{"id":46354,"date":"2018-02-10T00:01:08","date_gmt":"2018-02-09T23:01:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=46354"},"modified":"2019-12-29T10:41:38","modified_gmt":"2019-12-29T09:41:38","slug":"ueber-leistungen-eines-kunstwerkes","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/02\/10\/ueber-leistungen-eines-kunstwerkes\/","title":{"rendered":"\u00dcber Leistungen eines Kunstwerkes"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Vorbemerkung der Redaktion<\/span>:&nbsp; In unregelm\u00e4\u00dfiger Abfolge stellen wir auf den <em>Kulturnotizen<\/em> Literaturzeitschriften vor. Die f\u00fcnfte Ausgabe des zweisprachigen Literaturmagazins <em>The Transnational<\/em> ist diesen Monat erschienen, KUNO bat den Herausgeber Ren\u00e9 Kanzler um einen Einblick in die redaktionelle Arbeit:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir brauchen uns nicht zu fragen, was die heutigen Probleme der Welt sind. T\u00e4glich wer\u00adden wir \u00fcber sie in Kenntnis gesetzt. Inwieweit wir die Nachrichten noch bewusst erleben und sogar reflektiert verarbeiten, ist ein anderer Problemkomplex. Fest steht allerdings: Die Informationsflut \u00fcber Missst\u00e4nde im Kleinen wie im Gro\u00dfen scheint uns abstumpfen zu lassen. Als wirkliche Sensation gilt allerh\u00f6chstens ein Flugzeugabsturz, bei dem min\u00addestens 200 Menschen, m\u00f6glichst Reisende aus dem eignen Land, verstorben sind. Aber auch dar\u00fcber sehen wir zusehends hinweg. Ist das Polemik und \u00dcbertreibung oder Reali\u00adt\u00e4t?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es n\u00fctzt nichts, ein weiteres Mal zu pointieren, dass immer mehr Staaten rechtskonserva\u00adtiv werden, dass der Klimawandel bereits jetzt unsere Erde auf den Kopf stellt, dass Krie\u00adge weltweit herrschen oder im Entstehen begriffen sind, wir uns gegenseitig ausbeuten,nur noch wollen, dass es uns gutgeht, wobei wir das Wohlergehen anderer bewusst igno\u00adrieren, wir immer weniger in der Lage sind, komplexe Zusammenh\u00e4nge zu erkennen, wir die F\u00e4higkeit eingeb\u00fc\u00dft haben, die Rhetorik von Wortf\u00fchrern zu durchschauen und uns damit zufrieden geben, am Ende des Tages ein Smartphone in der Hand halten zu k\u00f6n\u00adnen, um soziale Medien als Ersatz f\u00fcr unser verlorengegangenes Sozialleben zu nutzen.<br \/>\nDie Analysen der Ursachen jener Schwierigkeiten sind auch bereits gemacht. Wie sehr wirdiese wahrnehmen und hinterfragen, ist wiederum eine andere Sache. 2016 kam es zur Ver\u00f6ffentlichung der Panama\u00ad-Papers. Der Aufschrei war gro\u00df. Mehr geschah nicht. Ein Jahr sp\u00e4ter hei\u00dfen sie Paradise\u00ad-Papers \u2013 nach einer Woche Medienaufmerksamkeit geht alles wieder seinen gewohnten Gang. Ich k\u00f6nnte noch tausende solcher Beispiele auff\u00fch\u00adren. Es ist aber m\u00fc\u00dfig. Im Prinzip sind ganz andere Fragen zu beantworten:<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Was k\u00f6nnen wir tun, um diese Probleme zu l\u00f6sen?<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Wie k\u00f6nnen wir angemessen auf sie reagieren?<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Wie k\u00f6nnen wir vielleicht sogar pr\u00e4ventiv agieren, um die Entstehung neuer Probleme zu verhindern?<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Welche Aufgabe kommt dabei der Kunst zu?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nehmen wir ein Gedicht, eine Geschichte, ein Essay, ein Buch, eine Zeichnung, ein Ge\u00adm\u00e4lde, eine Plastik, eine Skulptur, ein Musikst\u00fcck, Wissenschaft, eingebettet in jene Er\u00adzeugnisse oder eine Kombination aus all dem, all das kann genau dann als Kunst betrachtet werden, wenn das jeweilige Werk vom K\u00fcnstler erstens empfunden, zweitens durchdacht und drittens handwerklich gut, das hei\u00dft mit Empfindung und Gedanken ein\u00ad hergehend, angefertigt wurde. Ob uns die Gedanken und Empfindungen oder sogar das handwerkliche Geschick erreichen beziehungsweise wir all das verstehen und ob uns das gef\u00e4llt, kann der jeweilige Autor, Maler oder allgemein K\u00fcnstler nicht beeinflussen. Das Erreichen des Lesers oder Betrachters h\u00e4ngt von vielen Faktoren ab, auf die nicht vollst\u00e4n\u00addig Einfluss genommen werden kann. Ein Kunstwerk stellt uns jedoch die M\u00f6glichkeit bereit, dass es von jemandem erreicht werden kann, und dar\u00fcber hinaus die Chance, sich dazu zu positionieren:<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Gef\u00e4llt es uns? Spricht es uns an?<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">K\u00f6nnen wir den vermittelten Ge\u00addanken folgen?<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Ist es formvollendet?<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Weist es St\u00e4rken oder Schw\u00e4chen auf?<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Widerspiegelt oder widerspricht es unserer Meinung oder unserer Haltung?<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Was bedeutet das f\u00fcr uns?<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Und noch viel wichtiger: Wie begr\u00fcnden wir unsere Antworten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und genau hier liegt eine m\u00f6gliche Antwort auf die oben gestellten Fragen: Kommt Kunst jenen drei genannten Bedingungen nach, ist es m\u00f6glich, einen Dialog nicht \u00fcber das Kunstwerk selbst zu f\u00fchren, denn dazu bedarf es der Erf\u00fcllung jener Bedingungen freilich nicht, sondern \u00fcber das Kunstwerk hinaus. Im Dialog mit uns, mit anderen Lesenden, H\u00f6renden, Betrachtenden oder mit dem Autor, Maler, Bildhauer, Musiker oder Wissen\u00adschaftler k\u00f6nnen wir uns sowie unsere Sichtweisen und die anderer Menschen kennenler\u00adnen. Was dabei entsteht, ist einer der sch\u00f6nsten Augenblicke im Leben eines Menschen: Es findet ein Austausch statt, ein Hinterfragen, eine Reflexion, ein \u00dcberdenken und sogar ein Neudenken und Neuf\u00fchlen. Dass die F\u00e4higkeit zur \u00e4sthetischen Wahrnehmung eines Kunstwerkes immer mehr verloren geht und wir es immer mehr vers\u00e4umen, gescheite Gespr\u00e4che zu f\u00fchren, hat viele verschiedene Ursachen, auf die einzugehen m\u00fc\u00dfig w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verwahrlosung hat viele Gesichter. Doch der Transnational hat den Anspruch, einen Bei\u00adtrag dazu zu leisten, wieder zur Betrachtung von Kunst, speziell der Literatur, und dem F\u00fchren von Dialogen zu motivieren. Und im Idealfall verbleiben wir alle nicht nur beim Betrachten und Diskutieren, sondern wandeln unsere Eindr\u00fccke in gemeinschaftliche Ta\u00adten um. Der eine oder andere mag aber gleich fragen: \u201eWarum etwas tun?\u201c Ein weiterer wird meinen: \u201eEs n\u00fctzt doch ohnehin alles nichts!\u201c Ein Blick in die Regions\u00ad und Welt\u00adnachrichten sollte gen\u00fcgen, um eines klarzumachen: Wird nichts getan, wird es auch bald f\u00fcr Skeptiker, Bewahrer des Bestehenden und die Resignierten keinen Anlass mehr geben, ihre Standpunkte zu vermitteln \u2013 denn irgendwann ist es einmal f\u00fcr alles zu sp\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch haben wir die Chance, etwas besser zu machen. Der Transnational soll dazu ein ers\u00adter Schritt sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=44097&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 size-266x266 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/The-Transnational.png\" alt=\"\" width=\"188\" height=\"266\"\/><\/a><strong>The Transnationa<\/strong>l ist ein zweisprachiges Literaturmagazin. Die Redaktion ver\u00f6ffentlicht Autoren aus aller Welt, die sich auf kreative Art und Weise mit der politischen und sozialen Landschaft des 21. Jahrhunderts besch\u00e4ftigen. Weltweit. Auf Englisch &amp; Deutsch. Seit Februar 2017 ist&nbsp;Ren\u00e9 Kanzler neuer Herausgeber des Transnational Magazins. Im selben Atemzug bekam auch die Website ein neues Design spendiert um sowohl Lesbarkeit als auch Optik zu verbessern. Die macht sich auch in der laufen Ausgabe No. 5 bemerkbar. Autoren aus aller Welt diskutieren auf \u00e4sthetische Art und Weise aktuelle politische und sozialkritische Thematiken, die gerade die Welt besch\u00e4ftigen. (Trump, Rechtsruck in Europe, Fl\u00fcchtlingskrise, Erinnerungen der post-modernen Generation an den Holocaust, Volksabstimmungen u.v.m.) Politische Lyrik erlebt eine Widerkehr. <em>The Transnational<\/em> l\u00e4\u00dft sich als Abgesang auf die Postmoderne lesen.&nbsp;Man genie\u00dft das Verspielte und Neugierige, das hier neben dem kritischen Impetus waltet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu finden sind&nbsp; Beitr\u00e4ge von:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">HGich.T, Josef M. Ga\u00dfner, Simon Alles, Michael Johann Bauer, Clifton Bates, Gary Beck, Gerhard Benigni, Lara Dolphin, Clive Donovan, Ingrid Herta Drewing, Gary Duehr, Carina Contreras, Stefan Gr\u00e4fe, Gloria D. Gonsalves Mimi Hapig, Catherine Harnett, Wolfgang Hofer, Tobias Hoffmann, Shubhangi Joshi, Bastian Klee Karin Monteiro-Zwahlen, Marcus Nickel, James B. Nicola, James P. Piatt, Tim Rogers, Robert Ronnow Philipp Schaab, Daniel Schulz, Marlene Schulz, Addie Scoggin, Margarita Serafimova, Marina Sens Ron Singer, Bert Tecklenborg, Michael Timoschek, Andrascz Weigoni, Rudolf Weiler<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcbersetzter: Paul Becker, Leah Griesmann, Maria Hesse, Conor O&#8217;Loughlin, Isabelle Poweleit, Anika Weidner, Rudolf Weiler<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung der Redaktion:&nbsp; In unregelm\u00e4\u00dfiger Abfolge stellen wir auf den Kulturnotizen Literaturzeitschriften vor. 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