{"id":44105,"date":"2018-06-30T00:01:12","date_gmt":"2018-06-29T22:01:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=44105"},"modified":"2021-07-19T05:39:09","modified_gmt":"2021-07-19T03:39:09","slug":"eine-blitzschnelle-einfuehrung-in-die-metrik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/06\/30\/eine-blitzschnelle-einfuehrung-in-die-metrik\/","title":{"rendered":"Eine blitzschnelle Einf\u00fchrung in die Metrik"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Vorbemerkungen:<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Folgenden gebe ich einen wirklich kurzen Einblick in das Thema der Metrik. Mir obliegt es dabei schlicht, dem Leser zu zeigen, wie sich Silbenbetonungen im deutschen Vers ergeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der eine oder andere wird bereits hier geneigt sein, zu denken, dass sich eine Besch\u00e4ftigung mit diesem Thema kaum lohnen k\u00f6nne. Denn schlie\u00dflich lebe die Lyrik vom Gef\u00fchl, von Freiheit und nicht durch starre Theorie. Wer so denkt, erinnere sich an meine Ausf\u00fchrungen zu den Geschenkideen im vorangegangenen <a href=\"\/\/localhost\/gedanken-zur-lyrik\/ein-kurzer-blick-auf-die-heutige-lyrik\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Aufsatz.<\/span><\/a> Ebenso sei dabei auf die Worte Kaysers in seiner Einleitung im Werk <i>Kleine deutsche Versschule<\/i> verwiesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wieso lohnt es sich aber, sich w\u00e4hrend des Schreibens Gedanken um etwas wie Metrik zu machen? Die Antwort kann unter anderem schlicht lauten: Wenn der Leser gewillt ist, ein Gedicht zu schreiben, dessen Inhalt auf besondere Art und Weise betont werden soll, dann ist es f\u00fcr ihn lohnend, sich mit der Theorie der Metrik auseinanderzusetzen. Allgemein sollte derjenige sich die Theorie aneignen, der auf eine \u00dcbereinstimmung von Form und Inhalt bedacht ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abschlie\u00dfend sei an dieser Stelle bemerkt: Man muss nicht ein Gedicht im fl\u00fcssigen Metrum schreiben. Man kann alle Gedanken rund um die Metrik g\u00e4nzlich ablehnen. Aber das sollte erst dann der Fall sein, wenn man sich mit ihr besch\u00e4ftigt hat. Das hei\u00dft, dass es n\u00f6tig ist zu wissen, was es mit Silbenbetonungen beispielsweise auf sich hat. Erst dann kann man entscheiden, ob jene Gedanken auf einen entsprechenden Inhalt anzuwenden sind oder nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die nachstehenden \u00dcberlegungen und Gedanken sind wesentlich als eine Essenz der Arbeit Wolfgang Kaysers zu betrachten. An ihn halte ich mich wesentlich. Der \u00dcbersicht geschuldet werde ich nur an diesem Punkt auf ihn verweisen!<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Erste Begrifflichkeiten:<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um \u00fcber Metrik sprechen beziehungsweise die in jener Lehre enthaltenen Gedanken nachvollziehen zu k\u00f6nnen, bedarf es zun\u00e4chst einer Aneignung eines \u00fcberschaubaren Vokabulars. Dieses wird nun erarbeitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man betrachte die Verse:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich tr\u00e4umte einst in einer Nacht,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">es w\u00e4r\u00b4 das Jahr Dreitausendacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liest er sie, wird dem Leser bereits ersichtlich, dass die Verse auf besondere Art und Weise eine gewisse Regelm\u00e4\u00dfigkeit in sich tragen. Worum handelt es sich hierbei?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Silben des Wortes <i>tr\u00e4umte<\/i> werden beispielsweise unterschiedlich betont, und zwar so, dass die erste mehr betont wird als die zweite. Handelt es sich um eine betonte Silbe, spricht man von einer Hebung. Ist von einer unbetonten Silbe die Rede, bezeichnet man sie als Senkung. Das Wort <i>tr\u00e4umte<\/i> hat also genau eine Hebung (erste Silbe) und eine Senkung (zweite Silbe). Welche Silben in l\u00e4ngeren Worten betont werden und welche nicht, kann man jedem Duden entnehmen, wobei die Hebungen durch Unterstreichungen oder Punktierungen kenntlich gemacht sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die letzte Silbe in einem Vers ist demnach auch entweder eine Hebung oder eine Senkung. Jene Silbe hei\u00dft Kadenz. Man unterscheidet dabei in m\u00e4nnliche Kadenz (das ist der Fall, wenn die Silbe am Versende eine Hebung ist) und weibliche Kadenz (das ist der Fall, wenn die letzte Silbe unbetont ist). Je nach Anordnung der Kadenzen ergeben sich besondere Metren bzw. Rhythmen der Gedichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ordnet man Hebungen und Senkungen in eine regelm\u00e4\u00dfigen Reihenfolge an, spricht man dabei von einem Metrum. Welche Arten es gibt und wie die entsprechenden Regelm\u00e4\u00dfigkeiten entstehen, wird im n\u00e4chsten Abschnitt besprochen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hebung, Senkung, Kadenz und Metrum sind zun\u00e4chst die ersten Grundbegriffe, die f\u00fcr weitere Erl\u00e4uterungen gebraucht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Entstehung eines Metrums:<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Will man die Betonungen der Silben der oben genannten Verse schematisch angeben, kann man unter anderem folgende Symbolsprache dazu nutzen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">x\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 sei eine unbetonte Silbe<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">X\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 sei eine betonte Silbe<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr jede Silbenbetonung wird nun ein entsprechendes X gew\u00e4hlt. So erh\u00e4lt man:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich tr\u00e4umte einst in einer Nacht,\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 xXxXxXxX<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">es w\u00e4r\u00b4 das Jahr Dreitausendacht.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 xXxXxXxX<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beide Verse haben also eine regelm\u00e4\u00dfige Abfolge von Hebungen und Senkungen und schlie\u00dfen jeweils mit einer m\u00e4nnlichen Kadenz ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wann gilt es aber ein gro\u00dfes und wann ein kleines X f\u00fcr eine Silbe zu setzen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den ersten Hinweis bietet, wie oben bereits erw\u00e4hnt, der Duden. Dort erf\u00e4hrt man zun\u00e4chst die Betonungsregeln f\u00fcr mehrsilbige Worte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wann entscheidet sich aber nun, wann ein einsilbiges Wort betont oder unbetont gelesen wird?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu kann man sich der Leser folgende Faustregeln merken:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1, Ein einsilbiges Wort am Versende wird immer betont vorgelesen, erh\u00e4lt also ein gro\u00dfes X beziehungsweise sorgt es stets f\u00fcr eine m\u00e4nnliche Kadenz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2, Die Silbenbetonung im deutschen Vers folgt der sogenannten Alternierungsregel. Sie sagt aus, dass maximal zwei Senkungen aufeinander folgen d\u00fcrfen. Folgen drei aufeinander wird die mittlere meist zu einer Hebung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinzukommt der Umstand, dass meist einsilbige Substantive innerhalb eines Verses betont vorgelesen werden. Das ist aber nicht immer so. Der Leser kann sich dazu einen Vers vorstellen, dieser nur aus einer Aufz\u00e4hlung von Substantiven besteht. Dabei werden nicht alle Silben zu Hebungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Folgt man den Silbenbetonungsregeln von Duden und den Regeln 1 und 2, erh\u00e4lt an das oben aufgezeigte Schema von Hebungen und Senkungen der Beispielverse.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Metrenarten:<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Prinzipiell lassen sich vier Metrenarten erstellen. Andere Variationen kann man als Mischformen auffassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1, Jambus \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 xXxXxXx\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2, Troch\u00e4us\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 XxXxX\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3, Daktylus\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 XxxXxxXxx\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4, Anap\u00e4st\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 xxXxxXxxX\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Je nach Gedichtform oder Reimform oder Inhalt und so weiter kann sich der Leser ein geeignetes Metrum w\u00e4hlen, es mit einem anderen mischen oder gar nicht verwenden. Die unterschiedlichen Wirkungen, die Metren generieren k\u00f6nnen, gilt es f\u00fcr jeden Schreiber durch \u00dcben herauszufinden. Denn auch hier gilt wieder: Nicht jedes Metrum ist f\u00fcr jeden Inhalt geeignet \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Abschlussbemerkung<\/span>:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um zun\u00e4chst die verschiedenen Betonungsregeln zu lernen oder zu \u00fcben, empfehle ich dem Leser ein klassisches Gedicht zur Hand zu nehmen \u2013 die von Goethe oder Platen eignen sich daf\u00fcr beispielsweise. Man recherchiere in welchem Metrum jenes Gedicht verfasst ist und versucht einfach die Silben je nach Art der Betonung zu kennzeichnen \u2013 unterschiedliche Farben oder \u00e4hnliche Varianten. \u00c4hnliches kann der Leser bei seinen eigenen Versen dann schrittweise anwenden.\u00a0 Je mehr man sich bem\u00fcht, jene Regeln zu lernen, desto leichter wendet man sie automatisch an. Das Schreiben im Metrum wird zusehends leichter fallen. Nicht jeder, aber viele Gedanken werden vermittels eines durchgehalten Metrums unterst\u00fctzt. Welche das sind, hat der jeweilige Autor zu entscheiden, wobei wieder das oberste Gebot der Koh\u00e4renz gelten sollte!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weitere Anregungen und noch viel tiefere Gedankeng\u00e4nge zum Thema Metrik finden sich in Kaysers Werk <i>Kleine deutsche Versschule<\/i>, das ich dem Leser abschlie\u00dfend ans Herz legen m\u00f6chte!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=44097&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 size-266x266 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/The-Transnational.png\" sizes=\"auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/The-Transnational.png 353w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/The-Transnational-212x300.png 212w\" alt=\"\" width=\"188\" height=\"266\" \/><\/a><strong>The Transnationa<\/strong>l ist ein zweisprachiges Literaturmagazin. 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