{"id":52138,"date":"2018-10-17T19:22:14","date_gmt":"2018-10-17T17:22:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=52138"},"modified":"2019-10-02T20:35:25","modified_gmt":"2019-10-02T18:35:25","slug":"emmanuel-bove-%e2%80%a2-revisited","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/10\/17\/emmanuel-bove-%e2%80%a2-revisited\/","title":{"rendered":"Emmanuel Bove \u2022 Revisited"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Im \u00dcbrigen scheint mir, dass man Romane nicht einen nach dem anderen schreiben sollte, als ob man ganz verschiedene B\u00fccher macht, zwischen denen \u00fcberhaupt keine Verbindung besteht. Ein Romancier muss das, was er zu sagen hat, in Form eines Romans sagen. Ein Roman sollte keine abgeschlossene Sache sein, kein in sich selbst ruhendes Etwas: das hei\u00dft, dass man einen Roman nicht vom Gesamtwerk eines Autors trennen darf, noch weniger als man einen sch\u00f6nen Vers von einem Gedicht losl\u00f6sen kann. Er soll nicht den Eindruck einer in sich abgeschlossenen Arbeit machen, sondern Teil eines Ganzen sein.<\/em><\/span><\/p>\n<div class=\"signature\" style=\"text-align: right;\"><\/div>\n<div class=\"signature\" style=\"text-align: right;\"><span class=\"style1\" style=\"color: #999999;\">Emmanuel Bove im Gespr\u00e4ch mit Andr\u00e9 Rousseaux, erschienen am 9. Februar 1928 in \u00bbCandide\u00ab.<\/span><\/div>\n<div class=\"signature\" style=\"text-align: right;\"><span class=\"style1\" style=\"color: #999999;\"> \u00dcbersetzt von Thomas Laux, aus \u00bbBegegnung\u00ab (Lilienfeld Verlag 2012)<\/span><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=52138&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 size-266x266 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/delivermessagepart.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 266px) 100vw, 266px\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/delivermessagepart.jpg 319w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/delivermessagepart-300x199.jpg 300w\" alt=\"\" width=\"266\" height=\"177\"\/><\/a>Um der Werkausgabe von Emmanuel Bove&nbsp;ermunternden R\u00fcckenwind zu verschaffen, haben sich die Herausgaber der<em> Edition di\u00e1<\/em> entschlossen, die noch geplanten elf Romane und Erz\u00e4hlungen auf einen Schlag&nbsp;auf die Reise zu den Leserinnen und Lesern zu schicken.&nbsp;Damit liegen alle je auf Deutsch erschienenen Werke des franz\u00f6sischen Klassikers in gedruckter Form vor: neben den bei uns nun lieferbaren 16 B\u00e4nden weitere bei Lilienfeld und Suhrkamp, bei Deuticke und in der Friedenauer Presse (in Vorbereitung) \u2013 siehe <a href=\"http:\/\/www.emmanuelbove.de\">unter<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Boves Werk umfasst etwa 30 Romane, dazu kommen zahlreiche Erz\u00e4hlungen und Kurzgeschichten. Dieser Autor wirft einen Blick hinter die Kulissen des franz\u00f6sischen B\u00fcrgertums in der ersten h\u00e4lfte des 20. Jahunderts und entlarvt die scheinheilige Moral einer Gesellschaft, die Regeln aufstellt, um sie heimlich zu brechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Menschen und Masken<\/i> spielt beispielsweise im Ballsaal eines Pariser Hotels. Aus Anlass seiner Aufnahme in die L\u00e9gion d&#8217;Honneur gibt der Schuhfabrikant Andr\u00e9 Poitou ein Bankett. Dazu hat er Honoratioren, Witwen und sonstige ihm bekannte Leute eingeladen. Alle treten wohlgekleidet auf, die Damen hochtoupiert, es handelt sich um die \u201egute Gesellschaft\u201c. Doch hinter dem Pomp verbergen sich brutale Egoisten, die ihre Garderobe und die guten Sitten dazu nutzen, eigens\u00fcchtige Interessen zu verstecken. Ob es nun die Generalswitwe ist, die mit ihrer kreiss\u00e4genartigen Stimme Aufmerksamkeit erzwingt, oder ein Senator, dessen Abgebr\u00fchtheit, hinter Schmeicheleien verborgen, kaum noch zu \u00fcberbieten ist: ihnen allen geht es nur um die Macht, darum, m\u00f6glichst viel Aufmerksamkeit zu gewinnen und ihre Position durch die \u201erichtigen\u201c Kontakte zu verbessern. <i>Menschen und Masken<\/i> erschien 1928. \u201eIch habe \u00fcber meinen n\u00e4chsten Roman nachgedacht\u201c, zitiert das Nachwort den Autor, \u201eseltsam: Ich kenne bereits alles, nur das Thema nicht\u201c. Das Buch ist also mehr aus einem Gef\u00fchl als aus einem Plan heraus entstanden. Zeigt sich hier das Lebensgef\u00fchl eines franz\u00f6sischen Juden, der ahnte, wie wenig Verlass auf die \u201egute Gesellschaft\u201c sein w\u00fcrde?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach seinem Tod blieb Emmanuel Bove lange vergessen. 1972 schrieb Val\u00e9ry Giscard d\u2019Estaing in einem Brief an Philippe Soupault, die B\u00fccher von Emmanuel Bove seien \u201evollkommen verschwunden\u201c und nicht einmal mehr in den \u201ehinteren Raumen der Buchhandlung\u201c zu finden.<sup id=\"cite_ref-3\" class=\"reference\"><\/sup> Erst Ende der 1970er Jahre begann in Frankreich eine Wiederentdeckung. Durch Luc Bondy wurde Peter Handke auf Bove aufmerksam. Handkes drei \u00dcbersetzungen (in den Jahren 1981 bis 1984) machten Bove auch in Deutschland einer breiteren Leserschaft bekannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seinem Todesjahr (1945) erschien <i>Le pi\u00e8ge<\/i> in Frankreich (deutscher Titel: <i>Die Falle<\/i>), ein Buch \u00fcber die Kollaboration in Frankreich. Distanziert schreibt Bove \u00fcber den Weg des \u201eWiderst\u00e4ndlers im Geiste\u201c Bridet durch die kalten Flure der Vichy-Administration. Diese Buch ist auch deshalb erstaunlich, weil die Kollaboration mit den deutschen Besatzern in Frankreich bis in die 1990er Jahre ein Reizthema war, \u00fcber das ein breiter \u00f6ffentlicher, kritischer Diskurs erst mit Jacques Chiracs Rede am 16. Juli 1995 einsetzte. Bove brach die gro\u00dfen Themen von Widerstand und Kollaboration auf allt\u00e4gliche Situationen herunter, in denen sich sein Antiheld Bridet zwischen Feigheit und W\u00fcrde, strategischer Anpassung und wirksamem Widerstand selbst langsam eine Schlinge um den Hals zieht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Lilienfeld Verlag hat gerade eine Neuausgabe des vergriffenen Romans <a href=\"https:\/\/lilienfeld-verlag.de\/buecher\/emmanuel-bove-schuld\/\"><em>Schuld<\/em><\/a> ver\u00f6ffentlicht, erweitert um neun neu aufgefundene Erz\u00e4hlungen aus den Jahren 1935 bis 1944, die ebenfalls Thomas Laux \u00fcbertragen hat. Die Herausgeber danken den Kollegen aus <span data-cmp_parsed_location_name=\"D\u00fcsseldorf\" data-cmp_parsed_location_weather=\"K05111000\" data-cmp_parsed_location_other=\"0\" data-ce-class=\"Locations\">D\u00fcsseldorf<\/span>, da\u00df die<em> Edition di\u00e1<\/em> die E-Book-Ausgabe von <em>Schuld und Gewissenbiss<\/em> ver\u00f6ffentlichen darf!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im \u00dcbrigen scheint mir, dass man Romane nicht einen nach dem anderen schreiben sollte, als ob man ganz verschiedene B\u00fccher macht, zwischen denen \u00fcberhaupt keine Verbindung besteht. Ein Romancier muss das, was er zu sagen hat, in Form eines Romans&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/10\/17\/emmanuel-bove-%e2%80%a2-revisited\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":257,"featured_media":52148,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2243],"class_list":["post-52138","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-emmanuel-bove"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52138","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/257"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=52138"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52138\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=52138"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=52138"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=52138"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}