{"id":4437,"date":"2012-05-27T00:53:56","date_gmt":"2012-05-26T22:53:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=4437"},"modified":"2012-06-25T07:57:09","modified_gmt":"2012-06-25T05:57:09","slug":"4437","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/05\/27\/4437\/","title":{"rendered":"S\u00e4ureFra\u00df"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/220px-Partially_burned_Rerum_per_Octennium_in_Brasila.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4440\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/220px-Partially_burned_Rerum_per_Octennium_in_Brasila-210x300.jpg\" alt=\"\" width=\"210\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/220px-Partially_burned_Rerum_per_Octennium_in_Brasila-210x300.jpg 210w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/220px-Partially_burned_Rerum_per_Octennium_in_Brasila.jpg 220w\" sizes=\"auto, (max-width: 210px) 100vw, 210px\" \/><\/a>Entgegen der digitalisierten on-demand Lese- und Informationswelt ist S\u00e4urefra\u00df ein nat\u00fcrlich sichtbarer Zerfallsprozess an B\u00fcchern und Printerzeugnissen. Ein Prozess, den man immer wieder aufhalten konnte\u00a0 und uns den Zugang zu unserer Geschichte \u00f6ffnet. Heute gibt man seine\u00a0 oder fremde Leseerzeugnisse im besten Fall auf eine externe Festplatte oder schiebt sie in die &#8218;cloud&#8216;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Content is king<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich tue dem Buch unrecht, wenn ich mit dem S\u00e4ureFra\u00df beginne, denn eigentlich\u00a0 geht es um digitales Lesen. Oder um wieder Lesenlernen. Und eigentlich dem\u00a0 geistigen S\u00e4urefra\u00df am Buch. Aus digitalem Lesen hat sich ein vermeintlich &#8217;neues Lesen&#8216; entwickelt. Wir haben uns eine Viel-Lese-UnKultur angew\u00f6hnt, die auf dem <em>Einscannen<\/em> von <em>Content<\/em> beruht. Informationsaufnahme ohne Unterscheidung, endloses Konsumieren in Take-away-Bechern, die achtlos irgendwohin geworfen werden. Typischer \u00a0Ausdruck \u00a0der attraktiv-flexibel-80-Stunden Besch\u00e4ftigten. Am Sch\u00f6nsten immer dann, wenn unsere Aufmerksamkeit eigentlich dort gefordert ist, wo wir viel Zeit verbringen und daf\u00fcr bezahlt werden. Im Meeting unterm Tisch oder ganz offen auf dem Laptop, in der U-Bahn, w\u00e4hrend man beim Essen sitzt. Ein Kellner brachte es einmal auf den Punkt, als er auf einem Tisch voller Laptops servieren wollte und lakonisch fragte, ob er die Getr\u00e4nke per E-Mail schicken solle &#8230; Zu Hause geht es weiter. Paare sitzen einander zwar gegen\u00fcber, m\u00fcssen aber \u00a0schnell\u00a0 E-Mails checken, aus dem \u203aschnell\u2039 werden noch schneller Stunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ist Ihnen aufgefallen was nach einem Flug passiert?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jeder z\u00fcckt wie auf Kommando nach dem Entschlie\u00dfen der Gurte sein Smart-Phone. Es k\u00f6nnte ja etwas Relevantes passiert sein. Es werden alle Push-ups oder auf dem Laptop 15 Tabs ge\u00f6ffnet. Da eigentlich nichts wirklich Sensationelles passiert ist, wird weiter gesucht. Eine Heimatlosigkeit ersetzt die andere. Des Weiteren bleiben eigentlich nicht mehr als Headlines im Kopf, die Kernaussage bleibt verschlossen. Diese Art des Lesens l\u00e4sst das gute alte Buch als nicht mehr leserlich, zug\u00e4nglich, antiquiert und bestenfalls das Designer-Regal gut aussehen. Das E-Book ist die logische Fortsetzung, und ich war anfangs begeistert. Mein Enthusiasmus beschr\u00e4nkt sich nur noch auf die schnelle Verf\u00fcgbarkeit eher unwichtigeren Contents. Mittlerweile ein paar hundert B\u00fccher reicher damit, stelle ich fest, dass ich mich mehr \u00fcber fehlende Umbr\u00fcche, noch mehr grammatikalische Fehler und generell \u00fcber fehlende Eselsohren, wie ich sie nun halt so pflege und die in zehn Jahren an Emotionen, Unterbrechungen erinnern werden, ziemlich \u00e4rgere.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie kann man Tolstoi, Kafka, Shakespeare jemals so lesen oder den Zugang reflektiert dazu finden?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da helfen auch Anmerkungen und ein Wikipedia-Zugang nichts. Sie werden kostenlos auf dem Kindle angeboten und finden sich neben 99-Cent-Schund all jener Sprach- und Wortverr\u00e4ter, die sich als zuk\u00fcnftige Bestseller und Weltverbesserer sehen. Wer kann sich daran erinnern, was ihm in der Jugend erste <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=1731\">B\u00fccher<\/a> waren?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/220px-Tintenfrass03.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-4441\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/220px-Tintenfrass03.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"150\" \/><\/a>Ein Hinaustr\u00e4umen in die Fantasie, Lesen unter der Bettdecke, Kopfkino mit seinen Spannungen, die man in der Realit\u00e4t abzugleichen suchte. Im Gegensatz zu all dem Scannen hat man sich etwas angeeignet oder kognitiv gelernt und ein Erinnerungsverm\u00f6gen aufgebaut. Da man heute alles in irgendwelche Himmel verschiebt, meint man darauf genauso schnell zur\u00fcckgreifen zu k\u00f6nnen, wie man News sucht, nicht zu vers\u00e4umen. Das Suchen nach diffusen Inhalten dauert mittlerweile l\u00e4nger, als ein Buch aus dem Regal zu holen. Aber nicht nur E-Books unterliegen der schlampigen Respektlosigkeit dem Leser gegen\u00fcber, auch der Web-und-app-Content seri\u00f6ser Nachrichtenjournale, die sich im Print solches noch nicht herausnehmen. Es werden Texte abgesetzt, die man bestenfalls Volont\u00e4ren zutraut und ihnen damit unrecht tut. Im Hinblick auf die zu erwartende Nano-Halbwertszeit kann man sich eine Schlussredaktion sparen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Smells like writers spirit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mir ist S\u00e4urefra\u00df am Buch lieber, weil ich noch einen Buchbinder kenne, der mit Liebe zum Buch und mit Fachkenntnis teils \u00fcber Monate B\u00fccher restauriert. Im \u00fcbrigen bindet er auch Journale und andere Printerzeugnisse in handelbare Nachschlagewerke.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entgegen der digitalisierten on-demand Lese- und Informationswelt ist S\u00e4urefra\u00df ein nat\u00fcrlich sichtbarer Zerfallsprozess an B\u00fcchern und Printerzeugnissen. Ein Prozess, den man immer wieder aufhalten konnte\u00a0 und uns den Zugang zu unserer Geschichte \u00f6ffnet. 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