{"id":54875,"date":"2020-01-02T00:01:00","date_gmt":"2020-01-01T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=54875"},"modified":"2022-02-21T11:24:15","modified_gmt":"2022-02-21T10:24:15","slug":"ex-oriente-lux","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/01\/02\/ex-oriente-lux\/","title":{"rendered":"EX ORIENTE LUX"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color\" style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Gedanken zu Thomas Manns Roman \u201eJoseph und seine Br\u00fcder\u201c- Ein immer noch aktuelles Manifest f\u00fcr M\u00fcndigkeit, Vernunft und Freiheit<\/span> <\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein gro\u00dfer Roman! Schon der Umfang verr\u00e4t es \u2013 vier Romane in einem: Die Geschichten Jaakobs \/ Der junge Joseph \/ Joseph in \u00c4gypten \/ Joseph, der Ern\u00e4hrer \u2013 alles in allem rund 1800 Seiten. Golo Mann berichtete, sein Vater habe mit den Joseph-Romanen ein Werk erschaffen wollen, das der <em>Ilias<\/em> Homers gleichkomme. Mitgemeint war wohl auch, dass Thomas Mann \u2013 zwar in den Bildern der alttestamentlichen Geschichten, aber in geistigen und psychologischen Kategorien der Moderne \u2013 die g\u00fcltigen Mythen des Lebens erz\u00e4hlerisch darstellen wollte.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bevor der Erz\u00e4hler die faschistischen Ausw\u00fcchse in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts verurteilt &#8211; indem er theokratische und andere Machtusurpationen in der alt\u00e4gyptischen Geschichte schildert, die an die heutige Wiederkehr solcher offenbar mythischen Ph\u00e4nomene in neuen Gew\u00e4ndern erinnern \u2013, erz\u00e4hlt er in einem Vorspiel mit dem Titel <em>H\u00f6llenfahrt<\/em> von der Tiefe des Brunnens der Seins-Geschichte: von der Entstehung der Erde, der Erschaffung des Menschen als Ebenbild und B\u00fcndnispartner Gottes, von der Notwendigkeit des B\u00f6sen und der Geburt der S\u00fcnde; er erz\u00e4hlt vom Paradies, von Noah, Lot, Abraham und Isaak &#8230; Das Bild des Brunnens ist doppelt und dreifach: Die Geschichte schlummert dort in der Tiefe, sie ist das Wasser des Seins, aus dem sich Gegenwart und Zukunft sch\u00f6pfen \u2013 und nicht nur ein einzelner Mensch kann in den Brunnen fallen, sondern auch die Geschichte selbst, wie es sich vor allem in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts zeigte, und sie kann vielleicht gel\u00e4utert auferstehen wie Joseph, der zwei Mal in den Brunnen fiel.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die biblische Geschichte wird psychologisch grandios tapeziert und m\u00f6bliert. Hinzu kommen theologische Anspielungen und Reflexionen, etwa im Hinblick auf das abrahamsche Opfer Isaaks \u2013 und Jaakob fragt sich: h\u00e4tte er wie sein Vater gehandelt &#8211; ? Hintergr\u00fcndig auch die hinterlistige, m\u00f6rderische Rache der Lea-S\u00f6hne Jaakobs an der Vergewaltigung der einzigen Tochter Dina durch Sichem, bei dessen Stadt sich das kleine \u201aVolk\u2019 Israel mit vier Dutzend kriegsf\u00e4higen M\u00e4nnern angesiedelt hatte. Sichem erh\u00e4lt Dina zur Frau, wenn alle M\u00e4nner der Stadt Sichem beschnitten werden. Die Bedingung wird erf\u00fcllt. Jaakobs Stamm ist klar, dass Sichems Herrscher das nur tut, um Dina ohne Streit zu bekommen. Am dritten Tag nach der Beschneidung \u00fcberfallen die S\u00f6hne Schimeon und Levi die vom Wundfieber geschw\u00e4chten M\u00e4nner Sichems und t\u00f6ten sie. Thomas Mann reflektiert theologische Folgerungen nicht immer explizit, und doch wird klar, wie pragmatisch Selbstbehauptung sein muss, um als Minderheit zu \u00fcberleben in einem komplexen Geflecht von Ansiedelung, partieller Integration und allm\u00e4hlicher Land\u00fcbernahme. Im Falle Jaakobs aber geht es erst einmal um den Abzug aus Kanaan, das von der \u00e4gyptischen Besatzungsmacht kontrolliert wurde. Die Ereignisse liegen in einer langen Kette von \u00dcberlebenswundern, die letztlich auch f\u00fcr die Geburt des Christentums ausschlaggebend ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Isaak-Opfer wird erh\u00f6ht im Vergleich mit der \u201aKarikatur\u2019 eines irrsinnigen Menschenopfers. Laban, Jaakobs Herr, opfert \u2013 um das Wohlwollen seiner G\u00f6tter zu gewinnen \u2013 seinen ersten und einzigen Sohn, als er sein Haus erbaute. Seine T\u00f6chter geb\u00e4ren Jaakobs Stamm. Das Motiv der wundersamen Geburt und Fortpflanzung des Volkes Israel setzt sich fort in einem Echo Sarahs: in Rahels sp\u00e4ter und schwerer Geburt Josephs, den Jaakob seinen echten Sohn nennt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Bund Gottes mit Abraham und Jakob deutet der Erz\u00e4hler als eine dialektische Einheit von Gott und Mensch, in der sich beide erg\u00e4nzen, um in einem Prozess gegenseitigen Wirkens Vollkommenheit zu erreichen. Nur im Zusammenwirken k\u00f6nnen beide, Sch\u00f6pfer und Erschaffene (Autor und Werk?), die M\u00e4ngel der Sch\u00f6pfung verringern und beseitigen und so einander heiligen \u2013 es ist dies wohl die sanft- ironische Aufforderung an die Menschheit, die eigene Unvollkommenheit zu erkennen und zu heilen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">So ist das Gottesbild \u2013 also die Projektion der eigenen G\u00f6ttlichkeit \u2013 im steten Wandel; daraus l\u00e4sst sich ein vorsichtiger Fortschrittsglaube im Sinne Hegelscher Dialektik schlie\u00dfen. Immer wieder kommt der Erz\u00e4hler und Deuter des Lebens auf das Abrahamsche Opfer zu sprechen \u2013 da greift Jehova nicht ein und ruft das Halt! w\u00e4hrend der Opferung Isaaks, sondern Abraham erkennt Sinn und Unsinn des Opfers: sinnvoll ist der Glaube an die eigene Verantwortung: erkenne, dass du nicht dich selbst oder deinesgleichen aufgibst, sondern an dich selbst glaubst, als seiest du selbst Gott, also der Herr deines Schicksals. Gib dir ethische Regeln. Aber vergib dich nicht an Idole und Kirchg\u00f6tter. Den Bund, den Abraham mit Gott schlie\u00dft, denkt Thomas Mann \u00fcber Paulus\u2019 Theologie hinaus zum Bund mit sich selbst. Und genau das macht ihn \u2013 und sp\u00e4ter sein Volk \u2013 stark. Am Schluss des Kapitels \u201eWie Abraham Gott entdeckte\u201c k\u00fcsst Gott Abrahams Fingerspitzen \u2013 wir sehen ihn hier geradezu in einer Steigerung von Michelangelos sixtinischem Bild der Erschaffung Adams \u2013 und ruft zum heimlichen \u00c4rger der Engel aus: \u201eEs ist unglaublich, wie weitgehend dieser Erdenklo\u00df mich erkennt! Fange ich nicht an, mir durch ihn einen Namen zu machen? Wahrhaftig, ich will ihn salben!\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eTief ist der Brunnen der Vergangenheit.\u201c, so beginnt der Roman im \u201eVorspiel: H\u00f6llenfahrt\u201c. Im Brunnen schlummern die Geschichten, die Lebensgesetze, die Archetypen menschlicher Ideen und Handlungen \u2013 das Wasser des Lebens. Der Brunnen, in den die \u00e4lteren Br\u00fcder, in Wut und Neid, den hochfahrenden Joseph gefesselt werfen, ist leer und trocken. Auf dem Grunde des zum Gl\u00fcck nicht allzu tiefen Brunnens gelangt der vom Vater verh\u00e4tschelte, unreife, unerfahrene, aber intelligente, sch\u00f6ne und die Herzen der Menschen gewinnende Joseph zu ersten grundlegenden Erkenntnis \u00fcber sich und seine Situation, und so wird er sich selbst zum Wasser seines Lebens. Der Brunnen, in kaum maskierten Anspielungen mit Jesu H\u00f6hle, Grube und Grab genannt, wird zum Ort einer ersten Etappe der Auferstehung. Indem Joseph, den die Br\u00fcder als Sklaven an einen \u00e4gyptischen H\u00e4ndler verkaufen, sein Schicksal annimmt und sich gegen eine R\u00fcckkehr zum Vater, etwa durch Flucht, entscheidet, legt er den Grundstein f\u00fcr ein selbstbestimmtes Leben. Zwar denkt er noch, Gott f\u00fchre ihn nach \u00c4gyptenland; der Leser aber wei\u00df, dass Joseph seiner eigenen Gottesprojektion folgt, sein Zwiegespr\u00e4ch ist in Wahrheit ein Selbstgespr\u00e4ch \u2013 Selbstbewusstwerdung, Emanzipation von den Br\u00fcdern, der Familie und dem Vater. Seine Selbstaufkl\u00e4rung ist der Ausgang aus seiner selbstverschuldeten Unm\u00fcndigkeit. Indem er sich zunehmend selbst f\u00fchrt, \u00fcberwindet er Jaakobs selbstbez\u00fcgliche Liebe, und \u00fcberwindet einst ganz den Vater und seine allm\u00e4hlich abnehmende kindliche Gottesvorstellung. Schlie\u00dflich gelingt ihm die Gottwerdung, auf die der Erz\u00e4hler immer wieder anspielt. Etwa mit der Gleichsetzung von Gott und Schlachtopfer (so der Alte im Kapitel \u201eNachtgespr\u00e4ch\u201c), gemeint ist Gottes Tod und Auferstehung in Jesu Christus; Joseph wird vom Erz\u00e4hler (im folgenden Kapitel \u201eAnfechtung\u201c) selbst als \u201eGanzopfer\u201c bezeichnet. Hier wird Gott zum Platzhalter der Vernunft abstrahiert. Wenn Joseph sagt, der Ismaeliter reise mit ihm nur da hin, wo Gott ihn haben wolle (im folgenden Kapitel \u201eEin Wiedersehen\u201c), so folgt Joseph der Vernunft, also sich selbst, denn er ist es, der abgesehen von gesellschaftlichen und biologischen Determinanten sein Schicksal entscheidet. Er wird sich bald wie ein Auserw\u00e4hlter der Vernunft erscheinen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das erinnert an D. H. Lawrence\u2019 gro\u00dfartige (vor allem theologie- und kirchenkritische) Erz\u00e4hlung \u201eThe Man Who Died\u201c (1928). Der vom Kreuz genommene Jesus ist nicht wirklich tot, er wacht wieder auf, flieht aus dem Felsengrab und besinnt sich, er erkennt seine Instrumentalisierung durch jene, die mit ihm eine Kirche errichten wollen zur Lenkung der Menschen, er entdeckt sich selbst und seine Rolle; in der Begegnung mit einer Tempel-Priesterin des Isis-und-Osiris-Kults erf\u00e4hrt er die Sexualit\u00e4t, die ihm die Redakteure des Neuen Testaments aberkannt haben \u2013 und ergreift zuletzt den b\u00fcrgerlichen Beruf des Zimmermanns \u2013 so wird er zum Dachdecker seines Ich-Hauses.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Und der Tod? Der endg\u00fcltige? Geh\u00f6rt er auch zu den Archetypen, zu den mythischen Wiederholungen? Nat\u00fcrlich. Er kam ja schon vor im jungen Leben Josephs. Es ist alles so einfach, so einfach wie in <em>Our Town<\/em>. Wir durchlaufen die Lebensstufen, ohne zu wissen, was sie sind. Wir leben mythisch. Alles war schon da, wir erfinden unser Leben nicht. Mythos und Clich\u00e9 sind dasselbe. Ich bin, f\u00fchle ich, also lebe ich, sagt sich das Kind. Die Welt, die mich umgibt, ist mein Schicksal, der Blitz kann mich treffen, vor dem Regen renne ich weg. Wenn ich die Augen schlie\u00dfe, wenn ich spiele, erschaffe ich eine Welt nach meinen Regeln, und diese Welt geh\u00f6rt nur mir. Vielleicht kann ich diese halb getr\u00e4umte Welt zu meinem Leben machen, wenn ich erwachsen werde. Ich bin ein K\u00f6nig, ich throne vor dem goldenen Spiegel und auf den Mahagoni-Schr\u00e4nken der Gro\u00dfeltern, ich regiere den Hof, den Kellergang, den Sandkasten, den B\u00fcrgersteig und die Stra\u00dfe, die Wiesen, die Br\u00fccken, das Ufer der Saale, sie ist mein Nil, mein Mississippi &#8230; Und wenn ich gro\u00df bin, beherrsche ich meine ganze Welt &#8230;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber der Tod ist immer pr\u00e4sent. Ich wusste als Kind nicht, was das ist. Der Tod ist nur ein Schalter \u2013 ich knipse das Licht einfach wieder an, wenn es ausgeht. Und wenn die Gl\u00fchbirne durchschmort? Egal, ich schraube eine neue Birne in die Lampe. Das Leben geht immer weiter. Es gibt im Leben nichts Archetypischeres als den Tod. Der Tod ist nur eine scheinbare Unterbrechung des Lebens, so glaubt es nicht nur das Kind. Das Leben umschlie\u00dft den Tod, der nur ein Gegengedanke ist, um uns bewusst zu machen, dass wir leben. Nat\u00fcrlich lebt der Tote weiter! Sterben ist Lebenswandel, und Tod ist nur ein Name f\u00fcr ein anderes Leben, das wir nicht verstehen, weil wir im gegenw\u00e4rtigen Leben das andere nicht in einem Satz denken k\u00f6nnen. So oder so \u00e4hnlich ahnen wir, was wir sp\u00e4ter erst formulieren k\u00f6nnen. Und bis dahin sind Traum und Spiel unsere Wirklichkeit.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Gespr\u00e4ch mit seinem kleinen Bruder Benjamin deutet der 17-j\u00e4hrige Joseph die Auferstehung voraus und verschmilzt verschiedene mythologische Vorstellungen des Orients miteinander \u2013 Tammuz- und Sonnenmythos, Adonis-Sch\u00f6nheit, Adonai-Herr, Dumuzi-Erbsohn \u2013 deutliche Vorwegnahmen der Auferstehung Jesu Christi.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Dialog zwischen dem jugendlichen Joseph und dem Kind Benjamin wird derart gepr\u00e4gt von einer elaborierten Sprache und religi\u00f6sen Inhalten, dass der Leser, staunend und zugleich bewundernd, von der Gespr\u00e4chssituation und Atmosph\u00e4re zwischen den beiden j\u00fcngsten Br\u00fcdern, die alles andere als realistisch ist, ergriffen ist \u2013 es ist diese Spur von Wahn-Sinn, wie sie auch an anderen Stellen des gro\u00dfen Romans immer wieder durchbricht. Der Erz\u00e4hler erschafft eine fesselnde Sprache zwischen biblischem Erz\u00e4hlton und Alltagshymnik. Neben der theologischen Wohlbewandtnis verf\u00fcgt der Erz\u00e4hler unter der kalifornischen Sonne \u00fcber eine Purzelbaumstilistik und W\u00e4rme der Erz\u00e4hlung ohnegleichen. Alles gewinnt hier: kindlicher Charme, die Erotik des jungen K\u00f6rpers, der gekonnt lange Atem der Handlungs-Entwicklung, die sprachmanieristische Dialogf\u00fchrung. An so manchem Kapitelende denkt der Leser: Was f\u00fcr ein genialer Irrsinn! Und ist absolut fasziniert. Welch ein \u00fcberirdischer Humor! Ironie gibt es meist auf einer Semimetaebene. Das Human-Humide triumphiert.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Vier B\u00e4nde \u2013 man ist versucht zu glauben, Thomas Mann habe hier, gleichsam Wagners Nibelungen-Tetralogie \u00fcberbietend, seinen \u201eRing\u201c geschrieben.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Sprachlich gro\u00dfartig. Neben langen und teils komplizierten S\u00e4tzen stehen kurze, manchmal poetisch pr\u00e4gnant. Im Gegensatz zur narrativen K\u00e4lte im <em>Doktor Faustus<\/em> sp\u00fcrt hier der Leser das warmherzige Mitf\u00fchlen mit den Hauptfiguren \u2013 Jaakob, Joseph, Rahel. Die ironischen Subtexte beziehen sich eher auf theologisch relevante Bedeutungsschichten oder auf Unterschiede zwischen den gesellschaftlichen Rollen von Mann und Frau, oder auf zeitlose Ph\u00e4nomene des Lebens. Auch diese sanfte Ironie erscheint eher wie eine Variante tiefen Humors.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Thomas Mann treibt in seinem apotheotischen Entwicklungsroman ein subtiles Spiel mit den bibelbezogenen Themen, man muss da nicht alles auf die Goldwaage wissenschaftlicher Exegese legen. Gott erscheint als gesellschaftlich und individuell n\u00fctzliche Projektion, eigentlich mehr ein dialektisch sich entwickelndes, also ver\u00e4nderliches ethisches Fundament mit demokratischer Anpassungs- und Kompromissf\u00e4higkeit.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Messias-Idee, im Roman oft spielerisch, leicht ironisch gebrochen, tritt auf als Sehnsucht und Irrweg, sinnvoll nur in der Selbstbez\u00fcglichkeit: Jeder Mensch ist sich selbst ein Messias, also Gott und Gestalter seines eigenen Lebens.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Falten- und Schattenwurf der sich fortpflanzend wiederholenden Mythen \u2013 Thomas Mann wurde zu dieser bibelexegetischen Erz\u00e4hlidee angeregt durch Sigmund Freud -, der schicksalhaften Geschehnisse im Leben der Familien und Einzelnen, oft spielerisch variiert, oft auch nur spielerisch so gedeutet \u2013 etwa in der humorvollen Episode von der Eselin Hulda, die mit einem Fu\u00df in ein Erdloch tritt &#8230; st\u00fcrzt und sich vermeintlich die Fessel bricht und so den Fall Josephs r\u00fcckblickend \u201avorauszudeuten\u2019 scheint.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Mythenspiel ereignet sich in ernsthafter und willentlicher Aneignung Josephs, in der es\u00a0 umgewandelt, abgebogen, kompensiert und sublimiert lebt \u2013 es ist die geistig-seelische Evolution, und in der Auferstehung konstituiert sich das Erwachsenwerden. Nicht nur einmal f\u00e4llt Joseph in den Brunnen, mehr als einmal gelingt ihm die Auferstehung. Die Geschichte Josephs ist ein religi\u00f6s und philosophisch akzentuierter Entwicklungsroman. Seinen F\u00fchrer ins \u00c4gyptenland, den alten H\u00e4ndler, nennt Joseph beim Abschied in Potiphars Haus seinen Heiland. Kurz danach reflektiert der Erz\u00e4hler in dem bemerkenswerten Kapitel <em>Wie lange Joseph bei Potiphar blieb<\/em> \u00fcber Josephs Mythenwiederholung: \u201eWas er erlebte, war Imitation und Nachfolge; in leichter Abwandlung hatte sein Vater es ihm einst vorerlebt. Und geheimnisvoll ist es, zuzusehen, wie im Ph\u00e4nomen der Nachfolge Willentliches sich mit F\u00fchrung vermischt, so da\u00df ununterscheidbar wird, wer wen eigentlich nachahmt und es auf Wiederholung des Vorgelebten anlegt: die Person oder das Schicksal &#8230; alles Leben ist Ausf\u00fcllung mythischer Formen mit Gegenwart.\u201c Wie Joseph im Vater aufersteht \u2013 in Jaakob, nicht in Gott \u2013, so geht auch der Erz\u00e4hler, Thomas Mann, in der von ihm erz\u00e4hlten Josephs-Geschichte auf \u2013 es ist die Auferstehung des Erz\u00e4hlers in der Mythenverwandlung, er ist der schicksalhafte Beweger, Sch\u00f6pfer seiner Erz\u00e4hlung nur halb, \u201eder Erz\u00e4hler ist zwar in der Geschichte, aber er ist nicht die Geschichte; er ist ihr Raum, aber sie nicht der seine, sondern er ist auch au\u00dfer ihr, &#8230; Hundertmal ist sie erz\u00e4hlt worden und durch hundert Mittel der Erz\u00e4hlung gegangen. Hier nun und heute geht sie durch eines, worin sie gleichsam Selbstbesinnung gewinnt und sich erinnert, wie es denn eigentlich im Genauen und Wirklichen einst mit ihr gewesen, also, da\u00df sie zugleich quillt und sich er\u00f6rtert.\u201c \u2013 So wie Abraham Gott \u201ehervordachte und erkannte\u201c, so erkennt auch der Erz\u00e4hler, Thomas Mann, sich selbst als dialektisches Gegen\u00fcber der Geschichte, die er mythenwandlerisch \u201anacherz\u00e4hlt\u2019, und so geht es um die Auferstehung einer alten, halb schon versch\u00fctteten Geschichte, zu neuem Verst\u00e4ndnis, zu neuer Bedeutung, und im erz\u00e4hlerisch reformierten Gottesbegriff kommt Thomas Mann der Existenzphilosophie Sartres sehr nah:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eL\u2019homme n\u2019est rien d\u2019autre que ce qu\u2019il se fait &#8230; La vie n\u2019a pas de sens, a priori. Avant que vous viviez, la vie, elle, n\u2019est rien, mais c\u2019est \u00e0 vous de lui donner un sens, et la valeur n\u2019est pas autre chose que ce sens que vous choisissez &#8230; Il n\u2019y a pas d\u2019autre univers qu\u2019un univers humain, l\u2019univers de la subjectivit\u00e9 humaine &#8230; L\u2019Existentialisme n\u2019est pas autre chose qu\u2019un effort pour tirer toutes les cons\u00e9quences d\u2019une position ath\u00e9e coh\u00e9rente. Si l\u2019on appelle, comme les chr\u00e9tiens, d\u00e9sespoir toute attitude d\u2019incroyance, elle part du d\u00e9sespoir originel &#8230; Il faut que l\u2019homme se persuade que rien ne peut le sauver de lui-m\u00eame, f\u00fbt-ce une preuve valable de l\u2019existence de Dieu. L\u2019homme est fondamentalement d\u00e9sir d\u2019\u00eatre Dieu.\u201c (<em>L\u2019Existentialisme est un Humanisme<\/em>, 1949)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die lange Erz\u00e4hlung von Joseph und seinen Br\u00fcdern ist in der Gestalt des Joseph, wie gesagt, ein Entwicklungsroman \u2013 auch im Hinblick auf die Entwicklung der Religion. In den greisen Eltern Potiphars, Huij und Tuij, erkennt Joseph die \u00dcberlegenheit seines Gottesbildes, das sich immer deutlicher in eine existenzphilosophische Weltanschauung verwandelt. Er sieht im Seins-Spiel der ewigen Wiederkehr den einen Gott, der in ihm aufersteht, wie auch Joseph zun\u00e4chst in seinem Vater Jaakob, dann in Gott aufersteht. Das ist der \u201elebendige Gott\u201c im Gegensatz zu den toten G\u00f6ttern im alten \u00c4gypten. Und es ist zugleich die \u201eAbsage an jederlei Jenseits-Aussicht\u201c. Religio wird hier aufs Sch\u00f6nste als R\u00fcckbindung verstanden, als Selbstbesinnung, Selbstrechtfertigung, Selbsterzeugung in Welterschaffung und Selbstvervollkommnung \u2013 mit R\u00fcckbindung an die Vernunft: Ebenbildlichkeit in personaler Einheit mit Gott als Alter Ego, also mit sich selbst.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Huij und Tuij, das inzestu\u00f6se Zwillingsgeschwisterpaar, opferte die M\u00e4nnlichkeit ihres Sohnes schlechten Gewissens den \u00e4gyptischen G\u00f6ttern, die teils selber inzestu\u00f6s sind, Isis und Osiris etwa; jetzt wo sie dem Tode n\u00e4her r\u00fccken, bekommen sie Angst vor dem Totengericht \u2013 sie sp\u00fcren, dass ihr moralischer Standard l\u00e4ngst nicht mehr up to date ist, da sich die g\u00f6ttlichen Herrschaftsverh\u00e4ltnisse ge\u00e4ndert haben, und so retten sie sich in ein seniles, absurd-rechtfertigendes Lachen \u00fcber ihre Cleverness, als sie sich mit dem unmenschlichen Opfer von ihrer S\u00fcnde freizukaufen suchten. Aber sie verlachen sich selbst. Joseph erkennt ihr falsches Opfer, ihre \u201eGottesdummheit\u201c; diese steht in einer Reihe falscher Opferhandlungen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die religionskritische Dimension des Romans wird hier erkennbar. Es gibt keine Religion ohne Handeln nach dem Glauben, das sich zum Ritual verfestigt. Und genau da entsteht Kirche, sie ist gleichsam schon da, ehe sie erbaut ist. Das wird auch die monotheistische Religion betreffen, deren \u00dcberlegenheit sich mit Joseph zeigt. Joseph l\u00e4sst mit der R\u00fcckbindung an die Vernunft einen utopischen Horizont erahnen \u2013 Religionen alten Musters in diesseitiger Beschr\u00e4nkung zu \u00fcberwinden. Es geht um die Befreiung des Christentums und des Islam von aller Bevormundung. Ob diese neue Aufkl\u00e4rung realisierbar ist, bleibt fraglich im Dickicht von Vernunft und Erkenntnis in Wechselwirkung mit menschlichen Trieben und demokratischen Kompromissen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Sieht Thomas Mann die Mythen in seinem \u201aRing\u2019 von Joseph und seinen Br\u00fcdern als Leitmotive? Folgt der G\u00f6tterd\u00e4mmerung die Menschheitsd\u00e4mmerung? Das sind wohlwollend humorvoll-ernste Nebenfragen. Alles in allem ist das vierteilige Erz\u00e4hlwerk ein Pl\u00e4doyer der M\u00fcndigkeit im Rahmen einer evolution\u00e4r-demokratischen Selbst- und Fremdentfaltung. Das ist Hans Castorps Erkenntnis im Schnee-Kapitel noch einmal anders und erweitert formuliert, n\u00e4mlich ausgeweitet ins Gesellschaftliche.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">So gesehen ist Thomas Manns Joseph-Roman auch ein Gegenentwurf zum europ\u00e4ischen Faschismus in der ersten H\u00e4lfte des letzten Jahrhunderts und zu den in letzter Zeit wieder erstarkten autorit\u00e4ren Systemen, die sich auf populistische Methoden gr\u00fcnden. Ihnen gegen\u00fcber erscheint die Herrschaft Pharaos, der sich, motiviert durch Joseph, sp\u00e4ter in Ech\u2019n-Aton umbenennt, wie eine das Gesamtwohl verantwortende Monarchie. Diese ist zwar weit entfernt davon, sich zu einer Demokratie zu entwickeln \u2013 Thomas Mann durfte und wollte keinen anachronistischen Roman schreiben \u2013, aber der junge, freigeistige Pharao erkennt durch Joseph, dass eine polytheistische Religion nicht mehr relevant sein kann, wie es ja auch nur eine Vernunft gibt, die f\u00fcr alle gilt. \u201eEs hei\u00dft die Einheit der Welt verkennen, wenn man Religion und Politik f\u00fcr grundverschiedene Dinge h\u00e4lt, die nichts miteinander zu schaffen h\u00e4tten noch haben d\u00fcrften, so da\u00df das eine entwertet und als unecht blo\u00dfgestellt w\u00e4re, wenn ihm ein Anschlag vom anderen nachgewiesen w\u00fcrde. In Wahrheit tauschen sie das Gewand, wie Ischtar und Tammuz das Schleiergewand tragen im Austausch, und das Weltganze ist es, das redet, wenn eines des anderen Sprache spricht.\u201c, schreibt der Erz\u00e4hler vor dem gro\u00dfen Gespr\u00e4ch Josephs mit Pharao. Da dieser als Gott angesehen wird, liegt der Gedanke an den lebendigen Gott nahe, dessen Wirken Joseph in sich selbst erkennt. So wird der Kuss, mit dem Pharao sich mit Joseph verb\u00fcndet, zur Vereinigung zweier \u201aG\u00f6tter\u2019 im Namen der Vernunft. Gott und Mensch werden austauschbar, sie helfen sich gegenseitig. Dieses B\u00fcndnis macht nicht nur zwei Menschen reifer, sondern auch deren Gottesbegriff und das alt\u00e4gyptische Gesellschaftssystem, das in der Romanfiktion auch die Kritik am Faschismus des Dritten Reichs bis hin zum theokratischen Missbrauch unserer Zeit impliziert. Der Kuss, den Pharao Joseph gibt zum Zeichen einer Neuorientierung, ist ein menschlicher, philosophischer und vor allem politischer Akt der Entscheidung, die sich in Josephs an Noahs Arche erinnernde Vorsorgewirtschaft segensreich auswirkt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Entwicklung Josephs, seine Brunnenst\u00fcrze, seine allm\u00e4hliche Reifung &#8211; das ist es, was uns bewegt. F\u00fcr die zwei gro\u00dfen Aspekte unseres Lebens:\u00a0Wie sollen und\u00a0k\u00f6nnen wir leben und wozu? Und: Was kommt danach?, finden sich in Thomas Manns Joseph-Roman Antworten, jedenfalls f\u00fcr den ersten Aspekt. F\u00fcr den zweiten gibt es keine Antwort au\u00dfer dem Glauben. Und so habe auch ich, der Leser, eine Religion, wie wohl jeder Mensch. Glauben ist wohl die beste \u00dcbersetzung des Wortes Religion.\u00a0Nur glaubt nicht jeder nach den Vorgaben der Religionen. Religio hei\u00dft R\u00fcckbindung, so sagen die Religionslehrer \u2013 aber an was?Der R\u00f6mer in der Antike verstand unter religio Gewissenhaftigkeit und meinte &#8211; so Cicero &#8211; das Wiederlesen (relegere) der Tempelvorschriften. Und da haben wir das Problem: die Kirche. Nun gut, neuere Theologie will es besser meinen, weniger Kirche, mehr Glaube (schon Luther wollte das). Aber so ganz ohne\u00a0Kirche will es wohl bis heute nicht recht gelingen &#8230; Schleiermachers Definition\u00a0(\u201eReligion ist das Gef\u00fchl der schlechthinnigen Abh\u00e4ngigkeit von Gott\u201c) klingt sch\u00f6n, aber sie birgt in sich\u00a0diese weder beweisbare noch unbeweisbare Gottes-Annahme. Kant meinte, die Annahme, Gott existiere, sei sinnvoll. \u2013 Theologie ringt um die Deutung neutestamentlicher Verhei\u00dfungen &#8211; und schwebt immer noch in der Starre der Parusie &#8230; Man gibt den Kinderglauben nicht auf, er eignet sich zu gut f\u00fcr Kirche und moralische Herrschaft &#8211; oder f\u00fcr die Selbst\u00fcberredung\u00a0zu einer Auferstehung in eine transpersonale Einheit mit Gott nach dem Tode als Trost f\u00fcr die Endlichkeit des Lebens. Wem das gelingt und guttut, der kann sich gl\u00fccklich sch\u00e4tzen. Jeder nach seiner fa\u00e7on.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSoll ich hinzuf\u00fcgen\u201c, fragt Thomas Mann (in: Neue Studien, Bermann-Fischer Stockholm 1948), \u201eda\u00df wir die Leiden, durch die wir jetzt zu gehen haben, die Katastrophe, in der wir leben, der Tatsache zu danken haben, da\u00df wir der Gottesklugkeit in einem Grade, der l\u00e4ngst str\u00e4flich geworden war, ermangelten?\u201c (S. 184f.) \u201eDa ist Einer, der Gott nicht entdeckt hat, aber der ihn zu \u201abehandeln\u2019 wei\u00df; Einer, der nicht nur der Held seiner Geschichten, sondern ihr Regisseur, ja ihr Dichter ist und sie \u201aschm\u00fcckt\u2019; Einer, der zwar auch noch teil hat am Kollektiv-Mythischen, aber auf eine witzig-vergeistigte und verspielte, zweckhaft-bewu\u00dfte Art. Kurz, man sieht, das sich befreiende Ich ist sehr bald ein k\u00fcnstlerisches Ich &#8230; in Joseph m\u00fcndet das Ich aus \u00fcberm\u00fctiger Absolutheit zur\u00fcck ins Kollektive, Gemeinsame und der Gegensatz von K\u00fcnstlertum und B\u00fcrgerlichkeit, von Vereinzelung und Gemeinschaft, Individuum und Kollektiv hebt sich im M\u00e4rchen auf, wie er sich nach unserer Hoffnung, unserem willen aufheben soll in der Demokratie der Zukunft, dem Zusammenwirken freier und unterschiedener Nationen unter dem Gleichheitszepter des Rechts.\u201c (S. 181f.)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Religion ist f\u00fcr Thomas Mann das, was sie f\u00fcr Joseph ist: \u201e&#8230; Aufmerksamkeit auf innere Ver\u00e4nderungen der Welt, auf den Wechsel im Bilde der Wahrheit und des Rechten; Gehorsam, der nicht s\u00e4umt, Leben und Wirklichkeit diesen Ver\u00e4nderungen, diesem Wechsel anzupassen und so dem Geiste gerecht zu werden. In S\u00fcnde leben hei\u00dft gegen den Geist leben, aus Unaufmerksamkeit und Ungehorsam am Veralteten, R\u00fcckst\u00e4ndigen festhalten und fortfahren, darin zu leben. Und von der gerechten Furcht vor dieser S\u00fcnde und Narrheit ist jedesmal die Rede in dem Buch, wo von der \u201aGottessorge\u2019 die Rede ist.\u201c (S. 183)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Joseph nicht At\u00f4n, sein Gott ist nicht die Sonne, die weder als Ding noch Symbol die Welt zu umgreifen vermag. Er ist kein Isaak-Opfer, das geben seine Brunnenst\u00fcrze nicht her, er ist allenfalls eine Variation in der Umkehrung: aus dem Opfer wird ein dialektisch wachsender und reifender Bund mit Gott, den der Leser als einen Bund mit der liebenden Vernunft begreifen kann, und Joseph ist auch nicht Ad\u00f4n, der Herr, trotz so vieler Anspielungen auf Jesus Christus, mit dessen Selbstopfer am Kreuz er nichts zu tun. Aber mit ihm hat Joseph die Auferstehung gemeinsam. Die gibt es im Leben. Joseph hat sie zwei Mal erlebt.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=32773&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Bergmann-Erz.Cover_.jpg\" alt=\"\" width=\"216\" height=\"323\" \/><\/a><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchend\u00a0\u2192<\/strong>\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum 50. Jahrestag des Erscheinens liest Ulrich Bergmann Thomas Manns <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/27\/narrative-kaelte\/\">Doktor Faustus<\/a>. \u00dcber Thomas Manns Erz\u00e4hlung Der Tod in Venedig findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/08\/12\/aschenbach-und-wir\/\">hier<\/a> ein Artikel. Und Bergmanns\u00a0<span class=\"ILfuVd c3biWd\"><span class=\"hgKElc\">\u00dcberlegungen der zum Untergang verurteilten b\u00fcrgerlichen Welt vor dem Ersten Weltkrieg<\/span><\/span>\u00a0 anhand des <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/08\/12\/neuschnee\/\">Zauberbergs<\/a><\/em>.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist eine bildungsb\u00fcrgerliche Kurzprosa mit gleichsam eingebauter Kommentarspaltenfunktion, bei der Kurztexte aus dem Zyklus <em>Kritische K\u00f6rper,<\/em> und auch aus der losen Reihe mit dem Titel\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=40312\"><em>Splitter, nicht einmal Fragmente <\/em><\/a>aufploppen.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gedanken zu Thomas Manns Roman \u201eJoseph und seine Br\u00fcder\u201c- Ein immer noch aktuelles Manifest f\u00fcr M\u00fcndigkeit, Vernunft und Freiheit Ein gro\u00dfer Roman! Schon der Umfang verr\u00e4t es \u2013 vier Romane in einem: Die Geschichten Jaakobs \/ Der junge Joseph \/&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/01\/02\/ex-oriente-lux\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":41,"featured_media":98374,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[282,866],"class_list":["post-54875","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-thomas-mann","tag-ulrich-bergmann"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54875","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/41"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=54875"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54875\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":99146,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54875\/revisions\/99146"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98374"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=54875"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=54875"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=54875"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}