{"id":44182,"date":"2017-11-12T00:01:06","date_gmt":"2017-11-11T23:01:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=44182"},"modified":"2022-02-20T17:45:29","modified_gmt":"2022-02-20T16:45:29","slug":"mit-deutschen-untertiteln","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/11\/12\/mit-deutschen-untertiteln\/","title":{"rendered":"Mit deutschen Untertiteln"},"content":{"rendered":"&nbsp;\r\n<p style=\"text-align: justify;\">die gedichte von ralph pordzik lassen den leser in bildern denken. indem metaphern verschiedener wirklichkeitsundwahrnehmungsbereiche ineinander flie\u00dfen, entsteht ganz nat\u00fcrlich ein bilderflu\u00df. genauso verbindet die sprache worte unterschiedlicher bedeutungsebenen. dabei wirken pordziks filigrane texte gleicherma\u00dfen gebaut und improvisiert, wobei das assoziative improvisieren, das aus konventionen ausbricht und so immer erneut ein reflektierendes, poetisches und verfremdenden denken und empfinden belebt, einem inneren, und beim schreiben vielleicht unbewu\u00dften, bauplan folgt. gebaut hei\u00dft hier nicht konstruiert. vielmehr gibt er den ambivalenzen und der reiz\u00fcberflutung der wirklichkeit eine struktur. das erste kapitel \u00bbDie R\u00e4umung der Welt\u00ab thematisiert fl\u00fcchtlinge und fluchten. wer zuviel r\u00e4umt, schafft am ende dennoch keine ordnung. in \u00bbFeldpostgedicht\u00ab hei\u00dft es: \u00bbunser Herz ist eins mit dem Wort \/ nur wenn beide zerrissen sind\u00ab.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">der autor, 1966 geboren und professor f\u00fcr literatur an der universit\u00e4t w\u00fcrzburg, der auch mythen vor allem wegen ihrer details aufruft, l\u00e4\u00dft, um das wesentliche zu benennen, konkretes sprechen. so ist wohl das zitat von roland barthes am anfang des bandes zu verstehen: \u00bbEs wird weder von Kunst noch von Folklore noch selbst von Zivilisation die Rede sein. Von der Stadt, von dem Gesch\u00e4ft, dem Theater, der H\u00f6flichkeit, den G\u00e4rten, der Gewalt wird die Rede sein; von einigen Gesten, einigen Nahrungsmitteln, einigen Gedichten, es wird die Rede sein von Gesichtern, Augen und Pinselstrichen, mit denen dies alles geschrieben, aber nicht gemalt werden kann.\u00ab tats\u00e4chlich spricht pordzik auch von zivilisation und kunst, doch durch die konkreten dinge, und deren mythen, hindurch gesehen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">in seiner literaturwissenschaftlichen arbeit besch\u00e4ftigt sich ralph pordzik vor allem mit englischsprachiger literatur. seine gedichte sind dem gegen\u00fcber sp\u00fcrbar autonom. vermutlich kennt er den satz von roland barthes \u00bbDie Wissenschaft von der Literatur ist die Literatur.\u00ab mitunter begegnet der leser im band \u00bbMit deutschen Untertiteln\u00ab s\u00fcdeurop\u00e4ischen bilderwelten. im tonfall vernimmt man ebenfalls ankl\u00e4nge italienischer oder griechischer lyriker. ebenso scheint der orient, das fundament europas, wiederholt durch, und zwar geographisch wie kulturgeschichtlich. doch auch n\u00f6rdlichere st\u00e4dte und landschaften werden hier oft vom sonnenlicht durchflutet.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">die sinnlichkeit der lyrik von pordzik wirkt teils mediterran, freilich mitteleurop\u00e4isch reflektiert. durch manche dieser texte, die geist und emotion, privaterleben und weltprobleme, kultiviertheit und bedrohung, feine reflexion und dekadenz mischen, weht ein hauch vom \u00bbTod in Venedig\u00ab. wir finden einerseits eine warm atmende sinnesfreude und zugleich das k\u00fchle betrachten. die verschmelzung von scheinbar unvereinbarem ist eines der merkmale substantieller literatur und kunst. man sp\u00fcrt beim lesen eine nat\u00fcrlich gewachsene bildung. indem der historische blick den gegenw\u00e4rtigen enth\u00e4lt und umgekehrt, erscheint leben bei pordzik bisweilen wie ein gang durch ausstellungen mit jahrtausende alten exponaten.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">eines der besten gedichte ist f\u00fcr mich \u00bbSelbstbildnis mit Folgesatz\u00ab: \u00bbStreich\u2019 mit deiner Stirn \/ nochmal \u00fcber mein Deuten, \/ tritt ein in meinen Wall, \/ meinen Koran, \/ ich lasse dich gew\u00e4hren, \/ nehm\u2019 dich auf \/ statt aller Sterne. \/ Was h\u00e4lt dich aufrecht \/ und gefangen, du \u2013 \/ aus Satyrspiel und bangem \/ Ernst Verbannte? \/ Die Nacht als Perspektiv, \/ in M\u00e4uler \u00fcbersetzt \/ und kaltgestellt serviert \/ Gew\u00f6lk und Grimm, \/ mit salziger Kamille nachgesp\u00fclt? \/ Wie Silben schielen Autos \/ zornig im Verkehr vorbei, \/ du mittendrin \u2013 \/ Atem legt sich um dich, \/ Schnee wirft sich dr\u00fcber, \/ f\u00e4hrt dir ins Gesicht \/ und dr\u00fcber hinaus: \/ Du siehst ohne Augen, \/ ohne zu tr\u00e4umen, \/ den Grund.\u00ab<\/p>\r\n&nbsp;\r\n\r\n&nbsp;\r\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mit deutschen Untertiteln.<\/strong> Gedichte von Ralph Pordzik, Les Derniers Jours, 2017<\/p>\r\n\r\n<!-- \/wp:post-content --><!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":65782,\"sizeSlug\":\"large\"} -->\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"224\" height=\"320\" class=\"wp-image-65782\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/image-6.jpeg\" alt=\"\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/image-6.jpeg 224w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/image-6-210x300.jpeg 210w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/image-6-160x229.jpeg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 224px) 100vw, 224px\" \/><\/figure>\r\n<\/div>\r\n<!-- \/wp:image --><!-- wp:paragraph -->\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong><\/p>\r\n\r\n<!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph -->\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits von seinem ersten Band<strong> Verabredung mit meinem Publikum<\/strong> war KUNO <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14498\">angetan<\/a>.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Auf KUNO lesen Sie auch einen Rezensionsessay von Holger Benkel \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/11\/12\/mit-deutschen-untertiteln\/\">Ralph Pordzik<\/a><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Poesie ist das identit\u00e4tsstiftende Element der Kultur, KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologische Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\r\n&nbsp;","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; die gedichte von ralph pordzik lassen den leser in bildern denken. indem metaphern verschiedener wirklichkeitsundwahrnehmungsbereiche ineinander flie\u00dfen, entsteht ganz nat\u00fcrlich ein bilderflu\u00df. genauso verbindet die sprache worte unterschiedlicher bedeutungsebenen. dabei wirken pordziks filigrane texte gleicherma\u00dfen gebaut und improvisiert, wobei&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/11\/12\/mit-deutschen-untertiteln\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":36,"featured_media":98890,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[94,1183],"class_list":["post-44182","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-holger-benkel","tag-ralph-pordzik"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44182","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/36"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=44182"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44182\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":98892,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44182\/revisions\/98892"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98890"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=44182"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=44182"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=44182"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}