{"id":5345,"date":"2003-06-05T00:00:39","date_gmt":"2003-06-04T22:00:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=5345"},"modified":"2022-11-18T08:37:47","modified_gmt":"2022-11-18T07:37:47","slug":"die-neue-deutsche-wanderdune-attrappe-einer-kulturgeschichte-von-neulich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/06\/05\/die-neue-deutsche-wanderdune-attrappe-einer-kulturgeschichte-von-neulich\/","title":{"rendered":"DIE NEUE DEUTSCHE WANDERD\u00dcNE. Attrappe einer Kulturgeschichte von neulich."},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. IM WELLENTAL<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/CoverKraus.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-5349\" title=\"CoverKraus\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/CoverKraus-182x300.jpg\" alt=\"\" width=\"182\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/CoverKraus-182x300.jpg 182w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/CoverKraus.jpg 256w\" sizes=\"auto, (max-width: 182px) 100vw, 182px\" \/><\/a><span style=\"color: #999999;\">Und eine Stimme hat sie, da\u00df man sich Watte in die Ohren stopfen mu\u00df, wenn man unzerrissene Trommelfelle behalten will. Beginnt sie ihr donnerndes Lied zu singen \u2013 ein Lied von deutschem Erfindergeist und deutscher Kraft \u2013, so f\u00e4hrt ihr ein Feuerstrahl von Mastbauml\u00e4nge aus der Kehle, und wer hinter dem musizierenden Cousinchen steht, seht eine schwarze, kleiner und kleiner werdende Scheibe steil durch die Luft emporfliegen &#8230;<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Karl Kraus<em> \u00b7 Die letzten Tage der Menschheit<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Wiederaufbau der zerbombten Alpen nach dem zweiten Weltkrieg hat die \u00d6sterreicher einen Gutteil Energie gekostet. Die Mattigkeit davon wird tradiert und besch\u00f6nigend als \u203aGem\u00fctlichkeit\u2039 ausgegeben. Bis vor zwei Jahren habe ich noch am S\u00fcdrand dieser Gem\u00fctlichkeit gelebt, in Graz. Obwohl das kulturelle Nachrichtenwesen des Landes von ausgesuchter Besinnlichkeit ist, kamen neue Ereignisse an. Namentlich Punk, und Str\u00f6mungen, die sich \u00fcber die Medien aufb\u00e4umten zur New Wave, der Neuen Welle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Pistols1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-5353 alignright\" title=\"Pistols\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Pistols1-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Pistols1-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Pistols1.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Vorerst tauchen vor mir Figuren wie <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=VgNeBNMJFZs\">Patti Smith<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=4YxJ5UShIDg\">Nina Hagen<\/a> auf. Aus der Musicbox meines Stammcafes f\u00f6hnt t\u00e4glich mehrmals die <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=MeP220xx7Bs\">erste Single<\/a> der Sex Pistols. Die S\u00e4nger, die jetzt kommen, schreien wie bei einem Autounfall, die Lenks\u00e4ule im Brustkorb, und die Musik dazu als das Fr\u00e4sen und Schwei\u00dfen der Bergungsmannschaft. Ein scharfes Bild der Zeit (und ein genialer Public Relations-Coup des Sex Pistols-Managers <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=R3LFU4gPxKs\">Malcolm McLaren<\/a>, der den Punkenstein erschuf). Der versumpfte amerikanische Ideologie-Markenartikel Hippie ist abgemeldet und zum Inbild gescheiterter Subversion geworden. Beat und der Way of Life des Freaks zerflattern wie Konfetti in einem Maskenball aufgesetzter Lebensgef\u00fchle (<em>Got the blues, babe &#8230;<\/em>, <em>Om Mani Padme Hum<\/em> &#8230;, <em>Du, dein Nagual ist nicht in Ordnung<\/em> &#8230;). Aus Achtundsechzig ist Achtungsetzdich geworden. Nun sind neue Ans\u00e4tze auszumachen, schrill, w\u00fcst, heftig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Die Kritik, die Punk schuf und im Innersten zusammenhielt, war zun\u00e4chst ein lange unterdr\u00fccktes und aufs \u00e4rgerlichste sublimiertes Verlangen nach Klasse, Stil und Schneid (bei den Linken als faschistoid verschrien: wenn einer zu gut aussieht). Blitzschnell, laut und hart. Hier bin ich, bis dahin reiche ich. Hier habt ihr mein Bewu\u00dftsein. Kommt unter der behaglichen Schmusedecke der Subkultur hervorgekrochen und stellt euch der K\u00e4lte, die euch umgibt<\/span> &#8230;<\/em> (<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Diedrich_Diederichsen\">Diedrich Diederichsen<\/a>). *1)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/The-Cure1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-5389\" title=\"The Cure\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/The-Cure1-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Was im Noveau Roman der f\u00fcnfziger Jahre in der Prosa erprobt worden war, ist nun Live-Ereignis: <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=CBKb0iZSTfo\">No More Heroes<\/a>. Der Tod des Stars. Einen Augenblick sp\u00e4ter allerdings haben sich die neuen Helden schon wieder durch die Hintert\u00fcr eingeschlichen. Von den ansetzenden Ver\u00e4nderungen bleibt vieles auf amputierte Stummel wie\u00a0\u203a<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=gQe_l0-Ca9s\">No Future<\/a>\u2039 beschr\u00e4nkt, deren Verschlei\u00df in den Massenmedien auch alsbald die Anf\u00e4nge hinwegverdumpft: <em>Und das Schlimmste: die Punkbasis richtete sich danach. Ende 79 schrieb Bild: \u00bbDie Punker \u2013 dumpfer Ha\u00df auf alles<\/em>.\u00ab\u00a0 <em>Ein Jahr sp\u00e4ter traf diese Behauptung auf die, die aussahen wie Punks, tats\u00e4chlich zu.<\/em> (Diederichsen) *2).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1980 erscheint eine erste Sammlung englischer Punk-Songtexte mit deutschen \u00dcbersetzungen, <em>I Hate The Universe<\/em>, herausgegeben von Sylvia James *3), darunter <em><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=xh01Pil7vj4\">Killing An Arab<\/a> <\/em>von Cure, eine Aufarbeitung von Albert Camus&#8216; <em style=\"text-align: justify;\">Der Fremde<\/em>. Camus, so scheint es, liegt mit seinen S\u00e4tzen von der\u00a0<em>z\u00e4rtlichen Gleichg\u00fcltigkeit der Welt<\/em> hochaktuell in den jungen achtziger Jahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. UFER IN DER W\u00dcSTE<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Komm und lehre mein Lied jugendlich heiter sein.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Klopstock<em> \u00b7 Ode an den Z\u00fcricher See<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/titel187.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-5357 alignright\" title=\"titel187\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/titel187-231x300.jpg\" alt=\"\" width=\"231\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/titel187-231x300.jpg 231w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/titel187.jpg 312w\" sizes=\"auto, (max-width: 231px) 100vw, 231px\" \/><\/a>Zu den Hauptausfuhrg\u00fctern von Graz geh\u00f6ren hochwertige Schriftsteller. Wirkungsvollster Exportanreiz ist die <em><a href=\"http:\/\/www.gav.at\/\">Grazer Autorenversammlung<\/a><\/em>, zu deren j\u00e4hrlichen Litertursymposien sich die feuilletonangebende deutschsprachige Gegenwartsliteratur einfindet. Die Literatur, die im Versammlungsblatt <em><a href=\"http:\/\/www.manuskripte.at\/\">manuskripte<\/a><\/em> *4) (und nicht nur dort) das Wort hat, erscheint zunehmend als eine ausgewogene Mischung von vorgezogenem Altersschwachsinn \u2013 die f\u00fcr Weisheit genommen wird \u2013, angestrengter Humorlosigkeit und versponnen in sich kreisenden Sprachbespiegelungen.<\/p>\n<div id=\"attachment_5360\" style=\"width: 129px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Ju\u0308rgen_Muschalek_1983.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5360\" class=\"size-full wp-image-5360\" title=\"Ju\u0308rgen_Muschalek_1983\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Ju\u0308rgen_Muschalek_1983.gif\" alt=\"\" width=\"119\" height=\"185\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5360\" class=\"wp-caption-text\">Muscha<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solcherart Texte tragen dazu bei, da\u00df vor allem bei den Jungen ein Unbehagen vor Literatur ansteigt und die \u203aanspruchsvollen\u2039 Gattungen in den Ruch gekommen sind, Synonym f\u00fcr eine Art Metakrimi zu sein, wobei man sich auf die Jagd nach dem M\u00f6rder der Verst\u00e4ndlichkeit begibt, der sich oft genug als der Autor selbst entpuppt. Der Neue Deutsche Welle-Filmer Muscha (<em>Humanes T\u00f6ten<\/em>, <em>Decoder<\/em>) spricht von\u00a0<em>Angst vor der Literatur beim Drehbuchschreiben<\/em> und arbeitet gegen steife und lineare Textabl\u00e4ufe zum Beispiel mit Dub-Techniken, die aus der Reggae-Musik \u00fcbernommen sind. <em>Die meisten deutschen Autoren schreiben inhaltsschwanger, holzig und \u00fcberladen<\/em>. (Muscha).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich lese Gedichte von Patti Smith<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/220px-PattiSmithHorses.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-5363 alignright\" title=\"220px-PattiSmithHorses\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/220px-PattiSmithHorses.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"220\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/220px-PattiSmithHorses.jpg 220w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/220px-PattiSmithHorses-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/><\/a>, <em>Der siebente Himmel<\/em>. Sie stehen wie gefl\u00fcsterte Schreie ohne Musik auf dem Papier, und nur manchmal klingt es laut auf, &#8230; <em>es gibt niemanden, es ist sinnlos, weiter zu suchen, du bist es, du bist es .<\/em>.. Dann kommt mir ein Roman des \u00d6sterreichers Peter Rosei in die H\u00e4nde, der, weitab von aller Wellen-Gischt, mit einer einfachen und gro\u00dfartigen Fabel in die Versuche zu einer neuen Haltung trifft, die inzwischen von vielen unternommen werden: <em>Von Hier nach Dort<\/em>. *5) In einer auf den ersten Blick romantisch und unersch\u00fctterlich strahlenden Sch\u00f6nheit der Betrachtungen fahren die S\u00e4tze bescheiden hin (<em>Ich versuchte zu fliegen, und es gelang<\/em>), zwischen denen wie eine Z\u00fcndschnur eine atemberaubende Heillosigkeit hervorglimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der offene Protest hat sich in den letzten Jahren viel zu oft als unerf\u00fclltes Kindergeschrei nach Spielzeug von Papa Staat erwiesen oder sich selbst erstickt durch die Wiederholungen seiner Forderungen und Widersetzlichkeiten bis zum \u00dcberdru\u00df und ist zum Sandsack geworden, an dem die konservativen Systeme ihr Sparring abarbeiten, zu einer Nische gel\u00e4ufiger und genehmigter Rebellion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist nun schockierender und wirkungsreicher geworden, einverstanden zu sein. Zu dieser Strategie geh\u00f6rt, alle Entfremdung-Beton-Atomkraftistb\u00f6se-Phraseologie umkippen zu lassen in einen virtuosen Blick f\u00fcr die Sch\u00f6nheit dieser Dinge, aus dem immer wieder durch einen Anhauch von schierem Frost oder eine laserscharfe Ironie ein Strahl Wahrheit angeschossen kommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Stingl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-5364\" title=\"Stingl\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Stingl-300x245.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"245\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Stingl-300x245.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Stingl.jpg 352w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Auch in den Gedichten des Hamburgers Kiev Stingl, <em>Flacker in der Pfote<\/em> *6), findet er sich: der Tonfall, der angeht. Umgangston, aber nicht umg\u00e4nglich, nicht naturalistisch \u203adem Volks aufs Maul geschaut\u2039, sondern eine schrille, allt\u00e4gliche K\u00fcnstlichkeit. Und rabiat, direkt.\u00a0<em>Pornonichts<\/em>, und <em style=\"text-align: justify;\">Gimmie some Volt, Mista Arbeiter<\/em>. Auch Stingls Texte verlangen geradezu nach Musik. Sie l\u00f6sen Bewegung aus; aber zu einem Buch kann man nicht tanzen. Wir wollen etwas, das losgeht, das auch fetzt, das reinhaut. Die Gegenwartsliteratur ist langweilig, kriege ich rundherum zu h\u00f6ren. Wenn ich im Ratinger Hof, der D\u00fcsseldorfer Neue Deutsche Welle-Brutst\u00e4tte, schreie: \u00bbLiteratur!\u00ab, rennen mehr Leute weg, als wenn ich \u00bbPolizei!\u00ab schreie. Vielen Jungen erscheint das Erlebnis Literatur heute als \u203afalsche Bewegung\u2039, und die zum Lesen erforderliche Beruhigung und monologische Gefa\u00dftheit hat den Beigeschmack freiwilliger Lahmarschigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. UNTERWANDERV\u00d6GEL<\/strong><\/p>\n<address style=\"text-align: justify;\"><em>wo ist die grenze wie weit kannst du gehn<\/em><\/address>\n<address style=\"text-align: justify;\"><em>verschweige die wahrheit <\/em><\/address>\n<address style=\"text-align: justify;\"><em>du willst sie nicht sehn<\/em><\/address>\n<address style=\"text-align: justify;\"><em>richtig ist nur was du erz\u00e4hlst<\/em><\/address>\n<address style=\"text-align: justify;\"><em>benutze einzig was dir gef\u00e4llt<\/em><\/address>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fehlfarben \u00b7 <em><a style=\"text-align: justify;\">Gottseidank nicht in England<\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Xao.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-5366\" title=\"Xao\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Xao-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Xao-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Xao.jpg 280w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Nach einem Jahr Flie\u00dfbandarbeit in der Verpackungsindustrie \u2013 hart genug \u2013 und als ich dann noch Wolfgang Bauer (<em>Ein Schriftsteller, dem nichts mehr einf\u00e4llt, kann immer noch \u00fcber einen Schriftsteller schreiben, dem nichts mehr einf\u00e4llt<\/em>) nicht nur auf Sauftouren in der Grazer Innenstadt, sondern auch t\u00e4glich am Briefkasten begegne, da meine Freundin im selben Haus wohnt, emigriere ich im Fr\u00fchjahr 1980 nach D\u00fcsseldorf. Dort mache ich sofort die Entdeckung, mitten in der\u00a0<em>Neuen Deutschen Welle<\/em> zu wohnen. Begrifsnahe behaust in einem feuchten Keller, zusammen mit <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Xao_Seffcheque\">Xao Seffcheque<\/a> alias Maos Scheckheft alias Chefsepp (auch ein Grazer), der sich inzwischen als neugewellter Musikjournalist und Musiker in der Szene breitgemacht hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Hagen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-5371 alignright\" title=\"Hagen\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Hagen-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Hagen-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Hagen-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Hagen.jpg 570w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Im Gefolge der Punk-Turbulenzen hat sich bei einigen jungen Musikern eine Idee festgesetzt: Wir machen unsere eigenen Sachen. Gegen die angels\u00e4chsische Musik- und Kulturinvasion der letzten Jahrzehnte, gegen den Rock&#8217;n&#8217;Roll-Imperialismus sucht ein Widerstand im Einheimischen anzuwurzeln. Es wird an Bruchstellen deutscher und europ\u00e4ischer Kultur neu angesetzt, etwa beim deutschen Schlager der f\u00fcnfziger und sechziger Jahre, oder beim Dadaismus. Nachdem Udo Lindenberg zum Schlagzeilenvorbeter abgesoffen ist und Nina Hagen ihren <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=MHEwCagBtN0&amp;feature=related\">Operettenpunk<\/a> vorgef\u00fchrt hat, versuchen sich nun neue Gruppen an einer eigenst\u00e4ndigen deutschen Popmusik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00c4u\u00dferlich manifestiert sich das unter anderem in einer Art Nierentisch-Revival. Der auch weltanschaulich nach allen Seiten hin wollweich wallende Hippie wird diametral umgedreht in einen entschieden konturierten Kurzhaarigen in adretter Kleidung plus Schlips respektive St\u00f6ckelschuhe und pragmatisches Auftreten ohne Blumenkindlichkeit, ein Mensch, mit dem man Gesch\u00e4fte machen kann. Es wird witzig. In lebenden Bildern wird der Kulturhunger der Nachkriegszeit simuliert, f\u00fcr einen zweiten Anlauf, diesmal ohne die amerikanische Kulturwalze.\u00a0<em>Es ist zu sp\u00e4t f\u00fcr die alten bewegungen, was heute z\u00e4hlt ist sauberkeit, ihr kommt nicht mit bei unsren \u00e4ndrungen <\/em>&#8230; (Fehlfarben, <em><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Q85iLmXWdjQ\">Abenteuer und Freiheit<\/a><\/em>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>du siehst dich so wie du willst \/ du h\u00f6rst nur noch auf neue namen \/ wir tanzen bis zum ende \/ zum herzschlag der besten musik \/ jeden abend jeden tag \/ wir dachten schon das w\u00e4r ein sieg<\/em> (Fehlfarben<em> \u00b7 Das war vor Jahren<\/em> \u00b7 1980)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. DAS WORT HAT DIE MUSIK<\/strong><\/p>\n<address style=\"text-align: justify;\"><em>Wie frischatmend, schonheitgl\u00e4nzend ringt die Sch\u00f6pfung sich aus dem Chaos mir entgegen. <\/em><\/address>\n<address style=\"text-align: justify;\">B\u00fcchner \u00b7 <em style=\"text-align: justify;\">Leonce und Lena<\/em><\/address>\n<div id=\"attachment_5369\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Hof.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5369\" class=\"size-thumbnail wp-image-5369\" title=\"Hof\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Hof-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5369\" class=\"wp-caption-text\">Ratinger Hof, Zentrum der Zivilisation<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Musiker, die nun t\u00e4glich durch unser unterirdisches Wohnzimmer rennen, gehen mir auf die Nerven. Sie setzen ihre Ideen unmittelbar, z\u00fcgig und schnell um, mit einer Intensit\u00e4t, die kaum Gefahr l\u00e4uft, oberfl\u00e4chlich zu sein. Ich bin neidisch. W\u00e4hrend ich Portionen meiner umw\u00e4lzenden episodischen Prosa bebr\u00fcte, haben die Musiker schon wieder sieben Platten aufgenommen, abgemischt und pressen lassen. Mir kommt der Literaturbetrieb vor wie eine Vereinigung f\u00fcr kulturelle Zeitlupe, und nicht nur mir: &#8230; <em>und tippe hier f\u00fcr ein neues Welle-Produkt, f\u00fcr den noch sp\u00e4rlich damit ausger\u00fcsteten Buchmarkt, der ja sowieso immer hinterherhinkt. Die heutigen Poeten versuchen krampfhaft, die alten F\u00fcrze nachzumachen, von revolution\u00e4ren Ver\u00e4nderungen wird getr\u00e4umt, geschrieben, geredet, bis sich herausstellt, da\u00df es wohl doch schon zu sp\u00e4t daf\u00fcr ist<\/em>. (Klaus Maeck) *7)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen\u00fcber vielen, was Musiker nun texten, erscheint das meiste an mit poetischen Verfahren gewonnener Gemessenheit, alle profunde Schwebe und Widerspr\u00fcchen, alle subtile und detailscharfe Wesensdurchdringung und sehnsuchtsbest\u00e4rkende Zukunftsm\u00e4chtigkeit oder kritisch gewichtete Enth\u00fcllung als Euphemismus und Erektion wohlgestalteter Unerf\u00fclltheit. Es scheint, als schl\u00fcge die Literatur sich mit ihrer eigenen Gesetztheit k.o. Auch J\u00fcrgen Kramer &#8211; in dessen <em>Die Achtziger Jahre<\/em>-Jahrb\u00fcchern sich unter anderem ein neues Herangehen an den durch Faschismusverd\u00e4chtigkeit lang tabuisierten Bereich germanischer Zeichen und Mythen, oder etwa eine 22seitige Textcollage aus Welle-Neuigkeiten &amp; Informationen (<em>bagatelles nouvelle<\/em>) finden &#8211; sieht ein <em>Ende des Bittgangs zum Ausdruck<\/em>. Immerhin schreibt er das noch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Rdb.selfmade.100607.wisc_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-5367\" title=\"Rdb.selfmade.100607.wisc\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Rdb.selfmade.100607.wisc_-118x150.jpg\" alt=\"\" width=\"118\" height=\"150\" \/><\/a>Rolf Dieter Brinkmanns Satz von der deutschen Sprache, in der man nur denken, nicht singen k\u00f6nne, erweist sich als falsch: <em>zentrum der zivilisation \/ leben leben um uns herum \/ und mittendrin ein st\u00fcck land abgesteckt \/ oder ne fabrik in die keiner seine nase steckt \/ verbrannte erde sch\u00fcsse in der nacht \/ bombenteppich u- boot jagd \/ ernstfall \/ es ist schon l\u00e4ngst so weit \/ normalzustand seit langer zeit<\/em>. (Fehlfarben, <em><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=zFIOQJuUOfM\">Ernstfall<\/a><\/em>). Auch Ralf-Rainer Rygulla, der gemeinsam mit Brinkmann Ende der sechziger Jahre die Anthologie <em>Acid<\/em> herausgegeben hat, versucht sich mit seiner Lyrik &#8211; in einem Projekt mit dem Gitarristen Heinz Felber\u00a0\u2013 in der Musik: <em>Du bist so souver\u00e4n \/ und ich bin so geil <\/em>&#8230; (Molto Stuhl, <em>Souver\u00e4n<\/em>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ohne erst gro\u00df eine Verschalung aus literarischen Anspr\u00fcchen zu zimmern, werden schnelle, zielsichere W\u00fcrfe gelandet. Oft scheppert die Musik fr\u00f6hlich wie ein defektes Achslager, und ein S\u00e4nger wie Peter Hein bringt es zuwege, sogar ein Wort wie <em>Lieblingsfernsehonkel<\/em> mitrei\u00dfend zu singen. Rousseau, der alte Hippie, wird auf den Kopf gestellt (<em><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=zMQ-dafBR9k\">Zur\u00fcck zum Beton<\/a> \/ Zur\u00fcck zum Beton \/ Zur\u00fcck zur U-Bahn \/ Zur\u00fcck zum Beton<\/em>; Harry Rag, S.Y.P.H.), <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=BKi4l2S4J0o\">Beethoven aktualisiert<\/a> (<em>elli ich bin munter \/ hol mir bitte einen runter \/ f\u00fcr dich elli <\/em>&#8230;; Trini Trimpop, KFC). Bissige und hellsichtige Vision wird ohne Reibungsverluste verbunden mit Unterhaltungswert (<em><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=3ewatG-lmgY\">kebabtr\u00e4ume in der mauerstadt<\/a> \/ t\u00fcrk-k\u00fclt\u00fcr hinter stacheldraht \/ neu izmir in der ddr \/ atat\u00fcrk der neue herr \/ milyet f\u00fcr die sowjetunion \/ in jeder imbi\u00dfstube ein spion \/ im zk ein agent aus t\u00fcrkei \/ deutschland deutschland alles ist vorbei \/ wir sind die t\u00fcrken von morgen<\/em>, Mittagspause\/DAF, <em>Milit\u00fcrk<\/em>; 1978). Man entzieht sich erdr\u00fcckender Ernsthaftigkeit, ohne unverbindlich zu werden (<em>ich bin deutschland-fan wer kann das nicht verstehn \/ der mu\u00df selbst einmal in deutschland sich umsehn \/ und l\u00e4dt man ihn hinter die kulissen ein \/ dann stellt er fest \/ im deutschen land ists fein \/ die tauben sind fett in moabit \/ und in stammheim \/ und in tegel <\/em>&#8230;, padeluun,\u00a0<em>deutschland, deutschland<\/em>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wesentlicher Treibstoff f\u00fcr die schnittige, schwungvolle Federf\u00fchrung ist die Musik. Sie spannt sich zwischen drastisch schlichtem Schlagzeug \/ Ba\u00df \/ Gitarren-F\u00f6hn und dem Automatic-Sound von Synthesizern und Sequencern in einer neuen Perspektiven schr\u00e4g und deutlich. Literarische Versuche wie Max Benses Computertexte oder Jazz-und-Lyrik-Qu\u00e4lereien erscheinene dagegen wie fr\u00fchchristliches Entertainment.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was die Musiker da jetzt machen, wird zur forcierten Literaturkritik und ein unbehagliches Mangelgef\u00fchl verst\u00e4rkt sich. Klar, auf Musik wird immer unmittelbarer reagiert als auf Sprache, und auch wird im Musikgesch\u00e4ft z\u00fcgiger gearbeitet und umgeschlagen als im Buchhandel, keine Kommission, keine Remittenden, Lieferung gegen Cash.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Neubauten.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-5377 alignright\" title=\"Neubauten\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Neubauten-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Grassierender Ziellosigkeit bei den Jungen wird Ausdruck verliehen und schafft im musikalischen Kontext immerhin den Sprung in Vergn\u00fcgen oder Angriffslust. <em>Langeweile langeweile auf dieser Welt \/ langeweile langeweile die gef\u00e4llt<\/em> &#8230; (Stuhlgang, <em>Langeweile<\/em>). Schon die Gruppennamen lesen sich wie ein Gedicht: Mythen in T\u00fcten \/ Einst\u00fcrzende Neubauten (scherzhaft: Einschl\u00e4fernde Neugeburten) \/ Nichts \/ Rex Dildo \/ Rotzkotz \/ Aus lauter Liebe \/ Nachdenkliche Wehrpflichtige \/ Tote Sprachen \/ Radierer \/ M\u00e4nner in nassen Kleidern \/ Ede und die Zimmerm\u00e4nner (nach einer beliebten Fernsehserie) \/ Facharbeiter 08 \/ Stromsperre \/ M\u00fcttergenesungswerk \/ Ha\u00df \/ \u00dcbergangsl\u00f6sung \/ Schwule Schweden \/ Achmed und die Arschkriecher \/ krank xerox \/ Schulsport \/ Abw\u00e4rts \/ Die Hausfrauen \/ Wirtschaftswunder \/ Die Partei \/ mekanik destr\u00fcktiw komand\u00f6h \/ usf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Texte entstehen nicht im mentalen Startloch dichterischen Formwillens vor der Schreibmaschine, ohne schriftstellerischen Habitus oder h\u00f6chstens, um den zu verarschen. Nach einem Punkkonzert im Februar &#8217;78 sitzen Franz Bielmeier, Peter Stiefermann und Peter Hein bei Heins Mutter und Bratkartoffeln mit Speck. Stiefermann er\u00f6ffnet: Jetzt werden wir kreativ. Der Fernseher wird eingeschaltet: <a href=\"Testbild\">Testbild<\/a>. Ein inzwischen legend\u00e4res Lied von\u00a0<em>Mittagspause<\/em> nimmt seinen Anfang:\u00a0<em>montag morgens um halb zehn \/ habe ich das testbild gesehn \/ dienstags morgens um halb zehn \/ mu\u00dfte ich das testbild sehn \/ mittwochs <\/em>&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den Vorgangsweisen geh\u00f6rt auch, belastete Bedeutungen in neuem Umfeld zu entmachten und dadurch gleichzeitig die klappernde Mechanik eingefahrener Kritik- und Unterhaltungsweisen blo\u00dfzulegen. Zu einem nahezu vollautomatisch scheppernden Rhythmusskelett t\u00f6nt der sarkastische Imperativ der Freizeitgesellschaft: <em>und gehe in die knie \/ und tanz den jesus christus \/ bewege deinen arm \/ und tanz den mussolini \/ und tanz den adolf hitler \/ bewege deine h\u00fcften <\/em>&#8230; (DAF, <em><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=XwAJXV070OY\">Der Mussolini<\/a><\/em>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/O\u0308stro.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-5379\" title=\"O\u0308stro\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/O\u0308stro-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/O\u0308stro-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/O\u0308stro.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Ebenso geben sich die jungen Frauen nicht mehr damit zufrieden, lila Faustw\u00f6lkchen auszusto\u00dfen. <em><a style=\"text-align: justify;\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6uG5Az_v_5w\">Sexueller Notstand<\/a> \/ was dir bleibt ist deine Hand \/ drum nimm dir ein paar Pornos \/ und pinn sie an die Wand <\/em>&#8230; (\u00d6stro 430,\u00a0<em>Sexueller Notstand<\/em>). Ohne umst\u00e4ndliche H\u00e4utungen findet sich weibliche Sprache:\u00a0<em>M\u00e4dels sind toll \/ Sie sind st\u00e4rker als ich und sch\u00f6ner als du \/ Sie schwimmen und stolpern und sie lieben Grau und Rot \/ &#8230; \/ Im Sommer gehn sie in die Badeanstalt \/ Sie haben nasse Haare und sehen gut aus<\/em> &#8230; (<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=K4H9MDRxlWc\">Malaria<\/a>, <em style=\"text-align: justify;\">Grau und Rot<\/em>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man k\u00f6nnte noch Anmerkungen machen zu einer neuen Grammatik des Widerstandes, die sich in vielen der Texte abzeichnet. Sie hat viel zu tun mit dem blitzlichtenden und widerhakenschlauen Charakter von Slogans und \u203aRabiatements\u2039. Aber ich will den Germanisten nicht den Eisschrank ausr\u00e4umen. Wenn ich <em>Hundert Mann und ein Befehl<\/em> in der Fassung von ZK h\u00f6re\u00a0\u2013 klingt wie Freddy Quinn mit Au\u00dfenbordmotor\u00a0\u2013 oder Palais Schaumburg,\u00a0<em>Ich glaub ich bin ein Telefon \/ romantisches kleines Telefon \/ Ich glaub ich bin ein Blumenhalter \/ romantischer kleiner Blumenhalter<\/em> &#8230; (Holger Hiller, <em><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=mPPjlhaUvNQ&amp;feature=related\">Telefon<\/a><\/em>), dann kommt ganz anderes auf als Bedarf nach Wissenschaftlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Monarchie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-5373 alignright\" title=\"Monarchie\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Monarchie-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Monarchie-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Monarchie.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Ich komme Ende 1980 zu dem Schlu\u00df: Die Musiker sind die besseren Dichter geworden. Das Buch des Jahres ist eine LP: <em>Monarchie und Alltag<\/em> von Fehlfarben. *8) Allerdings ist auch vieles, was im Aufschwung der Welle getextet wird, von alten Fehlern okkupiert. <em>Nachdem der n\u00f6rgelnde Protestsong (dieser ist in der Neuen Welle durch das redundante Gejammer \u00fcber zuviel Neonlicht, Neubausiedlung, Computer\u00fcberwachung, kalte Gro\u00dfst\u00e4dte, Weltuntergang und andere von <\/em>Stern<em> und <\/em>Tip<em> aufbereitete Themen ersetzt worden), &#8230; von immer mehr Leuten als sozialdemokratische Parlamentsrede erkannt wurde, breitete sich eine neue Haltung aus, die durch Affirmation provozierte, meistens aber verwirrte: die Haltung des alien <\/em>*9<em>), der eine Welt vorfindet und positiv in der Sprache ihrer eigenen Rechtfertigung beschreibt<\/em>. (Diederichsen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5. KILLT XEROX DEN ZEITSCHRIFTENSTAR?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Professor Grzimek warnt: \u00bbLa\u00dft die Hippies leben!\u00ab Wie er engagieren sich viele prominente K\u00fcnstler f\u00fcr das Verbot der Hippie-Vernichtung. Unter ihnen Sexsymbol Brigitte Bardot: \u00bbWenn wir den Frauen klarmachen, da\u00df sie auf Hippiem\u00e4ntel verzichten, k\u00f6nnen wir die letzten lebenden Exemplare noch retten!\u00ab <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jerry Cotton alias Tommi Stumpf im D\u00fcsseldorfer Fanzine <em>Schmier<\/em>, 1980<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Abwa\u0308rts.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-5375 alignright\" title=\"Abwa\u0308rts\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Abwa\u0308rts-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Abwa\u0308rts-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Abwa\u0308rts-300x297.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Abwa\u0308rts.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Ein weiteres Buch des Jahres erscheint, eine Anthologie zur Lage,\u00a0<em>Amok \/ Koma<\/em>, mit \u00fcber vierzig Beitr\u00e4gen unter anderem von Daniel Dubbe, Kiev Stingl, Minus Delta t, auch durch visuelle Beitr\u00e4ge und das aufwendige Layout, die <em>Gasolin 23<\/em>-Mannschaft, Herausgeber sind Pociao \/ Hartmann \/ Ploog. Immer noch sind Bemerkenswertes und Volltreffer rar, aber mutig versucht, dort, wo mein besonderes Interesse liegt: in der Prosa, in der Story. Wo ist das zwingend und g\u00e4nzlich Packende?, aber ich will mein Ideal in Erreichbares demontieren: in\u00a0<em>Amok \/ Koma<\/em> finden sich Texte, deren Autoren sich befreit haben aus der \u00e4sthetischen Gl\u00e4tte marktg\u00e4ngiger Schreibweisen in Stromlinie zur neuesten \u203a&#8230;keit\u2039.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich \u00fcberlege weiterhin, wie es zu vermeiden ist, als Schriftsteller kein Rockstar werden zu m\u00fcssen. Nach Deutschland bin ich gekommen, um hier ein Buch machen zu k\u00f6nnen und f\u00fcr das Schreiben auch bezahlt zu werden (in \u00d6sterreich nahezu unm\u00f6glich). Ergebnis: S\u00e4nger auf einer Platte unseres Medien- Subversionsverbundes O.R.a.V. (Ohne R\u00fccksicht auf Verluste), Herausgeber einer Sammlung deutscher Liedertexte (<em>Das Wort hat die Musik<\/em>, in: <em>Guter Abzug<\/em>) und der vergebliche Versuch, den Markt mit einer literarischen Zeitschrift (<em>Deutscher Realit\u00e4tsdienst<\/em>) zu erweitern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df aus dem\u00a0<em>Realit\u00e4tsdienst<\/em> nichts wird, liegt daran, da\u00df ich nicht schnell genug begreife, was die Fanzine-Macher l\u00e4ngst begriffen haben: Nachrichten und Ideen, die unter den N\u00e4geln brennen, sofort und nach Ma\u00dfgabe vorhandener Mittel zu verbreiten. Mittel sind kaum vorhanden, daf\u00fcr die Ideen f\u00fcr die Fanzines wild und blendend. Eine widerborstige und fetzige Gegensch\u00f6nheit aus Schlagzeilenmontagen und Illuistriertenschnipselcollagen wird ohne Kunstanspruch hingeknallt, darauf kreuz und quer wimmelvolle Schreibmaschinenfahnen geklebt mit gnadenlosen und frei Schnauze verhunzten Formen journalistischer und schriftstellerischer \u00c4u\u00dferungen. Einige Fanzine-Titel, ein zweites Gedicht:\u00a0 ungewollt \/ Alles Tot \/ Tiefschlag \/ Ramsch \/ Langweil \/ Schmier \/ Arschtritt \/ Bl\u00f6dsinn \/ Abschaum \/ Sonderangebot \/ No Fun \/ \u00dcberlebenstraining \/ Liebesbrief nach DIN \/ Der Zlof \/ Preiserh\u00f6hung \/ Willk\u00fcrakt (einmal in Plastikt\u00fcte unter Wasser eingeschwei\u00dft, ein anderes Mal mit beiliegendem Pappteller und Styroporspaghetti) \/ Bauernblatt \/ (mit den ber\u00fcchtigten <em>Whistler<\/em>-Montagen) \/ Real Schock \/ Keine Gnade \/ Y-Klmpfnst \/ usf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch Exoten finden sich wie\u00a0<em>brauchbar \/ unbrauchbar<\/em> von Klar!80\/81 alias Rainer Rara Rabowski\u00a0\u2013 der auch eines der ersten Kassettenlabel betreibt \u2013, dessen erste Ausgabe im Tiefk\u00fchlbeutel, fast 100 Bl\u00e4tter mit Texten, Handarbeiten und Materialien sich jeder, auch anthologischer Zuordnung entzieht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Fanzines.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-5380\" title=\"Fanzines\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Fanzines-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Und die Fanzines\u00a0\u2013 und sp\u00e4ter auch Musikzeitschriften wie &#8222;Sounds&#8220;, die deren wesentliche Strukturen \u00fcbernehmen\u00a0\u2013 <em>waren niemals, wie f\u00e4lschlicherweise behauptet wird, &#8218;Informationen von Fans f\u00fcr Fans, sondern vielmehr\u00a0\u2013 in der uninteressanten Variante\u00a0\u2013 simulierter Rockjournalismus mit Konzertberichten &#8230; und meistens irgendwelchen fingierten Interviews mit ebendiesen Gruppen oder aber &#8211; in der interessanteren Variante\u00a0\u2013 Simulation der Simulation und damit Metasimulation: Berichte \u00fcber die sensationellen Auftritte fiktiver Gruppen, Abenteuer in der deutschen Provinz<\/em> &#8230; (Joachim Stender, <em>Tage an der Front der neuen Wellen<\/em>, Sounds 4\/82).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch der Rockjournalismus, der in dem Zusammenhang eine literarische Hochbl\u00fcte erreicht, kann sich demgem\u00e4\u00df nicht mehr ganz ernst nehmen und verkauft sich mit dem neuen Anreiz inszenierter Enttarnung seiner Funktionen. So ver\u00f6ffentlicht\u00a0<em>Sounds<\/em> auf seiner intellektuellen <em>Diskurs<\/em>-Spielwiese, die bislang wildgewordenen Studenten dazu diente, Deckungsgleichheiten zwischen neuerer franz\u00f6sischer Philosophie und Neuer Welle auszufrickeln, ein O.R.a.V.-Erzeugnis, ein b\u00f6sartiges publizistisches Furzkissen unter dem Titel\u00a0<em>Das goldene Fies<\/em>, in dem die gesamte Mitarbeiterschaft der Zeitschrift in als Plattenbesprechungen kaschierten Tratschkolumnen aufs intimste angeflegelt wird. In den Monaten darauf sind die <em>Diskurs<\/em>-Seiten verstummt. *10) Die Intellektuellen, die auch gern modern sein m\u00f6chten, zerren an ihrem \u00dcberbaucaravan, aber er will nicht recht von der Stelle; und die Welle schwimmt davon.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/No-Fun-Sampler.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-5391 alignright\" title=\"No-Fun-Sampler\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/No-Fun-Sampler-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/No-Fun-Sampler-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/No-Fun-Sampler.jpg 260w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Hollow Skai alias Holger Poscitsch, der in Hannover eines der ersten Fanzines,\u00a0<em>No Fun<\/em>, herausgibt, jubelt, als Germanistikstudent getarnt, der Hannoveraner Uni eine kuriose Magisterarbeit unter:\u00a0<em>Punk \u2013 Versuch der k\u00fcnstlerischen Realisierung einer neuen Lebenshaltung<\/em> *11), als Fanzine gelayoutet und starrend vor Wissenschaftlichkeit, die sich durch das Thema permanent selbst auf den Arm nimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ab 1981 finden sich die Gestaltungsmerkmale der Fanzines immer h\u00e4ufiger in der professionellen Jugendlichkeit der Musikindustrie-Anzeigen gekupfert, und ein Jahr sp\u00e4ter sterben vor allem die gro\u00dfst\u00e4dtischen Fanzines langsam aus. Meine Sympathisanteneuphorie, da\u00df die Fanzines es dem literarischen Untergrund schon zeigen w\u00fcrden, legt sich wieder. &#8222;<em style=\"text-align: justify;\">Gew\u00f6hnen wir uns endlich an, die Epochen immer k\u00fcrzer anzusetzen<\/em>. (Diederichsen) Zusammen mit Paul Ott bereitet Hollow Skai derzeit f\u00fcr Rowohlt eine Anthologie aus deutschsprachigen Fanzines (<em style=\"text-align: justify;\">Wir waren Helden f\u00fcr einen Tag<\/em>) in Gestalt eines der Medien vor, aus deren Unzul\u00e4nglichkeit sie urspr\u00fcnglich entstanden sind: ein Buch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>6. EINIGE LOGBUCHEINTRAGUNGEN<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Als das Fest zu Ende ging, schienen alle zufrieden, nur einer, der die ganze Zeit still in einer Ecke gesessen hatte, schrie jetzt laut nach einer Orgie.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gottfried Distl, <em>Der unangetastete Kern<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um den Kurs der Neuen Deutschen Welle durch die letzten Jahre besser verfolgen zu k\u00f6nnen, ein paar Eckdaten: Wie Michael O.R. Kr\u00f6her pr\u00e4zise recherchiert hat, wurde die Neue Deutsche Welle\u00a0<em>am 27. September 1979 als eine Erfindung von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alfred_Hilsberg\">Alfred Hilsberg<\/a> geboren<\/em> (Transatlantik 7\/82). Hilsberg nimmt in seiner Artikelserie <em>Aus grauer St\u00e4dte Mauern\u00a0\u2013 die neue deutsche Welle<\/em> zum ersten Mal \u00f6ffentliche Notiz von den Inland-nahmen junger Musiker. Da alsobald Trittbrettfahrer und allerlei Dubioses hinzustr\u00f6mt und der Schirmbegriff\u00a0\u2013 wie jedes Etikett f\u00fcr eine \u203aBewegung\u2039\u00a0\u2013 rasch inflationiert wird und seine Bedeutungskontur verliert, wird die Erlebnisqualit\u00e4t\u00a0<em>Neue Deutsche Welle<\/em> von den urspr\u00fcnglichen Aktivisten im Laufe des Jahres 1980 wieder abgewiesen und der Begriff zugeklappt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Ideal.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-5383\" title=\"Ideal\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Ideal-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Ideal-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Ideal.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Inzwischen zum Sesam-\u00f6ffne-Dich f\u00fcr die Brieftaschen der Unterhaltungskonsumenten verkommen, wird die Signatur\u00a0<em>Neue Deutsche Welle<\/em> nun vom Marketing der multinationalen Unterhaltungsindustrie in der BRD als Rabattpflaster f\u00fcr die Umsatzsteigerung &#8217;82\/&#8217;83 auf alles geklebt, was einen Ton an zwei Griffen festhalten und ein deutsches Wort aussto\u00dfen kann. Die Fusion zwischen zeitgeistloser Rockmusik, die inzwischen ein kulturelles Nachtw\u00e4chterdasein als universelle Berieselungsmusik f\u00fchrt, und den Hymnen an den Schwachsinn in den gef\u00fcrchteten Ausgeburten deutschen Schlagers ist vollzogen. Aktuelle Ansage: Dieter Thomas Heck in der ZDF-Hitparade Ende Juni: <em>Nicht gegen, nein, f\u00fcr die Neue Deutsche Welle: Rex Gildo!<\/em> Neue Welle, alter Strand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Herbst 1981 wird mit einer schillernden Herde von Co-Autoren aus dem Dunstkreis der Wellen-Pioniere der Versuch unternommen, den Flohzirkus der Zeitstr\u00f6mungen in einem filmischen Ideenbogen einzufangen und als erster einer geplanten Fernsehfilmreihe des NDR (<em>Jetzt kommt die Flut<\/em>)\u00a0<em>Lastwagenkrieg<\/em> gedreht, wenig sp\u00e4ter in Berlin <em>Punker und Polizisten<\/em> von Anette Humpe (Ideal). Anfang 1982 wird die Neue Deutsche Welle zur Guten Alten Welle und historisch, indem sie sich dokumentiert: Mit <em>Guter Abzug<\/em> erscheint eine umfassende Sammlung von Fotos, Texten, Fanzineausz\u00fcgen und einer Flexidisc (<em>Punk on 45<\/em>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwischen denen, die weiterhin in redlicher Rebellion damit befa\u00dft sind, das herrschende \u203aFalsche\u2039 zu unterwandern, ist neuerlich das namenlose agreement ausgespannt, durch das man sich \u00fcber die gemeinsame Richtung verst\u00e4ndigt, in die all die un\u00fcberschaubar vielen Einzel- und Gruppent\u00e4tigkeiten zielen. Unbek\u00fcmmert kann man den n\u00e4chsten Journalisten abwarten, der des K\u00f6nigs neue Kleider ortet, oder man macht es selbst: Das Spiel in und mit den Medien erfreut sich zunehmender Beliebtheit. M.O.R. Kr\u00f6her hat schon das\u00a0<em>Neue Deutsche Dingsbums<\/em> erfa\u00dft; weitere Vorschl\u00e4ge f\u00fcr die Trend-Muezzins auf der Buchmesse: die Neue Deutsche Deutschigkeit, oder einfach: die Neue Deutsche Wanderd\u00fcne, ein sauber abgestimmtes Bild einerseits f\u00fcr das Aktionstempo von Poesie, die derzeit durch die Bleiw\u00fcsten zieht und f\u00fcr die Sehnsucht nach einer Schnittigkeit, und andererseits freundliche Einkaufshilfe als richtungweisend und sozusagen Preisschild der Weltanschauung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Endlich komme ich nun dazu, ein Buch zu machen. Der\u00a0<em>deutsche Realit\u00e4tsdienst<\/em> hat immer noch 1 St\u00fcck Auflage und beinhaltet unver\u00f6ffentlichte Literatur zum Thema, unter anderem eine Erz\u00e4hlung Kerstin Eitnersd aus dem ehemaligen Hamburger Welle- Hauptquartier (<em>Die Marktstube<\/em>), oder Gregor Potts Taschenfilmtext <em>Land des Hechelns<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was meine Identit\u00e4t als Schriftsteller angeht, halte ich mich inzwischen an die Warnschilder in der Stra\u00dfenbahn: bitte denken Sie an die M\u00f6glichkeit einer Notbremsung, benutzen Sie daher die Haltegriffe. Trotzdem bin ich besessen von der Idee, Mein eigenes in der Poesie zu finden. <em style=\"text-align: justify;\">Seine Ruhe sollte Manneskraft sein, und seine Einfachheit ein Gegensatz zu der Gespreiztheit und zu dem Verfalle, dem unsere Dichtkunst zugeht<\/em>. (Adalbert Stifter) Wer heute noch starke Lyrik machen will, m\u00f6chte sich doch zuvor eine der Scheiben aus dem hier behandelten Zeitraum auflegen und sich anschlie\u00dfend eine abschneiden.<\/p>\n<div id=\"attachment_5386\" style=\"width: 122px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Metzger_Kai.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5386\" class=\"size-full wp-image-5386\" title=\"Metzger_Kai\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Metzger_Kai.jpg\" alt=\"\" width=\"112\" height=\"135\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5386\" class=\"wp-caption-text\">Kai Metzger<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch was die Prosa betrift: Heute kann es nicht mehr darum gehen, die Gro\u00dfe Neuerung auf den Tisch zu knallen. Das Originale ist vorbei, enteignet von Wanderd\u00fcne-Autoren, die erkannt haben, da\u00df das rapide forcierte Match mit den verschiedensten verf\u00fcgbaren Stil-Codes (\u203aHirnlego\u2039) einer der Zielpunkte aktueller Vollendung ist, da damit auch der eitle Konkurrenzkampf um die eigenste Eigenart uninterressant wird. Der notwendige Slalom zwischen feigem Plagiat, abstrakter Schwammigkeit, akutem Tr\u00fcbsinn und vorgefa\u00dften Strukturen erfordert ein K\u00f6nnen, das sich in den erw\u00e4hnten Texten und einigem unver\u00f6ffentlichten Material, das ich in den letzten Monaten lesen konnte (Hansj\u00fcrgen Bulkowski, Niklas Stiller, Kai Metzger, Hubert Winkels), in den deutlichsten Formen abzeichnet. versteht sich, da\u00df auch die <em>Neue Deutsche Wanderd\u00fcne<\/em> ein Hilfskonstrukt ist, ein Merkmalsfeld zu entwerfen, in dem die Verl\u00e4ufe derzeitiger Literatur skizziert werden k\u00f6nnen, und sich in Wahrheit in dem alten monarchistischen Traum gef\u00e4llt, sich \u00fcber einen Titel einer Masse zu bem\u00e4chtigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/LitPlakat.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-5385\" title=\"LitPlakat\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/LitPlakat.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"735\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/LitPlakat.jpg 500w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/LitPlakat-204x300.jpg 204w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a>Ein weiteres Mal: Es rumort, und der Grund, weshalb ich noch nicht alles hingeschmissen habe, um einen Beruf zu ergreifen, f\u00fcr den es auch Lehrer gibt: Das sichere Gef\u00fchl, da\u00df doch noch was geht in der Literatur und da\u00df die <em>Wanderd\u00fcne<\/em>-Mittel, auf poetischem Weg zu ersch\u00fcttern, jemandem dazu verhelfen k\u00f6nnen, gerade angesichts eines eingeschalteten Fernsehers nach aller schw\u00fclstigen Kerzenlichtromantik im k\u00fchlen blauen Licht ein Bild von menschlicher Gr\u00f6\u00dfe zu kriegen. Immer auf der H\u00f6he der Zeit, sitze ich inzwischen auch was das Wohnen angeht auf dem Trockenen, und diesmal rennen haupts\u00e4chlich Schriftsteller durchs Wohnzimmer. Ein Sandsturm ist nicht auszumachen, aber eine \u00dcbereinkunft in den Entw\u00fcrfen einer Literatur, zu deren technischen Daten ein geschwindes, Lakonisches, eine glasscharfe Ironie und eine strotzende Ruhe geh\u00f6ren und das Motiv einer geradezu sexuellen Wirksamkeit. Wie auch gen\u00fcgend Wendigkeit und Klarsicht sich auch nicht unter den Glasglocken der \u203aKunst\u2039 oder der inzwischen eingerichteten <em>Nische f\u00fcr Verweigerer, Protestler und Andersdenkende<\/em> entsch\u00e4rfen zu lassen. Selbstverst\u00e4ndlich gilt das nur hypothetisch f\u00fcr die\u00a0<em>Neue Deutsche Wanderd\u00fcne<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Da\u00df alles immer da ist, wo es der Gegner &#8230; nicht vermutet, bleibt auch die wesentliche Botschaft f\u00fcr alle, die sich um Ausdruck bem\u00fchen<\/em>. (Diederichsen)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fu\u00dfnoten:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1) <em>Manifest Nr. 1<\/em>, aus <em style=\"text-align: justify;\">Staccato \u2013 Musik und Leben<\/em>, Hersg. Diedrich Diederichsen und Kid P., K\u00fcbler Verlag, Heidelberg 1982.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2)\u00a0<em>Scheitern II<\/em>, ebd.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3) Edition Seele, Berlin 1980; Litanic D\/K, Gelsenkirchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4)\u00a0<em>Zeitschrift f\u00fcr Literatur und Kunst<\/em>, Hrsg. Dr. Alfred Kolleritsch und Manfred Mixner, Forum Stadtpark Graz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">5) Residenz Verlag, Salzburg 1978.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">6) Verlag Pohl&#8217;n&#8217;Maier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">7) <em style=\"text-align: justify;\">Wir bringen euch Ungl\u00fcck<\/em>, aus <em>Staccato<\/em>. Maeck betrieb in Hamburg den\u00a0<em>Rip Off<\/em>-Vertrieb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">8 ) Die Platte wird bei EMI Deutschland ver\u00f6ffentlicht und die <em style=\"text-align: justify;\">Fehlfarben<\/em> erst als Verr\u00e4ter an der Neuen Deutschen Welle beschimpft. Hausaufgabe: Vergleiche diese Entwicklung mit den Entwicklungen im Bereich \u203aunabh\u00e4ngiger\u2039 literarischer Produktionen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">9) <em>Die traditionelle, auff\u00e4llige Unruhe &#8230; mu\u00df erg\u00e4nzt werden durch ein Konzept, wie es etwa Genesis P. Orridge von Throbbing Gristle \u00bbalien culture\u00ab nennt. Ein Unterwandern, Einsickern ins Normale, Allt\u00e4gliche, das nichts mit einem blau\u00e4ugigen Marsch durch die Institutionen gemein h\u00e4tte. Die Maske der Normalit\u00e4t, von einem avancierten, wissenden Kopf getragen, nicht um sich zu verstecken, sondern um \u00bbmittendrin zu stecken\u00ab, ist die verwirrendste Taktik der Okkupation offizieller Meinungsinstanzen. Auf Kunst angewendet, hei\u00dft das: nicht nur Nutzung der von der Jugendkultur als Verst\u00e4ndigung entwickelten \u00c4sthetik (mit all ihren Leistungen und Irrungen, die man stets auseinanderhalten mu\u00df), sondern Virtuosit\u00e4t in durch keinerlei Anspruch exponierten normalen Formen. Die Abwesenheit von sozialen \/ weltanschaulichen Identifizierungsmerkmalen (Kleidung\/Haarschnitt) stellt eine br\u00fcskierende Leere f\u00fcr den auf solche Zeichen angewiesenen Gro\u00dfstadtmenschen dar und ersch\u00fcttert den eindimensionalen Hippie ebenso wie den Mehrheitsb\u00fcrger.<\/em> (<em>Unerkannt bleiben<\/em>, aus\u00a0<em>Staccato<\/em>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">10) Der wahre Grund: Diederichsen hat sich als Chefredakteur einfach eine Weile nicht um Diskurse gek\u00fcmmert, respektive es kam nichts Gescheites.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">11) Sounds-Verlag, Hamburg 1980.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Redaktionelle Anmerkung:<\/strong> Erstver\u00f6ffentlichung 1983<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. IM WELLENTAL Und eine Stimme hat sie, da\u00df man sich Watte in die Ohren stopfen mu\u00df, wenn man unzerrissene Trommelfelle behalten will. 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