{"id":55390,"date":"2021-06-01T00:01:00","date_gmt":"2021-05-31T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=55390"},"modified":"2021-05-31T18:35:06","modified_gmt":"2021-05-31T16:35:06","slug":"das-koelner-richter-fenster","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/06\/01\/das-koelner-richter-fenster\/","title":{"rendered":"Das K\u00f6lner Richter-Fenster"},"content":{"rendered":"\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Meister der Grisaille, der formalen Strenge, der Unerbittlichkeit der Grau- und Unsch\u00e4rfe-Relationen. Dagegen das gro\u00dfe S\u00fcdfenster im Querschiff des K\u00f6lner Doms \u2013 hier sind alle Farben \u2013 ohne Wei\u00df und Schwarz und Grau.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Sch\u00f6pfungsbegriff verschwindet in der Abstraktion. Es schimmert das Licht wie eine neue Theologie wie das Licht durch die Scheiben. Verbildlichte Quantentheorie \u2013 Zufall und Notwendigkeit regieren. Es gibt keine vollkommene Sch\u00f6pfung. Schmerz und Leid sind notwendige Kollateralsch\u00e4den des Bios. Tod als Updating.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Richter baut seine K\u00fcnstlerg\u00f6ttlichkeit ein, indem er die nach dem Zufallsprinzip angeordneten Scheiben der Achsenspiegelung unterwirft. Aber das hat nur wirkungs\u00e4sthetische Gr\u00fcnde, keine theologische Bedeutung. Oder doch? Der Mensch gibt sich selbst den Sinn seines Lebens. Auch diese Selbstgesetzgebung funktioniert quantentheoretisch im Rahme von Zufall und Notwendigkeit. Wir \u00fcbersteigen nicht unsere Existenzbedingungen, wir bleiben in Platos H\u00f6hle.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott ist nur ein Begriff, eine Hilfsgr\u00f6\u00dfe, um wenigstens mental ins Transzendente zu gelangen. Meist wird Gott instrumentalisiert, um sich abzugrenzen und andere zu beherrschen, im besten Sinne dient er zur Selbstbeherrschung.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geht ihm um die Frage Malen oder Nichtmalen, Sein und Schein, Schwarz oder Wei\u00df, Existenz und Nichts. Das Grau ist der Endzustand der Welt, wenn das Zweite Thermodynamische Gesetz angewandt ist, wenn die Welt stillsteht, wenn der Kosmos ins Nichts sich verwandelt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDer Mann, der gestorben war\u201c von D. H. Lawrence. Jesus, vom Kreuz genommen, aber noch nicht tot, wacht in der Grabkammer auf und erkennt: Die brauchen einen Leichnam, auf den sie ihre Kirche bauen k\u00f6nnen! Ich aber will leben. Raus hier! Mit letzter Kraft entflieht er dem Felsengrab und findet Unterschlupf bei einer B\u00e4uerin, die ihn gesund pflegt. Sie liebt den jungen, sch\u00f6nen Mann, der noch nicht f\u00e4hig ist, die Liebe zu erwidern. Im Bild des an eine Leine gefesselten Hahns erkennt er sich selbst, seine Lage und seine Bestimmung. Er bricht auf zu seiner Wanderung ins Leben. Er begegnet in einem Isis-Tempel einer Priesterin, der er sich hingibt. Die Erektion wird zum Sinnbild seiner Auferstehung in ein b\u00fcrgerliches Leben \u2013 Jesus wird Zimmermann, er heiratet und wird Familienvater. \u2013 Lawrence hat in einem eindrucksvollen Nachwort zu dieser Geschichte den Wahnsinn der Kirche angeprangert, die im Ersten Weltkrieg Waffen und Soldaten segnete. In der Pieta des Michelangelo sieht er die Mutter und den im Krieg gefallenen Sohn. \u2013 Nach dem Ersten Weltkrieg begannen die christlichen Kirche ihre Kirchengl\u00e4ubigen zu verlieren, nach dem Zweiten Weltkrieg beschleunigte sich diese Entwicklung. \u2013 Vielleicht l\u00e4sst sich Richter so interpretieren, dass er den letzten Rest von Gott zu retten versucht, Gott wird zur Hom\u00f6opathie\u00a0 gesundgeschrumpft.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kleine Gipfeltreffen, <\/strong>von Ulrich Bergmann. KUNO 2021<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<div id=\"attachment_55373\" style=\"width: 870px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-55373\" class=\"wp-image-55373 size-large\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Weimar-1024x732.jpg\" alt=\"\" width=\"860\" height=\"615\" \/><p id=\"caption-attachment-55373\" class=\"wp-caption-text\">Bonn ist nicht Weimar<\/p><\/div>\r\n<\/figure>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Jahr pr\u00e4sentiert KUNO von Ulrich Bergmann deutsche Seelenlandschaften im Postkartenformat. Mit seinen \u201eCorrespondenzkarten\u201c verschafft er den Lesern das Vergn\u00fcgen von spezieller <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/12\/09\/twitteratur-eine-neue-literaturgattung\/\">Twitteratur<\/a>. Es ist eine bildungsb\u00fcrgerliche Kurzprosa mit gleichsam eingebauter Kommentarspaltenfunktion, bei der Kurztexte aus dem Zyklus <em>Kritische K\u00f6rper,<\/em> und auch aus der losen Reihe mit dem Titel\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=40312\"><em>Splitter, nicht einmal Fragmente <\/em><\/a>aufploppen. \u2013 Eine Einf\u00fchrung in\u00a0<em>Schlangegeschichten<\/em>\u00a0von Ulrich Bergmann finden Sie\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=32773\">hier<\/a>. Lesen Sie auf KUNO zu den\u00a0<em>Arthurgeschichten<\/em> auch den\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6837\">Essay<\/a>\u00a0von Holger Benkel, sowie seinen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15183\">Essay<\/a> zum Zyklus <em>Kritische K\u00f6rper.<\/em><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\r\n\r\n\r\n\r\n<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Ein Meister der Grisaille, der formalen Strenge, der Unerbittlichkeit der Grau- und Unsch\u00e4rfe-Relationen. Dagegen das gro\u00dfe S\u00fcdfenster im Querschiff des K\u00f6lner Doms \u2013 hier sind alle Farben \u2013 ohne Wei\u00df und Schwarz und Grau. 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