{"id":55411,"date":"2023-12-09T00:01:43","date_gmt":"2023-12-08T23:01:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=55411"},"modified":"2022-02-26T13:35:46","modified_gmt":"2022-02-26T12:35:46","slug":"la-voix-du-pirandello","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/12\/09\/la-voix-du-pirandello\/","title":{"rendered":"La voix du Pirandello"},"content":{"rendered":"\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Ein paar Gedanken zu Pirandellos Drama \u201eSechs Personen suchen einen Autor\u201c<\/em><\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist \u201eTricktheater\u201c, meinte Emil Faktor in seiner Kritik vom 31.12.1924 im Berliner B\u00f6rsen-Kurier zum St\u00fcck Pirandellos. Das Spiel der sechs Personen, die ihr Leben (in einer fiktiven Theater-Probe) auf die B\u00fchne bringen wollen, kippt zuletzt um in t\u00f6dliche Wirklichkeit: zwei Kinder werden erschossen und sind tot.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist nat\u00fcrlich nur ein Spiel des Autors, dessen Personen ihre Probleme im Theater l\u00f6sen wollen \u2013 aber nie kann dies geschehen, sie bleiben Gefangene ihres mit ihnen spielenden Autors, den sie nicht suchen, wie es der Titel des Dramas besagt. Sie sind sich ihrer Abh\u00e4ngigkeit von einem Autor nicht bewusst, und das ist ja immer so im Drama, es sei denn sie halten Gott oder die G\u00f6tter f\u00fcr den Autor.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Kann eine erfundene Geschichte wie die der sechs Personen real sein? Ja, auch umgekehrt kann es sein: dass eine erfundene Geschichte erst sp\u00e4ter real wird.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Pirandello sucht die perfekte aristotelische Illusionierung \u2013 der Zuschauer soll glauben, was er auf der B\u00fchne sieht. Dazu muss die Einheit von Ort, Zeit und Handlung gegeben sein. Pirandellos Trick: Der Spielort ist das Theater, die B\u00fchne. Der Autor spielt mit der Poetik des Aristoteles, die er \u2013 im Gegensatz zu Bert Brecht \u2013 vollkommen einh\u00e4lt, was die Illusionierung des Zuschauers betrifft. In ironischer Distanz, wenn man\u2019s recht bedenkt, insofern kippt sein Konzept ein wenig um in Richtung episches Theater.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das St\u00fcck selbst ist ja nur als Theaterprobe gedacht \u2013 es k\u00f6nnte auch nur eine einzige geben, weil am Ende zwei Kinder der ihr Leben probenden Personen sterben. Es k\u00e4me also eigentlich nie zur Auff\u00fchrung des Dramas, da es kein Theaterst\u00fcck sein kann.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">So gesehen handelt es sich tats\u00e4chlich um die Selbstnegation des Kunstwerks. Oder l\u00e4sst sich die Selbstnegation als Bestandteil des Kunstwerks auffassen?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Pirandello nannte sein Verh\u00e4ltnis von Kunst und Wirklichkeit \u201eUmorismo\u201c. Dazu lassen sich auch \u00e4ltere Auffassungen rechnen \u2013 das Leben ein Traum, das Leben ein Spiel &#8230; Bei Pirandello spielt der Autor mit, er spielt mit seinen dramentheoretischen Gedanken, er spielt auch mit sich selbst. Meint er damit die Selbstnegation seines Werks? Keineswegs! Zwar wird die Geschichte seiner sechs Personen sekund\u00e4r, ja zum Mittel seines dramentheoretischen Spiels, denn die Akteure sind sich ihres instrumentalisierten Spiels nicht bewusst. Negiert sich das Ganze, wenn dieses Spiel eines Spiels \u00fcber sich selbst reflektieren w\u00fcrde (was durchaus m\u00f6glich w\u00e4re, z. B. durch einen Spielleiter als Regisseur)? Nein. Zwar verlieren die sechs Personen ihren Autor, der sie fallen l\u00e4sst in ihre emotionale Katastrophe. Vielleicht geht es nicht anders, auch wenn Pirandello sagen will, die Sechs m\u00fcssen sich selbst finden und erfinden, also sich selbst zu Autoren machen. Wenn es ihnen nicht gelingt, dann soll es dem Zuschauer gelingen. Er kann Pirandellos St\u00fcck \u201eSechs Personen suchen einen Autor\u201c heute auch als conceptual art auffassen. So wird er selber zum Autor, vielleicht auch zum Autor seines eigenen Lebens.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-55424\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/cover.max_.jpg\" alt=\"\" width=\"86\" height=\"115\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/cover.max_.jpg 345w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/cover.max_-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/cover.max_-260x347.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/cover.max_-160x213.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 86px) 100vw, 86px\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<h5 class=\"wp-block-heading\" style=\"text-align: justify;\">Weiterf\u00fchrend \u2192<\/h5>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Lesen Sie auf KUNO zu den\u00a0<em>Arthurgeschichten<\/em> auch den\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6837\">Essay<\/a>\u00a0von Holger Benkel, sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/09\/06\/parcours-damour-oder-das-dekonstruierte-glueck\/\">Artikel<\/a> zu <em>Schlangegeschichten<\/em>.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein paar Gedanken zu Pirandellos Drama \u201eSechs Personen suchen einen Autor\u201c Das ist \u201eTricktheater\u201c, meinte Emil Faktor in seiner Kritik vom 31.12.1924 im Berliner B\u00f6rsen-Kurier zum St\u00fcck Pirandellos. 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