{"id":45032,"date":"2009-01-01T00:01:15","date_gmt":"2008-12-31T23:01:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=45032"},"modified":"2022-03-20T16:12:59","modified_gmt":"2022-03-20T15:12:59","slug":"publizieren-ist-eine-form-des-denkens","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/01\/01\/publizieren-ist-eine-form-des-denkens\/","title":{"rendered":"Publizieren ist eine Form des Denkens"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Ich glaube, man sollte \u00fcberhaupt nur solche B\u00fccher lesen, die einen beissen und stechen.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Franz Kafka<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es kann von Vorteil sein, sich unbequemen Dingen aus der Distanz zu n\u00e4hern. Wie Walter Benjamin bereits 1935 in seinem Essay <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=13473\">Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit<\/a><\/span> feststellte, f\u00fchren die Vervielf\u00e4ltigungs- und Transportm\u00f6glichkeiten zu einer Entwertung des Kunstwerks, weil dieses seine kostbare Einmaligkeit verliert. An die Stelle der Aura r\u00fcckt sein Warencharakter. Vor diesem Hintergrund wird die traditionelle Vorstellung vom K\u00fcnstler obsolet, zumal die Kunsttheorie keine legitimierende oder normierende Funktion mehr besitzt und so die Beurteilungskriterien f\u00fcr das fehlen, was Kunst oder ein K\u00fcnstler sein k\u00f6nnte. Es spricht also nichts grunds\u00e4tzlich f\u00fcr die Ablehnung des &#8222;Erweiterten Kunstbegriffs&#8220;, solange sich dieser in Qualit\u00e4t und verst\u00e4ndiger Pr\u00e4sentation \u00e4u\u00dfert.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span class=\"ts-headline\" style=\"color: #999999;\">Kunst sollte dem Zeitgeist widersprechen<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kunst spiegelt die Beunruhigung unserer Zeit. Lesekompetenz und Belesenheit sind kulturelle Grundwerte und Bedingung von elementarer Orientierung in der globalisierten Welt. KUNO hat ein <em>Faible<\/em> f\u00fcr Randfiguren der Geschichte, die Redaktion ist deswegen daran interessiert, ein vernehmbares Gegengewicht zu entwickeln. Literatur sollte im Dienste der Gesellschaft, Narrative bieten, die uns unsere Wurzeln und unsere kollektive Identit\u00e4t pr\u00e4sentieren und gleichzeitig Gegenentw\u00fcrfe zu herrschenden Erz\u00e4hlmustern bilden. Erz\u00e4hlen ist immer soziale Praxis und f\u00fchrt aber auch zu \u00e4sthetischen Experimente, formalem Eskapismus oder komplexen narrative Techniken. Die auf schnelle Effekte setzende F\u00f6rderpolitik lassen ein Arbeiten, dass \u00fcber die schnelle Hervorbringung eines Markenkerns hinausgehen will, kaum mehr zu. Der Mechanismus der Frischfleisch verzehrenden Kuratorenkunst droht zu \u00fcberhitzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Die Grenzen von Bildkunst, Literatur und Musik l\u00f6sen sich auf.<\/em><\/span><\/p>\n<div style=\"width: 276px\" class=\"wp-caption alignright\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=45032&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/PETER3.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 266px) 100vw, 266px\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/PETER3.jpg 780w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/PETER3-300x193.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/PETER3-768x493.jpg 768w\" alt=\"\" width=\"266\" height=\"171\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Peter Meilchen. Photo: Jesko Hagen<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Artisten der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/\"><span style=\"color: #ff0000;\">Edition Das Labor<\/span><\/a> arbeiten an einem unverbrauchten, zeitgem\u00e4ssen und thematisch vielgestaltigen Zugang zu einem komplexen Themenbereich, der anspruchsvolle und Trivialliteratur, Pop- und Hochkultur sowie neue und klassische Medien gleichermassen ber\u00fccksichtigt. Diese Artisten leben davon, keine Massenartikel herzustellen, sondern zahlreiche Spezialinteressen zu bedienen, und sie haben dies noch weiter ausdifferenziert. KUNO erkennt die fortschreitende Aufsplitterung der literarischen Buchproduktion f\u00fcr immer kleinere Zielgruppen. Geschichte wiederholt sich nicht, trotzdem finden wir im Archiv Texte, die unsere Zeit vorwegzunehmen scheinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>In der Bildenden Kunst nennt man es Appropriation Art, in disem Onlinemagazin arbeiten wir an der m\u00f6glichst exakten Rekonstruktion zur Bewahrung des kulturellen Erbes.<\/em> <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO zeigt den Zwiespalt auf, in dem sich die Kunst befindet. Sie kommt nicht an der Wirklichkeit vorbei, aber sie kann sie nicht mehr schlicht reproduzieren. Wie der Prozess der digitalen Vernetzung die zeitgen\u00f6ssische Literatur pr\u00e4gt, erf\u00e4hrt seit der Erforschung von <em>Hypertext<\/em> wenig\u00a0 Aufmerksamkeit. Dabei lohnt es sich, die Beobachtungsperspektive von der Literatur im Netz auf das Netz in der Literatur zu verschieben. Denn informations- und kommunikationstechnologische Netzwerke \u2013 und vor allem das Internet \u2013 schreiben sich zunehmend in die Literatur der Gegenwart ein. Die Frage f\u00fcr die Artisten des in 1989 gegr\u00fcndeten <em>Projekts Das Labor<\/em> lautet nicht, wie das &#8222;Neuland&#8220; Internet das Denken ver\u00e4ndert, sondern wie das k\u00fcnstlerische Denken das Netz formt. KUNO will in den n\u00e4chsten Jahren mit\u00a0 Artikeln und\u00a0 Hinweisen weiter dazu beitragen, das neue Medium des World Wide Web in den Dienst eines gut f\u00fcnfhundert Jahre alten, nach wie vor unverzichtbaren Mediums zu stellen: zugunsten des gedruckten Buches.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Weiterf\u00fchrend \u2192<\/h5>\n<div id=\"attachment_98176\" style=\"width: 143px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-98176\" class=\"wp-image-98176 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Logo.jpg\" alt=\"\" width=\"133\" height=\"133\" \/><p id=\"caption-attachment-98176\" class=\"wp-caption-text\">Das Labor-Logo: Entworfen von Peter Meilchen<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erinnerung wird zunehmend auf neue Technologien ausgelagert. Das Grundproblem der Erinnerungskultur (siehe auch: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/01\/01\/in-eigener-sache\/\">In eigener Sache<\/a>), der Zeugenschaft, der Autorschaft, ist die Frage: Wer erz\u00e4hlt, wer verarbeitet, wem eine Geschichte geh\u00f6rt? \u2013 <span data-offset-key=\"nqia-2-0\">\u201eKultur schafft und ist Kommunikation, Kultur lebt von der Kommunikation der Interessierten.\u201c, schreibt Haimo Hieronymus in einem der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/06\/05\/interim-kulturnotizen\/\">Gr\u00fcndungstexte<\/a> von KUNO. <\/span>Die ausf\u00fchrliche Chronik des Projekts <em>Das Labor<\/em> lesen sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/12\/10\/zukunft-braucht-herkunft\/\">hier<\/a>. Diese Ausgrabungsst\u00e4tte f\u00fcr die Zukunft ist seit 2009 ein Label, die <em>Edition Das Labor<\/em>. Diese Edition arbeitet ohne Kapital, zuweilen mit Kapit\u00e4lchen, meist mit einer gro\u00dfen k\u00fcnstlerischen Spekulationskraft. Eine \u00dcbersicht \u00fcber die in diesem <em>Labor<\/em> seither realisierten K\u00fcnstlerb\u00fccher, B\u00fccher und H\u00f6rb\u00fccher finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/\">hier<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Vertiefend auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die K\u00fcnstlerbucher sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich glaube, man sollte \u00fcberhaupt nur solche B\u00fccher lesen, die einen beissen und stechen. Franz Kafka Es kann von Vorteil sein, sich unbequemen Dingen aus der Distanz zu n\u00e4hern. 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