{"id":51510,"date":"2018-10-05T00:01:40","date_gmt":"2018-10-04T22:01:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=51510"},"modified":"2020-11-26T11:03:59","modified_gmt":"2020-11-26T10:03:59","slug":"sprachjonglagen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/10\/05\/sprachjonglagen\/","title":{"rendered":"Sprachjonglagen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Seine Bilanz ist mehr als beeindruckend: 20 Jahre lyrisches Schaffen der ganz besonderen Art. Unglaubliche Serien gekonnter Sprachjonglagen zwischen zwei eher konservativen und schlichten leinengebundenen Buchdeckeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und gerade bei Jonglagen ist der Gleichgewichtssinn und die F\u00e4higkeit zu fangen ebenso unverzichtbar wie f\u00fcr diesen Ausnahmelyriker, geschickt Worte zu pr\u00e4sentieren, ohne dabei sinnlose zu verlieren und dar\u00fcberhinaus das Gleichgewicht zwischen sinnvoll und fantastisch zu wahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kaum haben die Leser sich in den \u201eSperrbezirk\u201c \u2013 so hei\u00dft nach einem fr\u00fcheren Buchtitel Manfred Enzenspergers das erste Kapitel \u00a0\u2013 hineingewagt, sind sie auch schon gefangen in dessen ureigener Sprachwelt, in einer, in die ich mich bisher nirgendwo sonst derart einlesen konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eder text sagt, schreiben ist nicht blo\u00df schreiben\u201c. Schreiben seien \u201evermessungsakte zwischen wort und ding\/mit tendenz zur guten gestalt ohne genormten\/ ma\u00dfstab\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und genauso kommen Enzenspergers eigenwillige Texte daher und spinnen Leserinnen und Leser schon nach den ersten wenigen Zeilen in ein Netz verf\u00fchrerisch anlockender Wortgebilde sowie ungew\u00f6hnlicher Metaphern und Sinnkombinationen ein. Und aus diesem Netz gibt es bis zum Ende des 335 Seiten umfassenden Gedichtbandes eigentlich kein Entrinnen mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201ewas soll das mit der\/\u00e4nderungsschreiberei\/nichts als baustellen\/wir wollen weiter\u201c. Und weiter kommen dieser Lyriker und seine faszinierten Leser mit einigen englischen und vorwiegend deutschen Gedichten, die jenseits der \u00fcblichen Wahrnehmungen eine andere Welt zu entdecken und zu verbergen helfen. \u201enun habe ich den schl\u00fcssel\/ doch es fehlt mir die t\u00fcr\u201c. Aber dann ist pl\u00f6tzlich \u201e\u00fcberall sprachmorast versiffte signatur\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Somit bleiben Autor und Leser gemeinsam Suchende, die immer wieder aufs Neue fasziniert von Wortbild zu Wortbild tastend f\u00fcndig werden, wenn sie sich auf ein weites Feld nahezu unbegrenzter Assoziationen einlassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei ist Enzenspergers eher spr\u00f6de Sprache nie in Gefahr, k\u00fcnstlich oder gar kitschig zu wirken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und auch wenn der Germanist, Anglist und Erziehungswissenschaftler bei fast allen seinen Texten immer wieder durchscheint, kommt er dennoch nicht einmal p\u00e4dagogisch belehrend oder gar besserwisserisch daher.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine Texte dr\u00e4ngen sich nie auf, wecken aber durch ihre Geheimnisse stets aufs Neue Interesse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer Deutsch oder Englisch sprechen will und das mit der Sprechweise dieses au\u00dfergew\u00f6hnlichen Autors versucht, wird sich vom sicheren Festland auf kleine und gr\u00f6\u00dfere Sprachinseln begeben m\u00fcssen, die allerdings jegliche Idylle vermissen lassen. \u00a0Dabei wird der weitgereiste Leser durchaus bekannten Orts- und St\u00e4dtebezeichungen begegnen und sich vermutlich an \u00d6rtlichkeiten erinnern lassen, von denen ihn allerdings immer wieder lyrische Fantasien entf\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Enzenspergers Titel \u201eund wenn du aus dem haus gehst ist dort der tag\u201c ist zugleich Programm f\u00fcr Leser, die sich herauslocken lassen wollen, um sich in einem neuen Tag zu begegnen. Dabei m\u00fcssen sie noch nicht eimal ausgesprochen Lyrik begeistert sein. Sie\u00a0 sollten aber die Bereitschaft haben, sich durch Experimente eines geschickten Sprachjonleurs begeistern zu lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=51510&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 size-266x266 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Enzensperger157.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 177px) 100vw, 177px\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Enzensperger157.jpg 3744w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Enzensperger157-200x300.jpg 200w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Enzensperger157-768x1152.jpg 768w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Enzensperger157-683x1024.jpg 683w\" alt=\"\" width=\"177\" height=\"266\" \/><\/a><strong>und wenn du aus dem haus gehst ist dort der tag<\/strong>, Gedichte von 1998 \u2013 2018, von Manfred Enzensperger Verlag Ralf Liebe, Weilerswist, 2018, \u00a0leinengebunden, 335 Seiten, \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u20ac 24.-<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weiterf\u00fchrend \u2192<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen Artikel zum weiten Feld der lyrischen Landvermessung lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=4553\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seine Bilanz ist mehr als beeindruckend: 20 Jahre lyrisches Schaffen der ganz besonderen Art. 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