{"id":44855,"date":"2017-12-20T00:01:03","date_gmt":"2017-12-19T23:01:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=44855"},"modified":"2022-02-19T19:26:08","modified_gmt":"2022-02-19T18:26:08","slug":"zischender-zustand-mayroecker-time","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/12\/20\/zischender-zustand-mayroecker-time\/","title":{"rendered":"Eine Untersuchung der Inszenierung und Reflexion von Autorschaft"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Ja, ich f\u00fchle mich nur am Leben, wenn ich schreibe. Seit ich 15 bin, explodiert es jeden Tag in mir. Mein Kopf ist so voll, und alles muss raus, ich kann nicht anders. <\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So oder \u00e4hnlich hat Friederike Mayr\u00f6cker sich immer wieder in Unterhaltungen mit Freun- den, Kollegen, Redakteuren und anderen Zeitgenossen ge- \u00e4u\u00dfert. Das per se nicht anzuzweifelnde Statement wird zu- s\u00e4tzlich \u203abeglaubigt\u2039 durch das F\u00fcllhorn publizierter B\u00fccher: Die 1924 geborene, in Wien lebende Schriftstellerin hat hundert und mehr Lyrik-, Prosa-, H\u00f6rspieltitel ver\u00f6ffentlicht und dabei Gedichte und Pro\u00ebme geschrieben, die wortw\u00e4hrend an Dynamik, Komplexit\u00e4t, Lebendigkeit, Magie, Originalit\u00e4t, Verve gewonnen haben und sich wie selbstverst\u00e4ndlich auf dem Hochplateau globaler Dichtkunst behaupten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(&#8230;) Mit jedem neu geschriebenen Text, jeder \u2013 insbesondere f\u00fcr dieses Buch ausgef\u00fchrten \u2013 Aktualisierung, Erweiterung, \u00dcberarbeitung, Neufassung habe ich mehr und mehr erkannt, da\u00df die Essays und Gedichte zum einen als eigenst\u00e4ndige Elemente gelten, im Kern jedoch zusammenh\u00e4ngende Bausteine eines intertextuell gepr\u00e4gten Gebildes sind, das mit dem Buch \u00bbZischender Zustand \u2219 Mayr\u00f6cker Time\u00ab die ent:sprechende Form gefunden hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>(Aus dem Vorwort von Theo Breuer)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Theo Breuers \u00bbZischender Zustand \u2219 Mayr\u00f6cker Time\u00ab ist der erste Band in der Reihe LESEZEICHEN, die auf lebendige Weise Ansichten und Einsichten von, mit und \u00fcber zeitgen\u00f6ssische Autoren und deren Werk vermitteln\u00a0 will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zischender Zustand <sup>.<\/sup> Mayr\u00f6cker Time <\/strong>von Theo Breuer. Reihe Lesezeichen Band 1 &#8211; POP VERLAG, 2017<\/p>\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=44855&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 size-266x266 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Cover.jpeg\" sizes=\"auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Cover.jpeg 529w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Cover-210x300.jpeg 210w\" alt=\"\" width=\"186\" height=\"266\" \/><\/a>Friederike Mayr\u00f6ckers Texte radikalisieren die Frage nach der Autorschaft. Sie suchen nicht nach einer Personalisierung, sondern f\u00fchren eine Bewegung in den Text ein, die den Ursprung der Rede \u00a0unbehaftet l\u00e4\u00dft. Bei ihr wird das Konzept der Herrschaft \u00fcber einen Text zugunsten einer un\u00fcberschaubaren \u2013 nur zeitweiligen \u2013 Perspektivierung aufgel\u00f6st. Mayr\u00f6ckers &#8222;Liebesspiel mit der Sprache&#8220; kennt keine logischen Grenzen, es sucht und findet &#8222;das z\u00e4rtliche Durchwachsensein grenz\u00fcberschreitender Honigkeiten&#8220;. Da\u00df diese sprachlich avancierte Lyrik eine starke Wirkung auch auf die j\u00fcngeren Autorengenerationen aus\u00fcbt, ist nicht verwunderlich. In sprachreflexiven Gedichten \u00f6sterreichischer und auch deutscher Lyriker (wie beispielsweise Thomas Klings und Sophie Reyer) ist ihr Einflu\u00df sp\u00fcrbar. In Mayr\u00f6ckers Texten ist Autorschaft keine in der Verkleidung einer Erz\u00e4hlung mit Figuren und deren Entwicklung verborgene Frage, sondern artikuliert sich in der Frage nach Herkunft, Status und Professionalit\u00e4t des Schreibens. Diese Befragung m\u00f6glicher Autorschaft wird von Theo Breuer in seinem <em>Gebrauchslesebuch<\/em> als Hyperautorschaft gelesen. Dieser\u00a0<em>Zischende Zustand<\/em> ist eine spektakul\u00e4re, hyperaktive Hommage, die zu explodieren scheint vor Einf\u00e4llen, Einsprengseln und Meta-Reflexionen und es doch immer wieder schafft, Inseln zum Verharren in den sprudelnden Textflu\u00df einzubauen. So elegant und witzig kann eine schreibende Selbstvergewisserung sein, und ebenso geistreich und anregend ist dieses journalistische Produkt. Die beim ersten Band in der Reihe LESEZEICHEN versammelten Texte sind literarische Kleinode und damit das Beste des Genres; kaum einer Reflexion gereicht das hohe Tempo, das typisch f\u00fcr das Feuilleton ist, zum Nachteil. Niemand wird an diesen essayistisch-poetischen Reflexen einer Mayr\u00f6ckerrezeption (und immer wieder dar\u00fcber hinaus) vorbeikommen \u2013 au\u00dfer Stan Libuda.<\/p>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p>Einen Essay \u00fcber das Tun von Theo Breuer lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12773\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ja, ich f\u00fchle mich nur am Leben, wenn ich schreibe. Seit ich 15 bin, explodiert es jeden Tag in mir. Mein Kopf ist so voll, und alles muss raus, ich kann nicht anders. 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