{"id":41787,"date":"2010-12-29T00:01:00","date_gmt":"2010-12-28T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=41787"},"modified":"2021-10-12T11:55:01","modified_gmt":"2021-10-12T09:55:01","slug":"die-kiste-zeit-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/12\/29\/die-kiste-zeit-2\/","title":{"rendered":"Die Kiste (Zeit)"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich verfliegt die Zeit, das wei\u00df jeder Mensch. Fr\u00fcher verflog sie einfach so, die Sonne ging irgendwann auf und wieder unter, dazwischen lag der Tag, und in dieser Zeit konnte das Leben passieren. Wenn es dunkel war, wurde geschlafen oder k\u00f6rperliche Liebe erf\u00fcllte die Luft. Irgendwann erfanden die Menschen zwei grundlegende Dinge, die alles ver\u00e4ndern sollten: Zun\u00e4chst das k\u00fcnstliche Licht (in tausenden von B\u00fcchern bereits thematisiert, vor allem aber in der Zeit des Expressionismus in Gedichten verherrlicht), dann die Taktung der Zeit mit Hilfe von Uhren (auch das wahrscheinlich tausendfach besprochen, aber wesentlich seltener in Gedichten thematisiert). Die Menschen schlafen heute wahrscheinlich nicht mehr so lange im Winter und haben daf\u00fcr mehr Depressionen, nicht mehr so kurz im Sommer und haben daf\u00fcr ebenfalls mehr Depressionen. Man steht auf, wenn die Uhr es vorgibt, wenn die k\u00fcnstliche, die digitale oder mechanische Taktung der biologischen ein Ende setzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wahrscheinlich waren das nicht genau Herr Nipps Gedanken, als er sich r\u00fcckenschmerzengeplagt aufrichtete, sich aus dem Bett qu\u00e4lte in Richtung des Waschbeckens, nicht um sich erstmal kaltes Wasser \u00fcber den Kopf laufen zu lassen, wie er das sonst zu tun pflegte, sondern um einen kr\u00e4ftigen Schluck zu trinken, denn die am Bett stehende Wasserflasche war leer. Irgendwelche Gedanken dieser Art mussten es wohl aber doch sein, denn zwischendurch drangen fast technisch anmutend die beiden Silben Tick und Tack \u00fcber seine spr\u00f6den Lippen. Er musste daran denken, dass seine Uhr noch beim Uhrmachermeister lag und dort gereinigt werden sollte. Ganz nebenbei griff er in seine Zettelkiste, wusste eigentlich schon, was so ungef\u00e4hr auf dem Blatt stehen w\u00fcrde. Vielleicht eine wunderbare Floskel von Herrn Schopenhauer. Dieses Mal bescherte sie ihm eine winzige Schriftrolle, auf die jemand, das auch noch mit verschiedenen Farben, silber abgesetzt auf Vorsatzpapier, \u201cGew\u00f6hnliche Menschen denken nur daran, wie sie ihre Zeit verbringen. Ein intelligenter Mensch versucht sie zu nutzen.\u201d geschrieben hatte. Er kochte sich also einen Kaffee, schnitt eine Khaki auf, sah auch dort eine Uhr und w\u00fcrde diesen Tag nutzen; carpe diem. Erstmal mit einem ausgiebigen Fr\u00fchst\u00fcck.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p><strong>Die Angst perfekter Schwiegers\u00f6hne<\/strong>, Edition Das Labor 2011<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/2012-Herr-Nipp-aktuelle-Bilder-018-665x1024-e1549272345570.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-44215 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/2012-Herr-Nipp-aktuelle-Bilder-018-665x1024-195x300.jpg\" alt=\"\" width=\"195\" height=\"300\" \/><\/a><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser short-short ist eine Vorschau auf eine Reihe, die KUNO anl\u00e4\u00dflich des Erscheinens von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12766\"><em>Die Angst perfekter Schwiegers\u00f6hne<\/em><\/a> pr\u00e4sentieren wird. Im kommenden Jahr erwartet die Leserschaft ein Zyklus, der nicht in diesem Buch zu finden ist. Das Taschenbuch ist schl\u00fcssigerweise kein K\u00fcnstlerbuch. Was aber, wenn doch ein Originalholzschnitt auf dem Deckblatt der Vorzugsausgabe zu finden sind?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und au\u00dferdem pr\u00e4sentiert Haimo Hieronymus ab 2017 <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=41385\"><em>\u00dcber Heblichkeiten, Floskeln und andere Ausrutscher<\/em><\/a> aus den Notizb\u00fcchern des Herrn Nipp.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong> Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Vertiefend auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die K\u00fcnstlerbucher sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Nat\u00fcrlich verfliegt die Zeit, das wei\u00df jeder Mensch. Fr\u00fcher verflog sie einfach so, die Sonne ging irgendwann auf und wieder unter, dazwischen lag der Tag, und in dieser Zeit konnte das Leben passieren. 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