{"id":50359,"date":"2019-05-10T00:01:23","date_gmt":"2019-05-09T22:01:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=50359"},"modified":"2019-06-18T20:45:57","modified_gmt":"2019-06-18T18:45:57","slug":"worueber-reden-wir-wenn-wir-ueber-kunst-reden-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/05\/10\/worueber-reden-wir-wenn-wir-ueber-kunst-reden-teil-3\/","title":{"rendered":"Wor\u00fcber reden wir, wenn wir \u00fcber Kunst reden? \u2013 Teil 3"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em>\u201e<span style=\"color: #999999;\">Ein tausendmal gelesenes Buch \u2013 das sind tausend verschiedene B\u00fccher.\u201c<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Andrej Tarkowskij: Von der Verantwortung des K\u00fcnstlers, 1967<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>\u201eErst durch die Handlung des Betrachters entsteht ein Werk.\u201c<br \/>\n<\/em>Franz Erhard Walther<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><strong>&nbsp;<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.5 Kunst in der Alltagssprache: Redewendungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Alltagssprachliche Verwendung findet der Begriff \u201aKunst\u2018 auch in zahlreichen stehenden Redewendungen. Bei diesen \u00c4u\u00dferungstypen handelt es sich um feste<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wortverbindungen mit einer zeitunabh\u00e4ngigen etablierten Bedeutung. Sie haben eine solche Konventionalisierungsstufe erreicht, dass der Angesprochene nicht mehr die reflexive Intention, die Sprecher-Intention, erkennen muss, um zu verstehen, was gemeint ist. Der Gebrauch solcher Redewendungen stellt vielmehr eine kollektive Praxis dar, bei der die etablierte Verwendungsweise mit einer entsprechenden Verst\u00e4ndnisweise korreliert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesen Redewendungen finden jedoch keine der bisher genannten Gebrauchsweisen des Begriffs \u201aKunst\u2018 Anwendung, auch wenn sich die eine oder andere Redensart historisch auf eine solche zur\u00fcckf\u00fchren l\u00e4sst. So ist es, angesichts der vielf\u00e4ltigen Facetten und Gebrauchsweisen des Begriffs \u201aKunst\u2018, trotz des Prozesses der sozialen Kristallisation einigerma\u00dfen erstaunlich, dass die meisten Sprecher der deutschen Sprache den Begriff (resp. den \u00c4u\u00dferungstyp) in der Regel in allen F\u00e4llen angemessen verwenden: <em>\u201eWir alle beherrschen die Semantik der W\u00f6rter unserer Alltagssprache normalerweise perfekt. (\u2026) Aber wir sind im Allgemeinen nicht in der Lage, dieses implizite Wissen auch zu explizieren\u201c<\/em> (Keller 2018b: 1).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir bezeichnen gerne so manches technisch feine Kabinettst\u00fcckchen beim Fu\u00dfball als <em>brotlose Kunst<\/em>, wenn es partout nicht zielf\u00fchrend ist (das Runde muss schlie\u00dflich ins Eckige). In diesem Fall ist es auch egal, wenn das Kabinettst\u00fcckchen von einem so filigranen Ballartisten wie Lionel Messi aufgef\u00fchrt wurde, der sicherlich das beherrscht, was der Redakteur der S\u00fcddeutschen Zeitung, Philipp Selldorf, in der<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bundesliga so sehr vermisst: <em>Spielkunst<sup>37<\/sup><\/em>. Dieser heute noch als Suffix gebr\u00e4uchliche Reflex alter Gebrauchsweisen des Begriffs \u201aKunst\u2018 rekurriert jedoch auf einen anderen Gebrauch des Begriffs als der metaphorische Sprachgebrauch \u201abrotlose Kunst\u2018. Denn dieser hat heute gar nichts mehr mit Kunst zu tun. So kann ein Helikoptervater eingedenk des Hype um die MINT-F\u00e4cher dem lieben Nachwuchs<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das Studium der Geisteswissenschaften durchaus mit den Worten verg\u00e4llen, dass<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">dies doch <em>brotlose Kunst<\/em> sei. Wobei wir uns in diesem Fall jedoch, unbewusst, der urspr\u00fcnglichen, w\u00f6rtlichen Bedeutung ann\u00e4hern. Denn als brotlos wurden ehedem die k\u00fcnstlerischen, vor allem die musischen Berufe bezeichnet, bei denen man sein Brot mehr als sauer verdienen musste, um am Ende doch am Hungertuch zu nagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein so gewiefter wie eloquenter Strafverteidiger kann die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft <em>nach allen Regeln der Kunst <\/em>auseinandernehmen, ohne dass wir ihm gleich unterstellen w\u00fcrden, ein K\u00fcnstler zu sein. Gleichwohl beherrscht er ganz offensichtlich das, was einmal \u201aRedekunst\u2018 gehei\u00dfen und deshalb zu den K\u00fcnsten gez\u00e4hlt wurde. Aber auch dieser versierte Vertreter seiner Zunft wird sich kaum dar\u00fcber bewusst sein, dass hier ein wahrer, w\u00f6rtlicher Kern in metaphorischer Schale steckt: Etwa ab dem 14. Jahrhundert entstanden Regelwerke, Notationen f\u00fcr Musikst\u00fccke. In ihnen wurden erstmals Regeln f\u00fcr Gesang, f\u00fcr Tasten- und Saiteninstrumente schriftlich festgehalten. Wer nun diese perfekt beherrschte, beherrschte sein Instrument eben <em>nach allen Regeln der Kunst<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Heutzutage kann jeder, egal ob Polier, Zahnarzt oder Bibliothekar, <em>mit seiner Kunst am Ende <\/em>sein. Aber das gilt nicht nur f\u00fcr den jeweilig ausge\u00fcbten Beruf. Auch wenn es um das Hobby geht oder um die Aus\u00fcbung elterlicher Pflichten ist diese Aussage, sollte sie denn zutreffen, angemessen. Bisweilen mache selbst ich von dieser Aussage Gebrauch. Dann wende ich mich aber nicht, wie weiland Faust, der \u201aschwarzen Kunst\u2018, der Magie, zu. Sondern w\u00fcrde, wenn es nicht anders geht, eher dazu neigen, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. In diesem Fall w\u00fcrde ich es allerdings angesichts meines seelischen Zustands als reichlich unpassend empfinden, von dem behandelnden Psychologen ganz jovial mit den Worten begr\u00fc\u00dft zu werden: <em>Na,<\/em> <em>was macht die Kunst? <\/em>Jeder wei\u00df \u2013 implizit, nicht explizit \u2013 um die Regeln des Gebrauchs dieses \u00c4u\u00dferungstyps: Es ist eine Begr\u00fc\u00dfungsformel unter Freunden und Bekannten, sie ist also f\u00fcr den Psychologen im therapeutischen Kontext grunds\u00e4tzlich unpassend (selbst wenn er ein Freund oder Bekannter w\u00e4re). Aber auch f\u00fcr Freunde und Bekannte verbietet sich eigentlich diese Begr\u00fc\u00dfungsformel, so sie denn um meine Probleme wissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Da, wo es heute ganz allgemein um die Frage nach dem Befinden geht, wurde fr\u00fcher ganz konkret nach dem Befinden im Beruf gefragt. So in Gotthold Ephraim Lessings Trauerspiel \u201aEmilia Galotti\u2018, wo Hettore Gonzaga, der Prinz von Guastalla, den Hofmaler Conti fragt: \u201eGuten Morgen, Conti. Wie leben Sie? <em>Was macht die Kunst?\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Worauf Conti antwortet: \u201ePrinz, die Kunst geht nach Brot.&#8220;&nbsp;Da ist sie wieder, die <em>brotlose Kunst<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das ist<\/em> <em>doch keine Kunst<\/em>, einen Handstand zu machen, wird mir ein ge\u00fcbter Turner sicherlich sagen, wenn er sieht, wie ich mich ungelenk abm\u00fche, einen solchen zu machen. Ich bin da entschieden anderer Ansicht als er: Es zu k\u00f6nnen ist <em>eine Kunst f\u00fcr sich<\/em>. M\u00f6glicherweise wird er mir auf meinen Einwand entgegnen: Ach was \u2013 <em>die Kunst besteht darin<\/em>, sich zu \u00fcberwinden. Aber unabh\u00e4ngig davon, wie nun der Disput zwischen dem Turner und mir ausgehen mag: Hier und in allen anderen Redewendungen hat \u201aKunst\u2018 nichts (oder nichts mehr) mit Kunst (weder mit unserem heutigen noch mit dem ehemaligen Gebrauch resp. Verst\u00e4ndnis) zu tun, sondern allein etwas mit K\u00f6nnen. Was etymologisch gesehen sogar korrekt ist. Denn das althochdeutsche Wort \u201akunst\u2019 ist ein Verbalabstraktum zu \u201ak\u00f6nnen\u2019. Allerdings bedeutete es nicht \u201aK\u00f6nnen\u2018 im heutigen Sinn, sondern \u201aWissen, Verstehen\u2018 und war eine Lehnbedeutung, die sich aus der \u00dcbersetzung des lateinischen <em>ars<\/em> und griechischen <em>techn\u00e9<\/em> herleitete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute jedoch, so k\u00f6nnen wir es dem Duden in der Bedeutungs\u00fcbersicht zum Begriff \u201aKunst\u2018 online entnehmen (www.duden.de\/rechtschreibung\/Kunst#Bedeutung2), versteht man unter K\u00f6nnen eher ein <em>\u201ebesonderes Geschick, [erworbene] Fertigkeit auf einem bestimmten Gebiet\u201c<\/em>. In dieser Gebrauchsweise des Begriffs kann dann schon mal etwas zur Kunst erhoben werden, was bestenfalls eine F\u00e4higkeit resp. Fertigkeit ist. So etwa die Kunst des Schweigens. Oder die der Zweideutigkeit, der Entsagung und der Ann\u00e4herung. Doch was ist mit der Kunst des Lesens und Schreibens, die doch soziokulturell ein deutlich h\u00f6heren Stellenwert besitzt als jene vorgenannten K\u00fcnste? Und die Kunst der Architekturfotografie? Ist sie vielleicht nicht mehr nur ein K\u00f6nnen, sondern bereits Kunst?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"5\">\n<li><strong> Kunsttheorie und Kunst\u00e4sthetik<br \/>\n<\/strong><strong><\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5.1 Reinold Schm\u00fccker: Was ist Kunst?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5.1.1 Der Kunstbegriff als Beurteilungsbegriff.<br \/>\nOder: Wie erkenne ich ein Kunstwerk als Kunstwerk?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">In seiner 1998 ver\u00f6ffentlichten Dissertation hat der Kunstphilosoph Reinold Schm\u00fccker eine f\u00fcr den Diskurs in der deutschsprachigen \u00c4sthetik zentrale Arbeit vorgelegt, die bereits in ihrem Titel gleich in zweifacher Weise einen hehren Anspruch erhebt. Zum einen stellt sie dort die Frage aller Fragen des Kunstdiskurses, die Frage nach der <em>\u201eEigenart der Kunst als Kunst: das, was man traditionell ihr Wesen nennt\u201c <\/em>(Schm\u00fccker 2017: 7). Es ist dies die <em>\u201eFrage nach den essentiellen Eigenschaften von Kunstwerken\u201c<\/em> (L\u00fcdeking 1998: 204), die \u201ametaphysische\u2018 Frage: Was ist Kunst? Zum anderen beansprucht die Arbeit, so hei\u00dft es im Untertitel, nichts weniger als eine kritische <em>\u201eGrundlegung der Kunstphilosophie\u201c<\/em> zu sein. Dabei reflektiert Schm\u00fccker jedoch nicht, wie man vermuten k\u00f6nnte, den Begriff der \u201aKunst\u2018 im Allgemeinen und seine vielf\u00e4ltigen Gebrauchsweisen im Speziellen. Nein, im Gegenteil. Er umgeht auf denkbar einfachste Weise die Klippe, auf die der Kunstphilosoph Karlheinz L\u00fcdeking unter Bezug auf Wittgenstein hinwies: <em>\u201eEs gibt offenbar so viele verschiedene, sich widersprechende Verwendungsweisen des Kunstbegriffs, da\u00df man davon verwirrt wird, denn eine solche Verwirrung entsteht vornehmlich dann, wenn \u201awir versucht sind, ein Wort in mehreren verschiedenen Weisen zu gebrauchen\u2018\u201c<\/em> (L\u00fcdeking 1998: 204). Schm\u00fccker reduziert schlicht den Gegenstand seiner Betrachtung, den er als den eigentlichen Gegenstand der Betrachtung der Kunstphilosophie ausgibt, auf genau eine Gebrauchsweise, klammert also alle anderen aus, als lie\u00dfe sich so das Problem problemlos l\u00f6sen: <em>\u201eUm Kunst geht es ihr (\u2026) nur in jenem speziellen Sinn, in dem das deutsche Wort bestimmte Gegenst\u00e4nde \u00e4sthetischer Erfahrung meint \u2013 kurz: \u00e4sthetische Kunst\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 65\/67). Nur konsequent, dass er in der Folge statt von \u201aKunstphilosophie\u2018 nur noch von der <em>\u201eKunst\u00e4sthetik als philosophische Theorie \u00e4sthetischer Kunst\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 67) sprechen m\u00f6chte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Schm\u00fccker geht es also um die <em>\u201eKunst als solche\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 10), um das <em>\u201eWesen der \u00e4sthetischen Kunst\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 9), das er als eben <em>\u201ejene kunstspezifische Differenz\u201c<\/em> (ebd: 9) identifiziert, <em>\u201edie Kunst von Nicht-Kunst trennt\u201c<\/em> (ebd: 9). Weshalb er in seinem Versuch, diese Differenz klassifikatorisch zu bestimmen, eine Grundlegung f\u00fcr eine Kunsttheorie, aber keine Kunsttheorie sieht, die der Zahl der konkurrierenden Kunsttheorien und Kunstdefinitionen lediglich eine weitere hinzuf\u00fcgt \u2013 gerade in den letzten gut 70 Jahren ist, nicht zuletzt durch Ludwig Wittgenstein inspiriert und die sprachanalytische Philosophie bef\u00f6rdert, die Anzahl der Positionen insbesondere im angels\u00e4chsischen Raum geradezu explodiert. Stellvertretend seien hier nur Paul Ziff, Morris Weitz, William E. Kennick, Nelson Goodman, Arthur C. Danto, Maurice Mandelbaum, Berys Gaut, Robert Stecker und Robert J. Matthews genannt. Schm\u00fccker will demnach nichts weniger als den Nachweis f\u00fchren, <em>\u201eda\u00df die Frage \u201aWas ist Kunst?\u2018 sinnvoll und eine Antwort m\u00f6glich ist\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 9). Mit anderen Worten: dass es das Wesen der Kunst gibt und benannt werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinter der Frage nach dem Wesen der Kunst steht jedoch weniger der Glaube an eine wie auch immer geartete mysteri\u00f6se, metaphysische <em>essentia, <\/em>die alle Kunstwerke gleicherma\u00dfen durchweht. Es ist weit mehr der selige Wunsch nach dem, was den Gro\u00dfteil der Kunstphilosophen, Kunstkritiker, Kunstwissenschaftler und kunstinteressierter Laien eint. Und das v\u00f6llig unabh\u00e4ngig davon, ob sie, wie viele sprachanalytische Kunsttheoretiker es tun, <em>\u201edie M\u00f6glichkeit philosophischer Theorie \u00fcber das Wesen der Kunst grunds\u00e4tzlich in Abrede\u201c <\/em>(Schm\u00fccker 2014: 19) stellen, oder sie, wie Schm\u00fccker, die gegens\u00e4tzliche Position vertreten und ihre \u201aExistenz\u2018 behaupten: Es geht allen im Grunde um die <em>\u201eKonzeption eines klassifikatorischen Kunstbegriffs\u201c<\/em> (L\u00fcdeking 1998: 205), um die Konstitution des Kunstbegriffs als <em>\u201eBeurteilungsbegriff\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 13).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun liegt aber in eben diesem frommen Wunsch das Kernproblem begr\u00fcndet: Es gibt diesen Begriff in der gew\u00fcnschten Form nicht. Ja: Es kann ihn in dieser Form gar nicht geben. Wie wir anhand der Grice\u2019schen nominalistischen Konzeption der Etablierung der Bedeutung aus dem singul\u00e4ren Gebrauch sowie Kellers Erkl\u00e4rung des Sprach- und Bedeutungswandels durch das Modell der unsichtbaren Hand (cf. Kap. 2 ff.) erkannt haben, gibt es strukturell nicht den einen, diachron ewig identischen, zudem verbindlich normativ und klassifikatorisch wirkenden Begriff, ganz egal, ob er \u201aKunst\u2018, \u201aKultur\u2018, \u201aZivilisation\u2018, \u201aMoral\u2018 oder sonst wie hei\u00dft. Dar\u00fcber hinaus gilt, zumindest f\u00fcr den Bereich der soziokulturellen Ph\u00e4nomene, dass auch sie sich nach dem Modell der unsichtbaren Hand ergeben, entwickeln und ver\u00e4ndern: als kollektives, nicht-intendiertes Resultat individueller intentionaler Handlungen. Ganz egal, ob es sich nun um Kunst, Kultur, Zivilisation, Moral oder sonst etwas handelt. Und ihr Seinszustand ist <em>jeweils<\/em> der eines episodalen Ereignisses innerhalb eines Kontinuums, also eines nicht endenden, kontinuierlichen Wandels. Kontinuierlich zumindest solange, solange es handelnde Menschen gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nSowohl jeder Begriff (\u201aBegriff\u2018 im Sinne von \u201aWort\u2018 wie auch von \u201aAnschauung\u2018) als auch jedes soziokulturelle Ph\u00e4nomen sind fl\u00fcchtige Naturen. In dem Moment, in dem man sie zu fassen sucht, sind sie bereits wieder vergangen. Ver\u00e4ndert in kollektiven Prozessen, basierend auf individuellen Handlungen. Wobei sich in jedem synchronen Moment der Diachronie in jeder sozialen Gruppe, in jeder Gesellschaft, in jeder Kultur die Begriffe und die soziokulturellen Ph\u00e4nomene mitunter tausendfach, und sei es auch nur minimal anders, darstellen k\u00f6nnen. Wie sich angesichts dieses Umstands vermuten l\u00e4sst, m\u00fcndet die von L\u00fcdeking angesprochene begriffliche Verwirrung derart vervielfacht zielsicher in ein komplettes Irresein, wenn nicht zur intellektuellen Notfallvorsorge eine verbindlich erscheinende klassifikatorische Kunstdefinition als Arbeitshypothese aufgestellt wird. So l\u00e4sst sich den Beteiligten vielleicht f\u00fcr einen Moment eine gewisse Sicherheit im Sprachgebrauch und in der Beurteilung suggerieren. Aber dies darf immer nur unter einem prinzipiellen Erkenntnisvorbehalt geschehen: Wir hinken mit unseren definitorischen Versuchen den Gegebenheiten notwendigerweise hinterher, wollen festhalten, was de facto fl\u00fcchtig ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Schm\u00fccker nun es dem linguistic turn, der<em> \u201eeigentlich eine sprachanalytische Horizonterweiterung ist\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2017: 14), als Verdienst anrechnet, einen Ma\u00dfstab geliefert zu haben, <em>\u201ean dem sich jedenfalls die Kunsttheorien, die uns nicht vorzuschreiben, sondern zu erkl\u00e4ren suchen, was Kunst ist, messen lassen m\u00fcssen: den (in einer Kultur) \u00fcblichen Gebrauch des Kunstbegriffs\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2017: 14), so ist ihm unumwunden zuzustimmen. Allerdings mit einer nicht ganz unerheblichen Einschr\u00e4nkung, die sich aus dem Vorherigen ergibt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nErstens gibt es nicht den <em>einen<\/em> \u00fcblichen Gebrauch des Kunstbegriffs (bestenfalls als idealtypische Gebrauchsweise). Zweitens ist <em>jeder<\/em> dieser Kunstbegriffe (jede Gebrauchsweise und jedes Verst\u00e4ndnis) einem steten Wandel unterworfen (bei dem bestenfalls es eine tempor\u00e4re diachrone Identit\u00e4t der Bedeutung gibt). Auch darf nicht vergessen werden: Bei allem Respekt vor der Intelligenz, dem Wissen und der Kompetenz der Kunstexperten aller Fakult\u00e4ten \u2013 nicht sie und schon gar nicht sie allein konstituieren g\u00fcltige Kunstklassifikationen und Beurteilungskriterien. Zum einen entstehen diese immer zwingend auf Basis der jeweiligen Lebenswelten und der individuellen Sozialisationen, durch die ein jeder von ihnen ein vom ihm nicht explizierbares implizites Wissen um die Dinge mit sich herumtr\u00e4gt. Zum anderen bedeutet es eine v\u00f6llige \u00dcbersch\u00e4tzung seiner selbst, lie\u00dfe man den Einfluss der ungenannten, unbekannten Millionen Rezipienten im allt\u00e4glichen Leben auf die Zuschreibung von Werken als Kunst, auf die Konstitution, die Genese und den Wandel des Begriffs \u201aKunst\u2018 au\u00dfer acht: Die in einer Kultur \u00fcblichen Gebrauchsweisen des Kunstbegriffs (vorausgesetzt, es gibt in der jeweiligen Kultur \u00fcberhaupt einen solchen Begriff resp. eine solche Vorstellung) werden nicht, auch wenn sich das vielleicht der eine oder andere Theoretiker gerne w\u00fcnschen w\u00fcrde, autoritativ und normativ gesetzt \u2013 sie werden in einem Invisible-hand-Prozess kollektiv ermittelt (deren Resultate, wie gesagt, immer nur episodale Ereignisse darstellen, die sich stets wandeln \u2013 die aber von uns M\u00e4ngelwesen, die der Synchronie des Daseins verhaftet sind, als dauerhafte Einrichtungen erlebt werden: Wir nehmen das gerade Bestehende als Bestand an).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Das hei\u00dft: <em>\u201e(D)as alte Problem, wie man ein Kunstwerk als solches erkennt\u201c,<\/em> (L\u00fcdeking 1998: 205) ist keines. Oder genauer gesagt: Es ist zum einen eines, das sich, \u00fcberspitzt gesagt, in jedem Moment (in jeder sozialen Gruppe, jeder Gesellschaft und jeder Kultur\u2026) jeweils von neuem stellt. Und zum anderen ist es eines, das sich in dieser Form nicht stellt. Denn wie gesehen l\u00e4sst sich strukturell sowohl die Konstitution der Gebrauchsweise der Begriffs \u201aKunst\u2018, die Etablierung dessen, was unter \u201aKunst\u2018 verstanden und was als \u201aKunst\u2018 angesehen wird wie auch die Zuschreibung von etwas als Kunst ausgehend von einer singul\u00e4ren Handlung hin zu einer\/m kollektiv resultierenden Gebrauchsweise\/Verst\u00e4ndnis\/Ansicht\/ Zuschreibung systematisch <em>erkl\u00e4ren.<\/em><\/p>\n<p>Ein unbeabsichtigtes Resultat der kollektiv etablierten Zuschreibung von Werken als Kunst-Werke (oder auch der Zuschreibung einer Form k\u00fcnstlerischen Schaffens als \u201aKunst\u2018) ist das, was L\u00fcdeking den <em>\u201aklassifikatorischen Kunstbegriff\u2018<\/em> und Schm\u00fccking den \u201aKunstbegriff als Beurteilungsbegriff\u2018 nennt \u2013 in gleicher Weise konstituieren sich die Regeln des Gebrauchs eines Begriffs, also die Gebrauchsweisen, die, so Wittgenstein, die <em>\u201ef\u00fcr eine gro\u00dfe Klasse von F\u00e4llen\u201c <\/em>(Wittgenstein 1977: 41, PU 43) gelten. Und solche unbeabsichtigten Resultate sind eben jene Ph\u00e4nomene, die Keller Ph\u00e4nomene der dritten Art nennt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Die allt\u00e4gliche Frage, ob das, was man gerade liest, sieht, h\u00f6rt, sp\u00fcrt, ein Kunstwerk ist oder nicht, l\u00e4sst sich also nicht durch das nachtr\u00e4gliche Aufsp\u00fcren obskurer klassifizierender, m\u00f6glicherweise sogar essentialistischer Kriterien beantworten. Die Frage birgt vielmehr ihre eigene Antwort: Jede Besch\u00e4ftigung mit dem Werk durch den Einzelnen, sei es unmittelbar, intuitiv oder reflexiv, bereitet die Zukunft vor \u2013 sie stellt die erste singul\u00e4re, individuell basierte Etappe zur n\u00e4chsten Episode im Wandel des kollektiven Verst\u00e4ndnisses wie auch der kollektiven Zuschreibung dar. Was bedeutet: Es gibt kein vorfindliches, verbindliches Kriterium der Beurteilung, es ergibt sich vielmehr erst nachtr\u00e4glich als kollektives Resultat aus dem steten Fluss der hunderttausendfachen individuellen Rezeption. An dem jeder, der eine mehr, der andere weniger, strukturell teilhat. Und damit Teil der Konstitution und des Wandels ist. Ohne es zu merken, ohne es zu wissen (hier verbirgt sich ein immenser, die Demokratie f\u00f6rdernder gesellschaftsp\u00e4dagogischer Auftrag: dass wir zuk\u00fcnftig nicht mehr, in der breiten Masse, nur unbewusst an der Kunst \u201ateil-haben\u2018, sondern aktiv daran \u201ateil-nehmen\u2018 [cf. Gadamer 2012: 39]).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage nach vorfindlichen Kriterien, wie wir ein Kunstwerk als Kunstwerk erkennen k\u00f6nnen, stellt sich also nicht. Wir sind als Rezipienten im kollektiven Verbund systematisch erst an der Bestimmung des Werks als Kunst-Werk beteiligt: <em>\u201eDer Mitspieler geh\u00f6rt zum Spiel\u201c<\/em> (cf. Gadamer 2012: 42). So wie sich im Prozess der Etablierung der Gebrauchsweise eines Wortes, die seine Bedeutung ist (Wittgenstein 1977: 41, PU 43), die Regel des Gebrauchs ergibt, so ergibt sich auch das etablierte und damit kollektive Verst\u00e4ndnis von dem, was Kunst ist und welches Werk ein Werk der Kunst ist, in einem Prozess der Etablierung der Gebrauchsweise und Zuschreibung (die Prozesse der unsichtbaren Hand<sup>38 <\/sup>sind) \u2013 zumindest gilt das<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der Kunst seit dem von Gadamer beschriebenen Paradigmenwechsel in der Kunst im 18. Jahrhundert. Aus diesem Prozess der kollektiven Etablierung der Beurteilungskriterien (die uns wie objektive Kriterien<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">erscheinen m\u00f6gen, aber nun mal keine sind \u2013 und schon gar keine essentiellen) resultiert ein jeweils tempor\u00e4r akzeptierter, gleichsam von einer gewissen Gruppe (wie gro\u00df diese auch immer sein mag) internalisierter Ma\u00dfstab. Verm\u00f6ge dieses Ma\u00dfstabs sehen wir bisweilen spontan und intuitiv in einem Werk ein Kunst-Werk so wie wir spontan und intuitiv richtig die \u201aRegel\u2018 des Gebrauchs bestimmter Begriffe und \u00c4u\u00dferungen beherrschen (ohne dass wir sie kennen oder explizieren k\u00f6nnten).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser tempor\u00e4r akzeptierte Ma\u00dfstab, der einem steten Wandel unterliegt, ist aber nicht zwingend g\u00fcltig f\u00fcr alle Mitglieder einer Gesellschaft oder einer Kultur. Es ist vielmehr wahrscheinlich, dass stets verschiedene Ma\u00dfst\u00e4be parallel nebeneinander in verschieden gro\u00dfen Gruppen existieren und miteinander konkurrieren. Besonders<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">deutlich wird dies angesichts eines k\u00fcnstlerischen Schaffens, das die etwas<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">abgewandelte Keller\u2019sche Maxime der Originalit\u00e4t und Innovation \u00fcberstrapaziert: <em>\u201eMache Kunst so, dass du beachtest wirst.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em><br \/>\n<\/em><em><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nehme ich zu wenig R\u00fccksicht auf einen Minimalkonsens in puncto Akzeptanz, gef\u00e4hrde ich eben diese \u2013 und damit den Erfolg meiner Absichten. Will ich auffallen und Erfolg haben, muss ich beide Typen von Maximen, statische wie auch dynamische, gleichzeitig befolgen. Und einen Kompromiss finden, der beiden gerecht wird. Denn die f\u00fcr unsere Zwecke modifizierte<em> \u201eHypermaxime unseres Kommunizierens\u201c<\/em> (Keller 2014: 142) lautet:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eMache Kunst so, dass du die Ziele, die du mit ihr verfolgst, am ehesten erreichst.\u201c<\/em> (Keller 2014: 142)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Tut der K\u00fcnstler das nicht, l\u00e4uft er, zumindest seit der Subjektivierung der Kunst ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">dem 18. Jahrhundert, der Klassifizierung seines Schaffens als Kunst deutlich vorweg: Kunst wird prinzipiell erst nachtr\u00e4glich als \u201aKunst\u2018 im Sinne eines innerhalb einer Gruppe etablierten evaluativen Begriffs attribuiert \u2013 bei innovativer Kunst<br \/>\nkann dieser Prozess Jahre und Jahrzehnte dauern. Vorausgesetzt, der Wandel tempor\u00e4r akzeptierter Ma\u00dfst\u00e4be meint es gn\u00e4dig mit ihr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5.1.2 &nbsp;Ein linguistischer Abgrenzungsversuch <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Ungeachtet dessen ist Reinold Schm\u00fccker der Auffassung, der Beantwortung der Frage nach der <em>\u201eEigenart der Kunst als Kunst: das, was man traditionell ihr Wesen nennt\u201c <\/em>(Schm\u00fccker 2017: 7), ein St\u00fcck n\u00e4her kommen zu k\u00f6nnen. Mehr noch: Er meint durch eine linguistisch fundierte Abgrenzung verschiedener Gebrauchsweisen des Begriffs \u201aKunst\u2018 eindeutige lexikalisch-semantische Kriterien eruieren zu k\u00f6nnen, die es ihm erm\u00f6glichen zu sagen, wann wir von \u201a\u00e4sthetischer Kunst\u2018 sprechen und wann nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Da aber, wie gesehen, auch die Zuschreibung prinzipiell einem best\u00e4ndigen Wandlungsprozess unterworfen ist, der zudem noch asynchron zwischen verschiedenen Gruppen, Gesellschaften und Kulturen laufen kann, und es deshalb mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit auch nicht immer nur genau eine und dann auch nicht eine f\u00fcr alle und alle Zeiten verbindliche Zuschreibung dessen gibt, was als Kunst resp. als ein Kunstwerk gilt, sondern es konkurrierende Zuschreibungen gibt, kann ein lexikalischer Indikator dementsprechend auch keine allgemein verbindliche G\u00fcltigkeit besitzen. Seine Aussagekraft ist immer eine relative: Sie gilt bestenfalls f\u00fcr eine bestimmte Gruppe (wie gro\u00df sie auch immer sein mag) innerhalb eines bestimmten Zeitraums (wie lang dieser auch immer sein mag) f\u00fcr eine bestimmte Anzahl von K\u00fcnsten\/f\u00fcr bestimmte Werke, die als Kunst-Werke angesehen werden (welche das auch immer sein m\u00f6gen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn aber der lexikalische Indikator f\u00fcr den einen angemessen anzeigt, dass hier von (\u00e4sthetischer) Kunst gesprochen wird, f\u00fcr den anderen aber nicht (vielleicht ist er ja auch noch unentschieden), so k\u00f6nnen wir hier kaum von einem verbindlichen, etablierten lexikalischen Indikator f\u00fcr das reden, was Kunst ist (mithin also f\u00fcr das Wesen der Kunst), sondern lediglich daf\u00fcr, welchen spezifischen k\u00fcnstlerischen Gestaltungsbereich eine bestimmte Person\/Gruppe\/Gesellschaft\/Kultur zum jetzigen Zeitpunkt als Kunst erachtet und welches Werk sie mit dem Begriff \u201aKunst\u2018 attribuieren w\u00fcrde. Es ist also keine objektiver, sondern ein singul\u00e4rer subjektiver, bestenfalls im Laufe des Prozesses erfolgreich kollektiv etablierter lexikalischer Indikator f\u00fcr das, was man f\u00fcr Kunst h\u00e4lt. So zeigt er zum Beispiel an, ob x und y <em>f\u00fcr<\/em> eine bestimmte Gruppe Kunst ist, nicht aber, ob x und y tats\u00e4chlich Kunst <em>ist<\/em> (da m\u00fcsste das Werk schon an einem omin\u00f6sen \u00fcberzeitlichen, metaphysischen \u201aWesen\u2018 der Kunst teilhaben). Damit verlassen wir aber das Gebiet der Semantik und begeben uns tief ins Feld der Pragmatik (das Feld der Metaphysik \u00fcberlasse ich anderen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur\u00fcck zu Schm\u00fccker und seinen lexikalisch-semantischen Kriterien, mit denen er glaubt, rein sprachlich feststellen zu k\u00f6nnen, wann wir von \u201aKunst\u2018 sprechen und wann nicht. Dazu identifiziert er drei seiner Ansicht nach <em>\u201eallgemeine lexikalische Grundbedeutungen\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 68 ff.) des Begriffs \u201aKunst\u2018 im heutigen Sprachgebrauch:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>die \u00e4sthetische Kunst<\/li>\n<li>die mechanische Kunst<\/li>\n<\/ol>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>die bildende Kunst<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u201abildende Kunst\u2018, also die sich seit dem 17. Jahrhundert abzeichnende reduktionistische Tendenz der Gebrauchsweise (cf. Kap. 3.2 ff.) des Begriffs \u201aKunst\u2018, die nach und nach die anderen \u201asch\u00f6nen K\u00fcnste\u2018 wie die Musik, die Literatur oder das Theater ausschloss, wird von Schm\u00fccker unter der \u201a\u00e4sthetischen Kunst\u2018 subsumiert, so dass er schlie\u00dflich nur noch mit zwei Kunst-Begriffen operiert:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>die \u00e4sthetische Kunst<\/li>\n<li>die mechanische Kunst<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Weise, wie Schm\u00fccker den Begriff \u201a\u00e4sthetische Kunst\u2018 verwendet, entspricht dem, was Kant \u201asch\u00f6ne Kunst\u2018<sup>39<\/sup> nennt (Schm\u00fccker 2014: 69). Ihm ist <em>\u201eKants <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Definition der mechanischen Kunst (\u2026) allerdings zu speziell\u201c <\/em>(ebd: 68).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schm\u00fccker m\u00f6chte mit diesem Terminus nicht nur die K\u00fcnste erfassen, die, wie f\u00fcr Kant, <em>\u201edie Herstellung eines m\u00f6glichen Gegenstandes zum Ziel haben\u201c <\/em>(ebd: 68), sondern auch all jene K\u00fcnste, die sich alltagssprachlich als Kunst im Sinne einer Fertigkeit oder F\u00e4higkeit auszeichnen (bis hin zur <em>\u201eKunst des Kugelsto\u00dfens\u201c<\/em> (ebd: 68). Im Rahmen dieser <em>\u201edefinitorische(n) Grenzverschiebung gegen\u00fcber Kant\u201c<\/em> (ebd: 69) erweitert er die Gebrauchsweise des Begriffs <em>\u201eauf eine bestimmte teleologische Handlungskompetenz\u201c <\/em>(ebd: 73).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDas Wort \u201aKunst\u2018 (besitzt) hinsichtlich \u00e4sthetischer Kunst artefaktbezeichnende<sup>40<\/sup>, <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>hinsichtlich einer mechanischen Kunst jedoch handlungskompetenzbezeichnende<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Kraft\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 73). Beide K\u00fcnste sind f\u00fcr Schm\u00fccker jedoch nicht scharf<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">voneinander getrennt, ist doch die mechanische Kunst subaltern in die \u00e4sthetischen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kunst involviert: Die mechanischen K\u00fcnste <em>\u201esind selbst niemals Kunstwerke, weil sie<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Fertigkeiten und keine Artefakte sind. Umgekehrt setzt \u00e4sthetische Kunst im allgemeinen die Beherrschung einer mechanischen Kunst seitens des K\u00fcnstlers voraus\u201c <\/em>(Schm\u00fccker 2014: 74).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Schm\u00fccker kann der Begriff \u201aArtefakt\u2018 alles umfassen, was \u201ak\u00fcnstlich\u2018 ist, also Resultat individuellen menschlichen Kunstschaffens ist, das als \u00e4sthetisch empfunden werden kann. Dazu z\u00e4hlt er, was <em>\u201eeinerseits funktional, andererseits aber als Kunstwerk erfahrbar\u201c<\/em> ist (ebd.: 74). So subsumiert er, ganz konsequent, auch die \u201aGebrauchskunst\u2018 darunter. Nur f\u00fchrt er als prototypisches Beispiel nicht, wie man vermuten k\u00f6nnte, kunstgewerbliche Artefakte an, sondern das Hundertwasserhaus und Warhols Mercedes-Cars (ebd.: 75). Beides Artefakte, die zwar \u201azu gebrauchen\u2018 sind, aber mithin keine Gebrauchskunst darstellen (zumindest nicht im heute etablierten Sinne auch des eigentlich synonymen Begriffs der \u201aangewandten Kunst\u2018, der Artefakte kunstgewerblicher oder kunsthandwerklicher Art umfasst; im Steuerrecht gelten \u00fcbrigens all jene <em>\u201eKunstgegenst\u00e4nde, die nicht \u201aals <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Kunstgegenst\u00e4nde anerkannt sind\u2018 und der regul\u00e4ren Abschreibung unterliegen\u201c<\/em>, als Gebrauchskunst:<em> \u201eUnter Gebrauchskunst sind daher Kunstgegenst\u00e4nde zu erfassen von geringerer Bedeutung, die sich in einem geringeren Wert widerspiegelt\u201c<\/em> [NKR-SH 2018]).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch seine <em>\u201edefinitorische Grenzverschiebung gegen\u00fcber Kant\u201c <\/em>(Schm\u00fccker 2014: 69) hinsichtlich der Bestimmung der \u201eZweideutigkeit\u201c des Begriffs \u201aKunst\u2018, \u201a\u00e4sthetische Kunst\u2018 vs. \u201amechanische Kunst\u2018 (was im \u00dcbrigen einen Akt autoritativer Sprachfestsetzung darstellt), meint Schm\u00fccker ein prototypisches Syntagma zu besitzen (darauf werde ich im Folgenden noch detailliert eingehen), das es ihm auf rein linguistischer Ebene erm\u00f6glicht zu erkennen, <em>\u201eob von \u00e4sthetischer oder mechanischer Kunst die Rede ist\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 69). Dar\u00fcber hinaus konstituiert diese Differenzierung der K\u00fcnste laut Schm\u00fccker <em>\u201ein einer anderen Hinsicht ebenfalls eine Zweideutigkeit des Wortes \u201aKunst\u2018\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 72):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Kunst als Artefakt <em>(-&gt; (1) \u00e4sthetische Kunst)<\/em><\/li>\n<li>Kunst als teleologische Handlungskompetenz <em>(-&gt; (2) mechanische Kunst)<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Begriff \u201aZweideutigkeit\u2018 ist ungl\u00fccklich gew\u00e4hlt, ist er doch selber zweideutig: Einerseits ist damit die Ambiguit\u00e4t gemeint, also die Doppel- oder Mehrdeutigkeit eines Begriffs, andererseits, und das ist der umgangssprachlich \u00fcbliche Typus, der intentionale Gebrauch eines Begriffs (indem ich mich beispielsweise anz\u00fcglich \u00e4u\u00dfere). Aber da Schm\u00fccker hier durchgehend den Begriff \u201aZweideutigkeit\u2018 statt \u201aAmbiguit\u00e4t\u2018 benutzt, zudem der Differenz der Zweideutigkeit eine korrespondierende<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zweideutigkeit <em>\u201ein einer anderen Hinsicht\u201c <\/em>an die Seite stellt statt sp\u00e4testens an dieser Stelle von Mehrdeutigkeit zu sprechen, ist davon auszugehen, dass dies eine bewusste, zielgerichtete Verwendung ist: Er will nicht einer <em>Mehr<\/em>deutigkeit des Begriffs \u201aKunst\u2018 das Wort reden, da er erstens alles auf den Begriff der \u201a\u00e4sthetischen Kunst\u2018 reduzieren und zweitens die M\u00f6glichkeit ihrer rein linguistischen Identifizierbarkeit behaupten will. So glaubt er mit linguistischen Mitteln <em>\u201edas Feld der Kunst\u00e4sthetik abgesteckt\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 75) zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser vermeintlich zweite Fall der Zweideutigkeit l\u00e4sst sich, so Schm\u00fccker, sprachlich daran festmachen, dass man in manchen F\u00e4llen den Begriff <em>\u201e\u201aKunst\u2018 bedeutungsneutral austauschen (kann) gegen die Vokabel \u201aKunstwerk\u2018\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 73) \u2013 n\u00e4mlich \u00fcberall da, wo von Kunst als Artefakt (3) die Rede ist. Damit meint er neben dem prototypischen Syntagma ein weiteres semantisches Instrument zu besitzen, das ihm auf rein sprachlicher Ebene erm\u00f6glicht festzustellen, ob von \u00e4sthetischer Kunst die Rede ist oder nicht: <em>\u201e\u201aKunst\u2018 ist also nur hinsichtlich \u00e4sthetischer Kunst ein Synonym f\u00fcr \u201aKunstwerk\u2018\u201c <\/em>(ebd: 73; damit wirft er die Gebrauchsweise des Begriffs \u201aKunst\u2018 als sozialer Institution und die des Begriffs \u201aKunst\u2018 als Attribution der Artefakte in eins). Wobei man sich hier schon etwas verwundert die Frage stellen darf, hinsichtlich welcher anderen Kunst denn wohl sonst noch die Rede von einem \u201aKunstwerk\u2018 sein k\u00f6nnte \u2013 die bildenden K\u00fcnste subsumiert er unter die \u00e4sthetischen K\u00fcnste und die mechanischen K\u00fcnste k\u00f6nnen es ja nach eigener Aussage nicht sein, denn die <em>\u201esind selbst niemals Kunstwerke, weil sie Fertigkeiten und keine Artefakte sind\u201c <\/em>(ebd: 74). Und weitere K\u00fcnste stehen f\u00fcr Schm\u00fccker nicht zur Diskussion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei erweitert er, ausgehend von der Gebrauchsweise \u201aKunst als Artefakt\u2018 (3), in einem Nebensatz beil\u00e4ufig die Bedeutungen des Begriffs \u201aKunst\u2018 um zwei weitere Bedeutungen resp. Gebrauchsweisen auf nunmehr sechs, ohne jedoch auf diese Erweiterung in irgendeiner Form weiter einzugehen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Kunst als <em>\u201eSammelbegriff f\u00fcr mehrere<\/em><\/li>\n<li><em>oder die Gesamtheit aller Kunstwerke\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 73\/74)<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Als prototypische Syntagma f\u00fcr eine rein linguistische Identifizierung \u00e4sthetischer oder mechanischer Kunst glaubt Schm\u00fccker dann <em>\u201edrei Typen syntagmatischer Kontextualisierung\u201c <\/em>(Schm\u00fccker 2014: 70) sowie einen indifferenten Typus ausgemacht zu haben:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li><em>\u201eabsoluter Gebrauch\u201c<\/em><br \/>\n(Kunst tritt als Nomen ohne Artikel, Pronomen oder Attribution auf)<\/li>\n<li><em>\u201eindefiniter Gebrauch\u201c<\/em><br \/>\n(Kunst mit unbestimmtem Artikel)<\/li>\n<\/ol>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li><em>\u201edefiniter Gebrauch\u201c<\/em><br \/>\n(Kunst mit bestimmtem Artikel oder n\u00e4herer Bestimmung)<\/li>\n<\/ul>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li><em>\u201eSyntagmen, die sich keinem Typus zuordnen lassen\u201c<\/em><br \/>\n(Dem Wort \u201aKunst\u2018 wird ein Interrogativpronomen (unter diesen Typus f\u00e4llt dementsprechend auch der Gebrauch des Begriffs \u201aKunst\u2018 in Schm\u00fcckers Eingangsfrage \u201aWas ist Kunst?\u2018) oder ein Indefinitpronomen \u201akeine(r)\u2018 vorangestellt).<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Fall I), der <em>\u201aabsolute Gebrauch\u2018<\/em>, zeigt dem H\u00f6rer\/Leser laut Schm\u00fccker eindeutig an, dass hier von \u201a\u00e4sthetischer Kunst\u2018 die Rede ist.<\/li>\n<li>Fall II), der <em>\u201aindefinite Gebrauch\u2018<\/em>, zeigt demgegen\u00fcber an, dass von \u201amechanischer Kunst\u2018 die Rede ist.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Erkl\u00e4rung, die ein H\u00f6rer\/Leser, wie Schm\u00fccker selber sagt, eigentlich gar nicht ben\u00f6tigt. Denn <em>\u201e(w)er \u00fcber Sprachkompetenz verf\u00fcgt, wei\u00df spontan\u201c <\/em>(Schm\u00fccker 2014: 70), dass das so ist: Er verf\u00fcgt \u00fcber eben jenes implizite Wissen der Semantik der W\u00f6rter der Alltagssprache, von dem Keller sprach (cf. Kap. 4.4.1). Ein Wissen, das wir in der Regel nicht explizieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&nbsp;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li><strong>Absoluter Gebrauch <\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Um nun den Fall I) <em>\u201eabsoluter Gebrauch\u201c<\/em> zu erl\u00e4utern (in denen der Begriff<em> \u201a<\/em>Kunst\u2018 als Nomen ohne Artikel, Pronomen oder Attribution auftritt), f\u00fchrt Schm\u00fccker folgende Beispiele an:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Ich sch\u00e4tze Kunst.<\/li>\n<li>Ach so, der Klotz ist Kunst!<\/li>\n<li>Ist das etwa alles Kunst?<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Das rein linguistische Kriterium I), das Schm\u00fccker zur Bestimmung der Rede von \u00e4sthetischer Kunst anf\u00fchrt, klingt, selbst bei einem solch isolierten, also nicht in einen sprachlichen und\/oder situativen Kontext eingebundenen Satz, zun\u00e4chst einmal recht plausibel: Bei (a) handelt es sich um eine generelle Aussage zur \u00e4sthetischen Kunst (allerdings: hier befinden wir uns auf der Makroebene). Bei (b) wei\u00df man, das \u201aKunst\u2018 auf ein Artefakt referiert (allerdings: hier befinden wir uns auf der Mikroebene). Und bei (c) l\u00e4sst sich imaginieren, dass der Sprecher auf Objekte bildender Kunst Bezug nimmt. In diesen drei F\u00e4llen k\u00f6nnen wir davon ausgehen, dass das Thema der S\u00e4tze die \u201a\u00e4sthetische Kunst\u2018 ist. Nur: Handelt es sich bei dem, worauf der Sprecher Bezug nimmt, seiner Meinung nach auch um \u201a\u00e4sthetische Kunst\u2018? Oder bestreitet er vielleicht gerade, dass das, worum es hier geht, \u201a\u00e4sthetische Kunst\u2018 ist?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">(a) ist \u00fcber jeden Zweifel erhaben. (b) l\u00e4sst sich als Reaktion auf eine Aussage lesen, bei der es im Vorfeld gewisse Zweifel daran gab, ob es sich bei dem Objekt wirklich um ein Objekt \u201a\u00e4sthetischer Kunst\u2018 handelte oder nicht doch eher um Kappes. Ein m\u00f6glicher Dialog k\u00f6nnte lauten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Was soll das denn sein? &nbsp;\/&nbsp; Das ist ein echter Moore! &nbsp;\/ &nbsp;Ach so, der Klotz ist Kunst!<\/em><\/p>\n<p>Wobei einem die Sprachkompetenz sagt: Wer zu einer Skulptur \u201aKlotz\u2018 sagt, der ist nicht wirklich davon \u00fcberzeugt, dass es sich hier um (\u00e4sthetische) Kunst handelt \u2013 der meint eher das Gegenteil dessen, was er sagt: <em>Der Klotz ist keine Kunst!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Davon abgesehen, dass Schm\u00fccker hier zum einen klammheimlich Ebenen, die zu differenzieren sind, in einen Topf wirft \u2013 in (a) geht es um die Kunst als soziale Institution, in (b) hingegen um ein Artefakt \u2013 und zum anderen solche F\u00e4lle, in denen der Sprecher etwas anderes meint als das, was er sagt, in seiner linguistischen Systematik nicht ber\u00fccksichtigt (das ist der Nachteil einer semantischen gegen\u00fcber einer pragmatischen Klassifikation):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nDie \u201aeigentliche\u2018 Aussage des Satzes (b) <em>\u201aAch so, der Klotz ist Kunst!\u2018<\/em> kann durchaus lauten: <em>\u201aDer Klotz ist keine Kunst!\u2018<\/em>. Damit w\u00fcrde aber keine Aussage vom Typus I), sondern vom Typus IV) <em>\u201eSyntagmen, die sich keinem Typus zuordnen lassen\u201c<\/em><br \/>\nvorliegen. Rein lexikalisch muss die Formel des \u201aabsoluten Gebrauchs\u2018 \u2013 \u201aNomen ohne Artikel, Pronomen oder Attribution\u2018 \u2013 also nicht zwingend anzeigen, dass <em>ausschlie\u00dflich<\/em> von \u201a\u00e4sthetischer Kunst\u2018 die Rede ist. Es kann auch anzeigen, dass es sich um einen Disput dar\u00fcber handelt, ob es um \u00e4sthetische Kunst geht oder nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Aussage (b) zeigt also weder verbindlich an, dass es sich bei dem vorliegenden Werk um Kunst handelt noch ob der Sprecher der Ansicht ist, dass es sich dabei um Kunst handelt. Ja: Sie zeigt nicht einmal an, ob bei dem vorliegenden Werk \u00fcberhaupt von Kunst in irgendeiner Form die Rede sein kann \u2013 vielleicht handelt es sich ja bei dem Klotz um einen gew\u00f6hnlichen Gesteinsbrocken, den der imagin\u00e4re Gespr\u00e4chspartner mir nur als Kunst unterjubeln will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Thema der Aussage (c) <em>\u201aIst das etwa alles Kunst?\u2018<\/em> ist, so argumentiert Schm\u00fccker, die \u00e4sthetische Kunst \u2013 wie immer eindeutig zu identifizieren am \u201aabsoluten Gebrauch\u2018: Der Sprecher scheint davon auszugehen, dass es sich bei seinem Fund um \u00e4sthetische Kunst handelt. Offensichtlich ist er aber nicht einer der Monument Men, der gerade staunend das Kalibergwerk Kaiseroda betritt. Denn der w\u00fcrde diesen Satz wohl nicht als Frage formulieren, die ja eine gewisse Ungl\u00e4ubigkeit zum Ausdruck bringt. Was also, wenn es sich nicht um einen der Monument Men, sondern schlicht um einen Banausen handelt, der angesichts einer Unmenge dilettantisch gemalter r\u00f6hrender Hirsche in \u00d6l ernsthaft diese Frage stellt? Wie soll man ihm antworten? Ist das nun (\u00e4sthetische) Kunst, keine Kunst oder schlechte Kunst? Wo endet die deskriptive, wo beginnt die normativ-evaluative Begrifflichkeit? Ist schlechte Kunst nun Kunst, ergo \u201a\u00e4sthetische Kunst\u2018, oder doch eher keine Kunst, nicht mal mechanische? Und was, wenn der Banause diese Frage in einem ganz anderen Kontext stellt? Zum Beispiel im Museum of Modern Art in New York? Dann klingt die Frage fast schon entsetzt nach: <em>Soll das etwa Kunst sein?<\/em> In diesem Fall meint auch er wom\u00f6glich das Gegenteil dessen, was der Ausdruck Schm\u00fcckers Ansicht nach anzeigt: <em>Das ist keine (\u00e4sthetische) Kunst, das ist Schund!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Was hilft es uns also zu wissen, wann der linguistische Indikator das Thema \u201e\u00e4sthetische Kunst\u201c anzeigt? Herzlich wenig. Wenn jemand voller Verz\u00fcckung angesichts einer M\u00fcllhalde ausruft: <em>Das ist Kunst!<\/em>, so mag der Indikator ja deutlich anzeigen, dass hier von \u201a\u00e4sthetischer Kunst\u2018 die Rede ist. Aber was sagt das aus? Selbst wenn ich, wie Schm\u00fccker behauptet, den Begriff \u201a(\u00e4sthetische) Kunst\u2018 anstandslos durch \u201aKunstwerk\u2018 ersetzen kann, hei\u00dft das noch lange nicht, dass es sich bei den Referenzobjekten um \u201a\u00e4sthetische Kunst\u2018 handelt, sondern nur, dass die betreffende Person, die gerade diesen entz\u00fcckten Ausruf get\u00e4tigt hat, sprachlich auf \u201a\u00e4sthetische Kunst\u2018 Bezug genommen hat \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob es sich bei ihr um einen ausgewiesenen Experten, einen Menschen mit ausgepr\u00e4gtem Hang zur Ironie oder einen langj\u00e4hrigen Insassen der \u00f6rtlichen Nervenklinik handelt, der diesen Satz v\u00f6llig zusammenhanglos und ohne intentionale Bezugnahme auf irgendein Referenzobjekt \u00e4u\u00dferte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li><strong>Indefiniter Gebrauch <\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Um den Typus II) <em>\u201aindefiniten Gebrauch\u2018<\/em> zu illustrieren<em>, <\/em>in dem der Begriff \u201aKunst\u2018 mit unbestimmtem Artikel auftritt und somit laut Schm\u00fccker die \u201amechanische Kunst\u2018 anzeigt, w\u00e4hlte er folgende Beispiele:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Das ist ja wirklich eine Kunst!<\/li>\n<li>Wer solch eine Kunst beherrscht, wird niemals darben.<\/li>\n<li>In einer Kunst ist sie wohl Meisterin?<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Das erste, was einem ein halbwegs ausgepr\u00e4gtes Sprachgef\u00fchl in diesen F\u00e4llen vermittelt, ist sprachliches Unbehagen. Was sicherlich einerseits an der f\u00fcr unsere Ohren bisweilen etwas altert\u00fcmlichen Redeweise (<em>\u201awird niemals darben\u2018; \u201aist sie wohl Meisterin\u2018<\/em>) liegt, die Schm\u00fccker aus unerfindlichen Gr\u00fcnden gew\u00e4hlt hat, andererseits aber auch daran, dass wir angesichts der Unbestimmtheit der Aussage intuitiv Bestimmtheit fordern. Also eine situativ- und\/oder sprachlich-kontextuelle Aufl\u00f6sung, damit wir wissen, wor\u00fcber eigentlich geredet wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Bezugspunkt liegt stets au\u00dferhalb des Satzes. Nat\u00fcrlich w\u00fcrde Schm\u00fccker antworten: Man braucht solch einen Bezugspunkt als Aufl\u00f6sung doch gar nicht \u2013 mir zeigt ja der unbestimmte Artikel an, wovon die Rede ist! Er geht davon aus, dass ein isolierter Satz, der nicht in einen sprachlichen und\/oder situativen Kontext eingebunden ist, imstande ist, einem Sprecher mit entsprechender Sprachkompetenz eindeutig anzuzeigen, \u00fcber welche \u201aKunst\u2018 hier gesprochen wird. Die Frage ist nun erstens: Ist das so? Ist dieser linguistische Indikator hinreichend? Oder k\u00f6nnte damit nicht auch auf \u201a\u00e4sthetische Kunst\u2018 Bezug genommen werden (wenn dem so w\u00e4re, w\u00fcrde zumindest dieser Teil der Theorie damit falsifiziert werden)? Und zweitens: Ist dem H\u00f6rer\/Leser in einer konkreten Gespr\u00e4chssituation dieser linguistische Indikator schon v\u00f6llig ausreichend? Oder erwartet er nicht, weil er nicht so recht wei\u00df, worauf sich diese Aussage nun konkret bezieht, eine explizite Aufl\u00f6sung, damit er wei\u00df, um was es sich hier genau handelt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenden wir uns der zweifelnden Frage zu: <em>Zeigt \u201aindefiniter Gebrauch\u2018 eindeutig die Rede von mechanische Kunst an?<\/em> Um diesen Zweifel ausr\u00e4umen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen wir nicht allein die Aussagen (d) \u2013 (f) betrachten, sondern auch m\u00f6gliche Aufl\u00f6sungen durchexerzieren, um so empirisch belegen zu k\u00f6nnen, dass die These stimmt. Nehmen wir deshalb f\u00fcr den Fall (d) <em>Das ist ja wirklich eine Kunst!<\/em> einmal folgende Aufl\u00f6sung an:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Brotbacken ist ja wirklich eine Kunst!<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere Sprachkompetenz vermeldet uns kein St\u00f6rgef\u00fchl, die Regel des Gebrauchs scheint nicht verletzt zu sein \u2013 anscheinend zeigt der unbestimmte Artikel tats\u00e4chlich an, dass hier von einer mechanischen Kunst geredet wird. Was Schm\u00fcckers These best\u00e4tigen w\u00fcrde. Aber es darf nicht ein einziger Fall vorkommen, bei dem das Gegenteil der Fall ist \u2013 dies w\u00fcrde seine These widerlegen (das Hume\u2019sche Induktionsproblem lassen wir hier einmal beiseite). Wie sieht es nun mit folgenden Beispielen aus:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">(D<sup>I<\/sup>) Malen ist ja wirklich eine Kunst!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(D<sup>II<\/sup>) Schreiben ist ja wirklich eine Kunst!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Gro\u00dfteil der sprachkompetenten Sprecher der deutschen Sprache wird an (D<sup>I<\/sup>) und (D<sup>II<\/sup>) nichts auszusetzen haben. Noch deutlicher wird dies vielleicht, wenn wir den Satz etwas erweitern, so dass wir eine stehende deutsche Redewendung erhalten (cf. Kap. 4.4.1):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">(D<sup>III<\/sup>) Schreiben ist ja wirklich eine Kunst f\u00fcr sich!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nUnser Sprachgef\u00fchl sagt uns, dass weder an (D), (D<sup>I<\/sup>) noch an (D<sup>II<\/sup>) oder (D<sup>III<\/sup>) etwas auszusetzen ist. Wenn daran aber nichts auszusetzen ist \u2013 was sagen uns dann diese S\u00e4tze? Genauer gesagt: Was sagen sie uns laut Schm\u00fccker? Brotbacken ist eine mechanische Kunst, Schreiben lie\u00dfe sich, wie das Malen, eher der \u00e4sthetischen Kunst zuzurechnen. Der unbestimmte Artikel weist jedoch, so Schm\u00fccker, unmissverst\u00e4ndlich auf das Vorliegen einer mechanischen Kunst hin. Bleiben an dieser Stelle zwei M\u00f6glichkeiten:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Die These ist falsch.<\/li>\n<li>Ein Hintert\u00fcrchen wird ge\u00f6ffnet: Laut Schm\u00fccker steckt in jeder \u00e4sthetischen Kunst auch noch eine mechanische Kunst \u2013 wer einen Roman schreibt, also ein Artefakt erstellt, muss gleichzeitig eine mechanische Kunst beherrschen, das hei\u00dft eine Fertigkeit (in dem Falle: das Schreiben), in der Terminologie Schm\u00fcckers: eine <em>\u201ehandlungskompetenzbezeichnende Kraft\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 73) besitzen.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann k\u00f6nnte expliziert der Satz in etwa so lauten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">(D<sup>IV<\/sup>) Schreiben <em>zu k\u00f6nnen<\/em> ist ja wirklich eine Kunst (f\u00fcr sich)!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Was Schm\u00fccker sprachlich hier bei dem Begriff \u201aKunst\u2018 differenziert, ist damit lediglich die Unterscheidung zwischen einem Werk und einer Fertigkeit:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Rede ich von \u201aKunst\u2018, rede ich von \u00e4sthetischen K\u00fcnsten:<br \/>\nvon einem Artefakt, einem Kunstwerk (obwohl Schm\u00fccker in dem Beispielsatz f\u00fcr den absoluten Gebrauch (a) <em>\u201aIch sch\u00e4tze Kunst.\u2018 <\/em>die Doppeldeutigkeit des Begriffs \u201aKunst\u2018 als Artefakt <em>und<\/em> als soziale Institution in Kauf nimmt, ignoriert er sie: Sie w\u00fcrde sein sch\u00f6nes lexikalisches Grundmodell ins Wanken bringen) \u2013 er z\u00e4hlt <em>alle<\/em> Resultate individuellen menschlichen Kunstschaffens darunter, die als \u00e4sthetisch empfunden werden k\u00f6nnen. Bis hin zur Gebrauchskunst.<\/li>\n<li>Rede ich von \u201aeine Kunst\u2018, rede ich von mechanischen K\u00fcnsten:<br \/>\nvon zielgerichteten, handlungskompetenzbezeichnenden Fertigkeiten \u2013 die auch eben jene Fertigkeiten einschlie\u00dfen, die die K\u00fcnstler f\u00fcrs \u00e4sthetische Kunstschaffen ben\u00f6tigen.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie schon im Fall des \u201aabsoluten Gebrauchs\u2018, der die \u00e4sthetische Kunst anzeigen soll, so beschleicht einen auch im Fall des \u201aindefiniten Gebrauch\u2018 das ungute Gef\u00fchl, dass mit einem rein lexikalischen Kriterium bestenfalls ein brauchbarer Indikator daf\u00fcr gefunden ist, wovon die Rede ist. Aber noch nicht daf\u00fcr, ob es sich bei dem, wovon die Rede ist, auch tats\u00e4chlich um eine mechanische Kunst handelt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">(D<sup>V) <\/sup>Kirschkernweitspucken \u2013 das ist ja wirklich eine Kunst!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier erahnt man, wohin die von Schm\u00fccker vorgeschlagene <em>\u201adefinitorische Grenzverschiebung gegen\u00fcber Kant\u2018<\/em> f\u00fchren kann: Zu einer den Begriff der \u201aKunst\u2018 v\u00f6llig entwertenden Inflation mechanischer, zumal g\u00e4nzlich absurder K\u00fcnste. Denn <em>alles<\/em>, was auch nur im Ansatz das Kriterium <em>\u201ahandlungskompetenzbezeichnende Kraft\u2018 <\/em>erf\u00fcllen kann, also alles, was sich irgendwie noch als eine Fertigkeit auffassen l\u00e4sst, ist Schm\u00fccker bereit, als eine \u201amechanische Kunst\u2018 aufzufassen (und da ist das Kirschkernweitspucken noch lange nicht das absurdeste Beispiel). Er m\u00f6chte einerseits den allt\u00e4glichen Sprachgebrauch als Indikator nutzen, entfernt sich andererseits aber in seiner Kunst-Klassifikation zunehmend von ihm: Welcher sprachkompetente Sprecher der deutschen Sprache spricht heute noch ernsthaft von der Kunst des Schreinerns? Oder, au\u00dfer in diversen Lebenshilferatgeber im deutschen Buchhandel, von der Kunst des Redens, Sprechens, Lebens, Liebens, oder, wie Schm\u00fccker selbst, von der Kunst des Kugelsto\u00dfens, Stabhochspringens oder Autofahrens (Schm\u00fccker 2014: 69)?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit strapaziert Schm\u00fccker beide \u201aK\u00fcnste\u2018, die er im Rahmen seiner Grundlegung gelten l\u00e4sst, die \u00e4sthetische und die mechanische Kunst, \u00fcber alle Ma\u00dfen:<br \/>\n\u2022 Unter die \u00e4sthetischen K\u00fcnste subsumiert er <em>alle<\/em> Resultate individuellen menschlichen Kunstschaffens, die als \u00e4sthetisch empfunden werden k\u00f6nnen<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>unter die mechanischen K\u00fcnste ausnahmslos <em>alle<\/em> zielorientierten, handlungskompetenzbezeichnenden Fertigkeiten.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nAnlass genug, die Sinnhaftigkeit eines solchen Unterfangens in Frage zu stellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie gesagt: Die Kombination \u201aNomen \u201aKunst\u2018 + unbestimmter Artikel\u2018 ist f\u00fcr Schm\u00fccker im alltagsprachlichen Gebrauch der lexikalische Indikator daf\u00fcr, dass hier die Rede von mechanischen K\u00fcnsten ist. Also die Rede von Fertigkeiten, nicht von Artefakten resp. Kunstwerken. Da stellt sich zum einen die Frage, warum Schm\u00fccker, wenn er denn schon den alltagssprachlichen Gebrauch als Indikator heranzieht, dann keine alltagssprachlichen Beispiels\u00e4tze anf\u00fchrt, sondern arg verschwurbelte Konstruktionen. So wie:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">(e) Wer solch eine Kunst beherrscht, wird niemals darben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(f) In einer Kunst ist sie wohl Meisterin?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum anderen: Die Kombination \u201aNomen Kunst + unbestimmter Artikel\u2018, also die Formulierung \u201a<em>eine<\/em> Kunst\u2018, ist in der deutschen Alltagssprache, au\u00dfer in stehenden Redewendungen wie <em>\u201aist eine Kunst f\u00fcr sich\u2018<\/em>, recht ungebr\u00e4uchlich. Was vielleicht auch ein Grund daf\u00fcr ist, warum uns die Beispiels\u00e4tze etwas konstruiert erscheinen \u2013 wer w\u00fcrde heute ernsthaft den Satz sagen: (f) <em>In einer Kunst ist sie wohl Meisterin?<\/em> Wenn aber kaum jemand in der Alltagssprache jemals solche S\u00e4tze sagt, in denen ein \u201aindefiniter Gebrauch\u2018 vom Wort \u201aKunst\u2018 gemacht wird \u2013 welchen Aussagewert hat dann die Erkenntnis, dass der \u201aindefinite Gebrauch\u2018 des Wort \u201aKunst\u2018 indiziert, dass es sich auf \u201amechanische Kunst\u2018 bezieht? Einen recht bescheidenen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Gut, lassen wir dies f\u00fcr einen Moment einmal au\u00dfer acht. Auch den Umstand, dass nicht recht ersichtlich ist, warum er eine solch ungew\u00f6hnliche Frageform als Beispiel w\u00e4hlt \u2013 die Frage <em>\u201aIst sie wohl in einer Kunst Meisterin?\u2018<\/em> w\u00fcrde dem Sprachgef\u00fchl deutlich n\u00e4her liegen. Oder eher noch: <em>\u201aIn welcher Kunst ist sie wohl Meisterin?\u2018 <\/em>Letztere Frage kann er aber in dieser Form nicht stellen, stellt sie doch keinen Fall eines indefiniten Gebrauchs dar, sondern, nach seiner Definition, ein Syntagma, das sich keinem der drei vorgenannten Typen eindeutig zuordnen l\u00e4sst: \u201aNomen Kunst + Fragepronomen\u2018.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">So aber muss Schm\u00fccker, um einen nach seiner These eindeutigen Fall vorzulegen, der erkennen l\u00e4sst, dass von einer Fertigkeit, das hei\u00dft von einer mechanischen Kunst die Rede ist, eben jene ungebr\u00e4uchliche sprachliche Konstruktion vorlegen, in der er ein vermeintlich alltagssprachlich gebr\u00e4uchliches lexikalisches Indiz pr\u00e4sentiert:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n(f) In einer Kunst ist sie wohl Meisterin?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Pr\u00fcfen wir einmal diesen Satz, indem wir versuchen, ihn zu falsifizieren. Also einen Fall zu finden, der zeigt, dass hier nicht von einer Fertigkeit, sondern von einem Artefakt (resp. einer sozialen Institution) namens \u201aKunst\u2018 die Rede ist. Daf\u00fcr beantworten wir die Frage folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">(F<sup>I<\/sup>) Sie ist Meisterin in der Kunst des Kugelsto\u00dfens\/Kirschkernweitspuckens\/<br \/>\nMalens\/Schreibens\/Tanzens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob Schm\u00fccker Recht damit hat, dass hier ein Fall von mechanischer Kunst vorliegt, l\u00e4sst sich anhand der Antwort nicht unmittelbar \u00fcberpr\u00fcfen. Denn es liegt die Form \u201aNomen Kunst + bestimmter Artikel\u2018 vor, was auf einen \u201adefiniten Gebrauch\u2018 hinweist. Der ist jedoch indifferent: <em>\u201e(D)as definit gebrauchte Wort \u201aKunst\u2018 kann sich sowohl auf \u00e4sthetische als auch auf mechanische Kunst beziehen\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 70). Um dennoch feststellen zu k\u00f6nnen, <em>\u201e(w)elche Bedeutung das Wort \u201aKunst\u2018 besitzt\u201c <\/em>(ebd: 71), reicht dann kein einfaches prototypisches Syntagma mehr, sondern es bedarf einer komplizierten Umformungsprobe mit einem <em>\u201estilistisch mitunter erb\u00e4rmliche(n) Resultat\u201c<\/em> (ebd: 71). Mit ihr soll sich dann der definite Gebrauch bedeutungsneutral entweder auf einen absoluten Gebrauch (also ohne weitere Zus\u00e4tze) zur\u00fcckf\u00fchren lassen, was auf die \u00e4sthetische Kunst verweist, oder auf einen indefiniten Gebrauch (also mit unbestimmtem Artikel), der auf die mechanische Kunst verweist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Manchmal allerdings ist es noch schwieriger. Dann h\u00e4ngt es sogar, wie Schm\u00fccker en passant zugibt, <em>\u201evon sprachexternen Faktoren ab, welche Umformung ad\u00e4quat erscheint\u201c <\/em>(ebd: 71). Wie sich die Abh\u00e4ngigkeit von sprachexternen Faktoren mit der Behauptung vertr\u00e4gt, es g\u00e4be sprachinterne, das hei\u00dft lexikalische Indikatoren, die ohne weitere kontextuelle Bezugnahme eindeutig aufweisen, ob von \u00e4sthetischer oder mechanischer Kunst die Rede ist, wei\u00df wohl nur Schm\u00fccker selber.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Um herauszufinden, von welcher Kunst die Rede ist, f\u00fchrt Schm\u00fccker neben den nun sattsam bekannten lexikalischen Indikatoren und der Umformungsprobe auch die genannten sprachexternen Faktoren an, die er jedoch nicht weiter erl\u00e4utert. Was er aber g\u00e4nzlich unber\u00fccksichtigt l\u00e4sst, ist eine weitere, sehr effektive Option: die M\u00f6glichkeit, durch einen fiktiven Dialog zu eruieren, welche Gebrauchsweise des Begriffs \u201aKunst\u2018 tats\u00e4chlich vorliegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Er unterl\u00e4sst es wohl deshalb, weil er dann zum einen den Bereich der Semantik verl\u00e4sst und den der Pragmatik betritt, was er ganz offensichtlich vermeiden will. Und zum anderen, weil es innerhalb eines Dialogs recht wahrscheinlich ist, dass in ihm nicht konsequent, wie von Schm\u00fccker gew\u00fcnscht, nur von \u201aKunst\u2018 die Rede sein wird, sondern auch von Dingen, die den Begriff \u201aKunst\u2018 r\u00fcckbez\u00fcglich n\u00e4her erl\u00e4utern. So wie in diesem kurzen Dialog:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">(f) In einer Kunst ist sie wohl Meisterin?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">(F<sup>II<\/sup>) Ja, in der Malerei ist sie wohl Meisterin.<br \/>\n(F<sup>III<\/sup>) Ja, in der Literatur ist sie wohl Meisterin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(F<sup>IV<\/sup>) Ja, in der Kunst ist sie wohl Meisterin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Es d\u00fcrfte wohl kaum jemanden geben, der eine dieser alternativen Antworten [(F<sup>II<\/sup>), (F<sup>III<\/sup>), (F<sup>IV<\/sup>)] auf die Frage (f) als g\u00e4nzlich unpassend empfindet. Auch d\u00fcrfte es wohl kaum jemanden geben, der bei der Formulierung \u201ain der Malerei\u2018 spontan an die mechanische Kunst und damit an die Fertigkeit \u201amalen\u2018 denkt \u2013 der Gedanke an die Kunstgattung \u201aMalerei\u2018 liegt hier deutlich n\u00e4her. Gleiches gilt f\u00fcr (F<sup>III<\/sup>), wo von der Literatur die Rede ist. Und im Fall (F<sup>IV<\/sup>) wird wohl niemand weder an eine Fertigkeit noch an eine spezifische Kunstgattung, sondern an die Kunst als solche denken. Das alles kann aber Schm\u00fccker ganz und gar nicht gefallen. Denn es w\u00fcrde sein Konzept von den eindeutigen lexikalischen Indikatoren weiter ins Wanken bringen, da die Indikatoren mitnichten eindeutig das Gew\u00fcnschte anzeigen. Zudem w\u00e4re er gezwungen, weitere Gebrauchsweisen des Begriffs \u201aKunst\u2018 (als \u00e4sthetische Kunst) zu akzeptieren: Neben der Kunst als Kunstwerk noch die Kunst als Gattung sowie die Kunst als solche. Aber ausgerechnet von der mechanischen Kunst, die der indefinite Gebrauch (f) nach seiner Theorie ja eindeutig anzeigen sollte, w\u00e4re nicht die Rede.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li><strong>Definiter Gebrauch <\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Um den definiten Gebrauch ,Kunst mit bestimmtem Artikel oder n\u00e4herer Bestimmung\u2018 in S\u00e4tzen zu illustrieren, gibt Schm\u00fccker folgende Beispiele:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Morgen zeige ich euch (die) Kunst der Neuen Wilden.<\/li>\n<li>Ob er je die Kunst der Meditation erlernen wird?<\/li>\n<li>Nur wer die Kochkunst beherrscht, ist ein ganzer Mann.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch die Umformung <em>\u201eauf die Normalform des absoluten Wortgebrauchs \u2013 das pr\u00e4dikative Syntagma \u201aist (nicht) Kunst\u2018 \u2013 oder auf die Normalform des indefiniten Wortgebrauchs \u2013 das pr\u00e4dikative Syntagma \u201aist (nicht) eine Kunst\u2018\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 71) l\u00e4sst sich, so seine These, leicht herausfinden, von welcher Kunst hier die Rede ist:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">(g\u2018) Was ich euch morgen zeige, ist Kunst, und zwar die der Neuen Wilden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(h\u2018) Ob er je die Meditation, die eine Kunst ist, erlernen wird?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(i\u2018) Nur wer zu kochen versteht, was eine Kunst ist, ist ein ganzer Mann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Was sofort auff\u00e4llt, sind nicht allein die wiederum etwas eigenwilligen Beispiele, die Schm\u00fccker w\u00e4hlt (<em>\u201aNur wer die Kochkunst beherrscht, ist ein ganzer Mann\u2018<\/em>), um <em>\u201e(m)it linguistischen Mitteln (\u2026) das Feld der Kunst\u00e4sthetik\u201c&nbsp; <\/em>(Schm\u00fccker 2014: 75) abzustecken &nbsp;\u2013 es ist auch der Umstand, dass Schm\u00fccker hier, im Gegensatz zu den Beispiels\u00e4tzen beim absoluten und indefiniten Gebrauch, konkret angibt, von welcher Kunst die Rede ist. Davon abgesehen, dass es sich bei diesen S\u00e4tzen auch ohne Konkretisierungen um vollst\u00e4ndige deutsche S\u00e4tze handeln w\u00fcrde: Wie will ich nachweisen, dass ein singul\u00e4rer lexikalischer Indikator (\u201adie\u2018), und sei es durch Umformung, hinreichend ist zu zeigen, von welcher Kunst die Rede ist, wenn ich die S\u00e4tze jeweils durch die Angabe einer konkreten Kunst erg\u00e4nze, anhand derer ich, nach Ma\u00dfgabe der aktualen konventionellen Zuordnung, in der Regel leicht erkennen kann, ob hier von Kunst die Rede ist oder nicht?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie dem auch sei: Sind die Beispiele so plausibel, wie Schm\u00fccker meint? Machen wir eine etwas ungew\u00f6hnliche Ersetzungsprobe. Und nehmen den Beispielsatz (g) <em>Morgen zeige ich euch (die) Kunst der Neuen Wilden.<\/em> als Referenz:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">(g<sup>1<\/sup>) Morgen zeige ich euch (die) Kunst der Meditation.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(g<sup>2<\/sup>) Morgen zeige ich euch (die) Kunst des Kochens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Im n\u00e4chsten Schritt erfolgt dann, analog (g\u2018), die Schm\u00fccker\u2019sche Umformungsprobe:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n(g<sup>1.1<\/sup>) Was ich euch morgen zeige, ist Kunst, und zwar die der Meditation.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(g<sup>2.1<\/sup>) Was ich euch morgen zeige, ist Kunst, und zwar die des Kochens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Was sagt uns unsere Sprachkompetenz der deutschen Sprache, also die intuitive Beherrschung der aktualen Regeln des Gebrauchs von \u00c4u\u00dferungstypen, zu diesen vier F\u00e4llen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>zu (g<sup>1<\/sup>): Der Gebrauch der Konstruktion \u201aNomen Kunst ohne Artikel\u2018 wird als falsch empfunden \u2013 mit Artikel hingegen nicht.<\/li>\n<li>zu (g<sup>2<\/sup>): dito<\/li>\n<li>zu (g<sup>1.1<\/sup>): Der Satz wird als vollst\u00e4ndig richtig empfunden.<\/li>\n<li>zu (g<sup>2.1<\/sup>): dito<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Ergebnis der Umformungsprobe (g<sup>1.1<\/sup>) und (g<sup>2.1<\/sup>) irritiert einigerma\u00dfen. Denn hier erscheint ohne St\u00f6rgef\u00fchl der absolute Gebrauch (\u201aNomen Kunst + keine weiteren Zus\u00e4tze), der laut Schm\u00fccker ein eindeutiges Signal daf\u00fcr ist, das von \u00e4sthetischer Kunst die Rede ist. Doch wovon ist hier die Rede? Von der Meditation sowie vom Kochen. Entweder handelt es sich bei beiden K\u00fcnsten um \u00e4sthetische Kunst oder Schm\u00fcckers Theorie ist falsch \u2013 oder aber irgendetwas ist hier schief gelaufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nIn vorliegendem Beispiel k\u00f6nnen wir getrost letzteres annehmen. Das Konzept der Umformungsprobe scheint n\u00e4mlich seine T\u00fccken zu haben: (g\u2018), (g<sup>1.1<\/sup>) und (g<sup>2.1<\/sup>) besteht aus zwei Satzteilen. Bei dem ersten Satzteil \u2013 <em>Was ich euch morgen zeige, ist Kunst.<\/em> \u2013 handelt es sich genau genommen nicht um einen Satzteil, sondern um einen vollst\u00e4ndigen deutschen Satz. Er ist f\u00fcr den sprachkompetenten Sprecher spontan als eine sinnvolle Aussage \u00fcber Kunst im Sinne einer \u00e4sthetischen Darstellungsform zu verstehen. Und auch Schm\u00fcckers lexikalisches Kriterium des absoluten Gebrauchs (\u201aNomen Kunst + keine weiteren Zus\u00e4tze\u2018), der auf \u00e4sthetische Kunst verweist, ist hier hinreichend. Der nachfolgende Nebensatz bringt also lediglich durcheinander, was zuvor bereits klar schien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Dort kann nicht nur, wie sich in (g\u2018) zeigt, von \u00e4sthetischer Kunst die Rede sein, sondern, wie die Beispiele (g<sup>1.1<\/sup>) und (g<sup>2.1<\/sup>) zeigen, durchaus auch von K\u00fcnsten, die nicht unter die Schm\u00fccker\u2019sche Definition \u00e4sthetischer K\u00fcnste fallen, sondern unter die der mechanischen K\u00fcnste. Selbst von einer v\u00f6llig absurden Kunst kann hier die Rede sein:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n(g<sup>3.1<\/sup>) Was ich euch morgen zeige, ist Kunst, und zwar die des<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fu\u00dfn\u00e4gelschneidens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass wir nun das Fu\u00dfn\u00e4gelschneiden spontan als Nicht-Kunst identifizieren k\u00f6nnen, liegt ganz offensichtlich nicht an irgendwelchen lexikalischen Indikatoren, sondern an unserer Sprachkompetenz, verm\u00f6ge derer wir in vielerlei F\u00e4llen einen aktual angemessenen Gebrauch vom Begriff \u201aKunst\u2018 machen k\u00f6nnen. Wohlgemerkt: einen <em>aktual<\/em> angemessenen. Denn auch dieser Gebrauch ist letztlich nur ein episodales Ereignis (cf. Kap. 3.6 ff.) in einem zeitlichen Kontinuum, eingebettet in unseren lebensweltlichen Bedingungsrahmen (cf. Schm\u00fccker 2014: 117), das sich im Laufe des Sprachwandelprozesses transformieren wird. Warum soll nicht dereinst wieder einmal die Kunst des Redens in den Kanon der (\u00e4sthetischen) K\u00fcnste aufgenommen werden<sup>41<\/sup>. Oder auch die der Meditation (auch wenn sich hier die Frage nach dem \u201aKunstwerk\u2018 stellen w\u00fcrde<sup>42<\/sup> \u2013 was aber schon wieder als ein willk\u00fcrlicher, normativer Eingriff in die Bestimmung des Begriffs \u201aKunst\u2018 aufgefasst werden kann; cf. L\u00fcdeking 1998: 66 ff.). Oder die Kunst des Kochens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Halten wir Schm\u00fccker bei der Umformungsprobe dieses Beispiels zugute, dass die<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Konstruktion \u201a[vollst\u00e4ndiger Satz + (Kunst ohne Zusatz)] + [Nebensatz mit<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bestimmung der Kunst]\u2018 schlicht ungl\u00fccklich gew\u00e4hlt ist \u2013 sie l\u00e4sst keine eindeutige<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">lexikalische Bestimmung zu, von welcher der beiden zur Disposition stehenden K\u00fcnste hier die Rede ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Versuchen wir unser Gl\u00fcck bei einem anderen Satz:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; (h) Ob er je die Kunst der Meditation erlernen wird?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach Schm\u00fcckers Definition handelt es sich um einen definiten Gebrauch, der eine indifferente Aussage zeitigt. Durch die Umformungsprobe soll sich erweisen, ob hier nun von einer \u00e4sthetischen oder von einer mechanischen Kunst die Rede ist:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">(h\u2018) Ob er je die Meditation, die eine Kunst ist, erlernen wird?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier scheint alles, so sagt uns auch unser Sprachgef\u00fchl, soweit in Ordnung zu sein: Kunst + unbestimmter Artikel = mechanische Kunst. Aber auch das sollten wir nicht ungepr\u00fcft lassen. Weshalb wir eine einfache Probe aufs Exempel machen wollen \u2013 wir ersetzen \u201aMeditation\u2018 durch \u201aMalerei\u2018:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; (h<sup>1<\/sup>) Ob er je die Kunst der Malerei erlernen wird?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Umformungsprobe soll zeigen, von welcher Kunst in diesem Satz die Rede ist \u2013von der \u00e4sthetischen oder der mechanischen. Doch aus Gr\u00fcnden der Subversion stelle ich in diesem Fall zwei Versionen zur Auswahl:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">(h<sup>1.1<\/sup>) Ob er je die Malerei, die eine Kunst ist, erlernen wird?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(h<sup>1.2<\/sup>) Ob er je die Malerei, die Kunst ist, erlernen wird?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Die pr\u00e4dikativen Syntagma <em>\u201aist (nicht) Kunst\u2018<\/em> resp. <em>\u201aist (nicht) eine Kunst\u2018<\/em>, auf die sich <em>\u201e(j)ede Verwendung des Wortes \u201aKunst\u2018 (\u2026) zur\u00fcckf\u00fchren\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 71) l\u00e4sst, m\u00fcssten nach der Umformungsprobe ein eindeutiges Ergebnis erbringen. Unser Sprachgef\u00fchl sagt uns aber etwas anderes. Um das zu zeigen, wollen wir die S\u00e4tze (h<sup>1.1<\/sup>) und (h<sup>1.2<\/sup>) auf ihre wesentliche Aussage hin reduzieren:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">(h<sup>1.1.1<\/sup>) Die Malerei ist eine Kunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(h<sup>1.2.1<\/sup>) Die Malerei ist Kunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein unbestimmter Artikel in Verbindung \u201aKunst\u2018 zeigt, so Schm\u00fccker, unweigerlich eine mechanische Kunst an. Also m\u00fcsste im Satz (h<sup>1.1.1<\/sup>) von ihr die Rede sein. Die Malerei ist jedoch, zumindest nach allgemeinem Daf\u00fcrhalten, eine \u00e4sthetische Kunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vorausgesetzt, ich gestehe zu, dass es sich bei diesem Satz um einen in jeder Beziehung korrekten Satz der deutschen Sprache handelt, gibt es drei nun M\u00f6glichkeiten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Ich behaupte mit (h<sup>1.1<\/sup>), dass die Malerei keine \u00e4sthetische Kunst ist.<\/li>\n<li>Ich behaupte damit au\u00dferdem, dass sie eine mechanische Kunst ist (was, nach Schm\u00fcckers Explikation, zumindest bei der technischen Fertigkeit, dem \u201aMalen\u2018, auch der Fall ist).<\/li>\n<li>Sollte die Malerei jedoch eine \u00e4sthetische Kunst sein, w\u00e4re Schm\u00fcckers These, dass der \u201aindefinite Gebrauch\u2018 eindeutig und unmissverst\u00e4ndlich anzeigt, dass von mechanischer Kunst die Rede ist, falsch.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur am Rande sei bemerkt, dass auch die Umformungsprobe (h<sup>1.2<\/sup>) <em>Ob er je die Malerei, die Kunst ist, erlernen wird? <\/em>ihre T\u00fccken hat. Hier sollte ja eigentlich das pr\u00e4dikative Syntagma <em>\u201aist Kunst\u2018<\/em>, also <em>\u201edie Normalform des absoluten Wortgebrauchs\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 71), nach der Umformung anzeigen\u201a dass wir von der Malerei als \u00e4sthetischer Kunst reden. Allerdings schleicht sich dabei ein kleines Problem ein: Bei der Umformung entsteht in allen F\u00e4llen (h\u2018), (h<sup>1.1<\/sup>) und (h<sup>1.2<\/sup>) ein Relativnebensatz, der nun mal mit einem Relativpronomen (\u201adie\u2018) eingeleitet wird. Der absolute Gebrauch, der die \u00e4sthetische Kunst indiziert, tritt aber laut Schm\u00fcckers Definition ohne Zus\u00e4tze <em>\u201ewie Artikel, Pronomen oder Attributionen\u201c <\/em>(Schm\u00fccker 2014: 71) auf. Was liegt nun vor? Ein Syntagma vom Typus IV), das sich keinem der drei bisherigen Typen zuordnen l\u00e4sst und hinsichtlich der Zuordnung ein indifferentes Bild ergibt? Das deshalb ein zweites Mal und vielleicht sogar ein drittes Mal in die Umformungsprobe-M\u00fchle gesteckt werden muss, solange, bis wir endlich das gew\u00fcnschte Ergebnis erzielen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&nbsp;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ganze Dilemma der lexikalischen Indikatoren zeigt sich bei der letzten Umformungsprobe. Da wird aus:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Nur wer die Kochkunst beherrscht, ist ein ganzer Mann.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">der Satz:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n(i\u2018) &nbsp;Nur wer zu kochen versteht, was eine Kunst ist, ist ein ganzer Mann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nDavon abgesehen, dass sich einem sowohl in (i) als auch in (i\u2018) die Logik des Satzes nicht erschlie\u00dft \u2013 warum soll das Beherrschen der Kochkunst eine notwendige Bedingung f\u00fcr \u201aein-ganzer-Mann-Sein\u2018 sein? \u2013, lautet demnach <em>\u201edie Normalform des indefiniten Wortgebrauchs \u2013 das pr\u00e4dikative Syntagma \u201aist (nicht) eine Kunst\u2018\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 71), so wie das pr\u00e4dikative Syntagma <em>\u201aist Kunst\u2018<\/em> <em>\u201edie Normalform des absoluten Wortgebrauchs\u201c<\/em> (ebd: 71) darstellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Schm\u00fcckers Beispiele, die oftmals fernab aller Alltagssprachlichkeit liegen und somit kaum f\u00fcr einen Test taugen, k\u00f6nnen wir nun getrost beiseite legen \u2013 mit dieser \u201aNormalform\u2018 haben wir ja nun die einfachste sprachliche Form gefunden, die es uns erm\u00f6glichen sollte, zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob jeweils von \u00e4sthetischer oder mechanischer Kunst die Rede ist. Zumindest dann, wenn Schm\u00fccker Recht hat:<\/p>\n<p>A.) x ist (nicht) eine Kunst<br \/>\n(-&gt; indefiniter Gebrauch = Rede von mechanischer Kunst)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; B.) x ist (nicht) Kunst.<br \/>\n(-&gt; absoluter Gebrauch = Rede von \u00e4sthetischer Kunst)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">So ger\u00fcstet sollte eigentlich nichts mehr schief gehen. Der erste Versuch (A<sup>1.1<\/sup>), die Variable x im Referenzsatz durch eine Vokabel zu ersetzen, klappt vorz\u00fcglich. Doch schon der zweite Versuch (A<sup>1.2<\/sup>) st\u00f6\u00dft auf sprachlichen Widerwillen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; (A<sup>1.1<\/sup>)&nbsp; Kochen ist eine Kunst.<br \/>\n(A<sup>1.2<\/sup>)&nbsp; Kochen ist nicht eine Kunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Kein kompetenter Sprecher der deutschen Sprache w\u00fcrde ernsthaft eine solche Konstruktion wie (A<sup>1.2<\/sup>) w\u00e4hlen. Doch wenn sie niemand w\u00e4hlen w\u00fcrde \u2013 taugt sie dann als alltagssprachlicher lexikalischer Indikator? Und vor allem: f\u00fcr was? Sollte Kochen \u201aeine\u2018 Kunst sein, w\u00e4re sie mechanische Kunst, keine \u00e4sthetische. Sollte sie aber nun \u201anicht eine\u2018 Kunst sein \u2013 was ist sie dann? Und wie kann ich feststellen, ob Kochen nun \u201aeine\u2018 oder \u201anicht eine\u2018 Kunst ist? Oder kann Kochen gar, wenn schon keine \u00e4sthetische Kunst, so doch sowohl mechanische Kunst als auch ihr Gegenteil, also nicht mechanische Kunst sein \u2013 denn was anderes sollte \u201anicht eine\u2018 bedeuten, wenn \u201aeine\u2018 die mechanische Kunst indiziert?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn \u00fcberhaupt, dann w\u00fcrde der alltagstaugliche Sprecher statt (A<sup>1.2<\/sup>) <em>\u201aKochen ist nicht eine Kunst.\u2018<\/em> sagen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n(A<sup>1.2.1<\/sup>) Kochen ist keine Kunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&nbsp;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Fall h\u00e4tten wir ein Syntagma des Typus IV) vorliegen. Bei ihm, so Schm\u00fccker, m\u00fcssen wir sprachexterne, also kontextuelle Faktoren zu Rate ziehen, weil sich nicht ohne Weiteres feststellen l\u00e4sst, von welcher Kunst die Rede ist \u2013 hier bestehen seiner Ansicht nach zwei Umformungsm\u00f6glichkeiten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n(A<sup>1.2.1.1<\/sup>) Kochen ist nicht Kunst.<br \/>\n(A<sup>1.2.1.2<\/sup>) Kochen ist nicht eine Kunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Davon abgesehen, dass wir uns mit der Umformungsprobe (A<sup>1.2.1.2<\/sup>) im Kreise bewegen, ist im Falle (A<sup>1.2.1<\/sup>) <em>Kochen ist keine Kunst.<\/em> Schm\u00fcckers Hinweis auf die theoretische M\u00f6glichkeit zweier Umformungsvarianten nachgerade Unsinn. F\u00fcr den<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fall (A<sup>1.2.1<\/sup>) <em>Kochen ist keine Kunst.<\/em> gibt es schlie\u00dflich zwei etablierte alltagssprachliche Optionen, wie die \u00c4u\u00dferung \u201akeine Kunst\u2018 gemeint sein kann:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>\nBeim Kochen handelt es sich nicht um eine Kunst (als solche) wie das<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Theater, die Literatur, die Musik<sup>43<\/sup> (soziale Institution\/Makroebene).<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"2\">\n<li>Es handelt sich hier um die allt\u00e4gliche Redewendung \u201aist keine Kunst\u2018, die auf alle m\u00f6glichen T\u00e4tigkeiten Anwendung findet (cf. Kap. 4.5).<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenden wir uns noch der \u201aNormalform\u2018 B.) <em>x ist (nicht) Kunst. <\/em>zu. Sie soll anzeigen, ob von \u00e4sthetischer Kunst die Rede ist oder nicht. Ersetzen wir die Variable x durch das nun schon sattsam bekannte \u201aKochen\u2018:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; (B<sup>1.1<\/sup>)&nbsp; Kochen ist Kunst.<br \/>\n(B<sup>1.2<\/sup>)&nbsp; Kochen ist nicht Kunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Lassen wir den Fall (B<sup>1.2<\/sup>), bei dem wir bei der Umformungsprobe (A<sup>1.2.1.1<\/sup>) landen, einmal au\u00dfer acht \u2013 viel interessanter ist der Fall (B<sup>1.1<\/sup>) <em>Kochen ist Kunst<\/em>. Denn zumindest mein Sprachempfinden vermeldet mir hier alles, nur kein St\u00f6rgef\u00fchl. Im Gegenteil: Auch wenn sich nun f\u00fcglich dar\u00fcber streiten l\u00e4sst, ob \u201aKochen\u2018 Kunst ist oder (noch) nicht \u2013 die Aussage resp. Behauptung ist v\u00f6llig akzeptabel. Wor\u00fcber sich kaum streiten l\u00e4sst, ist, dass in diesem in jeder linguistischen Hinsicht korrekten Satz, der die nur denkbar klarste Form eines absoluten Gebrauchs \u2013 \u201a<em>ist Kunst\u2018 <\/em>\u2013 beinhaltet, nach Schm\u00fccker eindeutig die Rede von \u00e4sthetischer Kunst sein m\u00fcsste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nLaut Schm\u00fccker zeichnet sich nun aber die \u00e4sthetische Kunst dadurch aus, dass sie sich auf Artefakte bezieht und <em>\u201edass sich das Wort \u201aKunst\u2018 auf sie absolut, nicht aber indefinit anwenden l\u00e4sst\u201c <\/em>(Schm\u00fccker 2014: 72). Demgegen\u00fcber bezieht sich die mechanische Kunst auf eine Fertigkeit und damit auf <em>\u201eeine teleologische Handlungskompetenz\u201c <\/em>(ebd: 72). Und <em>\u201ef\u00fcr mechanische Kunst (gilt), dass das Wort \u201aKunst\u2018 auf sie nicht absolut, wohl aber indefinit anwendbar ist\u201c <\/em>(ebd.: 72). Nun ist aber das Kochen eindeutig eine Fertigkeit, also in Schm\u00fcckers Terminologie eine mechanische Kunst, auf die das Wort \u201aKunst\u2018 nicht absolut anwendbar ist. Was aber im Fall (B<sup>1.1<\/sup>) der Fall ist. Damit er seine These aufrecht erhalten kann, muss er sagen, dass hier ein nicht angemessener Gebrauch des Begriffs \u201aKunst\u2018 vorliegt. Gleiches gilt in diesen F\u00e4llen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; (B<sup>a<\/sup>)&nbsp; Malen ist Kunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; (B<sup>b<\/sup>)&nbsp; Musizieren ist Kunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; (B<sup>c<\/sup>) &nbsp;Meditieren ist Kunst.<br \/>\n(B<sup>d<\/sup>) &nbsp;Kugelsto\u00dfen ist Kunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die K\u00fcnste werden von Schm\u00fccker definitorisch auf zwei K\u00fcnste beschr\u00e4nkt: die<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00e4sthetische und die mechanische. Der Ausdruck <em>\u201aist Kunst\u2018<\/em> zeigt laut Schm\u00fccker<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">lexikalisch unmissverst\u00e4ndlich \u00e4sthetische Kunst an. In allen F\u00e4llen (B<sup>1.1<\/sup>), (B<sup>a<\/sup>), (B<sup>b<\/sup>),<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(B<sup>c<\/sup>) und (B<sup>d<\/sup>) ist aber von einer T\u00e4tigkeit, nicht von einem Artefakt die Rede ist. Wenn<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das der Fall ist, kann es sich, so Schm\u00fccker, aber nicht um \u00e4sthetische Kunst handeln, denn, Zitat Schm\u00fccker, <em>\u201e\u00e4sthetische Kunst (hat) immer Artefaktcharakter\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 77). All \u00fcberall durchwehen normative Aspekte Schm\u00fcckers<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bem\u00fchungen um eine explikative Theorie der Kunst\u00e4sthetik. Was ihn nicht daran hindert zu konstatieren:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eWeit davon entfernt, Vorschriften machen zu k\u00f6nnen, wie der Kunstbegriff zu verwenden sei, ist die Kunst\u00e4sthetik aufs Erkl\u00e4ren verwiesen: Ihre Definition der Kunst kann keine normative, sondern nur eine explikative sein\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 79).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Entfernen wir uns einen Moment von Schm\u00fcckers uneingestandenen Normierungsversuchen. Und schauen uns die Aussage <em>\u201aKugelsto\u00dfen ist Kunst\u2018<\/em> an, in der das Kugelsto\u00dfen nicht als mechanische, sondern als \u00e4sthetische Kunst auftritt, um mit Schm\u00fccker gegen Schm\u00fccker zu argumentieren:<\/p>\n<p><em>\u201eDer Herausforderung durch neu entwickelte Kunstformen, die das Gemeinverst\u00e4ndnis unter den Kunstbegriff subsumiert, obgleich sie dessen Grenzen zu sprengen scheinen, kann die Kunst\u00e4sthetik deshalb nicht begegnen, indem sie bestreitet, da\u00df der Kunstbegriff auf sie anwendbar ist. Denn die Anwendbarkeit auf Artefakte neuer Art ist in der Regel l\u00e4ngst anerkannt, wenn sie dem Kunst\u00e4sthetiker zum Problem wird\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 78).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie sich ein solches Gemeinverst\u00e4ndnis und damit auch eine neue Gebrauchsweise des Begriffs, seine Bedeutung, systematisch etablieren und wandeln kann, haben wir im Kap. 2 ff. und Kap. 4 ff. ausf\u00fchrlich erl\u00e4utert. F\u00fchren wir uns noch einmal diese detaillierte Explikationen vor Augen, so k\u00f6nnen wir daran leicht ermessen, dass es nicht allein das <em>\u201epolyphone Konzert des kunstkritischen Diskurses (ist), durch den das Gemeinverst\u00e4ndnis von Kunst tradiert und weiterentwickelt wird\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 78). Das hie\u00dfe, den Einfluss von Kunstkritikern und Kunst\u00e4sthetikern <em>\u201eauf das Urteil der einschl\u00e4gig interessierten \u00d6ffentlichkeit\u201c<\/em> (ebd: 78) auf der einen Seite ma\u00dflos zu \u00fcbersch\u00e4tzen \u2013 und auf der anderen Seite den Einfluss des Urteils der \u201a<em>einschl\u00e4gig interessierten \u00d6ffentlichkeit\u2018<\/em> wie auch der eher desinteressierten oder anderweitig interessierten \u00d6ffentlichkeit (denn sie sind ja an dem Prozess auch beteiligt und urteilen ebenso) auf das Gemeinverst\u00e4ndnis von Kunst ma\u00dflos zu untersch\u00e4tzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li><strong>Mongolei<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Kugelsto\u00dfen ist Kunst. Behaupte ich mal frech. Und im kollektiven Verbund behauptet es, wenn nicht heute, so vielleicht morgen, eine der n\u00e4chsten Generationen. Oder eine andere Kultur. Zum Beispiel in der Mongolei. Dort gibt es die jahrhundertealte Tradition dreier \u201am\u00e4nnlicher Disziplinen\u2018 \u2013 dem Ringen, dem Bogenschie\u00dfen, dem Pferdereiten. Es sind dies rituelle, ja kultische Handlungen, die die ganze Gemeinschaft erfassen. Mithin ein Mitspielen erfordern, ganz im Sinne Gadamers (cf. Gadamer 2012: 42). Sieht die mongolische Bev\u00f6lkerung deshalb im Ringen weniger einen Sport, sondern eher ein Gadamer\u2019sches Spiel, dem die Aussage \u201aRingen ist Kunst\u2018 schon sehr nahe kommt? Vorausgesetzt nat\u00fcrlich, es gibt im Mongolischen \u00fcberhaupt einem dem abendl\u00e4ndischen Denken vergleichbaren Begriff der Kunst \u2013 im Hebr\u00e4ischen sowie in einigen afrikanischen Sprachen ist dies nicht der Fall (Schm\u00fccker 2014: 150). Hier scheint unser altes Problem auf: Wir k\u00f6nnen generell weder raus aus unserer sprachlichen Haut noch aus der unserer Sprachgemeinschaft oder unserer Lebenswelt und Kultur. Schm\u00fccker spricht in diesem Zusammenhang v\u00f6llig zurecht von der \u201e<em>Relativit\u00e4t jedes intersubjektiven Kunstverst\u00e4ndnisses\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 149): Sie bezeugt die Perspektivit\u00e4t unserer Sichtweise \u2013 wir schauen immer mit unseren Augen auf die Dinge des anderen. Und glauben darin die Dinge zu erkennen, die wir kennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Was f\u00fcr das Kugelsto\u00dfen gilt, gilt aktuell bereits f\u00fcr das Kochen. Wirft Schm\u00fccker der traditionellen Kunst\u00e4sthetik vor, sie w\u00fcrde neuere Kunsttendenzen durch ihren Hang zur begrifflichen Normierung systematisch ausgrenzen, so macht er mit seinem Hang zur lexikalischen Indizierung nichts anderes: <em>\u201aKochen ist eine Kunst\u2018<\/em> l\u00e4sst er gelten, die Aussage <em>\u201aKochen ist Kunst\u2018<\/em> nicht. Verweist sie doch auf \u00e4sthetische Kunst, ergo auf ein Artefakt. Wir wissen aber in vielen F\u00e4llen sowohl, <em>\u201eob ein Artefakt ein Kunstwerk ist oder nicht\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 77) als auch, ob etwas Kunst ist oder nicht. Gibt es doch <em>\u201ehistorisch eingespielte intersubjektive Verwendungsweisen<sup>44<\/sup> des Kunstbegriffs (\u2026), an denen wir uns, wenn wir Sprachkompetenz besitzen, <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>orientieren k\u00f6nnen, ohne da\u00df wir in der Lage sein m\u00fc\u00dften, sie begrifflich zu <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>explizieren\u201c <\/em>(ebd: 77). Und dazu geh\u00f6rt eben auch, dass wir implizit wissen, dass<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">heutzutage ein Artefakt kein Artefakt mehr sein muss. Sondern durchaus etwas<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">durch und durch Ephemeres sein kann wie John Cages Musikst\u00fcck \u201aORGAN\u00b2\/ASLS\u2018,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das seit 2001 in der Sankt-Burchardi-Kirche in Halberstadt in einer projektierten Gesamtl\u00e4nge von 639 Jahren aufgef\u00fchrt wird. Etwas Verg\u00e4ngliches wie die Kochkunst eines Arpad Dobriban. Oder etwas fast Ewiges wie On Kawaras Projekt \u201aOne Million Years\u2018.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch wenn wir also derzeit aufgrund der in unserem Kulturraum etablierten Zuordnung (die als soziokulturelles Ph\u00e4nomen in einem Prozess der unsichtbaren Hand erfolgt, worauf dann unsere internalisierten Regeln des Gebrauchs von<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00c4u\u00dferungstypen abheben, von denen wir ein implizites, nicht explizierbares Wissen<sup>45<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">besitzen) bei jeder dieser T\u00e4tigkeiten relativ eindeutig sagen k\u00f6nnen, ob ein Gro\u00dfteil der in einer bestimmten Gesellschaft sozialisierten Menschen sie als \u201aKunst\u2018 erachten wird oder nicht (die Frage, ob etwas \u201aKunst\u2018 ist oder nicht, bleibt davon v\u00f6llig unber\u00fchrt), so ist doch alles im Wandel. Denn jeder kann jederzeit in einem singul\u00e4r differenten Gebrauch eine dieser T\u00e4tigkeiten, entgegen des etablierten Gebrauchs, als \u201aKunst\u2018 bezeichnen. In diesem speziellen Moment, in dem ich das tue, setze ich den in Kap. 2.11 ff. beschriebenen Prozess vom singul\u00e4ren Gebrauch bis hin zur kollektiven Etablierung in Gang (auch wenn er zumeist ins Leere l\u00e4uft). Und sp\u00e4testens dann zeigt sich, dass die von Schm\u00fccker identifizierte eindeutige syntagmatische Zuordnung wenn nicht Makulatur ist, so doch bestenfalls ein episodales Ereignis beschreibt, das in dem Moment, wo es G\u00fcltigkeit beansprucht, bereits schon wieder ins Wanken ger\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist Kunst<sup>46<\/sup>? Kochen ist Kunst. Malen auch. Oder Musizieren. Meditieren? Wer<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">wei\u00df, f\u00fcr manche vielleicht. Kugelsto\u00dfen ist Kunst, mechanische Kunst. Zumindest f\u00fcr Schm\u00fccker. Nur dass der Indikator des absoluten Gebrauchs, der ja die \u00e4sthetische Kunst sprachlich identifizieren soll, etwas anderes besagt, als Schm\u00fccker es gerne h\u00f6ren w\u00fcrde. Denn die Aussage \u201aKugelsto\u00dfen ist Kunst\u2018 klingt f\u00fcr uns hartgesottene Kunstinteressierte, die wir ja in einer Zeit leben, in der K\u00fcnstler alles zum Medium ihrer Kunst werden lassen k\u00f6nnen, ganz und gar nicht mehr befremdlich. Sondern, da im Bereich des M\u00f6glichen liegend, v\u00f6llig plausibel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil Schm\u00fccker sich in dem, was er \u201a\u00e4sthetische Kunst\u2018 nennt, ganz auf Artefakte kapriziert und Fertigkeiten dem Bereich der mechanischen Kunst zuordnet, normiert er die Gebrauchsweise des Begriffs \u201aKunst\u2018. Dies geht mit der Einschr\u00e4nkung des Anwendungsbereichs einher: Kunst kann nicht Malen sein, nur die Malerei. Denn hier findet der Begriff \u201aKunst\u2018 auf Artefakte Anwendung. F\u00fcr die er, en passant in einer Fu\u00dfnote, einen weiteren differenzierenden Kunstbegriff einf\u00fchrt: Wenn von Kunstwerken die Rede ist, ist <em>\u201evon \u201aabsoluter\u2018 Kunst die Rede\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 72). Jedoch sind nur <em>\u201ebestimmte Artefakte Kunstwerke\u201c<\/em> (ebd: 77). Aber <em>\u201e(i)n vielen F\u00e4llen wissen wir spontan (\u2026), ob ein Artefakt ein Kunstwerk ist oder nicht\u201c<\/em> (ebd: 77, auch: 80) \u2013 diese Spontanit\u00e4t ist laut Schm\u00fccker eben ein Indiz daf\u00fcr, dass sich die Verwendungsweisen des Kunstbegriffs historisch<em> \u201evor dem Horizont eines kultur- und zeitspezifischen Kunstverst\u00e4ndnisses\u201c <\/em>(ebd: 80) intersubjektiv eingespielt haben. Er postuliert, dass <em>\u201edas Wort \u201aKunst\u2018, sofern es sich auf \u00e4sthetische Kunst bezieht, ein Synonym f\u00fcr \u201aKunstwerk(e)\u2018\u201c<\/em> ist (ebd: 76) und bedeutungsneutral gegen den Begriff \u201aKunstwerk\u2019 ausgetauscht werden kann. In den F\u00e4llen, in denen keine solche Ersetzung m\u00f6glich ist, <em>\u201ebezieht sich das Wort \u201aKunst\u2018 nicht auf Artefakte, sondern jeweils auf eine bestimmte teleologische Handlungskompetenz\u201c <\/em>(mechanische Kunst) (ebd: 73).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur weil Schm\u00fccker die Anwendung des Begriffs \u201aKunst\u2018 allein auf die Kunstwerke (und, wie er erg\u00e4nzt, als <em>\u201eSammelbegriff f\u00fcr mehrere oder die Gesamtheit der Kunstwerke\u201c<\/em> [Schm\u00fccker 2014: 73]) beschr\u00e4nken will und alle anderen m\u00f6glichen Verwendungsweisen ausschlie\u00dft (cf. Kap. 4.3 ff.), kann ihm eine \u00dcberpr\u00fcfung qua Substitution der Begriffe, Kunstwerk f\u00fcr Kunst, \u00fcberhaupt gelingen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">(B<sup>1.1<\/sup>) Kochen ist Kunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; (B<sup>a<\/sup>)&nbsp; Malen ist Kunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; (B<sup>b<\/sup>)&nbsp; Musizieren ist Kunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; (B<sup>c<\/sup>)&nbsp; Meditieren ist Kunst.<br \/>\n(B<sup>d<\/sup>)&nbsp; Kugelsto\u00dfen ist Kunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; (B<sup>1.1sub<\/sup>) &nbsp;Kochen ist ein Kunstwerk.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; (B<sup>asub<\/sup>)&nbsp; &nbsp;&nbsp;Malen ist ein Kunstwerk.<br \/>\n(B<sup>bsub<\/sup>)&nbsp; &nbsp;&nbsp;Musizieren ist ein Kunstwerk.<br \/>\n(B<sup>csub<\/sup>)&nbsp; &nbsp;&nbsp;Meditieren ist ein Kunstwerk.<br \/>\n(B<sup>dsub<\/sup>)&nbsp; &nbsp;&nbsp;Kugelsto\u00dfen ist ein Kunstwerk.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich zuvor definiere, dass nur Kunstwerke Kunst sein k\u00f6nnen, kann ich nat\u00fcrlich von einer lexikalischen Ersetzungsprobe nichts anderes erwarten, als dass genau das herauskommt, was ich hineingesteckt habe: Fertigkeiten sind keine Artefakte, k\u00f6nnen demnach auch keine Kunstwerke sein, bei denen f\u00fcr Schm\u00fccker allein der Begriff \u201aKunst\u2018 Anwendung finden kann. Ergo sind Fertigkeiten nicht Kunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><sup>37 <\/sup>Die Variationen etablierter Gebrauchsweisen des Begriffs \u201aKunst\u2018 als heute noch gebr\u00e4uchliche Reflexe alter Gebrauchsweisen (cf. Kap. 3.1 ff.) treten sprachlich zumeist als Pr\u00e4fix \u201aKunst-\u2018 oder Suffix \u201a-kunst\u2018 auf. Sie lassen sich im Wesentlichen so zusammenfassen:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Kunst im Sinne einer Fertigkeit: Kochkunst, Schwarze Kunst, Lebenskunst<\/li>\n<li>Kunst im Sinne eines Handwerks: Kunsthandwerk, Kunstgewerbe<\/li>\n<li>Kunst im Sinne einer Wissenschaft (die Sieben Freien K\u00fcnste): Redekunst, Sprachkunst, Beweiskunst<\/li>\n<li>Kunst als dichotomer Gegenbegriff zur Natur: Kunststoff, Kunstfaser<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><sup>38<\/sup> Karlheinz L\u00fcdeking entwickelt, offensichtlich ohne die sozialphilosophische Historie seines Gedankens zu Kenntnis zu nehmen, ein ganz \u00e4hnliches kunsttheoretisches Konzept, ohne es jedoch mit einer stringent explikativen Theorie \u00e0 la Grice und Keller zu untermauern und es konsequent weiter zu denken und zu verfolgen:<br \/>\n<em>\u201eDemnach ist klar, da\u00df die Mitgliedschaft in der Klasse der Kunstwerke sich keineswegs nur einer einfachen empirischen Klassifikation verdanken kann. Die Klasse der Kunstwerke mu\u00df vielmehr verstanden werden als ein unbeabsichtigtes und unvorhersehbares Ereignis all der mannigfaltigen und konkurrierenden evaluativen Verwendungen des Kunstbegriffs durch unz\u00e4hlige individuelle Sprecher, die diesen Begriff aufgrund der verschiedenen normativen Kriterien verwenden. Die Zusammensetzung der Klasse der Kunstwerke ergibt sich als ein unkontrollierbares Resultat sozusagen \u201ahinter dem R\u00fccken\u2018 der einzelnen Sprecher, die den Kunstbegriff nach den jeweils von ihnen favorisierten Kriterien verwenden und entsprechende Grenzziehungen vornehmen. Obwohl sich so am Ende die Klasse der Dinge, die zu einem bestimmten Zeitpunkt als Kunstwerke gelten, als ein Faktum von intersubjektiver G\u00fcltigkeit ergibt, ist diese Klasse doch nur das Resultat der Vielzahl von unkoordinierten Verwendungen des Kunstbegriffs durch zahllose individuelle Sprecher. Eben deshalb ist die Klasse der Kunstwerke auch st\u00e4ndig, den unvorhersehbaren Schwankungen unterworfen, die jeden Versuch einer generalisierten Aussage \u00fcber ihre Mitglieder vereiteln\u201c<\/em> (L\u00fcdeking 1998: 203).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schm\u00fccker merkt dabei zu Recht an: <em>\u201eUnklar bleibt dabei jedoch, wie dies geschieht\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 106). Ein Problem, das auch L\u00fcdeking sieht. Und das er zum Gegenstand seiner Untersuchung macht: <em>\u201e(D)ie Frage, wie es zu verstehen (und zu begr\u00fcnden) ist, da\u00df wir bestimmte Dinge als Kunstwerke bezeichnen und ihnen \u00e4sthetische Qualit\u00e4ten zuschreiben\u201c<\/em> (L\u00fcdeking 1998: 12). Eine Frage, so stellt er am Ende dieser Untersuchungen ern\u00fcchtert fest, die weder die analytische Philosophie der Kunst noch die traditionelle Theorie beantworten kann (L\u00fcdeking 1998: 205). Dabei war L\u00fcdeking der Antwort, siehe oben, so nahe. Er h\u00e4tte nur den Weg, den er eingeschlagen hat, konsequent weiter gehen m\u00fcssen \u2013 Hand in Hand mit der unsichtbaren Hand (cf. Keller 2014 passim).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><sup>39 <\/sup>In Pierer&#8217;s Universal-Lexikon, Bd. 15., von 1862 werden unter die sch\u00f6nen K\u00fcnsten alle K\u00fcnste subsumiert, <em>\u201ederen Producte einen selbst\u00e4ndigen \u00e4sthetischen Werth haben, deren treu Aufgabe also die Darstellung des Sch\u00f6nen in den Formen u. innerhalb der Grenzen eines \u00e4sthetischen Ganzen ist.\u201c<\/em> Dazu geh\u00f6ren die akustischen, plastischen (darunter fallen hier sowohl die bildenden K\u00fcnste als auch die Architektur) und die redenden K\u00fcnste (Dichtkunst und die <em>\u201eBeredtsamkeit\u201c<\/em>, also die Kunst der Rede, die Rhetorik). Weiter wird differenziert in <em>\u201eeinfache u. zusammengesetzte\u201c<\/em> Kunst (Musik ist demnach eine zusammengesetzte Kunst, verbindet sie sich doch mit der <em>\u201elyrischen u. der dramatischen Poesie\u201c<\/em>), in <em>\u201eeine abh\u00e4ngige, untergeordnete Kunst\u201c<\/em> (wie die <em>\u201eGeberdenkunst\u201c<\/em>, die Schauspiel- oder Tanzkunst \u2013 es sei denn, diese k\u00f6nnen <em>\u201eeinen selbst\u00e4ndigen Werth in Anspruch nehmen\u201c<\/em>) und die <em>\u201eversch\u00f6nernde (decorative)\u201c <\/em>Kunst, die den Dingen eine \u201e<em>\u00e4sthetisch wohlgef\u00e4llige Zierde zu verleihen\u201c<\/em> haben \u2013 \u201e<em>unter diesem Gesichtspunkt mag man auch die sch\u00f6ne Fechtkunst u. die sch\u00f6ne Reitkunst mit unter die Sch\u00f6nen K\u00fcnste rechnen, w\u00e4hrend die sch\u00f6ne Gartenkunst unter Umst\u00e4nden der idealen Landschaftsmalerei sich n\u00e4hern kann\u201c<\/em> (Pierer 1862: 382). Man sieht: So wie jede Zeit ihre eigenen unz\u00e4hligen Gebrauchsweisen des Begriffs \u201aKunst\u2018 hat, so hat sie auch ihre eigenen autoritativen Sprachfestsetzungen und Kategorisierungen. Zur Unterscheidung von \u201asch\u00f6ner Kunst\u2018 und \u201amechanischer Kunst\u2018 siehe auch Gadamer 2012: 20 ff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><sup>40<\/sup> Hier zeigt sich eines der Kernprobleme bei Schm\u00fccker: Er differenziert nicht die verschiedenen Gebrauchsweisen des Begriffs \u201aKunst\u2018 (cf. die umfangreiche Differenzierung der Gebrauchsweisen vor allem in Kap. 4.3 ff.), stattdessen postuliert er f\u00fcr seine Zwecke<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>drei resp. zwei konventionelle lexikalische Grundbedeutungen des Begriffs \u201aKunst\u2018 im heutigen Sprachgebrauch. Von ihnen geht er aus. Und sucht sie letztlich auf <em>eine<\/em>, die \u201a\u00e4sthetische Kunst\u2018 zu reduzieren (die er sp\u00e4ter sogar noch auf das Artefakt, \u201adas Kunstwerk\u2018 als Kunst, zu reduzieren sucht). Dabei spricht er hier en passant von einer vierten und f\u00fcnften Gebrauchsweise des Begriffs (resp. Bedeutung), die er aber nicht als solche systematisch explizit ausweist. Stattdessen raunt er von einer omin\u00f6sen <em>\u201eartefaktbezeichnenden\u201c<\/em> und <em>\u201ehandlungskompetenzbezeichnenden <u>Kraft<\/u>\u201c<\/em> des Wortes \u201aKunst\u2018.<\/li>\n<li>Die drei von ihm postulierten Grundbedeutungen bewegen sich zun\u00e4chst allesamt auf der Makroebene sozialer Institutionen, die nicht intentionale kollektive Resultate individueller intentionaler Akte sind (da sind sich alle soziokulturellen Ph\u00e4nomene strukturell \u00e4hnlich), die vierte ist jedoch ist eine Gebrauchsweise des Begriffs \u201aKunst\u2018 auf der Mikroebene des individuellen Kunstschaffens, das wiederum dem Bereich singul\u00e4rer intentionaler Akte zugeh\u00f6rt. Die f\u00fcnfte bezeichnet eine handwerkliche Fertigkeit (Kunst des Malens vs. das Malen als Fertigkeit).<\/li>\n<li>Schm\u00fccker differenziert diesen kollektiv resultierenden (und im Zweifelsfall tempor\u00e4ren) <em>Bestand<\/em> von (\u00e4sthetischer) Kunst (als sozialer Institution) weder von der <em>Beschreibung<\/em> von etwas als Kunst noch von dem davon logisch unabh\u00e4ngigen Akt der <em>Zuschreibung<\/em> eines Artefaktes als Kunst.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er tut alles, um den Gebrauch des Begriffs \u201aKunst\u2018 in eine einzige Gebrauchsweise m\u00fcnden zu lassen, von der er als Gegenstand seiner Untersuchungen bereits ausgeht: \u201aKunst\u2018 als \u201a\u00e4sthetische Kunst\u2018. Eine zirkul\u00e4re Vorgehensweise.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><sup>41 <\/sup>Die Konsequenzen dieses Ph\u00e4nomens des steten Wandels sieht Schm\u00fccker:<br \/>\n<em>\u201eUm Anwendungsbedingungen f\u00fcr den Kunstbegriff vorzuschreiben, kommt die Kunst\u00e4sthetik daher immer schon zu sp\u00e4t. Wenn sie die bunte Vielfalt der Kunsterscheinungen in graue Theorie einzuholen sucht, haben sich die Erscheinungsformen der Kunst l\u00e4ngst potenziert. Wo sich die Kunst\u00e4sthetik darauf verlegt, der Verwendung des Kunstbegriffs aus eigenem Recht Grenzen zu setzen, missachtet sie deshalb str\u00e4flich ihre eigene Grenze\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 78). Dem kann ich nur zustimmen. Und mich fragen, warum sich Schm\u00fccker dann aber selber Grenzen setzt und str\u00e4flich seine Grenze missachtet, indem er unbedingt starre lexikalische Indikatoren etablieren will, die verbindlich und eindeutig anzeigen, wann von Kunst die Rede ist und wann nicht. Wenn aber alles stets im Fluss ist (und jeglicher Versuch einer wie auch immer gearteten normativen Festsetzung \u201adaher immer schon zu sp\u00e4t\u2018 kommen muss), ist es auch die lexikalisch indizierte Zuschreibung \u2013 bei K\u00fcnsten auf dem Weg zur \u00e4sthetischen Kunst wird sich im Moment des Wandels der Auffassung das Sprachgef\u00fchl melden und der von Schm\u00fccker gew\u00fcnschten eindeutigen Indikation den Garaus machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><sup>42 <\/sup>Auch das Problem erkennt Schm\u00fccker klar: cf. Schm\u00fccker 2014: 114 ff., besonders aber cf. Schm\u00fccker 2014: 163 ff. In seinem 2003 herausgegebenen Handbuch \u201aIdentit\u00e4t und Existenz, Studien zur Ontologie der Kunst\u2018 geht er zudem gezielt der Frage nach, in welcher Weise Kunstwerke existieren, wenn sie keine physischen Objekte sind. Denn nicht allein bei der Performance stellt sich die Frage, was als Kunstwerk aufgefasst werden soll. Schon bei der Opernarie stellt sie sich. Oder bei der Konzeptart, die im Extremfall gar keiner Umsetzung jeglicher Art bedarf. Oder bei der Kochkunst Arpad Dobribans oder Sonja Alh\u00e4users, die den Verzehr des Erschaffenen impliziert.<sup><\/sup><\/p>\n<p>43 Was wohl Schm\u00fccker zu diesem Satz sagen w\u00fcrde:<em> \u201aBeim Kochen handelt es sich nicht um eine Kunst wie das Theater.\u2018<\/em>? Der Begriff \u201aeine Kunst\u2018 verweist als indefiniter Gebrauch auf die mechanische Kunst. Durch die Negation \u201ahandelt sich nicht\u2018 wird die Angemessenheit dieser impliziten Aussage jedoch bestritten. Was aber nach Schm\u00fccker falsch w\u00e4re, denn laut seiner Interpretation handelt es sich beim \u201aKochen\u2018 um mechanische Kunst. Nur: Ganz offensichtlich wird mit diesem Satz aber <em>nicht<\/em> auf das referiert, was er mechanische Kunst nennt \u2013 es wird auf \u00e4sthetische Kunst referiert. Was seine Theorie der eindeutigen lexikalischen Indizierung falsifizieren w\u00fcrde. Damit dies nicht passiert, wird er behaupten m\u00fcssen: Der Satz ist nicht korrekt \u2013 er muss zwingend lauten: <em>\u201aBeim Kochen handelt es sich nicht um Kunst wie das Theater\u2018.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><sup><br \/>\n44<\/sup> In diesem Gedanke klingt durchaus etwas von der Art und Weise an, wie im Prozess der unsichtbaren Hand soziokulturelle Ph\u00e4nomene konstituiert werden. Nur reflektiert Schm\u00fccker diesen Gedanken nicht weiter, so dass ihm die grundlegende explikatorische Dimension dieses Ansatzes entgeht. Und damit der eigentliche Charakter des evaluativen Kunstbegriffs als etabliertes kollektives Resultat individueller intentionaler Zuschreibungen (Schm\u00fccker 2014: 116). V\u00f6llig zutreffend ist seine Einsicht, dass jeder Kunstbegriff, den sprachkompetente Sprecher einer nat\u00fcrlichen Sprache nutzen, auf Basis des <em>\u201elebensweltlichen Hintergrundwissens\u201c<\/em> und damit, bezogen auf andere Kulturen, notwendig perspektivisch, also <em>\u201enicht horizontindifferent\u201c<\/em> verwendet wird (Schm\u00fccker 2014: 118; cf. auch Kap. 2.7). Wenn ich einen Kunstbegriff als deskriptiv oder evaluativ identifiziere, so greife ich laut Schm\u00fccker auf dieses gemeinsame Hintergrundwissen zur\u00fcck, das er <em>\u201edas intersubjektive Kunstverst\u00e4ndnis dieser Sprachgemeinschaft\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 118) nennt. Nur behauptet er lediglich , <em>dass<\/em> es dieses Kunstverst\u00e4ndnis, diese Gebrauchsweise des Begriffs und das gemeinsame Hintergrundwissen gibt, er erkl\u00e4rt aber nicht systematisch, <em>wie<\/em> es dazu kommen kann (cf. Kap. 2 ff.). So sieht er zwar das <em>\u201eintentionalistische Missverst\u00e4ndnis\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 116) der sprachanalytischen Kunst\u00e4sthetik, erkennt aber nicht seinen wahren Grund: der liegt eben im Mangel an explikativer Kraft (dieses Defizit wird durch die Arbeiten von H.P.Grice und Rudi Keller aufgearbeitet [cf. Kap. 2 ff.]).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><sup>45<\/sup> <em>\u201eWir gebrauchen eine Regel, ohne sie explizieren zu k\u00f6nnen\u201c<\/em> (Kennick 1958: 322; cf. Keller 2018b). Wenn wir von sprachlichen <em>Regeln<\/em> sprechen, d\u00fcrfen wir nicht der naheliegenden Versuchung erliegen, sie wie mathematische <em>Regeln<\/em> zu betrachten \u2013 da schl\u00e4gt uns die Sprache mal wieder ein Schnippchen. Mathematische Regeln gelten, vorausgesetzt, sie erweisen sie nicht als falsch, nach menschlichem Ermessen generell und bis in alle Ewigkeit. Sprachliche Regeln hingegen konstituieren und wandeln sich in einem Prozess der unsichtbaren Hand \u2013 selbst wenn diese Regeln \u00fcber Jahrhunderte oder Jahrtausende Bestand haben sollten: sie sind prinzipiell fluid und damit von tempor\u00e4rer G\u00fcltigkeit. Mathematische Regeln lerne ich und wende sie an. Sprachliche Regeln meiner Muttersprache erlerne ich im individuellen Gebrauch. Genauer gesagt: Im Sprachvollzug, dem intersubjektiv vermittelten Gebrauch, werden die sprachlichen Regeln immer wieder neu konstituiert. Sie bestehen nicht als eine obskure Eigenschaft au\u00dferhalb des Gebrauchs, sondern sind immer nur im Gebrauch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><sup>46<\/sup> Zu jedem beliebigen Zeitpunkt, an dem die Frage gestellt wird, findet der Gebrauch des Begriffs \u201aKunst\u2018 auf Basis der aktual etablierten Gebrauchsweise in einer bestimmten Gruppe (wie gro\u00df sie auch immer sein mag) in einer bestimmten Gesellschaft und Kultur statt. Mit der Gebrauchsweise (ergo den Regeln des Gebrauchs, mithin der Bedeutung) geht das Verst\u00e4ndnis des Begriffs einher. Man stellt diese Grundsatzfrage also grunds\u00e4tzlich aus der Perspektive eines bestimmten episodalen Ereignisses, ja sogar grunds\u00e4tzlich aus der Perspektive einer individuellen Interpretation dieses episodalen Ereignisses, die niemals v\u00f6llig mit der \u201aetablierten\u2018 Sicht \u00fcbereinstimmt. Ein Umstand, um den man vielleicht wei\u00df, den man aber gerne, bewusst oder unbewusst, gezielt oder nicht, au\u00dfer acht l\u00e4sst. Gebrauchsweise, Bedeutung und Verst\u00e4ndnis der Begriffe, auch des Begriffs der \u201aKunst\u2018, wandeln sich stets und st\u00e4ndig. Zu jedem Zeitpunkt im Kontinuum ist die Gebrauchsweise also eine etwas andere (auch wenn uns das nicht bewusst ist und wird). Deshalb stellen wir die Frage <em>\u201aWas ist Kunst?\u2018<\/em>, auch wenn wir dabei stets das gleiche Wort \u201aKunst\u2018 verwenden, immer von einer leicht ver\u00e4nderten Warte einer etablierten Gebrauchsweise aus, von der wiederum meine individuelle Interpretation, wenn vielleicht auch nur minimal, abweicht. Doch wonach fragen wir mit dieser Frage? Wir imaginieren eine allgemein gegebene, sowohl generationen- als auch gesellschafts- und kultur\u00fcbergreifende Form \u201ak\u00fcnstlerischen\u2018 Schaffens, die wir mit dem Begriff \u201aKunst\u2018 bezeichnen. Und fragen von der Warte eines fluiden Gebrauchs und Verst\u00e4ndnisses aus nach etwas, was allen Kunstwerken, unabh\u00e4ngig vom jeweiligen Verst\u00e4ndnis, von Zeitalter, Kultur, Gesellschaft oder medialer Form der Umsetzung vermeintlich innewohnt: ihrer <em>essentia<\/em>. Aus dieser philosophiehistorischen Verstrickung will sich Schm\u00fccker herauswinden und spricht statt von der <em>essentia<\/em> nur von der essentialistischen Pr\u00e4misse, <em>\u201eda\u00df von Kunst <u>als solcher<\/u> sinnvoll die Rede sein kann\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 81). Die Rede von der \u201aKunst als solcher\u2018 unterstellt damit ein obskures <em>\u201ephilosophisches Wesen der Kunst\u201c <\/em>(ebd: 81), das <em>\u201eden semantischen Gehalt des Kunstbegriffs erfragt\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 163) und die Theorie der Kunst\u00e4sthetik als eine <em>\u201eTheorie \u00fcber die Bedeutung des Kunstbegriffs\u201c<\/em> (ebd: 163) definiert. Von dem wir, so Schm\u00fccker, intuitive Kenntnis haben, weil wir durch <em>\u201edas intersubjektive Kunstverst\u00e4ndnis\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 118) glauben, \u201aKunst\u2018 als Kunst <em>erkennen<\/em> zu k\u00f6nnen \u2013 es ist uns Ma\u00dfstab der Evaluation. Der Kunst\u00e4sthet muss nun mit der Beantwortung der Frage, <em>\u201e(w)arum ist das, was Kunst ist, Kunst?\u201c<\/em> (Schm\u00fccker 2014: 80) entbergen, was verborgen ist, explizieren, was wir implizit wissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Essays<\/strong> von Stefan Oehm, KUNO 2019<\/p>\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=44288&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 size-266x266 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/KUNO-e1505588144923.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"150\"><\/a>Die <i>Essays <\/i>von Stefan Oehm sind eine Reihe von Versuchsanordnungen, undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen. Er betrachtet diese Art des Textens als Medium und Movens der Reflektion in einer Zeit, die einem bekannten Diktum zufolge ohne verbindliche Meta-Erz\u00e4hlungen auskommt. Der Essay ist ein Forum des Denkens nach der gro\u00dfen Theorie und schon gar nach den gro\u00dfen Ideologien und Antagonismen, die das letzte Jahrhundert beherrscht haben. Auf die offene Form, die der Essayist bespielen muss, damit dieser immer wieder neu entstehende \u201eintegrale Prozesscharakter von Denken und Schreiben\u201c auf der \u201eB\u00fchne der Schrift\u201c in Gang gesetzt werden kann, verweist der Literaturwissenschaftler Christian Sch\u00e4rf. Im Essay geht die abstrakte Reflexion mit der einnehmenden Anekdote einher, er spricht von Gef\u00fchlen ebenso wie von Fakten, er ist erhellend und zugleich erhebend. Daher verliehen wir Stefan Oehm den KUNO-Essaypreis 2018.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Literatur:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bahlmann, Katharina (2015): Arthur C. Danto und das Phantasma vom \u201aEnde der Kunst\u2018\u201c, Paderborn: Wilhelm Fink Verlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Barthes, Roland (1968\/2016): Der Tod des Autors. In: Fotis Jannidis u.a. (Hrsg.), Texte zur Theorie der Autorschaft, Stuttgart: Reclam Verlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bluhm, Roland\/Reinold Schm\u00fccker (Hrsg.) (<sup>4<\/sup>2017): Kunst und Kunstbegriff. Der Streit um die Grundlagen der \u00c4sthetik, M\u00fcnster: mentis Verlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Derrida, Jacques (1976): Die diff\u00e9rance, in: Randg\u00e4nge der Philosophie, Ullstein Verlag, Frankfurt a.M., Berlin, Wien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Derrida, Jacques (2013): Brief an einen japanischen Freund, in: Psyche. Erfindungen des Anderen II, Passagen Verlag, Wien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eco, Umberto (1990): Zwischen Autor und Text. In: Fotis Jannidis u.a. (Hrsg.), Texte zur Theorie der Autorschaft, Stuttgart: Reclam Verlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Elias, Norbert (1976): \u00dcber den Prozess der Zivilisation, Zweiter Band, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ferguson, Adam (1767\/1904): An Essay on the History of Civil Society, Edinburgh.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fla\u00dfp\u00f6hler, Svenja (2018): Derrida und die Dekonstruktion, Artikel in: philosophie magazin, 03\/2018<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fromm, Erich (1990\/2016): Die Furcht vor der Freiheit, M\u00fcnchen: Deutscher Taschenbuch Verlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gadamer, Hans-Georg (1975): Wahrheit und Methode, T\u00fcbingen: J.C.B. Mohr<br \/>\nGadamer, Hans-Georg (1978): Zur Einf\u00fchrung, in: Martin Heidegger, Der Ursprung des Kunstwerks, Stuttgart: Reclam Verlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gadamer, Hans-Georg (2012): Die Aktualit\u00e4t des Sch\u00f6nen, Stuttgart: Reclam Verlag.<br \/>\nGoethe, Johann Wolfgang (1979): Faust, M\u00fcnchen: Deutscher Taschenbuch Verlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Grice, Herbert Paul (1979): Intendieren, Meinen, Bedeuten. in: Georg Meggle (Hrsg.), Handlung Kommunikation Bedeutung, Frankfurt a.M.: Verlag Suhrkamp.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Grice, Herbert Paul (1979): Sprecher-Bedeutung, Satz-Bedeutung, Wort-Bedeutung. in: Georg Meggle (Hrsg.), Handlung Kommunikation Bedeutung, Frankfurt a.M.: Verlag Suhrkamp.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Grice, Herbert Paul (1979): Sprecher-Bedeutung und Intentionen. in: Georg Meggle (Hrsg.), Handlung Kommunikation Bedeutung, Frankfurt a.M.: Verlag Suhrkamp.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hank, Rainer (2017): Gemeinwohl, Artikel in: F.A.S. 24. Dezember 2017.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hayek, Friedrich August von (1969): Freiburger Studien, in: Gesammelte Aufs\u00e4tze, Hayek, Friedrich August von (1983): Die \u00fcbersch\u00e4tzte Vernunft, in: Evolution und Menschenbild, Hrsg. Rupert Riedl\/Franz Kreuzer, Hamburg: Verlag Hoffmann und Campe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heidegger, Martin (1978): Der Ursprung des Kunstwerks, Stuttgart: Reclam Verlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heidegger, Martin\/Wisser, Richard (1988): Martin Heidegger im Gespr\u00e4ch mit Richard Wisser, in: G\u00fcnther Neske\/Emil Kettering (Hrsg.), Antwort. Martin Heidegger im Gespr\u00e4ch, Pfullingen: Verlag G\u00fcnther Neske.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heidegger, Martin (2000): Die Frage nach der Technik, in: Martin Heidegger: Vortr\u00e4ge und Aufs\u00e4tze, Frankfurt a.M.: Verlag Vittorio Klostermann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heidegger, Martin (2003): Holzwege, Frankfurt a.M.: Verlag Vittorio Klostermann.<br \/>\nHorkheimer, Max\/Adorno, Theodor W. (1980): Begriff der Aufkl\u00e4rung, in: Dialektik der Aufkl\u00e4rung, Frankfurt a.M.: S. Fischer Verlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Horkheimer, Max\/Adorno, Theodor W. (1980): Kulturindustrie. Aufkl\u00e4rung als Massenbetrug, in: Dialektik der Aufkl\u00e4rung, Frankfurt a.M.: S. Fischer Verlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Humboldt, Wilhelm von (2008): Schriften zur Sprache, Frankfurt a.M.: Zweitausendeins.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Husserl, Edmund (2012): Die Krisis der europ\u00e4ischen Wissenschaften und die transzendentale Ph\u00e4nomenologie, Hamburg: Felix Meiner Verlag<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Keller, Rudi (2018a): Zeichentheorie, T\u00fcbingen: UTB\/A. Francke Verlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Keller, Rudi (2018b): Gl\u00fcck, (unver\u00f6ffentlichtes Manuskript).<br \/>\nKeller, Rudi (<sup>4<\/sup>2014): Sprachwandel, T\u00fcbingen: A. Francke Verlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kennick, William E. (1958): Does Traditional Aesthetics Rest on a Mistake? In: Mind 67, Oxford University Press.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kettler, David\/Meja, Volker\/ Stehr, Nico: Vorwort der Herausgeber. in Mannheim, Karl (1980): Strukturen des Denkens, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Klemperer, Victor (2015): LTI Notizbuch eines Philologen, Stuttgart: Reclam<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liedtke, Frank (2016): Moderne Pragmatik, T\u00fcbingen: Narr Francke Attempto Verlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">L\u00fcdeking, Karlheinz (1998\/1988): Analytische Philosophie der Kunst, M\u00fcnchen: UTB\/Wilhelm Fink Verlag.<br \/>\nMandeville, Bernard de (2012): Die Bienenfabel, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag.<br \/>\nMannheim, Karl (1980): Strukturen des Denkens, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag.<br \/>\nNiedermeier, Silvan (2014): Rassismus und B\u00fcrgerrechte: Polizeifolter im S\u00fcden der USA, Hamburg: Hamburger Edition HIS Verlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Peirce, Charles S. (2000): Semiotische Schriften, Bd.1, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pierer, Eugen (Hrsg.) (1862): Pierer\u2018s Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit, Bd. 15 (4. Auflage 1857 \u2013 1865) Altenburg 1862, Verlagsbuchhandlung H. A. Pierer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Platon (1980): S\u00e4mtliche Werke 2, Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Plauen, Michael\/Welzer, Harald (2015): Autonomie, Frankfurt a.M.: S. Fischer Verlag<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rorty, Richard (2017): Der Spiegel der Natur, 8. Auflage, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rauterberg, Hanno (2017): Tanz der Tugendw\u00e4chter, Artikel in: DIE ZEIT. 27. Juli 2017.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Riedel, Manfred (1990): H\u00f6ren auf die Sprache, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">R\u00fcschemeyer, Georg (2017): Was macht mit mir nur dieses D-Dur?, Artikel in: F.A.S. 24. Dezember 2017.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">de Saussure, Ferdinand (1967): Grundlagen der allgemeinen Sprachwissenschaften, Berlin: Walter de Gruyter<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schm\u00fccker, Reinhold (<sup>4<\/sup>2017) (Hrsg.): Kunst und Kunstbegriff, Studien zur Ontologie der Kunst, Paderborn: Mentis Verlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schm\u00fccker, Reinold (<sup>2<\/sup>2014): Was ist Kunst? Eine Grundlegung, 2. Auflage, Frankfurt a.M.: Verlag Vittorio Klostermann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Siemons, Mark (2018): Wille zu Welt, Artikel in F.A.S. 28. Januar 2018.<br \/>\nSmith, Adam (1978): Der Wohlstand der Nationen, M\u00fcnchen: Deutscher Taschenbuch Verlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Staun, Harald (2018): Die Ideologie der Digitalisierung, Artikel in: F.A.S. 25. M\u00e4rz 2018.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tugendhat, Ernst (1979): Vorlesungen zur Einf\u00fchrung in die sprachanalytische Philosophie, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag.<br \/>\nWindelband\/ Heimsoeth (1976): Lehrbuch der Geschichte der Philosophie, T\u00fcbingen: J.C.B.Mohr (Paul Siebeck) Verlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wittgenstein, Ludwig (1977): Philosophische Untersuchungen, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Internetquellen:<br \/>\nAlh\u00e4user, Sonja: http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/kuenstlerin-sonja-alhaeuser-kunst-geniessen-141194.html<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutscher, Guy (04.04.2012): Dem Gef\u00e4ngnis der Sprache entfliehen, online unter:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/sprachwissenschaft-dem-gefaengnis-der-sprache-entfliehen\/6473176.html<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dobriban, Arpad: www.arpad-dobriban.de<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ebner, Florian (2015) http:\/\/archiv.deutscher-pavillon.org\/2015\/<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Informations-Seiten zum <strong>N<\/strong>euen <strong>K<\/strong>ommunalen <strong>R<\/strong>echnungswesen <strong>S<\/strong>chleswig-<strong>H<\/strong>olstein <a href=\"http:\/\/www.nkr-sh.de\/bilanz\/?we_objectID=253\">http:\/\/www.nkr-sh.de\/bilanz\/?we_objectID=253<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hamilton, George Heard\/Hamilton, Richard (1959): Interview mit Marcel Duchamp, online unter: https:\/\/www.artspace.com\/magazine\/art_101\/qa\/a-1959-interview-with-marcel-duchamp-the-fallacy-of-art-history-and-the-death-of-art-55274<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lammert, Norbert (24.06.2016): Brauchen wir eine Leitkultur?, online unter: https:\/\/blog.klassik-stiftung.de\/norbert-lammert-leitkultur\/<br \/>\nLingner, Michael (1983): Philosophische Zug\u00e4nge zur bildenden Kunst nach 1945, Vortrag an der Akademie der Bildenden K\u00fcnste M\u00fcnchen, online unter: https:\/\/archiv.ask23.de\/draft\/archiv\/ml_publikationen\/kt85-1.html<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Maizi\u00e8re, Thomas de (30.04.2017): &#8222;Wir sind nicht Burka&#8220;: Innenminister will deutsche Leitkultur, online unter: http:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2017-04\/thomas-demaiziere-innenminister-leitkultur\/seite-2<br \/>\nMartus, Steffen (08.02.2017): Germanistik in der Krise? Der eierlegende Wollmilchgermanist wird dringend gesucht, online unter: http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/forschung-und-lehre\/germanistik-in-der-krise-der-eierlegende-wollmilchgermanist-wird-dringend-gesucht-14865806-p3.html (Stand 14.07.2017)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weitz, Morris (1956; Download 05.02.2014): The Role of Theory in Aesthetics, in: The Journal of Aesthetics and Art Criticism, Vol. 15, No. 1; online unter:&nbsp; http:\/\/www.jstor.org\/stable\/427491?origin=JSTOR-pdf&amp;seq=1#page_scan_tab_contents<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">NKR-SH (2018): Informations-Seiten zum <strong>N<\/strong>euen <strong>K<\/strong>ommunalen <strong>R<\/strong>echnungswesen <strong>S<\/strong>chleswig-<strong>H<\/strong>olstein; abgerufen am 22.03.2018, online unter http:\/\/www.nkr-sh.de\/bilanz\/?we_objectID=253<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pierer, Eugen (Hrsg.) (1862): Pierer\u2018s Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit, Bd. 15 (4. Auflage 1857 \u2013 1865), online unter: <a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Pierer-1857\/A\/Sch\u00f6ne+Kunst\">http:\/\/www.zeno.org\/Pierer-1857\/A\/Sch\u00f6ne+Kunst<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ranci\u00e8re, Jacques (20.11.2013): im Gespr\u00e4ch mit Stephan Karkowsky<br \/>\nhttp:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/geistesgeschichte-wie-kunst-als-kunst-definiert-wird.954.de.html?dram:article_id=269579<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selldorf, Philipp (13.01.2018): Eine Liga vermisst die Spielkunst, online unter: www.sueddeutsche.de\/sport\/bundesliga-eine-liga-vermisst-die-spielkunst-1.3823755-2<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEin tausendmal gelesenes Buch \u2013 das sind tausend verschiedene B\u00fccher.\u201c Andrej Tarkowskij: Von der Verantwortung des K\u00fcnstlers, 1967 \u201eErst durch die Handlung des Betrachters entsteht ein Werk.\u201c Franz Erhard Walther &nbsp; 4.5 Kunst in der Alltagssprache: Redewendungen Alltagssprachliche Verwendung findet&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/05\/10\/worueber-reden-wir-wenn-wir-ueber-kunst-reden-teil-3\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":56052,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2074],"class_list":["post-50359","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-stefan-oehm"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50359","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/169"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=50359"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50359\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=50359"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=50359"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=50359"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}