{"id":44264,"date":"2018-04-10T00:01:38","date_gmt":"2018-04-09T22:01:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=44264"},"modified":"2018-04-10T16:29:02","modified_gmt":"2018-04-10T14:29:02","slug":"eine-annaeherung-an-das-werk-helmut-schweizers","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/04\/10\/eine-annaeherung-an-das-werk-helmut-schweizers\/","title":{"rendered":"Eine Ann\u00e4herung an das Werk Helmut Schweizers"},"content":{"rendered":"<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn die Dinge immer so einfach w\u00e4ren, wie manche Auguren sie gerne h\u00e4tten. So f\u00fchlen sich Wirtschaftsweise und Trendforscher h\u00e4ufig berufen, finale Aussagen \u00fcber m\u00f6gliche zuk\u00fcnftige Entwicklungen zu treffen \u2013 dabei sind solche Prognosen reine Vogelschau und Kaffeesatzleserei. Tugendhafte Intentionen k\u00f6nnen z.B. Konsequenzen zeitigen, die bestehenden guten Absichten vollends zuwiderlaufen \u2013 Robert K. Merton nannte dies das \u201aGesetz der unbeabsichtigten Folgen\u2019. Moralisch verwerfliche Intentionen wiederum, so das Mandeville\u2019sche Paradox, k\u00f6nnen \u00e4u\u00dferst fruchtbare Auswirkungen haben. Und kommt es zu unz\u00e4hligen gleichgerichteten intentionalen Handlungen, so ist ihr konkretes kollektives Resultat eine kausale Folge, die weder intendiert noch wirklich vorhersehbar ist \u2013 es ist dies die unsichtbare Hand von Adam Smith, die dem Linguisten Rudi Keller die Blaupause f\u00fcr eine verbl\u00fcffend simple und zudem plausible Erkl\u00e4rung des Sprachwandels lieferte.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solange wir uns im \u00fcberschaubaren Rahmen kleiner Gruppen bewegen, sind dies theoretische \u00dcberlegungen, deren lebenspraktische Relevanz sich in Grenzen h\u00e4lt. Zumal dann, wenn die Intentionen auf wissenschaftliche Erkenntnisse oder technische M\u00f6glichkeiten rekurrieren, deren Potenzial ebenso \u00fcberschaubar ist. Was aber, wenn sich die Dimensionen grundlegend \u00e4ndern?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seinem 1914 erschienenen, geradezu prophetischen Roman <strong>Befreite Welt<\/strong> (The World Set Free) entwickelt der britische Autor H. G. Wells ein dystopisches Szenario. Er beschreibt die Entdeckung einer Energiequelle von titanischem Format: der Kernenergie. Sie l\u00e4utet in seinem Roman nicht nur das Ende des Kohle- und Stahlzeitalters ein, das dabei als kausales kollektives Resultat gleichgerichteter intentionaler Handlungen einen nicht-intendierten globalen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Struktur\u00adwandel ausl\u00f6st, der den gr\u00f6\u00dften Teil der Menschheit ins soziale Abseits bef\u00f6rdert \u2013 sie bringt ebenso ungewollt, quasi als Abfallprodukt, auch eine Waffe apokalyptischen Ausma\u00dfes hervor: die Atombombe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was m\u00f6glich ist, das wissen wir nur zu gut aus der Geschichte, wird irgendwann auch wahrscheinlich: Die Waffe ist in der Welt. Also ist es nur eine Frage der Zeit, wann sie auch zum Einsatz kommt und die Katastrophe \u00fcber die Menschheit hereinbricht: Als die Welt in Wells\u2019 Dystopie ihrer nuklearen Vernichtung entgegen sieht, ist diese, n\u00fcchtern betrachtet, eben nur wahrscheinliches, aber nicht-intendiertes Resultat intentionaler Handlungen, wurde doch die Kernenergie von den Menschen in die Welt gesetzt, um sie besser zu machen, nicht aber, um sie zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist aber nun einmal das Schicksal gro\u00dfer Potenziale: Sie sind nicht beherrschbar. Irgendwann l\u00e4uft etwas schief. Wann auch immer. Und sei es in ferner Zukunft: Die Technik l\u00e4uft nicht ewig st\u00f6rungsfrei \u2013 und der Mensch neigt dazu, M\u00f6glichkeiten nach seinem Gutd\u00fcnken auszunutzen. Dann muss es noch nicht einmal, wie bei Wells, durch Menschenhand zum \u00c4u\u00dfersten kommen. Da w\u00fcrde in Friedenszeiten auch schon eine profane, rein technisch bedingte Kernschmelze im maroden belgischen Kraftwerk Tihange bei Aachen ausreichen, um diese Gefahr anhand einer Kontaminierung Nordrhein-Westfalens durch hochradioaktiven Niederschlag deutlich zu machen.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"2\">\n<li>Im Jahr 1946, dem Geburtsjahr von Helmut Schweizer, war die Welt in hellem Aufruhr. Wells\u2019 Antiutopie war 1945 mit dem Abwurf der ersten Atombombe, Kosename \u201eLittle Boy\u201c, Realit\u00e4t geworden. Das Grauen von Hiroshima, dem nur drei Tage sp\u00e4ter Nagasaki folgen sollte, ersch\u00fctterte, gemeinsam mit den ersten Bildern aus den befreiten deutschen Vernichtungslagern, das Weltgewissen. Die B\u00fcchse der Pandora war ge\u00f6ffnet, nichts war mehr wie vorher.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Menschen waren verunsichert. Orientierungslos. Hin- und hergerissen. Die alten Werte waren nichts mehr wert, die Welt schien vollends Kopf zu stehen. Alte Allianzen brachen auseinander, neue wurden geschmiedet. Wer gestern Freund war, war heute Feind und vice versa. Kolonialreiche zerfielen zunehmend, der schwarze Kontinent erwachte, eine neue kommunistische Gro\u00dfmacht entstand. Der kalte Krieg war mit der Entwicklung der sowjetischen Atombombe von einem filigranen Gleichgewicht des Schreckens gepr\u00e4gt, das jederzeit zu zerbrechen drohte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stand die Menschheit, stand man selbst als Individuum am Abgrund der Geschichte? Wie mit den verwirrenden Ereignissen umgehen? Ignorieren, verdr\u00e4ngen, sich in die innere Emigration zur\u00fcckziehen? Oder den Aufstand proben und rebellieren? Auch viele Intellektuelle, z.B. K\u00fcnstler, Philosophen, Psychologen und Soziologen waren in diesen Jahren aufgew\u00fchlt und mitgerissen. Sensibilisiert in unz\u00e4hligen Debatten wollten sie weg vom geist- und verantwortungslosen, kollektiv determinierten Konformismus, weg vom <strong>Mann im grauen Flanell<\/strong> (Wilson 1955), dem Heidegger\u2019schen \u201aMan\u2019, hin zu einer selbstbestimmten Individualit\u00e4t (Bakewell 2016: 320).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Charlie Parker sprengte mit seinen fiebrigen Bebop-Improvisationen die Stereotypen des Swing. George Orwells dystopischer Roman <strong>1984<\/strong> zeichnete 1949 das d\u00fcstere Bild eines totalit\u00e4ren \u00dcberwachungsstaats. Der afroamerikanische Schriftsteller James Baldwin schrieb aus dem selbstgew\u00e4hlten franz\u00f6sischen Exil verzweifelt gegen seine doppelte Stigmatisierung als schwarzer Intellektueller und Homosexueller an. Simone de Beauvoir ver\u00f6ffentlichte ihr bahnbrechendes Werk <strong>Das andere Geschlecht<\/strong>, in dem sie die Rolle der Frau als zum Objekt degradiertes Wesen durch den sich absolut setzenden Mann anprangert und damit die feministische Debatte des 20. Jahrhunderts entscheidend pr\u00e4gte. Der entfremdete Mensch wurde zum zentralen Thema der Psychotherapie, die auf Basis existenzialistischer Ideen neue Analysekonzepte entwickelte. James Dean gab der um Orientierung ringenden Silent Generation 1955 in <strong>Rebel without a Cause<\/strong> ein Gesicht. Und Hannah Arendt ver\u00f6ffentlichte 1963 ihr Buch <strong>Eichmann in Jerusalem<\/strong>, in dem sie den autorit\u00e4tsh\u00f6rigen, seiner Individualit\u00e4t entledigten B\u00fcrokraten eindringlich als die \u201eBanalit\u00e4t des B\u00f6sen\u201c kennzeichnete.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"3\">\n<li>Martin Heidegger referierte 1953 \u00fcber <strong>Die Frage nach der Technik<\/strong> (Heidegger 2000: 7-36). Dabei warnte \u201ader kleine Zauberer von Me\u00dfkirch\u2019, wie Karl L\u00f6with ihn nannte, vor einer zunehmend utilitaristisch gepr\u00e4gten Welt, die sich einer schonungslosen \u201aVernutzung\u2019 der nat\u00fcrlichen Ressourcen schuldig macht. Die moderne Technik betrachtet alles, so Heidegger, unter dem Aspekt der N\u00fctzlichkeit und Verwertbarkeit. Ihr Erfolg sowie der ihr innewohnende Herrschaftscharakter perpetuiert diese Sicht der Dinge, verabsolutiert sie und \u00fcberformt damit letztlich alle anderen Formen des Weltverst\u00e4ndnisses. In der Folge dominiert die technische Weltauffassung und wird so, in Heideggers Terminologie, zum \u201aGestell\u2019.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Mensch sieht die Natur dann allein als blo\u00dfe Ressource. Wird sie aber nur noch unter dem Aspekt der N\u00fctzlichkeit und Verwertbarkeit betrachtet, verkommt sie, so Heidegger, zum \u201aBestand\u2019, den es lediglich zu erschlie\u00dfen und zu verarbeiten gilt. Die eigene und damit eigentliche Bedeutung der Dinge, d.h. diejenige, die Natur ohne die Zuschreibung durch den Menschen hat \u2013 eben die nicht durch N\u00fctzlichkeit, Verwertbarkeit oder Funktionalit\u00e4t gepr\u00e4gte \u2013 ignoriert der Mensch. Er macht sich damit schuldig, ist er doch nicht Nabel der Welt, sondern nur sterblicher Gast im weltlichen \u201aGeviert\u2019, in seiner Lebenswelt, die er zu schonen hat. Stattdessen w\u00e4hnt sich der Mensch im Besitz der Lizenz zur technischen Beherrschung und Verf\u00fcgbarmachung der Welt: \u201eDer Mensch ist auf dem Sprunge, sich auf das Ganze der Erde und ihrer Atmosph\u00e4re zu st\u00fcrzen, das verborgene Walten der Natur in der Form von Kr\u00e4ften an sich zu rei\u00dfen und den Geschichtsgang dem Planen und Ordnen einer Erdregierung zu unterwerfen.\u201c (Heidegger 2003: 372)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dumm nur, dass der Mensch im unkritischen Umgang mit der Technik die gro\u00dfe Gefahr nicht erkennt, die von ihr ausgeht: Sie hat allein die Sicherung ihrer ziellosen M\u00f6glichkeiten zum Ziel. Der Mensch wird entmachtet und endet knechtisch als \u201aBesteller des Bestandes\u2019, als kleines R\u00e4dchen im Getriebe eines weltumspannenden technischen Prozesses, als blo\u00dfes \u201aMenschenmaterial\u2019. Der Mensch als Ressource: Das Ideal eines unabh\u00e4ngigen Denkens in kritischer Selbstverantwortung w\u00e4re damit ad acta gelegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch treibt Heidegger die Sorge um, so 1969 in einem ZDF-Gespr\u00e4ch mit Richard Wisser, \u201edass wir in absehbarer Zeit im Stande sind, den Menschen so zu machen, d.\u00a0h. rein seinem organischen Wesen nach so zu konstruieren, wie man ihn braucht.\u201c (Heidegger 1988: 25)\u00a0 Und vor der Zerst\u00f6rung unserer nat\u00fcrlichen Umwelt warnt er eindringlich: Mit der Verw\u00fcstung der Erde durch die globalen technischen Machtmittel verkommt nicht allein der Mensch, sondern auch die Natur zur reinen Ressource. Sie hat dann nur noch einen Wert als Mittel zum Zweck, mit deren Verlust derjenige der Heimat einhergeht.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"4\">\n<li>Wie kann hier ein Umdenken, eine Umkehr erfolgen? Die kritische Auseinandersetzung mit der Technik muss nach Heidegger \u201ein einem Bereich geschehen, der einerseits mit dem Wesen der Technik verwandt und andererseits doch von ihm grundverschieden ist. Ein solcher Bereich ist die Kunst.\u201c (Heidegger 2000: 36) Damit zeige sich die Kunst urspr\u00fcnglich als \u201atechne\u2019, ist aber, im Gegensatz zu Wissenschaft und Technik, nicht durch das Prinzip der Verwertbarkeit gekennzeichnet. Ein Kunstwerk wird nicht, so Heidegger, zu einem bestimmten Zweck angefertigt. Es kann nicht benutzt werden. In ihm leuchtet die Welt als Bedeutungsganzheit auf und kann uns so einen anderen, befreiten Weg zur Welt und zur Wahrheit aufzeigen, der sich nicht aus der normierten Weltsicht der Zweckbestimmung, Nutzenorientierung und Verf\u00fcgbarkeit ableitet.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind immer schon Teil der Lebenswelt. Wie wir denken, wie wir handeln, was wir sind, ist durch unser Geworfensein in das soziale, ethnische, kulturelle oder religi\u00f6se Geflecht kontextuell bestimmt. Aber jede Lebenswelt erf\u00e4hrt zudem in jedem Menschen ihre je individuelle Auspr\u00e4gung. Mehr noch: Jeder Mensch vermag diese Auspr\u00e4gung in gewissem Rahmen intentional zu beeinflussen. Denn auch wenn, so Heidegger, das \u201aDasein\u2019 dazu tendiert, unter die Herrschaft des unpers\u00f6nlichen \u201aMan\u2019 zu fallen: Wir sind dazu bef\u00e4higt und aufgerufen, wir selbst zu sein. Selbstst\u00e4ndig zu denken und zu handeln. Selbstverantwortlich Entscheidungen zu treffen und unsere Authentizit\u00e4t zu wahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5.<\/strong> In Helmut Schweizers Werk nimmt der von Heidegger derart angemahnte kritische Geist seiner Zeit, feinnervig verinnerlicht in synchron verlaufender Adoleszenz, eine ganz eigene, individuelle Gestalt an. Bereits fr\u00fch f\u00fcr die existenziellen Gefahren und Gef\u00e4hrdungen moderner Technik sensibilisiert, nahm Helmut Schweizer sich die k\u00fcnstlerische und intellektuelle Freiheit, einen Weg zu gehen, der etwas vom alten Geist der von Heidegger beschriebenen \u201atechne\u2019 atmet: In seinem Werk spielt er auf die vom kleinen Zauberer von Me\u00dfkirch bezeichnete Wesensverwandtschaft von Kunst, Wissenschaft und Technik in dem Sinne an, dass er nicht mit klassischen Materialien arbeitet, sondern sich im Kosmos der Wissenschaft und Technik bewegt, sich bewusst nicht davon trennt \u2013 und virtuos mit dieser Verwandtschaft spielt. Adaptiert mit gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Sachlichkeit, Sorgfalt und Pr\u00e4zision die Methodik von Wissenschaft und Technik. Konterkariert die bestehenden Herrschaftsverh\u00e4ltnisse, indem er seine Kunst als Wissenschaft aufscheinen l\u00e4sst: Er tut so, als ginge er wissenschaftlich vor, spielt mit ihren Mechanismen und vereinnahmt ihren Wahrheitsanspruch mit frecher, subversiver Geste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Helmut Schweizers Kosmos setzt Erkennen Denken voraus, das ihm gleichzeitig Eingriff in Fremdes bedeutet. Will ich Natur begreifen, muss ich, so Schweizer, eingreifen, angreifen, zerst\u00f6ren. Dabei ist ihm Natur nicht Gegenstand der Darstellung, sondern unmittelbares Medium des Eingriffs. Er entdeckt, entbl\u00e4ttert, macht damit sichtbar, erkennbar und verstehbar. Er bricht Tabus, indem er gegen ungeschriebene Spielregeln des Umgangs mit Natur verst\u00f6\u00dft. Und erzwingt so in einem handgreiflichen Akt Erkenntnisgewinn. Provoziert eine neue Sicht der Dinge, macht uns sensibler im Umgang mit der Natur, um uns auch sensibler im Umgang mit uns und anderen zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Helmut Schweizer geht in seinem experimentellen Habitus den Dingen wie ein Forscher auf den Grund, widmet sein Atelier zum Labor um. Das wissenschaftliche Axiom der Wiederholbarkeit wird ihm, wie in seinen seriellen Arbeiten, den <strong>Handlungen<\/strong>, zum k\u00fcnstlerischen Prinzip. Er dokumentiert, trennt, spaltet, isoliert, wertet aus. Greift aggressiv in Prozesse ein. Zerst\u00f6rt das Urspr\u00fcngliche. Schafft Erkenntnisse durch Gewaltaus\u00fcbung. Pr\u00e4gt Zeichen. Offenbart. Hinterl\u00e4sst fl\u00fcchtige Spuren wie die Einf\u00e4rbung der Leine, die sich nach seinem Eingriff fluoreszierend durch das n\u00e4chtliche Hannover schl\u00e4ngelte. Und macht in Zersetzungsprozessen uns den Faktor \u201aZeit\u2019 in seinen Facetten als biologische, kalendarische und biografische Zeit bewusst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entstanden aus einer improvisatorischen Kombinatorik verschiedenster Stilelemente und Medien wie Malerei, Film und Fotografie sowie der Verwendung wenig klassischer Materialien wie Glas, Folie, Wasser, Chemikalien, ephemeren, fl\u00fcchtigen Stoffen vermitteln seine Werke intuitive Erkenntnisse, die die despotisch auftretende Wahrheit der Wissenschaft als eine relative entlarven und dem Betrachter ein anderes Verst\u00e4ndnis von sich und der Welt erm\u00f6glichen.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"6\">\n<li>Robert Jungk ver\u00f6ffentlichte 1959 seine Faktensammlung aus dem zerst\u00f6rten Hiroshima <strong>Strahlen aus der Asche. Geschichte einer Wiedergeburt<\/strong>. Er schildert in diesem Buch, so der SPIEGEL in seiner damaligen Rezension, \u201ewie die weitsichtige Stadtverwaltung [von Hiroshima, S.O.] schon vierzehn Tage nach dem Abwurf der Atombombe beginnt, mit Wirtschaftswunder-Geschwindigkeit Freudenh\u00e4user zu bauen, die noch zeitig zum Einmarsch der amerikanischen Besatzer fertig werden, oder wie die \u00c4rzte der amerikanischen Kommission zur Pr\u00fcfung der Atomopfer zwar Tausende von B\u00fcrgern untersuchen, sich aber weigern, sie zu behandeln.\u201c<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die apokalyptische Vision von der Zerst\u00f6rung der Kultur durch die Zivilisation, die uns Helmut Schweizer mit bewundernswert stoischem Nachdruck k\u00fcnstlerisch immer wieder vor Augen f\u00fchrt, bedarf offenbar gar nicht der prometheischen Urgewalt einer nicht beherrschbaren Atomenergie. Es geht auch leiser.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">VENEZIANISCHE ELEGIEN\u00a0<sub>[<\/sub><sub>Die Geburt der Trag\u00f6die \u00b7 Atome in der Familie \u00b7 Partikelgest\u00f6ber \u00b7 Endlager]<\/sub> &#8211; die Ausstellung von Helmut Schweizer noch bis zum\u00a028. April 2018, in der Galerie Pfab, D\u00fcsseldorf-Flingern, Ackerstr.71 (Ecke Birkenstr.) zu sehen.<\/p>\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=44264&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 size-266x266 alignright\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Schweizer-ESSEN-01-e1504469266458.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"192\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Literatur:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bakewell, Sarah (2016): Das Caf\u00e9 der Existenzialisten. Freiheit, Sein und Aprikosencocktails, M\u00fcnchen: Verlag C.H. Beck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heidegger, Martin (2000): Die Frage nach der Technik, in: Martin Heidegger: Vortr\u00e4ge und Aufs\u00e4tze, Frankfurt a.M.: Verlag Vittorio Klostermann, S. 7-36.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heidegger, Martin (2003): Holzwege, Frankfurt a.M.: Verlag Vittorio Klostermann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heidegger, Martin\/Wisser, Richard (1988): Martin Heidegger im Gespr\u00e4ch mit Richard Wisser, in: G\u00fcnther Neske\/Emil Kettering (Hrsg.), Antwort. Martin Heidegger im Gespr\u00e4ch, Pfullingen: Verlag G\u00fcnther Neske. S. 21-28<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jungk, Robert (1959): Strahlen aus der Asche. Geschichte einer Wiedergeburt, Bern-Stuttgart-Wien: Verlag Alfred Scherz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Keller, Rudi (1990): Sprachwandel, T\u00fcbingen: A. Francke Verlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wells, Herbert George (1914): The World Set Free, London: Macmillan &amp; Co.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Internetquellen: N.N. (1960): Robert Jungk: Strahlen aus der Asche, in: Der Spiegel Nr. 11, online unter http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-43063504.html (Stand 29.6.2017)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn die Dinge immer so einfach w\u00e4ren, wie manche Auguren sie gerne h\u00e4tten. So f\u00fchlen sich Wirtschaftsweise und Trendforscher h\u00e4ufig berufen, finale Aussagen \u00fcber m\u00f6gliche zuk\u00fcnftige Entwicklungen zu treffen \u2013 dabei sind solche Prognosen reine Vogelschau und&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/04\/10\/eine-annaeherung-an-das-werk-helmut-schweizers\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":44336,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2081,2074],"class_list":["post-44264","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-helmut-schweizer","tag-stefan-oehm"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44264","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/169"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=44264"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44264\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=44264"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=44264"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=44264"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}