{"id":44294,"date":"2003-01-29T00:01:06","date_gmt":"2003-01-28T23:01:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=44294"},"modified":"2023-07-09T06:10:45","modified_gmt":"2023-07-09T04:10:45","slug":"mein-traumberuf","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/01\/29\/mein-traumberuf\/","title":{"rendered":"Mein Traumberuf"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, Astronaut wollte ich nie werden. Was aber sicher nicht so sehr an meiner ausgepr\u00e4gten H\u00f6henangst liegt. Die h\u00e4tte sich ja vielleicht ab 380.000 Kilometer \u00fcber der Erde etwas gelegt. Doch dar\u00fcber will ich jetzt nicht gro\u00df spekulieren, der Zug ist, angesichts meines Alters, abgefahren. Weshalb ich mir auch keine Sorgen mehr um meine Neigung zur Klaustrophobie mache, die mich in beengten Verh\u00e4ltnissen, wie sie nun mal da oben in Raumkapseln herrschen, vielleicht \u00fcbermannt h\u00e4tte. Zumal ich diese Neigung mit rund 7% der Bev\u00f6lkerung teile. Und geteiltes Leid ist halbes Leid, also alles halb so wild. Schwamm dr\u00fcber.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An meinen marginalen pers\u00f6nlichen Unzul\u00e4nglichkeiten lag es demnach nicht, dass ich mich einfach nicht zum Astronauten berufen gef\u00fchlt habe. Obwohl auch ich nat\u00fcrlich, wie wohl alle, deren Familie bereits im Juli `69 einen Fernseher ihr Eigen nannten, zu nachtschlafender Zeit vor der Glotze sa\u00df, um mit meinem Vater um Punkt 3:56\u00a0Uhr MEZ gebannt die ersten Schritte des Man on the Moon zu verfolgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber trotz dieses epochalen Ereignisses: Sigfried Held war mein Held, der Dortmunder St\u00fcrmer, das kongeniale Pendant zur linken Klebe Lothar \u201aEmma\u2019 Emmerich. Und nicht Neil Armstrong. Warum? Was f\u00fcr eine Frage: Weil der Spaziergang auf dem Erdtrabanten nun mal nicht Armstrongs Idee war. Er hat doch nur getan, was er tun sollte. Als Kind stand mir aber nun wirklich nicht der Sinn danach, jemanden toll zu finden, der nur tut, was andere ihm sagen. Ob\u2019s nun die NASA war oder der eigene Vater.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In meinen Zukunftstr\u00e4umen schwebt mir was anderes vor. Radikaleres. Verwegenes. Etwas, wo ich selber bestimmen konnte, wo die Reise hingeht. Wobei ich an dieser Stelle ausdr\u00fccklich betonen m\u00f6chte, dass ich bei aller Radikalit\u00e4t und Verwegenheit doch \u00e4u\u00dferst bescheiden war: Meine Zukunftstr\u00e4ume scherten sich damals n\u00e4mlich nicht um die Zukunft, sie waren schlichte Tr\u00e4ume. Weshalb ich eben auch kein Astronaut sein wollte. Sondern ein einfacher <em>Oneironaut<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nie geh\u00f6rt? Macht nichts. Ich auch nicht. Bis vor kurzem zumindest. Was aber auch nichts zur Sache tut. So wollte ich eben etwas sein, von dem ich zwar bis dato nicht wusste, wie es hei\u00dft, ich aber wusste, was es hei\u00dft, einer zu sein. Ein <em>Oneironaut<\/em>. Oder auf gut Deutsch: ein <em>Traum-Seefahrer<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der kann das, wovon ich als Kind immer getr\u00e4umt habe: Die schn\u00f6de Realit\u00e4t mit leichter Hand hinter sich lassen. Er kann Klartr\u00e4ume erleben, also Tr\u00e4ume, in denen er sich bewusst ist, dass er tr\u00e4umt. Er kann sie gezielt erleben. Und kann sie sie steuern, wie er will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich\u2019s mir recht \u00fcberlege, hat sich seitdem bei mir eigentlich nicht viel ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=44273&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 size-266x266 alignright\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/KUNO-e1505588144923.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"150\" \/><\/a>Die <i>Essays <\/i>von Stefan Oehm auf KUNO kann man als eine Reihe von Versuchsanordnungen betrachten, sie sind undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen. Er betrachtet diese Art des Textens als Medium und Movens der Reflektion in einer Zeit, die einem bekannten Diktum zufolge ohne verbindliche Meta-Erz\u00e4hlungen auskommt. Der Essay ist ein Forum des Denkens nach der gro\u00dfen Theorie und schon gar nach den gro\u00dfen Ideologien und Antagonismen, die das letzte Jahrhundert beherrscht haben. Auf die offene Form, die der Essayist bespielen muss, damit dieser immer wieder neu entstehende \u201eintegrale Prozesscharakter von Denken und Schreiben\u201c auf der \u201eB\u00fchne der Schrift\u201c in Gang gesetzt werden kann, verweist der Literaturwissenschaftler Christian Sch\u00e4rf. Im Essay geht die abstrakte Reflexion mit der einnehmenden Anekdote einher, er spricht von Gef\u00fchlen ebenso wie von Fakten, er ist erhellend und zugleich erhebend. Daher verleihen wir Stefan Oehm den KUNO-Essaypreis 2018.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Nein, Astronaut wollte ich nie werden. 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