd.: 40) verwandelt: Im Spiel entsteht etwas Gemeinsames. Wie im religi\u00f6sen Lebenszusammenhang, vom kultischen Tanz bis zu der \u201eals Darstellung gemeinten Begehung des Kultes\u201c (ebd.: 39). Und wie sp\u00e4ter im Theater, \u201edas aus diesem Kultzusammenhang als seine Darstellung herauswuchs\u201c (ebd.: 39). Wir finden in allen menschlichen Spielformen, und das gilt auch \u201ef\u00fcr die Spiele der Kunst\u201c (ebd.: 41), \u201eeine erste Erfahrung von Vern\u00fcnftigkeit, etwa im Befolgen selbstgesetzter Regeln, in der Identit\u00e4t dessen, was man zu wiederholen sucht\u201c (ebd.: 40).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch wenn es sich bei der \u201aForderung\u2018 des Werkes nicht um eine Forderung der Art handelt, die durch ein rationales, selbstt\u00e4tig agierendes Wesen gestellt wird \u2013 die Zuschauer, Zuh\u00f6rer, Leser fassen in der Rezeption das Erfahrene als eine Auf-Forderung auf, die \u201eeine Antwort (verlangt), die nur von dem gegeben werden kann, der die Forderung annahm\u201c (Gadamer 2012: 42). Es ist dies die selbstt\u00e4tig erbrachte Antwort des zum Spiel geh\u00f6renden Mitspielers: \u201eDie Kunst ist Verf\u00fchrung, nicht Vergewaltigung. Aber sie kann nicht verf\u00fchren, wenn die Mitwirkung des erlebenden Subjekts ausbleibt\u201c (Sontag 2015: 37). Das erlebende Subjekt ist also konstitutiv, ohne es ist kein Spiel. Also auch kein Spiel der Kunst, mithin kein Kunst-Werk. Nur Werk ohne verstehendes \u201aMit-t\u00e4tig-Sein\u2018.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Jedes Werk l\u00e4sst \u201egleichsam f\u00fcr jeden, der es aufnimmt, einen Spielraum, den er ausf\u00fcllen muss\u201c (ebd.: 43). Ich als Mitspieler bin nicht Teilhaber, sondern Teilnehmer, der im Ausf\u00fcllen des Spielraums kongenial agiert. Nach dieser Auffassung ist es nicht der genialischen Einzigartigkeit eines K\u00fcnstlers geschuldet, dass es Kunstwerke gibt \u2013 es bedarf strukturell prinzipiell eines Mitspielers, um aus einem Werk ein Kunst-Werk werden zu lassen. Ein Umstand, der logisch vom Akt der Zuschreibung von etwas als <em>Kunst<\/em> zu unterscheiden ist: Hier erst wird das Kunst-Werk zum Kunstwerk. Im Moment der Rezeption wird der Andere zum Mitspieler. Erst durch diese Rezeption, \u201edurch die Handlung des Betrachters entsteht ein Werk (in meiner Begrifflichkeit: ein Kunst-Werk; S.O.)\u201c, so Franz Erhard Walther. Mit jeder dieser Rezeptionen entstehen weitere Werke: \u201eEin tausendmal gelesenes Buch \u2013 das sind tausend verschiedene B\u00fccher\u201c, so Andrej Tarkowskij in seiner Schrift <em>Von der Verantwortung des K\u00fcnstlers<\/em>. Ganz so weit wie Walther w\u00fcrde ich nicht gehen wollen: Durch den Betrachter entsteht nicht das Werk, er reagiert vielmehr subjektiv auf ein bereits vollendetes Werk, das aber ohne Rezeption, also ohne ein Mitspielen, so etwas ist wie die Sprache, die ohne einen Angesprochenen keine Sprache ist, sondern bestenfalls eine Abfolge von Lauten. Durch ihn aber wird das Werk zum Kunst-Werk in der je individuellen, immer wieder neu erfolgten Rezeption.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das hei\u00dft: Der K\u00fcnstler ist es, der ein Werk erschafft und vollendet. Allein \u2013 dies nutzt ihm gar nichts. Denn ohne den Anderen, den Mitspieler, den Rezipienten, also denjenigen, mit dem er im ontogenetisch etablierten und internalisierten Kontext sozialer Interaktion und geteilter Intentionalit\u00e4t agiert (cf. Michael Tomasello: <em>Die Urspr\u00fcnge der menschlichen Kommunikation<\/em>), ohne sich selbst als reflektiertes Wesen, das sich selbst zum Anderen, zum Betrachter, Leser, Zuh\u00f6rer wird, ist das Werk im Grunde nicht viel mehr als ein grober Klotz. Sind es T\u00f6ne. Kritzeleien. Erst dadurch, dass der Mensch kontextuell und lebensweltlich eingebunden und nie allein ist (selbst wenn er allein ist), kann ein Klotz Werk sein. Die subjektive Rezeption, die den Rezipienten zu einer individuellen Zuschreibung des Werks als <em>Kunstwerk<\/em> einl\u00e4dt, l\u00e4sst ein Werk erst zum Kunst-Werk werden. Und allein durch den Prozess der unsichtbaren Hand wird aus jenen gleichgerichteten individuellen Zuschreibungen im kollektiven Verbund die intersubjektiv in einer Gemeinschaft, in einer Kultur, in einer bestimmten Zeit etablierte Auffassung, dass es sich bei dem Werk um ein Kunstwerk handelt \u2013 dies beschreibt die Ebene A<sup>K.3<\/sup> der Gebrauchsweisen des Wortes <em>Kunst<\/em>.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dieser These h\u00e4tten wir auf der horizontalen Ebene des Artefakts strukturell vier Aggregatzust\u00e4nde einer Entit\u00e4t zu differenzieren:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<ol class=\"wp-block-list\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<li><strong>Kl\u00f6tze, Klumpen, Krach und Kritzeleien<\/strong> -&gt;<\/li>\r\n<\/ol>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das faktische Artefakt: kontextlos und damit rein hypothetisch gegeben.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<ul class=\"wp-block-list\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<li><strong>Werk<\/strong> -&gt;<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das im lebensweltlichen, intersubjektiven Kontext entstandene, unrezipierte Artefakt des K\u00fcnstlers (vom physischen bis zum konzeptuellen Objekt).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<ul class=\"wp-block-list\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<li><strong>Kunst-Werk<\/strong> -&gt;<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die teilnehmende Rezeption des Werks durch den Mitspieler, durch die ein Werk immer neu aufgefasst, gesehen, gelesen, geh\u00f6rt und mit immer neuen Assoziationen in Verbindung gebracht wird (cf. Friederike Wapplers Ausf\u00fchrungen zu Franz Erhard Walthers <em>Der Prozess, die Erfahrungen sind Werke<\/em> [Wappler 2013: 14ff.]). Der Schritt nach dieser assoziativ grundierten, teilnehmenden Rezeption ist die interpretierende Rezeption.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<ul class=\"wp-block-list\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<li><strong>Kunstwerk<\/strong> (A<sup>K.3<\/sup>) -&gt;<\/li>\r\n<li>Die individuelle Zuschreibung von etwas als Kunstwerk erfolgt im Rahmen eines singul\u00e4ren Aktes. Aus der Vielzahl der gleichgerichteten Zuschreibungen resultiert in einem kollektiven Prozess der unsichtbaren Hand als episodales Ereignis \u2013&gt; b.<\/li>\r\n<li>Die kollektive Zuschreibung von etwas als Kunstwerk (A<sup>K.3<\/sup>; die Attribuierung eines Werks als <em>Kunst<\/em> resp. <em>Kunstwerk<\/em>).<\/li>\r\n<li>Im fachwissenschaftlichen resp. fachspezifischen Diskurs kann es zu autoritativen Zuschreibungen durch exponierte Vertreter der Kunstwelt kommen, denen gegebenenfalls auch ein Begriff \u201aKunst\u2018 resp. \u201aKunstwerk\u2018 zugrunde liegt, der sich strukturell ausgehend von einem singul\u00e4ren Gebrauch innerhalb dieses Segments der Kunstwelt etabliert hat. Und wenn auch nur f\u00fcr einen bestimmten Kreis f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum. Eine solche Zuschreibung kann sich innerhalb dieses Kreises des Kunstdiskurses sehr wohl als intendierte oder zumindest kalkulierte Folge einer Vielzahl gleichgerichteter individueller Handlungen etablieren. Ob sich diese Zuschreibung jedoch dauerhaft und\/oder sogar \u00fcber diesen exklusiven Zirkel hinaus etablieren kann, bleibt indes ebenso fraglich wie die gleichgelagerte Etablierung eines jeden wissenschaftlichen Kunstbegriffs (hier d\u00fcrfte George Dickies institutioneller Kunstbegriff zu verorten sein, bei dem eine Gruppe von Experten einem Artefakt quasi in einem Taufakt den Status eines Kunstwerks verleiht).<\/li>\r\n<li>Eine besonders manifeste Form autoritativer Zuschreibung soll hier, wo es prim\u00e4r um den systematischen Aufweis grundlegender Strukturen beim Gebrauch des Wortes <em>Kunst <\/em>geht, nur erw\u00e4hnt, nicht aber weiter verhandelt werden, obgleich es sich bei ihr um die soziokulturell wohl virulenteste Form der Zuschreibung von etwas als Kunstwerk handelt: die \u00f6konomische Macht, die insbesondere von exponierten Vertretern diverser Institutionen der Kunstwelt als integraler Bestandteil des Kunstmarkts (Museen, marktbeherrschende Galerien, Auktionsh\u00e4user etc.) ausge\u00fcbt wird. Die Attribution eines Werks als Kunstwerk wird im Verbund dieser Vertreter durchaus gezielt, geplant und intendiert vorgenommen. Das kollektive Resultat einer Vielzahl gleichgerichteter Handlungen der exponierten Vertreter der schmalen Schicht des Kunstmarktes und ihrer Mitspieler, der K\u00e4ufer, ist somit eher kalkulierte Folge, bei der sich die individuellen Intentionen weitgehend mit dem kollektiven Resultat decken. Diese \u00fcbergriffige Zuschreibung darf jedoch nicht mit der gesellschaftlich allgemein akzeptierten Zuschreibung verwechselt werden, obwohl beide Zuschreibungen \u00fcbereinstimmen k\u00f6nnen. Was nicht weiter verwundert. Denn auch wenn die gesellschaftlich allgemein akzeptierte Zuschreibung aus einem Prozess der unsichtbaren Hand resultiert, so ist doch dieser Prozess schon deshalb nicht von \u00f6konomischen Faktoren unabh\u00e4ngig, weil nat\u00fcrlich auch die Vertreter des Kunstmarktes Teilnehmer eben dieses umfassenden soziokulturellen Prozesses sind. Insofern bestimmen sie am Ende vielleicht doch mehr, was innerhalb einer Kultur, Gesellschaft oder Sprachgemeinschaft als Kunst resp. Kunstwerk gilt, als einem lieb sein kann.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Demnach wird das Werk einerseits nicht \u201edurch die Subjektivit\u00e4t des Lesers als Werk allererst konstituiert\u201c (Schm\u00fccker 2014: 226), andererseits aber sehr wohl: Ein Werk braucht erstens \u2013 strukturell \u2013 zu seinem Bestand als Werk das Da-Sein des Anderen. Und es ben\u00f6tigt zweitens \u2013 faktisch \u2013 zu seinem Bestand als Kunst-Werk die unmittelbare subjektive Rezeption, bei der es sich in der ersten, unmittelbaren Begegnung nicht um eine rational vermittelte Interpretation, sondern um die <em>Inspiration zur Assoziation<\/em> handelt. Drittens: Durch die Inspiration zur Assoziation wird das Werk nicht als dieses eine Werk erst konstituiert resp. vollendet \u2013 es entsteht jedoch im Moment der subjektiven Rezeption f\u00fcr einen Moment ein je neues Kunst-Werk, neues Buch, neues Tonst\u00fcck, das in der Tat kaum interpretierbar ist (dieser Werkbegriff w\u00e4re also in gewisser Weise sowohl ein exklusiver als auch ein inklusiver).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Es g\u00e4be also nur genau ein Werk, ein Artefakt (welchen ontologischen Status es auch immer besitzen mag), dessen Urheber der K\u00fcnstler ist. Dieser ist aber \u201ekeineswegs der Urheber des Kunstwerks\u201c (ebd.: 233). Dessen \u201aUrheber\u2018 ist in gewisser Weise das Kollektiv im Sinne eines nicht intendierten kollektiven Resultats individueller Zuschreibungen, die alles M\u00f6gliche zum Ziel haben, aber sicher nicht die Etablierung einer intersubjektiv verbindlichen Auffassung eines Werks als Kunstwerk. Neben dem Werk und dem Kunstwerk g\u00e4be es noch die Kunst-Werke als individuelle Resultate unendlich vieler verschiedener Inspirationen zu Assoziationen dieses einen Werks. Diese mit jeder unmittelbaren Rezeption stets neu konstituierten, rein subjektiven Kunst-Werke haben jedoch keinerlei physische Pr\u00e4senz, sind von rein mentaler Existenz, haben keine Dauer, sind fl\u00fcchtig, transitorisch.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wor\u00fcber reden wir, wenn wir \u00fcber Kunst reden?<\/strong> von Stefan Oehm, K\u00f6nigshausen und Neumann, 2019<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-56960\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Oehm_Coer.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"342\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Oehm_Coer.jpg 450w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Oehm_Coer-198x300.jpg 198w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Oehm_Coer-260x395.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Oehm_Coer-160x243.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO w\u00fcrdigte das Buch von Stefan Oehm mit einem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/09\/15\/nachdenken-ueber-kunst\/\">Rezensionsessay<\/a>. Eine Leseprobe aus <em>Wor\u00fcber reden wir, wenn wir \u00fcber Kunst reden?<\/em> finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/05\/01\/worueber-reden-wir-wenn-wir-ueber-kunst-reden-teil-1\/\">hier<\/a>.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Lesen Sie auch KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Hommage<\/a> an die Gattung des Essays.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Lesen Sie auch Stefan Oehms Essay zu Mischa Kuballs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=50277\">Lichtinstallation<\/a> <strong><em>res\u00b7o\u00b7nant<\/em><\/strong>. Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher lesen finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a>. Vertiefend auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> von A.J. Weigoni mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Jeder Band aus dem <em>Schuber<\/em> von A.J. Weigoni ist ein Sammlerobjekt. Und jedes Titelbild ein Kunstwerk. KUNO fa\u00dft die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42570\">Stimmen<\/a> zu dieser verlegerischen Gro\u00dftat zusammen. Last but not least: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25524\"><em>VerDichtung \u2013 \u00dcber das Verfertigen von Poesie<\/em><\/a>, ein Essay von A.J. Weigoni in dem er dichtungstheoretisch die poetologischen Grunds\u00e4tze seines Schaffens beschreibt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Literatur:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ferguson, Adam (1767\/1904): An Essay on the History of Civil Society, Edinburgh.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Gadamer, Hans-Georg (2012): Die Aktualit\u00e4t des Sch\u00f6nen, Stuttgart: Reclam Verlag.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Grice, Herbert Paul (1957\/1979): Intendieren, Meinen, Bedeuten. in: Georg Meggle (Hrsg.), Handlung Kommunikation Bedeutung, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Grice, Herbert Paul (1968\/1979): Sprecher-Bedeutung, Satz-Bedeutung, Wort-Bedeutung. in: Georg Meggle (Hrsg.), Handlung Kommunikation Bedeutung, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Grice, Herbert Paul (1972-73\/1979): Sprecher-Bedeutung und Intentionen. in: Georg Meggle (Hrsg.), Handlung Kommunikation Bedeutung, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Hayek, Friedrich August von (1969): Freiburger Studien, in: Gesammelte Aufs\u00e4tze, T\u00fcbingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Hayek, Friedrich August von (1983): Die \u00fcbersch\u00e4tzte Vernunft, in: Evolution und Menschenbild, Hrsg. Rupert Riedl\/Franz Kreuzer, Hamburg: Verlag Hoffmann und Campe.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Humboldt, Wilhelm von (2008): Schriften zur Sprache, Frankfurt a.M.: Zweitausendeins.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Keller, Rudi (<sup>2<\/sup>2018): Zeichentheorie, T\u00fcbingen: UTB\/A. Francke Verlag.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Keller, Rudi (<sup>4<\/sup>2014): Sprachwandel, T\u00fcbingen: A. Francke Verlag.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Kettler, David\/Meja, Volker\/ Stehr, Nico: Vorwort der Herausgeber. In: Mannheim, Karl (1980): Strukturen des Denkens, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">K\u00f6lle, Brigitte (2007): okey dokey Konrad Fischer, K\u00f6ln: Verlag der Buchhandlung Walther K\u00f6nig.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Liedtke, Frank (2016): Moderne Pragmatik, T\u00fcbingen: Narr Francke Attempto Verlag.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Mandeville, Bernard de (2012): Die Bienenfabel, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag.<br \/><br \/>Mannheim, Karl (1980): Strukturen des Denkens, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Oehm, Stefan (2019): Wor\u00fcber reden wir, wenn wir \u00fcber Kunst reden? Vom Wirken der unsichtbaren Hand, W\u00fcrzburg: Verlag K\u00f6nigshausen &amp; Neumann.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><br \/>de Saussure, Ferdinand (<sup>2<\/sup>1967): Grundlagen der allgemeinen Sprachwissenschaften, Berlin: Walter de Gruyter<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><br \/>Schm\u00fccker, Reinold (<sup>2<\/sup>2014): Was ist Kunst? Eine Grundlegung, Frankfurt a.M.: Verlag Vittorio Klostermann.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Smith, Adam (1978): Der Wohlstand der Nationen, M\u00fcnchen: Deutscher Taschenbuch Verlag.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Sontag, Susan (<sup>11<\/sup>2015): \u00dcber den Stil, in: Kunst und Antikunst, Frankfurt a.M.: S. Fischer Verlag.<\/p>\r\n\r\n\r\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Dieser Entwurf folgt im Wesentlichen der Theorie des Sprachwandels, die der Linguist Rudi Keller in seinem Werk <em>Sprachwandel \u2013 Von der unsichtbaren Hand in der Sprache<\/em> formulierte (den Begriff der unsichtbaren Hand [engl. invisible hand] f\u00fchrte der schottische National\u00f6konom Adam Smith in seinem Werk <em>Der Wohlstand der Nationen <\/em>[Smith 1978: 371] ein).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Carl Andre bemerkte einmal in einem Gespr\u00e4ch: \u201eVor langer Zeit habe ich einmal gesagt, dass die ideale Skulptur f\u00fcr mich eine Stra\u00dfe ist. Doch noch besser ist ein Pfad, der auf einem leeren Feld entsteht, wenn Menschen es diagonal \u00fcberqueren. Das ist wahre kollektive Kunst\u201c (K\u00f6lle 2007: 101). So findet das Bild des Trampelpfads auch Eingang in die Kunst.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung Der nachfolgende Text stellt den Versuch einer komprimierten Darstellung der wesentlichen Thesen der Publikation Wor\u00fcber reden wir, wenn wir \u00fcber Kunst reden? dar, die im September diesen Jahres in dem renommierten Wissenschaftsverlag K\u00f6nigshausen &amp; Neumann erschienen ist. 1. 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