{"id":58028,"date":"2020-04-13T00:01:00","date_gmt":"2020-04-12T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=58028"},"modified":"2020-04-14T12:19:57","modified_gmt":"2020-04-14T10:19:57","slug":"darf-ich-dir-das-sie-anbieten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/04\/13\/darf-ich-dir-das-sie-anbieten\/","title":{"rendered":"&#8222;Darf ich dir das Sie anbieten?\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Twitteratur<\/em> wird von vielen argw\u00f6hnisch betrachtet, die nicht immer unberechtigte Kritik entz\u00fcndet sich an sprachlichen Routinen, erwartbaren Pointen oder \u2013 jenseits des Humoristischen \u2013 h\u00e4ufig an einer zu offensichtlichen Rhetorik. Auf KUNO haben wir in 2014 versucht, dies mit dem Schwerpunkt <em>Twitteratur<\/em>  ironisch aufzubrechen. Es entstand etwas ganz Eigenes. Nicht der  Kontrast zwischen Alt und Neu, auch nicht das intellektuell vergleichbar  simple Nachahmen, sondern ein dritter Weg. Der in der Schwebe gelassene  Sinn, die Produktion von Ambiguit\u00e4t \u2013 was f\u00fcr Roland Barthes Brecht im  Theater geleistet hat, indem er die Sinnfrage zwischen B\u00fchne und  Zuschauerraum neu verteilte \u2013 findet sich in der von uns lancierten  Kunstform der <em>Twitteratur<\/em> wieder. Verfremdung bedeutet, die  Dinge nicht mehr in ihrer Evidenz darzustellen, sondern die  dargestellten Zust\u00e4nde erst zu entdecken, indem man sie unterbricht und  so erm\u00f6glicht, sich von ihnen zu distanzieren. Die Verfremdung, durch  eine solche schockhafte, retardierende Unterbrechung, f\u00fchrt also zu  einem Staunen, ob der entdeckten Zust\u00e4nde, das erst die kritische,  n\u00e4mlich nicht mehr in der allgemeinen Evidenz befangene, Stellungnahme  des Publikums zu den Vorg\u00e4ngen, wie auch zur Art der Darstellung  erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color wp-block-paragraph\">Kritik bedeutet unterscheiden, was sagen die Kritiker des Unterscheidungsverm\u00f6gens?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber die Bedeutung der Twitteratur wurde  ger\u00e4tselt: \u201eMiniaturen? Anekdoten? Essays? Witze? Parabeln? Fabeln?  Texte? Aphorismen oder gar Denkspr\u00fcche, Apophthegmen? Gebete, vielleicht  Weisheitsliteratur?\u201c Wir setzen uns davon ab, oft Geh\u00f6rtes zu  wiederholen, dies kann zwar f\u00fcr den Buchmarkt von Vorteil sein, denn  Leser bevorzugen bekanntlich Texte, die ihnen noch mal sch\u00f6ner erz\u00e4hlen,  was sie eh schon wissen. Deshalb hat auch das Lesen des  Lieblingsfeuilletons eher etwas Rituelles, Gottesdienstartiges, als da\u00df  es einen auf neue Gedanken st\u00f6\u00dft. Umso verheissungsvoller ist es, wenn ein die Minutenessays &#8222;Darf ich dir das Sie anbieten?\u201c, die k\u00fcrzeste Prosaform erschliessen. Hier eine Leseprobe aus den Minutenessays von Katharina Hacker: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Evidenz war es nie weit her.<br \/> Seit offenkundig unzuverl\u00e4ssig ist, was getreuliches Abbild zu sein schien, Foto- und Filmmaterial, ist es erst recht Zeit, sich auf Beschreibungen zu verlegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><br \/>***<br \/><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.perlentaucher.de\/cdata\/K2\/T31\/A10722\/0210kh1.png\" alt=\"\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Darf ich dir das Sie anbieten?<\/strong> Minutenessays von Katharina Hacker. 120 Seiten . Flexibler Leinenband, fadengeheftet. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Weiterf\u00fchrend&nbsp;\u2192 <\/strong>ein Essay \u00fcber die neue Literaturgattung <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22423\"><em>Twitteratur<\/em><\/a>, sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/09\/06\/recap-hungertuchpreis\/\">Recap<\/a> des Hungertuchpreises.<br \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Twitteratur wird von vielen argw\u00f6hnisch betrachtet, die nicht immer unberechtigte Kritik entz\u00fcndet sich an sprachlichen Routinen, erwartbaren Pointen oder \u2013 jenseits des Humoristischen \u2013 h\u00e4ufig an einer zu offensichtlichen Rhetorik. 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