{"id":49548,"date":"2021-07-28T00:01:00","date_gmt":"2021-07-27T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=49548"},"modified":"2022-02-21T13:05:49","modified_gmt":"2022-02-21T12:05:49","slug":"reise","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/07\/28\/reise\/","title":{"rendered":"REISE"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ich besteige mit einer freundin auf einer wendeltreppe einen turm. pl\u00f6tzlich verschwinden die turmmauern und wir h\u00e4ngen au\u00dfen an einem schornstein, der unendlich weit in die nacht hineinragt. w\u00e4hrend wir weiter hinauf steigen, erkl\u00e4rt mir die freundin die architektur und bauweise des schornsteins sowie die sternbilder, die wir am himmel \u00fcber uns sehen. ich klage bald \u00fcber den schwierigen aufstieg. sie aber will nicht umkehren. und erst mein argument, wir w\u00fcrden ja nicht einmal das ziel sehen, \u00fcberzeugt sie. wir steigen wieder hinab, ich voran, denn ich bin unter ihr. unvermittelt h\u00e4ngt sie mir von hinten ein schild um, worauf steht: \u00bbhiermit bekenne ich, da\u00df ich zu \u00fcberhaupt nichts tauge und im zweifelsfall auf die architektin zu h\u00f6ren habe.\u00ab inzwischen sind wir unten angekommen. sie gibt mir ihre autoschl\u00fcssel und ich mu\u00df fahren. sie setzt sich mit demonstrativ gleichg\u00fcltigem gesicht neben mich, wie wenn sie sagen wollte: jetzt ist mir alles egal. meinetwegen fahr zur h\u00f6lle. doch das autofahren gelingt mir \u00fcberraschend gut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">wir gleiten nachts \u00fcber beleuchtete stra\u00dfen und suchen ein restaurant. es ist der vorabend des ersten mai, also walpurgisnacht. vor einigen lokalen stehen menschen und halten geldscheine in die luft. wer f\u00fcr wert befunden wird, darf eintreten. wir fahren daran vorbei und steigen erst vor einem hotel aus. an der rezeption erfahren wir, da\u00df wir uns auf einem schiff befinden und nicht nur essen, sondern sogar mitfahren k\u00f6nnen. das ablegen stehe unmittelbar bevor. ich z\u00f6gere, die freundin aber entscheidet, da\u00df wir bleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">sie bezahlt, und ich fahre das auto in die schiffsgarage. wir werden zu einem tisch gef\u00fchrt und bekommen sofort krabbensalat serviert, den wir eher widerwillig essen, w\u00e4hrend drau\u00dfen hell erleuchtet die elbauen vor\u00fcberfahren. im fernseher neben der bar wird der beginn des ersten weltkriegs gemeldet. der restaurantchef l\u00e4uft aufgeregt umher und sagt jedem gast, dem er begegnet, er k\u00f6nne nichts daf\u00fcr. einige der passagiere tragen nun uniformen und kriegsausr\u00fcstungen, die verteilt werden. ich weigere mich, so etwas anzuziehen, und beginne statt dessen mein kriegstagebuch. die freundin ist momentan verschwunden. ein offizier erkl\u00e4rt mir, ich h\u00e4tte keine sonderrechte und sei keineswegs vom krieg befreit, fordert eine patriotische geste von mir und droht mir, mich dem milit\u00e4rgericht zu melden, k\u00fcmmert sich dann jedoch nicht weiter um mich. die freundin kommt zur\u00fcck und geleitet mich in die lader\u00e4ume, wo wir uns hinter containern verstecken, wobei sie ihre schulter gegen meine lehnt und ich sie umarme. so fahren wir ins ungewisse.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Traumnotate<\/strong> von Holger Benkel, KUNO, 2021<\/p>\n<div style=\"width: 186px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Goya.jpg\" alt=\"\" width=\"176\" height=\"266\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Radierung von Francisco de Goya<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage nach der besonderen Kompetenz der Dichter f\u00fcr die Sprache und die Botschaft der Tr\u00e4ume wurde durch Siegmund Freud fundamental neu gestellt. Im 21. Jahrhundert ist die Akzeptanz des Tr\u00e4umens und des Tagtr\u00e4umens weitaus gr\u00f6\u00dfer als noch vor hundert Jahren. Tr\u00e4umen wird nicht mehr nur den Schamanen oder Dichter-Sehern, als bedeutsam zugemessen, sondern praktisch jedermann. Gleichwohl wird den Dichtern noch immer eine &#8218;eigene&#8216; Kompetenz auf dem Gebiet des Traums zugesprochen &#8211; Freud sah sie sogar als seine Gew\u00e4hrsm\u00e4nner an, mit Modellanalysen versuchte er diese Kompetenz zu best\u00e4tigen. Die <em>Traumnotate<\/em> von Holger Benkel sind von \u00fcbern\u00e4chtigter, schillernd scharfkantiger Komplexit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Weiterf\u00fchrend <\/b><b>\u2192<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29373\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> ergr\u00fcndeln Holger Benkel und A.J. Weigoni das Wesen der Poesie &#8211; und ihr allm\u00e4hliches Verschwinden. Das erste Kollegengespr\u00e4ch zwischen Holger Benkel und Weigoni finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29373\">hier<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gedanken, die um Ecken biegen<\/strong>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=10304\">Aphorismen<\/a> von Holger Benkel, Edition Das Labor, M\u00fclheim 2013<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Essays<\/b> von Holger Benkel, Edition Das Labor 2014 \u2013 Einen Hinweis auf die in der Edition Das Labor erschienen Essays finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21478\">hier<\/a>.\u00a0Auf KUNO portr\u00e4tierte Holger Benkel die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=11282\">Br\u00fcder Grimm<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6837\">Ulrich Bergmann<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=11284\">A.J. Weigoni<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=11279\">Uwe Albert<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15175\">Andr\u00e9 Schinkel<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15177\">Birgitt Lieberwirth<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15179\">Sabine Kunz<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Seelenland<\/b>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29369\">Gedichte<\/a> von Holger Benkel<b> <\/b>, Edition Das Labor 2015<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; ich besteige mit einer freundin auf einer wendeltreppe einen turm. pl\u00f6tzlich verschwinden die turmmauern und wir h\u00e4ngen au\u00dfen an einem schornstein, der unendlich weit in die nacht hineinragt. w\u00e4hrend wir weiter hinauf steigen, erkl\u00e4rt mir die freundin die architektur&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/07\/28\/reise\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":36,"featured_media":97946,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[94],"class_list":["post-49548","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-holger-benkel"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/49548","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/36"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=49548"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/49548\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":99167,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/49548\/revisions\/99167"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97946"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=49548"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=49548"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=49548"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}