{"id":57154,"date":"2020-04-28T00:01:44","date_gmt":"2020-04-27T22:01:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=57154"},"modified":"2024-12-27T07:13:31","modified_gmt":"2024-12-27T06:13:31","slug":"karl-kraus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/04\/28\/karl-kraus\/","title":{"rendered":"Karl Kraus"},"content":{"rendered":"\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Die Wucht dieser S\u00e4tze&#8230; auf das in einem frivol angezettelten Weltkrieg untergegangene Habsburgerreich wirkt auch noch hundert Jahre sp\u00e4ter.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Jens Malte Fischer<\/span><\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">\u00a0<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\" style=\"text-align: justify;\">I. Allmensch<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie laut wird alles.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Worte in Versen II<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Alte Stiche haben den Boten, der schreiend, mit gestr\u00e4ubten Haaren, ein Blatt in seinen H\u00e4nden schwingend, herbeieilt, ein Blatt, das voll von Krieg und Pestilenz, von Mordgeschrei und Weh, von Feuer- und Wassersnot, allerorten die \u00bbNeueste Zeitung\u00ab verbreitet. Eine Zeitung in solchem Sinn, in der Bedeutung, die das Wort bei Shakespeare hat, ist die \u00bbFackel\u00ab. Voll von Verrat, Erdbeben, Gift und Brand aus dem mundus intelligibilis. Der Ha\u00df, mit dem sie das unabsehbar wimmelnde Pre\u00dfgeschlecht verfolgt, ist mehr als ein sittlicher ein vitaler, wie ihn der Urahn auf ein Geschlecht entarteter Zwergenschlingel geworfen hat, die aus seinem Samen gekommen sind. Der Name \u00bb\u00d6ffentliche Meinung\u00ab schon ist ihm ein Greuel. Meinungen sind Privatsache. Die \u00d6ffentlichkeit hat ein Interesse nur an Urteilen. Sie ist richtende oder \u00fcberhaupt keine. Aber das ist ja gerade der Sinn der \u00f6ffentlichen Meinung, die die Presse herstellt, die \u00d6ffentlichkeit unf\u00e4hig zum Richten zu machen, die Haltung des Unverantwortlichen, Uninformierten ihr zu suggerieren. In der Tat, was sind selbst die pr\u00e4ziseren Informationen der Tageszeitungen im Vergleich zu der haarstr\u00e4ubenden Akribie, die die \u00bbFackel\u00ab an die Darstellung rechtlicher, sprachlicher und politischer Fakten wendet. Die \u00f6ffentliche Meinung braucht sie nicht zu k\u00fcmmern. Denn die bluttriefenden Neuigkeiten dieser \u00bbZeitung\u00ab fordern ihren Richtspruch heraus. Und gegen keinen mit ungest\u00fcmerem Dr\u00e4ngen als gegen die Presse selbst.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Ha\u00df, wie Kraus ihn auf die Journalisten geworfen hat, kann niemals so schlechthin in dem, was sie tun, fundiert sein \u2014 es mag so verwerflich sein wie es will; dieser Ha\u00df mu\u00df Gr\u00fcnde in ihrem Sein haben, mag es nun dem seinen so entgegengesetzt oder so verwandt sein wie immer. In der Tat ist aber beides der Fall. Die j\u00fcngste Darstellung des Journalisten charakterisiert ihn sogleich mit ihrem ersten Satze als \u00bbeinen Menschen, der f\u00fcr sich selbst und seine Existenz, wie \u00fcberhaupt f\u00fcr die blo\u00dfe Existenz der Dinge, wenig Interesse hat, sondern die Dinge erst in ihren Beziehungen sp\u00fcrt, vor allem dort, wo diese in Ereignissen aufeinandertreffen \u2014 und der in diesem Moment selbst erst zusammen\u00adgeschlosssen, wesenhaft und lebendig wird.\u00ab Was man mit diesem Satz in H\u00e4nden h\u00e4lt, ist nichts anderes als das Negativ des Bildes von Kraus. In der Tat: wer h\u00e4tte f\u00fcr sich selbst und seine Existenz ein brennenderes Interesse gezeigt als er, der nie von diesem Thema loskommt, wer f\u00fcr die blo\u00dfe Existenz der Dinge, ihren Ursprung, ein aufmerksameres, wen jenes Aufeinandertreffen des Ereignisses mit dem Datum, dem Augenzeugen oder der Kamera in hellere Verzweiflung versetzt als ihn? Endlich hat er seine gesamten Energien im Kampfe gegen die Phrase zusammengefa\u00dft, die der sprachliche Ausdruck der Willk\u00fcr ist, mit der die Aktualit\u00e4t im Journalismus sich zur Herrschaft \u00fcber die Dinge aufwirft.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das hellste Licht f\u00e4llt auf diese Seite seines Kampfes gegen die Presse aus dem Lebenswerk seines Mitstreiters Adolf Loos. Loos fand seine providenziellen Gegner in den Kunstgewerblern und Architekten, die sich im Kreise der \u00bbWiener Werkst\u00e4tten\u00ab um eine neue Kunstindustrie bem\u00fchten. Seine Parolen hat er in zahlreichen Aufs\u00e4tzen, in bleibender Formulierung zumal in dem Artikel \u00bbOrnament und Verbrechen\u00ab niedergelegt, der 1908 in der \u00bbFrankfurter Zeitung\u00ab erschienen ist. Der leuchtende Blitz, der in diesem Aufsatz gez\u00fcndet hat, beschrieb den sonderbarsten Zickzackweg. \u00bbBeim Lesen der Worte von Goethe, worin die Art der Banausen und so mancher Kunstkenner, Kupferstiche und Reliefs abzutasten, ger\u00fcgt wird, ist ihm die Erkenntnis aufgestiegen, da\u00df, was ber\u00fchrt werden soll, kein Kunstwerk sein darf, und was ein Kunstwerk ist, dem Zugriff entzogen sein mu\u00df.\u00ab Das erste Anliegen von Loos war es demnach, Kunstwerk und Gebrauchsgegenstand zu trennen, und so ist es das erste Anliegen von Kraus gewesen, Information und Kunstwerk auseinanderzuhalten. Der Schmock ist im Herzen eins mit dem Ornamentiker. Als Ornamentiker, als Verschleierer der Grenzen zwischen Journalismus und Dichtung, als Sch\u00f6pfer des Feuilletons in Poesie und Prosa ist Kraus nicht m\u00fcde geworden, Heine zu denunzieren, ja sp\u00e4terhin, als den Verr\u00e4ter des Aphorismus an die Impression, selbst Nietzsche ihm zur Seite zu stellen. \u00bbMeine Auffassung\u00ab, hei\u00dft es von diesem, \u00bbist, da\u00df er zur Mischung aus Elementen &#8230; der zersetzten europ\u00e4ischen Stile aus dem letzten Halbjahrhundert noch die Psychologie hinzugebracht hat, und da\u00df das neue Niveau der Sprache, das er geschaffen hat, das Niveau des Essayismus ist, wie das Heinesche das des Feuilletonismus.\u00ab Beide Formen erscheinen als Symptome der chronischen Krankheit, von welcher alle Einstellungen, alle Standpunkte nur die Fieberkurve bestimmen: der <em>Unechtheit<\/em>. Die Entlarvung des Unechten ist es, aus der dieser Kampf gegen die Presse entstand. \u00bbWer nur diese gro\u00dfe Entschuldigung: zu k\u00f6nnen, was man nicht ist, in die Welt gebracht hat?\u00ab<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Phrase. Sie ist aber eine Ausgeburt der Technik. \u00bbDer Zeitungsapparat verlangt, wie eine Fabrik, Arbeit und Absatzgebiete. Zu bestimmten Zeiten am Tage \u2014 zwei- bis dreimal in gro\u00dfen Zeitungen \u2014 mu\u00df f\u00fcr die Maschinen ein bestimmtes Quantum Arbeit beschafft und vorbereitet sein. Und nicht aus irgendwelchem Material: alles, was in der Zwischenzeit irgendwo und auf irgendeinem Gebiete des Lebens, der Politik, der Wirtschaft, der Kunst usw. geschah, mu\u00df inzwischen erreicht und journalistisch verarbeitet sein.\u00ab Oder, in gro\u00dfartiger Abbreviatur, bei Kraus: \u00bbEs sollte Aufschlu\u00df \u00fcber die Technik geben, da\u00df sie zwar keine neue Phrase bilden kann, aber den Geist der Menschheit in dem Zustand bel\u00e4\u00dft, die alte nicht entbehren zu k\u00f6nnen. In diesem Zweierlei eines ver\u00e4nderten Lebens und einer mitgeschleppten Lebensform lebt und w\u00e4chst das Welt\u00fcbel.\u00ab Mit einem Ruck sch\u00fcrzt Kraus in diesen Worten den Knoten, zu dem Technik und Phrase sich verbunden haben. Die L\u00f6sung freilich folgt einer anderen Schlinge: ihr ist der Journalismus durchweg Ausdruck der ver\u00e4nderten Funktion der Sprache in der hochkapitalistischen Welt. Die Phrase in dem von Kraus so unabl\u00e4ssig verfolgten Sinne ist das Warenzeichen, das den Gedanken verkehrsf\u00e4hig macht so wie die Floskel, als Ornament, ihm den Liebhaberwert verleiht. Aber gerade darum ist die Befreiung der Sprache identisch mit der der Phrase \u2014 ihrer Verwandlung aus einem Abdruck in ein Instrument der Produktion \u2014 geworden. Die \u00bbFackel\u00ab selbst enth\u00e4lt davon Modelle, wenn schon nicht die Theorie; ihre Formeln sind von der sch\u00fcrzenden, niemals von der l\u00f6senden Art. Die Verschr\u00e4nkung eines biblischen Pathos mit der halsstarrigen Fixierung an die Anst\u00f6\u00dfigkeiten des Wiener Lebens \u2014 das ist ihr Weg, sich den Ph\u00e4nomenen zu n\u00e4hern. Es gen\u00fcgt ihr nicht, die Welt zum Zeugen f\u00fcr das schlechte Benehmen eines Zahlkellners aufzurufen, sie mu\u00df die Toten aus ihren Gr\u00e4bern holen. \u2014 Mit Recht. Denn die mesquine, penetrante F\u00fclle dieser Wiener Caf\u00e9haus-, Pre\u00df- und Gesellschaftsskandale ist nur die unscheinbare Bekundung eines Vorherwissens, das dann pl\u00f6tzlich, schneller als irgendwer es gew\u00e4rtigen konnte, an seinen eigentlichen, fr\u00fchesten Gegenstand kam, um zwei Monate nach Kriegsausbruch ihn mit jener Rede \u00bbIn dieser gro\u00dfen Zeit\u00ab beim Namen zu nennen, mit der alle D\u00e4monen, die diesen Besessenen bev\u00f6lkert hatten, in die Sauherde seiner Zeitgenossenschaft hineinfuhren.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbIn dieser gro\u00dfen Zeit, die ich noch gekannt habe, wie sie so klein war; die wieder klein werden wird, wenn ihr dazu noch Zeit bleibt; und die wir, weil im Bereich organischen Wachstums derlei Verwandlung nicht m\u00f6glich ist, lieber als eine dicke Zeit und wahrlich auch schwere Zeit ansprechen wollen; in dieser Zeit, in der eben das geschieht, was man sich nicht vorstellen konnte, und in der geschehen mu\u00df, was man sich nicht mehr <em>vorstellen<\/em> kann, und k\u00f6nnte man es, es gesch\u00e4he nicht-; in dieser ernsten Zeit, die sich zu Tode gelacht hat vor der M\u00f6glichkeit, da\u00df sie ernst werden k\u00f6nnte; von ihrer Tragik \u00fcberrascht, nach Zerstreuung langt, und sich selbst auf frischer Tat ertappend nach Worten sucht; in dieser lauten Zeit, die da dr\u00f6hnt von der schauerlichen Symphonie der Taten, die Berichte hervorbringen, und der Berichte, welche Taten verschulden: in dieser da m\u00f6gen Sie von mir kein eigenes Wort erwarten. Keines au\u00dfer diesem, das eben noch Schweigen vor Mi\u00dfdeutung bewahrt. Zu tief sitzt mir die Ehrfurcht vor der Unab\u00e4nderlichkeit, Subordination der Sprache vor dem Ungl\u00fcck. In den Reichen der Phantasiearmut, wo der Mensch an seelischer Hungersnot stirbt, ohne den seelischen Hunger zu sp\u00fcren, wo Federn in Blut tauchen und Schwerter in Tinte, mu\u00df das, was nicht gedacht wird, getan werden, aber ist das, was nur gedacht wird, unaussprechlich. Erwarten Sie von mir kein eigenes Wort. Weder verm\u00f6chte ich ein neues zu sagen; denn im Zimmer, wo einer schreibt, ist der L\u00e4rm so gro\u00df, und ob er von Tieren kommt, von Kindern oder nur von M\u00f6rsern, man soll es jetzt nicht entscheiden. Wer Taten zuspricht, sch\u00e4ndet Wort und Tat und ist zweimal ver\u00e4chtlich. Der Beruf dazu ist nicht ausgestorben. Die jetzt nichts zu sagen haben, weil die Tat das Wort hat, sprechen weiter. Wer etwas zu sagen hat, trete vor und schweige!\u00ab Diese Bewandtnis hat es mit allem, was Kraus schrieb: es ist ein gewendetes Schweigen, ein Schweigen, dem der Sturm der Ereignisse in seinen schwarzen Umhang f\u00e4hrt, ihn aufwirft und das grelle Futter nach au\u00dfen kehrt. Der F\u00fclle seiner Anl\u00e4sse ungeachtet, scheint jeder einzelne \u00fcberraschend mit der Pl\u00f6tzlichkeit eines Windsto\u00dfes auf ihn hereingebrochen. Alsbald tritt ein pr\u00e4ziser Apparat zu seiner Bew\u00e4ltigung in T\u00e4tigkeit: mit dem Ineinandergreifen von m\u00fcndlicher und schriftlicher Ausdrucksform wird jede Situation in ihren polemischen M\u00f6glichkeiten bis auf den Grund ausgesch\u00f6pft. Mit welchen Kautelen Kraus sich dabei umgibt, ist aus dem Stacheldraht redaktioneller Bekanntmachungen, der jedes Heft der \u00bbFackel\u00ab umz\u00e4unt, genau so ersichtlich wie aus den messerscharfen Definitionen und Vorbehalten in den Programmen und den Konferencen seiner Vorlesungen \u00bbaus eigenen Schriften\u00ab. Die Dreiheit: Schweigen, Wissen, Geistesgegenwart konstituiert die Figur des Polemikers Kraus. Sein Schweigen ist ein Stauwerk, vor dem das spiegelnde Bassin seines Wissens sich st\u00e4ndig vertieft. Seine Geistesgegenwart l\u00e4\u00dft sich keine Frage stellen, sie ist niemals willens, Grunds\u00e4tzen, die einer ihr entgegenh\u00e4lt, zu entsprechen. Ihr erstes ist vielmehr, die Situation abzumontieren, die wahre Fragestellung, welche sie enth\u00e4lt, zu entdecken und sie statt aller Antwort dem Gegner zu pr\u00e4sentieren. Wenn man bei Johann Peter Hebel die konstruktive, sch\u00f6pferische Seite des Takts in ihrer h\u00f6chsten Entfaltung findet, so bei Kraus die destruktive und kritische. F\u00fcr beide aber ist der Takt moralische Geistesgegenwart \u2014 Stoessl sagt \u00bbin Dialektik verfeinerte Gesinnung\u00ab \u2014 und Ausdruck einer unbekannten Konvention, die wichtiger ist als die anerkannte. Kraus lebt in einer Welt, in der die \u00e4rgste Schandtat noch ein faux-pas ist; im Monstr\u00f6sen unterscheidet er noch und zwar gerade darum, weil sein Ma\u00dfstab nie der der b\u00fcrgerlichen Wohlanst\u00e4ndigkeit ist, der oberhalb der Grenzlinie hausbackener Schurkerei so schnell der Atem ausgeht, da\u00df sie zu keiner Auffassung weltgeschichtlicher mehr imstande ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Kraus hat diesen Ma\u00dfstab schon immer gekannt und im \u00fcbrigen gibt es f\u00fcr wahren Takt keinen andern. Es ist ein theologischer. Denn Takt ist nicht etwa \u2014\u00a0wie nach der Vorstellung Befangener \u2014 die Gabe, jedem unter Abw\u00e4gung aller Verh\u00e4ltnisse das ihm gesellschaftlich Geb\u00fchrende werden zu lassen. Im Gegenteil: Takt ist die F\u00e4higkeit, gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse, doch ohne von ihnen abzugehen, als Naturverh\u00e4ltnisse, ja selbst als paradiesische zu behandeln und so nicht nur dem K\u00f6nig, als w\u00e4re er mit der Krone auf der Stirne geboren, sondern auch dem Lakaien wie einem livrierten Adam entgegenzukommen. Diese Noblesse hat Hebel in seiner Priesterhaltung besessen, Kraus besitzt sie im Harnisch. Sein Kreaturbegriff enth\u00e4lt die theologische Erbmasse von Spekulationen, die zum letzten Mal im 17. Jahrhundert aktuelle, gesamteurop\u00e4ische Geltung besessen haben. Am theologischen Kern dieses Begriffs aber hat sich eine Wandlung vollzogen, die ihn ganz zwanglos in dem allmenschlichen Kredo \u00f6sterreichischer Weltlichkeit aufgehen lie\u00df, das die Sch\u00f6pfung zur Kirche machte, in der man nichts mehr als hin und wieder ein leises Weihraucharoma der Nebel an den Ritus gemahnt. Dieses Kredo hat am g\u00fcltigsten Stifter gepr\u00e4gt und sein Widerhall wird \u00fcberall da vernehmlich, wo Kraus mit Tieren, Pflanzen, Kindern sich befa\u00dft. \u00bbDas Wehen der Luft,\u00ab schreibt Stifter, \u00bbdas Rieseln des Wassers, das Wachsen der Getreide, das Wogen des Meeres, das Gr\u00fcnen der Erde, das Gl\u00e4nzen des Himmels, das Schimmern der Gestirne halte ich f\u00fcr gro\u00df: das pr\u00e4chtig einherziehende Gewitter, den Blitz, welcher H\u00e4user spaltet, den Sturm, der die Brandung treibt, den feuerspeienden Berg, das Erdbeben, welches L\u00e4nder versch\u00fcttet, halte ich nicht f\u00fcr gr\u00f6\u00dfer als obige Erscheinungen, ja ich halte sie f\u00fcr kleiner, weil sie nur Wirkungen viel h\u00f6herer Gesetze sind &#8230; Da die Menschen in der Kindheit waren, ihr geistiges Auge von der Wissenschaft noch nicht ber\u00fchrt war, wurden sie von dem Nahestehenden und Auff\u00e4lligen ergriffen und zu Furcht und Bewunderung hingerissen: aber als ihr Sinn ge\u00f6ffnet wurde, da der Blick sich auf den Zusammenhang zu richten begann, so sanken die einzelnen Erscheinungen immer tiefer, und es erhob sich das Gesetz immer h\u00f6her, die Wunderbarkeiten h\u00f6rten auf, das Wunder nahm zu &#8230; So wie in der Natur die allgemeinen Gesetze still und unaufh\u00f6rlich wirken, und das Auff\u00e4llige nur eine einzelne \u00c4u\u00dferung dieser Gesetze ist, so wirkt das Sittengesetz still und seelenbelebend durch den unendlichen Verkehr der Menschen mit Menschen, und die Wunder des Augenblickes bei vorgefallenen Taten sind nur kleine Merkmale dieser allgemeinen Kraft.\u00ab Stillschweigend ist in diesen ber\u00fchmten S\u00e4tzen das Heilige dem bescheidenen, doch bedenklichen Begriff des Gesetzes gewichen. Aber transparent genug ist diese Natur Stifters und seine Sittenwelt, um mit der kantischen ganz unverwechselbar und in ihrem Kern als Kreatur erkennbar zu bleiben. Und jene schn\u00f6de s\u00e4kularisierten Gewitter und Blitze, St\u00fcrme, Brandungen und Erdbeben \u2014 der Allmensch hat sie der Sch\u00f6pfung wieder zur\u00fcckgewonnen, indem er sie zu deren weltgerichtlicher Antwort auf das frevelhafte Dasein der Menschen gemacht hat. Nur da\u00df die Spanne zwischen Sch\u00f6pfung und Weltgericht hier keine heilsgeschichtliche Erf\u00fcllung, geschweige denn geschichtliche \u00dcberwindung findet. Denn wie die Landschaft \u00d6sterreichs schwellenlos die begl\u00fcckende Breite der stifterschen Prosa erf\u00fcllt, so sind ihm, Kraus, die Schreckensjahre seines Lebens nicht Geschichte, sondern Natur, ein Flu\u00df, verurteilt durch eine H\u00f6llenlandschaft sich zu winden. Es ist die Landschaft, in der t\u00e4glich 50 000 Baumst\u00e4mme f\u00fcr 60 Zeitungen fallen. Kraus hat diese Information unter dem Titel \u00bbDas Ende\u00ab gebracht. Denn da\u00df die Menschheit im Kampfe gegen die Kreatur den k\u00fcrzeren zieht, das ist ihm so gewi\u00df wie da\u00df die Technik, einmal gegen die Sch\u00f6pfung ins Feld gef\u00fchrt, auch vor ihrem Herrn nicht haltmachen wird. Sein Defaitismus ist von \u00fcbernationaler, n\u00e4mlich planetarischer Art und die Geschichte f\u00fcr ihn nur die Ein\u00f6de, die sein Geschlecht von der Sch\u00f6pfung trennt, deren letzter Aktus der Weltbrand ist. Als \u00dcberl\u00e4ufer in das Lager der Kreatur \u2014 so durchmi\u00dft er diese Ein\u00f6de. \u00bbUnd nur das Tier, das Menschlichem erliegt, | ist Held des Lebens\u00ab: nie hat das altv\u00e4terische Kredo Adalbert Stifters eine so finstere, heraldische Pr\u00e4gung erfahren.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kreatur ist es, in deren Namen Kraus immer wieder dem Tier und \u00bbdem Herzen aller Herzen, jenem des Hundes\u00ab sich zuneigt, f\u00fcr ihn der wahre Tugendspiegel der Sch\u00f6pfung, in welchem Treue, Reinheit, Dankbarkeit uns aus verlorener Zeitenferne her\u00fcberl\u00e4cheln. Wie beklagenswert, da\u00df sich Menschen an dessen Stelle setzen! Das sind die Anh\u00e4nger. Mehr und lieber als um den Meister scharen sie sich mit unsch\u00f6nem Wittern um den zu Tode getroffenen Gegner. Gewi\u00df, der Hund ist nicht umsonst das emblematische Tier dieses Autors: der Hund, der ideale Fall des Anh\u00e4ngers, der nichts ist au\u00dfer ergebene Kreatur. Und je pers\u00f6nlicher und unbegr\u00fcndeter diese Ergebenheit, um so besser. Kraus hat recht, sie auf die h\u00e4rteste Probe zu stellen. Wenn aber etwas das unendlich Fragw\u00fcrdige dieser Gesch\u00f6pfe zum Ausdruck bringt, so ist es, da\u00df sie allein aus denen sich rekrutieren, die Kraus selber geistig erst ins Leben gerufen, die er in ein und demselben Akt zeugte und \u00fcberzeugte. Bestimmen kann sein Zeugnis nur die, denen es Zeugung nie werden kann.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00f6chst folgerecht, wenn der verarmte, reduzierte Mensch dieser Tage, der Zeitgenosse, nur noch in jener verk\u00fcmmertsten Form: als Privatmann, im Tempel der Kreatur eine Freistatt verlangen darf. Wieviel Verzicht und wieviel Ironie liegt in dem sonderbaren Kampfe f\u00fcr die \u00bbNerven\u00ab, die letzten Wurzelf\u00e4serchen des Wieners, an denen Kraus noch Muttererde entdecken konnte. \u00bbKraus\u00ab, schreibt Robert Scheu, \u00bbhatte einen gro\u00dfen Gegenstand entdeckt, der nie zuvor die Feder eines Publizisten in Bewegung gesetzt hat: Die Rechte der Nerven. Er fand, da\u00df sie ein ebenso w\u00fcrdiger Gegenstand einer begeisterten Verteidigung seien wie Eigentum, Haus und Hof, Partei und Staatsgrundgesetz. Er wurde der Anwalt der Nerven und nahm den Kampf gegen die kleinen Bel\u00e4stiger des Alltags auf, aber der Gegenstand wuchs ihm unter den H\u00e4nden, er wurde zum Problem des Privatlebens. Es ist zu verteidigen gegen Polizei, Presse, Moral und Begriffe, schlie\u00dflich \u00fcberhaupt gegen den Nebenmenschen, immer neue Feinde zu entdecken, wurde sein Beruf.\u00ab Wenn irgendwo, tritt hier das seltsame Wechselspiel zwischen reaktion\u00e4rer Theorie und revolution\u00e4rer Praxis zutage, dem man bei Kraus allerorten begegnet. In der Tat, das Privatleben gegen Moral und Begriffe zu sichern in einer Gesellschaft, die die politische Durchleuchtung von Sexualit\u00e4t und Familie, von wirtschaftlicher und physischer Existenz unternommen hat, in einer Gesellschaft, die sich anschickt, H\u00e4user mit gl\u00e4sernen W\u00e4nden zu bauen, deren Terrassen sich tief in die Stuben hineinziehen, die nun schon keine Stuben mehr sind \u2014 diese Parole w\u00e4re die reaktion\u00e4rste, w\u00e4re es nicht gerade dasjenige Privatleben, das im Gegensatze zum b\u00fcrgerlichen dieser gesellschaftlichen Umw\u00e4lzung streng entspricht, mit einem Worte, das sich selber abmontierende, sich selber offenkundig gestaltende Privatleben der Armen, wie Peter Altenberg, der Aufwiegler, wie Adolf Loos einer war, dessen Schutz Kraus zu seiner Sache gemacht hat. In diesem Kampfe \u2014 und nur in ihm \u2014 haben denn auch die Anh\u00e4nger ihren Nutzen, indem n\u00e4mlich gerade sie \u00fcber die Anonymit\u00e4t, in die der Satiriker seine Privatexistenz zu schlie\u00dfen versuchte, am selbstherrlichsten sich hinwegsetzen, und nichts gebietet ihnen Einhalt als der Entschlu\u00df, mit dem Kraus selber vor die Schwelle tritt, um die Honneurs der Ruine zu machen, in der er \u00bbPrivatmann\u00ab ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">So entschieden er dann, wenn der Kampf es fordert, sein eigenes Dasein zur \u00f6ffentlichen Sache zu machen wei\u00df, so r\u00fccksichtslos ist er seit jeher jener Unterscheidung pers\u00f6nlicher von sachlicher Kritik entgegengetreten, mit deren Hilfe die Polemik diskreditiert wird und die ein Hauptinstrument der Korruption in unseren literarischen und politischen Verh\u00e4ltnissen ist. Da\u00df Kraus sich an Personen, dem, was sie sind mehr als was sie tun, dem, was sie sagen mehr als dem, was sie schreiben und an ihren B\u00fcchern am wenigsten ausrichtet, das ist die Voraussetzung seiner polemischen Autorit\u00e4t, die die Geisteswelt eines Autors, und je nichtiger diese ist um so sicherer, im Vertrauen auf eine wahrhaft pr\u00e4stabilierte, vers\u00f6hnende Harmonie voll und intakt aus einem einzigen Satzst\u00fcck, einem einzigen Worte, einer einzigen Intonation zu heben versteht. Wie aber Pers\u00f6nliches und Sachliches nicht nur im Gegner, sondern vor allem in ihm selber zusammenf\u00e4llt, beweist am besten, da\u00df er nie eine Meinung vertritt. Denn Meinung ist die falsche Subjektivit\u00e4t, die sich von der Person abheben, dem Warenumlauf einverleiben l\u00e4\u00dft. Nie hat Kraus eine Argumentation gegeben, die ihn nicht mit seiner ganzen Person engagiert h\u00e4tte. So verk\u00f6rpert er das Geheimnis der Autorit\u00e4t: nie zu entt\u00e4uschen. Es gibt kein Ende der Autorit\u00e4t als dieses: sie stirbt oder sie entt\u00e4uscht. Ganz und gar nicht wird sie von dem, was alle anderen meiden m\u00fcssen, angefochten: der eigenen Willk\u00fcr, Ungerechtigkeit, Inkonsequenz. Im Gegenteil, entt\u00e4uschend w\u00e4re, feststellen zu k\u00f6nnen, wie sie zu ihren Spr\u00fcchen kommt \u2014 etwa durch Billigkeit oder gar Konsequenz. \u00bbF\u00fcr den Mann\u00ab, hat Kraus einmal gesagt, \u00bbist das Rechthaben keine erotische Angelegenheit, und er zieht das fremde Recht dem eigenen Unrecht gut und gern vor.\u00ab Darin sich m\u00e4nnlich zu bew\u00e4hren, ist Kraus versagt; sein Dasein will es, da\u00df bestenfalls die fremde Rechthaberei sich seinem eigenen Unrecht entgegensetzt, und wie recht hat er dann, an ihm festzuhalten. \u00bbViele werden einst Recht haben. Es wird aber Recht von dem Unrecht sein, das ich heute habe.\u00ab Das ist die Sprache echter Autorit\u00e4t. Der Einblick in ihr Wirken darf nur auf Eines sto\u00dfen: den Befund, da\u00df sie sich selbst im gleichen Grad verbindlich, gnadenlos verbindlich ist wie den andern, da\u00df sie nicht m\u00fcde wird, vor sich \u2014 vor andern niemals \u2014 zu zittern, da\u00df sie kein Ende findet, sich selbst zu gen\u00fcgen, vor sich selber sich zu verantworten und da\u00df diese Verantwortung niemals aus der privaten Konstitution, ja selbst den Grenzen menschlichen Verm\u00f6gens ihre Gr\u00fcnde nimmt, sondern immer nur aus der Sache, sie mag so ungerecht, privat betrachtet sein, wie sie wolle.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Kennzeichen solcher unumschr\u00e4nkten Autorit\u00e4t ist seit jeher die Vereinigung legislativer und exekutiver Gewalt. Sie ist aber nirgends inniger als in der \u00bbSprachlehre\u00ab. Daher ist diese bei Kraus der entschiedenste Ausdruck seiner Autorit\u00e4t. Unerkannt wie Harun al Raschid durchstreift er bei Nacht die Satzbauten der Journale und hinter der starren Fassade der Phrasen sp\u00e4ht er ins Innere, entdeckt er in den Orgien der \u00bbschwarzen Magie\u00ab die Sch\u00e4ndung, das Martyrium der Worte: \u00bbIst die Presse ein Bote? Nein: das Ereignis. Eine Rede? Nein, das Leben. Sie erhebt nicht nur den Anspruch, da\u00df die wahren Ereignisse ihre Nachrichten \u00fcber die Ereignisse seien, sie bewirkt auch diese unheimliche Identit\u00e4t, durch welche immer der Schein entsteht, da\u00df Taten zuerst berichtet werden, ehe sie verrichtet werden, oft auch die M\u00f6glichkeit davon, und jedenfalls der Zustand, da\u00df zwar Kriegsberichterstatter nicht zuschauen d\u00fcrfen, aber Krieger zu Berichterstattern werden. In diesem Sinne lasse ich mir gern nachsagen, da\u00df ich mein Lebtag die Presse \u00fcbersch\u00e4tzt habe. Sie ist kein Dienstmann \u2014 wie k\u00f6nnte ein Dienstmann auch so viel verlangen und bekommen \u2014, sie ist das Ereignis. Wieder ist uns das Instrument \u00fcber den Kopf gewachsen. Wir haben den Menschen, der die Feuersbrunst zu melden hat und der wohl die untergeordnetste Rolle im Staat spielen m\u00fc\u00dfte, \u00fcber die Welt gesetzt, \u00fcber den Brand und \u00fcber das Haus, \u00fcber die Tatsache und \u00fcber unsere Phantasie.\u00ab Autorit\u00e4t und Wort gegen Korruption und Magie \u2014 so sind in diesem Kampf die Parolen verteilt. Es ist nicht m\u00fc\u00dfig, ihm die Prognose zu stellen. Niemand, und Kraus am wenigsten, kann der Utopie einer \u00bbsach\u00adlichen\u00ab Zeitung, dem Hirngespinst einer \u00bbunparteiischen Nachrichten\u00ad\u00fcbermittlung\u00ab sich \u00fcberlassen. Die Zeitung ist ein Instrument der Macht. Sie kann ihren Wert nur von dem Charakter der Macht haben, die sie bedient; nicht nur in dem, was sie vertritt, auch in dem, wie sie es tut, ist sie ihr Ausdruck. Wenn aber der Hochkapitalismus nicht nur ihre Zwecke, sondern auch ihre Mittel entw\u00fcrdigt, so ist eine neue Bl\u00fcte paradiesischer Allmenschlichkeit von einer ihm obsiegenden Macht so wenig zu gew\u00e4rtigen, wie eine Nachbl\u00fcte goethescher oder claudiusscher Sprache. Von der herrschenden wird sie zu allererst darin sich unterscheiden, da\u00df sie Ideale, die jene entw\u00fcrdigte, au\u00dfer Kurs setzt. Genug, um zu ermessen, wie wenig Kraus bei solchem Kampf zu gewinnen oder zu verlieren, wie unbeirrt die \u00bbFackel\u00ab ihn zu erleuchten h\u00e4tte. Den immer gleichen Sensationen, mit denen die Tagespresse ihrem Publikum dient, stellt er die ewig neue \u00bbZeitung\u00ab gegen\u00fcber, die von der Geschichte der Sch\u00f6pfung zu melden ist: die ewig neue, die unausgesetzte Klage.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\" style=\"text-align: justify;\">II. D\u00e4mon<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Hab&#8216; ich geschlafen? Eben schlaf ich ein.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Worte in Versen IV<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist tief in der Erscheinung von Kraus begr\u00fcndet und ist das Stigma jeder ihn betreffenden Debatte, da\u00df alle apologetischen Argumente fehlgreifen. Das gro\u00dfe Werk von Leopold Liegler ist aus apologetischer Haltung erwachsen. Kraus als \u00bbethische Pers\u00f6nlichkeit\u00ab zu beglaubigen, ist sein erstes Vorhaben. Das geht nicht. Der dunkle Grund, von dem sein Bild sich abhebt, ist nicht die Zeitgenossenschaft, sondern die Vorwelt oder die Welt des D\u00e4mons. Das Licht vom Sch\u00f6pfungstage f\u00e4llt auf ihn, und so taucht er aus dieser Nacht. Doch nicht an allen Teilen, und es bleiben andere, die sind ihr tiefer als man ahnt verhaftet. Ein Auge, das sich ihr nicht akkommodieren kann, wird den Umri\u00df dieser Gestalt nie gewahr werden. Ihm werden alle Winke verschwendet sein, die Kraus, in seinem unbezwinglichen Bed\u00fcrfnis, gewahrt zu werden, zu vergeben nicht m\u00fcde wird. Denn wie im M\u00e4rchen hat der D\u00e4mon in Kraus die Eitelkeit zu seinem Wesensausdruck gemacht. Auch die Einsamkeit des D\u00e4mons ist seine, der da auf dem versteckten H\u00fcgel sich toll geb\u00e4rdet: \u00bbGott sei Dank, da\u00df niemand wei\u00df, da\u00df ich Rumpelstilzchen hei\u00df.\u00ab Wie dieser tanzende D\u00e4mon niemals zur Ruhe kommt, so unterh\u00e4lt in Kraus exzentrische Reflexion den best\u00e4ndigsten Aufruhr. \u00bbPatienten seiner Gaben\u00ab hat ihn Viertel genannt. In der Tat, seine F\u00e4higkeiten sind Leiden, und \u00fcber die wahren hinaus macht seine Eitelkeit ihn zum Hypochonder.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Spiegelt er sich nicht in sich selber, so tut er&#8217;s im Gegner, den er zu seinen F\u00fc\u00dfen hat. Seine Polemik ist ja von jeher die innigste Verschr\u00e4nkung einer, mit den vorgeschrittensten Mitteln arbeitenden, Entlarvungstechnik und einer, mit archaischen operierenden, Kunst des Selbstausdrucks. Auch in dieser Zone aber bekundet, durch Zweideutigkeit, sich der D\u00e4mon: Selbstausdruck und Entlarvung gehen in ihr als Selbstentlarvung ineinander \u00fcber. Wenn Kraus gesagt hat: \u00bbAntisemitismus hei\u00dft jene Sinnesart, die etwa den zehnten Teil der Vorw\u00fcrfe aufbietet und ernst meint, die der B\u00f6rsenwitz gegen das eigene Blut parat hat\u00ab, so gibt er das Schema, nach dem auch das Verh\u00e4ltnis seiner Gegner zu ihm selbst sich gestaltet. Es gibt keinen Vorwurf gegen ihn, keine Schm\u00e4hung seiner Person, deren legitimste Formulierung sie nicht seinen eigenen Schriften, und in ihnen den Stellen entnehmen k\u00f6nnten, da die Selbstbespiegelung zur Selbstbewunderung sich steigert. Kein Preis ist ihm zu hoch, von sich reden zu machen, und immer gibt der Erfolg dieser Spekulation ihm recht. Wenn Stil die Macht ist, in den L\u00e4ngen und Breiten des Sprachdenkens sich zu ergehen, ohne darum ins Banale zu fallen, so erwirbt ihn zumeist die Herzkraft gro\u00dfer Gedanken, welche das Sprachblut durchs Ge\u00e4der der Syntax in die abgelegensten Glieder treibt. Ohne da\u00df bei Kraus nun solche Gedanken sich einen Augenblick lang verkennen lie\u00dfen, ist doch die Herzkraft seines Stils das Bild, wie er es selbst von sich im Innern tr\u00e4gt, um es aufs schonungsloseste zu exponieren. Ja, er ist eitel. So hat ihn, wie er huschend, mit unsteten S\u00e4tzen, das Podium einer Vorlesung zu gewinnen, den Raum durchmi\u00dft, Karin Michaelis geschildert. Und wenn er dann seiner Eitelkeit opfert \u2014 er m\u00fc\u00dfte nicht der D\u00e4mon sein, der er ist, w\u00e4re es nicht zuletzt er selber, sein Leben und sein Leiden, die er mit allen Wunden, allen Bl\u00f6\u00dfen preisgibt. So kommt sein Stil zustande und mit ihm der typische Fackelleser, dem noch im Nebensatz, in der Partikel, ja im Komma stumme Fetzen und Fasern von Nerven zucken, am abgelegensten und trockensten Faktum noch ein St\u00fcck des geschundenen Fleisches h\u00e4ngt. Die Idiosynkrasie als h\u00f6chstes kritisches Organ \u2014 das ist die verborgene Zweckm\u00e4\u00dfigkeit dieser Selbstbespiegelung und der H\u00f6Uenzustand, den nur ein Schriftsteller kennt, f\u00fcr den jeder Akt der Befriedigung zugleich zu einer Station des Martyriums wird und welchen neben Kraus kein einziger so durchlebt hat wie Kierkegaard.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbIch bin\u00ab, hat Kraus gesagt, \u00bbvielleicht der erste Fall eines Schreibers, der sein Schreiben zugleich schauspielerisch erlebt\u00ab und weist mit diesem Wort der eigenen Eitelkeit den legitimsten Ort an: den im Mimen. Das mimische Genie, das in der Glosse nachmacht, in der Polemik Fratzen schneidet, entfesselt sich festlich in den Vorlesungen von Dramen, deren Urheber nicht umsonst eine eigent\u00fcmliche Mittelstellung einnehmen: Shakespeare und Nestroy, Dichter und Schauspieler; Offenbach, Komponist und Dirigent. Es ist, als suchte der D\u00e4mon des Mannes die bewegte, von allen Blitzen der Improvisation durchzuckte Atmosph\u00e4re dieser Dramen, weil nur sie ihm die tausend Chancen bietet, neckend, qu\u00e4lend, drohend, hervorzuschie\u00dfen. Die eigene Stimme macht darin die Probe auf den d\u00e4monischen Personen\u00adreichtum des Vortragenden \u2014 persona: das, wohindurch es hallt \u2014 und um die Fingerspitzen schie\u00dfen die Geb\u00e4rden der Gestalten, welche in seiner Stimme wohnen. Aber auch im Verh\u00e4ltnis zu den Gegenst\u00e4nden seiner Polemik spielt das Mimische eine entscheidende Rolle. Er macht den Partner nach, um in den feinsten Fugen seiner Haltung das Brecheisen des Hasses anzusetzen. Dieser Silbenstecher, der zwischen die Silben sticht, holt Larven, die da nisten, zu Klumpen heraus, die Larven der K\u00e4uflichkeit und der Geschw\u00e4tzigkeit, der Niedertracht und der Bonhomie, der Kinderei und der Habsucht, der Verfressenheit und der Hinterlist. In der Tat, die Blo\u00dfstellung des Unechten \u2014 schwieriger als die des Schlechten \u2014 kommt hier behavioristisch zustande. Die Zitate der \u00bbFackel\u00ab sind mehr als Belegstellen: Requisiten von mimischen Entlarvungen durch den Zitierenden. Freilich gerade in diesem Zusammenhang tritt zutage, wie eng verbunden mit der Grausamkeit des Satirikers die zweideutige Demut des Interpreten ist, die sich im Vorleser bis zum Unfa\u00dflichen steigert. In einen hineinkriechen \u2014 so bezeichnet man nicht umsonst die niederste Stufe der Schmeichelei, und eben das tut Kraus: n\u00e4mlich um zu vernichten. Ist H\u00f6flichkeit hier Mimikry des Hasses, Ha\u00df Mimikry der H\u00f6flichkeit geworden? Wie dem auch sei, beide sind auf der Stufe der Vollendung, der chinesischen angelangt. Die \u00bbQual\u00ab, von der so viel und in so undurchsichtigen Anspielungen bei Kraus die Rede ist, hat hier ihren Sitz. Seine Proteste gegen Zuschriften, Materialien, Dokumente sind nichts als die Abwehrreaktion eines Mannes, der in Komplizit\u00e4ten verstrickt werden soll. Was ihn dergestalt verstrickt, ist aber mehr noch als das Tun und Lassen die Sprache seiner Mitmenschen. Seine Leidenschaft, sie zu imitieren, ist Ausdruck f\u00fcr und Kampf gegen diese Verstrickung zugleich, auch Grund und Folge jenes immer wachen Schuldbewu\u00dftseins, in dem allein der D\u00e4mon sein Element hat. Der Haushalt seiner Irrt\u00fcmer und seiner Schw\u00e4chen \u2014 mehr Wunderbau als die Gesamtheit seiner Gaben \u2014 ist von so feiner und pr\u00e4ziser Organisation, da\u00df jede Best\u00e4tigung von au\u00dfen ihn nur ersch\u00fcttert. Nun gar, wenn dieser Mann als \u00bbVorbild eines harmonisch durchgebildeten Menschentypus\u00ab beglaubigt werden, wenn er- mit einer stilistisch und gedanklich gleich absurden Wendung \u2014 als Philanthrop erscheinen soll, so da\u00df, wer seiner \u00bbH\u00e4rte mit den Ohren der Seele\u00ab lausche, in Mitgef\u00fchl ihren Grund finde. Nein! diese unbestechliche, eingreifende, wehrhafte Sicherheit kommt nicht aus jener edlen, dichterischen oder menschenfreundlichen Gesinnung, der die Anh\u00e4nger sie gern zuschreiben. Wie h\u00f6chst banal und wie grundfalsch zugleich ihre Herleitung seines Hasses aus Liebe, da doch auf der Hand liegt, wieviel Urspr\u00fcnglicheres am Werke ist: eine Menschlichkeit, die nur der \u00dcbergang von Bosheit in Sophistik, von Sophistik in Bosheit, eine Natur, die die hohe Schule des Menschenhasses, und ein Mitleid, das nur verschr\u00e4nkt mit Rache lebendig ist: \u00bbO h\u00e4tte man mir die Wahl gelassen, | den Hund oder den Schl\u00e4chter zu tranchieren, | ich h\u00e4tt&#8216; gew\u00e4hlt!\u00ab Nichts widersinniger, als nach dem Bilde dessen, was er liebt, ihn formen zu wollen. Mit Recht hat man den \u00bbzeitentbundenen Weltverst\u00f6rer\u00ab Kraus dem \u00bbewigen Weltverbesserer\u00ab konfrontiert, den hin und wieder wohlgef\u00e4llige Blicke streifen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbAls das Zeitalter Hand an sich legte, war er diese Hand\u00ab, hat Brecht gesagt. Weniges behauptet sich neben dieser Erkenntnis und sicher nicht das Freundeswort von Adolf Loos. \u00bbKraus\u00ab, so erkl\u00e4rt er, \u00bbsteht an der Schwelle einer neuen Zeit\u00ab. Ach, durchaus nicht. \u2014 Er steht n\u00e4mlich an der Schwelle des Weltgerichts. Wie auf den Prunkst\u00fccken barocker Altarmalerei die hart an den Rahmen gedr\u00e4ngten Heiligen abwehrend gespreizte H\u00e4nde gegen die atemraubenden Verk\u00fcrzungen vor ihnen schwebender Extremit\u00e4ten der Engel, der Verkl\u00e4rten, der Verdammten strecken, so dr\u00e4ngt auf Kraus die ganze Weltgeschichte in den Extremit\u00e4ten einer einzigen Lokalnotiz, einer einzigen Phrase, eines einzigen Inserats ein. Das ist das Erbe, das ihm aus der Predigt von Abraham a Santa Clara \u00fcberkommen ist. Von daher jene N\u00e4he, die sich \u00fcberschl\u00e4gt, jene Schlagfertigkeit des ganz und gar nicht kontemplativen Nu und die Verschr\u00e4nkung, welche seinem Wollen einzig den theoretischen, seinem Wissen einzig den praktischen Ausdruck erlaubt. Kraus ist kein historischer Genius. Er steht nicht an der Schwelle einer neuen Zeit. Kehrt er der Sch\u00f6pfung je den R\u00fccken, bricht er ab mit Klagen, so ist es nur, um vor dem Weltgericht anzuklagen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Man versteht nichts von diesem Manne, solange man nicht erkennt, da\u00df mit Notwendigkeit alles, ausnahmslos alles, Sprache und Sache, f\u00fcr ihn sich in der Sph\u00e4re des Rechts abspielt. Seine ganze feuerfressende, degen\u00adschluckende Philologie der Journale geht ja ebensosehr wie der Sprache dem Recht nach. Man begreift seine \u00bbSprachlehre\u00ab nicht, erkennt man sie nicht als Beitrag zur Sprachproze\u00dfordnung, begreift das Wort des anderen in seinem Munde nur als corpus delicti und sein eigenes nur als das richtende. Kraus kennt kein System. Jeder Gedanke hat seine eigene Zelle. Aber jede Zelle kann im Nu, und scheinbar durch ein Nichts veranla\u00dft, zu einer Kammer, einer Gerichtskammer werden, in welcher dann die Sprache den Vorsitz hat. Man hat von Kraus gesagt, er habe \u00bbdas Judentum in sich niederringen\u00ab m\u00fcssen, gar \u00bbden Weg vom Judentum zur Freiheit\u00ab zur\u00fcckgelegt \u2014 nichts widerlegt das besser, als da\u00df auch ihm Gerechtigkeit und Sprache ineinander gestiftet bleiben. Das Bild der g\u00f6ttlichen Gerechtigkeit als Sprache \u2014 ja in der deutschen selber \u2014 zu verehren, das ist der echt j\u00fcdische Salto mortale, mit dem er den Bann des D\u00e4mons zu sprengen sucht. Denn dies ist die letzte Amtshandlung dieses Eiferers: die Rechtsordnung selbst in Anklagezustand zu versetzen. Und nicht mit kleinb\u00fcrgerlichem Aufbegehren wider die Knechtung des \u00bbfreien Individuums\u00ab durch \u00bbtote Formeln\u00ab. Noch weniger mit der Haltung jener Radikalen, die Paragraphen st\u00fcrmen, ohne je sich einen Augenblick Rechenschaft von der Justiz gegeben zu haben. Kraus stellt das Recht in seiner Substanz, nicht in seiner Wirkung unter Anklage. Sie lautet auf Hochverrat des Rechtes an der Gerechtigkeit. Genauer, des Begriffs am Worte, aus dem er sein Dasein hat: vors\u00e4tzliche T\u00f6tung der Phantasie, die schon am Mangel einer einzigen Letter stirbt und der er in seiner \u00bbElegie auf den Tod eines Lautes\u00ab die ergreifendste Klage gesungen hat. Denn \u00fcber der Rechtsprechung steht die Rechtschreibung, und wehe der ersten, wenn die zweite zu leiden hat. So begegnet er denn auch hier der Presse, ja gibt in diesem Bannkreis sich sein liebstes Stelldichein mit den Lemuren. Er hat das Recht durchschaut wie wenige. Wenn er es dennoch anruft, geschieht es gerade, weil sich sein eigener D\u00e4mon so gewaltig von dem Abgrund gezogen f\u00fchlt, den es darstellt. Von jenem Abgrund, den er nicht umsonst am g\u00e4hnendsten, wo Geist und Sexus sich zusammenfinden \u2014 im Sittlichkeitsproze\u00df \u2014 erfahren und in den ber\u00fchmten Worten erlotet hat: \u00bbEin Sittlichkeitsproze\u00df ist die zielbewu\u00dfte Entwicklung einer individuellen zur allgemeinen Unsittlichkeit, von deren d\u00fcsterem Grunde sich die erwiesene Schuld des Angeklagten leuchtend abhebt.\u00ab<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Geist und Sexus bewegen sich in dieser Sph\u00e4re in einer Solidarit\u00e4t, deren Gesetz Zweideutigkeit ist. Die Besessenheit des d\u00e4monischen Sexus ist das Ich, das, umgaukelt von so s\u00fc\u00dfen Frauenbildern, \u00bbwie die bittre Erde sie nicht hegt\u00ab, sich genie\u00dft. Und nicht anders die lieblose und selbstgenugsame Figur des besessenen Geistes: der Witz. Zu ihrer Sache kommen sie beide nicht; das Ich zum Weib so wenig wie der Witz zum Wort. Das Zersetzende ist an Stelle des Zeugenden, das Grelle an Stelle des Geheimen getreten; nun aber changieren sie in den einschmeichelndsten Nuancen: im Witzwort kommt die Lust und in der Onanie die Pointe zu ihrem Recht. Als hoffnungslos dem D\u00e4mon Verhafteten hat Kraus sich selbst portr\u00e4tiert; im Pand\u00e4monium der Zeit hat er sich den traurigsten, vom Rammenwiderschein begl\u00e4nzten Ort in der Eisw\u00fcste vorbehalten. Da steht er am \u00bbLetzten Tage der Menschheit\u00ab \u2014 der \u00bbN\u00f6rgler\u00ab, der die vorangehenden beschrieben hat. \u00bbIch habe die Trag\u00f6die, die in die Szenen der zerfallenden Menschheit zerf\u00e4llt, auf mich genommen, damit sie der Geist h\u00f6re, der sich der Opfer erbarmt, und h\u00e4tte er selbst f\u00fcr alle Zukunft der Verbindung mit einem Menschenohr entsagt. Er empfange den Grundton dieser Zeit, das Echo meines blutigen Wahnsinns, durch den ich mitschuldig bin an diesen Ger\u00e4uschen. Er lasse es als Erl\u00f6sung gelten!\u00ab<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbMitschuldig &#8230;\u00ab \u2014 weil das an die Manifeste der Intelligenz anklingt, welche einer Epoche, die Miene machte, sich von ihr abzukehren, ins Ged\u00e4chtnis sich zur\u00fcckrufen wollte, und sei es auch durch eine Selbstbezichtigung, ist \u00fcber dieses Schuldgef\u00fchl, in dem so sichtbar sich das privateste Bewu\u00dftsein mit dem historischen begegnet, ein Wort zu sagen. Es wird immer auf jenen Expressionismus f\u00fchren, aus dem die Reife seines Werks mit Wurzeln, die ihren Boden sprengten, sich gen\u00e4hrt hat. Man kennt die Stichworte \u2014 mit welchem Hohn hat nicht Kraus selber sie registriert: geballt, gestuft und gestellt komponierte man B\u00fchnenbilder, S\u00e4tze, Gem\u00e4lde. \u2014 Unverkennbar \u2014 und die Expressionisten proklamierten ihn selbst \u2014 ist der Einflu\u00df fr\u00fchmittelalterlicher Miniaturen auf ihre Vorstellumgswelt. Wer aber nun deren Gestalten \u2014 etwa am Beispiel der Wiener Genesis \u2014 mustert, dem tritt nicht nur in den weitge\u00f6ffneten Augen, nicht nur in den unergr\u00fcndlichen Falten ihrer Gewandung, vielmehr im ganzen Ausdruck etwas sehr R\u00e4tselhaftes entgegen. Als h\u00e4tte sie die fallende Sucht ergriffen, so neigen sie in ihrem Lauf, der immer \u00fcberst\u00fcrzt ist, sich einander zu. Die \u00bbNeigung\u00ab kann, vor allem andern, als der tiefe menschliche Affekt erscheinen, der die Welt dieser Miniaturen sowohl wie die Manifeste jener Dichtergeneration durchzittert. Aber das ist nur der eine, gewisserma\u00dfen konkave Aspekt dieses Sachverhalts, der Blick ins Angesicht dieser Figuren. Ganz anders ist die gleiche Erscheinung dem, welcher ihre R\u00fccken ins Auge fa\u00dft. Diese R\u00fccken staffeln sich in den Heiligen der Adorationen, in den Knechten der Gethsemane-szene, in den Augenzeugen des Einzugs in Jerusalem zu Terrassen menschlicher Nacken, menschlicher Schultern, die, wirklich zu steilen Stufen geballt, weniger in den Himmel als abw\u00e4rts, auf und selbst unter die Erde f\u00fchren. Unm\u00f6glich, f\u00fcr ihr Pathos einen Ausdruck zu finden, der davon absieht: sie sind besteigbar wie aufeinandergew\u00e4lzte Felsbl\u00f6cke oder grob behauene Stufen. Welche Gestalten immer den Geisterkampf auf diesen Schultern m\u00f6gen gek\u00e4mpft haben \u2014 eine von ihnen erlaubt die Erfahrung, die wir von der Verfassung der geschlagenen Massen unmittelbar nach Kriegsende machen konnten, uns beim Namen zu nennen. Was dem Expressionismus, in dem ein urspr\u00fcnglich menschlicher Impuls sich fast restlos in einen modischen umsetzte, am Ende zur\u00fcckblieb, war die Erfahrung und der Name jener namenlosen Macht, der sich die R\u00fccken der Menschen entgegenkr\u00fcmmten: die Schuld. \u00bbNicht da\u00df eine gehorsame Masse von einem ihr unbekannten Willen, aber da\u00df sie von einer ihr unbekannten Schuld in Gefahr gef\u00fchrt wird, macht sie mitleidsw\u00fcrdig\u00ab, hat Kraus schon 1912 geschrieben. Als \u00bbN\u00f6rgler\u00ab hat er an ihr teil, um sie zu denunzieren, denunziert er sie, um an ihr teilzuhaben. Durch das Opfer ihr zu begegnen, hat er sich eines Tages in die Arme der katholischen Kirche geworfen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In jenen schneidenden Menuetten, die Kraus dem chassez-croisez von Justitia und Venus gepfiffen hat, ist das Leitmotiv \u2014 da\u00df der Philister von der Liebe nichts wei\u00df \u2014 mit einer Sch\u00e4rfe und Beharrlichkeit vorgetragen, die einzig in der entsprechenden Haltung der Decadence, in der Proklamation des l&#8217;art pour l&#8217;art ihr Gegenst\u00fcck hat. Denn eben das l&#8217;art pour l&#8217;art, das der Decadence auch f\u00fcr die Liebe gilt, hat das Sachverst\u00e4ndnis aufs engste an das handwerkliche Wissen, die Technik, gebunden und hat die Dichtung in ihrem hellsten Lichte nur von der Folie des Literatentums wie die Liebe von der der Unzucht sich abheben lassen. \u00bbNot kann jeden Mann zum Journalisten machen, aber nicht jede Frau zur Prostituierten.\u00ab In dieser Formulierung hat Kraus den doppelten Boden seiner Polemik gegen den Journalismus verraten. Das ist viel weniger der Philanthrop, der aufgekl\u00e4rte Menschen- und Naturfreund, der diesen unerbittlichen Kampf entfesselt hat, als der geschulte Literat, Artist, ja Dandy, der seinen Ahnen in Baudelaire hat. Nur Baudelaire hat so wie Kraus die Saturiertheit des gesunden Menschenverstandes und so wie er den Kompromi\u00df geha\u00dft, den die Geistigen mit ihm schlossen, um im Journalismus ein Unterkommen zu finden. Der Journalismus ist Verrat am Literatentum, am Geist, am D\u00e4mon. Das Geschw\u00e4tz ist seine wahre Substanz und jedes Feuilleton stellt von neuem die unl\u00f6sbare Frage nach dem Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis von Dummheit und von Bosheit, deren Ausdruck es ist. Es ist im Grunde die vollkommene Entsprechung dieser Daseinsformen: des Lebens unterm Zeichen blo\u00dfen Geistes oder blo\u00dfer Sexualit\u00e4t, die jene Solidarit\u00e4t des Literaten mit der Hure begr\u00fcndet, deren unverbr\u00fcchlichstes Zeugnis wiederum Baudelaires Existenz ist. So kann Kraus die Gesetze des eigenen Handwerks verschr\u00e4nkt mit denen des Sexus beim Namen nennen, wie er es in der \u00bbChinesischen Mauer\u00ab getan hat. Der Mann \u00bbhat tausendmal mit dem Anderen gerungen, der vielleicht nicht lebt, aber dessen Sieg \u00fcber ihn sicher ist. Nicht weil er bessere Eigenschaften hat, aber weil er der Andere ist, der Sp\u00e4tere, der dem Weib die Lust der Reihe bringt und der als Letzter triumphieren wird. Aber sie wischen es von ihrer Stirn wie einen b\u00f6sen Traum; und wollen die Ersten sein.\u00ab Ist nun die Sprache \u2014 das legen wir zwischen die Zeilen \u2014 ein Weib, wie weit entr\u00fcckt ein unbetr\u00fcglicher Instinkt den Autor jenen, die sich beeilen, bei ihr die Ersten zu sein, wie vielfach macht er den Gedanken, der sie nur immer mehr mit Ahnung stachelt als mit Wissen s\u00e4ttigt, wie l\u00e4\u00dft er ihn in Ha\u00df, Verachtung, Bosheit sich verstricken, wie h\u00e4lt er seinen Schritt hintan und sucht den Umweg des Epigonentums, um schlie\u00dflich ihr die Lust der Reihe mit dem letzten Sto\u00dfe, den Jack f\u00fcr Lulu in Bereitschaft h\u00e4lt, zu enden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Literatentum ist das Dasein im Zeichen des blo\u00dfen Geistes wie die Prostitution das Dasein im Zeichen des blo\u00dfen Sexus. Der D\u00e4mon aber, der der Hure die Stra\u00dfe anweist, verbannt den Literaten in den Gerichtssaal. Daher ist er f\u00fcr Kraus das Forum, wie er es f\u00fcr die gro\u00dfen Journalisten \u2014 einen Carrel, Paul-Louis Courier, Lassalle \u2014 von jeher gewesen ist. Es zu umgehen: der echten und d\u00e4monischen Funktion des blo\u00dfen Geistes, St\u00f6renfried zu sein, sich zu entziehen, der Hure in den R\u00fccken zu fallen \u2014 dies doppelte Versagen definiert f\u00fcr Kraus den Journalisten. \u2014 Robert Scheu hat richtig gesehen, da\u00df f\u00fcr Kraus die Prostitution eine nat\u00fcrliche Form, keine soziale Verbildung des weiblichen Sexus ist. Jedoch erst da\u00df und wie sich Sexual- und Tauschverkehr verschr\u00e4nken, macht den Charakter der Prostitution aus. Wenn sie ein Naturph\u00e4nomen ist, so ist sie es genau so sehr von der nat\u00fcrlichen Seite der \u00d6konomik, als Erscheinung des Tauschverkehrs, wie von der nat\u00fcrlichen Seite des Sexus. \u00bbVerachtung der Prostitution? | Dirnen schlimmer als Diebe? | Lernt: Liebe nimmt nicht nur Lohn, | Lohn gibt auch Liebe!\u00ab Diese Zweideutigkeit -diese Doppelnatur als doppelte Nat\u00fcrlichkeit \u2014 macht die Prostitution d\u00e4monisch. Aber Kraus \u00bbergreift die Partei der Naturmacht\u00ab. Da\u00df ihm der soziologische Bereich nie transparent wird \u2014 im Angriff auf die Presse so wenig wie in der Verteidigung der Prostitution \u2014 h\u00e4ngt mit dieser seiner Naturverhaftung zusammen. Da\u00df ihm das Menschenw\u00fcrdige nicht als Bestimmung und Erf\u00fcllung der befreiten \u2014 der revolution\u00e4r ver\u00e4nderten \u2014 Natur, sondern als Element der Natur schlechtweg, einer archaischen und geschichtslosen in ihrem ungebrochenen Ursein sich darstellt, wirft ungewisse, unheimliche Reflexe noch auf seine Idee von Freiheit und von Menschlichkeit zur\u00fcck. Sie ist nicht dem Bereich der Schuld entr\u00fcckt, den er von Pol zu Pol durchmessen hat: vom Geist zum Sexus.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Realit\u00e4t gegen\u00fcber, die Kraus blutiger als irgend einer durchlitten hat, enth\u00fcllt nun aber jener \u00bbreine Geist\u00ab, den die Anh\u00e4nger im Wirken des Meisters verehren, sich als nichtsw\u00fcrdige Chim\u00e4re. Darum ist unter allen Motiven seiner Entwicklung keines wichtiger als dessen dauernde Einschr\u00e4nkung und Kontrolle. \u00bbNachts\u00ab ist sein Kontrollbuch betitelt. Denn die Nacht ist das Schaltwerk, wo blo\u00dfer Geist in blo\u00dfe Sexualit\u00e4t, blo\u00dfe Sexualit\u00e4t in blo\u00dfen Geist umschl\u00e4gt und diese beiden lebenswidrigen Abstrakta, indem sie einander erkennen, zur Ruhe kommen. \u00bbIch arbeite Tage und N\u00e4chte. So bleibt mir viel freie Zeit. Um ein Bild im Zimmer zu fragen, wie ihm die Arbeit gef\u00e4llt, um die Uhr zu fragen, ob sie m\u00fcde ist und die Nacht, wie sie geschlafen hat.\u00ab Opfergaben an den D\u00e4mon sind diese Fragen, die er ihm unter der Arbeit hinwirft. Seine Nacht aber ist nicht die m\u00fctterliche noch auch die monderhellte romantische; es ist die Stunde zwischen Schlaf und Wachen, die Nacht-Wache, das Mittelst\u00fcck seiner dreifach gestaffelten Einsamkeit: der des Caf\u00e9hauses, wo er mit seinem Feind, der des n\u00e4chtlichen Zimmers, wo er mit seinem Werk allein ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\" style=\"text-align: justify;\">III. Unmensch<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon f\u00e4llt der Schnee.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Worte in Versen III<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Satire ist die einzige rechtm\u00e4\u00dfige Form der Heimatkunst. So war es aber nicht gemeint, wenn man Kraus einen Wiener Satiriker nannte. Vielmehr versuchte man, solange es angehen konnte, auf dieses tote Gleis ihn abzuschieben, um sein Werk dem gro\u00dfen Speicher literarischer Konsumg\u00fcter einverleiben zu k\u00f6nnen. Kraus als Satiriker dargestellt kann also den tiefsten Aufschlu\u00df \u00fcber ihn so gut wie sein traurigstes Zerrbild ergeben. Von jeher war es ihm daher angelegen, den Satiriker echten Schlages von jenen Schreibern zu trennen, die aus dem Hohn ein Gewerbe gemacht und nicht viel mehr bei ihren Invektiven im Sinne haben als dem Publikum etwas zu lachen zu geben. Demgegen\u00fcber hat der gro\u00dfe Typus des Satirikers nie festeren Boden unter den F\u00fc\u00dfen gehabt als mitten in einem Geschlecht, das sich anschickt, Tanks zu besteigen und Gasmasken \u00fcberzuziehen, einer Menschheit, der die Tr\u00e4nen ausgegangen sind, aber nicht das Gel\u00e4chter. In ihm bereitet sie sich vor, die Zivilisation, wenn es sein mu\u00df, zu \u00fcberleben, und sie kommuniziert mit ihm im eigentlichen Mysterium der Satire, als welches im Verspeisen des Gegners besteht. Der Satiriker ist die Figur, unter welcher der Menschenfresser von der Zivilisation rezipiert wurde. Nicht ohne Piet\u00e4t erinnert er sich seines Ursprungs und darum ist der Vorschlag, Menschen zu fressen, in den eisernen Bestand seiner Anregungen \u00fcbergegangen, von Swifts einschl\u00e4gigem Projekt, betreffend die Verwendung der Kinder in minderbemittelten Volksklassen bis zu Leon Bloys Vorschlag, Hauswirten insolventen Mietern gegen\u00fcber ein Recht auf die Verwertung ihres Fleisches einzur\u00e4umen. In solchen Anweisungen haben die gro\u00dfen Satiriker der Humanit\u00e4t ihrer Mitmenschen Ma\u00df genommen. \u00bbHumanit\u00e4t, Bildung und Freiheit sind kostbare G\u00fcter, die mit Blut, Verstand und Menschenw\u00fcrde nicht teuer genug erkauft sind\u00ab \u2014 so schlie\u00dft bei Kraus die Auseinandersetzung des Menchenfressers mit den Menschenrechten. Man vergleiche sie mit der Marxschen der \u00bbJudenfrage\u00ab, um zu ermessen, wie g\u00e4nzlich diese spielerische Reaktion von 1909 \u2014 die Reaktion gegen das klassische Humanit\u00e4tsideal \u2014 danach angetan war, bei der ersten besten Gelegenheit in das Bekenntnis des realen Humanismus umzuschlagen. Freilich h\u00e4tte man die \u00bbFackel\u00ab schon von der ersten Nummer an Wort f\u00fcr Wort buchst\u00e4blich verstehen m\u00fcssen, um abzusehen, da\u00df diese \u00e4sthetizistisch ausgerichtete Publizistik, ohne ein einziges ihrer Motive zu opfern, ein einziges zu gewinnen, die politische Prosa von 1930 zu werden bestimmt war. Das dankt sie ihrem Partner, der Presse, welche der Humanit\u00e4t jenes Ende bereitete, auf das Kraus mit den Worten anspielt: \u00bbDie Menschenrechte sind das zerrei\u00dfbare Spielzeug der Erwachsenen, auf dem sie herumtreten wollen und das sie sich deshalb nicht nehmen lassen.\u00ab So ist die Grenzsetzung zwischen Privatem und \u00d6ffentlichem, die 1789 die Freiheit verk\u00fcnden sollte, zum Gesp\u00f6tt geworden. Durch die Zeitung, sagt Kierkegaard, \u00bbwird &#8230; die Distinktion zwischen dem Privaten und dem \u00d6ffentlichen in einer privat-\u00f6ffentlichen Schwatzhaftigkeit aufgehoben\u00ab.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u00f6ffentliche und private Zone, die im Geschw\u00e4tz d\u00e4monisch ineinanderliegen, zur dialektischen Auseinandersetzung zu bringen, reales Menschentum zum Sieg zu f\u00fchren, das ist der Sinn der Operette, den Kraus entdeckt und in Offenbach zum intensivsten Ausdruck gebracht hat. Wie das Geschw\u00e4tz die Knechtung der Sprache durch die Dummheit besiegelt, so die Operette die Verkl\u00e4rung der Dummheit durch die Musik. Da\u00df man die Sch\u00f6nheit weiblicher Dummheit verkennen k\u00f6nne, galt Kraus von jeher als das finsterste Banausentum. Vor ihrer Strahlenkraft verfliegen die Chim\u00e4ren des Fortschritts. Und in der Operette Offenbachs tritt nun die b\u00fcrgerliche Dreieinigkeit des Wahren, Sch\u00f6nen, Guten, neu einstudiert zur gro\u00dfen Nummer mit Musikbegleitung auf dem Trapez des Bl\u00f6dsinns zusammen. Wahr ist der Unsinn, sch\u00f6n die Dummheit, gut die Schw\u00e4che. Das ist ja das Geheimnis Offenbachs: wie mitten in dem tiefen Unsinn \u00f6ffentlicher Zucht \u2014 es sei nun die der oberen Zehntausend, eines Tanzbodens oder des Milit\u00e4rstaats \u2014, der tiefe Sinn privater Unzucht ein tr\u00e4umerisches Auge aufschl\u00e4gt. Und was als Sprache richterliche Strenge, Entsagung, scheidende Gewalt gewesen w\u00e4re, wird List und Ausflucht, Einspruch und Vertagung als Musik. \u2014 Musik als Platzhalterin der moralischen Ordnung? Musik als Polizei einer Freudenwelt? Ja, das ist der Glanz, der \u00fcber die alten Pariser Balls\u00e4le, \u00fcber die \u00bbGrande Chaumi\u00e8re\u00ab, die \u00bbCl\u00f4serie des Lilas\u00ab mit dem Vortrag des \u00bbPariser Lebens\u00ab sich ausgie\u00dft. \u00bbUnd die unnachahmliche Doppelz\u00fcngigkeit dieser Musik, alles zugleich mit dem positiven und dem negativen Vorzeichen zu sagen, das Idyll an die Parodie, den Spott an die Lyrik zu verraten; die F\u00fclle zu allem erb\u00f6tiger, Schmerz und Lust verbindender Tonfiguren \u2014 hier erscheint diese Gabe am reichsten und reinsten entfaltet.\u00ab Die Anarchie als einzig moralische, einzig menschenw\u00fcrdige Weltverfassung wird zur wahren Musik dieser Operetten. Die Stimme von Kraus sagt diese innere Musik mehr, als da\u00df sie sie singt. Schneidend umpfeift sie die Grate des schwindelnden Bl\u00f6dsinns, ersch\u00fctternd hallt sie aus dem Abgrund des Absurden wider und summt, wie der Wind im Kamin, in den Zeilen der Frascata ein Requiem auf die Generation unserer Gro\u00dfv\u00e4ter. \u2014 Offenbachs Werk erlebt eine Todeskrisis. Es zieht sich zusammen, entledigt sich alles \u00dcberfl\u00fcssigen, geht durch den gef\u00e4hrlichen Raum dieses Daseins hindurch und kommt gerettet, wirklicher als vordem, wieder zum Vorschein. Denn wo diese wetterwendische Stimme laut wird, fahren die Blitze der Lichtreklamen und der Donner der M\u00e9tro durch das Paris der Omnibusse und Gasflammen. Und das Werk gibt ihm das alles zur\u00fcck. Denn auf Augenblicke verwandelt es sich in einen Vorhang, und mit den wilden Geb\u00e4rden des Marktschreiers, die den ganzen Vortrag begleiten, rei\u00dft Kraus diesen Vorhang beiseite und gibt den Blick ins Innere seines Schreckenskabinetts auf einmal frei. Da stehen sie: Schober, Bekessy, Kerr und die andern Nummern, nicht mehr die Feinde, sondern Rarit\u00e4ten, Erbst\u00fccke aus der Welt Offenbachs oder Nestroys, nein, \u00e4ltere, seltenere, Penaten der Troglodyten, Hausg\u00f6tter der Dummheit aus vorgeschichtlichen Zeiten. Kraus, wenn er vortr\u00e4gt, spricht nicht Offenbach oder Nestroy: sie sprechen aus ihm heraus. Und dann und wann nur f\u00e4llt ein atemraubender, halb stumpfer, halb gl\u00e4nzender Kupplerblick in die Masse vor ihm, l\u00e4dt sie zu der verw\u00fcnschten Hochzeit mit den Larven, in denen sie sich selber nicht erkennt, und nimmt zum letzten Male sich das b\u00f6se Vorrecht der Zweideutigkeit.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier kommt nun erst das wahre Antlitz, vielmehr die wahre Maske des Satirikers zum Vorschein. Es ist die Maske Timons, des Menschenfeindes. \u00bbShakespeare hat alles vorausgewu\u00dft\u00ab \u2014 ja. Vor allem aber ihn selber. Shakespeare zeichnet unmenschliche Gestalten \u2014 und Timon, die unmenschlichste unter ihnen \u2014 und sagt: Solch ein Gesch\u00f6pf br\u00e4chte Natur hervor, wenn sie das schaffen wollte, was der Welt, wie euresgleichen sie gestaltet hat, geb\u00fchrt; was ihr gewachsen, was ihr zugewachsen w\u00e4re. So ein Gesch\u00f6pf ist Timon, so eins Kraus. Beide haben sie, wollen sie mit Menschen nichts mehr gemein haben. \u00bbThierfehd ist hier: das sagt dem Menschsein ab\u00ab; aus einem abgelegenen Glarner Dorfe wirft Kraus diesen Fehdehandschuh der Menschheit hin, und Timon will an seinem Grabe nur das Meer in Tr\u00e4nen wissen. Wie Timons Verse steht die Kraussche Lyrik hinter dem Doppelpunkt der dramatis persona, der Rolle. Ein Narr, ein Caliban, ein Timon \u2014 nicht sinniger, nicht w\u00fcrdiger und nicht besser \u2014 aber der sich selber sein eigener Shakespeare ist. Man sollte allen den Figuren, wie sie sich um ihn scharen, ihren Ursprung in Shakespeare ansehen. Und immer ist er sein Ausbund, ob er mit Weininger vom Manne oder mit Altenberg von der Frau, mit Wedekind von der B\u00fchne oder mit Loos vom Essen, mit Else Lasker-Sch\u00fcler vom Juden oder mit Theodor Haecker vom Christen spricht. Die Macht des D\u00e4mons endet an diesem Reiche. Sein Zwischen- oder Untermenschliches wird von einem wahrhaft Unmenschlichen \u00fcberwunden. Kraus hat es in den Worten angedeutet: \u00bbIn mir verbindet sich eine gro\u00dfe F\u00e4higkeit zur Psychologie mit der gr\u00f6\u00dferen, \u00fcber einen psychologischen Bestand hinwegzusehen.\u00ab Es ist das Unmenschliche des Schauspielers, das er mit diesen Worten f\u00fcr sich in Anspruch nimmt: das Menschenfresserische. Denn mit jeder Rolle verleibt sich der Schauspieler einen Menschen ein, und in den barocken Tiraden Shakespeares \u2014 wenn sich der Menschenfresser als der bessere Mensch, der Held als ein Akteur entpuppen soll, Timon den Reichen, Hamlet den Irren spielt \u2014ist es, als wenn seine Lippen von Blut trieften. So hat Kraus nach Shakespeares Vorbild sich Rollen geschrieben, an denen er Blut geleckt hat. Die Beharrlichkeit seiner \u00dcberzeugungen ist Beharren in einer Rolle, mit ihren Stereotypien, auf ihren Stichworten. Seine Erlebnisse samt und sonders sind nichts als dies: Stichworte. Darum besteht er auf ihnen und verlangt sie vom Dasein wie ein Schauspieler, der es dem Partner niemals verzeiht, wenn er ihm das Stichwort nicht bringt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Offenbach-Vorlesungen, der Vortrag Nestroyscher Kuplets sind von allen musikalischen Mitteln verlassen. Das Wort dankt niemals zugunsten des Instruments ab; indem es aber seine Grenzen weiter und weiter hinausschiebt, geschieht es, da\u00df es am Ende sich depotenziert, in die blo\u00dfe kreat\u00fcrliche Stimme sich aufl\u00f6st: ein Summen, das zum Worte sich so verh\u00e4lt wie sein L\u00e4cheln zum Witz, ist das Allerheiligste dieser Vortragskunst. In diesem L\u00e4cheln, diesem Summen, wo wie in einem Kratersee zwischen den ungeheuerlichsten Schroffen und Schlacken die Welt sich friedlich und gen\u00fcgsam spiegelt, bricht jene tiefe Komplizit\u00e4t mit seinen H\u00f6rern und Modellen durch, der Kraus im Worte niemals Raum gegeben hat. Sein Dienst an ihm erlaubt ihm keinen Kompromi\u00df. Kaum aber hat es den R\u00fccken gekehrt, so findet er sich zu manchem bereit. Da macht denn der qu\u00e4lende, stets unersch\u00f6pfte Reiz dieser Vorlesungen sich f\u00fchlbar: die Scheidung zwischen fremden und verwandten Geistern zunichte werden und jene homogene Masse falscher Freunde sich bilden zu sehen, die in diesen Veranstaltungen den Ton angibt. Kraus tritt vor eine Welt von Feinden, will sie zur Liebe zwingen, und zwingt sie doch zu nichts als Heuchelei. Seine Wehrlosigkeit demgegen\u00fcber steht in genauem Zusammenhang mit dem subversiven Dilettantismus, der zumal die Offenbach-Vorlesungen bestimmt. Kraus weist in ihnen die Musik in engere Schranken, als je die Manifeste der George-Schule sich&#8217;s ertr\u00e4umten. Das kann nat\u00fcrlich \u00fcber den Gegensatz in beider Sprachgeb\u00e4rde nicht hinwegt\u00e4uschen. Vielmehr besteht die genaueste Verbindung zwischen den Bestimmungsgr\u00fcnden, die Kraus die beiden Pole des sprachlichen Ausdrucks \u2014 den depotenzierten des Summens und den armierten des Pathos \u2014 zug\u00e4nglich machen und denen, die seiner Heiligung des Worts verbieten, die Formen des Georgeschen Sprachkultus anzunehmen. Dem kosmischen Auf und Nieder, das f\u00fcr George \u00bbden Leib vergottet und den Gott verleibt\u00ab, ist die Sprache nur die Jakobsleiter mit den zehntausend Wortsprossen. Demgegen\u00fcber Kraus: seine Sprache hat alle hieratischen Momente von sich getan. Weder ist sie Medium der Seherschaft noch der Herrschaft. Da\u00df sie der Schauplatz f\u00fcr die Heiligung des Namens sei \u2014 mit dieser j\u00fcdischen Gewi\u00dfheit setzt sie der Theurgie des \u00bbWortleibs\u00ab sich entgegen. Sehr sp\u00e4t, mit einer Entschiedenheit, die in Jahren des Stillschweigens mu\u00df gereift sein, ist Kraus dem gro\u00dfen Partner gegen\u00fcbergetreten, dessen Werk zur gleichen Zeit mit dem eigenen, unter der Jahrhundertschwelle, entsprungen war. Georges erster \u00f6ffentlich erschienener Band und der erste Jahrgang der \u00bbFackel\u00ab tragen die Jahreszahl 1899. Und erst im R\u00fcckblick \u00bbNach drei\u00dfig Jahren\u00ab, 1929, unternahm Kraus ihn aufzurufen. Ihm als dem Eifernden tritt da George als der Gefeierte gegen\u00fcber,<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">der in dem Tempel wohnt, woraus es nie<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">zu treiben galt die H\u00e4ndler und die Wechsler,<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">nicht Pharis\u00e4er und die Schriftgelehrten,<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">die drum den Ort umlagern und beschreiben.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Profanum vulgus lobt sich den Entsager,<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">der nie ihm sagte, was zu hassen sei.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Und der das Ziel noch vor dem Weg gefunden,<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">er kam vom Ursprung nicht.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDu kamst vom Ursprung \u2014 Ursprung ist das Ziel\u00ab nimmt der \u00bbSterbende Mensch\u00ab als Gottes Trost und Verhei\u00dfung entgegen. Auf sie spielt Kraus hier an und auch Viertel tut es, wenn er, im Sinn von Kraus, die Welt den \u00bbIrrweg, Abweg, Umweg zum Paradiese zur\u00fcck\u00ab nennt. \u00bbUnd so\u00ab, f\u00e4hrt er an dieser wichtigsten Stelle seiner Schrift \u00fcber Kraus fort, \u00bbversuche ich denn auch die Entwicklung dieser merkw\u00fcrdigen Begabung zu deuten: Intellektualit\u00e4t als Abweg, der zur Unmittelbarkeit &#8230; zur\u00fcckf\u00fchrt. Publizit\u00e4t \u2014 ein Irrweg zur Sprache zur\u00fcck. Die Satire \u2014 ein Umweg zum Gedicht.\u00ab Dieser \u00bbUrsprung\u00ab \u2014 das Echtheitssiegel an den Ph\u00e4nomenen \u2014 ist Gegenstand einer Entdeckung, die in einzigartiger Weise sich mit dem Wiedererkennen verbindet. Der Schauplatz dieser philosophischen Erkennungsszene ist im Werk von Kraus die Lyrik und ihre Sprache der Reim: \u00bbEin Wort, das nie am Ursprung l\u00fcgt\u00ab und diesen seinen Ursprung wie die Seligkeit am Ende der Tage, so am Ende der Zeile hat. Der Reim \u2014 das sind zwei Putten, die den D\u00e4mon zu Grabe tragen. Er fiel am Ursprung, weil er als Zwitter aus Geist und Sexus in die Welt kam. Sein Schwert und Schild \u2014 Begriff und Schuld \u2014 sind ihm entsunken, um zu Emblemen unterm Fu\u00df des Engels zu werden, der ihn erschlagen hat. Das ist ein dichtender, martialischer, mit dem Florett in H\u00e4nden, wie nur Baudelaire ihn gekannt hat:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">s&#8217;exer\u00e7ant seul \u00e0 sa fantasque escrime,<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Flairant dans tous les coins les hasards de la rime,<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Tr\u00e9buchant sur les mots comme sur les pav\u00e9s,<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Heurtant parfois des vers depuis longtemps r\u00eav\u00e9s.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Freilich auch ein z\u00fcgelloser, \u00bbhier einer Metapher nachjagend, die eben um die Ecke bog, dort Worte kuppelnd, Phrasen pervertierend, in \u00c4hnlichkeiten vergafft, im seligen Mi\u00dfbrauch chiastischer Verschlingung, immer auf Abenteuer aus, in Lust und Qual, zu vollenden, ungeduldig und zaudernd\u00ab. So findet endlich das hedonische Moment dieses Werkes den reinsten Ausdruck in solchem schwerm\u00fctig-phantastischen Verh\u00e4ltnis zum Dasein, in dem Kraus aus der Wiener Tradition der Raimund und Girardi zu einer ebenso resignierten wie sinnlichen Konzeption des Gl\u00fcckes gelangt. Sie mu\u00df man sich vergegenw\u00e4rtigen, wenn man die Notwendigkeit erfassen will, aus welcher er dem T\u00e4nzerischen bei Nietzsche entgegengetreten ist \u2014 um von dem Ingrimm ganz zu schweigen, mit dem der Unmensch auf den \u00dcbermenschen sto\u00dfen mu\u00dfte.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Reime erkennt das Kind, da\u00df es auf den Kamm der Sprache gelangt ist, wo es das Rauschen aller Quellen im Ursprung vernimmt. Dort oben ist sie zu Hause, die Kreatur, die nun nach soviel Stummheit im Tier und so viel L\u00fcge in der Hure im Kinde zu Wort kommt. \u00bbEin gutes Gehirn mu\u00df kapabel sein, jedes Fieber der Kindheit so mit allen Erscheinungen sich vorzustellen, da\u00df erh\u00f6hte Temperatur eintritt\u00ab \u2014 mit derlei S\u00e4tzen zielt Kraus weiter, als es den Anschein hat. Er selbst jedenfalls hat die Forderung in solchem Ma\u00dfe verwirklicht, da\u00df ihm das Kind niemals als Gegenstand, sondern, im Bilde seiner eigenen Fr\u00fchzeit, als Gegner der Erziehung vor Augen steht, den diese Gegnerschaft erzieht, nicht der Erzieher. \u00bbNicht der Stock war abzuschaffen, sondern der Lehrer, der ihn schlecht anwendet.\u00ab Kraus will nichts sein als der, der ihn besser anwendet. Seine Menschenfreundlichkeit, sein Mitleid haben an dem Stock ihre Grenze, den er in derselben Schulklasse zu sp\u00fcren bekam, in der seine besten Gedichte zust\u00e4ndig sind.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbIch bin nur einer von den Epigonen\u00ab \u2014 Kraus ist ein Epigone des Lesebuchs. \u00bbDes deutschen Knaben Tischgebet\u00ab, \u00bbSiegfrieds Schwert\u00ab, \u00bbDas Grab im Busento\u00ab, \u00bbWie Kaiser Karl Schulvisitation hielt\u00ab \u2014 die waren seine Vorbilder, die haben in diesem aufmerksamen Sch\u00fcler, der sie lernte, sich umgedichtet. So ist aus 378 den \u00bbRossen von Gravelotte\u00ab das Gedicht \u00bbZum ewigen Frieden\u00ab geworden und noch die gl\u00fchendsten seiner Ha\u00dfgedichte sind an H\u00f6ltys \u00bbFeuer im Walde\u00ab entz\u00fcndet, das die Leseb\u00fccher unserer Schulzeit durchstrahlte. Und wenn am J\u00fcngsten Tage nicht nur die Gr\u00e4ber, sondern auch die Leseb\u00fccher sich \u00f6ffnen, wird nach der Melodie \u00bbWas blasen die Trompeten, Husaren heraus\u00ab der wahre Pegasus der Kleinen aus ihnen hervorst\u00fcrmen und, eine verhutzelte Mumie, eine Puppe aus Stoff oder gelblichem Elfenbein, wird dieser einzige Verseschmied tot, ausgetrocknet \u00fcber dem Bug seines Rosses h\u00e4ngend, auf ihm daherfah-ren, der zweischneidige S\u00e4bel in seiner Hand aber wird, blank wie seine Reime und schneidend wie am ersten Tag, durch den Bl\u00e4tterwald fahren und Stilbl\u00fcten werden den Boden decken.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Vollendeter ist nie die Sprache vom Geist geschieden, nie inniger an den Eros gebunden worden, als Kraus es in der Einsicht getan hat: \u00bbJe n\u00e4her man ein Wort ansieht, desto ferner sieht es zur\u00fcck.\u00ab Das ist platonische Sprachliebe. Die N\u00e4he aber, der das Wort nicht entfliehen kann, ist einzig der Reim. So wird das erotische Urverh\u00e4ltnis von N\u00e4he und Ferne in seiner Sprache laut: als Reim und Name. Als Reim steigt die Sprache aus der kreat\u00fcrlichen Welt herauf, als Name zieht sie alle Kreatur zu sich empor. In den \u00bbVerlassenen\u00ab hat die innigste Durchdringung von Sprache und von Eros, wie sie Kraus erfuhr, mit einer unger\u00fchrten Gr\u00f6\u00dfe sich ausgesprochen, die an die vollkommenen griechischen Epigramme und Vasenbilder erinnert. \u00bbDie Verlassenen\u00ab \u2014 voneinander sind sie es. Aber- das ist ihr gro\u00dfer Trost \u2014 sie sind es auch miteinander. Auf der Schwelle zwischen Stirb und Werde halten sie inne. R\u00fcckw\u00e4rts gewandten Hauptes nimmt die Lust \u00bbnach unerh\u00f6rter Weise\u00ab ihren ewigen Abschied; ihr abgewandt betritt \u00bbnach ungewohnter Weise\u00ab die Seele ihre Fremde lautlos. So miteinander verlassen sind Lust und Seele, aber auch Sprache und Eros, auch Reim und Name. \u2014 \u00bbDen Verlassenen\u00ab ist der f\u00fcnfte Band der \u00bbWorte in Versen\u00ab gewidmet. Es erreicht sie ja nur noch die Widmung, welche nichts anderes als das Gest\u00e4ndnis der platonischen Liebe ist, die am Geliebten nicht ihre Lust b\u00fc\u00dft, sondern es im Namen besitzt und im Namen auf H\u00e4nden tr\u00e4gt. Dieser Ichbesessene kennt keine andere Selbstent\u00e4u\u00dferung als Dank. Seine Liebe ist nicht Besitz, sondern Dank. Dank und Widmung; denn danken hei\u00dft Gef\u00fchle unter einen Namen stellen. Wie die Geliebte fern und blinkend wird, wie ihre Winzigkeit und ihr Leuchten sich in den Namen ziehen, das ist die einzige Liebeserfahrung, von der die \u00bbWorte in Versen\u00ab wissen. Darum also: \u00bbLeicht, ohne Frau zu leben. | Schwer, ohne Frau gelebt zu haben.\u00ab<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus dem Sprachkreis des Namens, und nur aus ihm, erschlie\u00dft sich das polemische Grundverfahren von Kraus: das Zitieren. Ein Wort zitieren hei\u00dft es beim Namen rufen. So ersch\u00f6pft sich auf ihrer h\u00f6chsten Stufe die Leistung von Kraus darin, selbst die Zeitung zitierbar zu machen. Er versetzt sie in seinen Raum, und mit einem Mal mu\u00df die Phrase es inne werden: im tiefsten Bodensatze der Journale ist sie nicht sicher vor dem Zusto\u00df der Stimme, die auf den Schwingen des Wortes herabf\u00e4hrt, um sie ihrer Nacht zu entrei\u00dfen. Wunderbar, wenn sie nicht strafend, sondern rettend naht, wie, auf den Schwingen des Shakespeareschen, jener Zeile, in welcher einer vor Arras nach Haus berichtet, wie in der Fr\u00fche auf dem letzten zerschossenen Baume vor seiner Stellung eine Lerche zu singen begonnen habe. Eine einzige Zeile, und nicht einmal seine eigene, gen\u00fcgt Kraus, um in dies Inferno rettend hinabzufahren, eine einzige Sperrung: \u00bbEs war die Nachtigall und nicht die Lerche, die dort auf dem <em>Granat<\/em>baum sa\u00df und sang.\u00ab Im rettenden und strafenden Zitat erweist die Sprache sich als die Mater der Gerechtigkeit. Es ruft das Wort beim Namen auf, bricht es zerst\u00f6rend aus dem Zusammenhang, eben damit aber ruft es dasselbe auch zur\u00fcck an seinen Ursprung. Nicht ungereimt erscheint es, klingend, stimmig, in dem Gef\u00fcge eines neuen Textes. Als Reim versammelt es in seiner Aura das \u00c4hnliche; als Name steht es einsam und ausdruckslos. Von der Sprache weisen sich beide Reiche \u2014 Ursprung so wie Zerst\u00f6rung \u2014 im Zitat aus. Und umgekehrt: nur wo sie sich durchdringen \u2014 im Zitat \u2014 ist sie vollendet. Es spiegelt sich in ihm die Engelsprache, in welcher alle Worte, aus dem idyllischen Zusammenhang des Sinnes aufgest\u00f6rt, zu Motti in dem Buch der Sch\u00f6pfung geworden sind. Von ihren Polen aus \u2014 dem klassischen und dem realen Humanismus \u2014 umspannt bei diesem Autor das Zitat den ganzen Umkreis seiner Bildungswelt. Schiller steht, freilich ungenannt, neben Shakespeare: \u00bbAdel ist auch in der sittlichen Welt. Gemeine Naturen | Zahlen mit dem, was sie tun, edle mit dem, was sie sind\u00ab \u2014 dies klassische Distichon kennzeichnet in der Verschr\u00e4nkung von grundherrlichem Edel- und weltb\u00fcrgerlichem Gradsinn den utopischen Fluchtpunkt, in dem Weimars Humanit\u00e4t zu Hause war und den zuletzt Stifter fixierte. Es ist f\u00fcr Kraus das Entscheidende, wie er genau in diesen Fluchtpunkt den Ursprung verlegt. Die b\u00fcrgerlich-kapitalistischen Zust\u00e4nde zu einer Verfassung zur\u00fcckzuentwickeln, in welcher sie sich nie befunden haben, ist sein Programm. Aber darum ist er nicht weniger der letzte B\u00fcrger, der aus dem Sein zu gelten beansprucht, und der Expressionismus ist seine Schicksalsfigur geworden, weil hier sich diese Haltung erstmals vor einer revolution\u00e4ren Situation zu bew\u00e4hren hatte. Eben da\u00df der Expressionismus versuchte, ihr nicht durch Handeln, sondern durch das Sein gerecht zu werden, f\u00fchrte ihn zu seinen Ballungen und Gesteiltheiten. So kam es, da\u00df er zum letzten geschichtlichen Asyl der Pers\u00f6nlichkeit wurde. Die Schuld, die ihn beugte, und die Reinheit, welche er proklamierte \u2014 beide geh\u00f6ren dem Phantom des unpolitischen oder \u00bbnat\u00fcrlichen\u00ab Menschen an, wie er am Ende jener Regression auftaucht und von Marx entlarvt wurde. \u00bbDer Mensch, wie er Mitglied der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft ist\u00ab, schreibt Marx, \u00bbder unpolitische Mensch, erscheint aber notwendig als der nat\u00fcrliche Mensch &#8230; Die politische Revolution l\u00f6st das b\u00fcrgerliche Leben in seine Bestandteile auf, ohne diese Bestandteile selbst zu revolutionieren und der Kritik zu unterwerfen. Sie verh\u00e4lt sich zur b\u00fcrgerlichen Gesellschaft, zur Welt der Bed\u00fcrfnisse, der Arbeit, der Privatinteressen, des Privatrechts, als zur Grundlage ihres Bestehns &#8230; daher als zu ihrer Naturbasis. &#8230; Der wirkliche Mensch ist erst in der Gestalt des egoistischen Individuums, der wahre Mensch erst in der Gestalt des abstrakten Citoyen anerkannt &#8230; Erst wenn der wirkliche individuelle Mensch den abstrakten Staatsb\u00fcrger in sich zur\u00fccknimmt und als individueller Mensch in seinem empirischen Leben, in seiner individuellen Arbeit, in seinen individuellen Verh\u00e4ltnissen, Gattungswesen geworden ist &#8230; und daher die gesellschaftliche Kraft nicht mehr in der Gestalt der politischen Kraft von sich trennt, erst dann ist die menschliche Emanzipation vollbracht.\u00ab Der reale Humanismus, der hier bei Marx dem klassischen die Stirne bietet, offenbart sich f\u00fcr Kraus am Kinde, und der werdende Mensch hebt sein Gesicht den G\u00f6tzenbildern des idealen, des romantischen Naturwesens ebenso wie des staatsfrommen Musterb\u00fcrgers entgegen. Im Sinne dieses Werdenden hat Kraus das Lesebuch revidiert, ging er insbesondere der deutschen Bildung nach und fand sie schwankend, dem Wellenspiele journalistischer Willk\u00fcr anheimgegeben. Daher die \u00bbLyrik der Deutschen\u00ab: \u00bbWer kann, ist ihr Mann und nicht einer, der mu\u00df, | sie irrten vom Wesen zum Scheine. | Ihr lyrischer Fall war nicht Claudius, | aber Heine.\u00ab Da\u00df jedoch der werdende Mensch nicht im Naturraum, sondern im Raum der Menschheit, dem Befreiungskampf, eigentlich Gestalt gewinnt, da\u00df man ihn an der Haltung erkennt, die der Kampf mit Ausbeutung und mit Not ihm aufzwingt, da\u00df es keine idealistische, sondern nur eine materialistische Befreiung vom Mythos gibt und nicht Reinheit im Ursprung der Kreatur steht, sondern die Reinigung, das hat in dem realen Humanismus von Kraus seine Spuren am sp\u00e4testen hinterlassen. Erst der Verzweifelnde entdeckte im Zitat die Kraft: nicht zu bewahren, sondern zu reinigen, aus dem Zusammenhang zu rei\u00dfen, zu zerst\u00f6ren; die einzige, in der noch Hoffnung liegt, da\u00df einiges aus diesem Zeitraum \u00fcberdauert \u2014 weil man es n\u00e4mlich aus ihm herausschlug.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">So best\u00e4tigt sich: B\u00fcrgertugenden sind alle Einsatzkr\u00e4fte dieses Mannes von Haus aus; nur im Handgemenge haben sie ihr streitbares Aussehen erhalten. Aber schon ist niemand mehr imstande, sie zu erkennen; niemand imstande, die Notwendigkeit zu fassen, aus welcher dieser gro\u00dfe b\u00fcrgerliche Charakter zum Kom\u00f6dianten, dieser Wahrer goethischen Sprachgutes zum Polemiker, dieser unbescholtene Ehrenmann zum Berserker geworden ist. Das mu\u00dfte aber geschehen, da er die \u00c4nderung der Welt bei seiner Klasse, bei sich zu Hause, in Wien zu beginnen dachte. Und als er, die Vergeblichkeit seines Unternehmens sich eingestehend, mitten darinnen abbrach, da legte er die Sache wieder in die H\u00e4nde der Natur zur\u00fcck: diesmal der zerst\u00f6renden, nicht der sch\u00f6pferischen:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Lasse stehen die Zeit! Sonne, vollende du!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Mache das Ende gro\u00df! K\u00fcnde die Ewigkeit!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Recke dich drohend auf, Donner dr\u00f6hne dein Licht,<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">da\u00df unser schallender Tod verstummt!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Goldene Glocke du, schmilz in eigener Gluth,<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">werde Kanone du gegen den kosmischen Feind!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Schie\u00df ihm den Brand ins Gesicht! W\u00e4re mir Josuas<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Macht, wisse, wieder war&#8216; Gibeon!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dieser, der entfesselten, Natur gr\u00fcndet sich das sp\u00e4tere politische Kredo von Kraus, gewi\u00df ein Gegenst\u00fcck zu dem patriarchalischen Stifters, ein Bekenntnis, an dem alles erstaunlich, unverst\u00e4ndlich aber allein das eine ist, da\u00df nicht die gr\u00f6\u00dften Lettern der \u00bbFackel\u00ab es aufbewahren, und da\u00df man diese st\u00e4rkste b\u00fcrgerliche Prosa des Nachkriegs in einem verschollenen Hefte der \u00bbFackel\u00ab \u2014 November 1920 \u2014 zu suchen hat:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWas ich meine, ist \u2014 und da will ich einmal mit dieser entmenschten Brut von Guts- und Blutsbesitzern und deren Anhang, da will ich mit ihnen, weil sie ja nicht deutsch verstehen und aus meinen \u203aWiderspr\u00fcchen\u2039 auf meine wahre Ansicht nicht schlie\u00dfen k\u00f6nnen, einmal deutsch reden &#8230; \u2014 was ich meine, ist: Der Kommunismus als Realit\u00e4t ist nur das Widerspiel ihrer eigenen lebenssch\u00e4nderischen Ideologie, immerhin von Gnaden eines reineren ideellen Ursprungs, ein vertracktes Gegenmittel zum reineren ideellen Zweck \u2014 der Teufel hole seine Praxis, aber Gott erhalte ihn uns als konstante Drohung \u00fcber den H\u00e4uptern jener, so da G\u00fcter besitzen und alle andern zu deren Bewahrung und mit dem Trost, da\u00df das Leben der G\u00fcter h\u00f6chstes nicht sei, an die Fronten des Hungers und der vaterl\u00e4ndischen Ehre treiben m\u00f6chten. Gott erhalte ihn uns, damit dieses Gesindel, das schon nicht mehr ein und aus wei\u00df vor Frechheit, nicht noch frecher werde, damit die Gesellschaft der ausschlie\u00dflich Genu\u00dfberechtigten, die da glaubt, da\u00df die ihr botm\u00e4\u00dfige Menschheit genug der Liebe habe, wenn sie von ihnen die Syphilis bekommt, wenigstens doch auch mit einem Alpdruck zu Bette gehe! Damit ihnen wenigstens die Lust vergehe, ihren Opfern Moral zu predigen, und der Humor, \u00fcber sie Witze zu machen!\u00ab<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine menschliche, nat\u00fcrliche, edle Sprache \u2014 zumal im Lichte der denkw\u00fcrdigen Erkl\u00e4rung von Loos: \u00bbWenn die menschliche Arbeit nur aus der Zerst\u00f6rung besteht, dann ist es wirklich menschliche, nat\u00fcrliche, edle Arbeit.\u00ab Allzulange lag der Akzent auf dem Sch\u00f6pferischen. So sch\u00f6pferisch ist nur, wer Auftrag und Kontrolle meidet. Die aufgegebene, kontrollierte Arbeit \u2014 ihr Vorbild: die politische und die technische \u2014 hat Schmutz und Abfall, greift zerst\u00f6rend in den Stoff ein, verh\u00e4lt sich abnutzend zum Geleisteten, kritisch zu ihren Bedingungen und ist in alledem das Gegenst\u00fcck zu der des Dilettanten, der im Schaffen schwelgt. Dessen Werk ist harmlos und rein; das Meisterliche verzehrend und reinigend. Und darum steht der Unmensch als der Bote realeren Humanismus unter uns. Er ist der \u00dcberwinder der Phrase. Er solidarisiert sich nicht mit der schlanken Tanne, sondern mit dem Hobel, der sie verzehrt, nicht mit dem edlen Erz, sondern mit dem Schmelzofen, der es l\u00e4utert. Der Durchschnittseurop\u00e4er hat sein Leben mit der Technik nicht zu vereinen vermocht, weil er am Fetisch sch\u00f6pferischen Daseins festhielt. Man mu\u00df schon Loos im Kampfe mit dem Drachen \u00bbOrnament\u00ab verfolgt, mu\u00df das stellare Esperanto Scheerbartscher Gesch\u00f6pfe vernommen oder Klees \u00bbNeuen Engel\u00ab, welcher die Menschen lieber befreite, indem er ihnen n\u00e4hme, als begl\u00fcckte, indem er ihnen g\u00e4be, gesichtet haben, um eine Humanit\u00e4t zu fassen, die sich an der Zerst\u00f6rung bew\u00e4hrt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zerst\u00f6rend ist denn auch die Gerechtigkeit, die destruktiv den konstruktiven Zweideutigkeiten des Rechtes Einhalt gebietet; zerst\u00f6rend ist Kraus dem eigenen Werke gerecht geworden: \u00bbZur\u00fcck als F\u00fchrer bleibt mein ganzes Irren!\u00ab Das ist die Sprache der N\u00fcchternheit, die ihre Herrschaft in der Dauer begr\u00fcndet, und schon haben die Schriften von Kraus zu dauern begonnen, und er k\u00f6nnte das Wort von Lichtenberg ihnen voransetzen, der eine von seinen tiefsten \u00bbIhrer Majest\u00e4t der Vergessenheit\u00ab widmete. So sieht die Selbstbescheidung nun aus \u2014 k\u00fchner als die einstige Selbstbehauptung, die in d\u00e4monischer Selbstbespiegelung zerging. Nicht Reinheit und nicht Opfer sind Herr des D\u00e4mons geworden ; wo aber Ursprung und Zerst\u00f6rung einander finden, ist es mit seiner Herrschaft vor\u00fcber. Als ein Gesch\u00f6pf aus Kind und Menschenfresser steht sein Bezwinger vor ihm: kein neuer Mensch; ein Unmensch; ein neuer Engel. Vielleicht von jenen einer, welche, nach dem Talmud, neue jeden Augenblick in unz\u00e4hligen Scharen, geschaffen werden, um, nachdem sie vor Gott ihre Stimme erhoben haben, aufzuh\u00f6ren und in Nichts zu vergehen. Klagend, bezichtigend oder jubelnd? Gleichviel \u2014 dieser schnell verfliegenden Stimme ist das ephemere Werk von Kraus nachgebildet. Angelus \u2014 das ist der Bote der alten Stiche.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-100060\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Karl_Kraus-e1645635446375.jpg\" alt=\"\" width=\"202\" height=\"300\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">&#8222;W\u00e4hrend ich am \u201eKraus-Projekt\u201c arbeitete, war ich mir bewusst, dass seine Form der des Online-Diskurses \u00e4hnelt, zumal zu vielen der Fussnoten ja das (via Internet gef\u00fchrte!); ich hatte die leise Hoffnung, dass sorgf\u00e4ltige Leser schon merken w\u00fcrden, dass das Buch das Internet selbst dann affirmiert, wenn es das Netz eigentlich angreift. Aber der Hauptgrund f\u00fcr die Anmerkungen ist, dass Kraus selbst der grosse Anmerker war, der grossartige fr\u00fche postmoderne Meister des Zitats und der Glosse, der direkte Vorfahr der Blogger von heute.<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-right\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #000000;\">Jonathan Franzen<\/span><\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wucht dieser S\u00e4tze&#8230; auf das in einem frivol angezettelten Weltkrieg untergegangene Habsburgerreich wirkt auch noch hundert Jahre sp\u00e4ter. Jens Malte Fischer &nbsp; \u00a0 I. Allmensch Wie laut wird alles. Worte in Versen II Alte Stiche haben den Boten, der&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/04\/28\/karl-kraus\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":72,"featured_media":98124,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2719,202,428],"class_list":["post-57154","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-jens-malte-fischer","tag-karl-kraus","tag-walter-benjamin"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/57154","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/72"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=57154"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/57154\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":106525,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/57154\/revisions\/106525"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98124"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=57154"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=57154"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=57154"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}