{"id":55623,"date":"2019-05-21T00:00:00","date_gmt":"2019-05-20T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=55623"},"modified":"2022-02-28T19:12:23","modified_gmt":"2022-02-28T18:12:23","slug":"ein-zentrum-neuer-lyrik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/05\/21\/ein-zentrum-neuer-lyrik\/","title":{"rendered":"Ein Zentrum neuer Lyrik"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">W\u00e4re Lyrik ein amerikanischer Kriegsfilm, so w\u00e4re <em>Das dreckige Dutzend<\/em> ein krasser Titel f\u00fcr eine Anthologie. Seit Beginn dieser Reihe verwendet Axel Kutsch lediglich einen Namen. Und das ist gut so. KUNO bat den Herausgeber um ein Statement:<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch diesmal sind wieder zahlreiche deutschsprachige Autorinnen und Autoren mit Beitr\u00e4gen unterschiedlicher Schreibweisen und gro\u00dfer thematischer Vielfalt vernetzt worden. Schwierige Gedichte, mitunter am Rande des Verstehens, stehen neben leicht zug\u00e4nglichen Texten, sperrige Poeme neben Sprachspielen, ernste neben humorvollen Inhalten. Diese Verschiedenartigkeit ohne arrogant anmutenden Anspruch auf die Hall of Fame, dieses Miteinander von pointierten Gedankenblitzen, raumgreifenden Gedichten, kritischen Klartexten und Verfremdungen, dieses nicht mit elit\u00e4rer Hochn\u00e4sigkeit ausgebreitete Panorama unserer gegenw\u00e4rtigen Lyrik sorgt offenbar daf\u00fcr, dass die Versnetze \u201espannend zu lesen\u201c sind. Wahrscheinlich werden nicht alle Beitr\u00e4ge jeder Leserin, jedem Leser zusagen. So hat es bisher gelegentlich ver\u00e4rgerte Reaktionen auf den einen oder anderen Text gegeben. Das k\u00f6nnte auch bei der Vielfalt der zw\u00f6lften Versnetze-Ausgabe, die wie ihre Vorg\u00e4ngerinnen nicht ohne Ecken und Kanten ist, der Fall sein. Aber wer es allen recht machen will, bedient sich am Ende nur der Schere im Kopf. Widerspruch und kritische Anmerkungen sind jedoch jederzeit willkommen, tragen sie doch zur Lebendigkeit in der Lyrikszene bei.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Herausgeber lege ich Wert darauf, unterschiedliche Stile zu vernetzen und keine Fronten zwischen leicht verst\u00e4ndlicher Realpoesie und verschl\u00fcsselter Lyrik zu errichten. Und auch unkonventionell \u201eabgefahrene\u201c Texte, die vielleicht bei eher traditionell orientierten Leserinnen und Lesern wenig Anklang finden, haben in den Versnetzen ihren Platz. Ohnehin ist die deutschsprachige Lyrik der Gegenwart so reichhaltig an Schreibweisen, dass kaum eine gr\u00f6\u00dfere einheitliche Richtung zu erkennen ist. Nicht zuletzt ihr quirliger Formenreichtum, der auch diese Anthologie \u2013 hoffentlich \u2013 zu einem spannenden Leseerlebnis macht, tr\u00e4gt zur Bl\u00fcte unserer heutigen Dichtung bei.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das inhaltliche Spektrum in Versnetze_zw\u00f6lf reicht von A wie Affenliebe bis Z wie\u00a0 Z\u00e1topek. Auff\u00e4llig war diesmal, dass besonders viele Landschafts- und Tiergedichte eingereicht worden sind. Woran liegt\u2018s? An der zunehmenden Bedrohung von Natur und Tierwelt? Weitere Schwerpunkte bilden Texte \u00fcber das Zusammen- bzw. Auseinanderleben der Geschlechter, (vor allem j\u00fcngere) Geschichte, gesellschaftliche und politische Entwicklungen. Au\u00dferdem geh\u00f6ren R\u00fcckblicke in die eigene Kindheit, Kunst und K\u00fcnstler sowie die Zeit zur reichhaltigen thematischen Palette dieser Sammlung.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Versnetze_zw\u00f6lf<\/strong> \u00a0&#8211; Deutschsprachige Lyrik der Gegenwart, Hg. Axel Kutsch, Verlag Ralf Liebe. Weilerswist, 368 Seiten, 25, &#8211; Euro.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-98207\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/der-lyrik-eine-bresche-e1645178396120.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"167\" \/>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong> Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen der Kultur, dies bezeugt der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>. Um den Widerstand gegen die gepolsterte Gegenwartslyrik ein wenig anzufachen schickte <span data-offset-key=\"d96ve-1-0\">Wolfgang Schlott<\/span><span data-offset-key=\"d96ve-2-0\"> dieses\u00a0 post-dadaistische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/02\/03\/handwerkliche-anleitungen-zur-ueberwindung-von-schreibblockaden\/\">Manifest<\/a>. Warum<\/span> Lyrik wieder in die Zeitungen geh\u00f6rt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/10\/07\/der-dichtung-eine-bresche-schlagen\/\">begr\u00fcndete<\/a> Walther Stonet, diese Forderung hat nichts an Aktualit\u00e4t verloren. Lesen Sie auch Maximilian Zanders <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=5418\">Essay <\/a>\u00fcber Lyrik und ein R\u00fcckblick auf den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/01\/08\/lyrik-katalog-bundesrepublik\/\"><em>Lyrik-Katalog Bundesrepublik<\/em><\/a>, sowie einen Essay \u00fcber den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/26\/lauschender-leser-und-redender-schreiber-2\/\">Lyrikvermittler<\/a> Theo Breuer. KUNO sch\u00e4tzt den minuti\u00f6sen Selbstinszenierungsprozess des lyrischen Dichter-Ichs von Ulrich Bergmann in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=27947\">Keine Bojen auf hoher See, nur Sterne \u2026 und Schwerkraft. Gedanken \u00fcber das lyrische Schreiben<\/a>. Lesen Sie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22835\">Portr\u00e4t <\/a>\u00fcber die interdisziplin\u00e4re T\u00e4tigkeit von Angelika Janz, sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29450\">Essay<\/a> der <em>Fragmenttexterin.<\/em> Ein Portr\u00e4t von Sophie Reyer findet sich\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/10\/08\/von-sappho-zu-sophie\/\">hier<\/a>, ein Essay fasst das transmediale Projekt<em> \u201e<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/04\/14\/bi-textualitaet\/\">Wortspielhalle<\/a>\u201c <\/em>zusammen<em>. <\/em>Auf KUNO lesen Sie u.a. Rezensionsessays von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/06\/17\/beschwoerungszauber\/\">Holger Benkel<\/a> \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15175\">Andr\u00e9 Schinkel<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/11\/12\/mit-deutschen-untertiteln\/\">Ralph Pordzik<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/12\/20\/wohnraeume-der-poesie\/\">Friederike Mayr\u00f6cker<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/03\/19\/welten-gegenwelten\/\">Werner Weimar-Mazur<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/06\/26\/wohnraeume-der-poesie-2\/\">Peter Engstler<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15177\">Birgitt Lieberwirth<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/08\/17\/der-grill-auf-der-hauswiese-der-welt\/\">Linda Vilhj\u00e1lmsd\u00f3ttir<\/a>, und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/09\/17\/rettungsversuche-der-literatur-im-digitalen-raum\/\">A.J. Weigoni<\/a>. Lesenswert auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/05\/16\/verseschmied-und-lyrikfischer\/\">Gratulation<\/a> von Axel Kutsch durch Markus Peters zum 75. Geburtstag. Nicht zu vergessen eine Empfehlung der kristallklaren Lyrik von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/01\/19\/die-lyrikerin-ines-hagemeyer\/\">Ines Hagemeyer<\/a>. Diese Betrachtungen versammeln sich in der Tradition von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins, dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Bottroper Literaturrocker<\/a> &#8222;Biby&#8220; Wintjes und Hadayatullah H\u00fcbsch, dem Urvater des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/30\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\"><em>Social-Beat<\/em><\/a>, im KUNO-Online-Archiv. Wir empfehlen f\u00fcr Neulinge als Einstieg in das weite Feld der nonkonformistischen Literatur <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">diesem Hinweis<\/a> zu folgen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4re Lyrik ein amerikanischer Kriegsfilm, so w\u00e4re Das dreckige Dutzend ein krasser Titel f\u00fcr eine Anthologie. Seit Beginn dieser Reihe verwendet Axel Kutsch lediglich einen Namen. Und das ist gut so. 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