{"id":52951,"date":"2009-05-15T00:01:54","date_gmt":"2009-05-14T22:01:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=52951"},"modified":"2022-02-27T15:28:37","modified_gmt":"2022-02-27T14:28:37","slug":"durchkomponiert-und-durchrhythmisiert","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/05\/15\/durchkomponiert-und-durchrhythmisiert\/","title":{"rendered":"Durchkomponiert und Durchrhythmisiert"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die <em>Vignetten<\/em> von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Andrascz_Weigoni\">A.J. Weigoni<\/a> sind schmal, verdichtet, streng durchkomponiert und durchrhythmisiert. Ein Subtext der Sehnsucht und der Katastrophen zieht sich durch die Novelle, wir lesen eine Sprache an der Schwelle zwischen Unsagbarem und Sagbarem. Es geht bei der Bewu\u00dftseinsnovelle <em>Vignetten<\/em> um den Tod, wer sich damit nicht auseinandersetzen will, sollte nicht weiterlesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Ao0lyPjYQw0\">Dead ist not the End<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Nick Cave<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Das seltsame Verh\u00e4ltnisspiel der Dinge&#8220;, von dem Novalis\u00a0 spricht, ist auch diesem Poeten nicht unbekannt. Wer seine Arbeiten kennt, ist mit seiner sinnlichen, den Gegenstand umkreisenden, doch bestimmt zupackenden Sprache vertraut. Ihm gelingt mit den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=4\"><em>Vignetten<\/em><\/a> die Reanimierung einer Literaturgattung, die sich an der Wahrnehmungsschwelle bewegt, diese Novelle handelt von etwas schwer Greifbarem, etwas Vagem und Unbestimmtem. In ihr ist eine ungewisse Sehnsucht zu sp\u00fcren, die weiss, dass das, woran sie sich heftet, nicht existiert. Die <em>Vignetten<\/em> sind an der Oberfl\u00e4che auf traurige Weise heiter und im Kern melancholisch, sie ist sorgf\u00e4ltig komponiert und weist an den richtigen Stellen Leerstellen auf. Immer wieder geht es um Tod, Verwirrung, und das unbeabsichtigte Sich-selbst-Bel\u00fcgen. Dennoch l\u00e4sst die Novelle den Leser nicht ratlos zur\u00fcck, sondern stimmt eher nachdenklich. So zuf\u00e4llig die Begegnung zwischen den Hauptfiguren auch erscheinen mag, so gr\u00fcndet sie doch in der allzu menschlichen Wahrnehmung, in der Verunsicherung dar\u00fcber, was wahr ist oder eben nicht. Was hier mit Leichtigkeit und Raffinesse erz\u00e4hlt wird, ist ungew\u00f6hnlich und tiefgr\u00fcndig, es ist eine Novelle, die die Tiefe des Menschlichen auszulotet. Deutschlehrer verweisen gern auf Jeremias Gotthelfs <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_schwarze_Spinne_%28Novelle%29\">Schwarze Spinne<\/a>, eine klassische Novelle die trotz ihrer christlichen Moral eine Horrorstory ist, die es sogar mit einem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/01\/18\/bissfest\/\">Monster<\/a> aufnehmen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den <em>Vignetten<\/em> findet sich eine syntaktisch und lexikalisch gleicherma\u00dfen kunstvolle Sprache &#8211; verschachtelte Nebens\u00e4tze, eine Mischung aus Neologismen und Archaismen und metaphorische Phantasie. Weigoni w\u00e4hlt eine gebrochene Perspektive, um dem Leser das Leben der Hauptfiguren Nataly und Max in ihrer Fremdheit nahe zu bringen, aber er handhabt sie so virtuos, dass man ihr Raffinement gar nicht bemerkt. Diese Poesie liefert Beispiele f\u00fcr Weltzusammenh\u00e4nge zwischen Rhein und Nil, sie kann die F\u00fclle der real vorhandenen Dinge aber auch \u00fcbertreffen. Die offene Struktur seiner Poesie weist darauf hin, da\u00df die Dinge dazu neigen, sich irgendwann aufzul\u00f6sen. Der Tod ist ebenso sein Thema wie das Leben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vignetten<\/strong>, Novelle von A.J. Weigoni, Edition Das Labor, M\u00fclheim 2009 \u2013 Limitierte und handsignierte Ausgabe als Hardcover.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein H\u00f6rprobe findet sich <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/taeger\/630.html\">hier<\/a>. &#8211;\u00a0 Die Aufnahme ist in HiFi-Stereo-Qualit\u00e4t erh\u00e4ltlich \u00fcber: <a href=\"mailto:info@tonstudio-an-der-ruhr.de\">info@tonstudio-an-der-ruhr.de<\/a><\/p>\n<div style=\"width: 184px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=52878&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VignettenCover.jpeg\" sizes=\"auto, (max-width: 174px) 100vw, 174px\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VignettenCover.jpeg 623w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VignettenCover-196x300.jpeg 196w\" alt=\"\" width=\"174\" height=\"266\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Covermotiv: Peter Meilchen<\/p><\/div>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Weiterf\u00fchrend \u2192<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Constanze Schmidt zur <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/11\/18\/wellenbewegungen\/\">Novelle<\/a> und zum <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/\">Label<\/a>. Ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/01\/18\/literaturgeografie\/\">Nachwort<\/a> von Enrik Lauer. KUNO \u00fcbernimmt einen Artikel der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/09\/09\/bruchstuckhafte-morsezeichen\/\">Lyrikwelt<\/a> und aus dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/09\/lachfalten-im-gesicht-der-zeit\/\">Poetenladen<\/a>. Betty Davis konstatiert <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/06\/18\/ein-fein-gesponnenes-psychogramm\/\">ein fein gesponnenes Psychogramm<\/a>. \u00dcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/12\/18\/novelle_revisited\/\">Reanimierung<\/a> der Gattung Novelle und die Weiterentwicklung zum Buch \/ Katalog-Projekt <em>630<\/em> finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=46549\">hier<\/a> einen Essay. Einen weiteren Essay zur Ausstellung <em>50 Jahre Krumscheid \/ Meilchen<\/em> lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21518\">hier<\/a>. Mit einer <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/hungertuch\/taeger2001.htm\">Laudatio<\/a> wurde der Hungertuch-Preistr\u00e4ger Tom T\u00e4ger und seine Arbeit im Tonstudio an der Ruhr gew\u00fcrdigt. Eine W\u00fcrdigung des Lebenswerks von Peter Meilchen findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12763\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Die Vignetten von A.J. Weigoni sind schmal, verdichtet, streng durchkomponiert und durchrhythmisiert. Ein Subtext der Sehnsucht und der Katastrophen zieht sich durch die Novelle, wir lesen eine Sprache an der Schwelle zwischen Unsagbarem und Sagbarem. 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