{"id":41755,"date":"2005-06-04T00:01:46","date_gmt":"2005-06-03T22:01:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=41755"},"modified":"2021-01-24T16:20:58","modified_gmt":"2021-01-24T15:20:58","slug":"das-ende-der-kunstgeschichtler","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/06\/04\/das-ende-der-kunstgeschichtler\/","title":{"rendered":"Das Ende der Kunstgeschichtler"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber den Ausspruch eines K\u00fcnstlers, Kunst sei das Werkzeug, die Realit\u00e4t zu verstehen, hatte sie sich ausf\u00fchrlich und mit inbr\u00fcnstiger Begeisterung ausgelassen. Das k\u00f6nne sie nur, ja das k\u00f6nne man nur genauso empfinden und sehen. Betonung auf \u201egeeeeenau&#8212;&#8212;so\u201c. Der Vortrag stellte einer Gruppe Kunstinteressierter die Geschichte der Documenta in Kassel vor. Von den f\u00fcnfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts bis in die Jetztzeit eine wahrlich gro\u00dfe Aufgabe. Aus dem angepriesenen Workshop war zwar eine dreieinhalbst\u00fcndige Vorlesung entstanden, aber warum sollte sich eine ausgewiesene Dr. Kunstgeschichte auch an Ank\u00fcndigungen halten, wenn man sich selber gerne reden, schwadronieren, schw\u00e4rmen h\u00f6rt. Da st\u00f6rt es einfach, wenn andere Menschen sich einzubringen versuchen. Jeder zaghafte Versuch des Publikums wurde dementsprechend auch fast brutal unterbunden. Selbst freundlich gemeinte Meldungen wurden mit finsterer Miene unwirsch abgelehnt, sie h\u00e4tten, wenn auch nur angedeutet, st\u00f6ren k\u00f6nnen. Wer eine eigene Meinung auch nur ansatzweise versuchte kundzutun, wurde autorit\u00e4r abgeb\u00fcgelt. Genau die heutige Vorstellung von demokratischer Kunst. Von Station zu Station konnten die Anwesenden anhand anschaulichen Bildmaterials die gesellschaftliche Bedeutung nachvollziehen, die Ausstrahlung auf unsere Gesellschaft. Die unbestrittene Wichtigkeit, schon ablesbar an den \u00fcber 700.000 Besuchern, die vor f\u00fcnf Jahren an hundert Tagen dieses Museum auf Zeit besucht hatten. (Eine Zahl, die \u00fcberraschend der entspricht, die an einem Wochenende die Spiele der ersten und zweiten Fu\u00dfballbundesliga besucht. Hier aber spricht niemand von \u00e4sthetischer Relevanz, sondern nur von einen \u201eMassenph\u00e4nomen mit Eventcharakter\u201c, nicht vergleichbar mit irgendeiner Kunstausstellung, da auf anderem Niveau angesiedelt.) Ber\u00fchmte Vertreter der Documenta wurden heran gezogen. Nat\u00fcrlich der Mann mit dem Filzhut, der Schamane, mit seinen vielen Legenden, die er sich selbst gezimmert hatte. Die Lehmbrucklegende, nach der er ein Buch aus einer B\u00fccherverbrennung gerettet habe, einen Lehmbruckkatalog. Danach sei er so begeistert gewesen, dass der junge Mann beschlossen habe, Bildhauer zu werden. Nat\u00fcrlich die Kriegserlebnisse mit Filz- und Fettheilung. Zum Schamanismus geh\u00f6rt eine gute Geschichte, leider wird dies von einigen Gl\u00e4ubigen manchmal vergessen, auch von Kunstgeschichtlern. Richtern Atlas musste auch gezeigt werden, in Ausschnitten nat\u00fcrlich nur, denn dieses Werk sei so immens, dass man ein ganzes Leben brauche, dieses zu verstehen. (Bei anderen Menschen spricht man \u00fcbrigens von der Tendenz zum Messie, wenn sie jeden Schnipsel aufheben) Die besondere Wertsch\u00e4tzung legte die Dame hierbei nat\u00fcrlich auf die Stillleben, denn hier konnte sie Bez\u00fcge zu den Vanitasbildern der Barockzeit herstellen, verlor sich gerne und breit in die drei zentralen Grunds\u00e4tze dieser Zeit (vanitas vanitatem, carpe diem und vor allem memento mori). Da kann man dann einmal zeigen, dass man sich mit der Kunst vor 1900 intensiv auseinander gesetzt hat. Hier nicht zum ersten Mal musste Herr Nipp ausf\u00fchrlich g\u00e4hnen. Nicht vor Aufregung, er hatte das Gef\u00fchl eingelullt zu werden und fragte sich, ob er sich auch weiterhin M\u00fche geben sollte, echtes Interesse zu heucheln. Aus einer der letzten Documenta-Ausstellungen (auf keinen Fall als Documentas oder Documenten im Plural zu bezeichnen) wurden die Masken eines afrikanischen K\u00fcnstlers gezeigt, der mit Benzinkanistern statt mit Holz gearbeitet hatte, hier wurde auf die Faszination verwiesen, welche die afrikanische und ozeanische Kunst der Urv\u00f6lker auf die Expressionisten und Kubisten ausge\u00fcbt hatte. Sogenannte primitive Kunst als Ursuppe f\u00fcr ein Neuentstehen der westlichen Kunst. Eine Arbeit aus zerst\u00f6rtem Stoff wurde gezeigt, und als Erkl\u00e4rungsmodell nat\u00fcrlich Fontana herangezogen. An mancher Stelle h\u00e4tte Herr Nipp sich gew\u00fcnscht, ein einfaches Gespr\u00e4ch \u00fcber die Arbeiten an sich zu f\u00fchren. \u00dcber ihre Auswirkung auf die Wahrnehmung, die Bedeutung f\u00fcr den Einzelnen. Das aber war nicht erw\u00fcnscht.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\"><!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph {\"align\":\"center\"} --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Mittelma\u00df der Welt<\/strong>, unerh\u00f6rte Geschichten von Herrn Nipp, dokumentiert auf KUNO 1994 &#8211; 2019<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-71748\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg\" alt=\"\" width=\"217\" height=\"229\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg 217w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild-160x169.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 217px) 100vw, 217px\" \/><\/a><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong>Zu einem begehrten Sammlerst\u00fcck hat sich die\u00a0Totholzausgabe von Herrn Nipps <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12766\"><em>Die Angst perfekter Schwiegers\u00f6hne<\/em><\/a> entwickelt.\u00a0Au\u00dferdem belegt sein Taschenbuch <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=9294\"><em>Unerh\u00f6rte M\u00f6glichkeiten<\/em><\/a>, da\u00df man keinen Falken mehr verzehren muss, um novellistisch t\u00e4tig zu sein. Herr Nipp dampft die Gattung der Novelle konsequent zu <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=899\"><em>Twitteratur<\/em><\/a> ein. Und au\u00dferdem pr\u00e4sentiert Haimo Hieronymus die bibliophile Kostbarkeit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=41385\"><em>\u00dcber Heblichkeiten, Floskeln und andere Ausrutscher<\/em><\/a> aus den Notizb\u00fcchern des Herrn Nipp. <span data-offset-key=\"bv319-0-0\">Begleitendes zur Ver\u00f6ffentlichung des Buches <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/12\/04\/fatale-wirkungen\/\"><em>Fatale Wirkungen<\/em><\/a>, von Herrn Nipp (Mit Fotos von Stephanie Neuhaus). \u00dcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=70620\">historische Aufgabe<\/a> von Herrn Nipp aus M\u00f6ppelheim.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Thema K\u00fcnstlerbucher lesen finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Vertiefend auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese bibliophile Kostbarkeiten sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; \u00dcber den Ausspruch eines K\u00fcnstlers, Kunst sei das Werkzeug, die Realit\u00e4t zu verstehen, hatte sie sich ausf\u00fchrlich und mit inbr\u00fcnstiger Begeisterung ausgelassen. Das k\u00f6nne sie nur, ja das k\u00f6nne man nur genauso empfinden und sehen. Betonung auf \u201egeeeeenau&#8212;&#8212;so\u201c. 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