{"id":41760,"date":"2005-06-24T00:01:56","date_gmt":"2005-06-23T22:01:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=41760"},"modified":"2021-01-24T10:29:08","modified_gmt":"2021-01-24T09:29:08","slug":"letzte-abenteuer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/06\/24\/letzte-abenteuer\/","title":{"rendered":"Letzte Abenteuer"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den gro\u00dfen Tr\u00e4umen der Zivilisation geh\u00f6rt das Leben in absoluter Freiheit, zur\u00fcck zur Natur. Seit Jahren werden in Outdoor-L\u00e4den und sogar von den gro\u00dfen Lebensmittelketten Unmengen an Zelten in allen Funktionen, Formen und Farben an den Mann und die Frau gebracht. Die Idee des billigen Urlaubs in der Wildnis. V\u00e4ter und ihre Kinder erleben den ultimativen Abenteuerrausch.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr Nipp hatte sein Zelt aufgebaut und das Lager spartanisch eingerichtet, eine Isomatte und ein Schlafsack. Erst als es gedunkelt hatte, war er schlafen gegangen. Stundenlang musste er wohl wach gelegen haben, hatte die Ger\u00e4usche der Wildnis vernommen, die Tiere, knackendes Gestr\u00e4uch des Geb\u00fcschs, vor allem jedoch das bedenklich gef\u00e4hrlich dr\u00e4uende Gegrummel des Himmels, das ank\u00fcndigte, es w\u00fcrde ein Unwetter geben. Mit der Zeit hatte er gelernt, die Dinge voneinander zu unterscheiden, das leise Raspeln der Raupen, die an den Bl\u00e4ttern der \u00fcber ihm aufragenden B\u00e4ume nagten. Das Krabbeln und Tipsen (Diminutiv von Tapsen) von M\u00e4usen, die ihre ver\u00e4nderte Umgebung untersuchten, hier und dort an den Pflanzen nagten. Die verschiedenen T\u00f6ne der n\u00e4chtlichen V\u00f6gel. Das Tapsen eines Braunb\u00e4ren, der langsam vor dem Eingang seine Bahn zog, ein, zweimal am Zelt wackelte und sich dann mit Murren des Weges trollte, auch der Schatten des Tigers mit der gro\u00dfen Narbe im Gesicht war zu sehen. Die gro\u00dfe Schlange hatte sich listig zwischen die Zeltw\u00e4nde geschlichen und \u00e4rgerte sich h\u00f6rbar zischend, dass der Rei\u00dfverschluss zugezogen war. Da liefen ganze Elefantenherden durch den Urwald mit einem seltsam vertrauten Takt. Irgendwann war Herr Nipp trotzdem eingeschlafen, die \u00c4ngste vergessend und hatte einige Tr\u00e4ume ausgebildet. Die eigene Vergangenheit der Menschen, die nomadisch das Zelt gebrauchten, \u00fcberall ihre Nahrungsmittel eine Zeit ausbeuteten und dann weiterzogen. Nein, H\u00f6hlen hatte es viel zu wenige gegeben, da musste man schon Eigenes bauen. F\u00fcr gewisse Zeit, im Winter dann nat\u00fcrlich etwas besser befestigt. Er hatte auch von den Massai und den Nuba getr\u00e4umt, die wundervollen Bilder einer Leni Riefenstahl setzten sich zu Geschehnissen zusammen, sch\u00f6ne Menschen, erhabene Schablonen einer \u00e4sthetisierten Au\u00dfenbetrachtung. Diese Bilder hatten ihn als Kind schon begeistert und wie verst\u00f6rt war er gewesen, als er erfahren musste, dass diese Frau f\u00fcr eines der drei autorit\u00e4ren Regime gearbeitet hatte, die Deutschland im zwanzigsten Jahrhundert erleben musste, f\u00fcr das grausamste. Die Filme aus dieser Zeit, vor allem den \u00fcber die Olympiade mochte er trotzdem bis heute, im Wissen um seine Funktion. Eine solch bewusste Manipulation des Sehenden durch neu entwickelte Kameratechnik und -f\u00fchrung, durch diesen Einsatz des Lichtes, der Gesten, der Perspektiven und gew\u00e4hlten Ausschnitte, durch die Komposition der Bilder, das Zusammenschneiden der Szenen, die erz\u00e4hlte Geschichte, den erhabenen Klang. Ein wahrer Triumph der Sinne, des K\u00f6rperkultes. Nie zuvor war Sport so sexy dargestellt worden, so erhaben. Dieser Film hatte Geschichte geschrieben und wirkte sich bis heute auf jeden Leichtathletik-Beitrag im Fernsehen aus.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen halb sieben wurde Herr Nipp vom Zuschlagen der Autot\u00fcren geweckt, er sch\u00e4lte sich aus seinem Schlafsack, \u00f6ffnete den Rei\u00dfverschluss, zog die Schuhe an und ging gemessenen Schrittes hin\u00fcber zur Terrassent\u00fcr, blinzelte kurz ins Sonnenlicht, er musste dringend auf die Toilette.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\"><!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph {\"align\":\"center\"} --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Mittelma\u00df der Welt<\/strong>, unerh\u00f6rte Geschichten von Herrn Nipp, dokumentiert auf KUNO 1994 &#8211; 2019<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-71748\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg\" alt=\"\" width=\"217\" height=\"229\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg 217w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild-160x169.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 217px) 100vw, 217px\" \/><\/a><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong>Zu einem begehrten Sammlerst\u00fcck hat sich die\u00a0Totholzausgabe von Herrn Nipps <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12766\"><em>Die Angst perfekter Schwiegers\u00f6hne<\/em><\/a> entwickelt.\u00a0Au\u00dferdem belegt sein Taschenbuch <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=9294\"><em>Unerh\u00f6rte M\u00f6glichkeiten<\/em><\/a>, da\u00df man keinen Falken mehr verzehren muss, um novellistisch t\u00e4tig zu sein. Herr Nipp dampft die Gattung der Novelle konsequent zu <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=899\"><em>Twitteratur<\/em><\/a> ein. Und au\u00dferdem pr\u00e4sentiert Haimo Hieronymus die bibliophile Kostbarkeit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=41385\"><em>\u00dcber Heblichkeiten, Floskeln und andere Ausrutscher<\/em><\/a> aus den Notizb\u00fcchern des Herrn Nipp. <span data-offset-key=\"bv319-0-0\">Begleitendes zur Ver\u00f6ffentlichung des Buches <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/12\/04\/fatale-wirkungen\/\"><em>Fatale Wirkungen<\/em><\/a>, von Herrn Nipp (Mit Fotos von Stephanie Neuhaus). \u00dcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=70620\">historische Aufgabe<\/a> von Herrn Nipp aus M\u00f6ppelheim.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Thema K\u00fcnstlerbucher lesen finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Vertiefend auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese bibliophile Kostbarkeiten sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Zu den gro\u00dfen Tr\u00e4umen der Zivilisation geh\u00f6rt das Leben in absoluter Freiheit, zur\u00fcck zur Natur. 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