{"id":42112,"date":"2023-09-24T00:01:42","date_gmt":"2023-09-23T22:01:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42112"},"modified":"2022-02-25T19:59:18","modified_gmt":"2022-02-25T18:59:18","slug":"worte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/09\/24\/worte\/","title":{"rendered":"Worte"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIn solchen Situationen geht es nicht um Stringenz oder gar eine irgendwie entschl\u00fcsselbare Kontinuit\u00e4t, sondern um den Genuss am Umgang mit dem Anderen, mit den Anderen\u201c, dachte Herr Nipp. Er reflektierte vor dem flackernden Kamin sitzend \u00fcber die Kunst des reden K\u00f6nnens, \u00fcber gute und vor allem einfache Gespr\u00e4che. \u00dcber den Austausch der W\u00f6rter und die Ver\u00e4nderung der Bedeutung. \u00dcber was nicht alles gesprochen wurde.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In einer modernen Gesellschaft kann alles zum Thema werden, ohne dass man Angst haben muss, dass irgendjemand aufschreit. Jeder hat das Recht, sich von einer Gesellschaft zu entfernen, wenn einem nicht passt, was die anderen sagen, jeder kann auch dagegen sprechen. Aber keiner hat das Recht, andere f\u00fcr ihre Gedanken zu verurteilen. Wenn Rapper das Wort Respekt in den Mund nehmen, als Jugendliche, dann sieht jeder, dass dieser Gedanke, ob bewusst oder nicht, in der Gesellschaft angekommen ist. Gedanken und Handlungen d\u00fcrfen ihre Wege gehen, solange nicht andere schwerwiegend beeintr\u00e4chtigt werden. Sollte ein Sprecher jedoch \u00fcber das Ziel hinausschie\u00dfen, so hat er gef\u00e4lligst den Mut aufzubringen, um Entschuldigung zu bitten. Wenn ehrlich gemeint, dann sollte dies auch angenommen werden.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Gedanken wie diese werden gew\u00e4lzt und weiter gesponnen. Manchmal aber auch kommt der heimliche Genie\u00dfer zu den eigentlichen Wurzeln seiner sich stets verzweigenden Gedanken zur\u00fcck. Die M\u00f6glichkeiten, die sich mit jedem neuen Wort ergeben, manchmal schon allein mit der grammatischen Form, sind immens, wahrscheinlich sogar unendlich. Und sei es, dass er wie jetzt abschweift zur Entwicklung der Sprache. Er sinniert \u00fcber das stete Gen\u00f6rgel nach, diese w\u00fcrde sich zu schnell ver\u00e4ndern. Jeder, der etwas eigenst\u00e4ndig denken kann, wird allerdings auch begreifen, dass die Sprache sich wahnsinnig schnell ver\u00e4ndern muss, nur allein, um sich den Entwicklungen der Gesellschaft und Technik anzupassen. Da gibt es Menschen, die sich \u00fcber Anglizismen aufregen. Sie wollen zur\u00fcck zu einer rein deutschen Sprache. Aber was ist denn das. Gerade dieses Deutsch hat doch immer davon gelebt, dass es Fragmente, Vokabeln und Floskeln aus anderen Sprachen adaptiert hat. Die germanischen Wurzeln sind doch relativ gering. Da wurde das Latein adaptiert, dann das Franz\u00f6sische, auch Hebr\u00e4isch finden wir und Aztekisch, Ungarisch, Italienisch. Die Niederl\u00e4nder haben ihre Fu\u00dfabdr\u00fccke hinterlassen, die D\u00e4nen auch. Aus dem Indischen, dem Griechischen und wahrscheinlich auch den slawischen Sprachen sind uns die W\u00f6rter geschenkt oder geliehen worden. Aber sie klingen uns inzwischen so deutsch, das wir es kaum noch merken, denkt Herr Nipp. Wer denkt beim Kellner an cellera, wer bei der Schokolade an cocoatl? Manchmal ist es ganz sch\u00f6n, sich ein etymologisches W\u00f6rterbuch zur Hand zu nehmen und man wird feststellen, dass unser heutiges Gesprochenes und Geschriebenes ein enges Geflecht ist. Der Kitt dieses Mauerwerks (murus) ist die Grammatik und auch die ver\u00e4ndert sich langsam. Und so kann letztlich auch jedes Wort aus jeder Sprache eingedeutscht werden. Wenn nun das Englische zur Weltsprache geworden ist, dann wird es eben auch seine Spuren hinterlassen. Und keine Sorge, dadurch wird nichts zerst\u00f6rt, lediglich ver\u00e4ndert.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Irgendwann schlummert Herr Nipp ganz zufrieden ein, im Wissen, auch morgen noch verstanden zu werden. Aber auch im Wissen, auf der H\u00f6he der Zeit bleiben zu m\u00fcssen.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Guppy im Gin<\/strong>, weitere Geschichten von Herrn Nipp. Edition Das Labor 2020<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Guppy_Cover-e1601837356657.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-70634 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Guppy_Cover-184x300.jpg\" alt=\"\" width=\"184\" height=\"300\" \/><\/a><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong>Zu einem begehrten Sammlerst\u00fcck hat sich die\u00a0Totholzausgabe von Herrn Nipps <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12766\"><em>Die Angst perfekter Schwiegers\u00f6hne<\/em><\/a> entwickelt.\u00a0Au\u00dferdem belegt sein Taschenbuch <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=9294\"><em>Unerh\u00f6rte M\u00f6glichkeiten<\/em><\/a>, da\u00df man keinen Falken mehr verzehren muss, um novellistisch t\u00e4tig zu sein. Herr Nipp dampft die Gattung der Novelle konsequent zu <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=899\"><em>Twitteratur<\/em><\/a> ein. Und au\u00dferdem pr\u00e4sentiert Haimo Hieronymus die bibliophile Kostbarkeit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=41385\"><em>\u00dcber Heblichkeiten, Floskeln und andere Ausrutscher<\/em><\/a> aus den Notizb\u00fcchern des Herrn Nipp. <span data-offset-key=\"bv319-0-0\">Begleitendes zur Ver\u00f6ffentlichung des Buches <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/12\/04\/fatale-wirkungen\/\"><em>Fatale Wirkungen<\/em><\/a>, von Herrn Nipp (Mit Fotos von Stephanie Neuhaus). <\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Thema K\u00fcnstlerbucher lesen finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Vertiefend auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":69710,\"width\":168,\"height\":256,\"sizeSlug\":\"large\"} --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:image -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese bibliophile Kostbarkeiten sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; \u201eIn solchen Situationen geht es nicht um Stringenz oder gar eine irgendwie entschl\u00fcsselbare Kontinuit\u00e4t, sondern um den Genuss am Umgang mit dem Anderen, mit den Anderen\u201c, dachte Herr Nipp. Er reflektierte vor dem flackernden Kamin sitzend \u00fcber die Kunst&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/09\/24\/worte\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":161,"featured_media":97873,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1334],"class_list":["post-42112","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-herr-nipp"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42112","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/161"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=42112"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42112\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":100734,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42112\/revisions\/100734"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97873"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=42112"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=42112"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=42112"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}