{"id":48613,"date":"2019-09-07T00:01:32","date_gmt":"2019-09-06T22:01:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=48613"},"modified":"2022-05-07T06:01:33","modified_gmt":"2022-05-07T04:01:33","slug":"frank-michaelis-hungertuch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/09\/07\/frank-michaelis-hungertuch\/","title":{"rendered":"Frank Michaelis erh\u00e4lt das Hungertuch f\u00fcr Musik 2019"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Seinen K\u00fcnstlernamen &#8222;Prima Frank&#8220; erh\u00e4lt Frank Michaelis von seinem Kollegen Peter Thoms, legend\u00e4rer Trommler bei Helge Schneider. Franks virtuoser Umgang mit dem Saxophon erinnert Thoms an Louis Prima und seine &#8222;Sam Butera Band&#8220;.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viel wurde \u00fcber <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Popliteratur\"><em>Popliteratur<\/em><\/a> geschrieben. Ein weithin unbeachteter Aspekt ist dabei, da\u00df ma\u00dfgebliche Impulse f\u00fcr die Entstehung einer Popliteratur vom Rheinland ausgingen. Am Anfang standen die Autoren und \u00dcbersetzer Rolf Dieter Brinkmann und Ralf-Rainer Rygulla, die ab Mitte der 1960er Jahre in K\u00f6ln lebten und von hier aus der amerikanischen Beat- und Untergrund-Literatur deutschlandweite Aufmerksamkeit verschafften.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rock-n-Roll ist das Leitmotiv f\u00fcr den Ausbruchsversuch, es ist der Sound des Industriezeitalters und die permanente Feier des gelebten Augenblicks. Es ist die Zeit der Selbsterm\u00e4chtigung, des Aufruhrs, des Einfach-machen-Wollens. Der \u201eRatinger Hof\u201c bildete in D\u00fcsseldorf eine subkulturelle Scharnierstelle. Die Rheinmetropole war so etwas wie die heimliche Hauptstadt der alten BRD, im Bermuda-Dreieck zwischen der Uel, dem Einhorn und dem Ratinger Hof traf man auf geballte Zeitgeist-Kompetenz. In der Landeshauptstadt NRWs der ausgehenden 1970er und fr\u00fchen 1980er Jahre betrieben Weigoni und Michaelis im Kunstakademie-Umfeld mit der Literatur eine multimediale H\u00f6rspielerei zwischen Performance, Theater und Lesung, dokumentiert durch die Kassette the vera strange tapes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter Zuhilfenahme eines Vier-Spur-Kassettenrekorders bem\u00e4chtigten sich die K\u00fcnstler rigoros der Produktionsmittel. Dieses analoge Medium brachte f\u00fcr diese widerst\u00e4ndige Kultur einen Emanzipationsschub mit sich, ein Zugewinn an k\u00fcnstlerischen Mitteln. Kassettenk\u00fcnstler nutzten dies als M\u00f6glichkeit, Musik unabh\u00e4ngig zu produzieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist der wilde, aufr\u00fchrerische, zutiefst kreative Geist, der alles bislang Gewesene zerst\u00f6rt. Das Wort Vera leitet sich vom Wortstamm Wahrheit ab. Der Zyklus vera strange tapes ist eine Hommage an die Kassette und \u00e4sthetische Erwiderungen zu Rap, Reggae und rheinischem Karneval. Unter the last pop-songs formierten sich Kurzh\u00f6rspiele, die sich tanzen lassen zu einem luziden Klanggewitter.<\/p>\n<div id=\"attachment_102980\" style=\"width: 209px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-102980\" class=\"wp-image-102980 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/FrankMichaelis-199x300.jpg\" alt=\"\" width=\"199\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-102980\" class=\"wp-caption-text\">Frank Michaelis<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als k\u00fcnstlerische Grenzg\u00e4nger betreiben A. J. Weigoni und Frank Michaelis mit der Literatur, in einem hocharbeitsteiligen Virtuosentum mit den Schauspielern Marion Haberstroh und Kai M\u00f6nnich, eine multimediale H\u00f6rspielerei zwischen Performance, Theater und Lesung, und setzen Elemente der Minimalmusik ebenso ein, wie die des Jazz. Diese Artisten sch\u00e4tzen Experimente mit akustischen und elektronischen Kl\u00e4ngen, sie haben ein Faible f\u00fcr die freiere Rhythmik von Regungen und Bewegungen, die Verbindung von Melodie und Experiment, die Offenheit und das In-der-Schwebe-Halten von St\u00fccken; das Ausbrechen aus vermeintlich vorhersehbaren Strukturen, eine Bricolage aus Pop-Klischees und Erwartungen. Synthese und Syn\u00e4sthesie liegen offensichtlich nicht nur lautlich nah beieinander, die Erfindung der Aufnahmetechnik wird von ihnen als ein Moment der Befreiung gedeutet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1991 legen A. J. Weigoni und Frank Michaelis die zum Schlagwort gewordenen Literaturclips beim Dortmunder Label Constrictor vor. Diese Titelgebung ist reinste Camouflage, gleichzeitig markieren die zwischen 1991 entstandenen <em>LiteraturClips<\/em> und die bis 1995 entstandenen <em>Top 100<\/em> den H\u00f6hepunkt und die wahre Sprengung der sogenannten Pop-Literatur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Avantgarde und Humor gehen bei diesem Komponisten und Musiker geschmeidig zusammen. Kunst und Leben in Reine zu bringen, mehr kann man nicht wollen. Chapeau, Frank Michaelis.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p>Eine H\u00f6rprobe von Frank Michaelis findet sich <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/michaelis\/primafrank.htm\">hier<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1148 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/hungertuch-230x300.jpg\" alt=\"\" width=\"230\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/hungertuch-230x300.jpg 230w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/hungertuch.jpg 384w\" sizes=\"auto, (max-width: 230px) 100vw, 230px\" \/>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahr 2001 wurde mit dem <em>Hungertuch<\/em> vom rheinischen Kunstf\u00f6rderer Ulrich Peters ein K\u00fcnstlerpreis gestiftet, der in den Jahren seines Bestehens von K\u00fcnstlern an K\u00fcnstler verliehen wird. Es gibt im Leben unterschiedliche Formen von Erfolg. Zum einen gibt es die Auszeichnung durch Preise und Stipendien, zum anderen die Anerkennung durch die Kolleginnen und Kollegen. Letzteres manifestiert sich in diesem K\u00fcnstlerpreis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"right\">Die Dokumentation des Hungertuchpreises ist in der erweiterten Taschenbuchausgabe erschienen:\u00a0 <strong>Twitteratur<\/strong>, Genese einer Literaturgattung. Herausgegeben von Matthias Hagedorn, Edition Das Labor 2019.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192 <\/strong>ein Essay \u00fcber die neue Literaturgattung <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22423\"><em>Twitteratur<\/em><\/a>. Und ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/09\/06\/recap-hungertuchpreis\/\">Recap<\/a> des Hungertuchpreises. Eine Liste der bisherigen Preistr\u00e4ger finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?page_id=368\">hier<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seinen K\u00fcnstlernamen &#8222;Prima Frank&#8220; erh\u00e4lt Frank Michaelis von seinem Kollegen Peter Thoms, legend\u00e4rer Trommler bei Helge Schneider. Franks virtuoser Umgang mit dem Saxophon erinnert Thoms an Louis Prima und seine &#8222;Sam Butera Band&#8220;. Viel wurde \u00fcber Popliteratur geschrieben. 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