{"id":53162,"date":"2024-12-31T00:01:00","date_gmt":"2024-12-30T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=53162"},"modified":"2025-10-11T07:58:11","modified_gmt":"2025-10-11T05:58:11","slug":"lebensverdrossen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2024\/12\/31\/lebensverdrossen\/","title":{"rendered":"Lebensverdrossen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Noch spielen die Jagdhunde im Hof, aber das Wild entgeht ihnen nicht, so sehr es jetzt schon durch die W\u00e4lder jagt.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Franz Kafka<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_106793\" style=\"width: 369px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-106793\" class=\"wp-image-106793 size-large\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Bf-359x500.jpg\" alt=\"\" width=\"359\" height=\"500\" \/><p id=\"caption-attachment-106793\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Stairway to Heaven&#8220;, Foto: Martin Vanselow<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir, die Redaktion, sind lebensm\u00fcde &#8211; jedoch nicht in dem Sinn, da\u00df wir einen Suizid anstreben &#8211; die Hoffnung, da\u00df Literatur, Musik oder Bildende Kunst die Welt zum Besseren wendet, ist uns abhanden gekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind v\u00f6llig ange\u00f6det von K\u00fcnstlern, die mit ihrem Ego den Blick auf das Werk verstellen. Uns langweilen Weltanschauungsschwadroneure, die versuchen Kunst zu politisieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir mochten nie Gereimtes. Als Enkel aus dem Geschlecht der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/07\/12\/13384\/\">Chandos<\/a>\u2019 ist uns diese Sprache unheimlich, &#8211; aber auch die postmoderne Lyrik l\u00e4\u00dft uns mit der Entt\u00e4uschung zur\u00fcck, als Leser aus einem Kreis fast vollendeter Selbstreferenzialit\u00e4t ausgeschlossen zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind es leid, autobiographische Erinnerungsb\u00fccher \u00fcber eine schwierige Kindheit und dem Scheitern des b\u00fcrgerlichen Lebensentwurfs als &#8222;Ratgeber&#8220; zu betrachten. Diese Selbstoptimierungspezialisten sind kaum mehr als Helden des Niedergangs.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben die Hoffnungen auf das erotische Wissen und die erotische Macht der Kunst, die nicht als Sph\u00e4re der Sinnlichkeit derjenigen der Erkenntnis gegen\u00fcbergestellt wird, sondern f\u00fcr Vereinigungspotenz steht, aufgegeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben den Glauben an die Unschuld verloren. Die selbstverschuldete Unm\u00fcndigkeit und das Sich-Ins-Bild-Setzen von K\u00fcnstlern ist uns zuwider. Reine Sch\u00f6nheit gab es einmal in der Kunst &#8211; und selbst da blieb sie ein Ideal.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir zahlen nicht f\u00fcr Dateien, die man aus dem Weltnetz runterholen soll. Es ist zum speien, da\u00df alles seinen Preis hat und nichts mehr einen Wert. Diese K\u00fcnstler sind scheinbar nur noch damit besch\u00e4ftigt ihren Ruhm zu bewirtschaften. Mit der gesellschaftlichen Multiplikationsrelevanz der Kunst rechnen wir nicht mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir m\u00f6gen nicht mehr Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten. Die beharrliche Geschichtsumdeutung durch p\u00e4dagogisch motivierte Regisseure ist eine fromme L\u00fcge. Diese wohlfeile Erinnerung wurde zu einer Ersatzhandlung f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung gesellschaftlicher Probleme.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind erm\u00fcdet von den endlosen Highlights der Wiederholkultur, dem ewigen Wiederk\u00e4uen von dem, was die Bundesbedenkentr\u00e4ger als christliche Kultur bezeichnen. Unsere Existenz ist die Erfahrung von Einsamkeit, die wir teilen &#8211; und heraus kommt nichts anderes als die Quadratwurzel einer Matrix. Mehr kann man nicht wollen. Auf weniger nicht hoffen. Das Leben geht weiter. C\u2019est tout.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">ENDE<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_105374\" style=\"width: 710px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-105374\" class=\"wp-image-105374\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Schmidts_Katze-500x174.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"245\" \/><p id=\"caption-attachment-105374\" class=\"wp-caption-text\">Schmieds Katze in KUNOs B\u00fccherregal<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>\u00a0Was bleibet aber, stiften die Dichter.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Friedrich H\u00f6lderlin<\/span><\/p>\n<h5><\/h5>\n<h5>Ein letzter Blick in den R\u00fcckspiegel \u2192<\/h5>\n<div id=\"attachment_98176\" style=\"width: 143px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-98176\" class=\"wp-image-98176 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Logo.jpg\" alt=\"\" width=\"133\" height=\"133\" \/><p id=\"caption-attachment-98176\" class=\"wp-caption-text\">Das Labor-Logo wurde entworfen vom K\u00fcnstler Peter Meilchen<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Grundproblem der <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/12\/24\/sie-waren-hochgemute-nichtskoenner\/\">Erinnerungskultur<\/a>, der <a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/01\/01\/stunde_null\/\">Zeugenschaft<\/a><\/span>, der <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/author\/johannes-schmidt\/\">Autorschaft<\/a><\/span>, ist die Frage: Wer erz\u00e4hlt, wer verarbeitet, wem eine Geschichte geh\u00f6rt? \u2013 <span data-offset-key=\"nqia-2-0\">\u201eKultur schafft und ist Kommunikation, Kultur lebt von der Kommunikation der Interessierten.\u201c, schrieb Haimo Hieronymus in einem der <\/span><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/06\/05\/interim-kulturnotizen\/\"><span style=\"color: #ff0000;\">Gr\u00fcndungstexte<\/span><\/a> dieses Online-Magazines. KUNO ist seit 1989 eine imagin\u00e4re Bibliothek vergessener und verschollener Autoren. Die ausf\u00fchrliche Chronik des Projekts <em>Das Labor<\/em> lesen sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/12\/10\/zukunft-braucht-herkunft\/\"><span style=\"color: #ff0000;\">hier<\/span><\/a>. Diese Ausgrabungsst\u00e4tte f\u00fcr die Zukunft ist seit 2009 ein Label, die <em>Edition Das Labor<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\"><span style=\"color: #ff0000;\">Essay<\/span><\/a> sowie einen <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a><\/span> von J.C. Albers. Vertiefend auch das <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a><\/span> mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch spielen die Jagdhunde im Hof, aber das Wild entgeht ihnen nicht, so sehr es jetzt schon durch die W\u00e4lder jagt. 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