{"id":5778,"date":"2012-06-30T02:05:29","date_gmt":"2012-06-30T00:05:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=5778"},"modified":"2012-06-30T20:32:48","modified_gmt":"2012-06-30T18:32:48","slug":"atemlos-%e2%88%99-auf-der-suche-nach-matrix-28","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/06\/30\/atemlos-%e2%88%99-auf-der-suche-nach-matrix-28\/","title":{"rendered":"Atemlos \u2219 Auf der Suche nach Matrix 28"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_5792\" style=\"width: 220px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/matrixformel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5792\" class=\" wp-image-5792 \" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/matrixformel-300x119.jpg\" alt=\"mathematische Formel\" width=\"210\" height=\"83\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/matrixformel-300x119.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/matrixformel.jpg 409w\" sizes=\"auto, (max-width: 210px) 100vw, 210px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5792\" class=\"wp-caption-text\">Matrix und transponierte Matrix<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>K\u00fchn<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute hatte ich eine \u203ak\u00fchne\u2039 Idee: Ich wollte nach \u00fcber zehn Jahren mal wieder eine Buchhandlung besuchen. Der Leser m\u00f6ge an dieser Stelle nicht glauben, dass ich eine Kulturbanausin bin. Weit gefehlt \u2013 ich schreibe selbst B\u00fccher. Aber meine Motivation, in einen Buchladen zu gehen, hat in den letzten Jahren immer mehr abgenommen. Was sollte ich dort?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wichtige B\u00fccher lieh ich mir aus der Bibliothek, sonst w\u00e4re ich bereits verarmt. Ganz wichtige B\u00fccher lie\u00df ich mir schenken, brandaktuelle B\u00fccher bestellte ich per Internet, damit ich den Schreibtisch nicht zu verlassen brauchte, und wenn ich selbst B\u00fccher verschenken wollte, nahm ich, der Einfachheit halber, die eigenen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute allerdings trieb mich eine quasi wissenschaftliche Fragestellung: Welche der \u203aanspruchsvollen\u2039 Literaturzeitschriften werden in dieser Stadt \u00fcberhaupt noch \u00fcber den Buchhandel vertrieben? Ausl\u00f6ser f\u00fcr meine kleine Forschungsreise war ein Freund, der einen Beitrag f\u00fcr die aktuelle Ausgabe der Ludwigsburger Literaturzeitschrift <span style=\"color: #000080;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=5440\"><span style=\"color: #000080;\"><em>Matrix 28<\/em><\/span><\/a><\/span> verfasst hatte, den ich gern in gedruckter Form in H\u00e4nden halten wollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die erste<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/3\/39\/Total.JPG\/220px-Total.JPG\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"119\" \/>Die erste Buchhandlung, die ich aufsuche, ist eine, von der ich viel halte. Man hat hier die \u203aLiteraturtankstelle\u2039 ins Leben gerufen, ein Regal, in dem es Werke junger, hannoverscher Autoren gibt, teilweise im Selbstverlag, immer aber liebevoll und originell, und immer \u00fcberraschend. Hier macht man jedes Mal wenigstens eine Entdeckung. Eine Literaturzeitschrift gibt es hier jedoch nicht. Die nette, ruhige Frau hinter der Kasse wei\u00df das, und sie wei\u00df auch, was eine Literaturzeitschrift ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die zweite<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich fahre weiter zur Bahnhofsbuchhandlung. Hier konnte man bis vor einiger Zeit Literaturzeitschriften wie Bella Triste<em><\/em> oder Edit<em><\/em> einfach so aus dem Regal ziehen. Am Bahnhof hat sich aber noch mehr ver\u00e4ndert als bei der ersten Buchhandlung. Der Laden ist auf die H\u00e4lfte geschrumpft und verbreitet mit seinen lang gezogenen Regalen und den Snack- und Getr\u00e4nke-St\u00e4nden Supermarkt-Charme; zu allem \u00dcberfluss sitzt im Obergeschoss Mc Donald\u2019s. Das Anspruchvollste, was ich unter der Rubrik \u203aKultur\u2039 finde, ist \u2013 ein Kochbuch. Ich verschwinde, als sich ein Kaufhausdetektiv an meine Fersen heftet (verhalte ich mich so seltsam, wie ich mich f\u00fchle?), schnell Richtung Ausgang, das billige Design der von der Decke h\u00e4ngenden Rubrik-Schilder noch vor Augen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die dritte<\/strong><\/p>\n<div style=\"width: 230px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/a\/af\/Half_rim_glasses.JPG\/220px-Half_rim_glasses.JPG\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"122\" \/><p class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Victorrocha \u00b7 2008<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eben diese Rubrik-Schilder finde ich wieder bei der dritten Buchhandlungsadresse. Die Schilder sind ern\u00fcchternd, sehen aus wie mit Word gestaltet. Diese Buchhandlung hie\u00df doch fr\u00fcher anders, Mensch, man kommt gar nicht mehr mit bei all den Ver\u00e4nderungen. Au\u00dferdem fingen gleich rechts neben dem Eingang die literarischen Klassiker an, alphabetisch sortiert. Heute stehen an derselben Stelle Bestseller, nicht weit davon findet man Schl\u00fcsselanh\u00e4nger und Postkarten. Aber \u2013 es gibt eine Information, die ich unmittelbar ansteuere. Die auff\u00e4llig blondierte Mitf\u00fcnfzigerin l\u00e4sst von ihrer Arbeit am Computer nur ungern ab. Durch randlose Brillengl\u00e4ser fixiert sie mich, und ich erhalte eine hieb- und stichfeste Erkl\u00e4rung, weshalb es gesch\u00e4ftssch\u00e4digend sei, Literaturzeitschriften zu verkaufen. Beim Gro\u00dfh\u00e4ndler m\u00fcsste man da ja mehr als 10 oder 20 Exemplare bestellen, und davon w\u00fcrden dann 1 oder 2 verkauft &#8230; Fach-Zeitschriften h\u00e4tten sie allerdings im 3. Stock ganz viele. \u00bbAber Literatur ist doch auch ein Fach\u00ab, wende ich ein. \u00bbAch\u00ab, meint sie und schaut von ihrem etwas erh\u00f6hten Tresen auf mich herab, \u00bbdas m\u00fcssen Sie mir erst einmal BEWEISEN. Und was, bitte sehr, ist \u00fcberhaupt LITERATUR?\u00ab Das Wort hallt eindrucksvoll durch den Laden, in dem es um diese Uhrzeit von Kunden nur so wimmelt. Besch\u00e4mt, ja, geradezu niedergeschmettert, ziehe ich von dannen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die vierte<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Buchhandlung 4 \u2013 Lesungsplakate schm\u00fccken den Eingang, und ich erinnere mich an Berichte von begeisterten Kollegen: Hier finden gut moderierte, atmosph\u00e4risch dichte Literaturlesungen statt. Ich beginne mit der Suche im Untergeschoss; da ist so gut wie gar nichts los, und eine Frau erkl\u00e4rt mir, dass es so etwas (wenn \u00fcberhaupt) nur im Obergeschoss gebe, dass sie aber rein gar nichts vom Obergeschoss wisse. (Nur \u00bbLiteratuuren\u00ab, \u00bbLiteratuuren\u00ab, die gab es mal.) Ich also ins Obergeschoss, schie\u00dfe zur Kasse, weil mich Monitore beballern. (Mensch, das sind doch keine Monitore, das sind B\u00fccher, 50, 100 von einem Titel, Krimis, Regionalkrimis, nicht etwa R\u00fccken an R\u00fccken, sondern mit dem bunten Titelbild nach vorn, das flimmert nur so vor Augen \u2013 wie ein Bild von Andy Warhol.) Vielleicht kann die Frau an der Kasse mich retten, sie hat immerhin ein Schild an der Bluse, ein Schild, das WISSEN verspricht. \u00bbSchaun Sie mal da vorn am Ausgang, zwischen den Zeitungen.\u00ab Ich gehe zum Ausgang, da ruft sie noch etwas hinter mir her, ich drehe mich um \u2013 aber ach, sie hat blo\u00df gehustet; und am Ausgang finde ich Lettre<em><\/em>, ok, und zwei Exemplare von \u00bbBleitext<em><\/em>\u00ab \u2013 hinter einer Philosophiezeitschrift versteckt (und das hat man wohl nur dem aggressiven Vertriebspartner zu verdanken).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die f\u00fcnfte<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"https:\/\/encrypted.google.com\/maps\/vt\/data=Ay5GWBeob_WIPLDYoIWcfVXxvZu9XwJ55OX7Ag,iXYQEX6bEBhIhiNVfU92LcPVEAHJwyyQJL-xXM-NhWNb_9Dxhay1PP8ss83LWESI820VnBM4edsh9MDiwNnH2o6cbEYfN6pGIm9jZMPOJkQgX-jPtcTuMjStR_D1zmbaSA62ell1oZwFpHWvtvkJ7SupTk86fglIkL2wVN9U2XdCRbk\" alt=\"\" width=\"216\" height=\"148\" \/>Raus, raus aus der Stadt, und in die List (<em>den<\/em> Bildungsb\u00fcrgerstadtteil), zur f\u00fcnften Buchhandlung. Hier ist man auf anspruchsvolle Kinderliteratur spezialisiert, zumindest im Eingangsbereich. Ich trage die Frage nach Literaturzeitschriften vor. Und werde weitergeschickt zu einer netten Dame, die einen riesenhaften Katalog hat, in dem sie auch Zeitschriften nachschlagen kann. Der Katalog hat wohl mehrere tausend Seiten und zerfetzte Ecken und &#8230; hier h\u00e4tte ich nun wirklich das Internet vorgezogen. Aber die Frau ist ausgesprochen freundlich. Sie findet zwei Eintr\u00e4ge: \u00bbMatrix Biologic\u00ab <em><\/em> und \u00bbMatrix 3000\u00ab. Aber keine <em>Matrix 28<\/em>.<em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die sechste<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gern h\u00e4tte ich mich noch weiter umgeschaut, aber ich m\u00f6chte noch zur sechsten und letzten Buchhandlung f\u00fcr heute, ein St\u00fcck weiter stadtausw\u00e4rts, ob es die noch gibt? Hier kann man st\u00f6bern, der Laden ist klein, aber es gibt nur ausgew\u00e4hlte Titel. Die Buchh\u00e4ndlerin, eine Frau in schwarzen Gew\u00e4ndern, schleicht zwischen den Regalen umher und erschreckt mich von hinten. Ich m\u00f6chte sie gar nicht nach <em>Matrix<\/em> fragen, weil ich es doch zu traurig f\u00e4nde, wenn sie nein sagen m\u00fcsste. Ich brauche auch gar nicht fragen, denn in diesem Moment betritt eine Freundin von mir den Buchladen, die ich fl\u00fcsternd frage, und sie verneint. Nein, <em>Matrix<\/em> gibt\u2019s auch hier nicht. Ich berichte kurz von den Erlebnissen. \u00bbMensch, die f\u00fcnfte Buchhandlung hat doch sogar einen eigenen Verlag.\u00ab \u00bbJa, aber auch eine hochinteressante Auffassung davon, was eine Geschichte ist \u2013 und als Lyriker darfst du denen schon mal gar nicht kommen. Habe ich mal gemacht, o je.\u00ab \u00bbMensch, wir sind doch auch konservativ. Wie wir hier reden.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Hui<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Na, das Gespr\u00e4ch ist eh bald zu Ende, ich also nach Hause, <em>Matrix 28<\/em> <a href=\"http:\/\/www.pop-verlag.com\/edition-matrix\/aktuelle_ausgabe.htm\"><em><\/em> <span style=\"color: #000080;\">direkt beim Pop Verlag<\/span><\/a> in Ludwigsburg bestellt, hui, am n\u00e4chsten Tag schon kommt die buchdicke Ausgabe, deren Lekt\u00fcre mich tagelang in Atem h\u00e4lt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fchn Heute hatte ich eine \u203ak\u00fchne\u2039 Idee: Ich wollte nach \u00fcber zehn Jahren mal wieder eine Buchhandlung besuchen. Der Leser m\u00f6ge an dieser Stelle nicht glauben, dass ich eine Kulturbanausin bin. Weit gefehlt \u2013 ich schreibe selbst B\u00fccher. 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