{"id":47830,"date":"2019-05-07T00:01:28","date_gmt":"2019-05-06T22:01:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=47830"},"modified":"2021-11-03T17:20:26","modified_gmt":"2021-11-03T16:20:26","slug":"worueber-reden-wir-wenn-wir-ueber-kunst-reden-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/05\/07\/worueber-reden-wir-wenn-wir-ueber-kunst-reden-teil-2\/","title":{"rendered":"Wor\u00fcber reden wir, wenn wir \u00fcber Kunst reden? (Teil 2)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em> \u201eEin tausendmal gelesenes Buch \u2013 das sind tausend verschiedene B\u00fccher.\u201c<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Andrej Tarkowskij: Von der Verantwortung des K\u00fcnstlers, 1967<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>\u201eErst durch die Handlung des Betrachters entsteht ein Werk.\u201c<br \/>\n<\/em>Franz Erhard Walther<\/span><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"4\">\n<li><strong> Reden \u00fcber Kunst<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.1 Zwischenfazit I<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere Fragen begrenzen unsere Antworten. Gerade Mediziner wissen das aus ihrer t\u00e4glichen Praxis. Sie ber\u00fccksichtigen bei der Anamnese mit gr\u00f6\u00dfter Gewissenhaftigkeit alle nur erdenklichen Aspekte und M\u00f6glichkeiten. Was in aller Regel auch dazu f\u00fchrt, dass am Ende die richtige Diagnose gestellt wird. Dennoch wird es immer wieder F\u00e4lle geben, in denen sich \u00c4rzte, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer, eine Frage nicht stellen. Oder sich ihnen eine Frage vor der Diagnose nicht in der Weise stellt, wie es der nun leider unentdeckt gebliebenen Ursache angemessen gewesen w\u00e4re. Aber dann ist es vielleicht schon zu sp\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen nicht ganz so dramatischen Verlauf nimmt die Geschichte in unserem Fall, dem Kontext aktueller Kunst-Diskurse. Wenn wir uns hier bestimmte Fragen nicht oder nicht angemessener Weise stellen oder sie, bevor wir sie stellen, nicht die bei der Fragestellung benutzten Begrifflichkeiten reflektieren und sie stattdessen perpetuieren, dann werden auch wir Antworten erhalten, die oft genug zwar in h\u00f6chstem Ma\u00dfe eloquent, aber dem Sachverhalt nicht recht angemessen sind. Nur f\u00e4llt dies zun\u00e4chst nicht weiter ins Gewicht, denn es f\u00e4llt ja niemand gleich ins Koma oder l\u00e4sst sein Leben, wenn, zum Beispiel, die allseits beliebte, vermeintliche Geschmacksfrage gestellt wird: <em>Ist das Kunst?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie minimiert man nun die Gefahr, dass unsere Fragen unsere Antworten zu sehr einschr\u00e4nken oder sie, weil sich ein \u00fcber Generationen tradierter Bug, ein<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Programmfehler in unserer intellektuellen Software, eingeschlichen hat, fehlerhafte<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Antworten generieren? Wer sein Hemd am Hals falsch anf\u00e4ngt zu kn\u00f6pfen, kann im weiteren Verlauf noch so sorgsam weiterkn\u00f6pfen \u2013 am Hemdsaum wird er feststellen, dass, wer falsch anf\u00e4ngt, auch falsch aufh\u00f6rt (Sollte man meinen. Leider erscheint vielen ihr fehlerhafte Resultat nicht als fehlerhaft, sondern als v\u00f6llig tragbar).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesen Fehler gilt es nicht nur zu erkennen, es gilt ihn auch zu vermeiden. Deshalb haben wir nicht stillschweigend eine vermeintlich etablierte Gebrauchsweise des Begriffs \u201aKunst\u2018 in unsere Eingangsfrage \u00fcbernommen, sondern haben die Gebrauchsweise selber einer grunds\u00e4tzlichen Pr\u00fcfung unterzogen. Und uns die Frage gestellt, wie eine angemessene, systematische Erkl\u00e4rung (nicht Beschreibung) soziokultureller Ph\u00e4nomene wie die des Sprachwandels oder, ihr logisch vorausgehend, der Etablierung von Bedeutung, formuliert sein m\u00fcsste. Dabei hielten wir fest, dass diese nicht erst bei bestehenden Strukturen beginnen darf, sondern methodologisch die Entstehung eben dieser Strukturen erkl\u00e4ren muss: <em>\u201eAusgangspunkt der Erkl\u00e4rung sind handelnde Individuen\u201c<\/em> (Keller 2014: 164).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit einher geht die Maxime:<br \/>\n<em>\u201eVermeide Setzungen wie diejenige einer konventionellen Bedeutung, ohne dir die M\u00fche zu machen, aufzuzeigen, woher sie kommt und wie sie entsteht\u201c <\/em>(Liedtke 2016: 45).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Vorgehensweise ist, wie Liedtke betont, alternativlos: Ausgehend von der singul\u00e4ren Sprecher-Bedeutung muss systematisch die regelhafte Ideolekt-Bedeutung hergeleitet werden, deren Ausdrucksgebrauch dann als kollektive Praxis einer Gruppe beschrieben wird, die sich zunehmend erweitert. Am Ende dieses Prozesses, der ein Prozess der unsichtbaren Hand ist, steht die Konventionalisierung der Bedeutung eines \u00c4u\u00dferungstyps: <em>\u201eJede andere Strategie w\u00e4re hoffnungslos zirkul\u00e4r\u201c<\/em> (Liedtke 2016: 43).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie wir im weiteren Verlauf gesehen haben, unterlag die Gebrauchsweise der Begriffe \u201aKunst\u2018, \u201aars\u2018 und \u201atechn\u00e9\u2018, wie prinzipiell alle sprachlichen Ausdr\u00fccke, einem potentiell endlos ablaufenden, nie zielgerichteten Prozess des Sprachwandels, den wir als Prozess der unsichtbaren Hand beschrieben haben: Die Gebrauchsweisen stellen jeweils episodale, nicht intendierte, kollektive und kausale Resultate unz\u00e4hliger intentionaler individueller Handlungen in einem diachronischen Kontinuum dar. Es sind Gebrauchsweisen, die, als stets im Wandel begriffene Verwendungen, in dem Moment, wo sie eine etablierte Bedeutung in der Synchronie ausweisen, bereits wieder verblassen und vergehen, nach und nach an G\u00fcltigkeit verlieren: Die diachronische Identit\u00e4t bietet \u00fcber drei, maximal vier Generationen hinweg Stabilit\u00e4t und Kontinuit\u00e4t \u2013 und in dieser Zeit damit eine gewisse Verst\u00e4ndnissicherung (und bestenfalls in diesem Zeitrahmen l\u00e4sst sich das die fl\u00fcssige Kommunikation sichernde intersubjektive Verst\u00e4ndnis etablierter Bedeutungen wechselseitig unterstellen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Betrachtungen haben uns zwar der Antwort auf die Frage nicht sonderlich n\u00e4hergebracht, wor\u00fcber wir reden, wenn wir \u00fcber Kunst reden. Aber wir wissen nun, dass, bis auf einige wenige Formen episodaler <em>\u201eautoritativer Sprachfestsetzungen\u201c <\/em>wie <em>\u201eDIN-Terminologie, Orthographiereform oder Umbenennungen\u201c<\/em> (Keller 2014: 210), Bedeutungen von \u00c4u\u00dferungstypen im endlos und kontinuierlich ablaufenden diachronen Prozess nicht gesetzt oder, wie die Setzungsversuche durch autorit\u00e4re Regime, kaum dauerhaft erfolgreich gesetzt werden k\u00f6nnen. Bedeutungsetablierung sowie Sprach- und Bedeutungswandel sind als soziokulturelle Ph\u00e4nomene Ph\u00e4nomene der dritten Art und unterliegen dem Prozess der unsichtbaren Hand. Dies gilt damit auch f\u00fcr die Etablierung der Gebrauchsweise des Begriffs \u201aKunst\u2018, sein Wandel \u00fcber die Jahrhunderte, in den Kulturen, den verschiedenen Gesellschaften und einzelnen gesellschaftlichen Gruppen. Davon unbenommen bleiben nat\u00fcrlich die zahllosen singul\u00e4ren \u00c4u\u00dferungsvariationen, die sich in Einzelf\u00e4llen als regelhafte Gebrauchsweisen etablieren k\u00f6nnen, zumeist aber unbemerkt von der Begriffsgeschichte im Sande verlaufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.2 Zwischenfazit II<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Versuch nun, alle Faktoren benennen, angemessen und umfassend beschreiben und analysieren zu wollen, die relevant sind f\u00fcr eine ersch\u00f6pfende Beantwortung der Eingangsfrage \u201aWor\u00fcber reden wir, wenn wir \u00fcber Kunst reden?\u2018, w\u00fcrde aus diesem Aufsatz ein enzyklop\u00e4disches Werk machen. Im vollen Bewusstsein dieser kaum zu leistenden Leistung habe ich mich auf die Analyse einiger grunds\u00e4tzlicher sprachlicher Aspekte beschr\u00e4nkt. Der Grund ist ein recht schlichter: <em>Ick b\u00fcn all dor.<\/em> Nach dem vorsprachlichen Stadium der Kindheit ist f\u00fcr uns im Wachzustand, wenn wir bei vollem Bewusstsein sind, die Sprache allgegenw\u00e4rtig. Was auch immer wir denken, wir sagen, wir lesen, wir sehen, wir h\u00f6ren \u2013 jeder Moment ist uns, in dem wir uns seiner bewusst werden, versprachlicht (was durchaus die M\u00f6glichkeit offen l\u00e4sst, Erfahrungen zu machen, die uns nicht bewusst sind \u2013 werden sie uns jedoch bewusst, werden sie unweigerlich sprachlich). Um Sprache kommen wir, man mag es bedauern, nicht herum. Auch nicht, wenn wir \u00fcber Kunst reden. Zudem bestimmt Sprache ganz wesentlich unsere Denk- und Wahrnehmungsstruktur. <em>\u201eWir h\u00f6ren auf zu denken, wenn wir es nicht in dem sprachlichen Zwange tun wollen\u201c,<\/em> so zitiert der israelische Linguist Guy Deutscher in einem Feuilletonbeitrag Friedrich Nietzsche. Und in einem Vorabdruck von Wolfram Eilenbergers Buch \u201aZeit der Zauberer. Das gro\u00dfe Jahrzehnt der Philosophie 1919 &#8211; 1929\u2018 in der F.A.S. vom 04.03.2018 zitiert dieser Ludwig Wittgenstein: <em>\u201eDer Mensch hat den Trieb, gegen die Grenzen der Sprache anzurennen (\u2026) Alles, was wir sagen m\u00f6gen, kann a priori nur Unsinn sein. Trotzdem rennen wir gegen die Sprache an.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Reden \u00fcber Kunst folgt den gleichen Regeln und Handlungsmaximen wie jedes Reden. Die Kunst macht da keine Ausnahme. F\u00fcr sie gilt, was schlichtweg f\u00fcr alle Gebrauchsweisen von Begriffen und \u00c4u\u00dferungstypen gilt. F\u00fcr alles singul\u00e4re Bedeuten und Verstehen (und Missverstehen). F\u00fcr jede Etablierung von Bedeutung, jeden Wandel von Bedeutung und Verst\u00e4ndnis, jedes konstitutive kommunikative Momentum. So auch jenes, dass das Ziel der Kommunikation nicht zwingend die Verst\u00e4ndigung ist. Sondern, ganz allgemein und wertfrei, Einfluss auf andere zu nehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Konsequenzen f\u00fcr den Gebrauch des Begriffs \u201aKunst\u2018, die sich daraus wie auch aus dem beschriebenen Abschied von der tradierten Dichotomie, dem Verst\u00e4ndnis der Sprache als soziokulturelles Ph\u00e4nomen und ihrem spezifischen Seinszustand als episodales Ereignis ergeben, sind erheblich. Es zeigt sich, dass es unendlich viele unterschiedliche Gebrauchsweisen des Begriffs \u201aKunst\u2018 in den einzelnen Kulturen, den verschiedenen Gesellschaften und einzelnen gesellschaftlichen Gruppen in der Synchronie wie auch in der Diachronie gibt. Gebrauchsweisen, die sich zudem auf verschiedene Ebenen beziehen. Auf die Zuschreibung einzelner Werke wie auch auf \u00fcberzeitliche Ph\u00e4nomene. Auf soziale Institutionen ebenso wie auf dieses numinose \u201aWesen\u2018, die <em>essentia<\/em>. Auf ein selbstt\u00e4tiges Subjekt und auf die Gattung Kunst. Gebrauchsweisen, die alle legitim sind. Aber durchaus nicht alle angemessen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir bei einem Vortrag, in einem wissenschaftlichen oder feuilletonistischen Text, in einem Diskurs oder auch im allt\u00e4glichen Kontext \u00fcber Kunst reden oder \u00fcber Kunst nachdenken, bewegen wir uns, wenn wir den Begriff verwenden, h\u00e4ufig auf verschiedenen Ebenen der Verwendung des Begriffs \u201aKunst\u2018 gleichzeitig. Manchmal m\u00f6gen die Verwender das aus Unachtsamkeit, aus Unkenntnis oder auch schlicht aus Schludrigkeit tun. In den meisten F\u00e4llen jedoch, so meine Vermutung, operieren sie mit verschiedenen Gebrauchsweisen des Begriffs \u201aKunst\u2018 schlicht deshalb, weil zwar die meisten, zumal die Fachgelehrten unter ihnen, selbstverst\u00e4ndlich um die verschiedenen Gebrauchsweisen wissen, aber \u2013 erstens \u2013im Moment des Gebrauchs der verschiedenen Gebrauchsweisen keinen Gebrauch von diesem Wissen machen (warum auch immer). Und \u2013 zweitens \u2013 zumeist nicht um den Prozess der Etablierung der Gebrauchsweisen wissen und damit auch nicht um die sich daraus ergebenen Konsequenzen (wenn wir damit auf unsere prinzipielle sprachliche Gebundenheit hinweisen, der wir nicht entfliehen k\u00f6nnen, wollen wir keineswegs erneut einem linguistic turn oder einer Wiederauflage sprachanalytischer \u00c4sthetik das Wort reden. Es soll lediglich Beitrag dazu geleistet werden, dass wir, in Kenntnis der unhintergehbaren Bedingungen, die uns der Gebrauch der Sprache auf ewig auferlegt, kritischer und sensibler mit unseren vermeintlichen Erkenntnissen und deren Folgerungen umgehen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.3 Systematische Zusammenfassung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sprache ist, wie wir gesehen haben, Sprache auf zwei Ebenen:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Auf der Mikroebene der individuellen Handlungsweisen<\/li>\n<li>Auf der <em>\u201eMakroebene der sozialen Institutionen\u201c<\/em> (Keller 2014: 97)<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sprechen wir von der Sprache auf der Makroebene, sollten wir ebenfalls zwischen zwei verschiedenen Ebenen differenzieren:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 II.a\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Einzelsprache als <em>spezifisches<\/em> \u00fcberindividuelles soziales Sprachsystem<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 II.b\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sprache als <em>allgemeines<\/em> \u00fcberindividuelles soziales Sprachsystem<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Makroebene (II.a) ist die Ebene der kollektiven Konsequenzen der sie <em>\u201eerzeugenden individuellen Handlungsweisen\u201c <\/em>(Keller 2014: 97) auf der Mikroebene. Dort findet die Etablierung der Gebrauchsweise der Begriffe einer Sprache, also ihrer Bedeutung und ihres Korrelats, des Verst\u00e4ndnisses (in diesem Fall: der Gebrauchsweise des Begriffs \u201aKunst\u2018) und ihr Wandel statt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><u>\u00a0<\/u><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><u>Sprache (Mikroebene: Gebrauchsweise des Begriffs \u201aKunst\u2018):<\/u><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">a.1\u00a0 Die Beschreibung der Etablierung der Gebrauchsweise eines Begriffs muss systematisch von einem singul\u00e4ren Gebrauch, der Sprecher-Intention resp. Sprecher-Bedeutung eines einzelnen Sprechers, ausgehen. Nur dann ist sie auch explikativ. Theorien, die den Wandel des Kunstbegriffs \u00fcber die Jahrhunderte nachzeichnen, sind nicht explikativ, sondern nur deskriptiv, wenn sie eben diese systematische Leistung nicht erbringen: Sie zeigen nur, <em>dass<\/em> sich der Begriff wandelt. Nicht aber <em>wie<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">b.1\u00a0 Jede Etablierung der Gebrauchsweise eines Begriffs ist das Resultat eines Invisible-hand-Prozesses: Diese Gebrauchsweise ist ein kollektives kausales, nicht intendiertes und nicht geplantes Ergebnis ungez\u00e4hlter gleichgerichteter individueller intentionaler Handlungen. Dies gilt entsprechend auch f\u00fcr die Etablierung jeder Gebrauchsweise des Begriffs \u201aKunst\u2018. Zu jeder Zeit, in jeder Kultur, in jeder Gesellschaft oder gesellschaftlichen Gruppe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">c.1\u00a0 Sprache ist auf der Mikroebene nicht monadisch definiert, sondern diskursiv und interaktionell. Sie ist ein gerichteter Akt, bedarf eines anderen \u2013 intendieren, meinen und bedeuten sind stets an einen Rezipienten gebunden: Er muss die <em>\u201ereflexive Intention\u201c<\/em> (Liedtke 2016: 37) erkennen, um zu wissen, was der Sprecher meint (also die \u201eSprecher-Intention\u201c resp. Sprecher-Bedeutung\u201c). Sprache ist Sprache faktisch immer nur im Gebrauch (Sprache bisweilen als \u201aergon\u2018 zu sehen, kann <em>\u201eein vom Arbeitsziel gebotenes Erfordernis\u201c <\/em>(Keller 2014: 171) sein \u2013 es darf aber nicht zur Annahme verf\u00fchren, dass dieses \u00fcberaus hilfreiche theoretische Konstrukt in der Realit\u00e4t auch als eine Art \u00fcberzeitlicher, vom Einzelnen unabh\u00e4ngiger Korpus gegeben ist).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">d.1. Ob ein intersubjektives Verst\u00e4ndnis, das eine fl\u00fcssige Kommunikation sichert, auch tats\u00e4chlich gegeben ist, kann, trotz aller konstituierenden kollektiven Prozesse, immer <em>\u201enur wechselseitig unterstellt werden\u201c <\/em>(Liedtke 2016: 40)<em>. <\/em>Zur fl\u00fcssigen Kommunikation reicht demnach schon die Unterstellung<em>, <\/em>der Anschein oder die Suggestion eines solches intersubjektiven Verst\u00e4ndnisses aus. Dies gilt generell f\u00fcr jedes intersubjektive Verst\u00e4ndnis einer \u00c4u\u00dferung. So auch f\u00fcr die des Begriffs \u201aKunst\u2018 (in all seinen Gebrauchsweisen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">e.1\u00a0 Im Gegensatz zum landl\u00e4ufigen Verst\u00e4ndnis ist die Verst\u00e4ndigung gerade <em>\u201enicht \u201ader Zweck\u2019 der Sprache\u201c<\/em> \u2013 <em>\u201eallenfalls einer unter vielen\u201c<\/em> (Keller 2014: 135). Es kann andere, vorrangige Ziele einer Kommunikation geben als verstanden zu werden (den anderen zu etwas zu bewegen). Allein: Ich muss ein wenig R\u00fccksicht auf einen Minimalkonsens in puncto Verst\u00e4ndlichkeit nehmen (oder vorsichtiger formuliert: \u201aeinen Minimalkonsens in puncto angenommener Verst\u00e4ndlichkeit\u2018), sonst gef\u00e4hrde ich den Erfolg meiner Vorsatzabsicht. So darf meine Sprecher-Bedeutung nicht zu originell sein, denn <em>\u201ejede Innovation riskiert das Verst\u00e4ndnis\u201c<\/em> (Keller 2014: 140) (oder auch hier vorsichtiger formuliert: \u201ajede Innovation riskiert das angenommene Verst\u00e4ndnis\u2018).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">f.1\u00a0 Jede etablierte Gebrauchsweise eines Begriffs, so auch die der \u201aKunst\u2018, unterliegt dem Prozess des Sprachwandels, dem ein Bedeutungs- und Verst\u00e4ndniswandel innewohnt (die, als soziokulturelle Ph\u00e4nomene, Ph\u00e4nomene der dritten Art sind). Dieser Wandel vollzieht sich also best\u00e4ndig im diskursiven Gebrauch der einzelnen Sprecher zu jeder Zeit, in jeder Kultur, in jeder Gesellschaft oder gesellschaftlichen Gruppe als nicht intendiertes kollektives Resultat einzelner Handlungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">g.1\u00a0 Jede zu einem gewissen Zeitpunkt und f\u00fcr einen gewissen Zeitrahmen etablierte Gebrauchsweise eines Begriffs, also auch die des Begriffs \u201aKunst\u2018, stellt demnach nur ein episodales Ereignis innerhalb eines zeitlichen Kontinuums dar: Es gibt keine numinose, von individuellen Gebrauchsweisen unabh\u00e4ngige und \u00fcberzeitliche Bedeutungskonstante des Begriffs \u201aKunst\u2018, bestenfalls eine einige Generationen w\u00e4hrende, verst\u00e4ndnissichernde \u201adiachronische Identit\u00e4t\u2018.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">h.1\u00a0 In unserer Epoche, in unser Generation, in unserer Kultur und Gesellschaft gibt es nicht nur eine etablierte Gebrauchsweise des Begriffs \u201aKunst\u2018, sondern deren viele. Da nicht davon auszugehen ist, dass unsere Epoche, unsere Generation, unsere Kultur und Gesellschaft etwas in der Historie Einzigartiges darstellt, bedeutet dies, dass es in jeder Epoche, in jeder Generation, in jeder Kultur und Gesellschaft nicht nur eine etablierte Gebrauchsweise des Begriffs \u201aKunst\u2018 (resp. \u201atechn\u00e9\u2018, \u201aars\u2018 etc.) gab und gibt, sondern unendlich viele (sp\u00e4testens an dieser Stelle bekommt die Frage, wovon wir reden, wenn wir \u00fcber Kunst reden, eine pikante Note).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">i.1\u00a0 Jede aktuale etablierte Gebrauchsweise des Begriffs \u201aKunst\u2018 innerhalb einer Kultur, einer Gesellschaft oder einer spezifischen Gruppe ist jeweils individueller Ausgangspunkt der Betrachtung des Kunstverst\u00e4ndnisses, der k\u00fcnstlerischen Konkretisierungen und des Ph\u00e4nomens Kunst anderer Epochen, Gesellschaften oder Kulturen: Diese Perspektivit\u00e4t impliziert eine relative G\u00fcltigkeit der Aussagen, die ich kaum aufzuholen vermag. Kann ich mich in der Synchronie noch um eine dialogische Vergewisserung bem\u00fchen, ob meine Interpretation der reflexiven Intention (oder mein Verst\u00e4ndnis der etablierten Bedeutung) zutreffend ist oder nicht, ist mir die direkte Form der Vergewisserung aus verst\u00e4ndlichen Gr\u00fcnden verwehrt, wenn es um vergangene Ereignisse geht. R\u00fcckblickende Interpretationen sind so bestenfalls Interpolationen, besitzen immer einen nie zu verifizierenden spekulativen Charakter (eine Aussage, die weder ihre Berechtigung noch ihren enormen Erkenntnisgewinn bestreitet \u2013 sie relativiert diese Interpretationen lediglich grunds\u00e4tzlich: Es geht bei ihnen nicht um \u201aWahrheit\u2018, bestenfalls um \u201aWahrscheinlichkeit\u2018).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">j.1\u00a0 Der Prozess der Etablierung einer regelhaften Gebrauchsweise, die die Etablierung einer Bedeutung bedeutet, ist ein Prozess der Kollektivierung eines bestimmten Gebrauchs und damit der einer Entsubjektivierung: Die Vorstellung von Bedeutung ist hier eben nicht die einer wie auch immer gearteten \u201amentalen Vorstellung\u2018, die ein Individuum, ein Subjekt von etwas hat. Sondern die einer Gebrauchsweise, bei der viele diesen Begriff verwenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">k.1\u00a0 Spreche ich von der Etablierung der Gebrauchsweise eines Begriffs, so betrifft dies noch nicht einmal<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>die Ebene der Konnotationen<\/li>\n<li>die der konversationellen Implikaturen (Liedtke 2016: 69; hier expliziert er die Differenzierungen, die Grice in den William-James-Lectures 1967 an der Harvard-University machte)<\/li>\n<li>die ihrer Generalisierung in einem zur Etablierung der Gebrauchsweise analogen Prozess der \u201asozialen Kristallisation\u2019 (de Saussure 2013: 16), die auch ein Invisible-hand-Prozess und damit ein Ph\u00e4nomen der dritten Art ist<\/li>\n<li>die Ebene der konventionellen Implikatur (also die der etablierten generalisierten konversationellen Implikatur (Liedtke 2016: 77))<\/li>\n<li>die Ebene der individuellen Assoziationen<\/li>\n<li>die Einflussnahme der jeweiligen Lebenswelt und des in ihr mitschwingenden konjunktiven Wissens, das ich nicht einmal selber explizieren kann<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sp\u00e4testens hier weicht die zur Sicherstellung der fl\u00fcssigen Kommunikation notwendige Unterstellung eines wechselseitigen Verst\u00e4ndnisses der Gewissheit, dass diese Unterstellung tats\u00e4chlich nur eine Unterstellung sein kann, ja bleiben muss. Denn all die genannten, potentiell bedeutungstragenden Momenta k\u00f6nnen kaum im Moment des Gebrauchs gewusst oder intersubjektiv ausreichend abgekl\u00e4rt werden. Die Vorstellung einer objektiv gelungenen Kommunikation wird somit mehr oder weniger zur Fiktion. Die Kommunikation <em>erscheint<\/em> uns gelungen. Und diesen Schein nehmen wir f\u00fcr bare M\u00fcnze, weil ansonsten jede Form von Kommunikation nicht allein unter Verst\u00e4ndnisvorbehalt st\u00fcnde \u2013 wir w\u00e4ren in jeder Sekunde derart von Zweifeln ob des Gelingens des diskursiven Verst\u00e4ndnisses zerfressen, dass wir kaum mehr zu einer halbwegs fl\u00fcssigen Kommunikation in der Lage w\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><u>\u00a0<\/u><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><u>Sprache (Makroebene der sozialen Institutionen)<\/u><\/em>:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">a.2\u00a0 Sprache ist ein soziokulturelles Ph\u00e4nomen.<\/p>\n<p>b.2. Als solches ist sie ein Ph\u00e4nomen der dritten Art, weder Artefakt noch Naturph\u00e4nomen. Ihr Seinszustand ist der einer fl\u00fcchtigen Episode, sie ist das kollektive kausale, nicht intendierte und nicht geplante Ergebnis ungez\u00e4hlter gleichgerichteter individueller intentionaler Handlungen (wobei auch dieses prozessuale Momentum namens Episode genau genommen auch nur eine kommunikative Hilfskonstruktion, eine Abstraktion ist: Sprache ist als Sprache de facto immer nur im Moment des Gebrauchs durch den jeweilig Gebrauchenden (und Rezipierenden). Sie hat kein von ihm oder ihnen unabh\u00e4ngiges Leben. Kein eigenes Sein. Und ist kein eigenst\u00e4ndig Seiendes).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">c.2. Sprache muss systematisch so erkl\u00e4rt werden wie die Etablierung von Bedeutung und der Sprachwandel: von der singul\u00e4ren Verwendung hin zur kollektiven Konsequenz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">d.2\u00a0 Sprache ist stets im Wandel begriffen. Solange es Sprecher einer nat\u00fcrlichen Sprache gibt, die miteinander kommunizieren, werden sie die Sprache wandeln \u2013 nie zielgerichtet, nie intendiert, sondern ungeplant, ungewollt und potentiell endlos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">e.2. Sprache als Sprachsystem, als ergon oder langue zu betrachten und so von ihr zu reden, ist ein legitimer Akt kommunikativer \u00d6konomie und bisweilen auch gebotene Erfordernis. Jedoch anzunehmen, es g\u00e4be sie unabh\u00e4ngig und losgel\u00f6st von den Verwendern und dem Akt der Verwendung, ignoriert den die Sprache konstituierenden und perpetuierenden Prozess sowie dessen Implikationen und Konsequenzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">f.2\u00a0 Sprache ist, wie jedes soziokulturelle Ph\u00e4nomen, kein Handlungssubjekt, kein animal rationale. Sie kann nicht selbstt\u00e4tig agieren. Jeder vitaliserende und anthropomorphisierende Gebrauch des Begriffs \u201aSprache\u2018 stellt somit zwar eine m\u00f6gliche, zul\u00e4ssige und seit Jahrtausenden auch genutzte Variation des Begriffs dar, ist aber eine irrf\u00fchrende Gebrauchsweise, die auf keinen realen Sachverhalt verweist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die Kunst ist Kunst auf zwei Ebenen:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Die Makroebene der<em> \u201asozialen Institutionen\u2018<\/em><\/li>\n<li>Die Mikroebene des individuellen Kunstschaffens<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sprechen wir von der Kunst auf der Makroebene, sollten wir zwischen drei verschiedenen Ebenen differenzieren:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">II.a\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 K\u00fcnstlerisches Genre als episodales Ereignis einer spezifischen\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00fcberindividuellen sozialen Institution (z.B. in der Musik: Jazz, Rock, Klassik etc.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">II.b\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0Kunst als <em>spezifische<\/em> \u00fcberindividuelle soziale Institution (z.B. die Musik, die bildende Kunst, das Theater)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">II.c\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Kunst als <em>allgemeine<\/em> \u00fcberindividuelle soziale Institution<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><u>Kunst (Makroebene der sozialen Institutionen)<\/u><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">a.3\u00a0 Kunst ist ein soziokulturelles Ph\u00e4nomen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">b.3\u00a0 Nicht nur die Rede \u00fcber Kunst, also die Etablierung der Gebrauchsweise des Begriffs (und damit seines Verst\u00e4ndnisses), ist im Rahmen eines Prozesses der unsichtbaren Hand das kausale kollektive, nicht intendierte und nicht geplante Ergebnis individueller intentionaler Handlungen (durch seine individuelle intentionale Teilhabe hat jeder der Beteiligten die kollektive Bedeutungsetablierung mitgetragen und mitverantwortet) \u2013 auch die Konstitution von Kultur und Kunst als soziale Institutionen erfolgt in einem solchen Prozess der unsichtbaren Hand: Beteiligt sind daran nicht allein Kunstschaffende und Kunstrezipienten, sondern alle in einem definierten Zeitkontinuum in der betreffenden Gesellschaft lebenden und handelnden Individuen (die durch ihre individuelle Teilhabe f\u00fcr die kollektive Konstitution mitverantwortlich sind) \u2013 auch die, die der jeweiligen Kultur oder Kunst ablehnend gegen\u00fcber stehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">c.3\u00a0 Durch diese individuelle Teilhabe am kollektiven Prozess der Konstitution auf der Makroebene ist bei den Teilhabenden eine zumeist von ihnen nicht explizierbare \u201adiachronische Identit\u00e4t\u2018 gegeben. Also ein kulturelles \u201aVerst\u00e4ndnis\u2018 des episodalen Ergebnisses dieser Invisible-hand-Prozesses \u2013 unabh\u00e4ngig davon, wie dieses jeweils von dem Einzelnen gesehen oder bewertet wird. Ein solch origin\u00e4res Verst\u00e4ndnis ist uns, weil wir als westliche Beobachter am Konstitutionsprozess nicht unmittelbar teilhaben, bei der aktuellen Kunst Afrikas nur in sehr eingeschr\u00e4nktem Ma\u00dfe m\u00f6glich. Ebenso geht es uns, aus naheliegenden Gr\u00fcnden, auch bei der \u201aKunst\u2018 der alten Griechen, R\u00f6mer, Skythen oder Mayas. Wodurch sich nat\u00fcrlich die Frage stellt, inwieweit ein angemessenes Verst\u00e4ndnis der Kunst (auf der Makroebene), an deren Konstitutionsprozess wir nicht teilnehmen konnten oder k\u00f6nnen, \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist. Wir k\u00f6nnen interpretieren und interpolieren, uns einem m\u00f6glichen Verst\u00e4ndnis reflexiv ann\u00e4hern. Aber der Angemessenheit unseres Ergebnisses k\u00f6nnen wir nie sicher sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">d.3\u00a0 Auf der Makroebene sind jeweilige episodale Erscheinungen der Kunst (wie zum Beispiel solche, die als \u201aImpressionismus\u2018, \u201aExpressionismus\u2018 oder \u201aKubismus\u2018 bezeichnet wurden) im zeitlichen Kontinuum Resultate eines Invisible-hand-Prozesses. Also das kollektive kausale, nicht intendierte, nicht geplante und auch nicht zielgerichtete Ergebnis ungez\u00e4hlter gleichgerichteter individueller intentionaler Handlungen der Kunstschaffenden, die zielgerichtet, geplant und auf einen zumindest tempor\u00e4r finalen Zustand, die Artefakte, ausgelegt waren: Die Makroebene ist eine kollektive Konsequenz der sie erzeugenden Mikroebene.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">e.3\u00a0 Auch die Kunst bisweilen wie ein \u00fcberzeitliches Ph\u00e4nomen, ein <em>ergon<\/em> zu betrachten, mag <em>\u201eein vom Arbeitsziel gebotenes Erfordernis\u201c <\/em>(Keller) sein \u2013 aber faktisch gegeben ist sie, wie jedes andere soziokulturelle Ph\u00e4nomen auch, aufgrund des spezifischen prozessualen Charakters ihrer Genese und Wandels nie als \u00fcberzeitliches Momentum, immer nur als fl\u00fcchtige Episode innerhalb eines zeitlichen Kontinuums.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">f.3\u00a0 Der Prozess des Wandels der Kunst auf der Makroebene und ihrer jeweiligen episodalen Erscheinungen ist, solange es Kunstschaffende und Rezipienten gibt, als kollektive Konsequenz der sie erzeugenden Mikroebene potentiell endlos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">g.3\u00a0 Auch Kunst ist kein Handlungssubjekt. Unser vitalisierender und anthropomorphisierender Sprachgebrauch will uns auch in diesem Fall das oft genug glauben machen (auch der Markt reguliert sich nicht selber, genauso wenig ist es der Staat, der eingreift \u2013 regulieren oder eingreifen k\u00f6nnen nur wir, die Individuen. Wir sind einzig imstande zu handeln. Und sind wir in unserer Gesamtheit verantwortlich, nicht ein omin\u00f6ses, abstraktes Wesen namens Sprache, Kunst, Markt oder Staat. Jedoch erfolgen diese individuellen Handlungen im Rahmen des nun schon zur Gen\u00fcge bekannten Invisible-hand-Prozesses. Und als kollektives Ph\u00e4nomen l\u00e4sst er kaum die Zuweisung einer individuellen Verantwortung zu).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">h.3\u00a0 Wer \u00fcber Kunst reden will, muss notgedrungen auf die Sprache zur\u00fcckgreifen und damit ihren handlungstheoretischen und soziokulturellen Bedingungsrahmen beachten: Jede \u00e4sthetische, kunstphilosophische oder kunstwissenschaftliche Theorie hat die \u00dcberlegungen zur Sprache auf der Mikro- und der Makroebene zumindest zur Kenntnis zu nehmen (gleiches gilt auch f\u00fcr jede Besch\u00e4ftigung mit der Kunst auf der Mikroebene individuellen Kunstschaffens).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><u>Kunst (Mikroebene des individuellen Kunstschaffens)<\/u><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">a.4\u00a0 Kunst ist, wie die Sprache, als soziokulturelles Ph\u00e4nomen auf der Mikroebene der singul\u00e4ren Werke immer gerichtet, bedarf immer eines anderen. So wie dort Sprecher und Angesprochener (der nicht zwingend ein anderer sein muss \u2013 es kann sich auch um ein Selbstgespr\u00e4ch handeln) zwei Seiten einer Medaille sind, so sind es hier Kunstschaffende und Rezipienten (der auch nicht zwingend ein anderer sein muss), die untrennbar miteinander verbunden sind: So wie die Sprache erst im dialogischen Akt der Verwendung ihren eigentlichen Seinszustand als Sprache erf\u00e4hrt, so erf\u00e4hrt das Werk erst im konkreten Akt der Rezeption seinen eigentlichen Seinszustand als Werk (was ist eine ungesprochene Sprache, eine ungeh\u00f6rte Oper, ein ungelesener Roman, eine ungesehene Videoinstallation? Nichts, nicht einmal keine Sprache, keine Oper, kein Roman, keine Videoinstallation). Und mit jedem H\u00f6ren, Lesen, Sehen werden andere Eindr\u00fccke, Empfindungen und Assoziationen evoziert, so dass, ausgehend vom bestehenden Werk, in der unmittelbaren, spontanen Rezeption best\u00e4ndig ein neues entsteht (davon unbenommen bleibt jegliche Interpretation, die eine nicht weniger relevante, jedoch nachgelagert mittelbare, intellektuelle Rezeption leistet).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">b.4\u00a0 Kunst auf der Mikroebene ist aber, anders als sprachliche \u00c4u\u00dferungen auf dieser Ebene, nicht nach diskursiven und interaktionellen Regeln und Handlungsmaximen strukturiert (auch wenn sie, wie die Literatur, das Theater, der Film oder auch die Konzeptkunst eines Joseph Kosuth oder Lawrence Weiner, im Wesentlichen mit Sprache agiert und es Kunstformen gibt, die explizit den Diskurs und die Interaktion suchen). Somit ist sie strukturell auch nicht wie die Sprache zu verstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">c.4\u00a0 Der Kunstschaffende allein reicht nicht aus, um Kunst zu schaffen \u2013 er erschafft lediglich Artefakte. Diese sind nicht allein durch ihn als K\u00fcnstler schon Kunst oder gar Kunst aus sich selbst heraus. Auch sind sie nicht deshalb Kunst, weil Experten sie in einem Akt autoritativer Festlegung als \u201aKunst\u2018 deklarieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">d.4\u00a0 So wie die Kunst auf der Makroebene als soziale Institution kein animal rationale ist, so ist auch die Kunst auf der Mikroebene als Ergebnis des individuellen Kunstschaffens keines. Unsere vitalisierende und anthropomorphisierende Redeweise verf\u00fchrt uns aber wider besseren Wissens dazu, unter anderem auch von k\u00fcnstlerischen Werken so zu reden, als w\u00fcrde es sich bei ihnen um selbstst\u00e4ndig agierende Handlungssubjekte handeln: \u201aDas Bild spricht mich an.\u2018 \u201aDas Theaterst\u00fcck sagt mir nichts.\u2018 \u201aDie Oper hat mich tief bewegt.\u2018 Diese Vitalisierung und Anthropomorphisierung der einzelnen Werke w\u00e4re nicht weiter der Rede wert, w\u00fcrden wir uns nicht auch denkstrukturell von ihr verf\u00fchren lassen und den Werken eine vom Kunstschaffenden unabh\u00e4ngige, eigenst\u00e4ndige Instanzlichkeit zumessen. Es gibt in diesem Kontext aber lediglich zwei Handlungssubjekte (was nicht hei\u00dft, dass es nicht tausende von beeinflussenden Faktoren gibt, die zudem individuell v\u00f6llig unterschiedliche Wirkungen zeitigen k\u00f6nnen): den Kunstschaffenden sowie den Rezipienten \u2013 <em>das Werk hingegen ist keines<\/em>. Ohne Kunstschaffende kann kein Werk sein (was ja genau genommen erst durch einen Rezipienten zu einem Werk wird), Kunstschaffende und Rezipienten k\u00f6nnen aber sehr wohl ohne ein Werk sein.<\/p>\n<p>Ein Werk kann den Rezipienten auf der inspiratorisch-assoziativen Ebene nicht ansprechen, nur der Kunstschaffende kann ihn vermittels des Werks ansprechen. Entsprechend kann sich der Rezipient nur von dem Kunstschaffenden vermittels des Werks auf der inspiratorisch-assoziativen Ebene angesprochen f\u00fchlen (und zwar unmittelbar), nicht aber vom Werk als solchen. Wobei zum einen der Kunstschaffende selbstverst\u00e4ndlich, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer, fast v\u00f6llig hinter seinem Werk zur\u00fccktreten kann, so dass dem Rezipienten das Werk fast autonom erscheinen mag. Aber egal, ob der Kunstschaffende nun f\u00fcr den Rezipienten in Erscheinung tritt oder nicht: Es muss ihn gegeben haben. Ohne Kunstschaffende kein Werk (deren Kunstschaffen wiederum nie im luftleeren Raum stattfindet, sondern immer kontextuell gebunden und bedingt ist). Zum anderen: Dieses \u201aAnsprechen\u2018 ist neutral gemeint \u2013 es kann alle nur erdenklichen Formen, von der Begl\u00fcckung \u00fcber Ratlosigkeit bis zum Ekel, annehmen (Horkheimer\/Adorno sprachen, Nietzsche zitierend, vom Jazz als <em>\u201estilisierte Barbarei\u201c<\/em> (Horkheimer\/Adorno 1980: 115); zu den Bach-Fugen habe ich, ich muss es zu meiner gro\u00dfen Schande gestehen, keinen Zugang).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der inspiratorisch-hermeneutischen Ebene hingegen gibt es zwei M\u00f6glichkeiten: Das \u201aAngesprochenwerden\u2018 kann sowohl unmittelbar als auch mittelbar erfolgen. Letzteres wenn beispielsweise im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit eine interpretative Auseinandersetzung mit dem Werk geboten ist. Der Rezipient, zumal der gebildete, kann in dem Fall entlang des Werkes auf Basis der K\u00fcnstler-Intention, aller nur denkbaren Kontexte und Zusammenh\u00e4nge sowie theoretischer Konzepte eine interpretative Leistung erbringen \u2013 mag sie nun als Deutung des Textes, des Bildes, der Partitur oder doch eher als eine individuelle bedeutungsgebende Leistung des Interpreten angesehen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">e.4.\u00a0 Sprecher-Intentionen beziehen sich auf singul\u00e4re \u00c4u\u00dferungstypen innerhalb eines umfassenderen sprachlichen Kontextes, K\u00fcnstler-Intentionen jedoch beziehen sich auf ein Artefakt (einen Roman, eine Oper, eine Performance, eine Videoinstallation etc.), eine umfassende Werkgruppe oder sogar auf ein gesamtes k\u00fcnstlerisches Oeuvre. Dabei ist es denkbar, dass K\u00fcnstler eine konsequente \u201ak\u00fcnstlerische Sprache\u2018 entwickeln. In diesem Fall k\u00f6nnte eine singul\u00e4re Intention zu etwas werden, was, in Anlehnung an die linguistisch-handlungstheoretische Terminologie, eingedenk aller Vorbehalte vielleicht als \u201ak\u00fcnstlerischer Ideolekt\u2018 bezeichnet werden kann. Ein Ideolekt, der f\u00fcr ge\u00fcbte Rezipienten dieser k\u00fcnstlerischen Werke in \u00e4hnlicher Weise verst\u00e4ndlich ist wie der Ideolekt eines Sprechers f\u00fcr die Angesprochenen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">f.4. In den sch\u00f6nen K\u00fcnsten der modernen Kunst sind singul\u00e4re Werke aber in der Regel nicht, wie sprachliche \u00c4u\u00dferungen, durch die handelnden Personen strukturell darauf ausgelegt, von einer singul\u00e4ren, individuellen Intention ausgehend eine Bedeutung, eine regelhafte Gebrauchsweise zu etablieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">g.4\u00a0 Ob bei k\u00fcnstlerischen Werken \u00fcberhaupt ein Fall des Meinens im strengen Sinne des von Grice entwickelten handlungstheoretischen Grundmodells (cf. Kap. 2.11) vorliegen kann, ist fraglich \u2013 k\u00fcnstlerische Werke sind zwar auch in gewisser Hinsicht singul\u00e4re \u00c4u\u00dferungen (also nicht \u00c4u\u00dferungen etablierter Bedeutungen), aber es sind \u201a\u00c4u\u00dferungen\u2018 abgeschlossener Artefakte. Grice\u2018 Modell bezieht sich jedoch strukturell auf singul\u00e4re \u00c4u\u00dferungen singul\u00e4rer \u00c4u\u00dferungstypen. Liegt bei einem Artefakt in diesem handlungstheoretischen Sinne aber kein Meinen vor, gibt es bei ihm auch keine <em>\u201ereflexive Intention\u201c<\/em> (Liedtke 2016: 37) zu erkennen (in<em> diesem <\/em>Sinne gibt es dann eben auch nichts zu verstehen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleichwohl kann es sich bei den Intentionen der K\u00fcnstler um F\u00e4lle des Meinens handeln \u2013 es w\u00e4re an anderer Stelle zu untersuchen, welcher Art diese Form des Meinens ist und wie sie sich vom Grice\u2019schen Modell abgrenzt. Sie wird aber sicherlich, so viel kann gesagt werden, von Genre zu Genre (Theater vs. Malerei oder Musik), aber auch innerhalb eines Genres oder auch von K\u00fcnstler zu K\u00fcnstler (Literatur: Jandl vs. Brecht) unterschiedlich ausgepr\u00e4gt sein (Hito Steyerl ist ein aktuelles Beispiel f\u00fcr eine K\u00fcnstlerin, die sich explizit politischen Themen widmet. So in ihrer Videoinstallation \u201aFactory of the Sun\u2018, die, so Florian Ebner, eine Reflexion \u00fcber <em>\u201eeine Welt in Aufruhr und eine Bilderwelt im Aufbruch\u201c<\/em> ist, bei der es um die <em>\u201e\u00dcbersetzung realer politischer Figuren in virtuelle Figuren\u201c<\/em> (Ebner 2015: o.S.) geht). Teilweise gibt es auch innerhalb des Oeuvres eines K\u00fcnstlers Werke, bei denen mit gewissem Recht ein Form des Meinens konstatiert werden kann. So hat Picassos \u201aGuernica\u2018 eine klare Botschaft. Ebenso die siebte Sinfonie von Schostakowitsch, die, laut Aussage seines Sohnes, eine Prophetie des Sieges der Roten Armee \u00fcber die deutschen Invasoren sein soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">h.4\u00a0 Das Problem des Verstehens von Bedeutungen k\u00fcnstlerischer \u00c4u\u00dferungen ber\u00fchrt die Frage nach der \u00dcbereinstimmung von Verst\u00e4ndnishorizonten. Wird in einem Prozess sozialer Kristallisation im Rahmen einer gesellschaftlichen Gruppe (wie umfangreich diese auch immer sein mag) ein gemeinsames Wissen etabliert, so besteht die Hoffnung, dass die an dem Prozess Beteiligten \u00fcber eine gewisse verst\u00e4ndnissichernde Schnittmenge der Bedeutungen verf\u00fcgen. Dies war bis weit in die Moderne der Fall. F\u00fcr alle nicht an diesem Prozess Beteiligten (auf der synchronen Zeitachse), aber auch f\u00fcr uns Nachgeborenen (auf der diachronen Zeitachse) wird das Verst\u00e4ndnis schon deutlicher schwerer. Wer nicht daran Teil hat, ist nicht Teil dessen. Und verf\u00fcgt auch nicht \u00fcber die entsprechenden Vorbedingungen, die ein intuitives, problemloses Verst\u00e4ndnis erm\u00f6glichen w\u00fcrde. Ein halbwegs angemessenes Verst\u00e4ndnis der k\u00fcnstlerischen Werke ist so erst durch einen nachtr\u00e4glichen hermeneutischen Prozess m\u00f6glich. Der allerdings nie mehr als eine Interpolation darstellen kann, eine fortw\u00e4hrende, niemals ihr Ziel erreichende Ann\u00e4herung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">i.4\u00a0 In der Moderne potenziert sich das Problem des Verstehens, wird doch jetzt das singul\u00e4re Kunstschaffen mehr und mehr zu einem Ausdruck g\u00e4nzlich subjektiv definierter Ent\u00e4u\u00dferung. Es kann also, auf der Bedeutungsebene der Artefakte, zunehmend weniger auf ein kollektives Ergebnis sozialer Kristallisation rekurriert werden. Es wird, heute mehr denn je, zu einem auf den einzelnen Kunstschaffenden singul\u00e4r ausgerichteten Interpretationsvorhaben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">j.4\u00a0 Verstanden zu werden ist nicht zwingend Ziel der Kunstschaffenden. Zumindest nicht deren vorrangiges Ziel. Es gibt, wie in der Sprachverwendung, ein \u00fcbergeordnetes Ziel: den, andere zu etwas zu bewegen (inwieweit in diesem Kontext R\u00fccksicht auf einen Minimalkonsens in puncto Verst\u00e4ndlichkeit genommen werden muss, um nicht den Erfolg der Vorsatzabsicht, eine Wirkung zu gef\u00e4hrden, bleibt dahin gestellt \u2013 zumindest kann eine k\u00fcnstlerische Arbeit, wenn sie zu innovativ ger\u00e4t, durchaus ihre Akzeptanz gef\u00e4hrden).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.3 Prozess der Zuschreibung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Logisch zu unterscheiden von den genannten Gebrauchsweisen<sup>31<\/sup> des Begriffs \u201aKunst\u2018 ist der Prozess der <em>Zuschreibung<\/em>, der <em>aktuale Akt der<\/em> <em>Attribution<\/em> von etwas<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">als etwas (zum Beispiel die Attribution eines Artefaktes als Kunst) \u2013 in der Synchronie wie auch der r\u00fcckblickenden Diachronie (dieser Prozess ist, wie nicht anders zu erwarten, a.) ein Prozess der unsichtbaren Hand und b.) nominalistisch zu erkl\u00e4ren). Diese aktualen Akte sind, da sie stets in den Kontext einer spezifischen Epoche, Kultur und Gesellschaft eingebettet sind und nie von diesem losgel\u00f6st stattfinden k\u00f6nnen, grunds\u00e4tzlich perspektivisch. Gleiches gilt auch f\u00fcr die Zuschreibung eines Werkes einer anderen Epoche oder Kultur als \u201aKunst\u2018 \u2013 sie erfolgt notwendigerweise aus einer solch kontextuell gebundenen Warte. Diese Aussagen sind somit immer relativ, nie absolut. Und da sie zu einem aktualen Zeitpunkt A \u00fcberall auf der Welt in anderen Kulturen, Gesellschaften und partikularen Gruppierungen in gleicher Weise erfolgen, liegen A<sub>n<\/sub> Zuschreibungen vor. Die sich ins Unendliche potenzieren, da ein aktualer Zeitpunkt ja nur eine Episode im historischen Kontinuum darstellt: Wissend um das Hume\u2019sche Induktionsproblem l\u00e4sst sich dennoch mit einiger Berechtigung sagen, dass eine recht hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass zuk\u00fcnftig eine Zuschreibung so erfolgen wird wie sie heute erfolgt und in der Vergangenheit erfolgt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Strukturell m\u00fcssen Zuschreibungen wie gesagt so erkl\u00e4rt werden, wie die Etablierung der Gebrauchsweise eines Begriffs erkl\u00e4rt werden muss: ausgehend vom singul\u00e4ren Gebrauch handelnder Individuen. Bei konstanter Zuschreibung von etwas als Kunst durch das handelnde Individuum ergibt sich eine gewisse Regelhaftigkeit, der sich unter Umst\u00e4nden nach und nach eine Reihe anderer Personen zustimmend anschlie\u00dfen. Das kollektive, nicht intendierte und nicht geplante Resultat dieser individuellen Zuschreibungen und Zustimmungen ist, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt eine bestimmte Gruppe ein bestimmtes Werk (oder auch: ein Oeuvre; ein Genre; eine soziale Institution) in gleicher Weise als Kunst bezeichnet. Diese Gruppe kann sich stetig erweitern, so dass zu einem bestimmten Zeitpunkt eine ganze Gesellschaft (Kultur; Epoche) ein bestimmtes Werk (oder eben auch: ein Oeuvre; ein Genre; eine soziale Institution) \u00fcbereinstimmend als Kunst bezeichnet. Was aber noch lange nicht bedeutet, dass die Individuen dieser Gesellschaft auch hinsichtlich ihrer <em>Gebrauchsweise<\/em> des Begriffs \u201aKunst\u2018 \u00fcbereinstimmen (wer wei\u00df, welchen bedeutungsdifferenzierenden Beitrag Konnotationen, konversationelle und konventionelle Implikaturen, individuelle Assoziationen oder die jeweilige Lebenswelt mitsamt des nicht zu explizierenden Erfahrungswissen leisten?).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Prozess der Zuschreibung erfolgt nicht nur bei singul\u00e4ren Ergebnissen individuellen Kunstschaffens innerhalb der gleichen Gesellschaft oder Kultur, also bei konkreten Artefakten wie ein klassisches Musikst\u00fcck, eine Videoinstallation, ein Gem\u00e4lde oder ein Roman, er erfolgt in gleicher Weise auch hinsichtlich analoger Ergebnisse anderer Gesellschaften und Kulturen. Gleiches geschieht aus unserer Perspektive bei vergangenen singul\u00e4ren Ergebnissen individuellen Kunstschaffens innerhalb der gleichen wie auch der anderer Gesellschaften oder Kulturen. Ebenso bei Genres, also episodalen Ereignissen (deren Dauer durchaus unbestimmt sein kann \u2013 von wenigen Jahren bis zu Jahrhunderten) spezifischer \u00fcberindividueller sozialer Institutionen sei es eigener, anderer oder vergangener Kulturen \u2013 so wird von uns in der Musik Jazz, Rock, Klassik, der gregorianische Choral oder auch Kh\u00f6\u00f6mej, der tuwinische und mongolische Kehlgesang, als \u201aKunst\u2018 attribuiert. Wie auch das klassische japanische Theater (deren episodale Formen das buddhistisch gepr\u00e4gte No oder das aus Gesang, Pantomime und Tanz bestehende Kabuki darstellen) auf der Ebene der <em>spezifischen <\/em>\u00fcberindividuellen sozialen Institutionen. Oder unsere Attribution sozialer Institutionen als Kunst, deren Zweck wir nur noch mit Hilfe anthropologischer Spekulation erahnen k\u00f6nnen wie zum Beispiel die H\u00f6hlenmalerei aus Altamira oder die unvergleichliche Venus von Willendorf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Versucht sich nun ein Einzelner intentional, geplant und bewusst, und sei es im Rahmen eines ausgefeilten und wohl formulierten \u00e4sthetischen Konzepts, an einer autoritativen Zuschreibung eines Werks (Oeuvre; Genres; sozialen Institution) als Kunst (oder auch als Nicht-Kunst), so wird er vielleicht tempor\u00e4r damit Erfolg haben. Aber diese Zuschreibung wird zur G\u00e4nze und unwidersprochen als etablierte, verbindliche Zuschreibung bestenfalls in Kreisen \u00fcberwintern, die bereit sind, sich einem solch autoritativen Akt, aus welchen Beweggr\u00fcnden auch immer, zu unterwerfen. So d\u00fcrfte das Bem\u00fchen Adornos, den Jazz als charakteristisches Medium der Kulturindustrie liberaler Industriel\u00e4nder zu diffamieren (Horkheimer\/Adorno 1980: 118), selbst bei seinen treuesten Apologeten nur in bescheidenem Ma\u00dfe verfangen haben. Und der in seinem autoritativem Bem\u00fchen strukturell gleich gelagerte, jedoch institutionell angelegte und weit gewaltsamer und plumper vorgetragene Versuch in finstersten Zeiten deutscher Geschichte, die gesamte moderne Kunst als entartet zu verfemen, f\u00fchrte letztlich nicht zu einer \u00fcber das Ende der Herrschaft des Nationalsozialismus hinausgehenden Etablierung der Zuschreibung moderner Kunst als \u201aentartet\u2018. Kunst<sup>32 <\/sup>ist eben nicht das, was manche, seien es nun Banausen oder Agitatoren, Kunsthistoriker oder Philosophen, Feuilletonisten, Kuratoren, K\u00fcnstler oder kunstinteressierte B\u00fcrger, f\u00fcr Kunst halten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kunst ist das, was, als Resultat eines kollektiven Prozesses individueller Zuschreibungen, als Kunst gesehen wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192 <\/strong>Den ersten Teil dieses Essays lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=46419\">hier<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Essays<\/strong> von Stefan Oehm, KUNO 2019<\/p>\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=44273&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 size-266x266 alignright\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/KUNO-e1505588144923.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"150\" \/><\/a>Die <i>Essays <\/i>von Stefan Oehm auf KUNO kann man als eine Reihe von Versuchsanordnungen betrachten, sie sind undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen. Er betrachtet diese Art des Textens als Medium und Movens der Reflektion in einer Zeit, die einem bekannten Diktum zufolge ohne verbindliche Meta-Erz\u00e4hlungen auskommt. Der Essay ist ein Forum des Denkens nach der gro\u00dfen Theorie und schon gar nach den gro\u00dfen Ideologien und Antagonismen, die das letzte Jahrhundert beherrscht haben. Auf die offene Form, die der Essayist bespielen muss, damit dieser immer wieder neu entstehende \u201eintegrale Prozesscharakter von Denken und Schreiben\u201c auf der \u201eB\u00fchne der Schrift\u201c in Gang gesetzt werden kann, verweist der Literaturwissenschaftler Christian Sch\u00e4rf. Im Essay geht die abstrakte Reflexion mit der einnehmenden Anekdote einher, er spricht von Gef\u00fchlen ebenso wie von Fakten, er ist erhellend und zugleich erhebend. Daher verliehen wir Stefan Oehm den KUNO-Essaypreis 2018.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>____________________________<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><sup>32 <\/sup>Zusammenfassend sind dies:<\/p>\n<ol>\n<li>Gebrauchsweise des Begriffs \u201aKunst\u2018 (sprachliche Mikroebene)<\/li>\n<li>Mikroebene: individuelles Kunstschaffen (hier k\u00f6nnte ggf. noch eine weitere Differenzierung etabliert werden: zwischen dem einzelnen Werk und dem gesamten Oeuvre; \u201aSeine Kunst ist in vielen Genres zu Hause\u2018 so schrieb die Rheinische Post am 09.02.2018 \u00fcber den belgischen K\u00fcnstler Jan Fabre)<\/li>\n<li>Makroebene: Genre als episodales Ereignis einer spezifischen \u00fcberindividuellen sozialen Institution (z.B. Musik: Jazz, Rock, Klassik etc.)<\/li>\n<li>Makroebene: <em>spezifische<\/em> \u00fcberindividuelle soziale Institutionen (Musik, bildende Kunst, Theater etc.)<\/li>\n<\/ol>\n<ul>\n<li><i>Makroebene:<em> allgemeine<\/em> \u00fcberindividuelle soziale Institution (\u201adie Kunst\u2018)<\/i><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><sup>33 <\/sup>Es gibt Variationen etablierter Gebrauchsweise des Begriffs \u201aKunst\u2018, die uns hier nicht interessieren. Zumeist handelt es sich um heute noch gebr\u00e4uchliche Reflexe alter Gebrauchsweisen (cf. Kap. 3.1 ff.), die sprachlich zumeist als Pr\u00e4fix \u201aKunst-\u2018 oder Suffix \u201a-kunst\u2018 auftreten:<\/p>\n<ol>\n<li>Kunst im Sinne einer Fertigkeit: Kochkunst, Schwarze Kunst, Lebenskunst<\/li>\n<li>Kunst im Sinne eines Handwerks: Kunsthandwerk, Kunstgewerbe<\/li>\n<li>Kunst im Sinne einer Wissenschaft (die Sieben Freien K\u00fcnste): Redekunst, Sprachkunst, Beweiskunst<\/li>\n<li>Kunst als dichotomer Gegenbegriff zur Natur: Kunststoff, Kunstfaser<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Literatur:<\/p>\n<p>Barthes, Roland (1968\/2016): Der Tod des Autors. In: Fotis Jannidis u.a. (Hrsg.), Texte zur Theorie der Autorschaft, Stuttgart: Reclam Verlag.<\/p>\n<p>Eco, Umberto (1990): Zwischen Autor und Text. In: Fotis Jannidis u.a. (Hrsg.), Texte zur Theorie der Autorschaft, Stuttgart: Reclam Verlag.<\/p>\n<p>Elias, Norbert (1976): \u00dcber den Prozess der Zivilisation, Zweiter Band, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag.<\/p>\n<p>Ferguson, Adam (1767\/1904): An Essay on the History of Civil Society, Edinburgh.<\/p>\n<p>Fromm, Erich (1990\/2016): Die Furcht vor der Freiheit, M\u00fcnchen: Deutscher Taschenbuch Verlag.<\/p>\n<p>Gadamer, Hans-Georg (1975): Wahrheit und Methode, T\u00fcbingen: J.C.B. Mohr Goethe, Johann Wolfgang (1979): Faust, M\u00fcnchen: Deutscher Taschenbuch Verlag.<\/p>\n<p>Grice, Herbert Paul (1979): Intendieren, Meinen, Bedeuten. in: Georg Meggle (Hrsg.), Handlung Kommunikation Bedeutung, Frankfurt a.M.: Verlag Suhrkamp.<\/p>\n<p>Grice, Herbert Paul (1979): Sprecher-Bedeutung, Satz-Bedeutung, Wort-Bedeutung. in: Georg Meggle (Hrsg.), Handlung Kommunikation Bedeutung, Frankfurt a.M.: Verlag Suhrkamp.<\/p>\n<p>Grice, Herbert Paul (1979): Sprecher-Bedeutung und Intentionen. in: Georg Meggle (Hrsg.), Handlung Kommunikation Bedeutung, Frankfurt a.M.: Verlag Suhrkamp.<\/p>\n<p>Humboldt, Wilhelm von (2008): Schriften zur Sprache, Frankfurt a.M.: Zweitausendeins.<\/p>\n<p>Husserl, Edmund (2012): Die Krisis der europ\u00e4ischen Wissenschaften und die transzendentale Ph\u00e4nomenologie, Hamburg: Felix Meiner Verlag<\/p>\n<p>Keller, Rudi (2018): Zeichentheorie, T\u00fcbingen: UTB\/A. Francke Verlag.<\/p>\n<p>Keller, Rudi (2014): Sprachwandel, T\u00fcbingen: A. Francke Verlag.<\/p>\n<p>Kettler, David\/Meja, Volker\/ Stehr, Nico: Vorwort der Herausgeber. in Mannheim, Karl (1980): Strukturen des Denkens, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag. Liedtke, Frank (2016): Moderne Pragmatik, T\u00fcbingen: Narr Francke Attempto Verlag.<\/p>\n<p>Hank, Rainer (2017): Gemeinwohl, Artikel in: F.A.S. 24. Dezember 2017.<\/p>\n<p>Hayek, Friedrich August von (1969): Freiburger Studien, in: Gesammelte Aufs\u00e4tze, Hayek, Friedrich August von (1983): Die \u00fcbersch\u00e4tzte Vernunft, in: Evolution und Menschenbild, Hrsg. Rupert Riedl\/Franz Kreuzer, Hamburg: Verlag Hoffmann und Campe.<\/p>\n<p>Heidegger, Martin (2000): Die Frage nach der Technik, in: Martin Heidegger: Vortr\u00e4ge und Aufs\u00e4tze, Frankfurt a.M.: Verlag Vittorio Klostermann.<\/p>\n<p>Horkheimer, Max\/Adorno, Theodor W. (1980): Begriff der Aufkl\u00e4rung, in: Dialektik der Aufkl\u00e4rung, Frankfurt a.M.: S. Fischer Verlag.<\/p>\n<p>Horkheimer, Max\/Adorno, Theodor W. (1980): Kulturindustrie. Aufkl\u00e4rung als Massenbetrug, in: Dialektik der Aufkl\u00e4rung, Frankfurt a.M.: S. Fischer Verlag.<\/p>\n<p>Klemperer, Victor (2015): LTI Notizbuch eines Philologen, Stuttgart: Reclam<\/p>\n<p>Mandeville, Bernard de (2012): Die Bienenfabel, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag. Mannheim, Karl (1980): Strukturen des Denkens, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag. Niedermeier, Silvan (2014): Rassismus und B\u00fcrgerrechte: Polizeifolter im S\u00fcden der USA, Hamburg: Hamburger Edition HIS Verlag.<\/p>\n<p>Peirce, Charles S. (2000): Semiotische Schriften, Bd.1, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag.<\/p>\n<p>Platon (1980): S\u00e4mtliche Werke 2, Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag.<\/p>\n<p>Plauen, Michael\/Welzer, Harald (2015): Autonomie, Frankfurt a.M.: S. Fischer Verlag<\/p>\n<p>Rorty, Richard (1987): Der Spiegel der Natur, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag.<\/p>\n<p>Rauterberg, Hanno (2017): Tanz der Tugendw\u00e4chter, Artikel in: DIE ZEIT. 27. Juli 2017.<\/p>\n<p>Riedel, Manfred (1990): H\u00f6ren auf die Sprache, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag.<\/p>\n<p>R\u00fcschemeyer, Georg (2017): Was macht mit mir nur dieses D-Dur?, Artikel in: F.A.S. 24. Dezember 2017.<\/p>\n<p>de Saussure, Ferdinand (1967): Grundlagen der allgemeinen Sprachwissenschaften, Berlin: Walter de Gruyter<\/p>\n<p>Schm\u00fccker, Reinold (2018): Was ist Kunst? Eine Grundlegung, Frankfurt a.M.: Verlag Vittorio Klostermann.<\/p>\n<p>Siemons, Mark (2018): Wille zu Welt, Artikel in F.A.S. 28. Januar 2018. Smith, Adam (1978): Der Wohlstand der Nationen, M\u00fcnchen: Deutscher Taschenbuch Verlag.<\/p>\n<p>Tugendhat, Ernst (1979): Vorlesungen zur Einf\u00fchrung in die sprachanalytische Philosophie, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag. Windelband\/ Heimsoeth (1976): Lehrbuch der Geschichte der Philosophie, T\u00fcbingen: J.C.B.Mohr (Paul Siebeck) Verlag.<\/p>\n<p>Wittgenstein, Ludwig (1977): Philosophische Untersuchungen, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Internetquellen: Deutscher, Guy (04.04.2012): Dem Gef\u00e4ngnis der Sprache entfliehen, online unter:<\/p>\n<p>https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/sprachwissenschaft-dem-gefaengnis-der-sprache-entfliehen\/6473176.html<\/p>\n<p>Ebner, Florian (2015) http:\/\/archiv.deutscher-pavillon.org\/2015\/<\/p>\n<p>Lammert, Norbert (24.06.2016): Brauchen wir eine Leitkultur?, online unter: https:\/\/blog.klassik-stiftung.de\/norbert-lammert-leitkultur\/ Lingner, Michael (1983): Philosophische Zug\u00e4nge zur bildenden Kunst nach 1945, Vortrag an der Akademie der Bildenden K\u00fcnste M\u00fcnchen, online unter: https:\/\/archiv.ask23.de\/draft\/archiv\/ml_publikationen\/kt85-1.html<\/p>\n<p>Maizi\u00e8re, Thomas de (30.04.2017): &#8222;Wir sind nicht Burka&#8220;: Innenminister will deutsche Leitkultur, online unter: http:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2017-04\/thomas-demaiziere-innenminister-leitkultur\/seite-2 Martus, Steffen (08.02.2017): Germanistik in der Krise? Der eierlegende Wollmilchgermanist wird dringend gesucht, online unter: http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/forschung-und-lehre\/germanistik-in-der-krise-der-eierlegende-wollmilchgermanist-wird-dringend-gesucht-14865806-p3.html (Stand 14.07.2017)<\/p>\n<p>Ranci\u00e8re, Jacques (20.11.2013): im Gespr\u00e4ch mit Stephan Karkowsky http:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/geistesgeschichte-wie-kunst-als-kunst-definiert-wird.954.de.html?dram:article_id=269579<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEin tausendmal gelesenes Buch \u2013 das sind tausend verschiedene B\u00fccher.\u201c Andrej Tarkowskij: Von der Verantwortung des K\u00fcnstlers, 1967 \u201eErst durch die Handlung des Betrachters entsteht ein Werk.\u201c Franz Erhard Walther \u00a0 \u00a0 Reden \u00fcber Kunst \u00a0 4.1 Zwischenfazit I Unsere&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/05\/07\/worueber-reden-wir-wenn-wir-ueber-kunst-reden-teil-2\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":56052,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2074],"class_list":["post-47830","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-stefan-oehm"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/47830","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/169"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=47830"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/47830\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=47830"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=47830"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=47830"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}