{"id":53320,"date":"2007-12-17T00:01:28","date_gmt":"2007-12-16T23:01:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=53320"},"modified":"2018-12-26T19:03:28","modified_gmt":"2018-12-26T18:03:28","slug":"kiesel-kastanie-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2007\/12\/17\/kiesel-kastanie-2\/","title":{"rendered":"Kiesel &amp; Kastanie"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Theo Breuer kenne ich seit vielen Jahren. Er ist Lehrerkollege. Aber viel wichtiger: Er ist Lyriker und Essayist und ganz besonders Herausgeber zeitgen\u00f6ssischer Autoren. In seinem neuesten Buch, Kiesel &amp; Kastanie, stellt Theo Breuer Lyriker und Prosaschriftsteller der letzten Jahre vor. Im gleichen Band, der eine Reihe von Vor- und Zwischenworten \u00fcber das Lesen und die Literatur enth\u00e4lt, berichtet Theo Breuer auch von seinen Leseerfahrungen. Ich wei\u00df keinen besseren Kenner der zeitgen\u00f6ssischen Literatur, insbesondere im Bereich auch der Autoren, die nicht so bekannt sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich begreife ihn so: Er traut den (Print-)Medien nicht, aber er muss sich ihrer bedienen wie alle. Allerdings in einer anderen Liga. Er meint \u00fcberdies: Die Erste Liga ist nicht durchweg besser als die Zweite Liga der Literatur, der er sich als Leser und Schreiber verschrieben hat. Wir leben alle in \u00e4hnlichen Widerspr\u00fcchen. Wir sind kapitalismuskritisch &#8211; aber wir leben in diesem System und arbeiten darin mit, egal wie widerwillig. So ist es bei Theo Breuer mit dem Literaturbetrieb, dem er nicht traut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein Argument der Quantit\u00e4t: Im Unterschied zu fr\u00fcheren Zeiten kann heute nicht mehr mit der gleichen Sicherheit Literaturgeschichte geschrieben werden. Keiner kann alles lesen, noch nicht einmal so viel wie n\u00f6tig, um Literaturgeschichte zu schreiben. Auch kollektiv klappt das (noch) nicht. Der Prozess der Konsensualisierung funktioniert nicht mehr so wie fr\u00fcher, und Theo Breuer misstraut der elit\u00e4ren Filterung der Literatur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er hat recht, glaube ich. Literaturklassifizierung und -bewertung l\u00f6st sich heute immer mehr auf in der Demokratisierung und Globalisierung und Relativierung von Literatur. Es gibt &#8211; polemisch formuliert &#8211; bald mehr Autoren als Leser&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber Theo Breuer lie\u00dfe sich leicht eine Novelle schreiben &#8211; \u00fcber seinen Versuch, die ganze Literatur zu lesen, zu vermessen und zu sieben. Er ist gescheitert, muss aber immer weiter lesen. Er rennt, ein lesender Hase, dem Igel Literatur hoffnungslos hinterher.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er kann das Medium, das er liebt, nicht zerst\u00f6ren. Der Leser von heute will schreiben, weil er muss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er wei\u00df selbst, dass er eine doppelte Existenz f\u00fchrt &#8211; er sprach mit mir letzten Mittwoch dar\u00fcber -, aber er will es so, er ist gern Lehrer, und er kann sich auch eine andere geldberufliche T\u00e4tigkeit vorstellen. Einen Widerspruch sieht er in seiner doppelten Existenz nicht. Beide Berufe sind ihm Berufung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er ist 51.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Theo Breuer ist in Sachen Literatur kein akademischer Denker (ich auch nicht), sondern ein Liebhaber, ein Kenner, ein Intuitionist und Beurteiler aus dem Herzen (das bin ich nicht so prim\u00e4r wie er). Lesen Sie seine Webseite, bestellen Sie seine B\u00fccher, lesen Sie seine weitschweifigen Vor- und Zwischenworte&#8230; Das alles ist allemal interessant. Er ist ein eher angels\u00e4chsisch denkender Leser mit dem Ausblick und \u00dcberblick eines Eiflers, der den Sistiger Himmel aufrei\u00dft zu allen Horizonten der Erde&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kiesel &amp; Kastanie<\/strong>, von Theo Breuer. Von neuen Gedichten und Geschichten, 312 Seiten, Edition YE. Sistig\/Eifel 2008<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=53320&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 size-266x266 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kiesel-Kastanie.jpg\" alt=\"\" width=\"174\" height=\"247\" \/><\/a>Vom Rand aus arbeiten wir auf dem Online-Magazin Kulturnotizen (KUNO) daran, den\u00a0 Kanon zu erweitern. Die Idee zum Projekt <em>Das Labor<\/em> ist ein viertel Jahrhundert alt. Wer \u00fcber hinreichend Neugierde, Geduld, Optimismus und langen Atem verf\u00fcgte, konnte in den letzten 25 Jahren die Entstehung einer Edition beobachten, die weder mit Pathos noch mit Welterl\u00f6sungsphatasien daherkam. Die zeitliche Abfolge der projektorientierten Arbeit ist nachzuvollziehen in der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?page_id=311\">Chronik<\/a> der Edition Das Labor. Weitere Portr\u00e4ts finden Sie in unserem Online-Archiv, z.B. eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12833\">W\u00fcrdigung<\/a>\u00a0des Herausgebers und Lyrikers Axel Kutsch im Kreise von Autoren aus Metropole und Hinterland. Auf KUNO portr\u00e4tierte Holger Benkel au\u00dferdem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6837\">Ulrich Bergmann<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=11279\">Uwe Albert<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15175\">Andr\u00e9 Schinkel<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15177\">Birgitt Lieberwirth<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15179\">Sabine Kunz<\/a>. Lesen Sie auch den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12771\">Essay<\/a> \u00fcber die Arbeit von Francisca Ricinski und eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12773\">W\u00fcrdigung<\/a> von Theo Breuer. Und nicht zuletzt den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12763\">Nachruf<\/a> auf Peter Meilchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Theo Breuer kenne ich seit vielen Jahren. Er ist Lehrerkollege. 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