{"id":44614,"date":"2021-12-11T00:01:00","date_gmt":"2021-12-10T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=44614"},"modified":"2022-02-19T18:47:33","modified_gmt":"2022-02-19T17:47:33","slug":"das-aequivalenzverhaeltnis-zwischen-sichtbarem-und-hoerbarem","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/12\/11\/das-aequivalenzverhaeltnis-zwischen-sichtbarem-und-hoerbarem\/","title":{"rendered":"ein buch der sublimierungen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Die Schrift ist gegen\u00fcber dem Medium der m\u00fcndlichen Sprache und Kommunikation minderwertig, da sie sich nachteilig auf das Erinnerungsverm\u00f6gen auswirkt.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Platon<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das lesekatalogundh\u00f6rbuch zum gattungs\u00fcbergreifenden und multimedialen \u00bbProjekt 630\u00ab, das auch ein buchkatalog ist, verbindet eine novelle von a.j. weigoni mit bildern, das hei\u00dft bearbeiteten fotografien, des k\u00fcnstlers peter meilchen, und zwei \u00bbCD\u00abs. der titel verweist auf den rheinkilometer 630 in linz am rhein, wo meilchen geboren wurde. weigoni und er wollten 2008 gemeinsam nach \u00e4gypten reisen, wozu es durch den fr\u00fchen tod von peter meilchen nicht mehr kam. die buchausgabe zu seinem 10. todestag ist auch ein gedenkbuch f\u00fcr ihn, in dem der autor seine eigene sp\u00e4tere \u00e4gyptenreise verarbeitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00fcber max, die m\u00e4nnliche hauptfigur, hei\u00dft es: \u00bbEr l\u00e4sst nie au\u00dfer acht, dass eine k\u00fcnstlerische Arbeit da beginnt, wo Geschmack aufh\u00f6rt.\u00ab sublimierungen und vertiefungen pr\u00e4gen das gesamte projekt. der durchkomponierte und durchrhythmisierte text, den der autor \u00bbVignetten\u00ab nennt, geh\u00f6rt zu den feinsinnigsten von weigoni, der sonst auch hart, polemisch und sarkastisch auf realit\u00e4ten zur\u00fcckgreifen kann. hier betont er die sensibilit\u00e4t in den wahrnehmungen seiner figuren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die \u00bbVignetten\u00ab, in einer verdichtenden sprache geschrieben, sind sinnlich erz\u00e4hlende prosa, worin der autor, im vergleich zu anderen seiner prosatexte, die essayistischen und aphoristischen einsch\u00fcbe, und damit vergeistigungen, deutlich zur\u00fcckgenommen hat, was der erz\u00e4hlerischen dichte zugute kommt. freilich reflektiert er auch hier, teils philosophisch, probleme und konflikte des m\u00e4ngelwesens mensch, das in seinen modernen varianten immer mehr zum prothesenwesen wird. \u00bbDie meisten Mitb\u00fcrger registrieren nicht, da\u00df sich die Gewichte von einer repr\u00e4sentativen Demokratie zur populistischen Legitimationssch\u00f6pfung durch eine boulevardeske Stimmungsmache verschieben.\u00ab andere reagieren erstaunt, wenn die demokratie selbst, ohne zu verschwinden, in autorit\u00e4re herrschaftsformen \u00fcbergeht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die novelle beginnt im rheinland und f\u00fchrt im weiteren verlauf nach \u00e4gypten. beschreibungen und reflexionen gehen dabei ineinander \u00fcber und auf. man findet genaue alltagsschilderungen und kulturgeschichtliche betrachtungen. \u00bbauch Fellachen ern\u00e4hren sich nicht nur von Foul-Medames, sondern von westlichem Fastfood\u00ab. ich trank w\u00e4hrend des hei\u00dfen sommers 2018, sozusagen metereologisch korrekt, erfrischenden beduinentee und nomadentee. \u00bbDer mythische Sonnenhengst soll dem Reitpferd ebenso vorausgegangen sein, wie das Totenschiff den Schiffen der Lebenden. So besehen, k\u00f6nnen Mythen durchaus technische Utopien enthalten. Heutigentags freilich ist die Technik selber Mythos.\u00ab die griechen der antike veranstalteten bei ihren olympiaden, pindar schrieb dar\u00fcber, wagenrennen. erst \u00fcber 2000 jahre sp\u00e4ter erfand man das fahrrad, dessen fr\u00fche varianten ziemlich abenteuerlich aussahen und das deutsch anfangs veloziped hie\u00df, nach franz\u00f6sisch v\u00e9locip\u00e8de, also schnellfu\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDer hypermoderne Mensch zitiert bei jedem Schritt.\u00ab zitate sind auch gesten, und damit zeichen. vielleicht gelten einmal die kunstvollen zitierer, die einer analytischen intuition und intuitiven analyse folgen, als die eigentlichen k\u00fcnstler. zitieren aber hei\u00dft nicht kopieren, sondern herbeirufen, einfangen, pfl\u00fccken sowie montieren, collagieren, korrespondenzen, symbiosen, sympathien schaffen. als wissender autor kann weigoni die mythen der \u00e4gypter sowie bei roland barthes und walter benjamin beil\u00e4ufig zitieren. einige szenen lassen an die \u00bbMythen des Alltags\u00ab von barthes sowie das \u00bbPassagen-Werk\u00ab benjamins samt der figur des flaneurs denken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die hauptfiguren der \u00bbVignetten\u00ab sind der freischaffende kurator max und nataly, die sich zun\u00e4chst zuf\u00e4llig begegnen und dann gemeinsam in die gegenwart wie in die kulturgeschichte eintauchen und umgekehrt, wobei \u00e4u\u00dfere und innere welt, momentane wahrnehmung und erinnerung, erlebtes und erlesenes miteinander verschmelzen. die handlungen wirken, wie schon in anderen prosatexten weigonis, filmisch. die erz\u00e4hlung, roland barthes unterschied zwischen erz\u00e4hlung und handlung, zur erz\u00e4hlung geh\u00f6ren auch die reflexionen, und damit die anverwandlung ans erleben der figuren, beginnt sofort verknappt und filmschnittartig mit \u00bbDaseinskino\u00ab, einer alternative zur lebensoper: \u00bbBlinklicht. Zuerst sieht Max sie an einer Ampel. Auf dem rechten Bein stehend, den Fuss ihres linken Beins in der bestrumpften Kniekehle angewinkelt, an die rechte Kniescheibe gelehnt. Sie erinnert in ihrer fragilen Statik an einen Wasservogel mit hohen Stelzen, geknicktem Schnabel und karminrotem Gefieder, der sich mit Anmut inmitten einer zweibeinigen Menschenmenge h\u00e4lt, die mit spitzem Ellenbogen die f\u00f6rderlichste Startposition unter sich ausmacht.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">nataly wird also, aufgrund ihrer gestalt, kleidung und bewegung, mit einem flamingo verglichen: \u00bbFlamingos beginnen die Brutsaison mit einem Tanz. Ihre Fl\u00fcgel sind abgewinkelt, gleichzeitig wird der Kopf nach hinten gebogen, als wolle das M\u00e4nnchen sein Gefieder unter der ge\u00f6ffneten Schwinge putzen. Das Weibchen streckt ein Bein zu einer Seite aus, winkelt es an, sch\u00fcttelt die Fl\u00fcgel und legt sich in den Wind.\u00ab in der \u00e4gyptischen hieroglyphensprache bedeutete das flamingozeichen rot. bei louis aragon erscheint das begehren als flamingo. ezra pound nannte den flamingo feierlich. christoph kolumbus, egon friedell erw\u00e4hnte dies, soll einmal, im glauben, er habe asien erreicht, einen trupp karibischer flamingos, die gravit\u00e4tisch durch die nacht wandelten, f\u00fcr wei\u00dfgekleidete chinesische priester oder m\u00f6nche gehalten haben. das erinnert an don quijote. auf einem mosaik aus dem 6. jahrhundert in einer kirche im libyschen tripolitania verk\u00f6rpern flamingos, die f\u00fcnfzig jahre alt werden k\u00f6nnen, die seelen der seligen im paradies. rainer maria rilkes gedicht \u00bbDie Flamingos \/ <em>Jardin de<\/em> <em>Plantes, Paris<\/em>\u00ab endet mit: \u00bbsie aber haben sich erstaunt gestreckt \/ und schreiten einzeln ins Imagin\u00e4re.\u00ab bei jules supervielle hei\u00dfts: \u00bbDoch sieh die Flamingos der R\u00f6te, \/ sie bauen ihr Nest sich im Licht, \/ mit der Seide der Himmelsr\u00e4nder \/ und dem goldenen Wind ihrer Fl\u00fcgel.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">max ist bereits vom leben desillusioniert. \u00bbModern sein hei\u00dft wissen, <em>was nicht<\/em> <em>mehr<\/em> <em>m\u00f6glich<\/em> <em>ist<\/em>.\u00ab, bemerkte barthes. nataly hingegen, die offenbar ein anderes seelisches alter hat, wirkt noch unbefangen lebendig, obwohl sie sich am beginn der geschichte nach dem tod ihres partners auf dem weg zur beerdigung befindet. die reise mit max nach \u00e4gypten hilft ihr dann bei ihrer seelischen genesung. \u00bbIn einem Lebensschwebezustand lotet Nataly die Abgr\u00fcnde des Alltags unmittelbar aus.\u00ab, \u00bbIrritation wird f\u00fcr sie zur Befreiung von erstarrten Vorurteilen und von Wiederholungszw\u00e4ngen.\u00ab, \u00bbIhr zunehmendes Leichter-Werden verdankt Nataly einer nachhaltigeren Selbstvergewisserung.\u00ab der text kann auch als hommage an lebensundwahrnehmungsweisen gelesen werden, die man weiblich nennt. \u00bbW\u00e4hrend M\u00e4nnern das Finden wichtig ist, kommt es Frauen auf das Suchen an.\u00ab wer nicht immer wieder staunen kann, findet keinen faden in die tiefe. \u00bbWas Nataly umgibt, sind die Aggregatzust\u00e4nde des festen Landes, des fl\u00fcssigen Wassers, des wehenden Dunstes: das Zerfliessen, der Schleier, der Traum. Auf sie richtet sich ihr Blick in einer Form des sch\u00fcrfenden Lesens und Rekonstruierens, mit der sie arch\u00e4ologische Feldforschung betreibt: Sie will den Bl\u00e4ttern beim Entfalten zusehen, dem Gras beim Wachsen zuh\u00f6ren und dabei die Heilwirkung der Natur erfahren.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">doch auch max beobachtet die welt mit wachem und sensiblem blick, der etwas fotografisches hat. \u00bbEventuell ist die Vorahnung die aussergew\u00f6hnlichste Art der Wahrnehmung, die Nataly und Max von ihren pr\u00e4historischen Urahnen geerbt haben.\u00ab, \u00bbDas Ende der Wahrnehmung ist der Beginn des Erinnerns.\u00ab und \u00bbHinter der Sichtgrenze erahnt er den Umschlag einer faktischen Realit\u00e4t in einen irrealen Schwebezustand. Dort gestaltet er nicht Objekte, er strukturiert Wahrnehmungen.\u00ab, was auch peter meilchen mit seinen bildern tat. im labyrinth der st\u00e4dte werden die augen, \u00e4hnlich wie fotoapparat und filmkamera, zu einer art w\u00fcnschelrute. die vielzitierte stelle \u00bbWas ist eigentlich Aura? Ein sonderbares Gespinst von Raum und Zeit: einmalige Erscheinung einer Ferne, so nah sie sein mag.\u00ab stammt aus walter benjamins schrift \u00bbKleine Geschichte der Fotografie\u00ab. roland barthes schrieb: \u00bbDie Fotografie bewirkt nicht mehr ein Bewu\u00dftsein des <em>Daseins<\/em> der Sache (das jede Kopie hervorrufen k\u00f6nnte), sondern ein Bewu\u00dftsein des <em>Dagewesenseins<\/em>. Dabei handelt es sich um eine neue Kategorie der Raum-Zeitlichkeit: \u00f6rtlich unmittelbar und zeitlich vorhergehend; in der Fotografie ereignet sich eine unlogische Verquickung zwischen dem Hier und dem <em>Fr\u00fcher<\/em>.\u00ab, rilke: \u00bbWie mir das Fernste manchmal hilft: in mir.\u00ab wer nahe und ferne zeiten und r\u00e4ume zeitundraumgleich erleben will, braucht, neben bildung und vorstellungsverm\u00f6gen, mu\u00dfe. \u00bbwirklich verm\u00f6gend sind jene Zeitgenossen, die bedenkenlos \u00fcber eine Ressource gebieten, die das Wertvollste ist: Zeit.\u00ab, erkl\u00e4rt weigoni, \u00bbDie Wahrnehmung aufschieben hei\u00dft, einen neuen Sinn hervorbringen.\u00ab barthes. max spricht auf fotografien bezogen von der \u00bbInventarisierung der Sterblichkeit\u00ab, mu\u00df also in susan sontags schriften \u00fcber fotografie gelesen haben. barthes warnte allerdings: \u00bbInventarisieren lassen sich nur die Banalit\u00e4ten, denn sie sind <em>endlich<\/em>.\u00ab kunst, die bleiben soll, mu\u00df das endliche \u00fcbersteigen, unterwandern, aufheben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">weigonis sprache war stets sinnlich und analytisch zugleich. wer seine literatur l\u00e4nger kennt, wird bemerken, da\u00df er beide komponenten, die anfangs noch eher gegens\u00e4tzlich wirkten, immer mehr miteinander verbunden hat. seine novelle, in der man auch eine sanfte selbstironie findet, insgesamt ist reflexiv, indem sie beim beschreiben und betrachten inneh\u00e4lt. der text dieser erz\u00e4hlenden dichtung entfaltet sich, wie der wein w\u00e4chst, n\u00e4mlich gewunden. altfranz\u00f6sisch vignetes, wovon das wort vignette abgeleitet wurde, bedeutete weinrankenornament, besonders auf m\u00f6beln und geschirr, siehe franz\u00f6sisch vigne = weinranke, weinstock, weinberg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">in m\u00e4andernden strukturen geht der autor behutsam tastend und fragend vor. und die m\u00e4anderform entspricht auch bewegungsabl\u00e4ufen einer gro\u00dfstadt. m\u00e4ander, heute menderes genannt, hie\u00df einst ein flu\u00df mit gewundenem lauf in kleinasien, zu dem der flu\u00dfgott maiandros geh\u00f6rte und der n\u00f6rdlich der alten stadt milet ins \u00e4g\u00e4ische meer flie\u00dft. wer tiefenschichten erkunden will, braucht das m\u00e4andernde denken, w\u00e4hrend allzu geradlinige denkweisen oft nur grobe einsichten hervorbringen. bei roland barthes hei\u00dfts: \u00bbDie Spirale regelt die Dialektik des Alten und des Neuen; dank ihr sind wir nicht gezwungen zu denken: <em>Alles wurde bereits gesagt<\/em>, oder: <em>Nichts wurde je gesagt<\/em>, sondern eher, nichts ist erstmalig und dennoch ist alles neu.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">seit jahrzehnten ist der rhein weigonis nil. in \u00e4gypten sind nataly und max auch in abydos, dem hauptort des todesauferstehungsundfruchtbarkeitsgottes osiris. \u00bbJedes Tier wird am Nil f\u00fcr Nataly zur Epiphanie ihrer Vorstellungswelt; es gibt Kreaturen, die ihrem Unbewussten n\u00e4her als andere stehen, wie die <em>Kaule<\/em>. Weil diese Amphibie aus dem Wasser kommt, r\u00fchrt sie an eine pr\u00e4historische Herkunft, von der das f\u00f6tale Dasein in ihre Lebenszeit reicht.\u00ab \u00e4gyptisch waren fr\u00f6sche, die aus kaulquappen entstehn, symbole f\u00fcr fruchtbarkeit, leben und auferstehung. die urmutterfruchtbarkeitsgeburtsundlebensg\u00f6ttin heket, die in abydos aufgrund ihrer lebensspendenden wirkungen dem g\u00f6tterkreis um osiris zugeordnet wurde, trat froschgestaltig oder froschk\u00f6pfig auf, genauso wie der gott nun, der das urgew\u00e4sser, also die urflut vor der sch\u00f6pfung, verk\u00f6rperte. indem fr\u00f6sche am nil mit der zur\u00fcckkehrenden flut erscheinen, gehen sie zyklisch dem wachstum der pflanzen voraus. griechisch und r\u00f6misch geh\u00f6rte der frosch zur liebesg\u00f6ttin. der storch, der in deutschen m\u00e4rchen, sagen und liedern die kinder, oder deren seelen, bringt, meist aus einem brunnen, fri\u00dft fr\u00f6sche. froschk\u00f6pfige fr\u00fchchristliche koptische amulette gaben hoffnung auf ewiges leben. liebesundseelensymbol ist auch der froschk\u00f6nig im und am brunnen aus dem grimmschen m\u00e4rchen, wo der k\u00f6nigssohn aus einem frosch aufersteht. der volksglaube h\u00f6rte im fr\u00f6schequaken das geschrei ungeborener kinder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">in den altindischen dichtungen der veden, anrufungen der g\u00f6tter und beschw\u00f6rungen der urmomente der sch\u00f6pfung, wurde das fr\u00f6schequaken mit der kultischen gedichtrezitation vorm somakessel gleichgesetzt. der g\u00f6ttliche trank entsprach dem befruchtenden regen. fruchtbarkeit und inspiration gingen so ineinander \u00fcber. was befruchtet, konnte auch \u00fcbernat\u00fcrliche und prophetische gaben verleihen, initiieren sowie seelische und geistige wiedergeburten bef\u00f6rdern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">zum buch, das zu einem gesamtkunstwerk wird und so, indem die verschiedenen k\u00fcnste miteinander korrespondieren und sich erg\u00e4nzen, zugleich das lesen, sehen und h\u00f6ren anspricht, geh\u00f6ren vielschichtige bildnerische arbeiten von peter meilchen, die ganz durch ihre \u00e4sthetische substanz wirken, das hei\u00dft gemalte bilder sowie malerisch, mit \u00f6lfarbe, farbstiften, tinte, wachs, rotwein, pflaster, karton oder tipp-ex bearbeitete und dadurch neu gestaltete und verfremdete fotografien, zeitungsbilder, amateuraufnahmen, sowie zwei \u00bbCD\u00abs unterm titel \u00bbM\u00e4ander\u00ab und \u00bbUr\u00e4us\u00ab mit 12 r\u00f6mischen und 12 \u00e4gyptischen kapiteln, professionell vorgetragen von a.j. weigoni selbst, und klangkompositionen von tom t\u00e4ger, produziert im tonstudio an der ruhr, die auch im rundfunk laufen sollten. das cover als collage und hommage mit motiven von meilchen entwarf dessen k\u00fcnstlerischer weggef\u00e4hrte klaus krumscheid. das ineinanderflie\u00dfen der k\u00fcnste sowie ihrer formen und strukturen ist schon durch rhein und nil motivisch angelegt. matthias hagedorn erkl\u00e4rte: \u00bbBei dieser <em>Mixed-Media<\/em> manifestiert sich eine Art der Grenz\u00fcberschreitung im Spiel mit den Gattungen: Aufl\u00f6sen, andersdenken, zersplittern und neu zusammensetzen.\u00ab und \u00bbSehen, Lesen und Erinnern \u00f6ffnen sich in alle Richtungen. T\u00f6ne, W\u00f6rter und Bilder hatten einander etwas zu sagen, sind sich auf kreative Weise zugetan.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">peter meilchen, der auch installationen und k\u00fcnstlerb\u00fccher schuf und selber b\u00fccher schrieb, f\u00fchrte mit seinen bearbeitungen praktisch weiter, was rudolf arnheim als wesen der fotografie ansah: \u00bbUm also Photographien zu verstehen, mu\u00df man sie als ein Aufeinandertreffen der physischen Realit\u00e4t mit dem sch\u00f6pferischen Geist des Menschen begreifen \u2013 nicht einfach als eine Widerspiegelung dieser Realit\u00e4t im Geist, sondern als einen Zwischenbereich, in dem beide Gestaltungskr\u00e4fte, Mensch und Welt, als gleich starke Gegner oder Partner einander begegnen, wobei jeder seine spezifischen F\u00e4higkeiten einbringt.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die bilder von meilchen, die fotografie und malerei verbinden, das hei\u00dft mehr vermischen als abgrenzen, und zugleich durch teils pr\u00e4gnante farben wirken, von wei\u00df \u00fcber blau und rot zu schwarz, gehen nach innen. gerade das uneindeutige zieht den blick ins innere und regt so das vertiefende wahrnehmen an. \u00bbdas Vage pa\u00dft nicht zum Tod; das Vage ist lebendig.\u00ab, meinte barthes. meilchens \u00fcbermalte fotos lassen sich sprachlich gar nicht so leicht benennen. sie selbst sind wirklichkeiten, die sich, weil sie keine vordergr\u00fcndigen effekte vorf\u00fchren oder anstreben, durch keine \u00e4u\u00dferlichen wirkungen oder zwecke, die zeitgeistkonforme konventionen bedienen, legitimieren lassen m\u00fcssen, also eigentlich und nicht blo\u00df verwertbar k\u00fcnstlerisch. barthes erkl\u00e4rte: \u00bbDas Reale ist f\u00fcr das Kind \u2013 und f\u00fcr den K\u00fcnstler \u2013 der Proze\u00df der Handhabung, nicht das produzierte Objekt.\u00ab beim schreiben dieses textes bemerkte ich mehrfach, da\u00df ich daran dachte, wie peter meilchen meine gedanken wohl aufnehmen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">hagedorn schreibt: \u00bbMeilchen wusste, wie man Bilder komponiert, er geht mit seiner Kamera so dicht an die Dinge dieser Welt heran, da\u00df diese ihren Anspruch aufgeben, Dinge dieser Welt zu sein \u2013 und zum Bild werden k\u00f6nnen.\u00ab, \u00bbBewegte Bilder treffen im Werk von Meilchen auf gebannte Augenblicke. Es sind Bilder, die zeigen, wie R\u00e4ume und Landschaften auf die Menschen abstrahlen, sie s\u00e4umen und pr\u00e4gen.\u00ab und \u00bbSeine Photographie stellt nicht nur die Frage der \u00c4hnlichkeit, sondern die nach der Identit\u00e4t, seine Malerei wirkt gleichsam \u00fcberbelichtet.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">auch der text auf der r\u00fcckseite des buches beschreibt die bilder ad\u00e4quat: \u00bbPeter Meilchen geht es um die Verwandlung der sichtbaren Welt ins Bild, er l\u00e4sst sich Zeit, um von der Zeit eingeholt zu werden, indem er sich dem reinen Schauen hingibt. Sein Geheimnis bleibt es, wie er aus der gelassenen Betrachtung Funken hervorzaubert, wie aus Beil\u00e4ufigkeit Farben entstehen. Es ist schwer zu sagen, was diese Bilder zu Resonanzr\u00e4umen macht; ihr Echo hallt lange nach. Gleichzeitig haben die Aufnahmen eine Pr\u00e4senz, deren unmittelbarer Appell wie ein Zauberstab wirkt.\u00ab und: \u00bbMeilchen inszeniert lokale Eskalationen, von der Umgebung unbeachtete kreative Exzesse, Momente des Kontrollverlusts und der energischen Entfaltung, in denen sich das Archaische inmitten urbaner Architekturen gegen jeden Ordnungswillen Bahn bricht.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">peter meilchen sah im fotografierten, das immer der vergangenheit angeh\u00f6rt, wohl etwas altes, das durch bearbeitung erneuert wird. tristan tzara erkl\u00e4rte: \u00bbIch liebe ein altes Werk um seiner Neuheit Willen. Es ist nur der Kontrast, der uns an die Vergangenheit bindet.\u00ab, fast wortw\u00f6rtlich findet sich dieses passage auch bei louis aragon, karl heinz bohrer: \u00bbDer K\u00fcnstler ist kein Kunstfreund, sondern der eigentliche Widersacher der Kunst, jener Kunst n\u00e4mlich, die herrscht bis zum Augenblick seines eigenen Erscheinens.\u00ab, peter b\u00fcrger: \u00bbDas organische Kunstwerk sucht die Tatsache seines Produziertseins unkenntlich zu machen. Das Gegenteil gilt f\u00fcr das avantgardistische Werk: Es gibt sich als k\u00fcnstlichen Gebilde, als Artefakt zu erkennen. Insofern kann die Montage als Grundprinzip avantgardistischer Kunst gelten.\u00ab zugleich benutzen die werbung und andere animationsgewerbe \u00a0permanent montageundcollagetechniken f\u00fcr banale und manipulative zwecke. die kunst mu\u00df sich und ihre traditionen also auch der profan\u00e4sthetischen wirklichkeit immer wieder neu abgewinnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">roland barthes empfahl: \u00bbIsolieren Sie, betrachten Sie, vergr\u00f6\u00dfern Sie und bearbeiten Sie ein Detail, und Sie schaffen ein neues Werk, Sie durchwandern Jahrhunderte, Schulen, Stile und machen aus etwas sehr Altem etwas sehr Neues.\u00ab theodor w. adorno sah: \u00bbDer Blick, der an Ph\u00e4nomenen mehr gewahrt, als es blo\u00df ist, und einzig dadurch, was es ist, s\u00e4kularisiert die Metaphysik.\u00ab walter benjamin, bei dem denkfiguren der, insbesondere, oder urspr\u00fcnglich, lurianischen \u00bbKabbala\u00ab, nachwirkten, vom bruch der gef\u00e4\u00dfe bis zur heimholung der versprengten funken, also der wiederherstellung der urspr\u00fcnglichen ganzheit, die auch die erl\u00f6sung der toten einschlie\u00dft, sprach von der \u00bbEinsammlung der Ph\u00e4nomene\u00ab. in der \u00bbKabbala\u00ab kommt das offenbarende wort aus der finsternis des verborgenen. man wird franz kafka, walter benjamin, ernst bloch, elias canetti, paul celan, joseph roth, else lasker-sch\u00fcler oder nelly sachs, ja selbst adorno und siegfried kracauer, nur ganz verstehen k\u00f6nnen, wenn man die j\u00fcdische mystik kennt. und wie sollten k\u00fcnstler, die meist selbst in einem exil leben, da die normalwelt sie zerst\u00f6ren w\u00fcrde, die zerbrochenen und verstreuten seelen nicht in besonderer weise verstehen k\u00f6nnen? der untertitel von kracauers \u00bbTheorie des Films\u00ab lautet \u00bbDie Errettung der \u00e4u\u00dferen Wirklichkeit\u00ab. auch weigoni will verloren geglaubtes retten. eben darum bewahrt und vermittelt er peter meilchens kunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">man fragt sich beim betrachten, wie die fotos, die peter meilchen zum material und objekt der bearbeitung, und somit der kunst, wurden, vor ihrer \u00fcbermalung ausgesehen haben k\u00f6nnten. und damit denkt man bereits \u00fcber die entstehung von kunst nach. meilchen fragte: \u00bbOb die Bereitschaft und die F\u00e4higkeit, einen Augenblick in seiner ganzen Ausbreitung in sich aufzunehmen, nicht verk\u00fcmmert, wenn man ihn in ein fotografisches Segment verk\u00fcrzt.\u00ab, und folgerte: \u00bbIch denke, die latente M\u00f6glichkeit, die Welt abzubilden, hat die F\u00e4higkeit, sie in ihrer Komplexit\u00e4t zu erschauen, beeintr\u00e4chtigt und l\u00e4sst sie uns letztendlich in ihrer unendlichen Bildhaftigkeit \u00fcbersehen.\u00ab man sieht dann vor lauter erscheinungen an der oberfl\u00e4che die wirklichkeit in ihrem wesen und in ihren tiefen nicht mehr. susan sontag erkannte: \u00bbDie Industriegesellschaften verwandeln ihre B\u00fcrger in Bilder-S\u00fcchtige; dies ist die unwiderstehlichste Form von geistiger Verseuchung. Die schmerzliche Sehnsucht nach Sch\u00f6nheit, der Wunsch, nicht mehr unter der Oberfl\u00e4che sondieren zu m\u00fcssen, das Verlangen, sich mit der Welt in ihrer Gesamtheit wiederzuvers\u00f6hnen und sie zu feiern \u2013 all diese sinnlichen Empfindungen kommen in dem Vergn\u00fcgen, das wir an Fotos finden, zum Ausdruck.\u00ab, barthes: \u00bbJe mehr Technik die Verbreitung der Informationen (und insbesondere der Bilder) entwickelt, um so mehr Mittel steuert sie bei, den konstruierten Sinn unter der Maske eines gegebenen Sinnes zu verschleiern.\u00ab auch deshalb bearbeitete peter meilchen fotografien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">dem k\u00fcnstler kommt im kreativen moment das unbekannte, das ihn die welt in ihrer vielfalt und differenzierung erkennen l\u00e4\u00dft, von au\u00dfen oder innen entgegen. vielleicht verwischen seine bilder manche vermeintliche klarheit, die konventionelle fotografien bedienen. auf seite 5 sieht man fotografierte h\u00e4user aus linz am rhein, die durch ihre montage wanken, unter gemaltem blauem himmel oder wasser. auf anderen fotos scheint die \u00fcbermalung erde, schnee, licht oder feuer anzudeuten. die botschaft der bilder meilchens mit architektonischen motiven k\u00f6nnte lauten: die erde ist ein kreisender wankender grund. im grunde \u00fcbermalt und \u00fcberzeichnet jede kunst lebenswirklichkeiten und deren abbilder und macht sie dadurch, im gelungenen fall, wesentlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das \u00fcbermalen ist ein ausgrabender akt, der das gespanntsein darauf einschlie\u00dft, was bei und nach der \u00fcbermalung aufscheint an ungeahnten, mithin ahnbaren, bildern, zeichen, strukturen und konturen. dieses vorgehen entspricht umgekehrt dem eines restaurators, der eine \u00fcbermalte wand freilegt. w\u00e4hrend dieser farbschichten abtr\u00e4gt, die das original verdecken, entdeckt die k\u00fcnstlerische technik des \u00fcbermalens das verborgene originelle im oder auf dem material. das \u00fcbermalen folgt der erkenntnis, da\u00df alles, das lebendig bleiben soll, den wandel braucht. indem die \u00fcbermalung leitbilder kultureller und sozialer konventionen, im modischen verbirgt die rotation erstarrung, ja wird deren gestalt, aufl\u00f6st, entgegnet es konformen kollektiven phantasmagorien und der vorstellung, das gemeinhin wirklichkeit genannte sei das normale. die \u00fcbermalung ist indes immer subjektiv und verweist auf den \u00fcbermalenden zur\u00fcck. das wirft die frage auf, inwieweit die lebensrealit\u00e4t selbst eine collage sei und der einzelne mensch von der welt, die ihn umgibt und pr\u00e4gt, ebenfalls \u00fcbermalt wird, die subjektivit\u00e4t sich also, zumindest teilweise, als t\u00e4uschung erweist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die von vornherein gemalten bilder von peter meilchen im zweiten teil des buches, die hier zum ersten mal \u00f6ffentlich vorgestellt werden, leben unter anderem vom wechselspiel aus licht und schatten und den daraus entstehenden atmosph\u00e4ren, schaffen formen, die sie teils wieder aufheben, und korrespondieren mit den textpassagen, die in \u00e4gypten spielen. etwa l\u00e4\u00dft das bild auf seite 45, besonders farblich, an die wand eines \u00e4gyptischen hauses oder innenhofs denken. jede kultur hat ihre eigenen farblichen vorlieben und farbnuancen, die \u00fcber jahrhunderte hinweg tradiert wurden und h\u00e4ufig auch durch die farben der natur und die lichtverh\u00e4ltnisse vorgepr\u00e4gt sind. auf seite 43 erkennt der betrachter hausumrisse, die sozusagen unterm bild liegen, einzig noch als linien und punkte von lichtern, wie bei klarem wasser versunkene h\u00e4user in einem see.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">tom t\u00e4ger und a.j. weigoni arbeiten seit 1995 zusammen. t\u00e4gers klangkunstkompositionen in 24 teilen zum \u00bbProjekt 630\u00ab, mit denen er den kapiteln des buches textnah und einf\u00fchlend folgt und die nicht allein kl\u00e4nge montieren, sondern wirklich komponieren, etwa indem sie rhythmen gestalten, korrespondieren mit wahrnehmungen und empfindungen der figuren oder betonen dramatische momente, so da\u00df der wortklang des sprechers, also von weigoni, einem sprachklangbegabten dichter, dessen stimme die texte, die selber einen metaphorischen klangraum bilden, ebenfalls musikalisch interpretiert, und der tonklang des musikers als klangbilder ineinander \u00fcbergehen. w\u00e4hrend der stadtszenen f\u00fchlt man sich teils an bewegungsstr\u00f6me und ger\u00e4usche der gro\u00dfstadt erinnert. bei den szenen am nil empfindet die komposition die wellenbewegungen und das flie\u00dfen nach. dabei haben auch die ruhigen passagen intensit\u00e4t, wie in der erz\u00e4hlung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">weigoni, f\u00fcr den die literatur der musik nahesteht und der das akustische der sprache betont, postulierte: \u00bbF\u00fcr mich ist das Schreiben ein st\u00e4ndiger Dialog mit dem Material, f\u00fcr das ich mich einmal entschieden habe. Dann mu\u00df ich genau das tun, was das Material m\u00f6chte. Ich h\u00f6re in den Wortklang hinein.\u00ab, \u00bbPoesie ist eine t\u00f6nend bewegte Form, und damit nichts anderes als die immer neu geschaffene M\u00f6glichkeit, in Bildern, Melodien und Gef\u00fchlen zu denken und so die klaffenden Risse, die das Denken in Begriffen \u00fcbrig l\u00e4sst, zu schlie\u00dfen. Sie ist eine Sprache des Unsagbaren.\u00ab und \u00bbEine wohleingerichtete Sprachmelodie muss mit der Deutlichkeit der klar strukturierten Rede entworfen werden, um schlie\u00dflich durch eine Anordnung aller Teile und Umst\u00e4nde, durch Ausarbeitung und Zierde zum melodischen Kunstwerk zu gedeihen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">nat\u00fcrlich ist auch dichterische prosa \u00bbin Musik verwandelte Sprache.\u00ab, und damit poesie. w\u00e4hrend weigoni in seiner lyrik sprache \u00f6fter zun\u00e4chst zertr\u00fcmmert und fragmentiert, um sie nach seinen eigenen prinzipien neu zusammenzusetzen, sucht er im zusammenklang mit musik wohl unmittelbarer harmonien und symbiosen, die das dissonante freilich nicht aussparen. \u00bbDer Klang der Fremde trifft auf den Verlust der Erinnerung.\u00ab, schreibt hagedorn \u00fcber t\u00e4ger, und: \u00bbSeine Komposition lebt von Polymetriken und Polyphonien. Wie sich der Klang an den R\u00e4ndern zum Verstummen bewegt, wird das Reisen, und sei es eines in der W\u00fcste des versehrten Ich, zu einem Akt der Vergeblichkeit, die Kreisbewegung f\u00fchrt zum Verlust von Verankerung und Identit\u00e4t.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">denis ullrich, der in einem rezensionsessay \u00fcber weigonis lyrik das zugleich dekonstruierende und relativierende in dessen denken und schreiben betonte, schrieb: \u00bbDas Geheimnis einer neuen, universellen (poetischen) Sprache besteht in einer uneigenn\u00fctzigen Sympathie des Dichters mit der Welt. \/\/ Es kann nicht gen\u00fcgen, Krankheit und Verw\u00fcstung aufzuzeigen. Ein gro\u00dfer Dichter wird sich bem\u00fchen, im Chaos poetische Wahrheit wiederzufinden. Jede poetische Wahrheit erneuert die wirkliche (nicht-poetische) Welt.\u00ab und \u00bbnichts ist so br\u00fcchig, so unwirklich wie Wahrheit. Jede poetische Wahrheit ist Fiktion und Wirklichkeit zugleich.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">in zeiten des sieges der verwerter \u00fcber die sch\u00f6pfer, des habens \u00fcber das sein, der zeichen \u00fcber die inhalte, der bilder \u00fcber die dinge, der simulationen \u00fcber die realit\u00e4ten, der t\u00e4uschungen \u00fcber die echtheit, der maskeraden \u00fcber die identit\u00e4ten, der kopien \u00fcber die originale, undsoweiter, haben vertiefungen, und das betrifft alle k\u00fcnste, etwas scheinbar anachronistisches, weil ihre wirkungen \u00fcberall dort, wo allein noch zwecke an der oberfl\u00e4che z\u00e4hlen, zwangsl\u00e4ufig fl\u00fcchtig und peripher bleiben m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">weigoni bezieht den engel der geschichte von walter benjamin, der eine figur utopischen denkens ist, auf nataly: \u00bbEs <em>scheint<\/em> immer noch so zu sein, als schauten die Engel r\u00fcckw\u00e4rts, w\u00e4hrend der Wind des Fortschritts in ihre Fl\u00fcgel bl\u00e4st und die Himmelsboten nach vorne schweben l\u00e4sst.\u00ab kurz zuvor hei\u00dft es im text: \u00bbErinnerung ist eine Abendd\u00e4mmerung im Schatten der Wahrheit. Der einzige Besitz, den sie hat, ist die Vergegenw\u00e4rtigung dessen, was aus ihr geworden ist: ihre Identit\u00e4t.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">roland barthes schrieb: \u00bbIch glaube, man k\u00f6nnte sagen, die Literatur ist Orpheus, der aus der Unterwelt zur\u00fcckkehrt. Solange sie geradeausgeht, allerdings <em>wissend, da\u00df sie jemand f\u00fchrt<\/em>, lebt, atmet, geht das Wirkliche, das hinter ihr ist und das von ihr allm\u00e4hlich aus dem Ungesagten gezogen wird, und bewegt sich auf die Klarheit eines Sinnes zu. Sobald sie sich jedoch umwendet zu dem, was sie liebt, bleibt nichts anderes in ihren H\u00e4nden als ein benannter, das hei\u00dft ein toter Sinn.\u00ab weigoni wei\u00df die balance zwischen gegenw\u00e4rtigem und vergangenem zu halten, indem er dort, wo etwas zernannt werden k\u00f6nnte, andeutungen w\u00e4hlt.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><\/h4>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>630<\/strong>, Buch \/ Katalog-Projekt\u00a0 von Peter Meilchen, Tom T\u00e4ger und A.J. Weigoni. Edition Das Labor, Bad M\u00fclheim 2018.<\/p>\n<div style=\"width: 276px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=46549&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Covermotiv.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 266px) 100vw, 266px\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Covermotiv.jpg 2481w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Covermotiv-300x140.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Covermotiv-768x358.jpg 768w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Covermotiv-1024x478.jpg 1024w\" alt=\"\" width=\"266\" height=\"124\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Covermotiv von Krumscheid \/ Meilchen<\/p><\/div>\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\">Bisher sind in der Edition Das Labor DVDs, ein H\u00f6rbuch und ein Roman von Peter Meilchen erschienen. In 2014 erinnerte der Kunstverein in Linz mit einer Ausstellung an den K\u00fcnstler, in der erstmals die Reihe <em>Fr\u00fchlingel<\/em> vorgestellt wurde. Zu diesem Anlass erschien mit der Wortspielhalle eine Publikation, die als Role Model f\u00fcr dieses Buch \/ Katalog-Projekt dient, das zum 10. Todestag erscheint. Das Buch \/ Katalog\u2013Projekt <em>630<\/em> gibt einen konzisen \u00dcberblick \u00fcber die k\u00fcnstlerische Arbeit von Peter Meilchen in Linz und in der Werkstattgalerie Der Bogen.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Weiterf\u00fchrend \u2192<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen Essay zur Ausstellung <em>50 Jahre Krumscheid \/ Meilchen<\/em> lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21518\">hier<\/a>. Zur Ausstellung <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=591\">erschien <\/a>das Buch \/ Katalog-Projekt <em>Wortspielhalle<\/em> mit der Reihe <em>Fr\u00fchlingel<\/em> von Peter Meilchen und einem\u00a0Vorwort von Klaus Krumscheid.\u00a0Die Sprechpartitur wurde mit dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22035\">lime_lab<\/a> ausgezeichnet.\u00a0Mit einer <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/hungertuch\/taeger2001.htm\">Laudatio<\/a> wurde der Hungertuch-Preistr\u00e4ger Tom T\u00e4ger und seine Arbeit im Tonstudio an der Ruhr gew\u00fcrdigt. Eine W\u00fcrdigung des Lebenswerks von Peter Meilchen findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12763\">hier<\/a>. Mit den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12899\"><em>Vignetten<\/em><\/a> definiert A.J. <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Weigoni\">Weigoni<\/a> die Literaturgattung der Novelle neu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schrift ist gegen\u00fcber dem Medium der m\u00fcndlichen Sprache und Kommunikation minderwertig, da sie sich nachteilig auf das Erinnerungsverm\u00f6gen auswirkt. 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