{"id":56789,"date":"2020-01-09T00:01:25","date_gmt":"2020-01-08T23:01:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=56789"},"modified":"2021-01-09T20:09:18","modified_gmt":"2021-01-09T19:09:18","slug":"getraeumtes-aus-anderen-realitaeten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/01\/09\/getraeumtes-aus-anderen-realitaeten\/","title":{"rendered":"Getr\u00e4umtes aus anderen Realit\u00e4ten"},"content":{"rendered":"\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Unserer kapitalistisch, digital durchorganisierten Gesellschaft gehen bekanntlich die Utopien und Tr\u00e4umer aus. Vor allem solche, die sich auch in die angeblich wirtschaftswissenschaftliche und gesellschaftliche \u00d6ffentlichkeit trauen. \u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Gisela Becker-Berens traut sich mit ihren anderen Tr\u00e4umen offenbar \u00fcberall hin. Lieber bewohnt sie daher \u201edie schl\u00f6sser der l\u00fcfte\u201c. Und sie beklagt in ihrem Gedicht \u201ebaum des lebens\u201c\u00a0 den Raubbau an der Natur, \u201enun holzt man euch ab kalkuliert den profit\u201c.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Lyrikerin greift viele weitere \u2013 aber nicht inflation\u00e4r viele \u2013 gesellschaftliche Probleme auf, darunter jene der Fl\u00fcchtlinge, radikalisierter Jugendlicher, prek\u00e4rer Arbeit und selbstverst\u00e4ndlich auch die des Rassismus. Am liebsten w\u00fcrde sie sich wegtr\u00e4umen, dorthin, \u201ewo mich kein wimpernschlag\/trennt von mir selbst\u201c. Dennoch verschlie\u00dft sie ihre Augen nicht und h\u00e4te realistisch Ausschau.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit ihrem Gedicht \u201edu fragst\u201c \u2013 Cees Noteboom gewidmet \u2013 beantwortet sie die unumg\u00e4ngliche Frage \u201ewie ein gedicht aussehen soll\u201c und beschreibt damit zugleich treffend ihre Lyrik. \u201emanche\u201e Gedichte \u201chaben\/den klang von \u00e4olsharfen\/sagte der dichter\/und er tanzte \u00fcber den zebrastreifen\/wo ihn ein reim \u00fcberrollte\u201c. Manche Gedichte seien \u201ewie wolken\u201c, \u201emanche sind so laut\/da brauchte man ohrensch\u00fctzer\/andere sind wie l\u00e4mmer\/die \u00fcber den mondzaun h\u00fcpfen\u201c.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch an Liebesgedichten l\u00e4sst sie es in ihrem Band nicht fehlen. L\u00e4sst \u201egesang\u201c ert\u00f6nen \u201eund dir war klar dass er allein f\u00fcr dich erklang\u201c.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die ambitionierte Autorin schildert die zum Teil anheimelnde Atmosph\u00e4re ihrer derzeitigen Heimatstadt Bergisch Gladbach, ohne dabei mit Kritik zu sparen. Ihre Stadt ist danach \u201esamt B\u00e4umen verschwunden\/ zugunsten von platten quadratisch grau\u201c.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Mitte ihres Lyrikbandes bilden vier gekonnte \u201ehaiku\u201cs. \u201e\u00fcber die br\u00fccke\/tanzen narren verkleidet\/den fluss st\u00f6rt es nicht\u201c hei\u00dft es in einem, der auch die in dem Band immer wiederkehrende Macht der Natur gegen\u00fcber menschlichen Anstrengungen betont.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu empfiehlt Gisela Becker-Berens unter anderem in dem Kapitel \u201eheilsam verr\u00fcckt\u201c abw\u00e4gend, \u201eim ernstfall wage\/den h\u00f6henflug doch\/zieh rechtzeitig\/die fl\u00fcsterbremse\u201c .<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl dem genauen Blick der Lyrikerin kaum soziale und gesellschaftliche Probleme entgegen, endet auf der hinteren Umschlagseite die Autorin dennoch optimistisch \u201eim gras liege ich\/im schatten des baumes\/der aus dem dunkel\/zum licht hin sich dreht\u201c.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie legt damit einen wahren Wortschatz traumhafter Einsichten vor, der ihre beiden vorherigen kaum weniger lesenswerten \u00a0Lyrikb\u00e4nde noch einmal an Vielfalt, Tiefe, Wortmelodie und Bildhaftigkeit \u00fcbertrifft.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Lyrikband f\u00fcr Tr\u00e4umer*innen, die an der Verwirklichung ihrer Tr\u00e4ume nicht verzagen wollen.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-56793\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/andere-tra\u0308ume_Becker.jpg\" alt=\"\" width=\"213\" height=\"324\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/andere-tra\u0308ume_Becker.jpg 425w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/andere-tra\u0308ume_Becker-197x300.jpg 197w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/andere-tra\u0308ume_Becker-260x396.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/andere-tra\u0308ume_Becker-160x244.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 213px) 100vw, 213px\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>andere tr\u00e4ume<\/strong>, \u00a0Gedichte von Gisela Becker-Berens (2013 bis 2019), Wiesenburg Verlag, Schweinfurt 2019, 103 Seiten, 12.- \u20ac<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Unserer kapitalistisch, digital durchorganisierten Gesellschaft gehen bekanntlich die Utopien und Tr\u00e4umer aus. 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