{"id":48941,"date":"2021-02-10T00:01:00","date_gmt":"2021-02-09T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=48941"},"modified":"2026-01-25T10:48:03","modified_gmt":"2026-01-25T09:48:03","slug":"eine-symphonie-der-synaesthesie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/02\/10\/eine-symphonie-der-synaesthesie\/","title":{"rendered":"Eine Symphonie der Syn\u00e4sthesie"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">\u201e630\u201c beweist, dass T\u00f6ne, W\u00f6rter und Bilder einander etwas zu sagen haben. Es herrscht ein kreatives Einvernehmen, bei dem keine Gattung die Vorherrschaft beansprucht. Wo das Bild schweigt, setzt der Klang an; wo das Wort endet, \u00f6ffnet sich der visuelle Raum. Diese Gattungs\u00fcbergreife f\u00fchrt dazu, dass das Sehen, Lesen und H\u00f6ren sich in alle Richtungen \u00f6ffnen<\/span><span style=\"color: #999999;\">.<\/span><\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_82662\" style=\"width: 390px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-82662\" class=\"wp-image-82662 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Belinda-e1618723878480.jpg\" alt=\"\" width=\"380\" height=\"507\" \/><p id=\"caption-attachment-82662\" class=\"wp-caption-text\">Das sch\u00f6nste Girl am Stand von Neheim-H\u00fcsten<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das multimediale Projekt <em>630<\/em> stellt ein bemerkenswertes Beispiel f\u00fcr die Verschmelzung von verschiedenen Kunstformen dar. Als Gesamtkunstwerk, das Bildende Kunst, Klangkomposition und Literatur miteinander verbindet, pr\u00e4sentiert es eine vielseitige und facettenreiche Erfahrung, die das Publikum sowohl intellektuell als auch emotional anspricht. Das Projekt folgt einer radikalen \u00c4sthetik: Aufl\u00f6sen, andersdenken, zersplittern und neu zusammensetzen. Diese vier Schritte beschreiben den Prozess einer sch\u00f6pferischen Dekonstruktion. Meilchens visuelle Welten sind keine statischen Illustrationen, sondern Ausgangspunkte f\u00fcr T\u00e4gers Klangkompositionen, die wiederum durch Weigonis literarische Pr\u00e4senz eine semantische Erdung \u2013 oder eine weitere Abstraktion \u2013 erfahren. \u00b4Zersplittern` ist hierbei kein Akt der Zerst\u00f6rung, sondern eine Voraussetzung f\u00fcr die Neuzusammensetzung zu einer Mixed-Media-Erfahrung, die den Rezipienten auf mehreren Sinnesebenen gleichzeitig fordert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Besondere am Projekt <em>630<\/em> liegt in seiner gattungs\u00fcbergreifenden Herangehensweise. In der zeitgen\u00f6ssischen Kunst gibt es oft die Tendenz, Grenzen zwischen unterschiedlichen Medien zu ziehen. Jedoch \u00fcberschreitet dieses Projekt diese Linien und l\u00e4dt dazu ein, klassisches Denken \u00fcber Gattungen zu hinterfragen. Durch den kreativen Dialog zwischen den Mitwirkenden &#8211; dem bildenden K\u00fcnstler Peter Meilchen, dem Komponisten Tom T\u00e4ger und dem <em>Sprechsteller<\/em> A.J. Weigoni &#8211; wird ein Raum geschaffen, in dem die Kunst nicht mehr als isolierte Disziplin verstanden wird, sondern als dynamischer Austausch zwischen verschiedenen Ausdrucksformen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">\u201e630\u201c beweist, dass T\u00f6ne, W\u00f6rter und Bilder einander etwas zu sagen haben. Es herrscht ein kreatives Einvernehmen, bei dem keine Gattung die Vorherrschaft beansprucht. Wo das Bild schweigt, setzt der Klang an; wo das Wort endet, \u00f6ffnet sich der visuelle Raum. Diese Gattungs\u00fcbergreife f\u00fchrt dazu, dass das Sehen, Lesen und H\u00f6ren sich in alle Richtungen \u00f6ffnen.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Interaktion zeigt sich in der Art und Weise, wie Sehen, Lesen und H\u00f6ren miteinander verwoben sind. Die visuelle Kunst von Meilchen ist nicht dekorativ, sondern unterst\u00fctzt und bereichert die Klangkomposition von T\u00e4ger, w\u00e4hrend die Texte von Weigoni das Publikum dazu anregen, die dargestellten Konzepte weiterzudenken. Hier manifestiert sich eine Art von Zusammenarbeit, die \u00fcber das Individuum hinausgeht und in den kollektiven kreativen Prozess eintaucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein zentraler Aspekt des Projekts ist der Dialog zwischen den verschiedenen Sinneseindr\u00fccken. T\u00f6ne, Bilder und Worte stehen in einem kreativen Austausch miteinander. Dabei wird deutlich, dass jeder Aspekt des Kunstwerks einen Mehrwert bietet und das Gesamterlebnis intensiviert. Die Klanglandschaften von T\u00e4ger sind so gestaltet, dass sie visuelle Eindr\u00fccke erzeugen, w\u00e4hrend die Texte von Weigoni nicht nur geh\u00f6rt, sondern auch gef\u00fchlt werden k\u00f6nnen. Der <em>Sprechsteller<\/em> sprach das H\u00f6rbuch selbst ein, wobei seine intuitive Radiostimme Tonfall, Rhythmus und Satzmelodie einf\u00e4ngt, was die Sprache in eine performative Dimension hebt. So wird Literatur nicht nur gelesen, sondern geh\u00f6rt und visualisiert, was den Widerstand gegen kulturellen Niedergang durch humanistischen Impuls unterstreicht. Die Zuh\u00f6rer sind nicht passive Konsumenten, sondern aktive Teilnehmer, die eingeladen werden, ihre eigene Interpretation zu entwickeln. Diese Form des <em>Mixed Media<\/em> f\u00fchrt zu einer intensiven Auseinandersetzung mit psychologischen und emotionalen Themen, die in der Kunst behandelt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Das Konzept von \u201e630\u201c wurzelt in einer transmedialen Erz\u00e4hlung, die Themen wie Erinnerung, Identit\u00e4t, Verg\u00e4nglichkeit und die Verschmelzung von Realit\u00e4t und \u00c4sthetik aufgreift.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Konzept des Aufl\u00f6sens von Gattungen und des Neuzusammensetzens ist ein wichtiger Bestandteil des Projekts <em>630<\/em>. Es ermutigt das Publikum, das Gewohnte zu hinterfragen und neue Wege des Denkens und F\u00fchlens zu finden. Diese Offenheit f\u00fchrt zu einem kreativen Raum, in dem Innovation und Inspiration gedeihen k\u00f6nnen. Kunst wird hier als ein aktiver Prozess wahrgenommen, der st\u00e4ndig in Bewegung ist und sich anpasst. Das Projekt ermutigt dazu, die bestehende Kunstlandschaft in Frage zu stellen und Traditionen zu hinterfragen. Es er\u00f6ffnet R\u00e4ume f\u00fcr alternative Narrative und Perspektiven, die in der gegenw\u00e4rtigen Kunstwelt oft vernachl\u00e4ssigt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>\u201e630\u201c ist mehr als die Summe seiner Teile: Es ist ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Aufl\u00f6sung starrer Gattungen und die Neusch\u00f6pfung durch Kollaboration. In einer Welt, die von Fragmentierung gepr\u00e4gt ist, bietet es eine harmonische Synthese, die den Betrachter, Leser und H\u00f6rer einl\u00e4dt, Grenzen zu \u00fcberschreiten.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das multimediale Projekt <em>630<\/em> ist mehr als nur eine Zusammenf\u00fchrung von Kunstformen; es ist ein zeitgem\u00e4\u00dfes Gesamtkunstwerk, das den Betrachter anregt, \u00fcber die Grenzen der traditionellen Kunst hinauszudenken. Es ist ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Grenz\u00fcberschreitung und fordert das Publikum Betrachtenden auf, die starren Kategorien der Kunstkritik hinter uns zu lassen und uns auf ein Experiment einzulassen, bei dem die Sinne nicht nacheinander, sondern simultan angesprochen werden. Es ist ein lebendiges Beispiel daf\u00fcr, wie moderne Kunst durch Kollaboration an Relevanz und Tiefe gewinnt. Die Interaktion zwischen Bildender Kunst, Klang und Literatur er\u00f6ffnet neue Wege des kreativen Ausdrucks und ermutigt zur aktiven Teilnahme. In einer Welt, in der Kunst oft puristisch interpretiert wird, zeigt <em>630<\/em> eindrucksvoll, dass Kunst ein kollektives Erlebnis ist, das die Sinne auf einzigartige Weise anspricht und bereichert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>630<\/strong>, Buch \/ Katalog-Projekt\u00a0 von Peter Meilchen, Tom T\u00e4ger und A.J. Weigoni. Edition Das Labor, Bad M\u00fclheim 2018.<\/p>\n<div id=\"attachment_101488\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-101488\" class=\"wp-image-101488 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/630_Cover-300x140.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"140\" \/><p id=\"caption-attachment-101488\" class=\"wp-caption-text\">Covermotiv von Krumscheid \/ Meilchen<\/p><\/div>\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\">In 2014 erinnerte der Kunstverein in Linz mit einer Ausstellung an den K\u00fcnstler, in der erstmals die Reihe <em>Fr\u00fchlingel<\/em> vorgestellt wurde. Zu diesem Anlass erschien mit der Wortspielhalle eine Publikation, die als Role Model f\u00fcr dieses Buch \/ Katalog-Projekt dient, das zum 10. Todestag erscheint. Das Buch\/Katalog-Projekt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=46549\"><em>630<\/em><\/a> &#8211; mit bislang nicht gezeigten Arbeiten des K\u00fcnstlers &#8211; erschien am 27.10. 2018, es gibt einen konzisen \u00dcberblick \u00fcber die k\u00fcnstlerische Arbeit von Peter Meilchen in Linz und in der Werkstattgalerie Der Bogen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> \u2192 Einen Essay zur Ausstellung <em>50 Jahre Krumscheid \/ Meilchen<\/em> lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21518\">hier<\/a>. Zur Ausstellung <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=591\">erschien <\/a>das Buch \/ Katalog-Projekt <em>Wortspielhalle<\/em> mit der Reihe <em>Fr\u00fchlingel<\/em> von Peter Meilchen und einem\u00a0Vorwort von Klaus Krumscheid.\u00a0Die Sprechpartitur wurde mit dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22035\">lime_lab<\/a> ausgezeichnet.\u00a0Mit einer <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/hungertuch\/taeger2001.htm\">Laudatio<\/a> wurde der Hungertuch-Preistr\u00e4ger Tom T\u00e4ger und seine Arbeit im Tonstudio an der Ruhr gew\u00fcrdigt. Eine W\u00fcrdigung des Lebenswerks von Peter Meilchen findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12763\">hier<\/a>. Mit den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6036\"><em>Vignetten<\/em><\/a> definiert A.J. <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Weigoni\">Weigoni<\/a> die Literaturgattung der Novelle neu. Einen Essay zum Buch \/ Katalog-Projekt <em>630<\/em> zu finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=46549\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e630\u201c beweist, dass T\u00f6ne, W\u00f6rter und Bilder einander etwas zu sagen haben. Es herrscht ein kreatives Einvernehmen, bei dem keine Gattung die Vorherrschaft beansprucht. 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