{"id":49533,"date":"2023-11-16T00:01:00","date_gmt":"2023-11-15T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=49533"},"modified":"2022-02-26T09:27:39","modified_gmt":"2022-02-26T08:27:39","slug":"totenseelen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/11\/16\/totenseelen\/","title":{"rendered":"TOTENSEELEN"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ich laufe durch die stra\u00dfen einer mir fremden stadt und werde verfolgt. in einem zug vermummter menschen, die totenmasken tragen, kann ich untertauchen. pl\u00f6tzlich umschlie\u00dft mich ein grabgew\u00f6lbe, durch das ich \u00fcber endlose g\u00e4nge und wendeltreppen gehe, w\u00e4hrend ich hinter mir ein schweres atmen h\u00f6re, das ich totenseelen zuordne. der gruftgeruch ruft mir den hauch des todes ins ged\u00e4chtnis, den ich beim tod meiner uroma empfand, die starb, als ich f\u00fcnf jahre alt war, und deren weitere existenz ich mir zwischen kalten mauern unter der erde vorstellte. entlang des weges sehe ich im d\u00e4mmerlicht litfa\u00dfs\u00e4ulen mit plakaten frisierter totenk\u00f6pfe, der eine gestylter als der andere und alle verschiedenfarbig. einige der leibhaftigen toten klammern sich an meinem r\u00fccken fest und berichten mir ihre s\u00fcnden, wobei ich erfahre, da\u00df schwerverwundete eines krieges auf ihrem jenseitspfad darunter seien, die noch zu \u00fcberleben hoffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ich verliere, umgeben von zitternden und klagenden stimmen toter und halbtoter, in den dunklen g\u00e4ngen, die ich unabl\u00e4ssig durchquere, jeden \u00fcberblick und finde einzig am gestein halt, an dem sich meine h\u00e4nde entlangtasten. ich erreiche einen abgrund, drehe mich um und erkl\u00e4re den versammelten, die sich an mich dr\u00e4ngen, dies sei das ende und es g\u00e4be keinen ausweg mehr. als ich erwache, sitzt einer der toten mit wolfskopf und eingefallenem gesicht auf meiner bettkante und sagt: \u00bbdas hast du nun davon, wenn du dich wiederbelebst.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Traumnotate<\/strong> von Holger Benkel, KUNO, 2023<\/p>\n<div style=\"width: 186px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Goya.jpg\" alt=\"\" width=\"176\" height=\"266\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Radierung von Francisco de Goya<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage nach der besonderen Kompetenz der Dichter f\u00fcr die Sprache und die Botschaft der Tr\u00e4ume wurde durch Siegmund Freud fundamental neu gestellt. Im 21. Jahrhundert ist die Akzeptanz des Tr\u00e4umens und des Tagtr\u00e4umens weitaus gr\u00f6\u00dfer als noch vor hundert Jahren. Tr\u00e4umen wird nicht mehr nur den Schamanen oder Dichter-Sehern, als bedeutsam zugemessen, sondern praktisch jedermann. Gleichwohl wird den Dichtern noch immer eine &#8218;eigene&#8216; Kompetenz auf dem Gebiet des Traums zugesprochen &#8211; Freud sah sie sogar als seine Gew\u00e4hrsm\u00e4nner an, mit Modellanalysen versuchte er diese Kompetenz zu best\u00e4tigen. Die <em>Traumnotate<\/em> von Holger Benkel sind von \u00fcbern\u00e4chtigter, schillernd scharfkantiger Komplexit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Weiterf\u00fchrend <\/b><b>\u2192<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29373\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> ergr\u00fcndeln Holger Benkel und A.J. Weigoni das Wesen der Poesie &#8211; und ihr allm\u00e4hliches Verschwinden. Das erste Kollegengespr\u00e4ch zwischen Holger Benkel und Weigoni finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29373\">hier<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gedanken, die um Ecken biegen<\/strong>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=10304\">Aphorismen<\/a> von Holger Benkel, Edition Das Labor, M\u00fclheim 2013<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Essays<\/b> von Holger Benkel, Edition Das Labor 2014 \u2013 Einen Hinweis auf die in der Edition Das Labor erschienen Essays finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21478\">hier<\/a>.\u00a0Auf KUNO portr\u00e4tierte Holger Benkel die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=11282\">Br\u00fcder Grimm<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6837\">Ulrich Bergmann<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=11284\">A.J. Weigoni<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=11279\">Uwe Albert<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15175\">Andr\u00e9 Schinkel<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15177\">Birgitt Lieberwirth<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15179\">Sabine Kunz<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Seelenland<\/b>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29369\">Gedichte<\/a> von Holger Benkel<b> <\/b>, Edition Das Labor 2015<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; ich laufe durch die stra\u00dfen einer mir fremden stadt und werde verfolgt. in einem zug vermummter menschen, die totenmasken tragen, kann ich untertauchen. pl\u00f6tzlich umschlie\u00dft mich ein grabgew\u00f6lbe, durch das ich \u00fcber endlose g\u00e4nge und wendeltreppen gehe, w\u00e4hrend ich&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/11\/16\/totenseelen\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":36,"featured_media":97946,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[94],"class_list":["post-49533","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-holger-benkel"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/49533","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/36"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=49533"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/49533\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":100805,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/49533\/revisions\/100805"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97946"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=49533"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=49533"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=49533"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}