{"id":44288,"date":"2021-09-26T00:01:12","date_gmt":"2021-09-25T22:01:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=44288"},"modified":"2021-09-26T15:04:09","modified_gmt":"2021-09-26T13:04:09","slug":"gedanken-zur-stimmabgabe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/09\/26\/gedanken-zur-stimmabgabe\/","title":{"rendered":"Gedanken zur Stimmabgabe"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Kehlkopf ist eine bemerkenswerte Konstruktion. Er sitzt direkt auf der Luftr\u00f6hre, quasi an der Kreuzung von Atem- und Speiseweg. Seine vordringliche Aufgabe ist es, zu verhindern, dass Nahrung in die Luftr\u00f6hre gelangt, weshalb er gleich \u00fcber zwei Verschlussmechanismen verf\u00fcgt: \u00dcber den sogenannten Kehldeckel, der sich, daher sein Name, wie ein Deckel auf die \u00d6ffnung der Luftr\u00f6hre legt. Und \u00fcber zwei Schleimhautfalten mit innenliegenden Muskeln, die sich so weit aufeinander zubewegen k\u00f6nnen, bis sie sich ber\u00fchren. Ein zweiter Verschluss, quasi als Back-up.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei Babys liegt, wie bei allen S\u00e4ugetieren, der Kehlkopf, und mit ihm die Luftr\u00f6hre, relativ weit oben im Hals. Und damit h\u00f6her als die Speiser\u00f6hre. Wie in einem Waschbecken mit zwei Ausg\u00fcssen, bei dem der eine Ausguss nach oben verl\u00e4ngert wurde. F\u00fcllt man nun Wasser ein, flie\u00dft es durch den tiefer gelegenen Ausguss, die Speiser\u00f6hre, ab, nicht aber durch den h\u00f6her gelegenen Ausguss, die Luftr\u00f6hre. So kommt es, dass Babys und S\u00e4ugetiere gleichzeitig atmen und trinken k\u00f6nnen: Sie schlucken, ohne sich zu verschlucken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Kehlkopf hat bei S\u00e4ugetieren allerdings noch eine weitere Aufgabe: die Regulation die Atemluft. Diese Aufgabe erledigen die unteren Schleimhautfalten, die Stimmlippen, <em>Ligamenta vocalia<\/em>, umgangssprachlich \u201aStimmb\u00e4nder\u2019 genannt. Sie besitzen eine feine Muskulatur, <em>Musculus vocalis<\/em>, die durch Vibration T\u00f6ne und Laute erzeugt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun wandert aber der Kehlkopf, <em>Larynx, <\/em>im Hals des Menschen im Laufe seiner Entwicklung vom Baby zum Erwachsenen zunehmend weiter nach unten. So schafft er die physiologische Voraussetzung f\u00fcr die zutiefst menschliche Funktion des Kehlkopfes \u2013 den Raum f\u00fcr die zielgerichtete Manipulation der T\u00f6ne: Stimme. Artikulation. Sprache. Diese im Tierreich einzigartige F\u00e4higkeit hat jedoch ihren Preis: Weil der Mensch nun nicht mehr gleichzeitig atmen und trinken kann, verschluckt er sich gewisserma\u00dfen an der Sprache. Ein Leid, das eigentlich niemandem zuzumuten ist. Insbesondere nicht der Fleisch gewordenen v\u00f6lkischen Hybris:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">G\u00e4be sie ihre Stimme ab, w\u00e4re allen gedient.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Essays<\/strong> von Stefan Oehm, KUNO 2021<\/p>\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=44288&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 size-266x266 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/KUNO-e1505588144923.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"150\" \/><\/a>Die <i>Essays <\/i>von Stefan Oehm sind eine Reihe von Versuchsanordnungen, undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen. Er betrachtet diese Art des Textens als Medium und Movens der Reflektion in einer Zeit, die einem bekannten Diktum zufolge ohne verbindliche Meta-Erz\u00e4hlungen auskommt. Der Essay ist ein Forum des Denkens nach der gro\u00dfen Theorie und schon gar nach den gro\u00dfen Ideologien und Antagonismen, die das letzte Jahrhundert beherrscht haben. Auf die offene Form, die der Essayist bespielen muss, damit dieser immer wieder neu entstehende \u201eintegrale Prozesscharakter von Denken und Schreiben\u201c auf der \u201eB\u00fchne der Schrift\u201c in Gang gesetzt werden kann, verweist der Literaturwissenschaftler Christian Sch\u00e4rf. Im Essay geht die abstrakte Reflexion mit der einnehmenden Anekdote einher, er spricht von Gef\u00fchlen ebenso wie von Fakten, er ist erhellend und zugleich erhebend. Daher verleihen wir Stefan Oehm den KUNO-Essaypreis 2018.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verwandtschaft zwischen Stimmungen und der Stimme ging hier ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=30538\">Artikel<\/a> von Joanna Lisiak voraus. In diesem Zusammenhang sei auch auf einen einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12850\">Essay<\/a> \u00fcber das H\u00f6ren verwiesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Der Kehlkopf ist eine bemerkenswerte Konstruktion. Er sitzt direkt auf der Luftr\u00f6hre, quasi an der Kreuzung von Atem- und Speiseweg. 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