{"id":44670,"date":"2022-12-17T00:01:00","date_gmt":"2022-12-16T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=44670"},"modified":"2022-02-24T18:50:10","modified_gmt":"2022-02-24T17:50:10","slug":"konformismus-und-totalitarismus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/12\/17\/konformismus-und-totalitarismus\/","title":{"rendered":"Konformismus und Totalitarismus"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Freiheit, die Unfreiheit bedeutet \u2013 <\/span><br \/>\n<span style=\"color: #999999;\"> Warum G\u00fcnther Anders aktueller denn je ist<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der deutsche Philosoph und Schriftsteller G\u00fcnther Anders hielt 1958 vor der Lessing-Gesellschaft Hannover einen Vortrag, der in den euphorisierten Jahren des Wirtschaftswunders in seiner gegenl\u00e4ufigen Grundstimmung befremdlicher kaum sein konnte. In diesem Vortrag \u2013 <em>Akustische Nacktheit<\/em>, sp\u00e4ter unter dem Titel <em>Die Antiquiertheit der Privatheit<\/em> ver\u00f6ffentlicht (Anders 2013) \u2013 beschreibt er eine Entwicklung, deren furioses Finale wir derzeit beobachten k\u00f6nnen: Die Selbst-Aufgabe des modernen Menschen, seine konformistisch gepr\u00e4gte Schamlosigkeit, die Umwertung moralischer Werte, die Dialektik der Unfreiheit bedeutenden Freiheit, der fast widerspruchslos akzeptierte sanfte Totalitarismus privatwirtschaftlicher M\u00e4chte, an deren digitaler Leine wir h\u00e4ngen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber die Konsequenzen, die der Aufstieg der Nationalsozialisten f\u00fcr ihn als Juden haben w\u00fcrde, machte sich G\u00fcnther Anders, im Gegensatz zu vielen anderen seiner Zeitgenossen, keinerlei Illusionen. Er erwartete das Unerwartete. Gleich nach dem Reichstagsbrand 1933 emigrierte er deshalb nach Paris, wo er mehr schlecht als recht, leidlich unterst\u00fctzt von Hannah Arendt, mit der er zu dieser Zeit verheiratet war, sein Dasein fristete. Die Angst vor einem heraufziehenden neuen Weltkrieg trieb Anders, der in seiner Pariser Zeit lediglich einen Text, <em>Pathologie de la libert\u00e9<\/em> (Pathologie der Freiheit), publizieren konnte, 1936 weiter in die Emigration, dieses Mal in die USA. Dieser Text war aber, so Traugott K\u00f6nig, von einiger philosophiehistorischer Bedeutung, hatte er doch ma\u00dfgeblichen Einfluss auf Jean-Paul Sartre und die Entstehung des Existentialismus,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Amerika, das ihn erwartete, war ein Amerika, das sich bereits damals \u2013 Ende der 30er, Anfang der 40er \u2013 zu eben jener Medienlandschaft zu entwickeln begann, die wir in Europa in dieser Auspr\u00e4gung erst viele Jahrzehnte bekommen sollten. In diesem Amerika wurden die Menschen konsequent zu Zuh\u00f6rern und Zuschauern erzogen, wurde ihnen die Au\u00dfenwelt medial durch Radio und Fernsehen in ihre Privatsph\u00e4re, in ihre intimsten Bereiche geschleust. Dadurch begegnete ihnen die Welt nicht mehr als unmittelbar selbst erfahrene Welt \u2013 sie begegnete ihnen zunehmend als eine mittelbar erlebte Welt, als medial vermitteltes <em>\u201eWelt-Phantom\u201c<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Waren es zun\u00e4chst die Nachrichten, die ihnen die Welt ins Haus holten, so wurden die amerikanischen Zuschauer bereits in den 50er Jahre von Reality Shows und Real Life Serien \u00fcberschwemmt. Ein Massenpublikum konnte nunmehr schamlos und unbestraft in die Welt anderer eindringen, ihm wurde ein voyeuristischer Blick in fremde Wohn- und Schlafzimmer gew\u00e4hrt, deren Bewohner sich, vice versa, dem Voyeur gegen\u00fcber exhibitionistisch gerierten und dabei zum Konsummittel der Konsumenten degenerierten: Durch eine solch konsumorientierte mediale Vermittlung wurde f\u00fcr die Amerikaner schon seinerzeit die Warenwelt sukzessive zur wahren Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob nun freiwillig oder gek\u00f6dert: Die Konsummittel, die Begafften, Abgeh\u00f6rten, lieferten sich aus, gaben ihre Intimsph\u00e4re preis. Die Konsumenten, die Gaffer, Zu- und Abh\u00f6rer, wurden beliefert. In einer derart arrangierten Wirklichkeit wurde der Betrachter zum unversch\u00e4mten Voyeur, der nur auf die n\u00e4chsten schamlosen Entbl\u00f6\u00dfungen der seinem l\u00fcsternen Blick ausgelieferten Opfer wartete, sich an dessen privatester Privatheit, ja an ihm selbst weidete: Ich konsumiere den anderen damit, so Anders, in einer medial vermittelten Form des Kannibalismus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Kontext wussten die derart Konsumierten aber zumindest, dass sie Konsummittel waren und dem Zuschauer zum Fra\u00df vorgeworfen wurden resp. sich ihm zum Fra\u00df vorwarfen. An anderer Stelle jedoch ereignete sich dieser kannibalische Akt unbemerkt, da waren sie ahnungslos Ausgelieferte. Dabei handelte es sich, so Anders 1958, um die akustischen Lauschangriffe, die durch moderne Abh\u00f6reinrichtungen erst m\u00f6glich gemacht wurden (und die, zumindest in den USA, f\u00fcr jeden jederzeit k\u00e4uflich zu erwerben waren). Auch wenn dieser Befund heute, im digital transformierten Zeitalter gigantischer Datenspeicherung, fast schon putzig anmuten mag: Er beschreibt die strukturelle Blaupause f\u00fcr alle noch kommenden Ein- und \u00dcbergriffe in unsere Privatheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer unser Telefone \u00fcberwacht, dringt, ohne dass wir davon erfahren oder es erlauben, in unserer Privatsph\u00e4re ein. Dies erf\u00fcllt strukturell den Tatbestand des Hausfriedensbruchs \u2013 eines Hausfriedensbruchs jedoch, bei dem physisch der Hausfrieden nicht gebrochen wurde: Der T\u00e4ter, Einbrecher, Dieb ist nur virtuell pr\u00e4sent. Nichts ist zerst\u00f6rt, zerbrochen, in Unordnung gebracht. Aber wir sind, gerade weil wir v\u00f6llig sorglos und nichtsahnend sind, in diesem Moment dem Lauschangriff schutzlos ausgeliefert. Was aber, wenn ich zwar nichts von dem konkreten Angriff, aber um die potentielle Gefahr wei\u00df, dass ich \u00fcberwachbar, abh\u00f6rbar bin und jederzeit ein solcher Angriff erfolgen kann? Das wird mich nicht kalt lassen, mein Wissen darum wird r\u00fcckbez\u00fcgliche Auswirkungen auf mein Verhalten zeitigen. Ich modifiziere, auch ohne dass ich es mir bewusst mache, ganz automatisch mein Verhalten. Authentisches Verhalten mutiert so zu gestelltem, gek\u00fcnsteltem, reproduziertem Verhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Eindringlinge, die aus einer mir unbekannten, verborgenen Richtung kommen und sich von mir unentdeckt in meine Privatheit schleichen, sind da und nicht da. Sie sind, und dies ist neu in der Menschheitsgeschichte, an zwei Orten gleichzeitig: virtuell bei mir, physisch jedoch vor ihren \u00dcberwachungsger\u00e4ten hockend (ein elend langweiliger Job, den heute die digitalen Speichermedien und Algorithmen klaglos, mit gr\u00f6\u00dfter Pr\u00e4zision und Zuverl\u00e4ssigkeit erledigen). Dem schn\u00f6den akustischen Hausfriedensbruch der 50er Jahre, der sich zumeist noch auf einen recht klar umgrenzten h\u00e4uslichen Raum der Privatheit bezog, steht heute die totale digitale Entgrenzung der Privatheit gegen\u00fcber, einer Entgrenzung, die keinen privaten Raum mehr kennt: Durch die Allgegenw\u00e4rtigkeit der Computer, insbesondere der mobilen Endger\u00e4te, durch die technische M\u00f6glichkeit externen Zugriffs, durch GPS und digitale Spurensicherung qua Betriebssysteme wie Googles Android, das 2016 einen weltweiten Marktanteil von 87,5% hatte, sind wir potentiell immer und \u00fcberall erreichbar. Greifbar. Dem Zugriff ausgesetzt. Zumeist ohne dass es uns bewusst ist. Schlimmer noch: oft genug ohne dass es uns interessiert \u2013 wir haben uns daran gew\u00f6hnt, nehmen es gleichg\u00fcltig als zwangsl\u00e4ufige Begleiterscheinung der f\u00fcr uns damit verbundenen Vorz\u00fcge und Freiheiten hin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damals wie heute werden keine physischen Objekte entwendet. Es fehlt faktisch nichts nach diesem virtuellen Hausfriedensbruch: Es werden ja keine Dinge gestohlen, nur Daten. Abbilder. Ger\u00e4usche. Worte. Und weil das so ist, gibt es auch kein Unrechtsbewusstsein. Physisch bin ich weder irgendwo eingedrungen noch habe ich etwas entwendet. Ergo kann ich das, was ich erfahren und aufgezeichnet habe, mit Fug und Recht als mein Eigentum betrachten und es entsprechend behandeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So denken und handeln alle. Nicht nur Kriminelle. Totalit\u00e4re Staaten. NSA. Oder GAFA \u2013 Google, Apple, Facebook, Amazon. Auch wir selbst. Wir alle machen immer und \u00fcberall Fotos (seri\u00f6se Sch\u00e4tzungen gehen davon aus, dass 2017 weltweit 1.000.000.000.000 digitale Aufnahmen gemacht werden \u2013 1 Billionen), zeichnen auf, lassen Bilder und \u00c4u\u00dferungen anderer mitgehen \u2013 es ist f\u00fcr uns selbstverst\u00e4ndlicher Normalfall geworden, allerdings einer mit hohem Suchtpotential, leben wir doch im Zeitalter der Ikonokleptomanie, der Selfiemania und Instagramisierung, der kommerzialisierten Blogger und Influencer.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns ist dieser Diebstahl kein Eigentumsdelikt. Wir belassen ja alles sch\u00f6n brav an seinem Ort, lassen physisch nichts in unsere Taschen wandern. Wer abh\u00f6rt oder fotografiert, nimmt, so konstatierte bereits damals G\u00fcnther Anders, die einmalige Chance wahr, <em>\u201estehlend nicht zu stehlen\u201c<\/em>. Auf dieses <em>\u201anicht\u2019<\/em> berufen wir uns alle scheinheilig. Alles bleibt, wie es war, es wird dem <em>\u201ephotographierten Girl (&#8230;) seine Jungfernschaft nicht geraubt\u201c<\/em>. Was dazu f\u00fchrt, dass Stehlende und Bestohlene in gewisser Weise ahnungslos bleiben: Es scheint mir ja nichts zu fehlen wie auch der andere nichts genommen zu haben scheint \u2013 <em>\u201edas Fehlen fehlt\u201c<\/em>. Wir k\u00f6nnen als Dieb unsere H\u00e4nde immer in Unschuld waschen: Wo nichts fehlt, wurde nichts gestohlen. Zumal ich physisch nie am eigentlichen Ort des Geschehens war: Ich war immer anderswo, lat. <em>alibi<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Alibi: Ich, der Dieb, bin anderswo als mein Opfer: \u201e<em>Von einem T\u00e4ter, einer Tat (&#8230;) einer Schuld, von Ursache f\u00fcr Scham oder Reue scheint \u00fcberhaupt keine Rede sein zu k\u00f6nnen.\u201c<\/em> Da, wo potentiell <em>\u201ealles, was er <\/em>(: der Einzelne)<em> tut und was in ihm vorgeht, dem Auge <\/em>(: oder Ohr)<em> der Macht ausgeliefert\u201c<\/em> ist, liegt nach Anders eine Form des Totalitarismus vor. Dieser wurde von ihm damals noch als ein politischer gedacht, aber da hat ihn die Entwicklung l\u00e4ngst \u00fcberholt: Heute stellt sich der Totalitarismus auch und vor allem als ein privatwirtschaftlicher dar \u2013 man denke nur an die astronomischen Datenmengen, die allein Google sek\u00fcndlich weltweit von den einzelnen Usern abgreift, speichert und, algorithmisch bearbeitet, \u00f6konomisch nutzt. Datenmengen, die auch Amazon anh\u00e4uft. Oder Facebook. Deren Godfather gerade erst im Januar 2017 sein gesellschaftspolitisches Manifest verk\u00fcndet hat: Einer der gr\u00f6\u00dften Datendiebe unserer Zeit, der mit dem kontinuierlichem Raub ma\u00dfgeblich dazu beitr\u00e4gt, dass die Privatheit des Einzelnen, f\u00fcr ihn perfider Weise zumeist unbemerkt, atomisiert wird \u2013 dieser geriert sich als Heilsbotschafter und stellt sein digitales Projekt als weltumspannende Ma\u00dfnahme zur allseitigen Begl\u00fcckung, zur Demokratisierung, Humanisierung und Egalisierung der Menschheit dar. Soviel Chuzpe muss man erst einmal haben. Chapeau!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu seiner Ehrenrettung sei gesagt: In einer Gesellschaft, in der eine Mehrheit der Menschen bereit ist, den Vorz\u00fcgen dieser Medien, Mechanismen und Ger\u00e4te unkritisch den Vorzug vor einer reflektierten Auseinandersetzung und kritischen Distanzierung zu geben, da ist diese auch bereit anzunehmen, dass es sich bei der Auslieferung an die digitalen Machthaber, die eine Auslieferung des Ich und Aufl\u00f6sung der Privatheit bedeutet, nicht um ein individuelles wie gesellschaftliches Desaster, sondern um den lebensweltlichen Normalzustand handelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ger\u00e4te zur Aus- und Belieferung der Menschen sind nie <em>\u201emoralisch neutral<\/em>\u201c. Ihnen wohnt immer schon ein spezifischer Gebrauch inne, von dem wir uns im Gebrauch der Ger\u00e4te nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen. Wir sind den Ger\u00e4ten und ihren inh\u00e4renten Intentionen gegen\u00fcber nicht frei: <em>\u201eJedes Ger\u00e4t (spielt) durch die Tatsache seiner speziellen Arbeitsleistung immer schon eine pr\u00e4judizierende Rolle\u201c,<\/em> es definiert ein bestimmtes Verh\u00e4ltnis zwischen uns, den Anderen und den Dingen: <em>\u201eJedes ist seine Verwendung.\u201c<\/em> So stellen sich TV und Radio als Belieferungsger\u00e4te dar, bei der der Konsum einer Phantomwelt anstelle wirklicher Welterfahrung tritt, und Fotokameras und Abh\u00f6rger\u00e4te, die wir heute maximal um Handy, PC, Laptop, Tablet, Smart-Home, Smart-TV, Fitnessarmb\u00e4nder et all. erweitert haben, als Auslieferungsger\u00e4te: In dem Augenblick, wo der Mensch grunds\u00e4tzlich und \u00fcberall kontrollierbar ist, ist er auslieferbar. Damit leben wir prinzipiell in einem Modus der Unfreiheit, der uns nicht zuletzt durch das Versprechen maximaler Mobilit\u00e4t und Erreichbarkeit als Freiheit verkauft wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eAbh\u00f6rger\u00e4te (sind) ipso facto ihrer Verwendung (nach) totalit\u00e4r.\u201c<\/em> Denn sie sind strukturell darauf ausgerichtet, die Individuation zu eliminieren: Der Mensch, der \u201e<em>grunds\u00e4tzlich ein discretum, etwas Vereinzeltes\u201c<\/em> ist, wird eben dieser M\u00f6glichkeit zur Vereinzelung, seiner Privatheit, beraubt. Da unsere heutige Ger\u00e4te-Generation, all die Handys, Laptops, Tablets, Smart-Watches eo ipso auch Abh\u00f6rger\u00e4te sind (man denke nur an <em>My Friend Cayla,<\/em> dies smarte P\u00fcppchen f\u00fcr die Kleinsten, das de facto eine perfide Spionin ist), leben wir in einem Zustand des <em>\u201asanften Totalitarismus\u2019<\/em>. Gegen den wir uns jedoch nicht nur nicht auflehnen, sondern den wir auch noch nach Kr\u00e4ften f\u00f6rdern, fordern, als Freiheit begreifen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Bestreben einer jeden totalit\u00e4ren Macht, sei es ein staatlicher, de facto krimineller oder auch privatwirtschaftlich organisierter Apparat, ist es, die Individuation, die <em>\u201eUnerreichbarkeit der Teile durch das Ganze\u201c<\/em>,Anders nennt sie \u201e<em>Binnen-Transzendenz\u201c<\/em>, final auszuschalten. Die Macht strebt eine <em>\u201emonolithische Gesellschaft\u201c<\/em> an, eine feste, in sich geschlossene Gruppe, die keine Diskretheit, keine Initimit\u00e4t, keine Privatheit, keine Unterscheidung von \u00f6ffentlich und privat mehr kennt. Es ist dies eine Gesellschaft, die keinen Wert auf den Wert des Individuums legt und stattdessen das konformistische \u201aIch\u2019 als Ideal propagiert \u2013 denn ein \u201aIch\u2019, das einheitlich strukturiert und entindividuiert ist, f\u00fcgt sich klaglos ein in die amorphe Masse, in das Kollektiv, das identit\u00e4tsstiftende \u201aWir\u2019.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses sich im Einzelnen nur notd\u00fcrftig als Ich verkleidete Wir steht identit\u00e4r geschlossen und kopfsch\u00fcttelnd dem ihm Anderen, Fremden gegen\u00fcber \u2013 den Non-Konformisten, Diskreten, Intimen, Individuierten. Es erfolgt, ganz klassisch, \u00fcber die Identifizierung mit dem geschlossenen Ganzen, der Masse, dessen Sicht der Dinge die einzige g\u00fcltige Sichtweise ist, eine Identit\u00e4tsstiftung f\u00fcr das einsame, orientierungslose \u201aIch\u2019, das es satt ist, sich die M\u00fche zu machen, sich zu orientieren: Es ergeht sich lieber in der Komfortzone von Konformit\u00e4t und Uniformit\u00e4t. Entsagt damit in letzter Konsequenz der Errungenschaft der Zivilisation. Und begibt sich wieder auf den Weg in die Barbarei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Ich jedoch, das auf sein Selbst-Sein beharrt, stellt sich der totalit\u00e4ren Macht und den vielen mit ihr sympathisierenden J\u00fcngern, namentlich den Digital Natives, als Anachronismus, als Defekt oder gar als Skandalon dar: <em>\u201eDie Individuation (wird) also als eine Vers\u00fcndigung gegen ihren monolithischen Anspruch\u201c<\/em> verstanden. Das Ich hingegen, das sich, wie ein Gro\u00dfteil der Digital Natives, ganz den gigantischen M\u00f6glichkeiten des technischen Fortschritts wie weiland die Futuristen verschrieben hat, sieht sich selber als wahrer Individualist inmitten seiner Kombattanten, vermeintlich anarchisch zusammengeschlossen in der Community, der weltumspannenden Gemeinschaft Gleichgesinnter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darin geht es auf. Geht konform. Geht in sich, zieht sich in seine digitale Welt zur\u00fcck, die ihm l\u00e4ngst zur realen geworden ist: Cocooning wird zu seinem Lebensprinzip. Ich igle mich in meinen vier W\u00e4nden ein. Ordere die Pizza online. Kommuniziere mit Vorliebe in der Filterblase meiner Community, erlebe die Au\u00dfenwelt vornehmlich medial vermittelt, die so, von mir unbemerkt, zur Phantomwelt wird. Was in der realen Welt passiert, geht mich zunehmend weniger an; es ist nicht mehr meine Welt. Und was mich nichts angeht, daf\u00fcr trage ich auch keine Verantwortung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist einer der Widerspr\u00fcche unserer Zeit: Da spinnen sich die digitalen Enthusiasten auf der einen Seite mit ihresgleichen in der Wohlf\u00fchloase ihrer f\u00fcr sie real gewordenen virtuellen Privatsph\u00e4re ein \u2013 haben aber auf der anderen Seite kein Problem mit jenem digitalen Hausfriedensbruch, der durch die modernen mobilen Endger\u00e4te jederzeit m\u00f6glich ist. Haben kein Problem mit der Option permanenter \u00dcberwachung und l\u00fcckenloser Speicherung aller Vorg\u00e4nge. Und nicht mit der st\u00e4ndigen Erreichbarkeit und Greifbarkeit auch dank des m\u00f6glichen akustischen wie optischen Zugriffs \u00fcber externe Aktivierung der integrierten Mikrofon- und Kamerafunktion, ein Indiz des sanften Totalitarismus, der zur v\u00f6lligen Aufgabe der Privatheit und damit der individuellen Freiheit f\u00fchrt. Kein Problem mit nichts, nirgends (Ich h\u00f6re sie schon sagen, was G\u00fcnther Anders sie schon im Amerika der 50er Jahre hat sagen h\u00f6ren: <em>\u201eBut I have nothing to hide\u201c<\/em>, ich hab\u2019 doch nichts zu verbergen!).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Chillen hie\u00df einst schlicht Nichtstun. Die Ruhe genie\u00dfen. Allein sein. Heute hei\u00dft Chillen Chatten. Permanent online, also verbunden, erreichbar, greifbar sein. Dieses Nichtstun ist das Gegenteil von Nichtstun. Sein Alleinsein ist das Dabeisein. \u00dcberall sein. Am besten gleichzeitig. St\u00e4ndig pr\u00e4sent sein. Konsumieren. Nie den Kontakt verlieren, sonst ist man verloren, einsam, allein (eine pers\u00f6nliche Episode, die diese Verhaltensmodifikation veranschaulicht: In der Kinopause des, wie passend, dystopischen Blockbusters \u201aBlade Runner 2049\u2019 z\u00fcckten ausnahmslos alle Zuschauer umgehend ihr Handy, um zu kontrollieren, ob nicht irgendwelche Nachrichten f\u00fcr sie eingegangen sind \u2013 <em>auch ich&#8230;<\/em>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil die digitale Generation die urspr\u00fcngliche Form der Individuation nicht mehr aush\u00e4lt, nimmt sie billigend in Kauf, was gar nicht mehr so heimlich hinter ihrem R\u00fccken geschieht: Abh\u00f6ren, Aussp\u00e4hen, Aufzeichnen, Speichern. Ja: Sie wendet sogar das Blatt. Und wendet sich mitleidig gegen die in ihren Augen Ewiggestrigen, den Zukunftsverweigern und Technikskeptikern, die diese Schattenseite der permanenten digitalen Erreichbarkeit als jene Unfreiheit begreifen, die sich hinter der Freiheit verbirgt, die uns die technischen M\u00f6glichkeiten bieten. Und die, um diese Unfreiheit ein St\u00fcck weit zu begrenzen, ein Recht auf Vergessenwerden einfordern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daf\u00fcr haben viele aber absolut kein Verst\u00e4ndnis. In vorderster Front: Google-Chef Eric Schmidt. Seine Replik zum Urteil des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs 2014, das seinerzeit das Recht auf Vergessenwerden, also das Recht auf L\u00f6schung der Daten, best\u00e4tigte, hie\u00df schlicht: Dies steht unserem <em>\u201eRecht auf Wissen\u201c<\/em> entgegen. Denn ich entziehe mich als Individuum der sanften totalit\u00e4ren Macht durch R\u00fcckzug in die Anonymit\u00e4t der Privatheit. Damit entziehe ich ihr das Wissen \u00fcber mich, das sie zu wissen beansprucht. Dieses Wissen ist aber nicht etwa Etwas-Wissen, sondern Alles-Wissen: die v\u00f6llige Transparenz als Gegenentwurf zur Anonymit\u00e4t. Der Entzug von Wissen durch R\u00fcckzug in die Privatheit ist in den Augen der Macht illegitim: Ich breche nach ihrem Verst\u00e4ndnis ihr Recht auf Wissen. Ergo ist dieser Entzug Diebstahl. Oder wie es Dave Eggers in seinem Roman \u201eThe Circle\u201c als Credo des imagin\u00e4ren Internetkonzerns, der seine Kunden mit einer einzigen Internetidentit\u00e4t und kompletten Transparenz ausstattet, pr\u00e4gnant formuliert: <em>\u201aPrivatheit ist Diebstahl\u2019<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vergessen werden hei\u00dft Anonymit\u00e4t zur\u00fcckgewinnen. Hei\u00dft eine gegen den Zugriff von au\u00dfen gesch\u00fctzte Sph\u00e4re des Nicht-Wissens, der Privatheit zu wahren und zu sch\u00fctzen. Eine Sph\u00e4re, in der ich mich frei bewegen kann, ohne Angst vor \u00dcberwachung haben zu m\u00fcssen. Vollst\u00e4ndiges Wissen einzufordern hingegen hei\u00dft Eliminierung eben dieser Anonymit\u00e4t und Etablierung vollst\u00e4ndiger Transparenz. G\u00fcnther Anders sah diese perfide Argumentation der totalit\u00e4ren Macht voraus: Sie ertr\u00e4gt keine Individuation, ihr Ideal ist das kollektiv definierte, konforme Wesen. Der Einzelne unterschl\u00e4gt aber nun allein schon durch die Tatsache seines lebensweltlichen Daseins als Individuum, lat. <em>in-dividuus<\/em>, also als unteilbares, unzertrennliches Ich der totalit\u00e4ren Macht den Betrag, den es ihr schuldet. Zu allem \u00dcberfluss sind einzelne von ihnen auch noch bestrebt, sich der Macht durch R\u00fcckzug in die reale Privatheit aktiv zu entziehen. Das gesamte Bestreben der totalit\u00e4ren Macht l\u00e4uft deshalb darauf hinaus, <em>\u201aindiskret\u2019 <\/em>und <em>\u201aunversch\u00e4mt\u2019<\/em> zu sein, und alles tut, ihre Wissensl\u00fccken zu schlie\u00dfen, um so jegliche Individuation zu unterbinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Umgekehrt soll das Individuum seinerseits der totalit\u00e4ren Macht entgegenkommen, soll <em>\u201aschamlos\u2019<\/em> und <em>\u201aindiskret\u2019<\/em> werden und die a priori bestehende Schuld seines Daseins (das ist die moderne adamitische Urschuld, die Erbs\u00fcnde unserer Zeit), seiner naturgegebenen Individuation \u201e<em>einzur\u00e4umen<\/em>\u201c: Das Individuum liefert sich der Macht aus, indem es ihr gestattet, in seinem privaten Raum Platz zu nehmen. Und sich h\u00e4uslich bei ihm einzurichten (Anders nennt dies <em>\u201eBinnen-Expansionismus\u201c<\/em>)<em>. <\/em>Diese Entwicklung erleben wird aktuell ganz konkret: In formsch\u00f6nen Ger\u00e4ten verpackt erobern Google Home, Alexa &amp; Co. unsere Wohnzimmer. Sie sind nicht allein Lautsprecher, sie sind auch geduldige Zuh\u00f6rer, die unsere Stimme erkennen, uns Rede und Antwort stehen. Sie treten nicht mehr als Eindringlinge auf, sondern als dienstbare Gehilfen, \u201aSprach-Assistenten\u2019, die mit uns leben, bei uns wohnen und ohne Unterlass in gebotener Devotion bestrebt sind, unsere W\u00fcnsche zu erf\u00fcllen (Uns wird dabei glauben gemacht, wir seien <em>Subjekt<\/em>, Unterwerfende, Herrscher des Systems. Dieses \u201aSubjekt-Sein\u2019 wird aber durch die harten Fakten der Realit\u00e4t ins Gegenteil verkehrt: Wir sind als Menschen nicht nur immer schon in unsere Lebenswelt geworfen, mithin der Welt \u201aunterworfen\u2019, lat. <em>subicere, <\/em>wir sind auch <em>Subjekt<\/em>, Unterworfene, Beherrschte des Systems).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir leben im Glauben, wir w\u00fcrden unseren klaglos dienenden digitalen Assistenten <em>Anweisungen<\/em> geben. W\u00fcrden \u00fcber Alexa und ihre Nachfolger zuk\u00fcnftig unser Smart-Home, die digitalisierte Privatheit selbstbestimmt dirigieren. <em>\u201eBosch bringt 2018 den per Alexa steuerbaren Staubsauger Roxxter auf den Markt, dem man auch aus der Ferne per Kamera zuschauen kann. Von Siemens gibt es Waschmaschinen, Trockner und Herde, die sich \u00fcber Alexa steuern lassen\u201c,<\/em> so Claudia Gerdes in der \u201aPage\u2019, Ausgabe 11.17. Unsere Helferlein h\u00f6ren aufs Wort, begleiten uns nicht nur zuhause, sondern \u00fcberall hin. Permanent. H\u00f6ren uns aufmerksam zu. Speichern alles. Werden mit den Kommunikationsknotenpunkten, den mobilen Endger\u00e4ten vernetzt, so dass alle Informationen zusammenlaufen, algorithmisch koordiniert werden k\u00f6nnen. Und wir jederzeit \u00fcberall Zugriff auf unsere treue Begleiterin Alexa haben, die mit Augen und Ohren, mit Kamera und Mikro, ausgestattet ist. Alles h\u00f6rt. Alles sieht. Nichts vergisst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dann in einer nicht allzu fernen Zukunft, vielleicht schon 2030, ist der Ray Kurzweil\u2019sche Break-Even-Point, die technologische Singularit\u00e4t, erreicht. Die k\u00fcnstliche Intelligenz wird zum selbstlernenden System, Alexas Daten werden eingespeist, das M\u00e4ngelwesen Mensch wird posthumanistisch transformiert, die Herrschaftsverh\u00e4ltnisse final umgekehrt \u2013 G\u00fcnther Anders schrieb seinen Aufsatz in der \u00c4ra der dritten industriellen Revolution, als deren Beginn er die Entwicklung der Atombombe datierte. Die vierte industrielle Revolution, die er prognostizierte, zeige sich im<em> \u201eTrend, den Menschen (&#8230;) \u00fcberfl\u00fcssig zu machen\u201c<\/em> (aber das ist noch mal eine andere Geschichte: \u201a<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=44281\">Algorithmus und Spiritualit\u00e4t<\/a>\u2019).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>6.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Spricht G\u00fcnther Anders, noch ganz Kind seiner Zeit, von der Bedrohung durch den totalit\u00e4ren Staat, der versucht, durch das impertinente Eindringen in die Privatheit, der <em>\u201eintegralen Schamlosigkeit\u201c<\/em>, sein <em>\u201eIdeal der perfekten Integralit\u00e4t\u201c<\/em> und <em>\u201emonolithischen Gesellschaft\u201c<\/em> zu verwirklichen, so haben wir es heute, neben staatlichen Instanzen, mit privatwirtschaftlichen Unternehmen zu tun, die dieses Ziel nicht minder konsequent, aber auf eine deutlich sanftere und damit perfidere Weise verfolgen. Wie zum Beispiel Google: Es pocht auf sein vermeintliches Recht auf Wissen. Und speichert mit programmierter Selbstverst\u00e4ndlichkeit seines Android-Betriebssystems jede Tastenbewegung der User, so dass eine l\u00fcckenlose Nachverfolgung der individuellen Eingaben m\u00f6glich ist<em>. <\/em>Nur:<em> \u201eWo Abh\u00f6rapparate mit Selbstverst\u00e4ndlichkeit verwendet werden, da ist die Hauptvoraussetzung des Totalitarismus geschaffen; und damit dieser selbst.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Privatheit als Allein-Sein ist in diesem Augenblick nicht mehr gegeben. Aber auch gar nicht mehr erw\u00fcnscht. F\u00fcr den Abh\u00f6renden liegt die Privatheit des Abgeh\u00f6rten offen zutage, ist f\u00fcr ihn \u00f6ffentlich. Und der Abgeh\u00f6rte seinerseits hat es sich in dieser scheinbaren Privatheit wohlig eingerichtet, zelebriert als saturierter B\u00fcrger den Aufbruch in die sch\u00f6ne neue Welt des Smart-Home, genie\u00dft die Vorz\u00fcge, die ihm Alexa &amp; Co. bieten. Nat\u00fcrlich wei\u00df er um den digitalen Hausfriedensbruch, um die M\u00f6glichkeit der permanenten \u00dcberwachung, um die astronomischen Datenmengen, die angeh\u00e4uft werden. Nur versteht er das Ganze als genau das, als das es ihm verkauft wird: als einen gro\u00dfen Schritt hin zur maximalen Bequemlichkeit, die er als maximale pers\u00f6nliche Freiheit wahrnimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese neue Form der totalit\u00e4ren, ja: totalen Macht ist im Begriff, virtuell \u00fcberall dort anwesend zu sein, wo wir sind. So dass wir nie allein sind, nie eine urspr\u00fcngliche Privatheit erleben, ein auf unser Dasein zur\u00fcckgeworfenes Sosein. Unsere Lebenswelt ist mittlerweile eine, in der alles gesehen, geh\u00f6rt, mitverfolgt und konserviert wird. Eine Welt, in der uns sogar, man erinnere sich an die Worte Eric Schmidts, von Seiten der Abh\u00f6renden das Recht bestritten wird, uns gegen unsere Abh\u00f6rung zu wehren. Doch nur ohne Abh\u00f6rung verm\u00f6gen wir die Privatheit zu wahren, die wir ben\u00f6tigen, um uns beizeiten von dem Anderen diskret abgrenzen und ganz f\u00fcr uns sein zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDie Gef\u00e4hrdung der Privatheit\u201c<\/em> als solche beginnt nach Anders also da, wo man es f\u00fcr m\u00f6glich h\u00e4lt, kontrolliert zu werden. Ich f\u00fchle und verhalte mich anderes: konformistisch. Ganz automatisch. Denn <em>\u201edie un\u00fcberpr\u00fcfbare M\u00f6glichkeit des \u00dcberpr\u00fcftseins hat entscheidende Pr\u00e4gekraft. Sie pr\u00e4gt die Bev\u00f6lkerung des Landes\u201c<\/em>. Wenn dies aber bereits bei den aus heutiger Sicht doch recht simpel anmutenden Abh\u00f6rmethoden der damaligen Zeit der Fall war \u2013 wie muss es dann heute, bei den infernalischen Abh\u00f6rm\u00f6glichkeiten digitaler Provenienz, die Bev\u00f6lkerung pr\u00e4gen? Denn heute ist die Omnipr\u00e4senz des Lauschers gegeben. Wir leben im Zeitalter der M\u00f6glichkeit der totalen \u00dcberwachung: Die externe Aktivierung der integrierten Kameras oder Mikrophone ist ein Kinderspiel \u2013 wir k\u00f6nnen prinzipiell auch dann belauscht, beobachtet, kontrolliert werden, wenn wir nicht telefonieren, fernsehen oder am Laptop arbeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als sei dies noch nicht genug, werden auch \u00dcberwachungssysteme selbst \u00fcberwacht. So r\u00fcstet der Sicherheitstechnik-Hersteller NetBotz seine weltweit vertriebenen \u00dcberwachungskameras seit Jahr und Tag mit einem digitalen Zugang aus, der es dem amerikanischen Geheimdienst NSA erm\u00f6glicht, \u201e<em>sich in s\u00e4mtlichen mit NetBotz-Kameras gefilmten Bereichen ebenfalls umzusehen\u201c <\/em>(<a href=\"http:\/\/www.ingenieur.de\/Themen\/Datenschutz\/US-Geheimdienst-zapft-weltweit-Ueberwachungskameras-an\">http:\/\/www.ingenieur.de\/Themen\/Datenschutz\/US-Geheimdienst-zapft-weltweit-Ueberwachungskameras-an<\/a>). Eben jene NSA, die \u00fcber Jahrzehnte unkontrolliert und unbeanstandet deutsche Ministerien ausgesp\u00e4ht haben, wie der Freiburger Historiker Josef Foschepoth belegen konnte. Und die seit 2006 auch die Inhalte von Telefongespr\u00e4chen erfasst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese, zumeist unbemerkt bleibende, Omnipr\u00e4senz bedeutet eine schleichende Aufl\u00f6sung der Privatheit. Der Lauscher kann jetzt auch visuell an Orten pr\u00e4sent sein, an denen er nicht pr\u00e4sent ist. \u201eSein\u201c hei\u00dft fortan nicht mehr <em>\u201eHier-Sein\u201c<\/em> \u2013 sondern zur gleicher Zeit <em>\u201e\u00dcberall-Sein\u201c<\/em>. Da wird die Ontologie quantenphysikalisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr mich als Verbraucher und User bedeuten Errungenschaften moderner Technik wie das Smart-Home durchaus so etwas wie eine neue Freiheit. Aber sie bedeuten eben auch die dialektische Komponente: mehr Unfreiheit. Denn wenn ich nicht mehr wei\u00df, ob ich allein bin, weil die Anderen in der Lage sind, sich unbemerkt von mir virtuell bei mir aufzuhalten, bin ich nicht mehr der <em>\u201aMonopolist\u2019<\/em> meiner <em>\u201aRaumstelle\u2019<\/em>. Dann hat meine Privatsph\u00e4re aufgeh\u00f6rt, privat zu sein: Sie geh\u00f6rt jetzt auch dem anderen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>7.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine M\u00f6glichkeiten, dem Anderen zu entrinnen, mich ihm zu entziehen, sind begrenzt. Zumal ich mich h\u00f6chst verd\u00e4chtig mache, wenn ich dies versuche: Es ist die nonkonformistische Flucht in meine Privatheit, die erst noch als harmlos altbacken, anachronistisch, dann aber zunehmend als technikfeindlich, subversiv, illoyal, gef\u00e4hrlich, gegen die Gemeinschaft gerichtet angesehen wird. Als \u201aDiebstahl\u2019 wird dann nicht mehr empfunden werden, wenn mir meine Privatheit durch totalit\u00e4re M\u00e4chte entzogen wird, als \u201aDiebstahl\u2019 wird empfunden werden, wenn ich den totalit\u00e4ren M\u00e4chten meine Privatheit entziehe \u2013 Eric Schmidts Pochen auf ein \u201aRecht auf Wissen\u2019 spricht da B\u00e4nde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo das Recht auf Privatheit bestritten wird, wo am Ende keine Privatheit mehr besteht, da besteht auch kein Unrechtsbewusstsein, keine Spur von Schamempfinden mehr, wenn diese Privatheit verletzt wird. Diese Abwesenheit ist aber keine Zukunftsmusik mehr, sie ist l\u00e4ngst Realit\u00e4t geworden \u2013 als akustischer Hausfriedensbruch, der mittlerweile auch optischer und habitueller Hausfriedensbruch ist. Ganz besonders dort, wo wir uns nicht in privaten R\u00e4umen, sondern im \u00f6ffentlichen Raum bewegen. G\u00fcnther Anders machte hier auf die voyeuristische Komponente aufmerksam, die erst jetzt, im Handy-Zeitalter \u2013\u201e<em>Vorhandensein von Ger\u00e4ten (schlie\u00dft) deren Verwendung immer schon mit ein\u201c<\/em> \u2013 der mehr oder weniger heimlich aufgezeichneten und ins Netz zur \u00f6ffentlich-lustvollen Verf\u00fcgung gestellten Videoclips von Mobbing-Opfern, von Vergewaltigungen, von kompromittierenden Vorg\u00e4ngen oder auch des Unfallspottings, in ihrer ganzen Tragweite erkennbar wird. Da trifft es sich gut, dass zahlreiche mobile Endger\u00e4te mittlerweile \u00fcber eine optische Aufzeichnungsqualit\u00e4t verf\u00fcgen, die denen vieler konventioneller Kameras oder Fotoapparate \u00fcberlegen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201e<\/em><em>Es ist verboten, Sendeanlagen oder sonstige Telekommunikationsanlagen zu besitzen, herzustellen, zu vertreiben, einzuf\u00fchren oder sonst in den Geltungsbereich dieses Gesetzes zu verbringen, die ihrer Form nach einen anderen Gegenstand vort\u00e4uschen oder die mit Gegenst\u00e4nden des t\u00e4glichen Gebrauchs verkleidet sind und auf Grund dieser Umst\u00e4nde oder auf Grund ihrer Funktionsweise in besonderer Weise geeignet und dazu bestimmt sind, das nicht \u00f6ffentlich gesprochene Wort eines anderen von diesem unbemerkt abzuh\u00f6ren oder das Bild eines anderen von diesem unbemerkt aufzunehmen.\u201c<\/em> So der Wortlaut von \u00a7 90\u00a0Telekommunikationsgesetz zum Missbrauch von Sende- oder sonstigen Telekommunikationsanlagen. Verst\u00e4ndlich, dass aufgrund dieses Gesetzes die smarte Cayla, die Spionin im Kinderzimmer, verboten wurde. \u00dcber eine ungesicherte, nicht verschl\u00fcsselte Bluetooth-Verbindung ist die Puppe mit einer Smartphone-App verbunden. Da sich jeder problemlos in diese Verbindung einschalten kann, stellt Cayla rechtlich gesehen damit eine verbotene Sendeanlage dar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verboten ist laut Telekommunikationsgesetz generell nicht allein der Betrieb, verboten ist bereits der Besitz solcher Anlagen f\u00fcr nicht berechtigte Personen. Eigentlich. Die technische M\u00f6glichkeit, digitale Endger\u00e4te wie Smart-Phone, Laptop, Tablet oder das ans Netz angeschlossene TV-Ger\u00e4t durch externen Zugriff zu akustischen oder auch optischen Aufzeichnungsger\u00e4ten werden zu lassen wie auch die Option, \u00fcber mobile Endger\u00e4te als Schnittstelle der im Smart-Home vernetzten Haushaltsger\u00e4te an weitere detaillierte pers\u00f6nliche Informationen zu gelangen, wird jedoch nicht nur im doppelten Wortsinn klaglos hingenommen. Sie wird begr\u00fc\u00dft. Und hemmungslos als Fortschritt gefeiert. Die Frage, ob denn eben diese technischen M\u00f6glichkeiten digitaler Endger\u00e4te und die damit verbundenen \u201e<em>Akte des Abh\u00f6rens\u201c<\/em> so ohne weiteres im Einklang mit \u00a7 90\u00a0Telekommunikationsgesetz stehen, stellt sich ihnen offenbar nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Spanner macht sich schon allein dadurch strafbar, dass er spannt. Wenn er zum Spannen entsprechende technische Aufzeichnungsger\u00e4te besitzt, die wom\u00f6glich auch noch als Sendeanlagen klassifiziert werden k\u00f6nnen, macht er sich ebenso strafbar. Sowieso, wenn er sie einsetzt. Und erst recht, wenn er das Aufgezeichnete, Aufgenommene, Geraubte verwendet \u2013 egal, ob zum privaten Vergn\u00fcgen, im Netz der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentierend oder gar kommerziell. Das, was Google-Chef Eric Schmidt tut, unterscheidet sich strukturell nicht sonderlich von dem, was der Spanner tut. Aber er macht sich nicht strafbar. Im Gegenteil. Herr Schmidt besteht sogar darauf, dass seinem Unternehmen prinzipiell das Recht zusteht, zu spannen. Dass es ihm von Rechtswegen erlaubt werden muss, immer und \u00fcberall spannen zu d\u00fcrfen. Das hei\u00dft: ihn alles wissen zu lassen. Nicht Abh\u00f6ren w\u00e4re dann ein Rechtsbruch, sondern das sich dem Abh\u00f6ren entziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>8.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was Google wissen darf und was nicht \u2013 diese Grenze will Eric Schmidt sich nicht von Gerichten ziehen lassen, die will er selber bestimmen. Und im Zweifelsfalle lautet seine Antwort darauf, was Google wissen darf, schlicht: alles. Dass hier ein <em>\u201efreiheitsberaubender Missbrauch der Privatheit des Anderen\u201c<\/em> vorliegt, kommt ihm nicht in den Sinn. Dass dieses \u201aGoogle-Ich\u2019 dem Anderen ohne dessen explizite Kenntnis und Zustimmung zuh\u00f6rt oder zusieht. Dass es sich <em>\u201ebei dem Anderen\u201c<\/em> aufh\u00e4lt, ohne dass er es merkt oder wei\u00df. Dass die Entfernung zum Anderen <em>\u201eannulliert\u201c <\/em>wird,<em> \u201edie Grenze zwischen \u201aau\u00dfen\u2019 und \u201ainnen\u2019\u201c<\/em>, zwischen privat und \u00f6ffentlich vollends aufgehoben wird \u2013 all dies ist ihm nicht der Rede wert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Perfide ist: Der Konformist, also der, der sich der totalit\u00e4ren Macht ergibt oder schon ergeben hat, der eine Mitgliedschaft in der monolithischen Gesellschaft anstrebt und bereits seiner Privatheit entsagt hat, wird den Tabubruch des Hausfriedensbruchs als legitim empfinden, die Schamlosigkeit und Indiskretion nicht als schamlos und indiskret: <em>\u201eDer Vulg\u00e4re, also der Konformist von heute, unterstellt als Selbstverst\u00e4ndlichkeit, dass das Private nichts anderes sei als der Vorwand f\u00fcr die Unterschlagung verbotener Handlungen.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das schulterzuckende Argument der Konformisten lautete bereits im Amerika der 50er Jahre \u2013 und hier f\u00fchlt man sich augenblicklich in die Gegenwart katapultiert: <em>\u201eBut I have nothing to hide\u201c.<\/em> Die Konsequenz dieses Denkmusters: eine Umwertung der Werte. Wer auf seiner Privatsph\u00e4re beharrte, also \u201aschamhaft\u2019 war, hatte etwas zu verbergen \u2013 etwas Verbotenes, Unmoralisches. \u201aSchamhaft\u2019 zu sein galt seitdem als <em>\u201eunmoralisch\u201c<\/em>, wer hingegen \u201aschamlos\u2019 war, also auf seine Privatsph\u00e4re verzichtete, als <em>\u201emoralisch\u201c<\/em>. <em>\u201eWeil Unrecht heimlich geschieht, Heimlichkeit und Privatheit eo ipso Unrecht beweisen\u201c<\/em>, bedeutet Privatheit nunmehr, \u201e<em>Verbotenes zu verstecken\u201c<\/em>. Und der Einzelne h\u00e4lt sich, so die Annahme, allein deshalb an die Moral und tut nicht das Unmoralische, Verbotene, weil er davon ausgeht, unter Kontrolle zu stehen. Damit wird <em>\u201eetwas Unmoralisches: die Bespitzelung (&#8230;) zur B\u00fcrgschaft der Moral gemacht\u201c<\/em>. Verkehrte Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Eliminierung der Privatheit, die vollst\u00e4ndige Deprivatisierung des Individuums, die <em>\u201etotale Unversch\u00e4mtheit\u201c<\/em> vulgo <em>\u201eSchamlosigkeit\u201c<\/em> einer totalit\u00e4ren Macht, wird dann reibungslos gelingen, wenn die Bespitzelten <em>\u201enichts Besonderes dabei finden\u201c<\/em>, bespitzelt zu werden. Und aktiv und voller Freude an ihrer eigenen Deprivatisierung mitwirken: <em>\u201eIntegrale Unversch\u00e4mtheit kann allein dort gelingen, wo ihr eine ebenb\u00fcrtige Schamlosigkeit entgegenkommt: eine gleichfalls totale\u201c<\/em>. Die Umwertung der Schamlosigkeit zur Tugend. Was einst als amerikanisches Ph\u00e4nomen begann, hat heute die Welt erreicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einer vollst\u00e4ndig deprivatisierten Welt leben nur noch vollends transparente Wesen. Wesen, \u00fcber die bestenfalls alle alles wissen. Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass das Wissen <em>\u201ein authorized hands\u201c<\/em> liegen wird. Und wer autorisiert ist, wird kaum der Einzelne entscheiden, sondern eher die totalit\u00e4re Macht, die die Daten an sich gebracht hat. Die, gehen wir nur einmal vom harmlosesten Fall aus, Handel mit ihnen treiben wird. Denn Daten sind die neue W\u00e4hrung, die Datenbanken ihre Depots. Douglas Merrill, Gr\u00fcnder von ZestFinance und ehemaliger Chief Information Officer von Google, brachte es, so Evgeny Morozov 2014, einmal auf den Punkt:<em> \u201eAlle Daten sind letztendlich Kreditdaten\u201c. <\/em>Und die beeinflussen nun mal unsere Kreditw\u00fcrdigkeit. Verkaufen Google &amp; Co. nun ihr Wissen, verf\u00fcgen bald nicht nur Geheimdienste oder andere staatliche Organe, sondern auch Kreditinstitute, Versicherungen oder Krankenkassen dar\u00fcber.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum also haben wohl die beiden gr\u00f6\u00dften privatwirtschaftlich organisierten Datensammler der Welt, Google und Amazon, einen digitalen Sprachassistenten herausgebracht? Einen wie diese liebensw\u00fcrdige Einbrecherin, die wir sogar wie eine gute, alte Bekannte bei ihrem Vornamen \u2013 <em>Alexa!<\/em> \u2013 anreden und die mit sanfter Stimme zu uns spricht, w\u00e4hrend sie dreist unsere privaten Daten abgreift. Die strukturell eine Abh\u00f6r- und \u00dcberwachungsanlage ist, die, w\u00e4hrend wir ihr \u201aAnweisungen\u2019 geben, die sie devot zu befolgen scheint, von uns unbemerkt alle Daten in irgendwelche Datenb\u00e4nke schleust, die wir nicht kennen und wo von ihnen ein Gebrauch gemacht wird, von dem wir keine Ahnung haben. Ja: Wo die entsprechenden Unternehmen sogar wie Zerberos \u00fcber diese unsere Daten wachen, weil sie diese Daten jetzt ihr Eigentum ansehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>9.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr G\u00fcnther Anders war dieser Prozess der schamlosen Deprivatisierung 1958 in den USA praktisch abgeschlossen. Wir hinken da in der Entwicklung, wie in vielen Dingen, etwas hinterher. Reality Shows, Real Life Serien und \u00e4hnlich konsumistisch strukturierte Sendungen sind f\u00fcr uns noch relativ neue Formate. So durfte sich <em>Germany\u2019s Next Topmodel<\/em> erst 2006 in unseren Wohnzimmern seelisch entbl\u00f6\u00dfen, <em>Big Brother <\/em>eroberte 2000 unsere Bildschirme.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Show nahm inhaltlich wie auch beim Titel bewusst Bezug auf George Orwells Dystopie eines totalit\u00e4ren \u00dcberwachungsstaats. Wurde, wie es in dem Wikipedia-Eintrag zur Show hei\u00dft, das <em>\u201ebei seiner Einf\u00fchrung heftig umstrittene Format zu Beginn als gesellschaftlicher Tabubruch erlebt\u201c,<\/em> wurde \u201e<em>die Zurschaustellung privaten Lebens in der medialen \u00d6ffentlichkeit und damit verbunden der als ethisch fragw\u00fcrdig empfundene Eingriff der Fernsehsender in das Privatleben der Bewohner\u201c<\/em> kritisiert, so nimmt heute keiner mehr an solchen Dingen Ansto\u00df. \u201aDer Bachelor\u2019 sucht sich zur allgemeinen Belustigung bei einer \u00f6ffentlich inszenierten Brautschau wie auf dem Viehmarkt das beste Weibchen heraus, w\u00e4hrend die Verschm\u00e4hten einem Millionenpublikum zum Fra\u00df vorgeworfen werden. Umgekehrt gilt dies auch f\u00fcr die M\u00e4nnchen, die von der Bachelorette verschm\u00e4ht werden. Weniger glamour\u00f6s geht es bei \u201aBauer sucht Frau\u2019 zu, aber das Grundprinzip der \u00f6ffentlichen Entbl\u00f6dung bleibt das gleiche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Schamlosigkeit ist l\u00e4ngst Normalit\u00e4t geworden \u2013 auf Seiten der Konsumenten wie auch auf Seiten der Konsumierten. Wen wundert es da, dass uns die Fiktion kaum noch als Fakt verkauft werden muss, <em>ist<\/em> sie doch f\u00fcr viele bereits Realit\u00e4t. So finden sie die \u201aWahre Liebe\u2019 heute nicht mehr im wahren Leben, sondern auf<em> Love Island<\/em>, der aktuellen Dating-Reality-Show auf RTL 2, die in diesem Jahr auf Sendung gegangen ist. Paarungsbereite M\u00e4nnchen und Weibchen werden dort, wie weiland bei Heinz Sielmann Geparde, Otter oder Seem\u00f6wen, in allen Lebenslagen und in Gro\u00dfaufnahme observiert, damit sich ein voyeuristisches Publikum an den wenig kamerascheuen, promiskuitiven P\u00e4rchen, die ihrer Privatheit g\u00e4nzlich entsagt haben, erg\u00f6tzen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Schamlosigkeit hat aber nicht nur eine solch sexuelle Dimension, sie kann auch eine fast schon hegelianisch anmutende dialektische Dimension haben. Die durfte Donald Trump in seiner 2004 ausgestrahlten <\/em>Fernseh-Reality-Show <em>\u201aThe Apprentice\u2019<\/em><em> zelebrieren. Dort gab er den als mit totalit\u00e4rer Macht ausgestatteten Herrn, der die devoten Knechte, die vor ihm zu Kreuze krochen, lustvoll vor einem Millionenpublikum desavourieren und ihnen ein nunmehr in Amerika gefl\u00fcgeltes Wort entgegenschleudern konnte: <\/em>\u201e<em>You&#8217;re fired!<\/em>\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dumm nur, dass jener Trump aus dieser Verwechslungsschleife von Fakt und Fiktion nicht mehr herauskommt. Noch d\u00fcmmer, vor allem f\u00fcr uns, dass er mittlerweile mit einer Machtf\u00fclle ausgestattet ist, gegen die eben jener Big Boss in <em>\u201aThe Apprentice\u2019<\/em><em> wie ein mittelloser Zwerg wirkt.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>10.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deprivatisiert wird aber nicht nur der so kannibalisch Konsumierte, deprivatisiert wird auch der Kannibale selbst, der Konsument. Und dies, ohne dass es ihm so recht bewusst wird. Er sollte deshalb, w\u00e4hrend er sich an \u201aBig Brother\u2019 labt, nicht zu entspannt auf seiner Couch herum l\u00fcmmeln. Denn Big Brother is watching him too: \u201e<em>\u00dcberwachungskameras zur Video\u00fcberwachung (&#8230;), Fernsehempf\u00e4nger mit Gro\u00dfbildschirmen und integrierten Mikrofonen zur Entgegennahme von Befehlen sind \u00fcberall, auch in den Wohnr\u00e4umen, pr\u00e4sent und schaffen eine allgegenw\u00e4rtige, fast l\u00fcckenlose \u00dcberwachung der Individuen. Privatsph\u00e4re existiert so nicht mehr.\u201c <\/em>So, wie auf Wikipedia Orwells d\u00fcstere Zukunftsvision einer totalit\u00e4ren Gesellschaft beschrieben wird, klingt es \u2013 erinnert man sich der technischen M\u00f6glichkeiten, die einem die digitalen Sprachassistenten, die zu Computern transformierten Hybrid-Fernsehger\u00e4te oder die mobilen Endger\u00e4te heute bieten \u2013 doch eher wie eine recht n\u00fcchterne Beschreibung der Faktenlage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind, so G\u00fcnther Anders, auf der einen Seite anstandslos <em>\u201ebereit, anstandslos zu sein, das hei\u00dft: jedem anderen alles zu zeigen\u201c<\/em> \u2013 und auf der anderen Seite sind wir anstandslos bereit, uns alles schamlos voyeuristisch mitanzusehen. Schamlosigkeit allenthalben. Die keinen Tabubruch mehr darstellt, sondern uns zur Tugend geworden ist. Der Zustand v\u00f6lliger Deprivatisierung ist erreicht: <em>\u201eUnser Leben ist Allgemeinbesitz geworden.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Preis f\u00fcr diese Preisgabe der Privatheit und Individualit\u00e4t ist die Konformit\u00e4t, sie wird zur verbindlichen Moral. Doch als sterbenslangweiliger Konformist, als Gleicher unter Gleichen, will niemand gelten. Das ist doppelt plus ungut. Drum versucht man sich den Anschein des coolen Nonkonformisten zu geben. Und geht jenen Weg der medien\u00f6ffentlichen Deprivatisierung. Oder den der Selbstvermarktung als Influencer in den diversen Sozialen Medien. Oder. Oder. Oder. Ihm wird als gew\u00f6hnlicher Mensch <em>\u201eeine ungew\u00f6hnliche Chance der Heuchelei zum Geschenk gemacht\u201c<\/em>, so analysiert Anders treffend.<em> \u201eJeder John Doe (kann) die ihm entsprechende \u201aself-expression\u2019 finden\u201c<\/em>. Sie erm\u00f6glicht es ihm, sich aus der Masse abzuheben, \u201e<em>verschafft (ihm) die Genugtuung, hervorzuragen<\/em>\u201c: Wir, John Doe, Max Mustermann und Lieschen M\u00fcller, geh\u00f6ren <em>\u201enunmehr zur Bruderschaft der \u201acreative ones\u2019, der Michelangelos, der Beethovens und van Goghs\u201c<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da, wo der <em>\u201eder sanfte Totalitarismus\u201c<\/em> der digitalisierten Gesellschaft sein Werk heimlich, still und leise verrichtet, wo der Mensch sich und seine Privatheit in vermeintlich freier Entscheidung mit Freuden preisgibt, da muss er gar nicht mehr beraubt werden: Wir werden <em>\u201ezum Mitarbeiter an (unserer) eigenen Deprivatisierung\u201c<\/em>. Sei es nun als Teilnehmer bei \u201aBig Brother\u2019 oder \u201aLove Island\u2019, sei es als Zuschauer, sei es als User beim unreflektierten, unkritischen Einsatz von \u201aAndroid\u2019 (der Name des Betriebssystems ist wohl mit Bedacht gew\u00e4hlt, bezeichnet er doch die Maschinenwesen, die menschengleich agieren \u2013 wie schon den ber\u00fchmten Schacht\u00fcrken des 18. Jahrhunderts), der permanenten Aktivierung ergo Erreichbarkeit unserer mobilen Endger\u00e4te, die eine Ortung, Nachverfolgung und Initiierung als Abh\u00f6r- und Abseheinrichtung erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Umwertung der Werte f\u00fchrt dazu, dass sich unsere <em>\u201aSchamlosigkeit\u2019<\/em> als Ausweis an Loyalit\u00e4t, als Treuebekenntnis zur Konformit\u00e4t, Privatheit hingegen als Treuebruch darstellt. Dabei ist die <em>\u201eUnversch\u00e4mtheit\u201c<\/em> der einen die <em>\u201eSchamlosigkeit\u201c <\/em>der anderen: Spitzel und Exhibitionist sind Partner in einem Spiel \u2013 bis hin zum Rollentausch. <em>\u201eDie Figur des Zeitgenossen\u201c<\/em>, so Anders, ist schamlos, insofern er unversch\u00e4mt ist \u2013 und umgekehrt. Der Schamlose empfindet die Unversch\u00e4mtheit nicht mehr als unversch\u00e4mt wie auch der Unversch\u00e4mte den Schamlosen nicht mehr als schamlos, sondern als v\u00f6llig normal empfindet. Was umgekehrt nat\u00fcrlich dazu f\u00fchrt, dass derjenige, der Scham empfindet, und derjenige, der nicht unversch\u00e4mt ist, nicht mehr als normal, sprich: konform, empfunden wird. Mit allen nur denkbaren Konsequenzen. Und vielleicht dereinst auch den undenkbaren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Deprivatisierung, die eine Enteignung und Sozialisierung meiner selbst entspricht, wird als ebenso normal empfunden. <em>\u201eUnser Leben ist Allgemeinbesitz geworden\u201c<\/em>, doch was hier sozialisiert wird, ist nicht das, was ich <em>habe<\/em>, sondern das, was ich <em>bin<\/em> \u2013 Ich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich gebe mich ab und damit meine Individualit\u00e4t auf. Was aber dem modernen Menschen kaum etwas auszumachen scheint, wurde er doch zuvor davon \u00fcberzeugt, dass er sich \u00fcber das Materielle, also \u00fcber das, was er <em>hat<\/em>, was er besitzt, zu identifizieren und definieren hat und nicht \u00fcber das, was er <em>ist<\/em>. Der Verlust meiner selbst wird so nicht als Verlust empfunden. Mir wurde ja nicht genommen, was ich habe, sondern nur, was ich bin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Form der Selbstdefinition hat der Mensch im Wesentlichen durchg\u00e4ngig akzeptiert. Es ist die \u201aKonformismus\u2019 genannte Variante des sanften Totalitarismus, die sich schleichend ausbreitet, einvernehmlich, ohne Gewalt, ohne Terror. Das Erschreckende dabei ist: Wir, die Bespitzelten, sind <em>\u201eBundesgenossen der Spitzel\u201c<\/em>. Wir haben uns als Opfer mit den T\u00e4tern gemein gemacht, haben als Opfer l\u00e4ngst unser Opfer gebracht, ohne dieses als solches zu erkennen: Wir haben unsere Autonomie, unsere Privatheit, unsere Individuation preisgegeben, ihr entsagt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das, was zu Anders Zeiten in den USA seinen Anfang nahm, ist heute im Zuge der Medialisierung und digitalen Transformation unserer Lebenswelten, und damit einhergehend unserer Gesellschaften, weltweit weitgehend umgesetzt. Aus der akustischen Leine ist die digitale Leine geworden, die weit gr\u00f6\u00dfere M\u00f6glichkeiten bietet: Uns wird die Freiheit, <em>\u201eungeh\u00f6rt\u201c <\/em>zu bleiben, ebenso geraubt wie die Freiheit, <em>\u201eunh\u00f6rend\u201c <\/em>zu leben. Wir m\u00fcssen nicht nur mit dem L\u00e4rm leben, wir sollen es auch. Denn die M\u00f6glichkeit permanenter Berieselung und Beschallung, die zumindest potentiell permanente Erreichbarkeit und die damit verbundene Option, uns auch an den entlegensten Orten dieser Welt zu bel\u00e4rmen, zu berieseln und zu beschallen, hat eine normative Funktion:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Prozess der akustischen bzw. digitalen Freiheitsberaubung und Deprivatisierung, die uns als gigantische Errungenschaft, als einzigartiger Fortschritt und Zuwachs an Freiheit verkauft wird, stellt dieser L\u00e4rm <em>\u201eeines der Hauptinstrumente des Konformismus\u201c<\/em> dar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>11.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Theoretisch k\u00f6nnten wir auch GPS-tauglichen mobilen Endger\u00e4ten entkommen, k\u00f6nnten wir das Unm\u00f6gliche m\u00f6glich machen: k\u00f6nnten wegh\u00f6ren. Wir m\u00fcssten die Ger\u00e4te nur zuhause lassen, entsorgen. Aber das verf\u00fchrerische digitale Substitut des L\u00e4rms besitzt ein immenses Suchtpotential. Wir erleben die Unerreichbarkeit nicht mehr als Genuss, sondern als Bedrohung. Die permanente Erreichbarkeit ist l\u00e4ngst Teil unseres Selbstverst\u00e4ndnisses und damit Teil unseres Selbst geworden. Ohne sie mutieren wir zu einem hysterischen Zellhaufen, verhalten uns wie ein Junkie auf Turkey: Wir f\u00fchlen uns beraubt, das Band zur Zivilisation \u2013 zerschnitten. Erst wenn wir aus dem Funkloch kriechen, wenn wir den n\u00e4chsten Schuss gesetzt haben, wenn der sehn-s\u00fcchtige Blick aufs Handy die gewohnte Balkenst\u00e4rke zeigt und wir wie gewohnt Informationen abrufen und menschliche Stimmen vernehmen k\u00f6nnen, erst dann normalisiert sich unser Puls: Hier zeigt sich, wie sehr wir Menschen mittlerweile an der digitalen Leine h\u00e4ngen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das, was uns als gr\u00f6\u00dfter Fortschritt, als gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Freiheit verkauft wird, erweist sich als gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Unfreiheit: Dieses Substitut des L\u00e4rms h\u00e4lt uns Individuen fest im Griff, l\u00e4sst keinen Platz auf der Welt mehr zu, an dem wir wir selbst sein k\u00f6nnen. Ganz allein, nur f\u00fcr uns. Die integrierten Kameras und Mikrophone, die GPS-Tauglichkeit, sie alle stellen ein Mit-Sein sicher, einen Anschluss an die von uns mit konstituierte konforme Zivilisation. Dieser Anschluss eliminiert unsere Chance auf eine nicht \u00f6ffentliche und nicht ver\u00f6ffentlichte Privatheit: rein technisch ist immer sowohl ein gewolltes H\u00f6ren als auch ein ungewolltes Mith\u00f6ren inkludiert. Doch diesen Tabubruch, diesen \u201aHausfriedensbruch\u2019 nehme ich liebend gerne in Kauf \u2013 ich habe ja nicht nur nichts zu verbergen, ich verliere ja auch nichts. Nur mich selbst, mein Selbst. Doch diesen Verlust empfinde ich durch die Umwertung der Werte nicht mehr als Verlust.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Handy wird zum verl\u00e4ngerten digitalen Arm des Megaphons, Lautsprechers und Abh\u00f6rger\u00e4ts, der integrierte Videoassistent zum Orwell\u2019schen Teleschirm. Ich bin immer erreichbar, immer greifbar. Kann dem Zugriff nicht entrinnen: <em>\u201eErreichbarkeit und Greifbarkeit werden dann zu (meiner) zweiten Natur\u201c<\/em>. Ich degeneriere zum Sklaven der technischen M\u00f6glichkeit, der seine <em>\u201eVersklavung sogar selbst kultiviert, so dass er sich, wenn er zuf\u00e4lligerweise einmal nicht greifbar ist, verloren f\u00fchlen wird\u201c<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Faktum der st\u00e4ndigen Erreichbarkeit durch das digitale Substitut des L\u00e4rms <em>\u201eist das De-privatisierungsideal des Konformismus erreicht\u201c,<\/em> der Prozess vollendet: Ich bin h\u00f6rig. Geh\u00f6re nunmehr zu dieser Welt, ja: geh\u00f6re dieser Welt. Ich habe mich freiwillig deprivatisiert, mich der st\u00e4ndigen Erreichbarkeit und damit der \u00dcberwachung ergeben. So sehr, dass ich meine Unfreiheit als Freiheit empfinde und meine Freiheit als Unfreiheit: Rei\u00dft die digitale Leine, und sei es auch nur f\u00fcr einen Moment, geh\u00f6re ich keinem Wir mehr an. Bin beziehungslos. Kann nichts mehr h\u00f6ren, nicht mehr mith\u00f6ren, nicht mehr abgeh\u00f6rt werden. Bin alleine, nur noch auf mein Ich geworfen. Lost in space. Dieses Allein-Sein ist f\u00fcr den modernen Menschen und sein konformistisches Ich der Super-GAU. Denn f\u00fcr ihn ist das Dabeisein der einzig akzeptable, ihn definierende Seinszustand:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e<em>Ich bin dabei, also bin ich da, also bin ich\u201c.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p><strong>Essays<\/strong> von Stefan Oehm, KUNO 2022<\/p>\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=44273&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 size-266x266 alignright\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/KUNO-e1505588144923.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"150\" \/><\/a>Die <i>Essays <\/i>von Stefan Oehm auf KUNO kann man als eine Reihe von Versuchsanordnungen betrachten, sie sind undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen. Er betrachtet diese Art des Textens als Medium und Movens der Reflektion in einer Zeit, die einem bekannten Diktum zufolge ohne verbindliche Meta-Erz\u00e4hlungen auskommt. Der Essay ist ein Forum des Denkens nach der gro\u00dfen Theorie und schon gar nach den gro\u00dfen Ideologien und Antagonismen, die das letzte Jahrhundert beherrscht haben. Auf die offene Form, die der Essayist bespielen muss, damit dieser immer wieder neu entstehende \u201eintegrale Prozesscharakter von Denken und Schreiben\u201c auf der \u201eB\u00fchne der Schrift\u201c in Gang gesetzt werden kann, verweist der Literaturwissenschaftler Christian Sch\u00e4rf. Im Essay geht die abstrakte Reflexion mit der einnehmenden Anekdote einher, er spricht von Gef\u00fchlen ebenso wie von Fakten, er ist erhellend und zugleich erhebend. Daher verleihen wir Stefan Oehm den KUNO-Essaypreis 2018.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Literatur<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anders, G\u00fcnther (2013): Die Antiquiertheit der Privatheit, in: Anders, G\u00fcnther: Die Antiquiertheit des Menschen, Bd. 2, M\u00fcnchen: Verlag C.H. Beck, S. 210-246<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freiheit, die Unfreiheit bedeutet \u2013 Warum G\u00fcnther Anders aktueller denn je ist Der deutsche Philosoph und Schriftsteller G\u00fcnther Anders hielt 1958 vor der Lessing-Gesellschaft Hannover einen Vortrag, der in den euphorisierten Jahren des Wirtschaftswunders in seiner gegenl\u00e4ufigen Grundstimmung befremdlicher kaum&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/12\/17\/konformismus-und-totalitarismus\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":100363,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2090,2074],"class_list":["post-44670","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-guenther-anders","tag-stefan-oehm"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44670","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/169"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=44670"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44670\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":100364,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44670\/revisions\/100364"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/100363"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=44670"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=44670"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=44670"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}