{"id":56932,"date":"2019-08-07T13:01:07","date_gmt":"2019-08-07T11:01:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=56932"},"modified":"2019-10-02T19:31:02","modified_gmt":"2019-10-02T17:31:02","slug":"geistige-solidaritaet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/08\/07\/geistige-solidaritaet\/","title":{"rendered":"Geistige Solidarit\u00e4t"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align:right\" class=\"has-text-color has-cyan-bluish-gray-color\"><em>Damit w\u00e4re ich wieder beim Ceterum Censeo. Ihren \u201aPassagen\u2018 n\u00e4mlich, die geschrieben, vollendet und getan werden m\u00fcssen um jeden Preis.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\" class=\"has-text-color has-cyan-bluish-gray-color\">Theodor W. Adorno<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\">***<\/p>\n\n\n\n<p><br \/><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Cover-Briefwechsel.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-56933\" width=\"150\" height=\"250\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Cover-Briefwechsel.jpg 299w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Cover-Briefwechsel-180x300.jpg 180w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Cover-Briefwechsel-260x434.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Cover-Briefwechsel-160x267.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Der vorliegende Band enth\u00e4lt alle erhaltenen Briefe und Karten der Korrespondenz zwischen Theodor W. Adorno und Walter Benjamin in chronologischer Reihenfolge. Fraglos ein gro\u00dfer Verlust nicht nur f\u00fcr den Briefwechsel ist, da\u00df Adornos Gegenbriefe bis Anfang 1933 fehlen: sie blieben in der letzten Berliner Wohnung Benjamins in der Prinzregentenstra\u00dfe zur\u00fcck, als dieser im M\u00e4rz 1933 Deutschland verlassen mu\u00dfte, und sind seither verschollen. \u00bbDenn alle Verdinglichung ist ein Vergessen: Objekte werden dinghaft im Augenblick, wo sie festgehalten sind, ohne in allen ihren St\u00fccken aktuell gegenw\u00e4rtig zu sein: wo etwas von ihnen vergessen ist.\u00ab Kaum eine bessere Charakterisierung als dieser Satz aus Adornos Brief vom 29. Februar 1940 an Walter Benjamin lie\u00dfe sich denken, um darzutun, worin die entscheidende Differenz zwischen den Diskussionen, die in der Kritischen Theorie der drei\u00dfiger Jahre gef\u00fchrt wurden, und der Darstellung liegt, die die Ergebnisse jener Diskussionen heutzutage in der Sekund\u00e4rliteratur zusammenfa\u00dft. Es liegen Welten zwischen der Kritik, die Adorno und Benjamin wechselseitig an ihren Arbeiten w\u00e4hrend der Emigration \u00fcbten, und der geronnenen Gestalt, in der diese zentralen Arbeiten von den Nachgeborenen, zerst\u00fcckelt und ungeschickt wieder zusammengeklebt, rezipiert und \u203atradiert\u2039 werden. &#8211; Galt ein betr\u00e4chtlicher Teil der Korrespondenz Benjamins Fragment gebliebenem \u00bbPassagen-Werk\u00ab, welches das 19. Jahrhundert geschichtsphilosophisch zu entschl\u00fcsseln sich vorgenommen hatte, und der \u203aAbschlagszahlung\u2039 darauf, dem Baudelaire-Aufsatz f\u00fcr die \u00bbZeitschrift f\u00fcr Sozialforschung\u00ab, so kreisen die Briefe insgesamt, die Benjamin und Adorno vor allem in der Emigration, ab 1934, wechselten, um die verbindliche theoretische Darstellung jener grundlegenden Erfahrungen der b\u00fcrgerlichen Kultur, die mit dem Faschismus unwiederbringlich verlorengingen und deren Vergessen gerade nicht das gl\u00fcckliche Ballastabwerfen des Wanderers war, der das Ziel in erreichbarer Ferne vor sich liegen sieht. Der Briefwechsel l\u00e4\u00dft ermessen, welche Bedeutung die praktische und geistige Solidarit\u00e4t hatte, die Adorno und Benjamin voneinander erfuhren, als sie in intellektueller Isolierung lebten. Die in der akademischen Welt abhanden gekommene Gelehrtenrepublik lebte fort in denen, die aller akademischen Sekurit\u00e4t entbehren mu\u00dften und die darum aller der Sache \u00e4u\u00dferlichen Konvention sich entschlagen durften. Den empirischen Niederschlag des Vorrangs der Sache in der Person beschrieb Adorno 1965: \u00bbIn sich und seinem Verh\u00e4ltnis zu anderen setzte er r\u00fcckhaltlos den Primat des Geistes durch, der anstelle von Unmittelbarkeit sein Unmittelbares wurde.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Damit w\u00e4re ich wieder beim Ceterum Censeo. Ihren \u201aPassagen\u2018 n\u00e4mlich, die geschrieben, vollendet und getan werden m\u00fcssen um jeden Preis. Theodor W. Adorno *** Der vorliegende Band enth\u00e4lt alle erhaltenen Briefe und Karten der Korrespondenz zwischen Theodor W. 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