{"id":5310,"date":"2012-07-09T00:01:41","date_gmt":"2012-07-08T22:01:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=5310"},"modified":"2021-06-12T09:54:06","modified_gmt":"2021-06-12T07:54:06","slug":"meine-erste-schallplatte-oder-mister-b","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/09\/meine-erste-schallplatte-oder-mister-b\/","title":{"rendered":"Meine erste Schallplatte oder: Mister B"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine erste Schallplatte war die erste Schallplatte meines Freundes, weil wir immer zusammen Musik h\u00f6rten. Wir waren 10 Jahre alt und seit der Grundschule die dicksten Freunde, was teilweise zu H\u00e4nseleien f\u00fchrte \u2014 er ein Junge, ich ein M\u00e4dchen. Andi kam mitten in der 2. Klasse zu uns, weil seine Familie ins Dorf zog. Er fand nicht leicht Anschluss. Ich aber liebte ihn vom ersten Augenblick an. Er war jemand, der sich in den Pausen immer unter dem Tisch versteckte und die Ohren zuhielt, weil es so laut war. Das verstand ich gut. In der Schule war nur L\u00e4rm. Wir aber suchten MUSIK.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das verstimmte Klavier meines Vaters, die zerkratzte Gitarre meiner Mutter, s\u00e4mtliche T\u00f6pfe des Haushalts \u2014 das waren unsere Spielger\u00e4te, zum Leidwesen unserer Eltern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dem Plattenspieler von Andis Eltern durften wir <em>Beatles<\/em> h\u00f6ren, oder<em> Abba<\/em>. Dass es eines Tages noch was neueres, fetzigeres geben sollte, damit hatten wir ja nicht gerechnet. Andi war Einzelkind und h\u00f6rte in seinen einsamen Stunden Radio. Eines Tages schw\u00e4rmte er von einer Gruppe namens <em>The Police<\/em>. In der Schule kannte die keiner, und alle lachten ihn aus und l\u00e4sterten, hielten <em>AC\/DC<\/em> oder <em>KISS<\/em> dagegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von seinem Taschengeld kaufte er sich endlich seine erste Platte: <em>Zenyatt\u00e0 Mondatta<\/em>. Wir h\u00f6rten sie zusammen. Das war UNSERE Platte, die Musik unserer Generation. Denn dass sich die Mehrheit so heftig dar\u00fcber aufregte, bewies doch, dass hier eine Revolution der Musik im Gange war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir konnten kein Wort Englisch, aber wir hatten eine Vorstellung von der Sprache und ihrer Bedeutung, die ja auch von der Musik transportiert wurde. Bald kannten wir die Platte auswendig mit unseren Phantasie-Englisch.<\/p>\n<div id=\"attachment_5328\" style=\"width: 250px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/KassetteO.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5328\" class=\" wp-image-5328 \" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/KassetteO-300x232.jpg\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"186\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/KassetteO-300x232.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/KassetteO.jpg 384w\" sizes=\"auto, (max-width: 240px) 100vw, 240px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5328\" class=\"wp-caption-text\">die Kassette<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war im Besitz eines Kassettenrecorders! Wir produzierten damit einen <em>Remake<\/em> der Platte und spielten noch ein paar eigene Titel ein. Andi nat\u00fcrlich als Andy Summers und ich als Steve Copeland. Denn keiner wollte dominieren und Band-Leader sein. Au\u00dferdem gefiel uns die eigensinnige Richtung von Summers besser als die von Sting.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eins unserer Lieblingsst\u00fccke war: <em>Man in a suitcase<\/em>. Dass &#8217;suitcase&#8216; Koffer hei\u00dft, wussten wir schon. Der Rest des Textes wurde von Sting allerdings f\u00fcr uns zu schnell und zu rhythmisch gesprochen. \u00bbMust I be\u00ab war f\u00fcr uns \u00bbMister B\u00ab, klar: Mister B &#8211; der Mann im Koffer. Mit ihm identifizierten wir uns, wir waren die Mister Bs, die Au\u00dfenseiter, wir waren Plan B, wir waren nicht die ersten in der Schule, wir sa\u00dfen in der zweiten Reihe, wir waren nicht laut, au\u00dfer mit unseren Instrumenten, die anderen trainierten f\u00fcr die A-Jugend, wir sa\u00dfen in der Dachkammer und bastelten an unserem Traum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen Ende eines jeden St\u00fcckes verloren wir uns in wilden Soli, ganz egal, ob das im Original so war oder nicht. Und das machte immer am meisten Spa\u00df: Die zu Anfang nachgeahmte Form zu verlassen und uns selbst auszudr\u00fccken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leider schickten mich meine Eltern bald auf eine andere Schule, n\u00e4mlich die, an der auch mein \u00e4lterer Bruder war. Ich wei\u00df noch, dass Andis Mutter anrief und sagte: Das geht doch nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die neue Schule war furchbar anstregend, ich hatte kaum noch Zeit und dann war ich mit dieser bl\u00f6den Pubert\u00e4t besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich kann man so jemanden wie Andi nicht vergessen und ich hatte ja auch noch die Tonb\u00e4nder, und als ich mich mal wieder mit Andi zu treffen traute und bei ihm anrief&#8230; war seine Familie wieder weggezogen &#8211; Mr. B im Koffer verschwunden.<\/p>\n<div id=\"attachment_5406\" style=\"width: 130px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/51UO9N3SgIL1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5406\" class=\" wp-image-5406 \" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/51UO9N3SgIL1-150x150.jpg\" alt=\"Plattencover\" width=\"120\" height=\"120\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/51UO9N3SgIL1-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/51UO9N3SgIL1.jpg 159w\" sizes=\"auto, (max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5406\" class=\"wp-caption-text\">Original<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_5338\" style=\"width: 130px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/cover-au\u00dfen1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5338\" class=\" wp-image-5338 \" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/cover-au\u00dfen1-150x150.jpg\" alt=\"Kassettencover\" width=\"120\" height=\"120\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5338\" class=\"wp-caption-text\">Remake<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute wei\u00df ich, dass Andis Mutter damals recht hatte. Das ging wirklich nicht, uns auseinanderzurei\u00dfen! (Mein jetziger Mann hat allerdings verdammte \u00c4hnlichkeit mit Mister B). Doch diese Musik, diese Musik werde ich nie vergessen, weil die uns ins Leben katapultiert hat &#8211; <em>We must be<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<div class=\"ecm0bbzt e5nlhep0 a8c37x1j\">\n<div class=\"kvgmc6g5 cxmmr5t8 oygrvhab hcukyx3x c1et5uql\">\n<div dir=\"auto\" style=\"text-align: justify;\">Meine erste Schallplatte: \u201eHeart of glass\u201c von Blondie, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/30\/6282\/\">vorgestellt<\/a> von Martina Haimerl. <span data-offset-key=\"eaie5-0-0\">Life circles at 33rpm!, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/16\/meine-erste-schallplatte-2\/\">postulierte<\/a> Mischa Kuball. <\/span><span data-offset-key=\"3f7gr-0-0\">Wer sich hinter &#8222;<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/09\/meine-erste-schallplatte-oder-mister-b\/\">Mister B<\/a>&#8220; verbirgt, beschreibt Christine Kappe. Erg\u00e4nzen ein Artikel zum <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/05\/01\/kassettenuntergrund\/\">Kassettenuntergrund<\/a>. <\/span><span data-offset-key=\"ajv9h-0-0\">\u00bb<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/06\/18\/meine-erste-schallplatte-%e2%80%9edon-juan-von-dave-dee-dozy-beaky-mick-and-tich\/\">Don Juan<\/a>\u00ab von Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick and Tich, vorgestellt von Joachim Feldmann. <\/span><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/06\/02\/5165\/\">Eine Reise ins Gl\u00fcck<\/a> von den Lilians, vorgestellt von <span class=\"vcard author\"><span class=\"fn\">Ju Sophie Kerschbaumer<\/span><\/span>. \u201eThis charming man\u201c von den Smiths <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/01\/meine-erste-platte-this-charming-man-von-den-schmidts\/\">vorgestellt<\/a> von <span class=\"vcard author\"><span class=\"fn\">Haimo Hieronymus<\/span><\/span>. The Fall \u2013 Big New Prince <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/08\/25\/mein-klassiker-the-fall-big-new-prince\/\">vorgestellt<\/a> von <span class=\"vcard author\"><span class=\"fn\">Enno Stahl.\u00a0<\/span><\/span><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/04\/12\/dschaeaeaezz\/\">Dsch\u00e4\u00e4\u00e4zz<\/a>!!!, geh\u00f6rt von <span class=\"vcard author\"><span class=\"fn\">Eva Kurowski. Helge Schneider ist wahrscheinlich der bislang einzige Solo-K\u00fcnstler, der gleich mit seiner ersten Platte den Titel <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/04\/02\/die-singende-herrentorte\/\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a> gab. Begleitet wurde er bei den Aufnahmen durch Tonmeister Tom T\u00e4ger im <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tonstudio an der Ruhr<\/a>.<\/span><\/span> <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/12\/28\/meine-ersten-drei-platten\/\">Meine ersten drei Platten<\/a>, vorgestellt von\u00a0<span class=\"vcard author\"><span class=\"fn\">Marcus Baltzer. <\/span><\/span><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/04\/06\/meine-musik\/\">Meine Musik<\/a>, vorgestellt von <span class=\"vcard author\"><span class=\"fn\">Ulrich Bergmann. <\/span><\/span><span class=\"vcard author\"><span class=\"fn\">Mit etwas Versp\u00e4tung erschien <\/span><\/span>Pia Lunds zweites Solo-Album <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/10\/21\/ein-geschenk-von-pia-lund\/\">Gift<\/a>. <\/em><em>Smile<\/em> war f\u00fcr A.J. Weigoni ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/06\/12\/meine-erste-schallplatte\/\">Versprechen<\/a>. Eine Generation sp\u00e4ter wurde es eingel\u00f6st. Selbstverst\u00e4ndlich auf Vinyl. Und in Mono. Eine Wiederver\u00f6ffentlichung der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/03\/21\/das-herz-des-motorik-beats\/\"><em>Neu!<\/em>-Studioalben<\/a> ist auf dem Label Gr\u00f6nland erschienen. in 1999 ging KUNO der Frage <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1999\/01\/01\/label-oder-available\/\">Label oder available?<\/a> nach. Einen <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/letternmusik.htm\">Remix<\/a> zu basteln ist in der Popmusik gang und gebe. Stephan Flommersfeld hat das Selbe mit der \u201cLetternmusik\u201d gemacht. &#8222;<em>Wenn es Videoclips gibt, muss auch die Literatur auf die ver\u00e4nderten <\/em><em>medialen Verh\u00e4ltnisse reagieren.&#8220;, <\/em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1991\/01\/18\/literaturclips-2\/\">postulierte<\/a> A.J. Weigoni 1991 und erfand mit Frank Michaelis das H\u00f6rbuch. Erweiternd zum Medium der <em><span lang=\"en\">Compact Disc<\/span><\/em> auch der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=33102\">Press\/Play<\/a>.<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Meine erste Schallplatte war die erste Schallplatte meines Freundes, weil wir immer zusammen Musik h\u00f6rten. Wir waren 10 Jahre alt und seit der Grundschule die dicksten Freunde, was teilweise zu H\u00e4nseleien f\u00fchrte \u2014 er ein Junge, ich ein M\u00e4dchen.&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/09\/meine-erste-schallplatte-oder-mister-b\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":22,"featured_media":85921,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[239],"class_list":["post-5310","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-christine-kappe"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5310","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/22"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5310"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5310\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5310"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5310"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5310"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}