{"id":4823,"date":"2012-06-16T00:01:05","date_gmt":"2012-06-15T22:01:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=4823"},"modified":"2019-10-05T14:08:47","modified_gmt":"2019-10-05T12:08:47","slug":"auf-und-zu-13","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/06\/16\/auf-und-zu-13\/","title":{"rendered":"auf und zu 13"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Malerei sei <em>stumme Poesie<\/em>, Poesie <em>beredte Malerei<\/em>, hie\u00df es in der Antike, als man \u00fcber den Wettbewerb der als verwandt betrachteten K\u00fcnste nachdachte. <em>O ihr lieben B\u00fccher, ihr allein seid freigiebig und freim\u00fctig, ihr gebt jedem Bittenden und la\u00dft jeden, der euch treu gedient hat, in die Freiheit ziehen<\/em>, schreibt im 14. Jahrhundert Richard de Bury in seinem in lateinischer Sprache verfassten <em>Lob der B\u00fccher<\/em>, dem <em>Philobiblon<\/em>. Rar und kostbar, wie die noch von Hand geschriebenen B\u00fccher zu jener Zeit waren, verteidigt sie Bury gegen \u00dcbersetzer, die ihr Handwerk nicht beherrschen: <em>Wie gut w\u00e4ren die B\u00fccher dran, w\u00e4re nicht das verh\u00e4ngnisvolle Wagnis des Turmbaus zu Babel gewesen und h\u00e4tte sich nur eine einzige Sprache \u00fcber das ganze Menschengeschlecht verbreitet<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/KarteEndJacqcc-300x1611.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-4936\" title=\"KarteEndJacqcc-300x161\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/KarteEndJacqcc-300x1611.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"161\"\/><\/a>Almuth Hickl ist ein inspirierender Geist, sie liebt die&nbsp;<em>Neuen Medien<\/em> und f\u00fchrt sie aber zugleich vor, indem sie diese Maschinen humanisieren will. Indem hier mediale Arch\u00e4ologie mit Entdeckerfreude zusammengeht, unterstreichen diese Arbeiten die zunehmende Bedeutung des Bildes, welches heute die Wortkultur \u00fcberlagert hat und die Sinne usurpiert. Licht, Perspektive, Spiegelung und die Illusion von Bewegung verleihen den Abbildungen einen geheimnisvollen Charakter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Almut Hickls Perspektive ist auch eine Anspielung auf die Tradition der Malerei bis in die Postmoderne. Seit der Erfindung der Zentralperspektive wurde ein Gem\u00e4lde als Fenster in eine andere, h\u00f6here oder k\u00fcnstliche Wirklichkeit verstanden. Die Nachahmung der Welt war daf\u00fcr die Bedingung. In der Postmoderne wird das Abbilden verworfen und die Bildfl\u00e4che in ihrer Fl\u00e4chigkeit zum Gegenstand gemacht. Der Baukasten der Postmoderne generiert laufend neue Bilder; am Computer entworfen, vermischen sich die verf\u00fcgbaren Ikonen miteinander. Virtuelle und wirkliche Welten \u00fcberlagern einander, um sich zu einem Bild zusammenzuf\u00fcgen. Beim Betrachten ihrer Bilder f\u00fchlt man sich an Nikolaus Cusanus&#8216; Schrift <em>De Visione Die<\/em> erinnert, in der ein blickendes Bild beschrieben wird, von dem sich der Betrachter immer schon wahrgenommen wei\u00df. Hier wird der Sehende zum Gesehenen, der Suchende zum Gefundenen. So homogen ihre Werkgruppen sind, so heterogen erscheint die Handschrift der Artistin, wenn man die Werkgruppen nebeneinander stellt, vielf\u00e4ltig wie das Leben selbst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Menschheitsgeschichte ging die Entwicklung der Technik stets mit der des Geistes einher. Man kann nur erahnen, welch gro\u00dfe Auswirkung die neue Technik im Buchdruck auf die Gesamtkultur gehabt hat, insbesondere aber auf Literatur und bildende Kunst. Mit dem Buchdruck ergibt sich \u00fcber die Einzelsprachen hinaus ein interessantes Muster, ein System an Ver\u00e4nderungen, und zwar vom Lateinischen zu den Volkssprachen zur Vermischung und schlie\u00dflich zur Reinigung. Die Reinigung w\u00e4re sinnlos ohne die Vermischung, die Vermischung h\u00e4ngt zusammen mit der Verschiebung hin zum Schreiben in der Volkssprache anstatt auf lateinisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Menschen im Mittelalter haben sich dar\u00fcber keine Gedanken gemacht. Da gibt es Latein f\u00fcr die Kommunikation der Eliten und die Volkssprache f\u00fcr alles andere. Aber sobald man zu schreiben und zu drucken beginnt, stellt man sich Fragen wie<em> Ist das elegant oder die hohe Form der Sprache?<\/em> Dieser Frage geht auch die K\u00fcnstlerin Karin Innerling nach. Der Betrachter mu\u00df sich den Sinn entschl\u00fcsseln, erschlie\u00dfen. Eine Allgemeing\u00fcltigkeit ist immer fraglich, da alle Bilder zwar im selben Kontext stehen, jedes f\u00fcr sich jedoch seine Eigenst\u00e4ndigkeit bewahrt, eine Abgrenzung aber ist nicht unbedingt von vorne herein gegeben, Verzahnungen sind auch zwischen diesen beiden K\u00fcnstlerinnen vorhanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Almuth Hickl und Karin Innerling<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">in der <a href=\"http:\/\/www.mergemeier.net\/\">Buchgalerie Mergemeier<\/a>, Luisenstr. 7&nbsp; D\u00fcsseldorf<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute von von 13.00 &#8211; 17.00 Uhr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Malerei sei stumme Poesie, Poesie beredte Malerei, hie\u00df es in der Antike, als man \u00fcber den Wettbewerb der als verwandt betrachteten K\u00fcnste nachdachte. 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