{"id":49083,"date":"2021-04-12T00:01:32","date_gmt":"2021-04-11T22:01:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=49083"},"modified":"2021-04-30T05:40:36","modified_gmt":"2021-04-30T03:40:36","slug":"marion","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/04\/12\/marion\/","title":{"rendered":"Vielf\u00e4ltige Stimmungsm\u00f6glichkeiten"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Schauspielerin Marion Haberstroh gibt der Sprache den Wohlklang zur\u00fcck. Ihr Ziel ist es, die menschliche Stimme als ein universelles Instrument zu pr\u00e4sentieren und dem Geschmack der Worte auf die Spur zu kommen. Sie kam von der B\u00fchne und fand im H\u00f6rspiel ihre Bestimmung, um mit ihrer Stimme die vielf\u00e4ltigen Stimmungsm\u00f6glichkeiten auszuloten. Seit dieser Zeit ist sie auf dem Weg ihre eigene Stimme zu entdecken, immer weiter und weiter, soweit, das sie die R\u00e4ume in sich bis zum Grunde des Meeres und fast zur Spitze des Universums mit Atem und Stimme f\u00fcllen kann. Das geschriebene Wort erkennt sie in seiner Struktur der Lautfolge. Sie ertastet die Worte mit der Zunge und lauscht ihrem Klang, der H\u00f6rer ist auf alles gefasst und erweitert damit seinen inneren Horizont. Jeder Laut m\u00f6chte ausgesprochen werden und durch die Verbindungen entsteht die Magie der Semantik. Sie braucht nicht zu denken sondern nur den Lauten zu folgen, voller Respekt und schon ist eine Geschichte erz\u00e4hlt und im Geist des Zuh\u00f6rers entstehen die Bilder. In Aufnahme und Schnitt von Tonmeister T\u00e4ger vermeint man etwas seltenes zu vernehmen: Ein Kunstwerk, das atmet.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Die menschliche Stimme als universelles Instrument<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/MarionHaberstroh.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-14029\" title=\"MarionHaberstroh\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/MarionHaberstroh-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/MarionHaberstroh-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/MarionHaberstroh-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Man h\u00f6rt in der <em>Wortspielhalle<\/em> einen hochkulturaffinen Kunstwillen, der un\u00fcberh\u00f6rbar in dieser Sprechpartitur steckt, aber eben auch eine Verspieltheit, die sich aus bunter Alltagskultur, aus Comics und Filmzitaten speist. Auf wundersame Weise pa\u00dft alles zusammen, rhythmisch wie atmosph\u00e4risch. Hier findet keine experimentelle Textzertr\u00fcmmerung statt, diese Poesie spiegelt eine fragmentarische Gesellschaft, diese Artisten \u00f6ffnen den Blick auf die Gegenwart. Nicht nur die Literatur bedarf der Befreiung durch den Sprachwitz, mehr noch der H\u00f6rer. Und manchmal steckt eine solche Subversion in einem Diminutiv, gelegentlich in einem dialektalen Wispern. Auch wenn es zwitschert und zirpt, man h\u00f6rt nie einen Eklektizismus heraus. Aus Fragmenten haben Weigoni und Haberstroh ein koh\u00e4rentes Ganzes geschaffen, getragen von Rhythmen, die einen ganz eigenen Sog entwickeln. Alles erscheint stringent an diesem in seiner Poesie gro\u00dfartig schillernden Projekt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Sexualit\u00e4t ist das stille Einverst\u00e4ndnis, dass wir sterben m\u00fcssen<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend sich in <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/taeger\/unbehaust01.htm\">Unbehaust I<\/a> die Frage nach dem Tod stellt, befragt <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/taeger\/unbehaust02.htm\">Unbehaust II<\/a> das Leben; das eigene und die Verantwortung f\u00fcr ein Werdendes. Unsere Hingabe an die Sexualit\u00e4t ist Hingabe an unseren K\u00f6rper. Sexualit\u00e4t ist das stille Einverst\u00e4ndnis, dass wir sterben m\u00fcssen. Da aber gerade in diesem Moment zwei Menschen eins werden und ein neues Leben entstehen kann, fallen Leben und Tod in der Liebe zusammen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/taeger\/unbehaust02.htm\">Unbehaust II<\/a> begleitet der Komponist Frank Michaelis die Schauspielerin Marion Haberstroh auf einer Introspektion. Die klanglichen Improvisationen spiegeln die Verunsicherungen der dargestellten Figur. Es ist eine elektronische Komposition von\u00a0geringer harmonischer\u00a0Komplexit\u00e4t, die sich im Rahmen einer modalem Tonalit\u00e4t bewegt und Dissonanzen\u00a0sparsam verwendet. Das polyrythmische\u00a0Element ist repetetiv. Michaelis verwendet ein einfaches Grundmuster und variiert st\u00e4ndig mit leichten Variationen. Die entspricht dem Um-Sich-Kreisen der Figur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter dem Stichwort Monolog (griechisch: monologos, &#8222;allein redend&#8220;, &#8222;mit sich redend&#8220;) findet sich im Nachschlagewerk folgende Anmerkung: &#8222;In der antiken Tradition gewann der Monolog vor allem mit dem Zur\u00fccktreten des Chors an Bedeutung.&#8220; Dauert das Zur\u00fccktreten des Chors im 21. Jahrhundert noch an?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<h5>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Wortspielhalle.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-44221 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Wortspielhalle-300x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Wortspielhalle-300x300.jpeg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Wortspielhalle-150x150.jpeg 150w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Wortspielhalle.jpeg 596w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Die Stimme von Marion Haberstroh besitzt eine lyrische Qualit\u00e4t, die dem reinen Wohlf\u00fchlklang, auf den andere Interpretinnen setzen, mit einer sanft vibrierenden Spannung unterlegt. Diese Qualit\u00e4t wird in der <em>Wortspiehalle<\/em> umso deutlicher herausgearbeitet. Indem sich die H\u00f6rspielinszenierung in ihrer luziden Schlichtheit zeitgen\u00f6ssischen Modespielereien verweigert, ist sie h\u00f6renswert. Ein Auszug findet sich in der Reihe <a href=\"http:\/\/vordenker.de\/weigoni\/wortspielhalle.htm\">MetaPhon<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192 <\/strong>Ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/09\/06\/recap-hungertuchpreis\/\">Recap<\/a> des Hungertuchpreises.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Die Schauspielerin Marion Haberstroh gibt der Sprache den Wohlklang zur\u00fcck. Ihr Ziel ist es, die menschliche Stimme als ein universelles Instrument zu pr\u00e4sentieren und dem Geschmack der Worte auf die Spur zu kommen. 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