{"id":43825,"date":"2021-10-15T00:01:58","date_gmt":"2021-10-14T22:01:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=43825"},"modified":"2022-02-18T18:36:18","modified_gmt":"2022-02-18T17:36:18","slug":"kein-spass-im-cyberraum","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/10\/15\/kein-spass-im-cyberraum\/","title":{"rendered":"Kein Spa\u00df im Cyberraum?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\"><em>\u00a0Glaubw\u00fcrdige Digitalisierungkritik muss pr\u00e4zise sein<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Joachim Paul<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass der Autor ein ausgewachsenes Problem mit den Ausw\u00fcchsen des globalen Kapitalismus hat, sollte nicht insofern missverstanden werden, er liefere in seinen Texten ein alternatives Gestaltungsangebot menschlichen Wirtschaftens und Verhaltens. Er begn\u00fcgt sich vielmehr mit einer sehr treffenden Analyse von Entwicklungen; dabei steht die Typologie und das dekuvrierende Verstehen postbourgeoisen Handelns samt der Erl\u00e4uterungen seiner Motive im Vordergrund. Aufkl\u00e4rung tut in der Tat Not. Man darf hoffen, der geneigte Leser ziehe nachher die geeigneten Schl\u00fcsse, so man ein gr\u00f6\u00dferer Optimist ist als der Autor selbst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer nun meint, das Lesen des Bandes gestalte sich angesichts der Inhalte dr\u00f6ge, hat die Rechnung ohne A.J. Weigoni gemacht. Das Dunkle in den Storys wird durch die Helligkeit der Sprache allemal wettgemacht \u2013 nein, es wird schlicht und ergreifend durch die fast schon \u00fcberbordende Fabulierkunst des Autors weggesp\u00fclt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im vorliegenden Band versammelt der Autor A.J. Weigoni die Novellen \u201eAuf ewig Dein!\u201c, \u201eDer grosse Wurf, eine Sprechblasenoperette\u201c, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=8384\">Rahsaan \u2013 eine jazzthetische Story<\/a>, \u201eKopfkino, eine WortVideo f\u00fcr eingeweihte Ohryeure\u201c und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25390\">Der McGuffin &#8211; Nachruf auf den Kriminalroman<\/a>. Die Helden der Storys tauchen ebenso wie die Orte immer wieder auf, allerdings in unterschiedlichen Ensembles. Die St\u00e4dte K\u00f6ln, D\u00fcsseldorf und New York bilden die Einbettung der Handlungen, die zumeist im fortgeschritteneren Cyberzeitalter, also in nicht allzu ferner Zukunft, jedoch nicht so ganz heute, angesiedelt sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Themen der Storys sind sehr kunstlastig. In Story Eins und F\u00fcnf wird anhand des putativen Werks der K\u00fcnstlerin Vera Strange \u00fcber die Malerei und die bildende Kunst philosophiert. Die dritte Story betrachtet den Jazz, die vierte die kulturelle Relevanz des Films im Allgemeinen und im Besonderen. Die Story Zwei und die letzte Story haben das Thema \u201eKriminalit\u00e4t\u201c als einen Handlungsfaden. Alle Storys verbindet die Thematisierung der Stadt als bedeutendste und zugleich gef\u00e4hrlichste Zivilisationsleistung des Menschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\" align=\"right\"><span style=\"color: #888888;\"><em>Leben in M\u00f6glichkeitsfloskeln. Fridolin und Justaff haben eine wortkarge Beziehung. Sie finden erst in der Erinnerung an gemeinsam Erlebtes ihre Gegenwart. Ihnen sind die Momente zwischen Ankunft und Abfahrt vertraut, der Zeitfluss stockt: nicht mehr und auch noch nicht dort: Fridolin und Justaff geh\u00f6ren irgendwie zusammen. Gehen f\u00fcreinander durch dick und d\u00fcnn, aber der eine mischt sich nie in die Angelegenheiten des anderen ein.<\/em> (a.a.O, S. 74).<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An dieser Miniatur kann die Vorgehensweise Weigonis erkennen. Begriffen werden auf sehr eigene Weise Definitionen beigegeben; dabei k\u00f6nnen diese Begriffe durchaus gewagte Neologismen sein, die der Autor quasi leichth\u00e4ndig aus dem \u00c4rmel sch\u00fcttelt und \u00fcber den Text streut, als sprudelten sie einfach so aus ihm heraus. Wer sich auf das durch sie ausgel\u00f6ste Assoziationsfeuerwerk einl\u00e4sst, kann bereits beim Lesen was erleben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das o.g. Zitat ist insofern typisch, als die Schilderung zwischenmenschlicher Beziehungen der \u201ehypermodernen\u201c Menschen untereinander in \u00e4hnlicher origineller Sprache in gro\u00dfer Zahl zu finden sind. Jeder dieser Einsch\u00fcbe ist durchaus dazu geeignet, wenigstens ein Schmunzeln beim Leser auszul\u00f6sen. Seine Fabulierf\u00e4higkeit \u00fcberzeugt ebenso wie seine Dialoge den St\u00fcckeschreiber durchscheinen lassen. Zu guter Letzt sei auch die bilderreiche, poetische Sprache hervorgehoben: Alle drei Ingredienzien legen die Grundlage f\u00fcr eine \u00fcberaus unterhaltendes wie unterhaltsames Leseerlebnis.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">* * *<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Cyberspasz, a real virtuality<\/strong>, Novellen von A. J. Weigoni, Edi\u00adtion Das Labor, M\u00fclheim an der Ruhr 2012.<\/p>\n<div id=\"attachment_44223\" style=\"width: 204px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-44223\" class=\"wp-image-44223 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz-194x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"194\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz-194x300.jpeg 194w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz.jpeg 657w\" sizes=\"auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-44223\" class=\"wp-caption-text\">Covermonatge: Jesko Hagen<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong> KUNO \u00fcbernimmt Artikel von Jo Wei\u00df aus <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/10\/05\/turbokapitalistischer-realismus\/\">Kultura-extra<\/a>, von Karl Feldkamp aus <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/08\/09\/alles-klappt-in-ihrem-leben-doch-nichts-gluckt\/\">Neue Rheinische Zeitung<\/a> und von <span class=\"vcard author\"><span class=\"fn\">Christine Kappe<\/span><\/span> <span data-offset-key=\"cphj4-0-0\">aus der vom Netz gegangenen<\/span> <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/01\/ein-buch-ist-eine-stadt-2\/\">fixpoetry<\/a>. Betty Davis sieht in <em>Cyberspasz<\/em> eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/12\/26\/eine-ebenso-poetische-wie-praezise-geschichtsprosa\/\">pr\u00e4zise Geschichtsprosa<\/a>. Margaretha Schnarhelt erkennt in der <em>real virtuality<\/em> eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/09\/30\/cyberzomb\/\">hybride Prosa<\/a>. Enrik Lauer deutet diese Novellen als <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/09\/01\/der-cyberspace-als-wille-und-vorstellung\/\">Schopenhauer<\/a>s Nachwirken im Internet. In einem Essay betreibt KUNO <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/16\/dystopische-zukunftsforschung\/\">dystopische Zukunftsforschung<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Glaubw\u00fcrdige Digitalisierungkritik muss pr\u00e4zise sein Joachim Paul Dass der Autor ein ausgewachsenes Problem mit den Ausw\u00fcchsen des globalen Kapitalismus hat, sollte nicht insofern missverstanden werden, er liefere in seinen Texten ein alternatives Gestaltungsangebot menschlichen Wirtschaftens und Verhaltens. 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